Freitag, 13. Februar 2026

Die alte Jungfer















Regie: Edmund Goulding

Cousinen...

Zu den bekanntesten Filmen von Hollywoodregisseur Edmund Goulding zählen "Nightmare Alley", "Menschen im Hotel" und "Auf Messers Schneide" - auch die Bette Davis Klassiker "Opfer einer großen Liebe", Vertauschtes Glück" oder "Die alte Jungfer" gehören zu den Höhepunkten seiner Filmkarriere. "Die alte Jungfer" wirkt insofern aus heutiger Zeit sehr angestaubt, vor allem aber auch deshalb weil das Drama in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs seinen Lauf nimmt. Die Moralvorstellung der damaligen Zeit dürfte Goulding sehr wohl recht gut getroffen haben. Das Drehbuch schrieb Casey Robinson, basierend auf den mit Pulitzer Preis ausgezeichneten gleichnamigen Stück von Zoe Atkins.  Die Geschichte spielt während des Amerikanischen Bürgerkriegs und dreht sich um Charlotte Lovell (Bette Davis) und ihre Cousine Delia (Miriam Hopkins). Deren Hochzeit wird jäh unterbrochen, als Delias ehemaliger Verlobter Clem Spender (George Brent) nach zweijähriger Abwesenheit zurückkehrt. Delia heiratet daraufhin Jim Ralston (James Stephenson), und Charlotte tröstet Clem, der sich der Unionsarmee anschließt und später im Kampf fällt. Kurz nach seinem Tod entdeckt Charlotte, dass sie von Clem schwanger ist. Um dem Stigma eines unehelichen Kindes zu entgehen, reist sie in den Westen, um ihr Kind, eine Tochter namens Clementina (wird als Teenager von Jane Bryan gespielt) zur Welt zu bringen. Nach Kriegsende ziehen Charlotte und Tina nach Philadelphia, wo Charlotte ein Waisenhaus eröffnet. Delia ist Mutter zweier Kinder, und Charlotte ist mit Joe Ralston (Jerome Cowan), dem Schwager ihrer Cousine, verlobt. An ihrem Hochzeitstag offenbart Charlotte Delia, dass Tina ihre eigene Tochter ist und der verstorbene Clem der Vater. Delia hält Joe daraufhin von der Hochzeit ab, indem sie ihm vorgaukelt, Charlotte sei gesundheitlich angeschlagen. Die Cousinen entfremden sich, doch als Jim bei einem Reitunfall ums Leben kommt, lädt Delia Charlotte und Tina ein, bei ihr und ihren Kindern einzuziehen. Tina, die nicht weiß, dass Charlotte ihre leibliche Mutter ist, nimmt die Rolle von Delias Tochter an und nennt Charlotte ihre Tante. Fünfzehn Jahre vergehen, und Tina ist verwöhnt. Lanning Halsey (William Lundigan) wirbt um sie, dessen wohlhabende Eltern sie aufgrund ihrer Herkunft als Findelkind ablehnen. Immer noch ahnt Tina nicht, dass Charlotte ihre Mutter ist, und empfindet deren Einmischung in ihr Leben als ungerecht. Als Delia ihr anbietet, sie offiziell zu adoptieren, um ihr einen angesehenen Namen und eine prominente Stellung in der Gesellschaft zu verschaffen, nimmt sie das Angebot freudig an. Charlotte will Tina vor ihrer Hochzeit die Wahrheit sagen, bringt es aber nicht übers Herz. Charlotte konfrontiert Delia und offenbart ihr, dass sie es verabscheut, dass sowohl Clem als auch Tina Delia mehr geliebt haben als sie. Delia erklärt Tina, dass Charlotte ihr eigenes Glück geopfert hat, indem sie die Heirat mit einem Mann ablehnte, der Tina nicht als seine eigene Tochter aufziehen wollte. Delia bittet Tina eindringlich, Charlotte als Letzte zu küssen, bevor sie sich mit ihrem neuen Ehemann verabschiedet. Tina kommt der Bitte nach, und Charlotte ist glücklich und bereit, den Rest ihres Lebens mit Delia als Freundin und nicht als Rivalin zu verbringen...







