Samstag, 22. August 2026

Das Haus am Strand















Regie: Joseph Pevney

Intrigen und Begierde...

Joan Crawford bekam für ihre Rolle als "Mildred Pierce" 1946 den Oscar, ihr Filmpartner Zachary Scott war 10 Jahre jünger als Sie. Auch in der Folge gab es immer wieder Rollen für die 1905 gebürtige Diva mit wesentlich jüngeren Co-Darstellern. Crawford schien abonniert auf die Rolle der attraktiven, enttäuschten, bereits etwas älteren Frau, die jüngere Männer begehrt oder von diesen begehrt wird, wie in "Johnny Guitar" mit Sterling Hayden (11 Jahre jünger) oder Steve Cochran in "Im Solde des Satans" (13 Jahre jünger) Auch in "Haus am Strand" ist sie 50 und ihr attraktiver Partner Jeff Chandler  war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 36 Jahre alt. Getoppt wurde dieser Altersunterschied aber bereits 3 Jahre zuvor, da Jack Palance (Co-Star aus "Maskierte Herzen") sogar 16 Jahre jünger war.  Eine ältere Frau namens Queenie (Nathalie Schafer) äußert gegenüber ihrem Ehemann Osbert Sorenson (Cecil Kallaway) Bedenken, ob sie die Polizei rufen sollten. Ihr Mann zieht den Stecker des klingelnden Telefons; aus dem Nebenzimmer sind das Schluchzen und die Schreie einer Frau (Judith Evelyn) zu hören. Das Ehepaar betritt den Raum, trifft auf Drummy (Jeff Chandler) und berät darüber, ob die Polizei gerufen werden muss. Drummy trinkt einen Schnaps und stürmt durch die Terrassentüren nach draußen. Das Paar eilt in ein anderes Zimmer, als die verstörte Eloise Crandall aus dem Schlafzimmer tritt. Während sie betrunken durch das Wohnzimmer torkelt, ruft Eloise nach Drummy und leert ihr Glas, wobei sie stammelt: „Es tut mir leid, Drummy!“ Plötzlich stürmt Eloise auf die Terrasse, ruft seinen Namen, schreit auf und stürzt in den Tod – für den Zuschauer unsichtbar. Ihr Körper liegt später ausgestreckt im Sand; das zerbrochene Glas liegt neben ihr. Am nächsten Tag betrachten zwei Polizisten (Charles Drake und und Stuart Randall) die Scherben und bemerken ein Boot, das am hauseigenen Bootssteg liegt. Sie sehen eine blonde Frau, die Kleidungsstücke von dem inzwischen zerbrochenen Holzgeländer entfernt. Es klingelt an der Tür, und die Frau empfängt Mrs. Lynn Markham (Joan Crawford) im Haus. Amy Rawlinson (Jan Sterling) stellt sich als Immobilienmaklerin vor und erklärt, das Haus sei auf Wunsch von Mr. Markham gemietet worden. Amy erwähnt, man habe sie noch nicht so früh erwartet, da die Vormieterin, Mrs. Crandall, erst am Vorabend ausgezogen sei; sie beschreibt Mrs. Crandall als gute Mieterin – eine „ruhige, kleine alte Dame. Sehr nett.“ Amy führt Mrs. Markham durch das Haus und bemerkt, dass Mr. Markham das Haus sehr geschätzt habe und es schade sei, dass Mrs. Markham nicht dort gewohnt habe. Von der Terrasse aus beobachten sie das Boot; Mrs. Markham erkundigt sich: „Gehört das auch mir?“ Amy erklärt, das Boot gehöre einem Nachbarn, Drummond „Drummy“ Hall. Mrs. Markham bittet Amy, ihn aufzufordern, das Boot zu verlegen. Die beiden beobachten, wie die Polizei am Strand den Umriss des Leichnams vermisst. Amy tut dies ab und vermutet, es handele sich um „irgendetwas, das mit der Regierung zu tun hat“. Mrs. Markham bemerkt im Haus Gegenstände, die einem Mann gehören, und bittet Amy, diese Dinge zusammenzusuchen und an Drummy zurückzugeben. Sie bemerkt: „Ich habe eine so üble Fantasie. Ich möchte einfach in Ruhe gelassen werden.“ Während sie Amy hinausbegleitet, erwähnt Mrs. Markham, dass sie das Haus verkaufen wolle. Amy spürt ihr Unbehagen, entschuldigt sich und erklärt, Mrs. Crandall sei keine gute Mieterin gewesen – woraufhin Lynn erwidert, sie habe ihr ohnehin nicht geglaubt. Als Mrs. Markham auf der Terrasse die Sonne genießt, wird sie von Lieutenant Galley von der Hafenpolizei angesprochen; er teilt ihr mit, dass Mrs. Crandall nach einem Sturz von der Terrasse ums Leben gekommen sei. Galley erzählt, er kenne alle Reichen der Gegend, und berichtet allerlei Details über die Verstorbene: Sie habe vor sieben Jahren geheiratet, besitze ein Spielcasino und ihr Mann sei vor einem Jahr gestorben. Mrs. Markham verrät, ihr größter Wunsch sei es immer gewesen, allein zu sein. Der Beamte deutet Gerüchte an, wonach Mrs. Crandall Selbstmord begangen habe, doch er selbst glaubt nicht daran. Am nächsten Morgen wird Mrs. Markham durch das Geräusch eines aufheulenden Bootsmotors geweckt. Sie ruft Drummy zu, er solle leise sein; dieser entgegnet, er verlege das Boot nur, wie es von ihm verlangt worden sei. In der Küche angekommen, ist Markham schockiert, als sie Drummy beim Frühstückszubereiten vorfindet. Mitten in seinen Fragen erkundigt sie sich, wie er überhaupt ins Haus gelangt sei. Er schlägt ihr einen gemeinsamen Ausflug zu einer Insel vor – ein Vorschlag, der bei ihr jedoch auf wenig Gegenliebe stößt. Als sie ihn nach dem Schlüssel fragt, den er bei sich trägt, klingelt es an der Tür. Ein neuer Beamter namens Frankovitch erkundigt sich nach der Kleidung der Verstorbenen. Drummy erklärt, er habe sie bei sich zu Hause nebenan aufbewahrt, und händigt Lynn schließlich den Schlüssel aus. Später am Strand sonnt sich Drummy, während das Ehepaar Sorenson Bloody Marys trinkt und darüber spricht, wie sie mit Mrs. Crandall „ordentlich Geld hätten verdienen wollen“, bevor diese starb. Die beiden drängen Drummy dazu, sich mit dem neuen Mieter anzufreunden; sie schlagen vor, ihn mit jemandem zu verkuppeln, der „so praktisch das Zeitliche segnet wie Eloise“....







