Dienstag, 28. Juli 2026

Das schwarze Schaf















Regie: Helmut Ashley

Ein Fall für Pater Brown...

Für seine Hauptrolle in Helmut Ashleys Kriminalkomödie "Das schwarze Schaf" aus dem Jahr 1960 erhielt Heinz Rühmann das Filmband in Gold als bester Darsteller. Insgesamt verfolgten 3,75 Millionen Zuschauer im Kino das Abenteuer des Pater Brown nach den Motiven der Geschichten von Gilbert Keith Chesteron. Der Kirchenmann spielt zum Leidwesen seines Bischofs (Friedrich Domin) und sehr zum Leidwesen der der Polizei allzu gerne Detektiv. So gesehen ein naher Verwandter zu Agatha Christies "Miss Marple", die kurze Zeit später in der herrlichen Darstellung von Margaret Rutherford ebenfalls zum Kinostar wurde. 1960 war ein überaus erfolgreiches Kinojahr für Heinz Rühmann, der mit "Der brave Soldat Schwejk" von Axel von Ambesser" (über 10 Mio. verkaufte Kinokarten) und "Der Jugendrichter" von Paul Verhoeven (ca. 4,7 Millionen Kinokarten) noch mehr Zuschauer als mit "Das schwarze Schaf" hatte.In dem temporeichen und unterhaltsamen geht es um zwei Kriminalfälle. Der erste ereignet sich während der Sonntagsmesse vor der Kirche. Dort liegt ein Toter, der im Ort nicht gerade beliebt war. Polizeiinspektor Graven (Herbert Thiede), der nicht mal halb soviel kriminalistischen Spürsinn wie der Pater hat, findet sehr schnell heraus wer als Mörder in Frage kommt. Doch er liegt falsch. Pater Brown ist auf der richtigen Spur und kann sogar den wahren Täter dazu bringen, dass er sich der Polizei stellt. Am Tag darauf steht alles groß und breit in den Zeitungen. Daher wird er vom Bischof zwar gelobt, aber dennoch strafversetzt. Er wird von seiner mürrischen Haushälterin Mrs. Smith (Lina Carstens) begleitet. Dort eingetroffen macht er sich auf die Suche nach Geldgebern für eine neue Kirche. Der verarmte Lord Kingsley (Fritz Rasp) schenkt ihm einige Aktien, doch Bankier Conelly (Hans Leibelt) muss Pater Brown mitteilen, dass diese Papiere völlig wertlos sind. Kurz darauf wird Conelly ermordet, während er eine Fernsehübertragung eines Fußballspiels im Hotel von Pater Browns altem Freund Flambeau verfolgt. Der – aufgrund seines Scheiterns am eingangs von Pater Brown gelösten Fall – ebenfalls nach Bray strafversetzte Inspektor Graven ist ratlos. Wenig später werden Pater Browns Aktien gestohlen und er erfährt durch seine Haushälterin, die den Diebstahl durchs Schlüsselloch beobachtet hat, dass Lord Kingsley der Dieb ist. Dieser verkauft einem plötzlichen Interessenten das Aktienpaket und bald wird klar, dass die Aktien plötzlich in die Höhe geschossen sind. Damit muss der unbekannte Käufer vielleicht auch der Mörder von Conelly sein. Kurz vor dem Mord an Conelly ist die Theatergruppe um den Schauspieler Emilio Scarletti (Karl Schönböck) in das Hotel von Pater Browns Freund Flambeau (Siegfried Lowitz) abgestiegen...







Eine echte Paraderolle für Heinz Rühmann, der hier zur Höchstform aufläuft. Das Drehbuch ist schlüssig und auch in den Nebenrollen glänzen die Darsteller. Aufgrund des großen Erfolgs wurde mit "Er kanns nicht lassen" sehr bald ein Nachschlag gedreht. Der österreichische Filmemacher Helmut Ashley (1919 bis 2021) war zunächst angesehener Kameramann. Es war Heinz Rühmann selbst, der Ashley als Regisseur für den Pater Brown Film vorschlug. Helmut Ashleys Nachfolgefilm "Mörderspiel" ist genauso gut gelungen. Danach überzeugten auch seine Inszenierungen des Wallace Films "Das Rätsel der roten Orchidee" sowie "Die Rechnung eiskalt serviert". 






Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Hotel der toten Gäste










Regie: Eberhard Itzenplitz

Der Mörder von San Remo...

Ursprünglich sollte Alfred Vohrer bei dem Film "Hotel der toten Gäste" Regie führen. Es kam jedoch nicht dazu und so saß der Fernsehregisseur Eberhard Itzenplitz am Ende auf dem Regiesessel. Ein Film, der alle Konventionen von Schatten an der Wand und der Gefahr, die über eine Feuerleiter kommen kann, ausspielt - bis hin zum Durchsuchen eines Zimmers mit Taschenlampe. Hinzu kommt die lautlos heruntergedrückte Türklinke, vermutlich vom Mörder, der in San Remo sein Unwesen treibt. Und dies zum Zeitpunkt des berühmten Schlagerfestivals. Daher darf Hannelore Auer den Mikis Theodorakis Song "In Athen gibt es ein Wiedersehen" und Elke Sommer "Ich sage No" (Ma ora no) singen.Nur kurz ist London Schauplatz des ersten Mordes. Ein gewisser Janos Kovacs (Panos Papadopoulus) möchte dem Journalisten und Kriminalreporter Barney Blair (Joachim Fuchsberger) wichtiges und brisantes Material verkaufen. Er geht in dessen Büro, da der Portier ihm sagte Blair würde gleich zurückkommen. Innerhalb dieser 5 Minuten wird er dort ermordet - das Material verschwindet, genauso wie der lautlose und unsichtbare Mörder. Die Spur führt natürlich nach San Remo, daher wird Blair von seinem Chefredakteur J. J. Frank (Enrique Gitard) dorthin geschickt. Gerade rechtzeitig zum Auftakt der Schlagerfestspiele. Er quartiert sich im Hotel Atlanta ein und dort sind auch die Hauptverdächtigen untergebracht. Schöne Frauen wie die Reporterin Gilly Powell (Karin Dor), Ruth Cornell (Gisela Uhlen), die Inhaberin der Plattenfirma Phonomac, Lucy Balmore (Renate Ewert), bislang der Big Star der Plattenfirma - aber in Ungnade gefallen und die attraktive Alice Creusot (Monika Peitsch). Dazu gesellen sich Larry Cornell (Frank Latimore), neuer Ehemann von Ruth, Morton Marlowe (Claus Biederstaed), der Bruder von Ruth und Jack Courtney (Wolfgang Kieling), der Manager der fallen gelassenen Ruth. Hoteldiener Tedy (Adi Berber) und Hotelpage Bucci (Gus Backus) fungieren als wichtige Nebenfiguren. Dann passiert der zweite Mord und nun taucht natürlich Inspektor Forbesa (Hans Nielsen) auf, der den Mörder unschädlich machen soll...







"Hotel der toten Gäste" brachte es auf 752.000 Kinozuschauer in Deutschland. Damit lag er deutlich hinter den filmischen Verwandten wie "Jerry Cotton - Schüsse aus dem Geigenkasten", "Der unheimliche Mönch" oder "Neues vom Hexer", die ebenfalls im Kinojahr 1965 Premiere feierten. Natürlich macht nach alter Wallace Manier die Suche nach dem Täter den Reiz aus. Das Drehbuch stiftet dazu reichlich Verwirrung. Vor allem die Schauspielerinnen im Film werden in diesem charmanten "Guilty Pleasure" der Edgar Wallace Epigonen extrem attraktiv in Szene gesetzt. 





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Die Nylonschlinge















Regie: Rudolf Zehetgruber

Der Mörder von Schloss Elford Manor...

