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Sonntag, 2. März 2025

Befehl des Gewissens


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: John Ford

Auf der Flucht...

John Ford ist sicherlich einer der größten Regisseure aller Zeiten. Vor allem im Westerngenre schuf er Klassiker wie "Ringo", "Faustrecht der Prärie", "Bis zum letzten Mann", "Spuren im Sand", "Der Teufelshauptmann", "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" oder "Cheyenne". Seine vier Regieoscars erhielt er aber abseits des Western für die Filme "Der Verräter", "Früchte des Zorns", "So grün war mein Tal" und "Der Sieger".  Sein 1947 entstandener Film "Befehl des Gewissens" ist in Zusammenarbeit mit mexikanischen Filmschaffenden gedreht worden. Es ist ein für Ford ungewöhnlicher Kunstfilm, in dem die mexikanischen Filmstars Dolores del Rio und Pedro Armendariz ihr US-Debüt gaben. Produktionsleitung vor Ort (der Film wurde in Mexiko gedreht) hatte der bekannte Filmemacher Emilio Fernandez. Die Geschichte basiert auf Graham Greens Novelle "Die Kraft und die Herrlichkeit". Ein namenloser und zerrissener katholischer Priester (Henry Fonda) ist ein Flüchtling in einem namenlosen lateinamerikanischen Staat, in dem Religion und Alkohol streng verboten ist. Viele Priester sind daher aus dem Land geflohen oder wurden von der Diktatur hingerichtet. Der Priester versteckt sich zunächst in seiner früheren Gemeinde und trifft in der verlassenen Kirche auf eine schöne Indianerin (Dolores delRio), die den Geistlichen bittet, dass er ihr neugeborenes Kind tauft. Zur gleichen Zeit ist auch ein anderer Mann (Ward Bond) auf der Flucht - allerdings aus ganz anderen Gründen. Der Amerikaner, der "El Gringo" genannt wird, ist ein Mörder und Bankräuber. Bald sind auch schon die Polizeitruppen vor Ort, die von einem Oberleutnant (Pedro Armendariz) angeführt wird, der der Vater des Kindes ist. Wieder muss der Geistliche fliehen. Auf dem Weg in eine größere Stadt begegnet er einem undurchsichtigen Mann (J. Carrol Nash), der sich bald als Polizeispitzel herausstellt. Dieser Spitzel wird bald zum ständigen Begleiter des Priesters, der ihn nicht mehr abschütteln kann. Ein Junge auf der Straße erkennt den Priester und bittet ihn seiner sterbenden Mutter die letzte Ölung zu erteilen. So verpasst er den Platz auf dem Schiff, dass ihn in ein anderes Land bringt und seine Rettung bedeutet hätte. Stattdessen geht er mit dem Jungen, er braucht allerdings Wein für die katholische Zeremonie und wieder gibt sich der Priester in Gefahr, weil er versucht den Wein illegal zu kaufen.  In einer anderen Stadt sucht der Priester Zuflucht, aber der verrückte Spitzel spürt ihn auf und sagt ihm, dass "El Gringo“, der dem Priester auch bei der Flucht geholfen hatte, im Sterben liegt und er zurückkehren muss, um auch ihm die Letzte Ölung zu erteilen. Er liegt im Sterben, verweigert aber die Beichte. Natürlich war es eine Falle  - Der Priester wird gefangen genommen und zum Tode verurteilt, verzeiht dem Informanten jedoch, dass er ihn verraten hat. Die Hinrichtung des Priesters durch ein Erschießungskommando löst in der Bevölkerung große Trauer aus und zeigt den Behörden, dass es unmöglich ist, den Katholizismus auszumerzen, solange er in den Herzen und Köpfen der Menschen existiert. Sogar der Polizeileutnant bekennt sich zu seinem eigenen Glauben. In einer Kirche beten mehrere Bewohner für Frieden, als es an der Tür klopft. Ein Mann steht an der Tür und verkündet, dass er der neue Priester des Dorfes sei...







Es war die erste Zusammenarbeit zwischen RKO und Ford-Coopers Firma Argosy Pictures. Der Deal sah vor, dass Argosy drei Filme produzierte, die RKO vertreiben sollte, und dass sie sich die Kosten und Gewinne zu gleichen Teilen teilen würden, während sie die kreative Kontrolle behielten. Über die Arbeit von Kameramann Gabriel Figueroas sagte Ford: „Es waren viele verdammt gute Aufnahmen dabei – mit diesen schwarzen und weißen Schatten.  In Mexiko warf Ford den Großteil des Drehbuchs über Bord und drehte seiner Fantasie freien Lauf, indem er einen höchst abstrakten Kunstfilm drehte. "The Fugitive" - so der Originaltitel - verlor viel Geld und bereitete sogar Fords ergebensten Anhängern Probleme. Nur der Regisseur selbst verteidigte den Film konsequent. Die Machart erinnert sogar an den deutschen Expressionismus, er ist visuell brilliant gestaltet und zudem ein erhabenes Bekenntnis zu seinem Glauben.











Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 8. Juli 2021

Viva Zapata


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Elia Kazan

Der Revolutionär...

Vier Oscars konnte Elia Kazans Revolutionsfilm "Viva Zapata" bei der Preisverleihung 1952 gewinnen. Eine Trophäe ging an Anthony Quinn, der als Bruder von Emiliano Zapata in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" nominiert war. John Steinbeck, der das Drehbuch schrieb, erhielt ebenfalls einen Preis. Ausserdem siegte der Film in den Kategorien "Beste Ausstattung schwarz-weiß" und "Beste Musik".
An der Kasse spielte der Film 1,9 Millionen Dollar ein, was angesichts des hohen Budgets leider nicht als Erfolg gewertet wurde. Der Film etablierte sich aber sehr schnell zum Klassiker.
Kazans fiktionaler Bericht über das Leben des mexikanischen Revolutionärs von seiner bäuerlichen Erziehung bis hin zu seinem Aufstieg zur Macht in den früher 1900er Jahren bis zu seinem Tod. Um den Film so authentisch wie möglich zu gestalten, studierte der Regisseur und sein Produzent Darryl F. Zanuck die zahlreichen Fotos, die während der Revolutionsjahre von Zapata aufgenommen wurden. Zapata führte einen Kampf um die Wiederübernahme von Land, dass den Bauern währen der Diktatur von Porfino Diaz genommen wurde. Visuell war Kazan von der Fotosammlung von Agustin Casasola fasziniert und kopierte dessen Stil. In einem späteren Interview gab er auch an, dass er zu dieser Zeit sehr stark von Roberto Rossellinis Kriegsfilm "Paisa" beeindruckt war.
In einer der ersten Szene ist dieser Emiliano Zapata (Marlon Brando) einer von einer Gruppe Bauern, die sich bei ihrem Präsidenten Portino Diaz (Fay Roope) über die Missstände beschweren, denn man enteignete ihnen das Land, dass sie für ihren Lebensunterhalt brauchen. Der Präsident weist ihre Bedenken zurück und notiert sich den Namen des Sprechers Zapata auf einem Zettel. Es geschieht nichts in der Folgezeit, so dass es durch die Unzufriedenheit der Bauern zu einer offenen Rebellion kommit. Der Führer im Süden wird Zapata, der gemeinsam mit seinem Bruder Eufemio (Anthony Quinn) sich den Rebellen im Norden des Landes, die von Pancho Villa (Alan Reed) geführt werden, anschließt. Der gutmütige Reformator FranciscoMadero (Harold Gordon) soll neuer Präsident werden und tatsächlich wird Diaz gestürzt. Doch es gibt auch unter ihm keine Verbesserung für die Landbevölkerung. Als sich Madero mit dem korrupten General Huerta (Frank Silvera) zusammentut, ist plötzlich auch Zapata in der Schlußlinie...




Ganz nebenbei wird auch noch geheiratet - Zapata heiratet die schöne Josefa, die von Jean Peters gespielt wird. Kazans Biographie zeigt eindrücklich wie der Besitz von Macht Menschen verändern kann. Zunächst wollten die Produzenten Tyrone Power in der Hauptrolle besetzen, entschieden sich dann doch für den damaligen aufstebenden Filmstar Marlon Brando, der für diesen Film zum zweiten Mal als bester Hauptdarsteller ins Oscarrennen ging. Ein Jahr zuvor startete er mit "Endstation Sehnsucht". Auch beim dritten Anlauf mit Julius Caesar musste er sich geschlagen geben. Doch die vierte Nominierung in Folge für "Die Faust im Nacken" brachte den langersehnten Sieg.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 11. Juni 2021

Der Fluß und der Tod


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Luis Bunuel

Blutrache...