Alles deutet darauf hin, dass hier ein Intrigenspiel im Gange ist, doch Pevneys Film ist nichts so wie es scheint. Am Ende gibt es sogar eine recht überraschende und obskure Wendung, die auch ins Film Noir Genre perfekt passt. Der Reiz des Films besteht darin, dass die Figur von Jeff Chandler nur sehr schwer greifbar ist und man als Zuschauer nicht schlau aus seinen wahren Absichten wird. Diese zwar interessante, aber zwielichtige Mischung aus Sex, Mord und Spannung wird durchweg von guten Schauspielern getragen, die dafür sorgen, dass das etwas abgedroschene Drehbuch interessant bleibt. 








Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Jerry Cotton - Todesschüsse am Broadway
















Regie: Harald Reinl

Goldbarren im Hafen..

Obwohl am Ende des 8. Jerry Cotton Films "Todesschüsse am Broadway" bereits ein weiteres Abenteuer fürs Kino angekündigt wurde, war dies doch die letzte Folge der beliebten Kinoserie. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Produzenten nicht mehr so ganz mit den Umsatzzahlen im Kino zufrieden waren. Während der erste Jerry Cotton Film "Schüsse aus dem Geigenkasten" von Regisseur Fritz Umgelter im Kinojahr 1965 auf Platz 10 mit mehr als 3,7 Millionen Zuschauern im Jahresranking landete, war bereits der 7. Film "Der Tod im roten Jaguar" unter der Millionengrenze (717.000) und "Todesschüsse am Broadway" mit 797.000 Zuschauern konnte sich nur leicht verbessern. Ein Grund war sicherlich, dass die Macher die Beliebtheit des FBI Mannes arg ausreizten, jedes Jahr kam bereits ein weiterer Film in die Kinos. Schade eigentlich, denn die Filmreihe war durchaus sympathisch. Trotz der durchschaubaren Technik, Second-Unit- und Archivaufnahmen von Schauplätzen wie New York oder Las Vegas zu verwenden, obwohl der Dreh nie in den USA stattfand. Kein einziger der Darsteller setzte für den Film den Fuß auf amerikanischen Boden. Wie sich die dunkelhaarige Schöne Heidy Bohlen da in prächtigen Farben und gestochener Schärfe von dem leicht milchigen Empire-State-Building-Footage abhebt, möchte man sich fast einen überlebensgroßen Druck davon an die Wand hängen. Hier findet das "Make Believe",  die Freude am Pulp, das Unzureichende des Stils, das mit der Intensität des Traums und der Sehnsucht nach der fremden Welt hinter dem Ozean, einer Welt voller Aufregung und Abenteuer, Hand in Hand geht, seinen idealen Ausdruck. Alles andere ist dann eigentlich egal. Jerry Cotton (George Nader) wird hinzugezogen, um ein Verbrechen am Broadway zu untersuchen, da der FBI-Agent Johnny Peters (Hans Heyde) bei einem Undercover-Einsatz ums Leben gekommen ist. Vor seinem Tod hatte er die Beute eines kürzlich verübten Großraubs an einem unbekannten Ort im New Yorker Hafengebiet versteckt. Alle Täter werden vom FBI verhaftet, doch der Haupttäter, Costello (Miha Balch), wird bald von einer rivalisierenden Gang befreit. Seine neuen Komplizen vermuten, dass er den Aufenthaltsort der Beute kennt, und er versucht, ihre Erwartungen zu erfüllen. Die Freundin des verstorbenen Agenten, Cindy (Heidi Bohlen) ist damit auch in Gefahr, denn auch sie könnte wissen, wo sich der Goldraub befindet. Und was tut ein so wendiger Gangster, wenn seine Visage inzwischen alle Steckbriefe ziert? Er geht zu Nasen-Charly (Rudolf Fernau), der ihm ein attraktiveres Gesicht verpasst.  Dieser ehemalige Chirurg operiert nun im Untergrund ganz speziellen Patienten die Gesichter so zurecht, dass sie niemand mehr erkennt. Logisch, dass vorsichtshalber auch der Arzt und seine Assistentin unmittelbar nach dem gelungenen Eingriff erschossen werden müssen. Nur die Zuschauer erkennen Costello weiterhin – und das sogar von Weitem: Hut, Trenchcoat, Bart und Maschinenpistole sind ikonografische Merkmale des einsamen Verbrechers...








