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Dienstag, 12. März 2024

Das Wirtshaus im Spessart


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Kurt Hoffmann

Räuber im Wald...

In den 50er Jahren war ein echter Kinoboom zu verzeichnen. Ganz besonders hoch waren die Zuschauerzahlen in den Jahren 1956 und 1957. In dieser Zeit wurden in der Bundesrepublik 817 Millionen, in der DDR 316 Millionen gezählt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die bestbesuchtesten Filme in Deutschland aus dieser Zeit stammen. Im Ranking der erfolgreichsten Blockbuster ab 1956 liegt "Die Trapp Familie" von Wolfgang Liebeneiner auf Platz 1 mit 26 Millionen Besuchern. Gefolgt von Helmut Käutners "Der Hauptmann von Köpenick", der 14 Millionen Interessierte in die Kinos lockte. Wie Rang 3 "Charlys Tante" von Hans Quest und ebenfalls mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle war es ein Film aus dem Jahr 1956. Michael Herbigs "Schuh des Manitu", der auf fast 12 Millionen Besucher kam, liegt als einziger Film, der viel später entstand, auf Rang 4, dicht gefolgt von Kurt Hoffmanns "Das Wirtshaus im Spessart". Damals kosteten die Kinokarten zwischen 1 Mark (auf dem billigsten Platz) und 2,70 Mark (auf dem besten Rang für einen Film mit deutlicher Überlänge wie etwa "Die Brücke am Kwai"). Im Erfolgsfilm "Das Wirtshaus im Spessart" konnte Publikumsliebling Liselotte Pulver ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Sie wurde für die Rolle der Comtesse Franziska im Jahr 1958 mit dem Filmband in Silber als beste Schauspielerin ausgezeichnet.  Franziska von und zu Sandau ist mit ihrem ungeliebten Verlobten Baron Sperling (Günther Lüders), ihrer Zofe Barbara (Ina Peters) und dem Herrn Pfarrer (Otto Storr) mit der Kutsche auf dem Weg nach Würzburg. Die Fahrt führt durch den Spessart und dort im Wald gibt es eine Vielzahl von Räubern und ganzen Räuberbanden. Auch die beiden Handwerksburschen Felix (Helmuth Lohner) und Peter (Hans Clarin) sind zu Fuß im Wald unterwegs - immerhin gibts im dichten Wald ein Wirtshaus, in dem man essen und schlafen kann. Was die beiden nicht wissen: Die Wirtsleute machen gemeinsame Sache mit der Bande des Räuberhauptmanns (Carlos Thompson). Doch die Banditen haben es nicht unbedingt auf die beiden Handwerker abgesehen, sie wollen lukrative Beute machen. Und diese Beute ist die Comtesse, die als Geisel genommen werden soll - ihr Vater soll ein Lösegeld von 20.000 Gulden herausrücken, dann würden die Räüber die junge Adlige wieder frei lassen. Zum Zwecke der Geiselnahme präparieren die Räuber Knoll (Wolfgang Neuss) und Funzel (Wolfgang Müller) eine Kuhle in den geplanten Fahrweg der Kutsche. Tatsächlich bricht dabei ein Rad und so sind die Reisenden gezwungen die Fahrt zu unterbrechen, um in diesem Wirtshaus zu nächtigen...





Kurt Hoffmanns Film wirkt natürlich aus heutiger Sicht sehr nostalgisch, aber er hat starke Qualitäten und ist originell. Bereits der Anfang mit der Vorstellung eines fahrenden Bänkelsängers, der von Rudolf Vogel gespielt wird, macht durch dessen erzählte Moritaten gute und ein bisschen gruslige Laune. Kameramann Richard Angst, der 1971 einen Bundesfilmpreis für seine gesamten Leistungen in diesem Bereich erhielt, lieferte wunderschöne Bilder zu dieser märchenhaften Geschichte. Gewürzt wird der Film mit einigen Musikstücken und am Ende darf man sich natürlich - wie im Märchen üblich - auf das ersehnte Happyend freuen.






Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 27. März 2019

Der Hauptmann von Köpenick

























Regie: Helmut Käutner

Haben Sie gedient ?

Der deutsche Schriftsteller Carl Zuckmayr lebte von 1896 bis 1977. Er wuchs in mainz auf und studierte Literaturgeschichte. Im ersten Weltkrieg wurde Zuckmayr mehrfach ausgezeichnet. In der Weimarer Republik entwickelte er sich zum erfolgreichen Autor von Theaterstücken. Nach der Machtergreifung durch die Nazis wurden seine Texte verboten, da er sich kritisch über die NSDAP geäussert hatte. Er wanderte nach Amerika aus und kehrte erst 1946 ald Kulturbeauftragter des amerikanischen Kriegsministeriums nach Europa zurück. "Der Hauptmann von Köpenick - Ein deutsches Märchen" ist eine Tragikomödie und sie wurde von Zuckmayr von Anfang September bis November 1930 geschrieben. Sie beruht teilweise auf wahren Begebenheiten, der Autor hat die Geschichte aber etwas ausgeschmückt.
Im Oktober 1906 gelang dem aus Ostpreußen stammenden Schuhmacher (Heinz Rühmann) ein echter Coup, als er aus Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten ins Rathaus der Stadt Cöpenick bei Berlin eindrang, das Amt besetzte und den Bürgermeister Dr. Obermüller (Martin Held) sowie den Buchhalter Rosenkranz (Siegfried Lowitz) verhaften ließ und schließlich die Stadtkasse raubte. Zuckmayr nahm dieses freche Husarenstück zum Anlass für eine kritische Darstellung des Militarismus im deutschen Kaiserreich. Dabei gelang es ihm den völlig unkritischen Gehorsam des deutschen Soldaten und auch des deutschen Bürgers punktgenau zu entlarven.
Die Geschichte wurde mehrfach verfilmt. 1931 mit Max Adalbert unter der Regie von Richard Oswald. Die bekannteste Version entstand 1956 unter Helmut Käutner als farbenprächtiges Spektakel mit perfektem Zeit- und Lokalkolorit. In der Rolle des Hauptmanns brillierte der große Volksschauspieler Heinz Rühmann - für diese Leistung wurde er 1957 mit dem Preis der deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Ausserdem gelang es dem Film eine Oscarnominierung als bester Auslandsfilm zu erhalten.
Im deutschen Kaiserreich ist Untertansgeist angesagt. Die Deutschen sind kriegs- und militärverrückt. Doch der Schuster Wilhelm Voigt ist ein Aussenseiter. Er hat durch Betrügereien 15 Jahre im Knast gesessen. Nun ist er wieder frei. Doch das Leben in der Freiheit hat riesige Tücken. Er hat als ehemaliger Strafgefangener des Gefängnisses Berlin Plötzensee kein Recht auf einen Pass und bekommt in keiner Stadt eine Aufenthaltserlaubnis. Man will diese Kriminellen auf keinen Fall in die Gesellschaft integrieren. Ohne Aufenthaltserlaubnis gibts auch keine Arbeit. Erschwerend kommt hinzu, dass Voigt auch nie gedient hat. So wird er gemeinsam mit einem anderen Zuchthäusler namens Kallenberg (Wolfgang Neuss) erneut straffällig - er bricht in eine Amtsstube ein um Pass und Stempel zum Fälschen eines Ausweises zu klauen. Das bringt ihm wieder einige Jahre Knast ein - doch bei diesem Aufenthalt beginnt er sich zu bilden, indem er liest und vom Zuchthausdirektor (Friedrich Domin) bekommen die Gefangenen Unterricht in militärischen Strategien. Nach Verbüßung der Haft kommt er kurzzeitig bei seiner Schwester Marie (Ilse Fürstenberg) und ihrem Mann Friedrich (Williy A. Kleinau) unter. Dort lebt das kranke Lieschen (Edith Hancke) zur Untermiete. Zur gleichen Zeit fertigt der Schneidermeister Wormser (Leonard Steckel) und sein Mitarbeiter Wabschke (Joseph Offenbach) für einen Hauptmann eine Uniform. Diese wird irgendwann in den Besitz des Bürgermeisters von Köpenick gelangen und auf Umwegen auf den Flohmarkt. Für 18 Mark wird der Schuster Besitzer dieser Uniform, mit der ihm dann dieser große Coup im Rathaus gelingt...




