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Mittwoch, 2. Oktober 2019

Der schweigsame Fremde

























Regie: Andre de Toth

Einst ein Spion....

Westernhero Randolph Scott drehte mit Budd Boetticher 7 Filme, mit Andre de Toth einen weniger. Einer dieser sechs Gemeinschaftsprojekte war "The Stranger wore a gun", der in Deutschland den Verleihtitel "Der schweigsame Fremde" bekam. Mit Ernest Borgnine und Lee Marvin sieht man zwei Hollywood Ikonen - beide damals noch am Anfang ihrer langen Karriere. Beide Schauspieler sind in Nebenrollen zu sehen. Dagegen spielt Oscargewinnerin Claire Trevor (beste Nebendarstellerin in John Hustons "Key Largo") als Josie Sullivan eine Hauptrolle.
"Der schweigsame Fremde" ist einer der vielen Western, der sich auch mit den Quantrill Raiders beschäftigt. Diese Partisanen-Guerillas kämpften im amerikanischen Bürgerkrieg für den Süden, ihr Anführer war der berüchtigte William Quantrill, die immer mehr durch ihre Gnadenlosigkeit und Brutalität auffielen. Sie wurden auch "Bushwhacker" genannt, der berühmte Jesse James und sein Bruder Frank waren zeitweise mit dabei. Im August 1863 führte Quantrill einen Angriff auf die Stadt durch, beim dem mehr als 180 Zivilisten getötet wurden. Angeblich ein Vergeltungsakt für eigene Verluste.
Auch der Abenteurer Jeff Travis (Randolph Scott) ist für Quantrill als Spion tätig, ist aber von dem Massaker in der Stadt derart angewidert, dass er sich von den Partisanen lossagt. Doch der Mann muss mit einer großen Schuld weiterleben. Auch auf dem Mississippi Dampfer wird er nach dem Krieg von einigen Passagieren erkannt, als er mit der Glücksspielerin Josie Sullivan (Claire Trevor) unterwegs ist. Im kleinen Westernstädtchen Precotti in Arizona trifft er später auf den skrupellosen Geschäftemacher Jules MOurret (George Macready), der gierig nach Gold ist und die Goldlieferungen, die der Fuhrunternehmer Jason Conroy (Pierre Watkin) und seine Tochter Shelby (Joan Weldon) betreibt, an sich reißen will. Bald erscheint ein weiterer Schurke auf der Bildfläche. Der Mexikaner Degas (Alfonso Bedoya) wird zum Rivalen von Mourret...


Die Figur Jeff Davis ist sehr widersprüchlich und viel weniger zu durchschauen wie viele andere Westernhelden. Es fällt schwer sich mit dem Mann zu identifizieren. Erst allmählich kann man seine Beweggründe besser nachvollziehen. Kein Wunder: Er ist ja "Der Schweigsame Fremde".
Immer wieder lässt sich der Mann auf krumme Geschäfte ein. Erst am Ende kann vielleicht durch weiblichen Einfluss eine Kehrtwende eingeleitet werden. Andre de Toths berühmtester Film ist sicherlich der 3D-Horrorfilm "Das Kabinett des Professor Bondi" aus dem Jahr 1953, der in einem inflationsbereinigtem Ranking der erfolgreichsten Filme aller Zeiten immer noch zu den Top 120 gehört. Auch "Der schweigsame Fremde" war ursprünglich ein 3D Movie.



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 
 

Montag, 19. August 2019

Die siebente Nacht

























Regie: David Butler

Von Indianern und schwarzen Pocken...

"Die siebente Nacht" ist ein Kavalleriewestern von David Butler, heißt im Original "The Command" und wurde 1954 ein guter Kinoerfolg. Der etwas eigenartige B-Western spielte damals 2,5 Millionen Dollar ein und bescherte Guy Madison eine Hauptrolle. Dabei erntete Madison, der bei RKO unter Vertrag stand, bereits in den 40ern immer wieder schlechte Kritiken für seine hölzernen und unbeholfenen Darstellungen. In "Die siebente Nacht" ist er allerdings als Captain Robert McClaw gar nicht schlecht besetzt.
Er muss hier nicht nur überraschend Vorgesetzter einer KavallerieEinheit werden, sondern ist auch noch der Arzt der Einheit. Auf dem Weg in ein Indianerreservat wird die Einheit von den Indianern angegriffen und viele Soldaten werden getötet. Vor seinem Tod bestimmt der Anführer der Einheit, dass nicht der rangälteste und verdiente Sergeant Elliot (James Whitmore) das Kommando übernehmen soll, sondern der unerfahrene Militärarzt. Der will diese Verantwortung gar nicht übernehmen, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig als diesen Posten anzunehmen. Die Männer, die enttäuscht sind, dass Elliot übergangen wurde, sind mit ihrem neuen und jungen Vorgesetzten gar nicht besonders zufrieden. Aber Robert McClaw hört aber auf den Rat von Elliot, der meint, dass er sich lieber als militärischer Kommandeur im Fort ausgeben soll und nicht als medizinischer Kommandeur - dies könnte bei der Infanterie, die dort stationiert ist, lächerlich wirken. Um diese Verlegenheit zu vermeiden, hört McClaw auf Elliot. Im Fort sind auch Siedler und kurze Zeit später kommt der Befehl, dass McClaws Kavallerieeinheit diesen Treck sicher durchs Indianergebiet geleiten soll. In einem der Wagen ist ein Junge, der krank ist. McClaw vermutet schwarze Pocken, obwohl der Arzt im Fort Dr. Trent (Ray Teal) Masern diagnostiziert hatte. Dabei ist bereits ein weiterer Junge an den gleichen Symptomen verstorben. McClaw kommt im Fort auch der jungen Krankenschwester Martha (Joan Weldon) etwas näher...



