Samstag, 3. Oktober 2026

Ein Mann und eine Frau















Regie: Claude Lelouch 

Zufallsbegegnung...

Claude Lelouch drehte den Film "Ein Mann und eine Frau" aus dem Jahr 1966 in Echtzeit in nur drei Wochen. Das Drehbuch hatte er zuvor in 30 Tagen geschrieben. Ursprünglich sollte der Film, dessen Herstellung insgesamt nur drei Monate dauerte, in Schwarzweiß gedreht werden. Da aber ein Produzent, der die Rechte für den amerikanischen Fernsehmarkt kaufte, Farbaufnahmen verlangte, drehte Lelouch die Außenaufnahmen in Farbe. Für mehr reichte das Budget damals noch nicht. Der Regisseur hatte noch keinen großen Namen. Außerdem führte Lelouch eine einfach zu bedienende Handkamera; so konnte er schneller auf schauspielerische Momente reagieren und die auf Improvisation angelegte Regiearbeit unterstützen. Ein weiteres Element war dabei die Musik. Francis Lai hatte sie schon vor Beginn der Dreharbeiten eingespielt, und Lelouch konnte diese Aufnahmen bereits während der Dreharbeiten nutzen. So erzeugte er durch das Abspielen der Musik die entsprechende Stimmung für die Schauspieler, die nun bereits wussten, wie die jeweilige Szene im fertigen Film erscheinen würde. Für den Komponisten Francis Lai war diese Arbeit die erste Filmkomposition. Die Titelmelodie sollte eine der einprägsamsten und berühmtesten Filmmelodien der Geschichte des Kinos werden. Einige Jahre später erhielt er für seine Filmmusik im Kassenschlager "Love Story" den Oscar. Im Grunde ist die Geschichte, die "Ein Mann und eine Frau" präsentiert, denkbar einfach, beinahe schon banal. Anne Gauthier (Anouk Aimee) und Jean-Louis Duroc (Jean-Louis Trintignant) sind beide Mitte Dreißig und beide haben auf tragische Weise ihre Ehepartner verloren. Annes Mann, ein Stuntman (Pierre Barouh) kam während eines Filmdrehs ums Leben und Jean Louis´Ehefrau Valerie (Valerie Lagrange) hat sich das Leben genommen, weil sie sich sicher war, dass ihr Mann - Jean Louis ist Rennfahrer - den schweren Autounfall nicht überleben wird. Er wird gerettet und zieht nun seinen kleinen Sohn Antoine (Antoine Sire) alleine auf. Da er berufstätig ist, lebt das Kind unter der Woche in einem Internat. Dort lernt er Anne kennen, denn deren Tochter Francoise (Souad Amidou) geht dort auch zur Schule. Da Anne den Zug verpasst, bietet er ihr an sie mit nach Paris zu nehmen, da beide dort wohnen. Erst am Ende der Fahrt gesteht sie Jean-Louis, dass ihr Mann bei einem Unglück am Set ums Leben gekommen ist. Sie verabreden sich für das nächste Wochenende, um wieder gemeinsam nach Deauville zu den Kindern zu fahren. Dort berichtet Jean-Louis auch, dass er von Beruf Rennfahrer ist. Gemeinsam mit den Kindern verbringen die beiden einen Tag am Meer und kommen sich dabei näher, und so eröffnet Jean-Louis bei einer weiteren Fahrt auf Annes Nachfrage, dass auch er verwitwet ist. Langsam entsteht eine große Zuneigung...










Ein Liebesfilm, der allerdings wunderschön und edel in Szene gesetzt wurde. Sehr effektiv waren die atmosphärischen Bilder, die der Kameramann Jean Collomb schuf. Seine Zusammenarbeit mit Claude Lelouch sollte 13 Jahre währen. Bei den Kritikern war der Film eher umstritten - doch er erhielt die Goldene Palme von Cannes, erhielt zwei Oscars (Bester fremdsprachiger Film und Originaldrehbuch), den Golden Globe als bester Auslandsfilm und die faszinierende Anouk Aimee wurde ebenfalls mit einem Golden Globe ausgezeichnet, ausserdem bekam sie den British Academy Award. Das Publikum liebte den Film, so verzeichneten die französischen Kinos mit fast 4,3 Millionen Zuschauern einen riesigen Erfolg. Der Film landete auf Platz 6 der französischen Kinocharts 1966. 










Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Montag, 14. September 2026

Pharao















Regie: Jerzy Kawalerowicz

Die Macht der Priester...

