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Montag, 3. April 2023

Der Tote lebt


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mervyn LeRoy

Johnny Eager, der charismatische Gangster...

"Johnny Eager" aus dem Jahr 1941 ist ein unterbewerteter sehr interessanter Film Noir, der von Mervyn LeRoy (Der kleine Caesar, Ich bin ein entflohener Kettensträfling) inszeniert wurde. Das Budget betrug etwas mehr als 600.000 Dollar, durch die sehr guten Einnahmen im Kino konnte ein Umsatz von 2,6 Millionen Dollar verbucht werden, was bei der attraktiven Besetzung Robert Taylor und Lana Turner auch nicht verwunderlich war. Die beiden Stars sollen sogar eine Romanze gehabt haben, doch Lana Turner zog die Notbremse, bevor es ganz ernst wurde - sie wollte Taylors Ehe mit Barbara Stanwyk nicht in Gefahr bringen.
In der Rolle des intellektuellen und Shakespeare zitierenden, aber alkoholsüchtigen Freund von Johnny Eager (Robert Taylor) ist Van Heflin zu sehen, der für seine Leistung mit den Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde.
"Johnny Eager", der in Deutschland unter "Der Tote lebt" bekannt wurde, bietet zwei interessante Beziehungsgeflechte an.
Eine Geschichte um Manipulation, verborgene Gefühle und bewussten Täuschungen. Vor allem die Freundschaft zwischen dem aalglatten Johnny Eager und dem alkoholkranken Jeff steckt voller ungesagter Mysterien. Viele Filmkritiker deuten diese Beziehung in eine latent homoerotische Komponente ein. Natürlich sorgte der Hays Code dafür, dass ein solches Thema nur versteckt angedeutet werden konnte.
Hauptfigur ist dieser Johnny Eager, ein charismatischer Verbrecher, dessen Rest Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, weil Johnny allen seine Umkehr von seiner kriminellen Ambitionen glaubhaft vermitteln konnte. Nun arbeitet er als Taxifahrer und sein Bewährungshelfer (Henry O´Neill) sieht in Johnny Eager ein positives Beispiel, dass auch ein ehemaliger Straftäter von neuem ein bürgerliches Leben anfangen kann.
Doch der Schein trügt. Während Johnny tagsüber als geläuterter Angestellter auftritt, geht er nachts immer noch seinem alten Gangsterleben nach. Er ist der Chef einer Gangsterbande und er will mit manipulierten Wetten das große Geld machen. Sein Bewährungshelfer besucht ihn von Zeit zu Zeit, unangemeldet versteht sich. Doch auch für diesen Fall hat Johnny durch Bestechung vorgesorgt, er weiß wann die Überprüfung in seiner Wohnung stattfindet. Eines Tages bringt der Bewährungshelfer die Soziologiestudentin Lisabeth Bard (Lana Turner) mit, die gar nicht glauben kann, dass Johnny dierser brave bürgerliche Mann ist, für den er sich ausgibt. Beide fühlen sich sofort voneinander angezogen und Johnny hat sowieso genug von seiner derzeitigen Freundin Garnet (Patricia Dane). Er beginnt eine Affäre mit Lisabeth und wie sich herausstellt ist seine neue Flamme sogar die Stieftochter seines Todfeindes Staatsanwalt John Benson Farrell (Edward Arnold), mit dem er noch eine Rechnung offen hat. Es war Farrell, der Johnny ins Gefängnis brachte. Farrell selbst glaubt auch nicht, dass Gangster Eager sich so gebessert haben kann, wie er alle glauben lässt. Als Farrrell von der unheilvollen Liason erfährt, befieht er Johnny Eager das Mädchen in Ruhe zu lassen. Doch Johnny hat bereits einen perfiden Plan ausgeheckt. Er inszeniert im Beisein von Lisabeth einen Zweikampf mit einem seiner Kumpane. Dort spielen die Beiden den Kampf auf Leben und Tod. Nur die Pistole, die sich in der Nähe von Lisabeth befindet, kann Johnny vor der Attacke des Angreifers retten. Das Mädchen schießt und der Mann bricht zusammen und stirbt...



