Regie: Jerzy Kawalerowicz
Die Macht der Priester...
Jerzy Kawalerowiczs Film "Pharao“ ist eine Art "Kleopatra“ ohne Burton und Taylor" - so hieß es in einer Kritik zu diesem besonderen polnischen Monumentalfilm aus dem Jahr 1966. Allerdings ist er weit entfernt von einer kommerziellen Hollywood Großproduktion, denn er erzählt uns eine Geschichte über die Mechanik der Macht, das Versagen des Menschen im politischen Kampf und Leben; ein Film, der trotz äusseren Aufwandes die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers beansprucht, weil er in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist. Er basiert auf dem gleichnamingen Roman des Schriftstellers Boleslaw Brus. Im Jahr 1967 wurde er gemeinsam mit "Ein Mann und eine Frau" (Frankreich, Claude Lelouch), "Schlacht um Algier" (Italien, Gillo Pontecorvo), "Die Liebe einer Blondine" (Tschechoslowakei, Milos Forman) und "Drei" (Jugoslawien, Alexandar Petrovic) sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert - Sieger wurde Claude Lelouchs Film. "Pharao" nahm am Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes teil und verkaufte im Heimatland Polen 7 Millionen Eintrittskarten. Die hervorragend bebilderte Geschichte (Kameramann:Jerzy Wójcik und Wieslaw Zdort) beschreibt die Manipulationen konservativer Priester und Hohepriester gegen den neuen Monarchen Ramses XIII. , der in ihren Augen zu fortschrittlich ist und den sie schließlich durch Ausnutzung der Leichtgläubigkeit des Volkes beseitigen werden. Dieser junge Pharao Ramses XIII. (Jerzy Zelnik) beabsichtigt, das alte Ägypten zu reformieren. Der Priester Herhor (Piotr Pawlowski) stellt sich ihm entgegen. Der Machtkampf zwischen den beiden bildet den Schwerpunkt des Films. Weitere Themen sind die Freundschaft mit dem Priester Pentuer (Leszek Herdegen) sowie die Liebe zu der schönen Jüdin Sara (Krystyna Mikołajewska) und der Priesterin Kama (Barbara Brylska). Zudem erzählt der Film von dem geheimen Pakt mit Assyrien, der Sonnenfinsternis – und wie die Priester diese nutzten, um das Volk gefügig zu machen – sowie von der Ermordung Ramses’ XIII. durch seinen Doppelgänger, der ebenfalls von Jerzy Zelnik gespielt wird. Ein historisches Epos von universeller Bedeutung, das die Mechanismen der Macht und den Einfluss der Religion auf das gesellschaftliche Leben offenlegt. Nach dem Tod des schwerkranken Pharaos Ramses XII. (Andrzej Girtler) ringt dessen Nachfahre Ramses XIII. inmitten einer schweren Krise um die Macht im Staate. Neben der maroden Finanzlage – die Staatskasse wurde geplündert – und der allgegenwärtigen Korruption, einer gepeinigten und verarmten Bevölkerung wird sein Land von Feinden bedroht. Die Geschicke des Landes liegen in den Händen der allmächtigen Kaste der Priester um deren Anführer Herhor, dem Hohepriester von Theben und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der junge Pharao Ramses XIII. kämpft inmitten dieser Ausgangssituation um seine Vormachtstellung und versucht die Macht des Klerus einzudämmen, welcher jedoch selbst die Initiative ergreift und eine Intrige gegen den jungen Pharao entfacht.... Tadeusz Konwicki, der gemeinsam mit Kawalerowicz das Drehbuch verfasste, kommentierte: „Es ist kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, sondern vor allem eine tiefgründige Analyse eines Machtsystems...
Die Geschichte von Ramses XIII. ist ein typisches Beispiel für das Handeln eines jungen Menschen, der voller Glauben und mit dem Wunsch nach Erneuerung ins Leben tritt. Er weiß noch nichts von höheren Staatsräsonen und interessiert sich nicht für die Gesetze, die den komplexen Machtapparat steuern. Er glaubt, derjenige zu sein, der die bestehende Ordnung verändern kann. Bei der Adaption des Romans von Bolesław Prus für die Leinwand trafen die Produzenten des Films eine Reihe bemerkenswerter Entscheidungen. Eine Maßnahme bestand darin, den Film in einem vorwiegend goldgelblichen Farbspektrum zu halten und leuchtende Farben nahezu vollständig zu eliminieren; kräftiges Blattgrün ist nur ein einziges Mal zu sehen – in der Szene mit Ramses und Sara am Nil. Stanislaw Milski spielt den Hohepriester Mephres, Wieslawa Mazurkiewicz verkörperte die Mutter des jungen Pharao.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.






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