1929 drehte Luis Bunuel mit dem Skandalstreifen "Ein andalusischer Hund" seinen ersten Spielfilm. Bunuel war mit Salvador Dali befreundet, der an diesem Film mitwirkte. Beide wollten einen Spielfilm aus zwei Träumen schaffen. Die Meßlatte lag hoch: Beide wollten etwas ganz besonderes realisieren, die Geschichte sollte weder etwas symbolisieren noch logische Erklärungen für die Bilder liefern. Die Premiere war ein voller Erfolg. Viele Kritiker zeigten sich begeistert, es gab aber auch genauso viele Kritiker, die einen Skandal sahen. Auch sein zwiter Film "Das goldene Zeitalter" war eine Zusammenarbeit mit Dali. Wieder mit Erfolg, aber mit noch viel mehr Skandal. Diese Geschichte von zwei Liebenden, die sowohl kirchliche als auch bürgerliche Fesseln ablegen, schockierten die konservativen Kreise. Skelettierte Geistliche ließ er auffahren und die Szene, in der ein Vater seinen Sohn mit einem Jagdgewehr erschießt war enorm schockierend. 1946 bekam Bunuel Angebote aus Mexiko. Es sollte seine produktive Zeit werden. In dieser Zeit entstand das überragende Meisterwerk "Die Vergessenen", der aber wieder sehr zwiespältig aufgenommen wurde. Es folgten sehr gute Filme wie "Susanna" (1950), "Robinson Crusoe" (1952), "El" (1952), "El Bruto-der Starke" (1953) "Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz" (1955) oder "Nazarin" (1958). Der 1955 entstandene ist eher weniger bekannt, aber dennoch enorm sehenswert.
Die Geschichte spielt im Küstendorf Santa Bibiana kann das geringste Missverständnis zu einer tödlichen Schießerei führen. Seit Generationen prägt die Feindschaft der beiden Familien Anguiano und Menchaca. Diese blutige Fehde geht auf ein ca. 100 Jahre altes Ereignis zurück, dort kam es zum Streit und es gab einen Toten. Seither herrscht die Blutrache und die beiden Clans sind an ihre Familienehre gebunden. Es muss gerächt werden. Der Täter muss über den Fluß fliehen und darf nicht wieder ins Dorf zurückkehren. Alle Männer, die sich diesem tödlichen Spiel entsagen wollen, gelten als Feiglinge. Gerardo Anguiano (Joaquin Cordero) ist ein idealistischer Arzt und lebt in der Stadt. Er ist schwer lungenkrank. Doch eines Tages wird er von Romulo Menchaca (Jaime Fernandez) besucht. Dieser muss sich rächen, da Gerardos Vater jemand aus dem Menchaca Clan getötet hat. Er sieht aber von einem Kampf ab, da sein Gegner an einer Lungenmaschine hängt und sichtlich zu schwach ist sich einem Kampf zu stellen. Doch die Genesung schreitet voran und selbst Mercedes (Columba Dominguez), die Mutter von Gerardo, erwartet, dass sich ihr Sohn wie ein Mann der Herausforderung stellt. In einer Rückblende zeigt der Film die Geschichte von Mercedes Verlobten Felipe (Miguel Torucco), der ohne es zu wollen töten musste...



Eine sehr eindringliche Geschichte über seltsame Rituale in einer mexikanischen Kleinstadt. Bunuel hat einmal in einem Interview erwähnt, dass ihn die Geschichte deshalb so fasziniert hat, weil diese Menschen keinen Respekt vor dem menschlichen Leben haben. Bunuel hat einen authentischen Brauch gezeigt, der für westliche Zuschauer damals zu unglaubwürdig erschien. Aber der Regisseur zeigte hier eine bedauerliche Wahrheit aus dem Bundesstaat Guerrero. Wenn einer ermordet wurde, dann wird die Leiche nacheinander zu Verwandten und Freunden gebracht, wo die Anwesenden etwas trinken. Dann trägt die Trauergemeinde den Sarg vor das Haus des geflohnenen Verbrechers und sie rufen "lass ihn herauskommen, diesen Bast...er soll mit dem Tod bezahlen". So funktioniert diese kettenrache beider Clans immer wieder von Neuem.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 10. Juli 2019

Mörder ohne Maske




















Regie: Rudolph Mate

Die zweite Chance...