Natürlich lebt dieser Tote und ist das Ass im Ärmel des Gangsters, wie er auch den Staatsanwalt dazu nötigen kann sich für seine Interessen einzusetzen. Am Ende ist es eine traurige Ansprache seines Freundes, die Johnny Eager möglicherweise zu einer Umkehr seines fiesen Komplotts bewegen kann. Mervyn LeRoys Film Noir hat kein Happyend, der Gangster stirbt in den Armen seines besten Freundes, das Mädchen wurde vorher aus ihrem schrecklichen Trauma befreit. Es ist eine faszinierende Geschichte mit tragischen Verbindungen
Heflins Oscar für den besten Nebendarsteller in diesem Film war wohlverdient. Er gibt die nuancierteste und bewegendste Darbietung des Films, die ihn viel tiefgründiger wirken lässt als die meisten Gangsterfilme dieser Art.
In dieser Darstellung deutet Heflin auch eine romantische Verbindung zwischen Jeff und Johnny an, die für den durchschnittlichen heterosexuellen Zuschauer im Jahr 1942 vielleicht noch nicht so deutlich war. Wenn wir den Film heute sehen, erkennen wir die deutlichen Anzeichen dafür, dass Jeff nicht nur ein Freund für Johnny war.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Samstag, 21. Januar 2023

Die drei Musketiere


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: George Sidney

Die Abenteuer des D´Artagnan...

Der Roman "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas wurde schon oft verfilmt. Douglas Fairbanks war als Hauptdarsteller dieser Literaturverfilmung bereits in der Stummfilmzeit erfolgreich. 1948 entstand unter der Regie von George Sidney ein farbenprächtiges Abenteuerspektakel, das über 8 Millionen Dollar einspielte und zu damit zu den 10 erfolgreichsten Filmen des Jahres wurde. 1973 und 1974 drehte Richard Lester einen Zweiteiler, der ebenfalls sehr erfolgreich wurde. Unter der Regie von Stephen Herek produzierte auch das Disney Studio eine Version mit Kiefer Sutherland und Charlie Sheen. 2011 versuchte sich Paul W. S. Anderson an einer 3 D Version und präsentierte mit Logan Lerman einen der jüngsten Darsteller für den unerschütterlichen Helden D´Artagnan.
Die beste Adaption ist sicherlich der Zweiteiler von Richard Lester, aber auch Sidneys Version hat Klasse, nicht nur weil Lana Turner die böse Mylande perfekt darstellt.
Gene Kelly spielt den jungen Gascogner D´Artagnan, der von seinem Vater nach Paris geschickt wird, um sich den elitären Musketieren des Königs (Frank Morgan) anzuschließen. König Ludwig VIII ist jedoch ein eher schwacher Monarch und dadürch wird der Staat auch von Kardinal Richelieu (Vincent Price) heimlich regiert. Der will unbedingt einen Krieg mit den Franzosen heraufbeschwören, doch noch zögert der König. Zur gleichen Zeit reitet D´Artagnon voller Elan in die Hauptstadt. Unterwegs macht er an einem Gasthof Halt, dort sieht er eine geheimnisvolle schöne Frau in einer Kutsche. Als er sich mit einem ihrer Begleiter anlegt, lässt sie ihn zusammenschlagen. Bewusstlos bleibt er liegen. Das Geld und das Empfehlungsschreiben seines Vaters an de Treville (Reginald Owen), dem Kommandanten der Musketiere, sind weg. So muss er sich ohne Referenzen de Treville vorstellen. Dieser ernennt ihm zum Kadetten. An diesem Tag geht aber auch alles schief. Er erkennt im Hof den Mann wieder, der ihn zusammenschlagen ließ und eilt wütentbrannt herunter, um sich mit diesem Mann zu duellieren. Doch er zieht sich den Ärger mit drei der fähigsten Musketiere zu: Athos (Van Heflin), Porthos (Gig Young) und Aramis (Robert Coote). Jeder von diesen Männern hat ihn zum Duell herausgefordert. Der erste Gegner ist Athos, der seine beiden Freunde Porthos und Armais als Sekundanten mitgebracht hat. Die beiden Anderen wundern sich natürlich, weil dieser dreiste Bursche D´Artagnan jeweils eine Stunde später auch mit Ihnen ein Duell bestreiten will. Als dort Richelieus Wachen auftauchen und die drei Musketiere verhalften wollen, werden sie durch D´Artagnan ein Quartett, dass nach dem erfolgreichen Fechtkampf unzertrennlich wird. D´Artagnon lernt auch die junge Constanze Bonancieux (June AllysonI kennen und lieben, eine Vertraute der Königin (Angela Lansbury). Diese hat ein heimliches Verhältnis mit dem englischen Premierminister Herzog von Buckingham (John Sutton), der von ihr ein Set von 12 Diamanten geschenkt bekommt. Diese Diamanten wiederum waren ein Geschenk ihres Mannes. Richelieu sieht in den verschwundenen Schmuckstücken um dem damit verbundenen Aufdecken der Untreue der Königin eine Chance, dass der König nun doch einen Krieg mit Frankreich beginnt, zumal der Liebhaber Engländer ist. Es liegt nun an den Musketieren den Schmuck bis zum nächsten Schloßball der Königin zu überbringen....