Ein Film über den viktorianischen Moralkodex, der aufgrund dieser Thematik vielleicht wie ein Schnulzenfilm wirkt. Er ist aber perfekt gespielt und alte Jungfer liefert vor allem Bette Davis eine ergreifende und kluge Leistung ab, hart und streng nach außen hin, doch vermittelt sie dadurch die tiefe Zärtlichkeit, die verborgene Qual der gebrochenen Mutter. Die beiden weiblichen Stars kamen damals nicht ganz so gut miteinander aus. 
Das berufliche Verhältnis zwischen den beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen war angespannt, obwohl die Davis ihre Partnerin sehr charmant fand. . Biografin Charlotte Chandler zitiert Davis über die Zusammenarbeit mit Hopkins "Was das berufliche angeht, so musste man einfach hinnehmen, dass sie auf jede erdenkliche Weise versuchte, die anderen an die Wand zu spielen. Ein Mätzchen, das sie besonders gern gemacht hat, war dich nie anzusehen, wenn du gesprochen hast". 






Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Ausgerechnet Wolkenkratzer


























Regie: Fred C. Newmayer und Sam Taylor

Die Besteigung des Hochhauses...

Der waghalsige Komöidenklassiker "Safety Dance" (Deutscher Titel: Ausgerechnet Wolkenkratzer) mit dem Stummfilmstar Harold Lloyd war zu seiner Zeit ein riesiger Erfolg. Er spielte bei seiner Kinopremiere 1923 ca. 1,5 Millionen Dollar ein. Regie führten Fred C. Newmayer und Sam Taylor. Der Erfolgsfilm wurde von Hal Roach produziert und auch heute noch begeistert die weltberühmte Szene, in der Harold Lloyds an einer riesigen Uhr an einer Gebäudeecke weit oben an der Häuserfassade des Hochhauses hängt. Es wurde zu einem ikonischen Bild, die immer mal wieder improvisiert wurde. Lloyd selbst führte die allermeisten Stunts selbst aus. Bill Strother, der „Limpy“ Bill spielte und war alsTurmsteiger die Inspiration für viele Szenen, Lloyd wurde auf ihn aufmerksam als er ihn beim Klettern beobachten konnte.  Die Szene mit der riesigen Uhr wurde auf dem Dach des Broadway Leasehold Building gedreht, ebenso wie die Schlusseinstellung des Films.
Für die Dreharbeiten wurden mehrere Gebäude unterschiedlicher Höhe zwischen der 1st Street und der 9th Street in der Innenstadt von Los Angeles genutzt. Auf ihren Dächern wurden Kulissen errichtet, die der Fassade des Hauptgebäudes, des International Bank Building an der Ecke Temple und Spring Street, nachempfunden waren. Auf diese Weise wurde die Illusion erzeugt, dass Lloyd immer höher an der Seite eines Gebäudes klettert.
1922 sitzt Harold Lloyd wohl hinter Gittern. Seine Mutter und seine Freundin Mildred (Mildred Davis) trösten ihn, als ein ernster Beamter und ein Priester eintreffen. Die drei gehen auf etwas zu, das wie ein Galgen aussieht. Dann wird klar, dass sie sich an einem Bahnhof befinden und der vermeintliche Galgen in Wirklichkeit ein Abholbügel ist, mit dem Zugbesatzungen Befehle entgegennehmen, ohne anhalten zu müssen. Die Gitterstäbe sind lediglich die Fahrkartensperre.Lloyd verspricht, seine Freundin nachzuholen, damit sie heiraten können, sobald er in der Großstadt zu etwas gekommen ist. Dann verschwindet er.
Er findet eine Anstellung als Verkäufer im Kaufhaus De Vore, wo er sich allerlei Tricks einfallen lassen muss, um Ärger mit dem pingeligen und arrogant selbstherrlichen Abteilungsleiter Mr. Stubbs (Westcott Clarke) zu vermeiden. Er teilt sich ein Zimmer mit seinem Kumpel „Limpy“ Bill (Bill Strother), einem Bauarbeiter.
