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Montag, 22. Mai 2023

Oliver


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Carol Reed

Fagin und seine Jungs...

Die Jahre 1968 bis 1970 markieren einen gewissen Wendepunkt in der Oscargeschichte. Während bei der Oscarwahl 1969 das opulente Musical "Oliver" von Carol Reed zum großen Sieger erklärt wurde, ging der innovative Konkurrent "2001 - Odyssee im Weltraum" mit nur einer Trophäe für die besten visuellen Effekte nach Hause. Er wurde damals auch nicht in der Kategorie "bester Film" berücksichtigt. Der Oscar brauchte eine Verjüngungskur, denn die Academy versuchte damals althergebrachte Erfolgsmuster weiter am Leben zu erhalten. Die 60er Jahre brachte alleine in der Kategorie "Bester Film" vier Musicals als Sieger hervor: West Side Story, My Fair Lady, The Sound of Music und Oliver. Die Oscarnacht 1970 brachte dann eine Überraschung zustande: "Hello Dolly" mit Topstar Barbra Streisand wurde in dieser wichtigsten Kategorie von einem sehr düsteren Film geschlagen, denn John Schlesingers "Asphalt Cowboy" gewann diesen Hauptpreis. Und "Easy Rider " ein Film der 68er Generation erhielt immerhin 2 Nominierungen.
"Oliver" brachte dem britischen Regisseur Carol Reed ein echtes Comeback, denn seine größten Erfolge wie "Ausgestoßen" und vor allem "Der dritte Mann" lagen schon lange Jahre zurück. "Oliver" basiert auf dem gleichnamigen Bühnenmusical von Lionel Bart, ein Adaption des berühmten Romans "Oliver Twist" von Charles Dickens. Dieser düstere Roman über ein Waisenkind, das im Armenhaus groß wird wurde mehrfach verfilmt. Die Versionen von  David Lean aus dem Jahr 1948 und von Roman Polanski aus 2007 sind nahezu perfekt. Bei Reeds Muscialversion muss man sich vielleicht daran gewöhnen, dass viele Szenen gesanglich und tänzerisch sind. Dennoch ist Carol Reed ein bezaubernder Film gelungen mit sehr vielen klasse Szenen und genauso guten Darstellerleistungen. Gute Kasse machte das Musical auch und landete mit 74 Millionen Dollar auf Platz 5 der Kino-Jahrescharts.
In einem Arbeitshaus in Dunstable wird den Waisenkindern der tägliche Haferbrei serviert. Eine Gruppe von Jungen ziehen Lose, wobei der kleine Oliver (Mark Lester) als einziger den verhedderten Strohhalm zieht. Dies zwingt ihn dazu aufzustehen und Mr. Bumble (Harry Secombe) und der Witwe Corney (Peggy Mount) um ein weiteres Tellerchen Brei zu bitten. "Ich will noch mehr, bitte Sir" wird aber als solche Frechheit angesehen, dass der Junge verkauft werden soll. Mr. Sowerberry (Leonard Rossiter) kauft den Jungen, weil er ihn besonders für Kinderbeerdigungen als Bestatter brauchen könnte. Sowerberrys etwas älterer Lehrling Noah Claypole (Kenneth Granham) schikaniert den Neuling wo er nur kann. Als er Olivers Mutter, die bei der Geburt starb, aufs übelste beledigt, kommt es zum Rinkampf der Beiden und anschließend wird Oliver in den Keller gesperrt. Er kann fliehen und versucht in London ein neues Leben zu beginnen. Dort trifft er auf den Artful Dodger (Jack Wild), der ihn sofort unter seine Fittiche nimmt und ihm auch ein Quartier zum Schlafen anbietet. Das befindet sich bei Fagin (Ron Moodey), Der jüdische Hehler verköstigt Oliver und Fagin hat eine ganze Meute von elternlosen Jungs bei sich beherbergt. Alle diese Jungs wurden von ihm zu versierten Taschendieben ausgebildet. Artful Dodger ist der Beste von Ihnen. Noch ehe Oliver die Kunst des Stehlens erlernen kann, wird er bei der Diebestour - ohne Dieb zu sein - fälschlicherweise dafür gehalten und verfolgt, er kommt ins Gefängnis. Doch als das Opfer Mr. Brownlow (Joseph O´Connor) sich sicher ist, dass der Junge nicht der Dieb war, nimmt er ihn bei sich auf. Eine Wendung, die sowohl Fagin noch dem äusserst brutalen Eigenbrötler Bill Sykes (Oliver Reed), mit dem Fagin Geschäfte macht und dessen Freundin Nancy (Shani Wallis) Sorgen bereitet. Denn der Junge könnte der Polizei zuviel von den kriminellen Machenschaften erzählen, das Versteck der Diebesbande ausplaudern, so dass Fagin und Sykes am Galgen enden. Bald schmiedet Sykes einen Plan, wie er den unliebsamen Mitwisser aus dem Wege räumen kann...