Und immer wieder kreuzen sich auch die Wege von D´Artagnan mit der geheimnisvollen Mylady de Winter, die eine sehr dunkle Vergangenheit verbergen muss und in den Diensten des machtbesessenen Richelieu steht. George Seaton wurde in erster Linie bekannt durch seine vielen Musicalfilme in den 40er Jahren. Er inszenierte Erfolgsfilme "Badende Venus", "Urlaub in Hollywood" oder "Mississippi Melodie". Sein Ausflug ins Abenteuerfilm-Genre mit dem Musketierfilm war äusserst erfolgreich so dass es nicht bei diesem einen Film blieb. Auch "Scaramouche, der galante Marquis" mit Stewart Granger oder "Die Thronfolgerin" mit Jean Simmons wurden Publkumserfolge. Kameramann Robert Planck bekam für seine Leistung in "Die 3 Musketiere" eine Oscarnominierung.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 28. Juli 2021

Peyton Place - Glut unter der Asche


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Mark Robson

Abgründe in der kleinen Stadt...

Nach dem Enthüllungsroman "Peyton Place" entstand 1957 der gleichnamige Film des kanadischen Regisseurs Mark Robson, der mit bereits mit  Filmen wie "Die Brücke von Toko-Ri" und "Schmutziger Lorbeer" einen Namen machen konnte. "Peyton Place" (deutscher Titel: Glut unter der Asche" wurde ein riesiger Filmerfolg in besagtem Jahr - lediglich das Kriegsepos "Die Brücke am Kwai" von David Lean hatte noch mehr Zuschauer. Insgesamt spielte der Film weltweit ca. 25 Millionen Dollar ein. Ein Teil dieses Erfolgs hatte der Film auch noch seiner Hauptdarstellerin Lana Turner zu verdanken, die zur gleichen Zeit in den Medien extrem präsent war: Ihre Tochter Cheryl hatte Turners missbräuchlichen Freund Johnny Stompanato während eines häuslichen Kampfes getötet. Das Gericht sprach das Mädchen frei, doch die Klatschpresse berichtete fleißig weiter.  "Peyton Place" ist eine fiktive Kleinstadt in Neuengland, die Geschichte spielt in den Jahren um den Zweiten Weltkrieg. Ein ruhige äussere Fassade soll aber nicht täuschen, denn hinter dieser Oberfläche gibts reichlich Skandale, einen Mord, einen fiesen Selbstmord, Inzest, häusliche Gewalt, sexueller Mißbrauch einer Minderjährigen, abtreibung, Trunksucht, uneheliche Schwangerschaft und alles wird begleitet von einer moralischen Heuchelei der Mitbürger. Diese Begebenheiten erinnern sehr stark an David Lynchs Meisterwerk "Blue Velvet" - möglicherweise wurde Lynch von der dramatischen Seifenoper "Peyton Place" enorm beeinflusst. Vielleicht hat Mark Robsons Film auch einen gewissen Einfluss auf zukünftige Produktionen in Hollywood gehabt. Die Macher entdeckten, dass das Aufbrechen von gewissen Tabus auch üppigere Kinokassen bedeutet, damit war der damalige Production Code in Frage gestellt. Die Themen wurden danach offener. Abgründe in der Kleinstadt - davon gibt es in Peyton Place mehr als genug. Der Säufer Lucas Cross (Arthur Kennedyy) hat gerade seinen Stiefsohn Paul (William Lundmark) durch seine Aggressionen und seiner Gewalt aus dem Haus vertrieben. Seine Frau Nellie (Bettie Field) arbeitet als Haushälterin für Constance "Connie" MacKenzie (Lana Turner), der das Bekleidungsgeschäft in der Stadt gehört. Die Töchter beider Familien - Allison MacKenzie (Diane Varsi) und Selena Cross (Hope Lange) sind beste Freundinnen und werden bald die Highschool mit einem Abschluß verlassen. Während die MacKenzies ein gut bürgerliches Leben mit Privilegien führen, ist die Famile Cross mittellos. In die selbe Klasse gehen auch der schüchterne und stille Norman Page (Russ Tamblyn), der attraktive Unternehmersohn Rodney Harrington (Barry Coe), dessen selbstbewusste und oberflächlich wirkende Freundin Betty Anderson (Terry Moore) und Selenas Schwarm Ted Carter (David Nelson). Sex ist ein Tabuthema für die Teenager. Sie stehen unter ständiger Beobachtung der braven, sittsamen Bürger, die nichts anderes zu tun haben, als den moralischen Kompass aufrechtzuerhalten. Es wird viel getratscht im Städtchen. Am College sollte eigentlich Miss Elsie Thornton (Mildred Dunnock) neue Rektorin werden, aber vielen passt ihre Freundlichkeit nicht. Obwohl die Lehrerin bei den Schülern extrem beliebt ist, wird für diesen Posten ein Mann von ausserhalb vorgezogen. Aber auch der neue Rektor Michael Rossi (Lee Philips) ist ein liberaler Geist, der sogar Sexualkundeunterricht an der Schule einführen will. Das geht den braven Bürgern aber dann doch zu weit. Der gute Geist der Stadt ist der Mediziner Dr. Matthew Swain (Lloyd Nolan), dem später noch eine Schlüsselrolle in der Geschichte zuteil wird. Aber vorerst laufen die Uhren im beschaulichen Städtchen noch sehr ruhig, obwohl es bereits brodelt...





