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Sonntag, 18. Februar 2024

Geheimagent des FBI


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mervyn LeRoy

Die Verbrechensbekämpfer...

Der US-Filmregisseur Mervyn LeRoy war bereits in der Stummfilmzeit aktiv. Seine bekanntesten Filme sind "Der kleine Caesar", "Jagd auf James A." "Der Tote lebt", "Blüten im Staub", "Quo Vadis", "Mister Roberts" und "Böse Saat". Auch sein 1959 entstandener Film "Geheimagent beim FBI" war ein Erfolg im Kino und spielte rund 3,5 Millionen Dollar in den USA ein. Hauptdarsteller war James Stewart, der den FBI Agenten John Michael Hardesty spielt.
In der ersten Szene ist ein Flughafen in Denver Schausplatz des Geschehens. Die Mutter von John Gilbert Graham (Nick Adams) checkt sich dort als Passagierin für den nächsten Flug ein. Ihre Koffer, die vom Sohn gepackt wurden, sind sehr schwer. Er überredet seine Mutter noch eine Lebensversicherung abzuschließen, man kann ja nie wissen. Und tatsächlich wird die Maschine, in die die Frau steigt,  in der Luft durch eine Explosion zerstört. Die Männer des FBI finden immer mehr Anhaltspunkte, dass eine Bombe die Ursache für diese Katastrophe war und es wird solange ermittelt bis sich starke Verdachtsmomente ergeben, dass Graham der Täter sein könnte. Irgendwann ist die Beweislast so erdrückend, dass er gestehen muss.
Diese Geschichte wird von John Hardesty (James Stewart) während eines Vortrags für Nachwuchskräfte erzählt. In Rückblenden wird die Geschichte dieses Agenten der ersten Stunde des Federal Bureau of Investigation erzählt. Er ist in Knoxville, Tennessee angestellt seit dem Jahr 1924 und macht seiner Geliebten, einer Bibliothekarin namens Lucy Ann Ballard (Vera Miles) einen Heiratsantrag. Seine Geliebte ist der Meinung, dass Hardestys Potential vom FBI Verschwendet wird und sieht ihn viel lieber als Anwalt.
Sie heiraten mit dieser Idee im Hinterkopf. Nachdem er eine Rede des neuen Direktors J. Edgar Hoover gehört hat, ist Hardesty inspiriert, im Büro zu bleiben. Lucy Ann verrät, dass sie schwanger ist; Sie überredet Hardesty, nur ein erstes Jahr im FBI zu bleiben. Hardesty wird in den Süden geschickt, um den Ku-Klux-Klan zu untersuchen. Dort ist eines seiner ersten sehr gefährlichen Tätigkeitsfelder. Es geht weiter bis er nach Ute City, Wade County, Oklahoma geschickt wird, um eine Mordserie an amerikanischen Ureinwohnern zu untersuchen, die über ölreiches Bodenland und Rechte verfügten. Martin Scorsese verfilmte 2023 diese Geschichte unter dem Titel "The Killers of the Flower Moon". Das FBI musste Ermittlungen einleiten, nachdem einer der Morde auf dem Gelände der Bundesregierung begangen wurde. Das forensische Labor des FBI verknüpft die manipulierten Testamente und Lebensversicherungspolicen der Mordopfer mit der Schreibmaschine, die der Täter benutzte, sie gehörte dem örtlichen Bankier, Dwight McCutcheon (Fay Roope). Lucy Ann, bereits Mutter von drei Kindern, erleidet um diese Zeit eine Fehlgeburt. Am 17. Juni 