Am Ende ist es Sykes Hund Bully, der die aufgebrachte Menge zu seinem Versteck führt. Anders als im Roman kommt der Gauner Fagin in der Musical Version mit dem Leben davon und endet nicht am Galgen. Gemeinsam mit Artul Dodger tanzen sie durch eine Gasse im nächtlichen London, bereit für einen neuen Anfang und damit auch für weitere Schandtaten. Der Kinderdarsteller Jack Wild liefert eine überzeugende Darstellung, für die der damals 15jährige Junge eine Oscarnominierung bekam. Auch Ron Moodey als Fagin wurde in der Kategorie "bester Hauptdarsteller" berücksichtigt, unterlag jedoch Cliff Robertsons Leistung in "Charly".
Neben der Auszeichnung als bester Film gab es weitere Oscars für die grandiose Ausstattung, die Choreographieleistung von Onna White wurde mit einem weiteren Oscar bedacht. John Greens Musik gewann in seiner Kategorie, das Shepperton studio Sound Department durfte den Preis für den besten Ton entgegennehmen So auch der Regisseur selbst. Das British Film Institute, die Reeds Meisterwerk "Der dritte Mann" zum besten britischen Film aller Zeiten wählten, erkannten auch die Qualität seines Musicals und setzten "Oliver" in der gleichen Umfrage der All Time Top 100 auf Platz 77.








Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Freitag, 10. Januar 2020

David Copperfield

























Regie: George Cukor

Als Hollywood Charles Dickens verfilmte...

Für Regisseur George Cukor war "David Copperfield" aus dem Jahr 1935 ein riesiger Erfolg. Die Verfilmung des bekannten Romans von Charles Dickens spielte über 3,5 Millionen Dollar ein und erhielt überragende Kritiken. Manche sprachen damals sogar von der besten Literaturverfilmung überhaupt. Tatsächlich wirkt seine Verfilmung auch heute noch sehr authentisch und man fühlt sich tatsächlich in die viktorianische Epoche hineinversetzt. Die Besetzung sämtlicher Romanfiguren ist im jedenfalls prächtig gelungen und auch Auge fürs Detail war sicherlich vom Vorteil. Erst im folgenden Jahrzehnt gelang es dem Briten David Lean mit "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" diese Leistung zu übertrumpfen. Seine Dickens Filme sind noch ein bisschen düsterer und sind bis heute unübertroffen.
"David Copperfield" entführt seine Zuschauer ins England des 19ten Jahrhunderts und auch für Produzent David O. Selznick wurde in seinem Vorhaben bestärkt große Weltliteratur als Kinofilm zum Erfolg zu bringen.
Bei der nachfolgenden Oscarverleihung wurde Cukors Film in den Kategorien "Bester Film", "Bester Schnitt" und "Beste Regieassistenz" (Joseph M. Newman) nominiert. Kinderdarsteller Freddie Bartholomew schaffte damit seinen Durchbruch zu einem der größten Kinderstars der Dekade. 
Die junge Clara Copperfield (Elizabeth Allan) ist Witwe und 6 Monate nach dem Tod ihres Mannes wird der kleine David (Freddie Bartholomew) geboren. Der wächst zwar ohne Papa, aber in liebevoller Umgebung bei seiner Mutter und der Dienerin Peggotty (Jessie Ralph) auf. Die Idylle bröckelt allerdings, als der charmante Mr. Murdstone (Basil Rathbone) auftaucht, der um Clara wirbt. Es kommt zur Vermählung, dann zeigt der Mann aber sein wahres Gesicht, das sehr hartherzig und brutal ist. Mit ihm zieht auch seine strenge Schwester Jane (Violet Kemble Cooper) ins Haus und gibt den Ton an. Der Junge bekommt von seinem Stiefvater Prügel, weil der bemerkt, dass er von David nicht akzeptiert wird. Dann wird Clara schwanger und bei der Geburt stirbt sie und das Neugeborene. Ab diesem Zeitpunkt wird es für den kleinen David immer schlimmer. Er wird von Murdstone nach London zum Arbeiten geschickt. Immerhin findet er bei dem gutherzigen Wilkins Micawber (W. C. Fields) nicht nur Kost und Logis, sondern einen väterlichen Freund. Doch Micawber hat immer mal wieder Probleme mit seinen Gläubigern und wird verhaftet. David flüchtet von London nach Dover zu seiner Großtante Betsey (Edna May Oliver), die es verhindert, dass der Junge wieder zum sadistischen Stiefvater leben muss. David wird für seine Schulzeit von der gut betuchten Familie Wickfield (Lewis Stone) aufgenommen. Mr. Wickfields Tochter Agnes (Marilyn Knowlden, als Erwachsene Madge Evans) ist schon als Kind in David verliebt und das ändert sich auch nicht als sie bereits erwachsen ist. David (Frank Lawton) ist nun ein junger Mann, der sein Studium in Canterbury beginnt und sich mit seinem Studienkollegen James Steerforth (Hugh Williams) anfreundet. Beim Besuch einer Ballettaufführung sieht er Dora Spenlow (Maureen O´Sullivan) zum ersten Mal und verliebt sich in sie...



