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Freitag, 9. Februar 2024

Der Kanal


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Andrzej Wajda

 Durch die Kanalisation...

Gleich mit seinem ersten drei Filmen "Eine Generation", "Asche und Diamant" und "Der Kanal" gelang dem polnischen Regisseur Andrzej Wajda große internationale Beachtung. Es ist daher bedauerlich, dass nur einer dieser drei thematischen Verwandten als deutschsprachige DVD veröffentlicht wurde: "Der Kanal" entstand 1957 und erhielt den Spezialpreis der Jury bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes im Jahr 1957.
Es ist der 25. September 1944, in den letzten Tagen des Warschauer Aufstands. Leutnant Zadra (Wieńczysław Gliński führt eine Einheit von 43 Soldaten und Zivilisten zu einem neuen Versteck inmitten der Ruinen des jetzt isolierten südlichen Warschauer Stadtteils Mokotów. Dem Komponisten Michał (Vladek Sheybal), der erst seit einem Tag bei der Widerstandsgruppe mitkämpft, gelingt es, seine Frau und sein Kind in einem anderen Teil der Stadt anzurufen, der von den Deutschen überrannt wird. Nach ein paar Worten teilt sie ihm mit, dass die Deutschen das Gebäude räumen und hinter ihr her seien. Dann ist die Leitung tot. Am nächsten Morgen entschuldigt sich der 23-jährige Offiziersanwärter Korab (Tadeusz Janczar), nachdem er in ein Zimmer gegangen ist und den Stellvertreter, Leutnant Mądry (Emil Karewicz), und die Botin Halinka (Teresa Berezowska) zusammen im Bett vorgefunden hat. Halinka verrät später im Laufe der Handlung, dass Mądry ihr erster Liebhaber ist. Ein deutscher Angriff wird zwar vorläufig gestoppt, aber Korab wird verwundet, als er eine Goliath-Kettenmine außer Gefecht setzt. Umzingelt vom Feind erhält Zadra den Befehl, sich durch die Kanalisation in die Innenstadt zurückzuziehen. Mittlerweile sind sie nur noch 27 übrig, einschließlich Korab, und mühen sich durch den Dreck. Daisy, (Teresa Iżewska)die von allen Gänseblümchen genannt wird , kennt die Kanalisation am besten und bittet Zadra, Korab helfen zu dürfen, und behauptet, dass die anderen sich problemlos zurechtfinden könnten. Zadra stimmt zu. Allerdings fällt das Paar immer weiter zurück. Als sie den vorgesehenen Ausgang an der Wilcza-Straße erreichen, ist Korab zu schwach, um den ansteigenden Tunnel zu erklimmen, also ruhen sie sich eine Weile aus. Er bemerkt einige Graffiti an der gegenüberliegenden Wand, kann sie aber nicht ganz erkennen. Daisy sagt ihm, dass dort „Ich liebe Janek“ steht, obwohl der Name eigentlich Jacek ist, Korabs Vorname. Sie beschließt, in Richtung des Flusses zu gehen, der nur ein kurzes Stück entfernt ist, und treibt ihn weiter, ohne ihn anhalten zu lassen. Endlich sehen sie Sonnenlicht. Zu diesem Zeitpunkt ist Korab halb blind und am Ende seiner Kräfte. Er kann nicht erkennen, dass der Ausgang inzwischen durch Metallgitter verschlossen ist. Der Weg durch das Kanalsystem wird für alle zur tödlichen Falle....




Das ist sicherlich kein schöner Film, denn er zeigt das Verenden dieser Widerstandskämpfer im Unrat und in kaum auszuhalendem Dunst. Der Film ist optisch mit den Klassikern des italienischen Neorealismus verwandt, was auch Wajdas Ansinnen war. Im Heimatland selbst wurde der Film zwiespältig aufgenommen, weil hier keine Helden des Krieges zu sehen sind.
Der Warschauer Aufstand durfte vor "Der Kanal" nicht für einen Film thematisiert werden, da eine Darstellung des Aufstandes immer auch anti-sowjetisch interpretiert werden konnte.






Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 6. Oktober 2019

Das Messer im Wasser



















Regie: Roman Polanski

Auf dem Segelboot....

Der Film "Das Messer im Wasser" entstand 1962 und bedeutete den Durchbruch für seinen Regisseur Roman Polanski. Er bekma für dieses herausragende Debüt viele Preise und konnte sich sogar unter die fünf Oscar-Nominierten für den besten Auslandsfilm 1964 platzieren. Am Ende unterlag er aber dem Favoriten aus Italien: Achteinhalb von Federico Fellini.
Dabei holt Polanski mit minimalen Mitteln das Maximum heraus. In "Messer im Wasser" (Originaltitel: Nóż w wodzie ) spielen nur drei Schauspieler mit und zwei davon - Jolanta Umecka, die die Krystyna spielt und Zygmunt Malanowicz, der den jungen Anhalter spielt - hatten vor dem Film keinerlei Schauspielerfahrung. Unterlegt wurde der schwarz-weiß Film durch Krzystof Komeda, mit dem Polanski sehr oft zusammenarbeitete. Auffallend bei dem Soundtrack ist vor allem der Saxophonist Bernt Rosengren, der eine gewisse jazzige Note vermittelt.
Der Film spielt vornehmlich auf dem Wasser, besser gesagt auf einem kleinen Segelboot. Gedreht wurde in der polnischen Seenplatte Masuren. Das Empire Magazin wählte Polanskis Erstling im Jahr 2010 auf Platz 61 in die Liste "Die besten 100 Filme der Welt".
Am Beginn des Films steht eine Autofahrt. Der Sportjournalist Andrzej (Leon Niemczyk) und seine Frau Krystyna (Jolanta Umecka) sind unterwegs mit dem Auto. Sie wollen an einen See und segeln. Es herrscht eine gewisse Spannung zwischen den Beiden. Andrzej ist mit dem Fahrstil seiner Frau nicht einverstanden und so wechselt er ans Steuer. Mit noch mehr Tempo gehts weiter, die Frau leicht genervt. Allerdings vernünftig genug nicht weiter darauf einzugehen. Von weitem sehen sie einen jungen Anhalter, der gar keine Anstalten macht dem Auto auszuweichen. Und Andrzej hat auch keine Lust wegen dem Halbstarken zu bremsen. Beinahe hätte er ihn dann umgefahren und es wird laut zwischen Autofahrer und Fufgänger mit dem Ergebnis, dass der junge Typ mitfahren darf. Als sie am See ankommen, lädt der Ältere den Jüngeren ein mitzukommen zum Segeln. Da er nicht viel davon versteht, kann Andrzej den Boss spielen, der den Youngster ständig belehrt und kritisiert. Der Junge muss harte Lektionen einstecken. Natürlich spielt im Konkurrenzkampf der beiden Männer die Frau auf dem Boot eine große Rolle. Beide wollen ihr imponieren. Dabei wird der Machtkampf bald auch mit härteren Bandagen ausgetragen...






Kameramann Jerzy Lipman hat mit seiner hervorragenden Leistung die eigenartige Stimmung auf dem Boot zusätzlich verstärkt. Der polnische Kameramann hat auch mit Andrzej Wajda gearbeitet und in den 70er Jahren wurde er auch für den deutschen Film engagiert (Für "Das falsche Gewicht" von Bernard Wicki oder "Der Regen verwischt jede Spur" von Alfred Vohrer).
"Messer im Wasser" begeistert natürlich durch den straffen Inszenierungsstil, die Geschichte bleibt aber von Anfang bis Ende sehr intim, eine klassisch anmutende Dreiecksgeschichte. Ein bisschen wird der Filmliebhaber an die Szenen im Boot aus "Die Lady von Shanghai" erinnert. Auch dort ist dieses Spannungsfeld an Bord durch die drei Figuren vorhanden.







Bewertung: 10 von 10 Punkten.