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Sonntag, 16. April 2023

Jede Frau braucht einen Engel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Henry Koster

Die Frau des Bischofs...

Der 1905 in Berlin geborene Filmregisseur Henry Koster verließ nach der Machtübernahme der NSDAP Deutschland und wurde in Hollywood ein gefragter Regisseur. Er drehte einige Klassiker mit religiösem Inhalt wie den Cinemascope Film "Das Gewand" oder die Komödien "Und der Himmel lacht dazu" oder "Jede Frau braucht einen Engel".
Letzterer war mit 3 Millionen Dollar ein guter Kassenhit und wurde sogar bei der Oscarverleihung in der Kategorie "Ton" ausgezeichnet, vier weitere Nominierungen (bester Film, beste Regie Henry Koster, bester Schnitt und bester Score) blieben ohne Sieg. 1996 enstand mit "The Preachers Wife" ein Remake.
Im Original heißt Kosters Film "The Bishops Wife" und ist ein typischer Hollywood Weihnachtsfilm.
Die Geschichte handelt von dem ehrgeizigen Bischof Henry Brougham (David Niven), dessen großes Ziel es ist eine prächtige Kathedrale für die Gläubigen zu bauen. Doch die Finanzierung dieses Projekts ist ein Problem. Er ist sozusagen auf das Geld der Reichen Menschen in seinem Bistum angewiesen. So muss er sich mit den Ideen der schwerreichen Mrs. Hamilton (Gladys Cooper) auseinandersetzen, die das Gotteshaus nur dann finanziert, wenn die Optik auch gebührend  ihren verstorbenen Ehemann bei diesem Bau berücksichtigt. Diese Kompromisse sind ein Ärgernis für des Bischofs Frau Julia Brogham (Loretta Young), die sich darüberhinaus auch von ihrem Mann vernachlässigt fühlt. Zum Glück sind in diesen hollywoodschen Weihnachtsfilmen der 40er Jahre auch Engel in Menschengestalt unterwegs. Geschickt von oben mit der heiligen Mission den Menschen, die es brauchen, zu helfen. Dudley (Cary Grant) ist einer dieser himmlischen Geschöpfe und sein Auftrag lautet dem überforderten Bischof beim Bau der Kathedrale zu helfen und auch die Menschen in Henrys Umfeld geistig zu leiten. Henry, der in der Weihnachtszeit immer noch besessen davon ist das nötige Geld für den Bau zu beschaffen, merkt gar nicht wie seine Frau und die kleine Tochter Debby (Karolyn Grimes) darunter leiden.
Dudley gibt sich Henry als der ihm zugeteilte rettende Engel zu erkennen, die anderen glauben, dass der Fremde, der sehr schnell zu jedermanns Freund wird, ein Helfer ist, den die Kirche geschickt hat. Es sind auch alle mit Ausnahme von Henry selbst von Dudleys Präsenz begeistert, selbst der eher ungläubige Professor Wutheridge (Monty Wooley), der beginnt das Buch zu schreiben, dass er so lange aufgeschoben hat. Es kommt aber zu einer unerwarteten Entwicklung, weil Dudley sich zu Julia stark hingezogen fühlt...





Kosters Film bietet harmlose Unterhaltung, die von drei guten Schauspielern Cary Grant, Loretta Young und David Niven getragen wird. Die romantische Weihnachtskomödie bietet viel Charme und menschliche Wärme. Als literarische Vorlage diente ein Roman von Robert Nathan. Kameramann Greg Toland schuf stimmige Festtagsbilder.






Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Montag, 3. April 2023

...und der Himmel lacht dazu


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Henry Koster

Im Auftrag des Herrn unterwegs...