Der an die Edgar Wallace Filme angelehnte deutsche Krimi "Die Nylonschlinge" von Rudolf Zehetgruber hatte am 30. Juli 1963 seinen Kinostart und somit noch vor dem echten Wallace "Das indische Tuch" Premiere, der erst am 13. September Premiere im Kino feierte. Dabei zählte der Epigone 844.000 Zuschauer, das indische Tuch kam auf 1,9 Millionen und wurde mit dieser Zuschauerzahl einer der Top20 Filme des Jahres. Die Mordinstrumente der beiden Filme ähneln sich natürlich, denn sowohl mit der besagten Nylonschlinge als auch mit dem indischen Tuch gelingt es dem Meuchelmörder sich von hinten an seine Opfer heranzuschleichen, ohne dass diese Menschen die Gefahr ahnen und schon schnappt die tödliche Falle zu. Rudolf Zehetgruber hat sich in den 60er Jahren auf solche Filme spezialisiert, er inszenierte auch "Die schwarze Kobra", "Piccadilly Null Uhr Zwölf", "Das Wirtshaus von Dartmoor", "Das Geheimnis der chinesischen Nelke", "Mädchen hinter Gittern" sowie zwei "Kommissar X" Filme. Als während einer Striptease-Nummer in der Londoner Esquire-Bar das Licht ausgeht, wird ein Ermittler von Scotland Yard mit einer Nylonschlinge erdrosselt, Inspektor Harvey (Dietmar Schönherr) und Sergeant Masters (Denis Seiler) übernehmen die Ermittlungen. Powers hatte den Nachtclub anstelle des erpressten Mr. Wilkins (Karl Scherrer) aufgesucht. Wenig später wird auch dieser mit einer Nylonschlinge erwürgt. Wilkins war Mitglied einer derzeit auf dem Schloss Elford Manor stattfindenden Gründungsversammlung der Southern Oil Company. Sehr bald wird klar, dass die meisten dieser Versammlungsmitglieder ebenfalls Erpresserbriefe erhalten haben. Darin wird der Empfänger aufgefordert 15.000 Pfund zu bezahlen, ansonsten hat die letzte Stunde geschlagen. Unterdessen entdecken Harvey und Masters auf Elford Manor noch weitere merkwürdige Vorkommnisse und Personen. So hat der junge Lord Elford, Sir David (Alex Freihart), ein Verhältnis mit der freizügigen Tänzerin Nicole (Laya Raki)aus der Esquire-Bar. Der alte Lord (Gustav Kloster) scheint hingegen wie besessen von wissenschaftlichen Untersuchungen an den Mumien aus den Schlosskatakomben, in denen sich auch noch eine unheimliche Gestalt mit verbranntem Gesicht namens Henry (Ady Berber) herumtreibt. Es dauert schließlich nicht lange, bis weitere Gesellschafter dem Nylonschlingen-Mörder zum Opfer fallen. Somit ist der Rest der Gesellschaft Charles Clifton (Gustav Knuth), Jane Stone (Helga Sommerfeld), Mr. Harrison (Ernst Schröder) oder Mrs. Wells (Hedda Ippen) weiterhin in Gefahr, wobei es wahrscheinlich ist, dass sich unter Ihnen auch der Mörder befindet...





Zunächst deutet alles auf Adi Berber hin, aber hier in der "Nylonschlinge" ist seine Rolle etwas vielschichtiger. Die Kulissen wurden vom Szenenbildner Albert Bollinger entworfen. Diesmal spielt Dietmar Schönherr den ermittelnden Inspektor, in den folgenden verwandten Kinofilmen "Das Geheimnis der gelben Nelke" oder "Das Ungeheuer von London City" mimte er am Ende den gesuchten Mörder. 



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Der Mörder mit dem Seidenschal















Regie: Adrian Hoven

Ein Kind wird gejagt...