Für RKO Radio drehte der Regisseur und Kameramann Rudolph Mate mit "Mörder ohne Maske" (Originaltitel: Mörder ohne Maske) den ersten 3-D-Film. Zur Zeit der Entstehung im Jahr 1953 war 3-D eine echte Modeerscheinung und in den Szenen mit der Pendelbahn war dieses Verfahren sicherlich auch sehr effektiv.
"Mörder ohne Maske" wurde ausschließlich in Mexiko gedreht, darunter in Cuernavaca, Morelos und Taxco.
Der damalige Technicolorfilm ist nie richtig restauriert worden, daher sind die Farben des Films total blass und wirken manchmal so als wäre "Mörder ohne Maske" ein Schwarzweiß Film, den man mit braunen und grünen Tönen etwas eingefärbt hat.
Der Film erzählt von Amerikanern, die irgendwo in einem lateinamerikanischen Land in der Stadt San Cristobal gestrandet sind und dort schon viel zu lange hängen geblieben sind. Einer davon ist der recht bekannte Berufsboxer Russ Lambert (Robert Mitchum), der allerdings das Trauma einen Mann im Kampf totgeschlagen zu haben, nie aufgearbeitet hat. So hat er seine gut funktionierende Karriere aufgegeben und tourt nun halbherzig in Mexiko, hält sich mit weniger gefährrlichen Boxkämpfen über Wasser.
Auch die attraktive Sängerin Clare Sheppard (Linda Darnell) hält sich dort auf oder besser gesagt "ist dort untergetaucht". Sie ist die Exgeliebte des berüchtigten Gangsters Vic Spilato, gegen den sie vor dem US-Senat aussagen soll. Dessen rechte hand Cappy Gordon (Jack Palance) hat zwar die Aufgabe die Frau davon abzuhalten gegen seinen Boss auszusagen, doch er sucht Clare auch aus egoistischen Gründen. Der gemeine Gangster ist der Schönheit total verfallen und will ihre Liebe und Zuneigung. Kurz zuvor hat er noch einen Mobbuchhalter (Milburn Stone) kaltblütig erschossen und daher weiß er auch, dass sich seine Angebetete in San Cristobal aufhält. Russ und Clare lernen sich kennen und verlieben sich, aber Clare zögert, denn sie weiß, dass sie eine Frau mit Vergangenheit ist. Was Russ jedoch überhaupt nicht stört. Immerhin hat er den Kampf gegen den lokalen Herausforderer Rivera (Abel Fernandez) gewonnen. Mit der Luftseilbahn fahren die Frischverliebten nach La Cumbre, einem idyllischen, aber fast völlig abgeschiedenen Bergdorf. Doch Cappy ist inzwischen auch schon dort und langsam aber sicher hat Regisseur Rudolph Mate schon alles für den Showdown in der Seilbahn, hoch über dem Abgrund vorbereitet. Nicht nur, dass die drei Protagonisten alle an Bord sind. Es kommt noch dicker: Die beiden Hauptkabel der Seilbahn reißen und alle Passagiere sitzen nun oben in der Luft fest...




Mit diesen Szenen kommt auch endlich die spannung in den Noir Streifen. Das Drama nimmt seinen Lauf und es herrscht in diesen Sequenzen knisternde Spannung. Einerseits dadurch, dass das Liebespaar mit dem Gangster auf engem Raum zusammen festsitzt, andererseits durch die auswegslose Situation, die jederzeit den Tod bedeuten könnte. Tatsächlich sterben auch drei der Insassen. Mate hat auch ein paar interessante Nebenfiguren in die Seilbahn gesetzt: Ein älteres englisches Ehepaar (Reginald Sheffield, Margaret Brewster), ein festgenommener Mann, der seine Frau ermordet hat (Rodolfo Hoyos jr) und dessen kleiner Sohn (Richard Vera), ein frischvermähltes Paar (Maurice Jara, Judy Walch) und der versierte Seilbahnschaffner (Sandro Giglio).



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 19. September 2018

Der Besessene

Regie: Marlon Brando

Rios Rache...

