Regie: Rudolf Zehetgruber
Die Formel...
Ab dem Jahr 1962 wurden die deutschen und auch internationalen Kinozuschauer, die von den Edgar Wallace Filmen begeistert waren, auch durch zahlreiche artverwandte Filme versorgt. So gab es die Auferstehung von "Dr. Mabuse", es gab insgesamt 11 Filme von Bryan Edgar Wallace, dem Sohn von Edgar Wallace. Darüberhinaus wurden die Filmproduzenten auch auf die Kriminalromane des böhmischen schriftstellers Louis Weinert-Winton aufmerksam, der in den 20er und 30er Jahren Werke verfasste, die stark an Wallace erinnerten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass "Der Teppich des Grauens", "Die weiße Spinne", "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" und "Das Geheimnis der chinesischen Nelke" insgesamt vier Filme des Autors realisiert wurden. "Der Teppich des Grauens" war mit 2,3 Millionen Zuschauer sehr erfolgreich. Auch "Die weiße Spinne" mit 1,6 Millionen und "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" mit 1,59 Millionen fanden ein gutes Publikum. "Das Geheimnis der chinesischen Nelke" hatte mit knapp 1,2 Millionen Kinogängern einen weiteren Einbruch in der Zuschauergunst hinzunehmen. Daher wurde die Reihe nicht mehr fortgesetzt. Neben den äußerst erfolgreichen Edgar-Wallace-Filmen sah der Constantin-Filmverleih, der diese Reihe vermarktete, das Thema Kriminalfilme im Jahr 1962 längst nicht ausgereizt. Die Erscheinungstermine der Weinert-Wilton-Filme waren so gewählt, dass sie nicht parallel zu den Edgar-Wallace-Filmen im Kino starteten. Doch nach 2 Jahren sah man, dass der Trend vielleicht doch rückläufig sein könnte. James Bond war in aller Munde und Produzent Wolf C. Hartwig wollte im Gegensatz zu den vorherigen, klassischen Kriminalfilmen einen zeitgemäßen Spionagefilm schaffen. Als Regisseur stand Rudolf Zehetgruber zur Verfügung, der auch die Drehbuchvorlage schrieb. Neben bekannten deutschen Darstellern bekam das tschechische Sexsymbol Olga Schoberova, desweiteren wurde der US-Actionstar Brad Harris engagiert. Beide lernten sich während der Dreharbeiten kennen und heirateten. Vermummte Gestalten, düstere Schlösser, Nebelschwaden und deutsche Schauspiellegenden, die sich als Psychopathen austoben durften, sucht man hier vergeblich. Denn es geht um eine Formel zur schadstofffreien Energiegewinnung. Diese wertvolle Formel befindet sich auf einem Mikrofilm. Nach jahrelanger und nervenaufreibender Forschungsarbeit hat Professor Bexter (Corrado Annicelli) gemeinsam mit seinem Assistenten Wilkinson (Dietmar Schönherr) eine revolutionäre Formel zur alternativen Energieerzeugung entwickelt. Es dauert nicht lange, bis verschiedene Interessengemeinschaften auf die Formel aufmerksam werden, die auf diesem besagten Mikrofilm zu finden ist. Mit allen Mitteln versuchen zahlreiche Gangster, den Film in ihre Gewalt zu bringen und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Dreh- und Angelpunkt für Gewalt und Verbrechen ist der Nachtclub "Die chinesische Nelke", dessen halbseidene Besitzerin namens Mary Lou (Dominique Boschero) ein gefährliches Spiel treibt. Sie ist die Chefin einer Unterweltorganisation und der dubiose Speranzo (Klaus Kinski) ist ihre rechte Hand. Um an die Formel zu kommen, haben sie einen ebenso dubiosen Mann (Horst Frank) aus dem Staaten kommen lassen, der sich aufs Knacken von Tresoren spezialisiert hat. Die Bande glaubt zunächst, dass sich der Mikrofilm im Tresor des Wissenschaftlers befindet. Doch der hat den Film seiner Susan (Olga Schoberova) anvertraut, die er aufs Land geschickt hat. Dort soll der Privatdetektiv Donald Ramsey (Brad Davis) auf das hübsche Mädel aufpassen. Natürlich gibt es bald erste Morde und ein Wirtschaftsboss (Paul Dahlke) ist ebenfalls mit im Geschehen, genauso wie Scotland Yard...
Rudolf Zehetgruber lieferte mit "Das Geheimnis der chinesischen Nelke" den vierten und letzten Beitrag zur Louis-Weinert-Wilton-Reihe, die überwiegend sehr ansehnliche Vertreter hervorbringen konnte und deren Stärken im Rahmen der Variation liegen. In diesem Zusammenhang sind natürlich schnell Vergleiche zur erfolgreichen Wallace- Reihe und anderen Konkurrenzproduktionen gezogen, denn die Messlatte war mehr oder weniger hoch angelegt. Zehetgrubers Kriminalfilm bietet zunächst einmal ein internationaler wirkendes Flair, was vor allem aufgrund der beteiligten Darsteller zustande kommt. Dennoch müssen hier inszenatorisch deutliche Abstriche gemacht werden.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.