Sister Margaret (Loretta Young) und Sister Scholastica (Celeste Holm) könnte man als eine Art Vorläufer der "Blues Brothers" Jake und Elwood bezeichnen, da auch die beiden französischen Ordensfrauen im Auftrag des Herrn unterwegs sind - geschehen im Jahr 1949 unter der Regie des aus Deutschland stammenden Hollywood Directors Henry Koster. Nach der Machtübernahme der Nazis verließ er seine Heimat, ging zuerst nach Wien und durch seine Beziehungen zu Universal konnte er Mitte der 30er Jahre in die USA ziehen. In Kostners Filmographie findet man einige Filme mit religiöser Thematik. Für "Jede Frau braucht einen Engel" erhielt er eine Oscarnominierung als bester Regisseur. 1952 drehte er den Blockbuster "Das Gewand" - einer der kassenträchtigsten Hollywoodfilme der 50er Jahre. Sehr überzeugend war auch sein Ausflug ins Gothic-Fach mit "Meine Cousine Rachel". Sein bester Film ist sicherlich "Harvey" mit James Stewart als Elwood P. Dowd, der mit einem 2 Meter großen Hasen befreundet ist. Er drehte weitere Filme mit James Stewart, so auch die 1963 inszenierte Feel Good Comedy "Mr. Hobbs macht Ferien".
In einer Winternacht kommen zwei französischen Schwestern, die aus Chicago stammende Schwester Margaret und Schwester Scholastika in die kleine Stadt Bethlehem in New England, wo sie Amelia Potts (Elsa Lanchester) treffen, eine Malerin religiöser Bilder. Die Schwestern erzählen ihr von dem ambitionierten Plan ein Krankenhaus zu bauen. Der Plan muss unbedingt umgesetzt werden, weil Schwester Margaret während des Krieges in einem Kinderkrankenhaus in der Normandie verantwortlich war - da das Haus und die Kinder dank der Amerikaner unversehrt blieb, gab die Schwester Gott das Versprechen in den USA ein Kinderkrankenhaus zu bauen.
Ein Hügel, der in der Nähe liegt, wird von den beiden Nonnen als optimaler Standort für ihr Vorhaben ausgewählt. Von ihrem neuen Nachbarn, dem Komponist Bob Masen (Hugh Marlowe) erfahren die beiden, dass der Hügel einen gewissen Luigi Rossi (Thomas Gomez) in New York gehört. Da die Schwestern kein Geld haben, müsste Rossi ihnen das Grundstück schenken. Eine Unmöglichkeit, denn Mr. Rossi ist sozusagen der Pate eines Gangstersyndikats. Doch Gottes Wege sind unergründlich...es gelingt den Schwestern das Grundstück unentgeltlich zu bekommen. Mit diesem Coup ist das Krankenhaus aber noch lange nicht gebaut und den Nonnen stehen weitere Hindernisse im Weg. So müssen die finanziellen Schwierigkeiten über den Verkauf von selbst gemachter Marmelade, Eiern und Gemüse und einem Tennismatch eingedämmt werden. Zu Hilfe kommen den Nonnen dabei weitere Schwestern aus dem Mutterhaus in Frankreich....




"Und der Himmel lacht dazu" heißt im Original "Come to see the Stable" und war bei seinem Kinostart erfolgreich. Der Film spielte 3 Millionen Dollar ein und wurde sogar siebenmal für den Academy Award nominiert. Drei der Nominierungen gingen an die Darstellerinnen (Loretta Young als beste Darstellerin, Celeste Holm und Elsa Lanchester in der Kategorie "beste Nebendarstellerin". Clare Booth Lucas wurde in der Kategorie "Bestes Drehbuch" berücksichtigt. Joseph LaShelle in der Kategorie "Kamera". Ausserdem wurde die beste Filmmusik und die beste Ausstattung nominiert. Ein Sieg konnte in keiner Kategorie erreicht werden. Der Film ist auf eine nette Weise altmodisch, wirkt aber nicht kitschig - dafür sorgen die beiden coolen Nonnen.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 
 
 

Montag, 10. September 2018

Cause for Alarm - Grund zur Aufregung





















Regie: Tay Garnett

Ellens schwärzester Tag...