Diese wird in dem Konflikt zwischen Rot und Weiß sogar zum rettenden Engel der Geschichte, weil sie die benutzten Tücher des kleinen Patienten aus dem Planwagen wirft. Diese sind infiziert und als die Indianer exakt diesen Wagen an sich nehmen, stecken sie sich alle mit Windpocken an, was nun nicht ganz so schlimm wie die schwarzen Pocken ist, aber die Krieger für eine gewisse Zeit ausser Gefecht setzt. Mit diesem Plot kann sich "Die siebente Nacht" rühmen vielleicht der einzige Western zu sein, in dem bakteriologische Kriegsführung eingesetzt werden. Mir ist zumindest kein anderer Western bekannt.



Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Montag, 11. März 2019

Die letzte Kugel



















Regie: Harry Keller

11 Uhr Vormittags...

Harry Keller war vor allem Filmeditor, doch er drehte als Regisseur mehrere gute und erwähenswerte B-Western. Die bekanntesten davon sind sicherlich Audie Murphys "Sieben Wege ins Verderben", der eher ungewöhnliche "Quantez, die tote Stadt" und der 1958 entstandene "Die letzte Kugel", der im Original "Bullet for a Badman" heißt und eine interessante "12 Uhr mittags" Variante präsentiert.
Genau wie Sheriff Will Kane im großen Klassiker von Fred Zinnemann schafft auch Harry Keller die brenzliche Situation, dass es ein Mann des Gesetzes mit insgesamt vier zu allem entschlossenen Banidten aufnehmen muss.
Die Konstellationen sind aber etwas anders, denn Jim Scott (Fred McMurray) ist nicht der Sheriff, sondern der Richter des kleinen Westernstädtchens. Um 11 Uhr Vormittags muss er in der Kirche der Gemeinde das Urteil für den Mörder Rudy Hayes (Christopher Dark) verkünden. Ein Tag vorher haben ihn die Geschworenen schuldig gesprochen und die Witwe seines Opfers, Mrs. Quary (Peggy Converse) will ihn hängen sehen. An diesem Tag hat der Richter noch etwas Zeit, denn er möchte am Nachmittag seiner Myra (Joan Weldon) einen Heiratsantrag machen. Die ahnt etwas als er von einer Überraschung redet, die er ihr präsentieren will. Myra hat ein Geheimnis. Sie hat sich vor einigen Wochen in einen anderen Mann verliebt. Es ist der junge Sheriff Barney Wiley (John Ericson), sie haben aber bisher nicht den Mut gefunden ihre Liebe öffentlich zu machen.
Im Laufe des Vormittags tauchen die beiden Brüder des Angeklagten in der Stadt auf. Der unbesonnene Howard Hayes (Skip Homeier) und sein älterer Bruder Charlie (Robert Middleton), sie erfahren von Rudys Freundin Cora (Marie Windsor), dass höchstwahrscheinlich das Todesurteil ansteht. Natürlich wollen die Brüder mit aller Macht ein anderes Urteil erwirken. "Verbannung" zum Beispiel - ein Urteil, dass schon oft ausgesprochen wurde und mit etwas Nachdruck sollte der Richter doch auf diesen Vorschlag eingehen. Denn schließlich drohen sie dem Mann des Gesetzes mit Rache, wenn der nicht nachgibt. Bald drängen selbst die braven Bürger der Stadt den Richter um Nachsicht mit dem Mörder, denn sie haben Angst vor den Vergeltungsmaßnahmen der Banditen, die sogar noch Unterstützung von den Cousins (Lee van Cleef, Chris Alkaide) bekommen. Dann erfährt Jim von der Liason zwischen Myra und Wiley. Für ihn wäre das Urteil "Verbannung" nun vorteilhaft, denn er würde dem Sheriff den schwarzen Peter zuschustern. Der müsste nämlich das Urteil mit Gewalt erzwingen, denn ein Hayes lässt sich sicher nicht aus der Stadt jagen. Damit liefe der Konkurrent Gefahr in einer Schließerei mit dem Gangster den Kürzeren zu ziehen...