"Glut unter der Asche" ist Soap, aber ein sehr gut gespielte, zu keiner Zeit kommt in den 157 Minuten Laufzeit Langeweile auf, denn immer passiert etwas. Grandios ist die Kameraarbeit von William C. Mellor, der einige Jahre früher für seine Leistung in George Stevens "Ein Platz an der Sonne" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Auch sein zweiter Oscar hatte er Stevens und dem Film "Das Tagebuch der Anne Frank" zu verdanken. Für die wunderbaren idyllischen Bilder in "Peyton Place" wurde er immerhin nominiert. Insgesamt kam der Film auf 9 Nominierungen, doch am Abend der Oscarverleihung konnte kein einziger Sieg eingefahren werden. So gingen die Darsteller Lana Turner, Russ Tamblyn, Arthur Kennedy, Diane Varsi, Hope Lange (sie waren alle nominiert) sowie Kameramann Mellor, Regisseur Robson und  Drehbuchautor John Michael Hayes leer aus. Auch als "bester Film" hatte Producer Jerry Wald das Nachsehen - der Sieg ging an "Die Brücke am Kwai. 






Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Samstag, 17. Juli 2021

Stadt der Illusionen


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Vincente Minelli

Die Traumfabrik....

"Stadt der Illusionen" (Originaltitel: The Bad and the Beautiful" aus dem Jahr 1952 ist einer der erfolgreichsten Filme von Regisseur Vincente Minelli (Der unbekannte Geliebte, Vater der Braut, Ein Amerikaner in Paris, Brigadoon, Anders als die Anderen, Vincent van Gogh, Gigi, Verdammt sind sie alle). Das Portrait eines eigenwilligen, dynamischen Hollywood-Produzenten, der beinahe über Leichen geht, spielte fast 4 Millionen Dollar ein und erhielt bei der Oscarverleihung 1953 mit fünf Auszeichnungen (Nebendarstellerin Gloria Grahame, Kostüme, Kamera Robert Surtees, Ausstattung Cedric Gibbons, Drehbuch Charles Schnee) die meisten Trophäen überhaupt. Lediglich der nominierte Hauptdarsteller Kirk Douglas musste sich von Gary Cooper in "Zwölf Uhr Mittags" geschlagen geben.
Minelli verwendete in Bezug auf seine Filme häufig die Wörter "beauty" oder "magic" - er glaube mehr an Schönheit als an Kunst, wie einmal ein Filmkritiker seine Arbeit beschrieb. Die Zuschauer sollten über die Filmbilder ins Staunen kommen - in Technicolor kam das Alles noch besser und schöner zur Geltung.
In der ersten Szene der Produktionsleiter Harry Pebbel (Walter Pidgeon) drei etablierte Hollywood Größen zu sich ins Büro. Es sind Filmstar Georgia Lorrison (Lana Turner), der Regisseur Fred Amiel (Barry Sullivan) und der Autor James Lee Bartlow (Dick Powell). Harry erzählt dem Trio, dass der bankrotte Filmproduzent Jonathan Shields (Kirk Douglas) wieder aktiv ist und eine Idee für ein gemeinsames Projekt hat.