Lionel Barrymore ist als Dan Pegoddy zu sehen und mit Elsa Lanchester und Una 0`Connor sind weitere bekannte Nebendarsteller mit von der Partie. Nicht unerwähnt darf auch Roland Young bleiben, der den verschlagenen Uriah Heep spielt. Cedric Gibbons entwarf eine Nachbildung des London des 19. Jahrhundert auf dem MGM-Gelände. Die Szenen vor Tante Beseys Haus auf den weißen Klippen von Dover wurden in Malibu gedreht.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Freitag, 29. Juni 2018

Oliver Twist

Regie: David Lean

Das Schicksal eines Findelkinds...

Lange vor Steven Spielberg galt David Lean als der erfolgreichste Regisseur des Kinos. Mit "Die Brücke am Kwai", "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago" schuf er Kinohits für die Ewigkeit. Filme, die immer noch zu den erfolgreichsten aller Zeiten gehören und auch viele Jahre danach im Kino wiederaufgeführt wurden. Lean wurde dadurch ein ausgemachter Experte für Monumentalfilme, wie auch seine Alterswerke "Ryans Tochter" und "Reise nach Indien" beweisen. Der David Lean der frühen Jahre darf dabei aber nie unterschlagen werden. Denn in den 40er Jahren schuf er drei Filme, die allesamt zu den besten britischen Filmen aller Zeiten zählen. 1945 drehte er nach einem Bühnenstück von Noel Coward die Liebesromanze "Begegnung". Danach wandte er sich dem großen britischen Schriftsteller Charles Dickens zu. Er drehte den faszinierenden "Geheimnisvolle Erbschaft" und dafür gabs auch gerechterweise 2 Oscars (Schwarz-Weiß Kamera Guy Green und fürs beste Szenenbild). Für mich die beste Dickens-Verfilmug überhaupt. Aber dennoch steht der zwei Jahre später reailsierte "Oliver Twist" auf gleicher qualitativer Höhe. Eigentlich auch ein klarer Oscar-Anwärter, wie sich spätestens 1969 in der Oscarnacht herausstellte, denn die Musicalversion des Romans, den Carol Reed gedreht hatte, erwies sich mit 6 Oscarsiegen bei 12 Nominierungen als großer Gewinner. Lean wurde dieser Triumph völlig verweigert - es gab keine einzige Oscarnominierung für seinen "Oliver Twist". Dabei ist er in seiner ursprünglichen Fassung, die endlich auf DVD erschienen ist, sogar noch ein bisschen besser als die eh schon hervorragende Version von Roman Polanski aus dem Jahr 2005 mit einem exzellenten Ben Kingsley als Fagin.
Der spielte genauso gut wie der brilliante Alec Guiness. Doch der war mit seiner Verkörperung des Juden Fagin stark in die Kritik geraten. Man warf auch dem Regisseur Antisemitismus vor. Dieser hielt dagegen, dass er eben sehr werktreu inszenierte und sich an die Illustrationen von Charles Dickens Zeichner Cruikshank hielt. In den USA konnte der Film nur deshalb die Freigabe erhalten, weil er um 12 Minuten gekürzt wurde. Alles Szenen, in den Fagin im Mittelpunkt stand. In Deutschland wurde der Film noch wesentlich stärker verstümmelt als in den USA. Dort fielen gleich 20 Minuten Film der Schere zum Opfer. Sicherlich ist dies einer der Gründe warum "Oliver Twist" in all den Jahren nie zum absoluten Meisterwerk erkoren wurde. Erst nach 52 Jahren konnte das deutsche Publikum sich ein richtiges Bild von Leans "Oliver Twist" machen.
Schon die ersten Szenen stimmen den Zuschauer auf die düstere Atmosphäre des gesamten Films ein, denn in einer Gewitternacht sucht eine hochschwangere junge Frau (Josephine Stewart) Zuflucht im Pfarrhaus. Dort stirbt sie nach der Geburt eines Jungen, die Hebamme (Deirdre Doyle) entwendet die Kette der Toten. Der Kirchenvorsteher Mr. Bumble (Francis L. Sullivan) sorgt dafür, dass der Junge den Namen "Oliver Twist" bekommt und ins Waisenhaus in die Obhut der sehr strengen Mrs. Corney (Mary Clare) kommt. Die Kinder im Waisenhaus hungern und als Oliver mit seinem Teller nach vorne geht und nach "mehr Essen" fragt, wird er kurzerhand in die Obhut des Leichenbestatters Mr. Sowerberry (Gibb McLaughlin9 gegeben. Dort bekommt der Junge zwar mehr zu Essen, aber er ist den fiesen Schikanen des älteren Lehrlings Noah Claypole (Michael Dear) ausgesetzt.
Als dieser auch noch seine Mutter beleidigt, verprügelt der kleine Oliver seinen großen Peiniger - er wird in den Kohlekeller eingesperrt. Doch es gelingt ihm die Flucht. Allein und mittellos läuft er 7 Tage - dann erreicht er London. Dort angekommen wird der Straßenjunge Artful Dodger (Anthony Newley) auf den Jungen aufmerksam. Er stellt ihn seinem Meister Mr. Fagin (Alec Guinness) vor, der viele elternlose Jungs als Taschendiebe für sich arbeiten lässt. So lernt der Junge die Kunst des Stehlens, doch er wird bei einem der Beutezüge erwischt. Statt eine Anzeige zu machen, nimmt der freundliche Mr. Bronlow (Henry Stephenson) den Jungen auf. Der erfährt dort durch den älteren Herrn und dessen Haushälterin Mrs. Bedwinn (Amy Veness) zum ersten Mal so etwas wie Zuneigung. Als der Junge für seinen Ersatzvater etwas in der Stadt erledigen soll, wird er von Nancy (Kay Walsh) und dem Ganoven Bill Sykes (Robert Newton) gesehen, die in dem Jungen mit den feinen Kleidern sofort den "Neuen" von Fagin erkennen und ihn wieder in das Versteck der Diebe bringen. Bald wird die gutmütige Nancy aber von Schuldgefühlen geplagt. Sie will Kontakt mit Bronlow aufnehmen, der nach Oliver sucht...