Was der Richter dann tatsächlich verkündet ist wie die ganze Geschichte vorher sehr unvorhersehbar. Diese Komponente macht den Western sehr interessant, denn der Zuschauer weiß nie, wie der Richter sich verhalten wird und erst Recht nicht wie die Menschen in seiner Umgebung - sein Mädchen, der Sheriff - reagieren werden. So gesehen legt Harry Keller sein Augenmerk darauf, wie sich die Figuren positionieren und welche schwierigen Entscheidungen sie im Laufe dieses Vormittags noch treffen müssen. Keller jongliert auch gekonnt mit den Wahrnehmungen des Zuschauers, der lange Zeit den Sheriff als den "Helden" wahrnimmt und die Handlungsweisen des Richters nicht immer nachvollziehen kann.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 4. Dezember 2018

Dieser Mann weiß zuviel

























Regie: Andre de Toth

Wutbürger in Deep Water....

"Dieser Mann weiß zuviel" entstand 1954 und ist einer der Western, die das Gespann Andre de Toth und Randolph Scott gemeinsam drehten. Dabei gerät Scott als Postkutschenbegleiter Larry Delong in einen üblen Verdacht. Der Film basiert auf der 1942 erschienen Kurzgeschichte "Riding Solo" von Kenneth Taylor Perkins. Ungewöhnlich an der Inszenierung ist auch, dass die Hauptfigur als Off Stimme ihre inneren Gedanken preisgibt. Die Kameraarbeit von Bert Lawrence Glennon kommt dabei vorzüglich zur Geltung. Sie unterstreicht, dass es sich bei dem Ort Deep Water, dort spielt der Großteil des Films,  um einen sehr beengten Raum handelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber vorher muss der Bandit Dan Marady (James Milican) die Ein Mann Eskorte Delong außer Gefecht setzen. Marady und Delong kennen sich von früher und Delong ist schon lange hinter diesem Mörder her. Der hat vor Jahren bei einem Postkutschenüberfall Delongs Schwester und deren kleinen Jungen erschossen. Und seit dieser Zeit sinnt Delong auf Rache. Er weiß, dass die Bande irgendwann zuschlagen wird, um einen Postkutsche auszurauben und irgendwann wird er als Begleiter womöglich genau zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein. Nur haben die Banditen bereits entdeckt, dass Delong mitreist und man lockt ihn mit List von der Kutsche fort in einen Hinterhalt. Da Maradys Kumpane Pinto (Charles Bronson als er sich noch Buchinsky nannte) auch von Rache geleitet wird, löscht er das Leben von Delong nicht sofort - kurz und schmerzlos - aus, sondern er will ihn leiden sehen. In der prallen Sonne wird er gefesselt liegengelassen - sollen ihn die Geier fressen. In der Zwischenzeit wird die Postkutsche überfallen und ein junger Kutscher erschossen. Die mitreisende Frau und deren kind kommen schwer verletzt davon. In der Stadt hat sich bereits herumgesprochen, dass Delong mit einem älteren Mann weggeritten sei, der wohl zu Maradys Bande gehört. Sehr schnell hat der Mob der Stadt das Urteil gefällt: Delong gehört zur Bande und hat sich abgesetzt. Der Sheriff und die Bürgerwehr sind den Banditen aber auf den Fersen. Zum Glück kann Delong sich befreien und er weiß durch die Gespräche der Banditen, dass sie nach der Postkutsche noch die Spielbank in Deep Water ausrauben wollen. Wenn der Sheriff und die Bürgerwehr weg sind, ist das ja die optimalste Gelegenheit zum Ziel zu kommen. Delong reitet in die Stadt und wird dort von den Augen aller Bürger zuerst argwöhnisch, dann offen feindlich betrachtet. Man glaubt ihm nicht, dass er zurückkam um diie Stadt zu warnen. Depute Sheriff Tub Murphy (Wayne Morris) und sein Gehilfe (John Baer) haben die Aufgabe ihn erstmal ins Gefängnis zu bringen. Doch Delong widersetzt sich und Unterstützung bekommt er lediglich von der hübschen Orissa Flynn (Joan Weldon) und Doc Winkler (James Bell). Der gutmütige Sheriff tendiert dazu Delong zu glauben, doch der Mob auf der Straße und vor allem die feinen Bürger der Stadt, wollen Blut sehen...



Die Bürger werden gespielt von Joe Sawyer als Tom Biggert, Richard Garrick als Walters, William Johnston als Col. Flynn oder Carol Henry als mordlustiger Hobbyhenker sind alle etwas überspitzt gezeichnet, aber so wirken sie wie aus einem Horrorfilm entsprungen. Andre de Toth geht sogar soweit, dass er einen kleinen Jungen mit seiner Steinschleuder auf den unschuldigen Delong zielen lässt. Die ganze Stadt ist irgendwann in dieser Dynamik gegen ihn und die Straßen sind so voll wie auf einem Volksfest. Das gibt dem Film einen sehr eigenwilligen Charakter. Am Ende entscheidet sich aber de Toth für versöhnliche Töne, so bitter wie "High Noon" wird die Geschichte dieses sehr geglückten B-Western nicht ausgehen.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.