Regie: Claude Lelouch
Zufallsbegegnung...
Claude Lelouch drehte den Film "Ein Mann und eine Frau" aus dem Jahr 1966 in Echtzeit in nur drei Wochen. Das Drehbuch hatte er zuvor in 30 Tagen geschrieben. Ursprünglich sollte der Film, dessen Herstellung insgesamt nur drei Monate dauerte, in Schwarzweiß gedreht werden. Da aber ein Produzent, der die Rechte für den amerikanischen Fernsehmarkt kaufte, Farbaufnahmen verlangte, drehte Lelouch die Außenaufnahmen in Farbe. Für mehr reichte das Budget damals noch nicht. Der Regisseur hatte noch keinen großen Namen. Außerdem führte Lelouch eine einfach zu bedienende Handkamera; so konnte er schneller auf schauspielerische Momente reagieren und die auf Improvisation angelegte Regiearbeit unterstützen. Ein weiteres Element war dabei die Musik. Francis Lai hatte sie schon vor Beginn der Dreharbeiten eingespielt, und Lelouch konnte diese Aufnahmen bereits während der Dreharbeiten nutzen. So erzeugte er durch das Abspielen der Musik die entsprechende Stimmung für die Schauspieler, die nun bereits wussten, wie die jeweilige Szene im fertigen Film erscheinen würde. Für den Komponisten Francis Lai war diese Arbeit die erste Filmkomposition. Die Titelmelodie sollte eine der einprägsamsten und berühmtesten Filmmelodien der Geschichte des Kinos werden. Einige Jahre später erhielt er für seine Filmmusik im Kassenschlager "Love Story" den Oscar. Im Grunde ist die Geschichte, die "Ein Mann und eine Frau" präsentiert, denkbar einfach, beinahe schon banal. Anne Gauthier (Anouk Aimee) und Jean-Louis Duroc (Jean-Louis Trintignant) sind beide Mitte Dreißig und beide haben auf tragische Weise ihre Ehepartner verloren. Annes Mann, ein Stuntman (Pierre Barouh) kam während eines Filmdrehs ums Leben und Jean Louis´Ehefrau Valerie (Valerie Lagrange) hat sich das Leben genommen, weil sie sich sicher war, dass ihr Mann - Jean Louis ist Rennfahrer - den schweren Autounfall nicht überleben wird. Er wird gerettet und zieht nun seinen kleinen Sohn Antoine (Antoine Sire) alleine auf. Da er berufstätig ist, lebt das Kind unter der Woche in einem Internat. Dort lernt er Anne kennen, denn deren Tochter Francoise (Souad Amidou) geht dort auch zur Schule. Da Anne den Zug verpasst, bietet er ihr an sie mit nach Paris zu nehmen, da beide dort wohnen. Erst am Ende der Fahrt gesteht sie Jean-Louis, dass ihr Mann bei einem Unglück am Set ums Leben gekommen ist. Sie verabreden sich für das nächste Wochenende, um wieder gemeinsam nach Deauville zu den Kindern zu fahren. Dort berichtet Jean-Louis auch, dass er von Beruf Rennfahrer ist. Gemeinsam mit den Kindern verbringen die beiden einen Tag am Meer und kommen sich dabei näher, und so eröffnet Jean-Louis bei einer weiteren Fahrt auf Annes Nachfrage, dass auch er verwitwet ist. Langsam entsteht eine große Zuneigung...
Ein Liebesfilm, der allerdings wunderschön und edel in Szene gesetzt wurde. Sehr effektiv waren die atmosphärischen Bilder, die der Kameramann Jean Collomb schuf. Seine Zusammenarbeit mit Claude Lelouch sollte 13 Jahre währen. Bei den Kritikern war der Film eher umstritten - doch er erhielt die Goldene Palme von Cannes, erhielt zwei Oscars (Bester fremdsprachiger Film und Originaldrehbuch), den Golden Globe als bester Auslandsfilm und die faszinierende Anouk Aimee wurde ebenfalls mit einem Golden Globe ausgezeichnet, ausserdem bekam sie den British Academy Award. Das Publikum liebte den Film, so verzeichneten die französischen Kinos mit fast 4,3 Millionen Zuschauern einen riesigen Erfolg. Der Film landete auf Platz 6 der französischen Kinocharts 1966.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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