1933 eskortierten drei FBI-Agenten den Gangster und Kronzeugen Nash von einem Zug zu einem Auto vor der Union Station in Kansas City, als sie überfallen und getötet wurden. Dieses Ereignis verändert das FBI; Ein Jahr später erteilte der Kongress dem FBI die gesetzliche Befugnis, Waffen zu tragen und Verhaftungen vorzunehmen. Hardesty und sein Freund Sam Crandall (Murray Hamilton) sind von seiner Aussicht begeistert, aber Lucy Ann gefällt die Idee überhaupt nicht. Sie ängstigt sich immer mehr und sie sollte mit ihren schlimmen Vorahnungen Recht behalten.  Nachdem sie einen Hinweis erhalten haben, machen sich Hardesty und Crandall am 22. April 1934 auf den Weg nach Spider Lake, Wisconsin, doch bellende Hunde alarmieren die Gangster und sie zerstreuen sich. Die Agenten gehen zu einem nahegelegenen Landladen, um das Büro in Chicago anzurufen. Als sie dort ankommen, finden sie Baby Face Nelson (William Phipps) , der zwei Männer als Geiseln hält. Nelson eröffnet das Feuer und verwundet Crandall tödlich. Hardesty erzählt von seiner Beteiligung an der Gefangennahme und dem Tod zahlreicher berüchtigter Gangster seiner Zeit, darunter John Dillinger, Pretty Boy Floyd, Baby Face Nelson und Machine Gun Kelly. Während des 2. Weltkriegs verdoppelt sich die Zahl der Beamten schnell von etwa 2.500 auf über 5.000 Agenten. Einer dieser aufstrebenden neuen Agenten ist der Sohn des verstorbenen Sam, George (Larry Pennell), der befürchtet, dass er dem Ruf seines Vaters niemals gerecht werden wird; Zwischen ihm und Hardestys ältester Tochter entsteht eine Romanze. Hardestys einziger Sohn (Buzz Martin) gibt seine Einberufung in das U.S. Marine Corps bekannt. Lucy ist untröstlich und fürchtet, dass er im Krieg getötet wird. Schließlich versteht sie, dass er, wie viele amerikanische Jungen, bereit ist, seine Sicherheit zu Hause zu opfern, um seinem Land zu dienen. Hardesty wird nach Südamerika geschickt, um drei Agenten zu entlasten, deren Identität vom dort operierenden deutschen Geheimdienst entdeckt wurde. Beim einem der Agenten handelt es sich offenbar um George; Er war tief im Dschungel und hat geheime Funknachrichten abgefangen. Lokale Behörden greifen ein und zwingen die FBI-Agenten, die Ausrüstung zu zerstören und zu fliehen. Zurück in den USA erhalten Hardesty und Lucy ein Telegramm, das sie darüber informiert, dass ihr Sohn während der Schlacht von Iwo Jima im Dienst getötet wurde. Obwohl sie am Boden zerstört sind, trösten sie sich gegenseitig und beten, dass ihr Sohn nicht leiden muss. Der letzte dargestellte Fall geht auf einen New Yorker Wäschereireiniger zurück, der einen hohlen halben Dollar mit Mikrofilm darin fand. Das FBI ermittelt und verfolgt den Besitzer der Kleidung, was dazu führt, dass zwei Spione gefasst wurden und zum Tod verurteilt wurden.  Hardesty beendet seine Rede vor dem FBI. Er wird von seiner Familie außerhalb des Gebäudes begrüßt. Er hat jetzt einen Enkel. Die Familie fährt weg und kommt an historischen Wahrzeichen von D.C. vorbei....