Und dies alles nur um endlich einen Pass zu bekommen - um vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft sein zu können. Diese Geschichte hat Käutner perfekt in Szene gesetzt. Es gelingt ihm ein großer Wurf, der von Anfang bis Ende die Balance zwischen Komik und Tragik behält. Teilweise bleibt dem Zuschauer jedoch das Lachen im Hals stecken. Ebenso hervorragend die Kameraarbeit von Albert Benitz, dessen Lehrmeister der Bergfilmer Arnold Fanck war. Im Kino hatte der Film einen Riesenerfolg - 10 Millionen Zuschauer sahen den Film in den ersten 5 Monaten. In den USA war es der erste deutsche Nachkriegserfolg. Wahrscheinlich war es auch die beste Rolle die Heinz Rühmann jemals spielte - sein Schuhmacher, der so unsicher durch diese schräge Weltordnung taumelt, erinnert sogar phasenweise an die Genialität von Chaplins Tramp.
 


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 10. Mai 2015

Wir Wunderkinder


























Regie: Kurt Hoffmann

Zwei deutsche Lebensläufe....

Kurt Hoffmann war mit Sicherheit einer der erfolgreichsten deutschen Filmregisseure. Bereits während der NS-Zeit drehte er Kassenschlager wie "Quax, der Bruchpilot" oder "Ich vertraue dir meine Frau an". In den 50er Jahren gelangen ihm eine Riesenerfolge wie "Hokuspokus", "Das fliegende Klassenzimmer", "Drei Männer im Schnee", "Ich denke oft an Piroschka", "Das Wirtshaus im Spessart", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" oder "Das Spukschloß im Spessart".
Sein vielleicht kritischster Film ist aber "Wir Wunderkinder" aus dem Jahr 1959, der zwar von dem Regisseur gewohnt schwungvoll und unterhaltsam inszeniert wurde, aber mit seiner kabarettistischen Form die Lebensgeschichte zwier typischer Deutscher erzählt und somit auch einen weitestgehend gelungenen Kommentar zur Vergangenheitsbewältigung beinhaltet. Vor allem durch die Mitwirkung der beiden Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, die bereits im "Wirtshaus im Spessart" mit Hoffmann zusammengearbeitet hatten, kommt der Gewinner des Golden Globe Awards als bester fremdsprachiger Film des Jahres 1960 als "Film im Film" daher. Die beiden Akteure begleiten das Geschehen von 1913 bis 1957 von einer Bühne aus, wo sie die Handlung mit sehr bissigen Kommentaren und Klaviermusik begleiten. Dabei gelingt es Ihnen eindrücklich sich von Konzessionen, zu denen man damals sicherlich noch genötigt war, zu lösen und diese sogar in perfekter Form zu unterlaufen. Wenn eine der Hauptfiguren - dieser Bruno Tiches - am Ende des Films in einen Fahrstuhlschacht fällt und stirkbt, dann führt der Filmemacher das HappyEnd ad absurdum, in dem er gleich die Bilder der Beerdigung zeigt, zu der alle einflüssreichen Persönlichkeiten aufmarschiert sind und dem "verdienten Deutschen" das letzte Geleit zu erweisen. Müller erwähnt dann noch, dass es so viele kaputte Fahrstühle leider nicht gibt um diesen Opportunisten, der immer die Gesinnung folgt, die gerade "in" ist.