Michaela May spielt in der Geschichte die Nichte des Konkurrenten von Costello. Auf dieser  eheer schwachen Story-Basis lässt sich jede Menge Action präsentieren, ohne dass sie durch allzu viel exploitativen Firlefanz gestört würde. Statt des altväterlichen Mr. High sehen wir nun Konrad Georg als nüchternen Vorgesetzten Mr. Ross – so hieß Konrad Georg übrigens bereits in einer ähnlichen Rolle in den Durbridge-Mehrteilern um Tim Frazer. Diese Nüchternheit passt deutlich besser zur harten Welt des Verbrechens. Überhaupt ist klamaukiger Humor nahezu vollständig eliminiert und beschränkt sich auf einige zotige Sprüche von Jerry Cotton und Phil Decker, die für das Jahr 1969 vergleichsweise mild ausfallen. "Todesschüsse am Broadway" wirkt vielleicht sogar moderner und zeitgemäßer als seine Vorgänger, aber trotz der erhöhten Professionalität ist die Story eher schwach. Unter diesem Gesichtspunkt ist "Todesschüsse am Broadway" vielleicht sogar der schwächste aller Jerry Cotton Filme.







Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Jerry Cotton - Der Tod im roten Jaguar















Regie: Harald Reinl 

Auftragsmorde...

Mit dem 7. Jerry Cotton Film "Der Tod im roten Jaguar" traten beim Kinopublikum langsam Ermüdungserscheinungen auf. Während "Dynamit in grüner Seide" noch mehr als 1,3 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, halbierte sich der Umsatz ein halbes Jahr später fast um die Hälfte. Schade eigentlich, denn "Der Tod im roten Jaguar", der erneut von Harald Reinl inszeniert wurde, gehört zu den besten Jerry Cotton Filmen.  Diesmal hat es Jerry Cotton (George Nader) mit einer Organisation zu tun, die Auftragsmörder in die gesamten Vereinigten Staaten schickt. Natürlich kostet dies dem Auftragsgeber viel Geld, er hat zwar ein echtes Motiv jemanden aus dem Weg zu räumen, aber er kann sich auch ein stichhaltiges Alibi zulegen, so dass er zwar verdächtigt wird - aber da man ihm nichts nachweisen kann, kann man ihn auch nicht vor Gericht bringen.  Nach dem Tod von Ann Gordon (Karin Schroeder) und ihrer kleinen Tochter Jane (Manuela Schmitz) wird das FBI mit diesem Fall betraut und Jerry fliegt nach San Francisco, wo die meisten dieser Morde bislang verübt worden sind. Dem Ehemann (Giuliano Raffaeli) kann natürlich nichts nachgewiesen werden. In San Francisco nimmt Jerry Kontakt zu seinem Freund und Privatdetektiv Sam Parker (Herbert Stass) auf, der im Umfeld des Opfers ermittelt. Ein gewisser Peter Carp (Kurt Jaggberg), dessen Buchhalter ebenfalls von dem Killer (Gert Hauke) ermordet wird, macht sich reichlich verdächtig. Carps Frau Linda (Grit Böttcher) bittet Jerry um Hilfe, denn sie befürchtet, dass ihr Mann sie töten lassen möchte. In letzter Sekunde kann Jerry das Attentat verhindern. Doch der Killer wird von einem anderen Killer im Hintergrund zum Schweigen gebracht. Linda kommt bei Parkers Assistentin Ria Payne (Daniela Surina) unter, doch dort wartet bereits der Auftragsmörder. Eine Spur führt zu dem dubiosen Psychiater Dr. Sauders (Carl Lange). Werden vielleicht labile Patienten durch Hypnose zu Killern gemacht ?








Zugegeben ist das eine sehr abstruse Wendung in Jerrys 7. Abenteuer, doch Reinl hat die Geschichte sehr straff und spannend inszeniert, so dass das Szenario fesselnd bleibt. In einer Nebenrolle ist Ilse Steppat als neugierige Hauswirtin zu sehen und Robert Fuller, damals Publikumsliebling durch die Westernserie "Am Fuß der blauen Berge" ist Gaststar und wird in der Anfangsszene von Jerry zur Strecke gebracht.











Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.