Als Harold seine Schicht beendet hat, trifft er einen alten Freund aus seiner Heimatstadt, der jetzt als Polizist auf Streife ist. Nachdem er gegangen ist, taucht Bill auf. Er prahlt vor Bill mit seinem angeblichen Einfluss bei der Polizei und überredet ihn, den Polizisten umzustoßen, während dieser gerade eine Notrufsäule benutzt. Er hält den Polizisten für seinen Kumpel und geht davon aus, dass dieser es mit Humor nehmen wird. Doch Bill stößt den falschen Polizisten (Noah Young) um. Um zu entkommen, klettert er die Fassade eines Gebäudes hoch. Der Polizist versucht, ihm zu folgen, kommt aber nicht über das Erdgeschoss hinaus. Frustriert brüllt er Bill an: „Dafür kriegst du was zu hören! Wenn ich dich das nächste Mal sehe, kneife ich dich!“
Unterdessen versucht Harold, seinen Misserfolg zu verbergen, indem er seiner Freundin teure Geschenke schickt, die er sich eigentlich nicht leisten kann. Sie glaubt fälschlicherweise, er sei erfolgreich genug, um eine Familie zu ernähren, und fährt, auf Drängen seiner Mutter, mit dem Zug zu ihm. Peinlich berührt gibt er sich als Geschäftsführer aus und schafft es sogar, ihn zu imitieren, um sich an Stubbs zu rächen. Als er ihre Handtasche holen will (die Mildred im Büro des Managers vergessen hat), belauscht er den echten Geschäftsführer, der sagt, er würde 1000 Dollar demjenigen geben, der Kunden in den Laden locken kann. Er erinnert sich an Bills Talent und schlägt vor, einen Mann das zwölfstöckige Bolton-Gebäude, in dem sich De Vore's befindet, erklimmen zu lassen. Er überzeugt Bill mit 500 Dollar. Der Stunt wird in den Medien breitgetreten, und am nächsten Tag versammelt sich eine große Menschenmenge.
Als ein Betrunkener dem Polizisten, der umgestoßen wurde, einen Zeitungsartikel über das Ereignis zeigt, vermutet dieser, dass Bill der Kletterer sein wird. Er wartet am Startpunkt, trotz Harolds verzweifelter Versuche, ihn zum Gehen zu bewegen. Schließlich, da er nicht länger warten kann, schlägt Bill vor, dass Harold selbst das erste Stockwerk erklimmt und dann Hut und Mantel mit ihm tauscht, der dann von dort weiterklettert. Aber der Polizist lässt nicht locker. Am Ende muss der kleine Verkäufer Harold Lloyd den Wolkenkratzer ganz alleine aus eigenen Kraft erklimmen... Trotz einiger Schwierigkeiten mit hungrigen Tauben, einem Netz, jubelnden Mädchen, einer alten Dame, zwei Bauarbeitern, einer Uhr, einem Seil, einem Hund, einer Maus, einem bewaffneten Mann und einem Windmesser küsst er endlich - ganz oben -  seine Angebetete. Auf dem Weg nach oben tritt Harold versehentlich in eine Teergrube und verliert seine Oxfordschuhe samt Socken...






"Ausgerechnet Wolkenkratzer" ist ein totales Vergnügen, auch wenn Harold Lloyd nicht ganz die Klasse von Buster keaton oder Charles Chaplin erreicht. Doch als kleiner Mann, der den Wolkenkratzer erklimmen kann und dabei mehrfach in höchster Lebensgefahr schwebt, ist er einfach köstlich.  Der Film belegte Platz 97 auf der AFI-Liste „100 Years…100 Thrills“, das liegt vor allem daran, dass die Akrobatik in größer Höhe sehr echt wirkt. Diese Szenen sind gleichsam Zeugnis von einer mehr als waghalsigen Filmproduktion, da er ohne Absicherung in dieser Höhe gedreht wurde. in Meisterwerk der visuellen Effekte und des Slapstick-Humors. 








Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Hier ist John Doe















Regie: Frank Capra

Eine neue demokratische Bewegung...

Häufig drehte der Hollywoodregisseur Frank Capra (1897 bis 1991) Filme im Kontext der Großen Depression und der Kluft zwischen Arm und Reich, er nahm zu diese Themen auch Stellung. "Hier ist John Doe" drehte er 1941, während in Europa schon der zweite Weltkrieg voll im Gange war. Mit seinen Filmen "Es geschah in einer Nacht", Mr. Deeds geht in die Stadt" und "Lebenskünstler" gewann er jeweils den Regie-Oscar. Seine wichtigsten Filme sind vielleicht "Mr. Smith geht nach Washington", "Arsen und Spitzehäubchen" und "Ist das Leben nicht schön?". "Hier ist John Doe" war die letzte Zusammenarbeit des Drehbuchautors Robert Riskin mit Frank Capra. Das Drehbuch basierte auf einem 1939 entstandenen Treatment mit dem Titel „The Life and Death of John Doe“, verfasst von Richard Connell und Robert Presnell, die später die einzige Oscar-Nominierung des Films für die beste Originalgeschichte erhielten.  Gary Cooper war stets Frank Capras erste Wahl für die Rolle des John Doe. Cooper hatte die Rolle ohne vorheriges Lesen des Drehbuchs aus zwei Gründen angenommen: Er hatte die Zusammenarbeit mit Capra bei ihrem früheren Film „Mr. Deeds Goes to Town“ (1936) genossen und wollte unbedingt mit Barbara Stanwyck drehen. Die Rolle der abgebrühten Nachrichtenreporterin wurde ursprünglich Ann Sheridan angeboten, doch Warner Bros. hatte die erste Wahl aufgrund eines Vertragsstreits abgelehnt. Auch Olivia de Havilland wurde kontaktiert, jedoch ohne Erfolg. Die Lokalzeitung „The Bulletin“ steht unter neuer Leitung und heißt nun „The New Bulletin“. Kolumnistin Ann Mitchell (Barbara Stanwyk) gehört zu den Mitarbeitern, die im Zuge einer „Straffung“ der Zeitung entlassen werden, jedoch nicht, bevor sie noch eine letzte Kolumne schreiben soll. Wütend veröffentlicht Ann einen Brief eines fiktiven Arbeitslosen namens „John Doe“, der droht, sich am Heiligabend aus Protest gegen die Missstände in der Gesellschaft das Leben zu nehmen. Als der Brief bei den Lesern für Aufsehen sorgt und die Konkurrenzzeitung „The Chronicle“ einen Betrug vermutet und Ermittlungen einleitet, lässt sich Redakteur Henry Connell (James Gleason) überreden, Ann wieder einzustellen. Diese plant, die Verkaufszahlen der Zeitung durch die Ausnutzung des fiktiven John Doe anzukurbeln. Unter den Obdachlosen, die in der Redaktion auftauchen und