Natürlich ist da sehr viel Patriotismus mit dabei und der Film ist wenig Kritisch. In der ebenfalls beschriebenen Jagd auf Kommunisten setzt der Film zu Ehren von Edgar J. Hoover die rote Brille auf. Die unschöne Hexenjagd wird als Notwendigkeit gegen das Verbrechertum beschrieben. Insgesamt ist LeRoys episodenartiges Kaledoskop aber recht unterhaltsam und sehr lobenswert sind die Kameraeinstellungen von Joseph L. Biroc.






Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Montag, 3. April 2023

Der Tote lebt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mervyn LeRoy

Johnny Eager, der charismatische Gangster...

"Johnny Eager" aus dem Jahr 1941 ist ein unterbewerteter sehr interessanter Film Noir, der von Mervyn LeRoy (Der kleine Caesar, Ich bin ein entflohener Kettensträfling) inszeniert wurde. Das Budget betrug etwas mehr als 600.000 Dollar, durch die sehr guten Einnahmen im Kino konnte ein Umsatz von 2,6 Millionen Dollar verbucht werden, was bei der attraktiven Besetzung Robert Taylor und Lana Turner auch nicht verwunderlich war. Die beiden Stars sollen sogar eine Romanze gehabt haben, doch Lana Turner zog die Notbremse, bevor es ganz ernst wurde - sie wollte Taylors Ehe mit Barbara Stanwyk nicht in Gefahr bringen.
In der Rolle des intellektuellen und Shakespeare zitierenden, aber alkoholsüchtigen Freund von Johnny Eager (Robert Taylor) ist Van Heflin zu sehen, der für seine Leistung mit den Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde.
"Johnny Eager", der in Deutschland unter "Der Tote lebt" bekannt wurde, bietet zwei interessante Beziehungsgeflechte an.
Eine Geschichte um Manipulation, verborgene Gefühle und bewussten Täuschungen. Vor allem die Freundschaft zwischen dem aalglatten Johnny Eager und dem alkoholkranken Jeff steckt voller ungesagter Mysterien. Viele Filmkritiker deuten diese Beziehung in eine latent homoerotische Komponente ein. Natürlich sorgte der Hays Code dafür, dass ein solches Thema nur versteckt angedeutet werden konnte.
Hauptfigur ist dieser Johnny Eager, ein charismatischer Verbrecher, dessen Rest Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, weil Johnny allen seine Umkehr von seiner kriminellen Ambitionen glaubhaft vermitteln konnte. Nun arbeitet er als Taxifahrer und sein Bewährungshelfer (Henry O´Neill) sieht in Johnny Eager ein positives Beispiel, dass auch ein ehemaliger Straftäter von neuem ein bürgerliches Leben anfangen kann.
Doch der Schein trügt. Während Johnny tagsüber als geläuterter Angestellter auftritt, geht er nachts immer noch seinem alten Gangsterleben nach. Er ist der Chef einer Gangsterbande und er will mit manipulierten Wetten das große Geld machen. Sein Bewährungshelfer besucht ihn von Zeit zu Zeit, unangemeldet versteht sich. Doch auch für diesen Fall hat Johnny durch Bestechung vorgesorgt, er weiß wann die Überprüfung in seiner Wohnung stattfindet. Eines Tages bringt der Bewährungshelfer die Soziologiestudentin Lisabeth Bard (Lana Turner) mit, die gar nicht glauben kann, dass Johnny dierser brave bürgerliche Mann ist, für den er sich ausgibt. Beide fühlen sich sofort voneinander angezogen und Johnny hat sowieso genug von seiner derzeitigen Freundin Garnet (Patricia Dane). Er beginnt eine Affäre mit Lisabeth und wie sich herausstellt ist seine neue Flamme sogar die Stieftochter seines Todfeindes Staatsanwalt John Benson Farrell (Edward Arnold), mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Es war Farrell, der Johnny ins Gefängnis brachte. Farrell selbst glaubt auch nicht, dass Gangster Eager sich so gebessert haben kann, wie er alle glauben lässt. Als Farrrell von der unheilvollen Liason erfährt, befieht er Johnny Eager das Mädchen in Ruhe zu lassen. Doch Johnny hat bereits einen perfiden Plan ausgeheckt. Er inszeniert im Beisein von Lisabeth einen Zweikampf mit einem seiner Kumpane. Dort spielen die Beiden den Kampf auf Leben und Tod. Nur die Pistole, die sich in der Nähe von Lisabeth befindet, kann Johnny vor der Attacke des Angreifers retten. Das Mädchen schießt und der Mann bricht zusammen und stirbt...



Natürlich lebt dieser Tote und ist das Ass im Ärmel des Gangsters, wie er auch den Staatsanwalt dazu nötigen kann sich für seine Interessen einzusetzen. Am Ende ist es eine traurige Ansprache seines Freundes, die Johnny Eager möglicherweise zu einer Umkehr seines fiesen Komplotts bewegen kann. Mervyn LeRoys Film Noir hat kein Happyend, der Gangster stirbt in den Armen seines besten Freundes, das Mädchen wurde vorher aus ihrem schrecklichen Trauma befreit. Es ist eine faszinierende Geschichte mit tragischen Verbindungen
Heflins Oscar für den besten Nebendarsteller in diesem Film war wohlverdient. Er gibt die nuancierteste und bewegendste Darbietung des Films, die ihn viel tiefgründiger wirken lässt als die meisten Gangsterfilme dieser Art.
In dieser Darstellung deutet Heflin auch eine romantische Verbindung zwischen Jeff und Johnny an, die für den durchschnittlichen heterosexuellen Zuschauer im Jahr 1942 vielleicht noch nicht so deutlich war. Wenn wir den Film heute sehen, erkennen wir die deutlichen Anzeichen dafür, dass Jeff nicht nur ein Freund für Johnny war.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Montag, 23. Mai 2022

Jagd auf James A. (Ich bin ein entflohener Kettensträfling)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mervyn LeRoy

Der Kettensträfling...