Die erste Reaktion ist eine deutliche Ablehnung und im Laufe des Films wird in drei Rückblicken die Vergangenheit aufgerollt. Jeder von ihnen hat schlechte Erfahrungen mit dem skrupellosen Produzenten gehabt. Fred Amiel beispielsweise kann sich an die Anfänge erinnern, als Jonathan und er gemeinsam für Pebbel Billighorrorfilme drehten. Die spielten ganz gutes Geld ein und so kam es zur Idee einen gemeinsamen Film mit weitaus größerem Budget zu drehen. Pebbel ist zuerst nicht angetan, doch dann gefällt ihm die Idee. Nur leider ist für Fred kein Platz mehr auf dem Regiestuhl, denn dieses kostspielige Projekt braucht einen Regisseur von Rang und Namen wie Von Ellstein (Ivan Triesault). Auch Georgia ist durch Shields zum Star geworden, aber er hat ihr die große Liebe vorgespielt, damit sie durchhält und vom Alkohol wegkommt - nun am Abend nach der erfolgreichen Premiere betrügt er sie mit der attraktiven Lila (Elaine Stewart). Auch Bartlow kam durch ihn nach Hollywood, doch auch er zahlte für diese Zusammenarbeit einen hohen Preis. Um Bartlows besitzerfreifende und extrem aktive Frau Rosemary (Gloria Grahame) von ihm zu trennen, damit dieser in Ruhe sein Drehbuch schreiben kann, hat er den Schauspieler Victor Ribera, genannt "Gaucho" (Gilbert Roland) beauftragt mit der Dame auszugehen und natürlich auch zu flirten. Ein unvorhergesehener Unglücksfall ereignet sich gleich nach Beendigung von Barltlows Arbeit. Also haben alle drei keine Lust jemals wieder mit Shields zu arbeiten....
 

 

Doch die letzte Szene, als er anruft, zeigt die Inkonsequenz der drei Protagonisten. Sie hören das Gespräch zwischen Shields und Rebbel mit und nicken wohlwollend. Minelli gewährt dem Publikum einen Blick in die "Stadt der Illusionen". Dem Erfolg und dem Ruhm wird sehr vieles untergeordnet. Natürlich wurde damals diskutierte, welchen echten Hollywood Legenden durch die Charaktere des Films repräsentiert werden. Die meisten tippten auf David O. Selznick, er hatte auch den Ruf ein rücksichtsloser Produzent zu sein. Andere nahmen an, dass die Figur Jonathan Shields eine Mischung aus Orson Welles, Selznick und Val Newton wäre. In der Figur des Von Bellheim erkannten einige Erich von Strohheim oder auch Josef von Sternberg. Die fünf Oscars hat der Film tatsächlich verdient. Alle Darsteller agieren hervorragend.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Samstag, 21. Mai 2016

Im Netz der Leidenschaft

























Regie: Tay Garnett

Wenn der Postmann zweimal klingelt...