behaupten, den Originalbrief geschrieben zu haben, engagieren Ann und Henry einen gewissen John Willoughby (Gary Cooper), einen ehemaligen Baseballspieler und Landstreicher, der dringend Geld für die Behandlung seines verletzten Arms benötigt, um die Rolle des John Doe zu spielen. Ann beginnt, in Does Namen eine Artikelserie zu verfassen, in der sie die im ursprünglichen Brief thematisierten Gedanken über die Missachtung Bedürftiger durch die Gesellschaft weiter ausführt. Willoughby erhält 50 Dollar, einen neuen Anzug und eine luxuriöse Hotelsuite mit seinem Landstreicherfreund „Der Colonel“ (Walter Brennan). Dieser hält eine lange Tirade gegen Menschen, die versuchen, Dinge zu verkaufen und andere mit Besitz belasten, sie mit Verpflichtungen fesseln, die Geld kosten, bis auch sie zu solchen Schurken werden. Ann schlägt vor, Doe landesweit per Radio bekannt zu machen, und erhält vom Verleger des Bulletin, D. B. Norton (Edward Arnold), 100 Dollar pro Woche, um Radioansprachen für Willoughby zu schreiben. Unterdessen bietet die Chronicle Willoughby 5.000 Dollar Bestechungsgeld an, damit er zugibt, dass das Ganze ein PR-Gag war. Er lehnt jedoch ab und hält stattdessen die von Ann verfasste Rede. Danach, innerlich zerrissen, flieht er und reist mit dem Colonel per Güterzug bis nach Millsville. „John Doe“ wird in einem Diner erkannt und ins Rathaus gebracht, wo er Bert Hanson (Regis Toomey) trifft. Dieser erklärt ihm, wie ihn Does Worte dazu inspirierten, mit seinen Nachbarn einen „John-Doe-Club“ zu gründen. Die John-Doe-Philosophie verbreitet sich im ganzen Land und entwickelt sich zu einer breiten Basisbewegung mit dem einfachen Motto: „Sei ein besserer Nachbar“. Norton plant jedoch insgeheim, die Unterstützung für Doe für seine eigenen nationalen politischen Ambitionen zu nutzen. Als eine John-Doe-Kundgebung mit John-Doe-Clubs aus dem ganzen Land ansteht, beauftragt Norton Mitchell, eine Rede für Willoughby zu schreiben. Darin verkündet er die Gründung einer neuen Partei und unterstützt Norton als deren Präsidentschaftskandidaten. Am Abend der Kundgebung erfährt Willoughby, der selbst von der John-Doe-Philosophie überzeugt ist, von Nortons Verrat durch den betrunkenen Henry. Er prangert Norton an und versucht, die Verschwörung bei der Kundgebung aufzudecken, doch seine Rede wird von Horden von Zeitungsjungen unterbrochen, die eine Sonderausgabe des „New Bulletin“ tragen, in der Doe als Betrüger entlarvt wird...







