Donnerstag, 23. Juli 2026

Das Geheimnis des gelben Grabes















Regie: Armando Crispino

Der Dämon der Etrusker..

Der letzte Film, der im Kino als sogenannter Bryan Edgar Wallace Film vermarktet wurde und von Artur Brauner produziert wurde, ist die deutsch-italienisch-jugoslawische Coproduktion "Das Geheimnis des gelben Grabes" - im Original heißt der Film " L’etrusco uccide ancora" und wurde von Armando Crispino inszeniert. 
Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film um 7 Minuten gekürzt, Er konnte mit einer FSK 18 Einschätzung jedoch nicht an der Kinokasse punkten und so wurde die Reihe nach diesem Film eingestellt. Natürlich sind alle Bryan Edgar Wallace Filme nach "Das 7. Opfer" bereits richtige Giallos (die beiden Frühwerke von Dario Argento "Die neunschwänzige Katze" sowie "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) und geizen nicht mit brutalen Szenen der Morde.
Auch wenn dieser Giallo etwas verworren und chaotisch bis zum Schluß bleibt, hat der Film doch einen recht guten Unterhaltungswert und der deutsche Zuschauer erkennt natürlich sofort Nadja Tiller, die unter der Perücke ein Geheimnis trägt, und Horst Frank, der einmal gegen sein Image besetzt wurde und einen etwas tuntigen Choreographen spielt.
Überhaupt sind aber alle Figuren im Film etwas seltsam und haben gewisse Probleme. Am wenigsten vieleicht noch das junge Pärchen (Rodolfo Bigotti und Cinzia Bruno), die sich mit dem Motorrad heimlich bis zu den Ausgrabungsorten schleichen und dann in einem der offengelegten Etrusker Gräber ein Nümmerchen schieben wollen. Doch leider werden sie von einem Mörder gestört. Hat dieser Ritualmord etwa mit den Grabungen der Archäologen zu tun, die möglicherweise den Zorn eines Etruskergottes hervorgerufen haben ?
Jedenfalls wird das junge Pärchen blutüberströmt in der Grabeskammer gefunden, genauso wie auf den alten Fresken abgebildet.
Der amerikansiche Archäologe Jason Porter (Alex Cord) erforscht gerade diese Grabstätten, die alle auf dem Grundstück des egozentrischen Dirigenten Nikos Samarakis (John Marley) liegen. Der alte Maestro ist inzwischen mit Porters großer Liebe Myra (Samantha Eggar) verheiratet. Noch immer liebt Myra den aufbrausenden und aggressiven Porter, der allerdings weiterhin kräftig dem Alkohol verfallen ist und sie in der Vergangenheit schon einmal meucheln wollte. Daran kann sich Porter aber überhaupt nicht mehr erinnern. Es geschieht ein weiterer Anschlag auf ein Pärchen. Genau wie beim ersten Mord hat die tote Frau rote High Heels vom Mörder angelegt bekommen und man hört ein klassisches Musikstück von Verdi "Requiem" sozusagen als Klangverbildlichung dieser mörderischen Untaten als Ouvertüre des Unheils, dass gerade eingebrochen ist. Immerhin hat bei der zweiten Attacke der junge Mann überlebt. Von Igor (Carlo de Mejo), Sohn des Dirigenten, erhofft sich der Kommissar (Enzo Teraszio) wertvolle Hinweise um dem Serienkiller das Handwerk zu legen. Der Inspektor glaubt keineswegs die Mär von dem etruskischen Dämon, der nun aus dem Jenseits Rache übt. Aber wer ist der Irre, der hier im Akkord Morde begeht. Immer mehr rückt Porter in den Fokus der ermittelnden Beamten. Dann taucht auch noch ein erpresserischer Wachman (Vladan Holec) auf...







Die Kritik nahm den Film damals nicht besonders gut auf. Aber aus heutiger Sicht kann sich der Giallo Freund doch sehr freuen. Die Handlung ist zwar irre und wirr, aber die Charaktere sorgen doch für einen hohen Unterhaltungsert. Ein verbal ständig randalierender Dirigent und die Hauptfigur, versehen mit Alkohol-, Frauen- und Gedächtnisproblemen buhlen um die Gunst der schönen Samantha Eggar, die einige Jahre später in David Cronenbergs "Die Brut" eine Hauptrolle spielte.







Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Die neunschwänzige Katze















Regie: Dario Argento

Gewaltbereiter Killer dank Chromosomenverschiebung...

"Die neunschwänzige Katze" ist ein Novum im Filmschaffen von Dario Argento. Denn es war der einzige Film des Regisseurs, der nicht der Zensur unterlag und nicht mit diversen Schnitten verstümmelt wurde. Der blinde Ex-Journalist Franco Arno (Karl Malden), der seinen Job an den Nagel gehängt hat und derzeit seinen Lebensunterhalt mit dem Erstellen von Kreuzworträtseln für eine Tageszeitung bestreitet, unternimmt noch einen nächtlichen Spaziergang mit seiner kleinen Nichte Lori (Cinzia de Carolis). Er hört dabei eine geheimnisvolle erpresserische Unterhaltung zweier Personen in einem parkenden Auto, eine der Personen fordert von der anderen mit Vehemenz irgendetwas ein. Dieses Auto parkt an der rennomierten Forschungseinrichtung von Prof. Fulvio Terzi (Tino Carraro), ein medizinisch-biologisches Institut, dass einen Beweis für die Existenz von sogenannten "XYY-Chromosomen" gefunden hat: Dieser angeborene Veranlagung sagt man nach, dass sie auch in hohem Maße Kriminalität und abnorme Aggressivität fördert.
Mit einem speziellen Verfahren verfolgt das Institut den verwegenen Zukunftsplan, potentielle Mörder schon im Kindesalter zu isolieren, also vor dem Begehen von Straftaten bereits unschädlich zu machen.
500 Probanten mussten sich diesem Test unterziehen, darunter auch die Forscher Dr. Braun (Horst Frank), Dr. Casoni (Aldo Reggiani), Dr. Calabresi (Carlo Alighiero), Dr. Esson (Tom Felleghi) oder Morbeli (Emilio Marchesini).
In der gleichen Nacht wird vor dem Institut ein Wachmann ohne ersichtlichen Grund niedergeschlagen, es wird eingebrochen. Doch alles ist ziemlich mysteriös, zumal die ersten polizeilichen Ermittlungen ergeben, dass überhaupt nichts gestohlen wurde.
Am Tatort lernt der blinde Franco Arno seinen Berufskollegen, den Reporter Carlo Giordinani (James Franciscus) kennen, der sich ebenfalls für den Fall interessiert und mit dem Arno seine nächtliche Beobachtung mitteilt. Komischerweise hat am nächsten Tag Dr. Calabresi einen Unfall am Bahnsteig, der sich bald als brutaler Mord herausstellt. Und daraus wird natürlich eine Serie. Bald ermitteln die zwei Männer auf eigene Faust. Giordiani flirtet zwischendurch ganz heftig mit Anna (Chaterine Spaak),  der Tochter des Professors Terzi. Die beiden Männer geben ihrer Mördersuche einen Namen. Sie ergründen neun Spuren, die gleich der Jagd nach einer neunschwänzigen Katze zum gesuchten Mörder führen sollen. Doch dies bedeutet Lebensgefahr...






Dario Argento drehte "Die neunschwänzige Katze" im Jahr 1971.
Der Thriller ist nach "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" Argentos zweite Arbeit und beide Filme bilden zusammen mit "4 Fliegen auf grauem Samt" Argentos "Tier Trilogie".
Der Film ist eher ein ruhiger, fast relaxter Giallo, der zwar einige Morde zeigt, aber in zurückhaltender Form. 
Schön gelungen ist die Kamerarbeit von Enrico Menczer und auch die Filmmusik von Meister Ennio Morricone. Gemessen an seinen bald folgenden Meisterwerken ist "Die neunschwänzige Katze" eher gute Krimiunterhaltung und auch nie besonders innovativ oder phantastisch. Aber er hat viele Anleihen bei Hitchcock und daher ist der Suspence Gehalt recht hoch.
In Deutschland gingen ca. 400.000 Zuschauer ins Kino. Die deutsch-französisch-italienische Coproduktion wurde als "Edgar Bryan Wallace" Film beworben. 
Erinnert hat mich der Film ein bisschen an Henry Hathaways "23 Schritte zum Abgrund", der ebenfalls thematisiert, wie ein Blinder eine Unterhaltung mithört, die in einen Mord mündet.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Dienstag, 21. Juli 2026

Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse















Regie: Hugo Fregonese

Mabuse meets Bond...

Mit 1,259 Millionen Zuschauern lief "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse", der bereits sechste Dr. Mabuse Film der Nachkriegszeit gar nicht mal so schlecht im Kino. Doch verglichen mit seinen Vorgängern gingen die Zuschauerzahlen immer weiter zurück. Fritz Langs "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" hatte noch ca. 2,6 Millionen, der Nachfolger "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" von Harald Reinl nur unbedeutend weniger Zuschauer. Der ebenfalls von Reinl inszenierte "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" verpasste nur knapp die 2 Millionen Marke und Werner Klingers "Das Testament des Dr. Mabuse" schaffte noch 1,5 Millionen, "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" von Paul May kam in etwa auf den selben Umsatz. Vorgesehen waren noch die Produktionen "Das unheimliche Kabinett des Dr. Mabuse" und "Die Rache des Dr. Mabuse", doch nach diesem weiteren Schwund an Kinogängern, wollte Artur Brauner diese Projekte nicht mehr realisieren. Tatsächlich wollte man mit "Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse" neue Wege gehen - weg vom düsteren Image und hin zu einem zeitgemäßen Spionagefilm mit gewissen Science Fiction Elementen, ganz im Stil des im Jahr zuvor gestarteten Filmerfolgs "James Bond jagt Dr. No". Für mich leider auch die Schwachstelle dieses sechsten Films, dessen Drehbuch von Ladislas Fodor geschrieben wurde und vom argentinischen Routinier Hugo Fregonese (Trommeln des Todes, Karawane zur Hölle, Tag der Vergeltung) inszeniert wurde. Major Anders (Peter van Eyck) vom britischen Geheimdienst erhält den Auftrag, Professor Pohland (Walter Rilla) zu verhören, von dem Dr. Mabuse (Wolfgang Preiss) einst Besitz ergriffen hatte. Nach dessen Schreckensherrschaft leidet der Professor an Wahnvorstellungen, doch Major Anders ist sich sicher, dass er noch entscheidende Hinweise liefern könnte. Gerade als Pohland anfängt zu sprechen, und das Wort "Todesstrahlen" stammelt, verschwindet dieser spurlos. Anhand dieses Ansatzpunktes reist Major Anders mit einer seiner Freundinnen (Rika Dialina) nach Malta, da dort der bekannte Wissenschaftler Professor Larsen (O. E. Hasse) eben genau an dieser Erfindung arbeitet, einem Spiegel, der jeden beliebigen Ort auf der Erde zerstören könnte. Man vermutet Spionageaktivitäten und befürchtet, dass die Erfindung in die falschen Hände geraten könnte. Oder lebt Dr. Mabuse tatsächlich noch und greift in seinem Wahnsinn erneut nach der Weltherrschaft..? In dem kleinen Ort Belmare im Süden von Malta ist der Sitz des Professors. Sein Verbindungsmann dort ist Admiral Quincy (Leo Genn). Obwohl Anders in Begleitung reist, fliegt er sofort als Agent auf. Er macht Bekanntschaft mit Gilda (Yvonne Furneaux), der Nichte des Professors, die sofort Gefallen an Anders findet und auch von Sekretärin Mercedes (Yoko Tani) bekommt er eindeutige Angebote. Macht zusammen drei Bond Girls, doch eine davon ist natürlich eine Feindin. Ausserdem gibts dort Haie und eine riesige Anzahl von Froschmännern, die sich immer wieder im Wasser tummeln. Nicht zuletzt hat auch Dr. Mabuses treuer Hund Pluto eine Schlüsselrolle bekommen....