Jerzy Kawalerowiczs Film "Pharao“ ist eine Art "Kleopatra“ ohne Burton und Taylor" - so hieß es in einer Kritik zu diesem besonderen polnischen Monumentalfilm aus dem Jahr 1966. Allerdings ist er weit entfernt von einer kommerziellen Hollywood Großproduktion, denn er erzählt uns eine Geschichte über die Mechanik der Macht, das Versagen des Menschen im politischen Kampf und Leben; ein Film, der trotz äusseren Aufwandes die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers beansprucht, weil er in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist.  Er basiert auf dem gleichnamingen Roman des Schriftstellers Boleslaw Brus. Im Jahr 1967 wurde er gemeinsam mit "Ein Mann und eine Frau" (Frankreich, Claude Lelouch), "Schlacht um Algier" (Italien, Gillo Pontecorvo), "Die Liebe einer Blondine" (Tschechoslowakei, Milos Forman) und "Drei" (Jugoslawien, Alexandar Petrovic) sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert - Sieger wurde Claude Lelouchs Film. "Pharao" nahm am Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes teil und verkaufte im Heimatland Polen 7 Millionen Eintrittskarten.  Die hervorragend bebilderte Geschichte (Kameramann:Jerzy Wójcik und Wieslaw Zdort)  beschreibt die Manipulationen konservativer Priester und Hohepriester gegen den neuen Monarchen Ramses XIII. , der in ihren Augen zu fortschrittlich ist und den sie schließlich durch Ausnutzung der Leichtgläubigkeit des Volkes beseitigen werden. Dieser junge Pharao Ramses XIII. (Jerzy Zelnik) beabsichtigt, das alte Ägypten zu reformieren. Der Priester Herhor (Piotr Pawlowski) stellt sich ihm entgegen. Der Machtkampf zwischen den beiden bildet den Schwerpunkt des Films.  Weitere Themen sind die Freundschaft mit dem Priester Pentuer (Leszek Herdegen) sowie die Liebe zu der schönen Jüdin Sara (Krystyna  Mikołajewska) und der Priesterin Kama (Barbara Brylska). Zudem erzählt der Film von dem geheimen Pakt mit Assyrien, der Sonnenfinsternis – und wie die Priester diese nutzten, um das Volk gefügig zu machen – sowie von der Ermordung Ramses’ XIII. durch seinen Doppelgänger, der ebenfalls von Jerzy Zelnik gespielt wird.  Ein historisches Epos von universeller Bedeutung, das die Mechanismen der Macht und den Einfluss der Religion auf das gesellschaftliche Leben offenlegt. Nach dem Tod des schwerkranken Pharaos Ramses XII. (Andrzej Girtler) ringt dessen Nachfahre Ramses XIII. inmitten einer schweren Krise um die Macht im Staate. Neben der maroden Finanzlage – die Staatskasse wurde geplündert – und der allgegenwärtigen Korruption, einer gepeinigten und verarmten Bevölkerung wird sein Land von Feinden bedroht. Die Geschicke des Landes liegen in den Händen der allmächtigen Kaste der Priester um deren Anführer Herhor, dem Hohepriester von Theben und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der junge Pharao Ramses XIII. kämpft inmitten dieser Ausgangssituation um seine Vormachtstellung und versucht die Macht des Klerus einzudämmen, welcher jedoch selbst die Initiative ergreift und eine Intrige gegen den jungen Pharao entfacht.... Tadeusz Konwicki, der gemeinsam mit Kawalerowicz das Drehbuch verfasste, kommentierte: „Es ist kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, sondern vor allem eine tiefgründige Analyse eines Machtsystems...













Die Geschichte von Ramses XIII. ist ein typisches Beispiel für das Handeln eines jungen Menschen, der voller Glauben und mit dem Wunsch nach Erneuerung ins Leben tritt. Er weiß noch nichts von höheren Staatsräsonen und interessiert sich nicht für die Gesetze, die den komplexen Machtapparat steuern. Er glaubt, derjenige zu sein, der die bestehende Ordnung verändern kann. Bei der Adaption des Romans von Bolesław Prus für die Leinwand trafen die Produzenten des Films eine Reihe bemerkenswerter Entscheidungen. Eine Maßnahme bestand darin, den Film in einem vorwiegend goldgelblichen Farbspektrum zu halten und leuchtende Farben nahezu vollständig zu eliminieren; kräftiges Blattgrün ist nur ein einziges Mal zu sehen – in der Szene mit Ramses und Sara am Nil. Stanislaw Milski spielt den Hohepriester Mephres, Wieslawa Mazurkiewicz verkörperte die Mutter des jungen Pharao.

















Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Kampf auf der Insel















Regie: Alain Cavalier 

Flucht und Rache eines Terroristen...

Nach dem eher bescheidenen Erfolg mit ihrem 18. Film "Katja, die ungekrönte Kaiserin" fokussieren sich die Karrierebemühungen von Romy Schneider mehr und mehr auf Frankreich. Bei den Dreharbeiten zu "Christine" hatte sie den noch unbekannten französischen Kollegen Alain Delon kennen und lieben gelernt und ging mit ihm in dessen Heimat. Doch zunächst bleiben noch die großen Rollen aus. Erst als Romy dem italienischen Regisseur Luchino Visconti begegnet, ändert sich vieles. Sie spielt in seiner Theaterinszenierung "Schade, dass sie eine Dirne ist" in Paris, Co-Star ist Alain Delon. Danach folgen Filmangebote wie "Der Prozess" von Orson Welles und "Der Kardinal" von Otto Preminger - eine Rolle, die ihr sogar eine Golden Globe Nominierungen als Beste Hauptdarstellerin einbringt. Die 70er Jahre lassen Romy zu einem der "Big Stars" des französischen Kinos aufsteigen. Das 1962 entstandene Filmdrama "Der Kampf auf der Insel" ist der zweite französische Film, in dem Romy mitspielt. Ihre Premiere hatte sie mit einem Kurzauftritt in "Nur die Sonne war Zeuge", dem bekannten Kult-Thriller mit Alain Delon. In "Der Kampf auf der Insel" führt Alain Cavalier Regie. Im Original heißt der Vertreter der damals angesagten Nouvelle Vague "Le Combat dans l´ile" Vor dem Hintergrund der Bombenanschläge und Attentate der Organisation de l’armée secrète (OAS) erzählt der Film die Geschichte eines unnahbaren jungen Mannes, der der Verlockung des Terrorismus erliegt, sowie die seiner sympathischeren Frau, die sowohl ihre Unabhängigkeit als auch einen lebenswerteren Partner findet. Clément (Jean Louis Trintignant) und Anne (Romy Schneider) sind ein elegantes und wohlhabendes Paar. Clément, der unter Eifersucht leidet, trifft sich mit Serge (Pierre Asso), dem Anführer einer rechtsextremen Gruppe, die sich "Gruppe der Dreizehn" nennt und vorhat Anschläge zu verüben. Als nächstes steht einen Bazooka-Anschlag im Raum, um ein Oppositionsmitglied des Parlaments zu töten. Doch der Abgeordnete wurde gewarnt und hat auf Anraten eines anonymen Anrufern auf seinen Platz am Fenster seiner Wohnung eine Schaufensterpuppe platziert, was ihm das Leben rettet. Clément erkennt bald die Wahrheit: Er wurde von Serge, der für ihn wie ein zweiter Vater war, verraten. Von der Polizei gesucht, taucht Clément mit Anne im Landhaus seines alten Freundes und Druckers Paul (Henri Serre) unter. Während Clément, fest entschlossen, Rache zu nehmen, in Argentinien nach Serge suchte, entdeckte Anne dank der Zärtlichkeit Pauls, der ihr Geliebter wurde, allmählich ihre Lebensfreude wieder...







Obwohl der Film bei seiner Veröffentlichung zunächst im Schatten anderer Werke stand, hat er seither an Anerkennung gewonnen. Inzwischen wird der Film als sehr guter Vertreter seiner Gattung angesehen und man erkennt Ähnlichkeiten mit einigen Filmen von Jean Luc Godard oder Louis Malle. Die Machart wirkt zwar kühl und distanziert, aber sehr viel Bedrohung und Erotik steckt in dieser Geschichte, dessen Drehbuch Alain Cavalier gemeinsam mit Jean Paul Rappeneau schrieb. Der Kampf gipfelt in einem Schusswechsel in einem Sumpfgebiet auf dem Land. Es dauert zwar eine Weile, bis es dazu kommt, doch das Warten lohnt sich. 1986 wurde Cavaliers Film "Therese" mit mehreren Cesars (Bester Film, bestes Drehbuch, beste Kamera Philippe Rousslot, bester Schnitt, beste Nachwuchsdarstellerin Catherine Mouchet) ausgezeichnet. 








Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.