Der US-amerikanische Kriminalroman "Wenn der Postmann zweimal klingelt" von James M. Cain aus dem Jahr 1934 wurde bereits siebenmal verfilmt. 1939 versuchte es der Franzose Pierre Chenal mit "Le dernier tournant" erstmalig. Aber erst Luchino Visconti mit seiner italienischen Version "Ossessione" schaffte den Welterfolg. Es folge Tay Garnetts Film Noir "Im Netz der leidenschaften" aus dem Jahr 1946. 35 Jahre später konnte dank der Promotion und der Darsteller Jack Nicholson und Jessica Lange auch Bob Rafelson ein Riesenerfolg damit verzeichnen. Die weiteren Verfilmungen waren weniger bekannt. Auch wenn der deutsche Film "Jerichow" mit Benno Führmann und Nina Hoss doch gute Kritiken erntete und für den deutschen Filmpreis als bester Film des Jahres nominiert wurd.
Beste Verfilmung ist und bleibt aber "Ossessione" - aber auch Tay Garnetts Film hat so seine Reize. Es wurde auch neben "Das Haus der 7. Sünden" und "Die Entscheidung" Garnetts erfolgreichster Film.
"Im Netz der Leidenschaft" ist auch die Geschichte von Frank und Cora. Frank Chambers (John Garfield) ist ein attraktiver Herumtreiber, der weder an einem festen Wohnsitz noch an einer festen Arbeit interessiert ist. Er reist seit langer zeit per Anhalter durch Kalifornien, wenn er mal wieder etwas Geld braucht, dann jobbt er einige Tage und reist dann wieder weiter. An einem Diner names Twin Oaks, irgendwo im Hinterland, sieht er das Schild "Man wanted" und lässt sich dort von dem Fahrer absetzen, der ihn ein Stück weit mitgenommen hat. Er steigt aus, der Mann fährt weiter und wird von einem hinterherfahrenden Polizisten angehalten. Doch er darf sofort weiterfahren, denn der Mann am Steuer ist der bekannte Staatsanwalt Kyle Sackett (Leon Ames). Dann wird er von dem Besitzer des Diners Nick Smith (Cecil Kellaway) freundlich begrüßt, denn der braucht ganz dringend einen Mann, der tatkräftig mit anpackt. Er kriegt natürlich den Job und dort trifft er die sehr junge, attraktive Cora (Lana Turner). Zu seiner Überraschung stellt sich heraus, dass Cora mit dem älteren Nick verheiratet ist. Es ist gleich fasziniert von der lasziven Blondine. Irgendwie funkt es da auch gleich zwischen den Beiden. Und Cora versucht sogar ihren Nick zu überzeugen, dass er Frank wieder entlassen soll. Dieser denkt aber nicht daran und lässt die beiden sogar in seinem Beisein miteinander tanzen. Bei einem gemeinschaftliche nächtlichen Bad im Meer kommen sich die beiden näher, Cora schafft es nicht mehr Frank abzuwehren - und schon ist eine heimliche erotische Liason am Laufen. Unbemerkt von dem ahnungslosen und naiven Nick. Bald entsteht der Plan Nick aus dem Weg zu räumen. Coras Plan sieht vor, Nick umzubringen, während er ein Bad nimmt. Man will das alles als Unfall vortäuschen, aber der erste Plan misslingt...


Was die Liebenden aber nicht davon abhält das Vorhaben ein zweites Mal zu versuchen. Dabei kommt ihnen natürlich der Staatsanwalt in die Quere, aber mit dem windigen Anwalt Arthur Keats, gespielt von Hume Cronyn, taucht auch ein kluger Gegenspieler auf. Was alles so nach dem missglückten Unfall passiert, ist natürlich eine Dynamik der überraschenden Zufälle und Wendungen. Dies macht den Film bis zuletzt sehr interessant. Erwähenswert auch die guten Darsteller in den Nebenrollen wie Cecil Kellaway, Leon Ames und Hume Croyn. Lana Turner ist natürlich bestens besetzt als Femme Fatale, die aus ihrem Alltagstrott ausbrechen will und Höhen und Tiefen mit der fatalen Beziehung zu Frank erlebt. Anfangs noch zögernd, wird sie später die Triebfeder des mörderischen Handlens sein. Ein bisschen erinnert die Geschichte natürlich auch an Billy Wilders großen "Frau ohne Gewissen" - diese Klasse erreicht Tay Garnetts Genrebeitrag natürlich nicht. Dennoch gilt der Film zurecht als sehr guter Film Noir, auch wenn der Inszenierungsstil nicht so dunkel und düster wirkt wie sonst bei der schwarzen Serie. Die Ironie des Schicksal ist dabei das große Leitmotiv des Films. Immer wieder ist erkennbar, dass das Schicksal die Oberhand in der Geschichte behält, denn die vielen Zufälle, die sich einschleichen, sind schon auffällig hoch. Am Ende steht die Gerechtigkeit, aber auch die Gewissheit einer großen - fatalen - Liebschaft.


Bewertung. 8 von 10 Punkten.