Hollywood Altmeister Mervyn LeRoy drehte in den 30er Jahren zwei richtungsweisende Filme. In "Der kleine Caesar" überzeugte vor allem Hauptdarsteller E.G. Robinson und katapultierte deshalb das Gangsterepos ganz nach oben in die oberste Liga weiterer Meisterwerke des Genres wie "Scarface" von Howard Hawks oder "Public Enemy" von William Wellman. LeRoys zweiter großer Film der 30er Jahre heißt "Jagd auf James A." (Originaltitel: I am a fugitive of a Chain Gang) und wurde 1932 zum großen Kinohit. Der Film landete im Jahr 1932 auf Platz 3 der erfolgreichsten Kinofilme in den USA und bekam auch drei Oscarnominierungen zugesprochen - als bester Film, für den besten Ton und auch der charisamtische Hauptdarsteller Paul Muni wurde nominiert. Er hatte allerdings gegen Charles Laughton als Heinrich VIII das Nachsehen. Paul Muni wurde aber in den Folgejahren mehrmals nominiert - als "Louis Pasteur" konnte er im vierten Anlauf triumphieren.
Der amerikanische Sergeant James Allen (Paul Muni kehrt nach dem ersten Weltkrieg ins zivile Leben zurück. Doch das ist schwerer als gedacht - sein früherer Chef hat ihm zwar die alte Stelle in der Fabrik wieder angeboten. Doch James will nicht sein ganzes Leben als Fabrikarbeiter versauern. Schließlich hat er als Soldat eine Tapferkeitsmedaille erhalten. Er wäre viel lieber Ingenieur. Er gibt spontan seine Stellung auf und wird einer der Millionen Arbeitslosen im Land. Zu allem Unglück wird er noch unschuldig in einen Raubüberfall verwickelt und zu 10 Jahren Zwangsarbeit in einem Arbeitslager verurteilt. Dort herrschen menschenunwürdige Zustände, mit Zucht und Folter versucht man die Sträflinge zu einem besseren Leben zu erziehen. Er flieht und baut sich eine Existenz als Ingenieur auf. In Chicago, Illinois wird er tatsächlich zum erfolgreichen Ingenieur und angesehen Bürger in der Gemeinschaft. Aus Eifesucht verrät ihn jedoch seine Ehefrau (Glenda Farrell). Obwohl die Öffentlichkeit auf seiner Seite steht, soll James zumindest für 9 Monate ins Arbeitslager zurück, dann würde er begnadigt. Doch das Versprechen bleibt leider aus, weil der Gouverneur eine harte Linie gegen Straftäter vertritt. Erneut gelingt ihm die Flucht. Doch die Zukunft bleibt ohne Perspektive. Er wird ein Gejagter bleiben. In der Schlußszene trifft er sich heimlich an einem dunklen Haustor mit der Frau, die er liebt (Helen Vinson) und verabschiedet sich von ihr für immer. Sie fragt "Wohin gehst du, was wirst du machen ?" und er antwortet "Ich stehle"....



Der Film setzt ein eindeutiges Statement gegen die grausame Brutaltät in den Straflagern der USA. Auch werden die merkwürdigen Formen polizeilicher Verhörmethoden kritisiert, auch die Gerichte und die politischen Machthaber kommen LeRoys spannendem sozialkritischen Gangsterfilm nicht gut weg. Eindrücklich wird die Geschichte von einem unbescholtenen Menschen erzählt, den die Justiz und die Grausamkeit des Lagers zu einem Aussätzigen der Gesellschaft gemacht hat. Luis Bunuel fand diesen Hollywood Film großartig und wählte ihn zu einem seiner absoluten Lieblingsfilme.
 





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Freitag, 11. Juni 2021

Bevor die Nacht anbricht


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mervyn Le Roy

Aus der Psychiatrie entlassen...