"Cause for Alarm" von Tay Garnett ist ein kleiner, aber feiner Film Noir Thriller aus dem Jahr 1951 und vielleicht sogar sein bester Film -  noch vor seinem erfolgreichen MGM Klassiker "Im Netz der Leidenschaft" mit dem fatalen Liebespaar Lana Turner und John Garfield. In "Cause for Alarm" spielt die heute etwas in Vergessenheit geratene Oscargewinnerin Loretta Young die Hauptrolle. Deren bekannteste Filme sind "Die Spur des Fremden" von Orson Welles, "Jede Frau braucht einen Engel" von Henry Koster und natürlich "Die Farmerstochter" von von Henry C. Potter für den sie auch den Academy Award gewann. Das Drehbuch zum Film schrieben Mel Dinelli und Tom Lewis, basierend auf einer Geschichte von Larry Marcus, der vom "schrecklichsten Tag meines Lebens" erzählt. Diesen Satz wird die Hauptfigur Ellen gleich am Anfang sagen und der Zuschauer folgt in einer Rückblende diesem zurückliegenden Tag.
Ihr Mann George (Barry Sullivan) liegt krank im Bett und schreibt einen Brief an den Staatsanwalt, darin gibt er, dass seine Frau und der junge Militärarzt Ranney Grahame (Bruce Cowling), ein Freund der beiden, vorhaben ihn umzubringen. Er glaubt von den beiden langsam aber gezielt mit einer Überdosis Medikamente vergiftet zu werden. Dabei waren er und Ellen mal ein verliebtes Paar. Kennengelernt hatten sich die bedien in einem Marinekrankenhaus während des zweiten Weltkriegs. Obwohl George immer mal wieder arrogant und egoistisch sein konnte, verliebte sich Ellen in ihn und sie zogen nach dem Krieg in ein dichtes Vorstadtviertel von Los Angeles. Dort wurde George auch krank und sicherlich nicht nur körperlich wegen dem Herzen, sondern auch seelisch. Immer stärker wurde die Paranoia, dass seine Ellen ihn mit Ranney betrügen könnte. Diesen Gedanken wurde er nicht mehr los. Nachdem Ellen ihrem bettlägerigen George erzählt, dass sie davon träumt, Kinder zu bekommen, wird er wütend. Inzwischen ist sein Brief an den Bezirksanwalt fertig geschrieben und er bittet Ellen darum ihn beim Postboten, der bald vorbei kommen wird, abzugeben.
Es ist ein Tag wie jeder andere...die Nachbarin (Georgia Backus) wirkt etwas neugierig, auf der Straße spielt der kleine Junge Billy (Bradley Mora) als Cowboy verkleidet. Dann kommt auch schon der immer etwas gestresste Postmann Joe Carston (Irving Bacon) vorbei. Sie gibt ihm den Brief. Irgendwann im Laufe des Morgens wird sie aber durch ihren Mann selbst erfahren, welche Anschuldigung er in diesem Brief gegen sie erhebt. Es wird noch dramatischer. Er bedroht Ellen mit der Pistole und will sie töten, doch dann bricht er plötzlich tot im Schlafzimmer zusammen...



Und nun geht der Nervenkitzel erst richtig los. Natürlich muss Ellen versuchen den Brief abzufangen, damit er nie den Staatsawalt erreicht. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn der alte Joe Carston ist ein Mann, der sich hinter seinen Bestimmungen versteckt. Die Odyssee des frühen Nachmittags wird zum Nervenkrieg. Margalo Gilmore als geschwätzige Tante, Don Haggerty als zudringlicher Notar und Art Baker als Post Office Superintendent machen der verzweifelten Frau das Leben schwer. Tay Garnett hat am Ende noch einen originellen Plot eingebaut, aber bis dahin
hastet die Protagonistin durch die Wohnstraßen der Melrose Avenue in Hollywood, Californien. Und Tay Garnett gelingt es die Spannung immer mehr zu steigern, wobei auffällt, dass Ellen vor allem daran interessiert ist, sich von der Schuld seines Todes zu befreien, da bleibt nicht viel Trauer für den armen paranoiden George übrig. "Cause for Alarm" entwickelt seine einfache, ja sogar einspurige Idee mit einer beängstigenden Logik.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Freitag, 14. März 2014

Die Spur des Fremden


Regie: Orson Welles

Franz Kindler und der Nazijäger...