Man kann vielleicht kritisieren, dass es in Sachen Vergangenheitsbewältigung dem "Mitläufer" relativ leicht gemacht wird, sich in diesem filmischen Spiegelbild nicht zu erkennen. Dennoch zähle ich diesen Nachkriegsfilm über die gewisse Machtlosigkeit der Anständigen, die dem Aufstieg der unmoralischen und dummen Nazis leider nichts entgegensetzen können, zu den besten deutschen Filmen der 50er Jahre. Auch wenn die Resignation gegenüber dieser starken Opportunisten schon ein bissel traurig macht.
Der Film beginnt im Jahr 1913 - in Neustadt, einem kleinen Ort in der Provinz steht ein großes Ereignis bevor. Ein Ballonfahrer soll anlässlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals den Flug nach Leipzig wagen, um dem geliebten Kaiser Wilhelm I die Ehre zu erweisen. Dort sind auch die beiden Jungen Hans Boeckler und Bruno Tiches zugegen, die beide Lausbubenstreiche im Kopf haben. Doch Hans wird erwischt und bestraft, seinem Klassenkameraden Bruno gelingt es aber ungesehen in den Korb des Ballons zu klettern. Als der Ballon nur wenige Meter entfernt notlanden muss, wird Bruno zum Helden seiner Mitschüler und seiner Lehrer.
Die Lebenswege der beiden kreuzen sich immer wieder. Hans Boeckler (Hansjörg Felmy) studiert in den 20er Jahren unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Philosophie in München. Bruno Tiches (Robert Graf) schließt sich der NSDAP an und macht im Laufe der Jahre dort eine rasante Karriere. Hans bleibt sich in dieser Zeit selber treu, verliert zwar seine erste Freundin Vera von Lieven (Wera Frydtberg), die mit ihrem Vater emigriert, lernt aber die hübsche Dänin Kirsten (Johanna von Kosczian) kennen und heiratet sie in Dänemark. Als der Krieg ausbricht, muss er zurück ins Reich. Nach dem Krieg versucht Hans mühsam einen neuen Anfang zu machen. Dieser Neubeginn fällt Bruno Tiches umso leichter. Mit seinem Schwarzmarkgeschäft hat er sich schon wieder bestens angepasst...


 Schon die erste Szene ist symptomatisch für die zukünftige Entwicklung der beiden unterschiedlichen Protagonisten. Während Hans Boecker bestraft wird, wird Bruno gefeiert und belohnt.
Im Wirtschaftswunderland steht am Ende dann der erfolgreiche Geschäftsmann Tichel unter geändertem Namen, der mit seinem Geld wieder die Macht hat und Hans Boeckel als Journalist, der die Taten der Vergangenheit in seiner Zeitung aufdecken will, schon wieder am kürzeren Hebel sitzt. Kann sich sein Chef die ehrliche und freie Meinungsäusserung erlauben, wenn der Mann mit Geld und Einfluß die Macht hat den Schreiber und seine Zeitung vernichtend zu schlagen ?
"Wir Wunderkinder" lebt von den beiden guten Hauptdarstellern Robert Graf und Hansjörg Felmy. Vor allem Graf hat seine Rolle so angelegt, dass nie der Fanatiker sichtbar wird, aber sehr schnell erkennbar sein Gespür sichtbar wird für den eigenen Vorteil. Sein Charakter strotzt vor Anpassungsfähigkeit und positiver Selbstdarstellung. Er sieht sich sogar als einer der den Karren für Deutschland "aus dem Dreck zieht" und Boeckels damalige Ablehnung der Nationalsozialissten deutet er als dessen Unfähigkeit sich klar zu positionieren. Somit doch eine nicht zu unterschätzende kritische Aussage über den Mitläufer und seine Struktur.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.