Die britische Schauspielerin Jean Simmons (1929 bis 2010) begeisterte bereits als 17jährige in David Leans hervorragender Dickens Verfilmung "Geheimnisvolle Erbschaft" und bereits zwei Jahre später wurde sie als beste Nebendarstellerin in Oliviers "Hamlet" für einen Oscar nominiert.
Es folgten Filmen wie "Auf falscher Spur", "Engelsgesicht", "Die Thronfolgerin", "Das Gewand", "Guys and Dolls" und "Weites Land".
Für den weniger bekannten Mervyn Le Roy Film "Bevor die Nacht anbricht" erhielt sie eine Golden Globe Nominierung und sehr viele gute Kritiken. Manche Kritiker sprachen sogar von einer ihrer besten Leistungen überhaupt. Mervyn Le Roys Film ist ein Art melodramatische Psychogramm mit Tendenzen eines subtilen Thrills ala Hitchcock, denn der Zuschauer bleibt lange im Unklaren, ob Simmons Figur Charlotte Bron sich alles nur einbildet oder ob an der Untreue des Ehemanns doch viel Wahres dran sein könnte.
Das Drehbuch stammt von Eileen und Robert Bassing.
Charlotte Bronn (Jean Simmons) hat ein ganzes Jahr in der psychiatrischen Anstalt des Maraneck State Hospital in New England verbracht. Nun wird sie sozusagen als geheilt entlassen. Ihr Ehemann Arnold (Dan O´Herlihy) holt sie ab und der Psychiater gibt ihm noch einige wertvolle Ratschläge mit auf den Weg. Der Experte glaubt nämlich, dass die Umgebung von Charlotte problematisch war und rät den Mann mit seiner Frau einen Tapetenwechsel oder strenge Veränderungen im Umfeld vorzunehmen. Charlotte wohnt nicht alleine mit ihrem Mann im Haus, sondern Charlottes Stiefschwester Joan (Rhonda Fleming) sowie Stiefmutter Mrs. Winthrop (Mabel Anderson) leben im Haus. Dazu kommt noch die Haushälterin Mattie (Katryn Card) und der Untermieter Dr. Jake Diamond (Efrem Zimbalist jr). Und sehr schnell ist Charlotte in der alten Umgebung wieder überfordert. Arnold teilt nicht mehr das gleiche Schlafzimmer mit seiner Frau. Er sagt ihr, dass die Ärzte dies nicht für gesundheitsförderlich halten. So grübelt die entlassene Frau darüber nach, ob die Eifersucht gegen Andrew berechtigt war. Sie hatte felsenfest daran geglaubt, dass dieser mit Joan ein heimliches Verhältnis hat. Charlotte liebt ihren Mann noch immer, doch der vermeidet Nähe. Als zwei Bekannte von Charlotte - Hamilton Gregory (Steve Dunn) und Cathy Bergner (Joanna Barnes) - unabhängig voneinander diesen alten Verdacht erneut bestärken, wird Charlotte immer misstrauischer. Und wie krank sind diese Gedanken ?



Mervyn LeRoy drehte Filme wie "Der kleine Caesar", "Quo Vadis", "Blüten im Staub" oder "Böse Saat". 1975 verlieh man den Regisseur und Filmproduzenten den Irving G. Thalberg Memorial Award für sein Lebenswerk. Im Jahr 1945 erhielt LeRoy bereits einen Spezialoscar für die Kurzdokumentation "The House I live in " Die geschlossene Welt der Psychiatrie, die damaligen fragwürdigen Behandlungsmethoden wie Lobotomie oder Elektroschocks boten den Filmemachern natürlich viele interessante Möglichkeiten und daraus resultierten Erfolgsfilme wie Litvaks "Die Schlangengrube", Mankiewiczs "Plötzlich im letzten Sommer", Samuel Fullers "Schock-Korridor", Milos Formans "Einer flog übers Kuckucksnest" bis hin zu den neueren Klassikern wie "Shutter Island" von Martin Scorsese. Auch "Bevor die Nacht anbricht" gehört in dieses Genre und LeRoys Film ist eine Entdeckung wert, weil die Schauspieler gut sind und auch Joseph Birocs Fotografie einiges zum Gelingen des Films beiträgt. Er hat für dieses Psychogramm eine trostlose Neuengland-Atmosphäre eingefangen, es ist Winter, es ist kalt...und kalt ist es auch im Innern einiger Figuren des Films.



 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten

Donnerstag, 13. Juli 2017

Keine Zeit für Heldentum



















Regie: John Ford

Mister Roberts...