Orson Welles ist unvergessen in seiner Rolle als Harry Lime in Carol Reeds "Der dritte Mann" und aufgrund seiner großartigen Regiearbeiten "Citizen Kane", "Der Glanz des Hauses Amberson" oder "Im Zeichen des Bösen" - alles Filme, die zum besten gehören, was das Kino je präsentiert hat. Sein 1946 entstandener Nazijäger-Noir steht aufgrund dieser grandiosen Meisterwerke etwas im Schatten, ein guter Film ist "Die Spur des Fremden" aber trotzdem. Im Original heißt der Film "The Stranger" und man ist sich nicht so schlüssig, wer nun mit diesem Etikett versehen wird: Der mysteriöse, als Antiquitätenhändler getarnte Mr. Wilson (E.G.Robinson), der dünne, ältere Herr (Konstantin Shayne), der seinen Koffer im Laden vom Mr. Potter (Billy House) stehen liess und plötzlich verschwindet oder aber der frisch vermählte Geschichtsprofessor der hiesigen Universität Charles Ranking (Orson Welles), ein europäischer Emmigrant, der seit einem Jahr hier in Harper im Bundesstaat Connecticut lebt und mit Mary (Loretta Young), die Tochter von Richter Adam Longstreet ( Philip Marivale) geheiratet hat. Er ist bei der Bevölkerung in Harper äusserst beliebt, denn er repariert in seiner begrenzten Freizeit die Turmuhr der Kirche. Nun, der alte, dünne Mann ist der Naziverbrecher Meinike, der eigentlich das Todesurteil erhalten hätte, aber Wilson ihn extra laufen liess, damit der inzwischen zum christlichen Glauben bekehrte Mann, die Jäger auf die Spur des großen Kriegsverbrecher Franz Kindler führt. Dieser soll irgendwo in den USA untergetaucht sein, aber es fehlt jede Spur. Dank Meinike führt die Spur aber ins beschauliche Harper. Dort verschwindet der Mann und später auch Red, der treue Hund von Mary. Wilson glaubt sich auf der richtigen Spur, doch er braucht einen Verbündeten auf der Suche nach Kindler. Und diese Rolle fälllt auf Noah (Richard Long), der jüngere Bruder von Mary...


 Der Film ist klasse fotografiert und hat einige sehr großartige Szenen. Am besten gefällt mir die Szene, in der Kindler sich plötzlich bewusst wird, dass Meinike seine Tarnung unbewusst verraten hat und den Mitwisser rücksichtslos im Waldstück ermordet. Zur gleichen zeit machen die Jungs der Uni dort eine Schnitzeljagd, der Mord könnte also gesehen werden und Kindler muss überlegt vorgehen um seine Spur zu verwischen. Orson Welles spielt den Naziverbrecher sehr gut, ihm zur Seite eine gute Darstellung von Loretta Young, die hin- und hergerissen ist, denn schliesslich liebt sie den Mann, der möglicherweise einer der geistigen Väter der Konzenrationslager und der Gaskammern ist. Effekiver Showdown auf dem Turm der Kirche. Ein sehr guter Klassiker und ein etwas anderer Film Noir, der gemessen an dem Einspielergebnis Welles erfogreichster Film war. Er selbst bezeichnete "Die Spur des Fremden" als seinen schlechtesten Film.


Bewertung. 8 von 10 Punkten.