Es zeigt sich eine Zuneigung für sanftmütige und mitfühlende Menschen, für die einfachen und unscheinbaren Leute. Die Balance zwischen Komik und Drama ist gut ausbalanciert. Kameramann George Barnes zeigt sein Können, er wurde ja im Laufe seiner Karriere achtmal für den Oscar nominiert. Für Hitchcocks "Rebecca" gewann er auch die hohe Auszeichnung. Der Film spielte gute 1,9 Millionen Dollar ein.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
 

Die Nächte einer schöne Frau















Regie: Charles Chaplin

Wiedersehen in Paris...

"A Woman in Paris “ (deutscher Titel: Die Nächte einer schönen Frau) aus dem Jahr 1993 war Charlie Chaplins erster ernsthafter Versuch, sich einem ernsthaften dramatischen Thema zu widmen. Es ist auch sein einziger Stummfilm, in dem er nicht als Hauptdarsteller auftritt; sein nächster Film war die hochgelobte Komödie „Goldrausch“. Jahre später, 1952, drehte er „Rampenlicht“, der sowohl "Komödie" als auch als „Drama“ beschrieben wurde. Auch in seinem letzten Film "Die Gräfin von Hongkong" ist er nicht als Darsteller dabei. Beide Filme, in denen Chaplin nicht auftrat, hatten es sehr schwer beim Publikum zu landen. In "Die Nächte einer schönen Frau" ist er immerhin für einge Momente als Gepäckträger zu sehen.  Edna Purviance spielt die Hauptrolle der Marie St. Clair. Chaplin produzierte den Film unter anderem, um seine ständige Partnerin zu mehr Anerkennung als Schauspielerin ohne ihn an ihrer Seite zu verhelfen. Außerdem wollte er hinter der Kamera bleiben und sein erstes richtiges Drama drehen. Trotz seiner Bemühungen erreichte Purviance nicht den Erfolg, den sie in Filmen mit Chaplins Tramp an ihrer Seite gefeiert hatte. Der Film trug jedoch dazu bei, dass Adolphe Menjou etwas Bekanntheit erlangte. Marie St. Clair (Edna Purviance) und ihr Verlobter, der angehende Künstler Jean Millet (Carl Miller), planen, ihr kleines französisches Dorf zu verlassen und in Paris zu heiraten. Am Abend vor ihrer geplanten Abreise verlässt Marie ihr Haus, um sich mit Jean zu treffen. Maries Stiefvater (Clarence Gelderd) sperrt sie aus und fordert sie auf, sich woanders eine Unterkunft zu suchen. Jean lädt Marie zu seinen Eltern (Lydia Knott und Charles K. French)  ein, doch auch sein Vater lehnt dies ab. Jean begleitet Marie zum Bahnhof und verspricht, nach dem Packen zurückzukommen. Als er zu Hause ankommt, erfährt er, dass sein Vater gestorben ist. Als Marie Jean vom Bahnhof aus anruft, teilt er ihr mit, dass sie ihre Reise verschieben müssen, ohne ihr den Grund zu nennen. Sie fährt ohne ihn mit dem Zug ab. Ein Jahr später genießt Marie in Paris ein luxuriöses Leben als Geliebte des wohlhabenden Geschäftsmanns und Frauenhelden Pierre Revel (Adolphe Menjou) Eine Freundin ruft an und lädt Marie zu einer ausgelassenen Party im Quartier Latin ein. Sie gibt Marie die Adresse, kann sich aber nicht erinnern, ob die Wohnung im rechten oder linken Gebäude liegt. Marie betritt das falsche Gebäude und ist überrascht, Jean anzutreffen, der mit seiner Mutter eine bescheidene Wohnung teilt. Marie bittet Jean, ihr Porträt zu malen, und gibt ihm ihre Adresse. Jean besucht Marie in ihrer Wohnung, um mit dem Gemälde zu beginnen. Marie bemerkt seine schwarze Armbinde und fragt ihn nach dem Grund seiner Trauer. Jean erzählt ihr, dass sein Vater in der Nacht gestorben ist, als sie ohne ihn abgereist ist. Marie und Jean leben ihre Romanze wieder auf, und Marie distanziert sich von Pierre Revel. Jean vollendet Maries Porträt, doch anstatt sie in dem eleganten Outfit zu malen, das sie für das Porträt ausgesucht hatte, malt er sie in dem schlichten Kleid, das sie in der Nacht ihrer Abreise nach Paris trug. Jean macht Marie einen Heiratsantrag. Jeans Mutter streitet sich mit ihm darüber. Marie taucht unerwartet vor Jeans Wohnung auf und belauscht, wie Jean seine Mutter beruhigt und ihr erklärt, er habe ihr in einem schwachen Moment den Antrag gemacht. Jean kann Marie nicht davon überzeugen, dass er es nicht so gemeint hat, und sie kehrt zu Pierre Revel zurück. Doch damit will Jean nicht weiterleben...







Charles Chaplin beweist hier einmal mehr sein gutes Gespür für melancholische Momente, der Schlußpunkt ist perfekt in diesem unterhalsamen Stummfilmklassiker, der zum damaligen Lieblingsfilm von Mary Pickford wurde. Es ist auch sichtbar, dass hier sehr frei und offen Liebesbeziehungen ohne Trauschein gezeigt werden. Selbst in der sündigen Stadt Paris wären diese Themen mit Einzug des Hays Codes (freiwillig ab 1930 und als Pflicht ab 1934) nicht mehr möglich gewesen. 






Bewertung: 9 von 10 Punkten.