Der 2004 verstorbene Marlon Brando gilt als einer der größten Charakterdarsteller und Filmstars des 20. Jahrhunderts. Unsterblich sind seine Rollen in Filmen wie "Endstation Sehnsucht", "Die Faust im Nacken", "Der Pate" und "Apocalypse Now" - weniger bekannt dagegen ist seine einzige Regiearbeit in "Der Besessene". Dieser packende Western entstand 1961, heißt im Original "One Eyes Jack" und darf dennoch zu den ganz großen klassischen Western gezählt werden und man merkt, dass Brando sehr stark daran interessiert war an einer guten Figurenzeichnung. Darüberhinaus dürfte "Der Besessene" einer der besten Genrebeiträge zum Thema Doppelmoral, Ambivalenz und Betrug sein.
Maßgeblich am Gelingen des Films war auch der Kameramann Charles Lang verantwortlich, der an vielen anderen Hollywoodklassikern wie "Peter Ibbetson", "Schiffbruch der Seelen", "Der unheimliche Gast", "Heißes Eisen", "Zwei rechnen ab", "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Charade" beteiligt war - er hat die Geschichte in wunderschöne Bilder verpackt. Marlon Brando war als Regisseur sehr ambitioniert und engagiert. Er ließ sich sehr lange Zeit zum Drehen und bald hatten seine ängstlichen Finanziers Sorge, dass das Budget gesprengt werden könnte. Insgesamt dauerten die Dreharbeiten 6 Monate und eine 4 1/2 Stunden-Version sollte ins Kino kommen, wenn es nach dem Willen des Machers gegangen wäre. Doch man entschied fast 2 Stunden zu kürzen, am Ende wäre es beinahe so weit gekommen, dass sich Brando vom eigenen Film distanziert hätte. Obwohl er passable 4,3 Millionen Dollar in den USA einspielen konnte, waren die Kosten am Ende doch höher und so wurde "Der Besessene" zum Mißerfolg abgestempelt. Das mag in finanzieller Hinsicht vielleicht so gewesen sein, auf den künstlerischen Aspekt trifft aber dies überhaupt nicht zu.
Interessanterweise sind die meisten Figuren in Brandos Film überhaupt keine Sympathieträger und die Hauptfigur, die von Brando selbst verkörpert wird, ist ein Schurke, ein Lügner und hat nur einen Gedanken im Kopf: Sich zu rächen. Er spielt den Rio, den man auch "The Kid" nennt.
Sein Hass gilt seinem früheren besten Freund und Mentor Dad Longworth (Karl Malden), der mit ihm gemeinsam und einem dritten Mann namens Doc eine Bank in Sonora, Mexiko ausraubten. Doch die berittene Polizei verfolgt die Männer und kann Doc in einer Cantina erschießen. Rio und Dad Longworth gelingt zuerst die Flucht - doch auf einem hohen Bergkamm werden sie in die Enge getrieben. Da sie nur noch ein Pferd haben, soll einer möglichst rasch mit zwei neuen Pferden kommt, damit die Flucht doch noch gelingt. Die Wahl fällt auf Longworth, der aber nach einem kurzen Ritt beschließt alleine zu flüchten und seinen Freund alleine auf dem Berg zu lassen. Der wird gefasst und sitzt 5 Jahre in einem menschenunwürdigen Gefängnis ab, bevor ihm die Flucht gelingt. Angetrieben vom Hass hat er nur ein Ziel: Dad Longworth ausfindig zu machen und sich zu rächen. Diese ist inzwischen in Monterey Sheriff geworden - hat also die Seiten gewechselt und ist verheiratet mit der Mexikanerin Maria (Katy Jurado), auch deren Tochter Louisa (Pina Pellicier) nennt Longworth inzwischen "Dad".
Er kommt mit seinen neuen Kumpanen Chico Modesto (Larry Duran) und Bob Emory (Ben Johnson) nach Monterey und besucht dort den alten Freund, ohne jedoch zu erzählen, dass er wegen seines damaligen Verrats 5 Jahre im Knast saß. Dad Longworth ist zwar auch etwas irritiert, dass Rio anscheinend keine Rachegedanken hegt und auch nicht nach dem Geld fragt, mit dem Dad damals fliehen konnte. Es sieht beinahe so aus als wäre zwischen den beiden Freunden nie etwas gewesen - Rio wird sogar eingeladen noch einen Tag länger zu bleiben, denn zufällig feiert die Stadt ein Fest und Rio und Dads Stieftochter Louise kommen sich näher. Die beiden übernachten am Strand - am Morgen danach gesteht Rio dem Mädchen seine Lügen der Nacht und sie kehrt erst sehr früh am Morgen heim. Von Deputy Lon (Slim Pickens) erfährt Longworth von dieser Liason. Nun bricht die verborgene Feindschaft zwischen beiden Männern auf und Longworth lässt Rio auspeitschen und zerschlägt auch dessen Hand mit dem Gewehrkolben. Danach wird er aus der Stadt gejagt. Doch dies ist noch lange nicht das Ende...




In dem Film beschäftigt sich Brando mit komplexen Familien- und Beziehungsangelegenheiten. Psychologisch orientiert sich die Geschichte an den Ödipus-Konflikten und auch verdrängte Homosexualität kommt als weiterer interessanter Aspekt hinzu. Nicht nur als Regisseur, sondern auch als Darsteller der Hauptrolle macht Brando eine überzeugende Figur. Kein Wunder, wenn er seinen alten Kumpel Karl Malden als Kontrahent engagiert hat. Der liefert wie gewohnt eine hervorragende Performance ab. Auch Neuling Pina Pellicier, die im Grunde die einzig "gute" Haupt-Figur des Films ist, hat viele richtig gute Szenen. Die Szene am Strand, die ungefähr 10 Minuten dauert, ist vielleicht sogar die beste Szene dieses Westerns, den ich zu den ganz großen Meisterwerken dieser Sparte zählen und der immer noch irgendwie ein Schattendasein führt. Leider.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.