Im Jahr 1966 kam der deutsch-italienische Kriminalfilm "Der Mörder mit dem Seidenschal" auf etwas mehr als 200.000 Zuschauer. Damit war er weit entfernt von den Zuschauerzahlen von "Der Bucklige von Soho" (3,4 Millionen), "Jerry Cotton - Die Rechnung eiskalt serviert" (1,65 Mio.) oder "Das Geheimnis der weißen Nonne" (1,6 Millionen), die in der Kategories "Deutsche Kinokrimis" den höchsten Umsatz machten. Adrian Hoven war der Macher dieses Films, er produzierte den Film, er schrieb das Drehbuch, übernahm die Regie und spielte auch die Rolle des Ganoven Waldemar Fürst, der im Film zunächst als Mordverdächtiger gehandelt wird. Doch tatsächlich läuft der Killer noch frei herum in Wien und der ist hinter der einzigen Zeugin des Mordes her: Ein zehnjähriges Mädchen, dass durch einen Briefschlitz gesehen hat, wer ihre Mutter ermordet hat. In dieser Rolle ist Susanne Uhlen zu sehen, die Tochter von Gisela Uhlen und Wolfgang Kieling. Sie gab als 10jährige im Film von Hoven ihr Filmdebüt und erinnert in ihrem Spiel ein bisschen an Kinderstar Hayley Mills, die als Zwölfjährige im britischen Film Noir "Tiger Bay" von J. Lee Thompson neben Horst Buchholz die Hauptrolle spielte. Es ist auch Susanne Uhlen, die den Film sehr interessant macht. Heute wird dieser Film als kleines Juwel oder auch mal Klassiker des Kriminalfilms betrachtet, was aber übertrieben ist. Denn dazu ist das Drehbuch nicht raffiniert genug. Es gibt zu viele Szenen, in der der Mörder das Mädchen auf den Straßen in Wien entdeckt und sie wieder verfolgt. Das wirkt insgesamt etwas unlogisch. Die kleine Claudi (Susanne Uhlen) beobachtet einen Streit ihrer Mama (Helga Line) mit einem Mann (Carl Möhner). Wenig später ist die Mutter tot - erdrosselt mit einem Seidenschal. Der unheimliche Fremde taucht darauf hin am Tatort auf und Claudia erkennt ihn. Aus Angst in ein Waisenhaus gesteckt zu werden, läuft sie von der Polizei davon und verschweigt ihr Wissen. Dadurch wird sie auch für den Mörder zur Gefahr. Er jagt das Mädchen durch Wien. Immer wieder kann Claudia ihm um Haaresbreite entkommen. Zuflucht findet das Mädchen in einem alten Bunker. Währenddessen laufen die Ermittlungen von Polizeirat Erwin Moll (Folco Lulli) und seiner Mannschaft, zu der auch Kriminalinspektor Stenzel (Adi Berber) und Oberinspektor Charlie Fischer (Harald Juhnke) gehören. Da die Mutter Tänzerin ist, lebte das Mädchen abwechselnd bei ihr und bei ihren kaltherzigen Pflegeeltern. Allerdings hat sie zur Nachbarin (Vera Comployer) der Pflegeeltern eine vertraute Ansprechpartnerin. Die Spur der Kripo führt zum Kleinganoven Fürst (Adrian Hoven) und der Barbesitzerin Wally Specht (Sonia Romanoff). Doch der wahre Mörder ist der ehemalige US-Soldat Barrett (Carl Möhner), der inzwischen weiß, dass er  von der Kleinen gesehen wurde....








Adi Berber starb noch vor der Uraufführung des Films und musste daher nachsynchronisiert werden. Gut gelungen sind die Bilder der Kameramänner Hans Jura und Bob Klebig, die sehr gut Wiener Impressionen einfangen. Auch solche, die in den Hinterhöfen und alten Lagerhallen, Bunkern und Schrotthalden. Der Showdown erinnert an die Flucht von Harry Lime (Der dritte Mann) in den Katakomben von Wien. 






Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.