1955 war "Mister Roberts" (deutscher Titel: Keine Zeit für Heldentum) ein echter Kassenhit - er bescherte seinen Machern ein Boxoffice Ergebnis von 21 Millionen Dollar und war neben den Cinemascope Musicals wie "Oklahoma" oder "Guys and Dolls" einer der Publikumslieblinge des Filmjahres in den USA.
Dabei erweist sich "Keine Zeit für Heldentum" als ein Kriegsfilm ohne Krieg - inszeniert wurde der Film von Regielegende John Ford. Der bekam sich aber während der Dreharbeiten mit Henry Fonda (mit dem er schon öfters gedreht hatte) so in die Haare, dass es zu Handgreiflichkeiten kam. Ford verließ den Set und Altmeister Mervyn LeRoy drehte weiter. Auch Produzent Joshua Logan saß zeitweilig auf dem Regiestuhl. Auch wenn der Spruch "Zuviel Köche verderben den Brei" in vielen Fällen einen Wahrheitsgehalt aufweist, kommt "Keine Zeit für Heldentum" erstaunlicherweise sehr geschlossen daher. Der Film ist zwar enorm dialoglastig und Fans von Kriegsfilmen werden vergeblich auf Action und spannende Gefechte warten - wenn man aber aufmerksam der Geschichte folgt, dann entfaltet "keine Zeit für Heldentum" seine gute Wirkung. Er kann auf ein großartiges Schauspielerensemble zurückgreifen. Jack Lemmon gelang der Durchbruch als Schauspieler - er bekam für die Rolle des Fähnrichs Pulver den Oscar als bester Nebendarsteller und die Dialoge zwischen Henry Fonda und William Powell sind bisweilen total köstlich. Mit viel Humor ist der Krieg leichter zu ertragen.
 Allerdings hat der beliebte Leutnant und 1. Offizier Mister Roberts (Henry Fonda) noch ein viel größeres Problem mit dem Nichtstun an Bord der Cargo-Frachtschiffs "Reluctant" - er wäre gerne in den Kampfgebieten, um gemeinsam mit seinen Kameraden die Japaner besiegen. Stattdessen hat er das Gefühl in den seichten Gewässern des Pazifiks zu versauern. Jede Woche reicht er beim unbeliebten Captain Morton (James Cagney) ein Gesuch ein, um auf ein Kampfschiff versetzt zu werden. Doch der Captain lehnt dies immer ab - so ist Roberts vordringliche Aufgabe an Bord die Mannschaft vor der Tyrannei eines Vorgesetzten zu schützen, der seine Palme besser behandelt als die Männer. Er lässt die Männer putzen und putzen und Landgang gibts nicht. Obwohl dort auf der Insel, wo das Schiff im Moment vor Anker liegt, eine ganze Reihe von hübschen Krankenschwestern ihren Dienst verrichten. Mit dem Fernglas werden sie von den Männern beobachtet. Der faule, dem Alkohl nicht abgeneigte Frauenheld Pulver (Jack Lemmon) würde auch gerne mal dem Captain seine Meinung sagen, aber er traut sich nicht - weniger Angst hat er aber mit den Damen alsbald Kontakt aufzunehmen. Dies sorgt für einige Stunden etwas Ablenkung vor der tödlichen Langeweile und den Schikanen durch den ehrgeizigen Morrow...



 Der Film basiert auf der Novelle von Thomas Heggen, als Broadway-Stück feierte "Mister Roberts" bereits 1948 Erfolge - eine Verfilmung war nur eine Frage der Zeit. Der Schriftsteller selbst konnte den riesigen Erfolg im Kino nicht mehr miterleben, er starb bereits im Alter von 30 Jahren 1949 bei einem Unfall.  Im Buch verarbeitete er eigene Erlebnisse an Bord eines Frachtschiffes.
Die Männer haben es irgendwann im Lauf der Geschichte ihrem beliebten Vorgesetzten Doug Roberts zu verdanken, dass sie an Land dürfen. Dies geschah aber durch einen erpresserischen Deals des Kapitäns. Erst sehr später erfahren die Männer zufällig davon. Am Ende wird dem Wunsch von Roberts entsprochen. Doch zwei Briefe, die Pulver am Ende der Geschichte der Mannschaft vorliest, lassen die Tragikömödie sehr traurig enden. Und durch zwei Palmen, die unabhängig von einander von Bord gehen, merkt der Captain, dass durch die Versetzung von Mister Roberts sein Problem nicht verschwunden ist. Aus diesem Stoff haben die Macher einen guten Film gemacht, der etwas Aufmerksamkeit benötigt, dann aber den Zuschauer auch mit guten Dialogen und einer melancholischen Geschichte belohnt. In einer kleinen Nebenrolle taucht auch John Waynes Sohn Pat auf, der zum Zeitpunkt des Films 15 Jahre alt war und in einigen John Ford Movies in dieser Zeit auftaucht. Auch Ward Bond und Harry Carey jr. dürfen in der Besetzungsliste nicht fehlen. Kameramann wie so oft bei John Ford war Winton C. Hoch.´



Bewertung: 8 von 10 Punkten.