Artur Brauner produzierte unter Beteiligung der Firmen Franco London Film S.A., Crterion Film S.A, beide aus Paris und mit der Serena Film und Anglo Italia aus Rom. Wie bereits angedeutet muss man sich als Zuschauer auf diverse Abweichungen und Neuerungen einstellen, die damals wie auch heute sehr verhalten aufgenommen wurden. Zum Kinostart wurde der Spielfilm noch recht positiv aufgenommen, das Anfangsgeschäft wurde als passabel beschrieben, doch wenig später kam bereits der Einbruch. Das Kino-Publikum konnte der Produktion offensichtlich eines nicht verzeihen, nämlich dass es sich um einen "Mabuse" ohne die diabolische Titelfigur handelte. Obwohl Wolfgang Preiss im Vorspann bei den größeren Nebenrollen eine namentliche Nennung zugedacht wurde, wartet man auf seinen Auftritt über den gesamten Verlauf leider vergeblich.







Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Freitag, 17. Juli 2026

Der Todesrächer von Soho















Regie: Jess Franco

Die Koffer sind gepackt...

Nach "Der Teufel kam aus Akasawa" versuchte sich der spanische Kultfilmer Jess Franco erneut an einem Wallace Stoff. "Der Todesrächer von Soho" entstand 1972 nach der Vorlage des Wallace Sohn Bryan Edgar Wallace. Die Darsteller Horst Tappert, Siegfried Schürenberg und Fred Williams hatten bereits im Vorgänger mitgespielt. Den Kennern der Wallace Filme wird die Geschichte auch bekannt vorkommen. "Der Todesrächer von Soho" ist sozusagen ein Remake von dem acht Jahre zuvor entstandenen "Das Geheimnis des schwarzen Koffers" von Werner Klingler, statt in atmosphärischem Schwarz-Weiß inszenierte Franco in Farbe. Inspektor Redford (Fred Williams) steht bei seinen Vorgesetzen mächtig unter Druck, denn die wollen einen Serienkiller so schnell wie möglich fassen, der London in Angst und Schrecken versetzt. Dieser unbekannte Täter packt seinen späteren Opfern zuerst die Koffer, dann tötet er sie mit einem präzisen Messerwurf, der nur von einem echten Profi so ausgeführt werden kann. Erst beim dritten Opfer finden Redford und sein Freund, der Kriminalschriftsteller Charles Barton (Horst Tappert) einen wichtigen Anhaltspunkt, denn dieser eine Koffer wurde gestohlen. Immerhin hat der Fotograf Pickwick (Luis Morris) ein Foto des Diebes machen können. Es handelt sich um den angesehen Dr. Bladmore (Siegfried Schürenberg), dem keiner den Mord so richtig zutraut. Aber immerhin findet Bladmores Assistentin Helen ((Elisa Montes) den verschwundenen Koffer - mit brisantem Inhalt. Im Koffer befindet sich Ampullen mit der Droge Meskadrin. Während Redford genüsslich mit Helen flirtet, besucht Barton die verruchte Flamingo Bar. Dort legt er sich mit der Chefin Celia (Barbara Rütting) und ihrem Angestellten Roger (Moses Augusto Rocha) an und wird von den beiden außer Gefecht gesetzt und in die Themse geworfen. Auch Dr. Bladmore verschwindet spurlos...





Jess Franco bietet die Story ein bisschen verändert an und trotz weiterer namhafter Darsteller wie Wolfgang Kieling oder Rainer Basedow bekam "Der Todesrächer von Soho" nicht sehr viele wohlwollende Kritiken. Der Inszenierungstil ist etwas schludrig, hat aber auch einiges von diesem unwiderstehlichen Charme, den auch die anderen Wallace Movies heute noch ausstrahlen. Viel Trash, alles etwas aufgelockert und mit ordentlichem Tempo versehen - als Messerwerfer Gonzales hat der Regisseur für sich erneut einen Cameo Auftritt eingebaut.










Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.