Am Ende fügt sich das Schicksal des Waisenjungen natürlich ein bisschen wie im Märchen zum Guten, aber das ist Charles Dickens - und der lieferte in seinen Büchern aber immer genügend von sozialer Sprengkraft. So auch hier in "Oliver Twist". Und David Lean erweckt auch durch ein klasse Schauspieler-Ensemble die Figuren des Romans zum Leben. Neben Alec Guinness ist es vor allem auch Robert Newton als der brutale Sykes, der hier eine große Darstellerleistung beweist. Er hat mit seinem Hund sogar mit die besten Szenen des Films. Etwa dann wenn er ausser sich vor Zorn und nicht mehr steuerbar seine Geliebte auf grauenhafte Weise tötet, so dass sein treuer Hund sogar das Weite suchen will und das Tier noch stundenlang am ganzen Körper zittert. Er will diesen dann auch ertränken, doch der läuft weg und bringt am Ende die Polizei und den ganzen aufgebrachten Mob zum Versteck der Diebe. Lean hat dieses wunderbare Buch filmisch grandios umgesetzt - vor allem die düstere, klaustrophobische Stimmung ist allgegenwärtig und macht den Film zum düsteren Meisterwerk in der Kategorie der Literaturverfilmungen. Die Schauplätze wie das Armenhaus, die Werkstatt des Leichenbestatters, der verdreckte Dachboden, wo Fagin mit seinen Jungen haust oder die Schenke um die Ecke - alles ist bis ins kleinste Detail den Beschreibungen von Charles Dickens nachempfunden. "Oliver Twist" wurde vom Britischen Filminstitut auf Platz 46 der besten britischen Filme aller Zeiten gewählt. Der kleine Oliver Twist wurde von John Howard Davies gespielt.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.