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Freitag, 13. Februar 2026

Napoleon vom Broadway













Regie: Howard Hawks

Der Impresario und sein Star...

Howard Hawks frühe Screwball-Komödie "Napoleon vom Broadway" (Originaltitel: Twentieth Century) aus dem Jahr 1934 ist eine egozentrische und fiese Pygmalion Variante mit sehr viel Wortwitz. John Barrymore erhielt für die zweiwöchigen Dreharbeiten eine gute Gage von 50.000 Dollar und für seine Partnerin Carole Lombard wer der Film sozusagen das Sprungbett zum großen Filmstar.  Sie konnte hier erstmals ihr Talent für Komödie zeigen und gewann mit ihrer Darstellung der zunächst etwas naiven und emotionalen Lily Garland gute Kritiken. Gemeinsam mit dem Oscarpreisträger "Es geschah in einer Nacht", der kurze Zeit später ebenfalls von Columbia in den Verleih gebracht wurde, war Hawks Film der Prototyp dieses neuen Genres, das sich bis Ende der Dekade größter Popularität erfreute.  Im Mittelpunkt standen meist exzentrische Charaktere, die ihre oft haarsträubenden Probleme und Neurosen in exzessiven Dialogen ausleben. In "Napoleon vom Broadway" sogar in einer genialen Überdosierung, denn beide Hauptfiguren sind hinreißend komische Egomanen der Eitelkeit, für beide ist die Realität sehr oft auch die große Bühne.  Mit ‚Napoleon vom Broadway‘, in dem ein wie aufgedreht durch die Szenerie tobender John Barrymore als exzentrisch-egomanischer Theater-Maestro nach Herzenslust sein overactingbetreiben konnte, bewies Hawks, nach Jahren der Arbeit an dramatischen Stoffen, daß er auch eine Hand für leichtgewichtige Slapstick-Komödie mit screwball comedy-Elementen besaß. Der Film entstand vor dem Hays Code.Ben Hecht und Charles MacArthur adaptierten ihr gleichnamiges Broadway-Stück von 1932. Der überschwängliche Broadway-Impresario Oscar Jaffe (John Barrymore) nimmt das unbekannte Dessousmodel Mildred Plotka (Carole Lombard) unter seine Fittiche und macht sie zum Star seines neuesten Stücks – trotz der großen Bedenken aller Beteiligten, darunter seiner beiden leidgeprüften Assistenten, des Buchhalters Oliver Webb (Walter Conolly) und des ständig angetrunkenen Owen O'Malley (Roscoe Karns). Durch intensives Training formt Oscar aus seiner Schülerin die Schauspielerin "Lily Garland“, und sowohl sie als auch das Stück werden ein durchschlagender Erfolg. Am Premierenabend, nach ihrem Triumph, kommt er in ihre Garderobe, um sich demütig für sein Verhalten ihr gegenüber zu entschuldigen. Wie geplant, fällt sie ihm in die Arme und fleht ihn an, sie nie zu verlassen. Sie werden ein Paar. Drei Jahre später hat ihre Partnerschaft drei weitere Kassenschlager hervorgebracht, und Lily gilt als Ausnahmetalent. Als Paar sind sie berühmt – oder berüchtigt – für ihre spektakulären Auseinandersetzungen. Lily versucht, die berufliche und private Beziehung zu beenden, da sie Oscars Eifersucht und seine Kontrolle über jeden Aspekt ihres Lebens nicht mehr erträgt. Oscar redet ihr das aus und verspricht, in Zukunft vertrauensvoller und weniger kontrollierend zu sein. Stattdessen engagiert er heimlich eine von McGonigle geleitete Detektei, die sie auf Schritt und Tritt überwacht, sogar ihr Telefon abhört. Als sie es herausfindet, ist das Maß voll; sie geht nach Hollywood und wird schnell ein gefeierter Filmstar. Ohne Lily produziert Oscar einen Flop nach dem anderen. Nach einer solchen Enttäuschung muss er sich verkleiden, um einer Gefängnisstrafe wegen seiner Schulden zu entgehen und den luxuriösen 20th Century Limited Express von Chicago zum Grand Central Terminal in New York City zu besteigen. Zufällig steigt Lily an einem späteren Halt mit ihrem Freund George Smith (Ralph Forbes) zu. Nach einigem Zögern sieht Oscar seine Chance, sein Vermögen wiederherzustellen und seine Beziehung zu Lily zu retten. Oscar bringt George dazu, sich von Lily zu trennen, indem er enthüllt, dass er einst ihr Liebhaber war. Da er weiß, dass Lily ihm eine letzte Chance auf beruflichen Erfolg bietet, schmiedet Oscar einen Plan, um sie dazu zu bringen, einen Vertrag mit ihm zu unterschreiben. Er erzählt ihr von seinem Wunsch, sie solle Maria Magdalena in seinem neuen Passionsspiel spielen, und beschreibt ihr die Rolle: „Sinnlich, herzlos, aber wunderschön. Sie durchläuft alle Höhen und Tiefen, vom Elend bis zum Ruhm. Kannst du sie dir vorstellen, Lily? Und er schafft es tatsächlich aufgrund einer inszenierten Sterbeszene, dass seine Ehemalige nicht bei seinem Konkurrenten Max Jacobs (Charles Lane) unterschreibt, sondern bei Ihm....







Beide Darsteller ziehen hier sämtliche Register und am Ende steht sie wieder bei Ihm auf der Bühne und wie am Anfang ihrer Karriere hat er an ihren Proben viel auszusetzen und zeichnet mit Kreide die Schrittfolge auf, die sie zu gehen hat. 
Als psychiatrisch auffälliger Milliardär ist der britische Darsteller Etienne Girardot eine weitere Bereicherung in dem exzellent aufgelegtem Ensemble. leider war dem Film kein großer Kassenerfolg beschieden. Heute ist die Qualität unbestritten, es ist und bleibt einer der köstlichsten Filmkomödien aller Zeiten. 









Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Montag, 12. Februar 2024

Ein Mädchen vom Lande


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: George Seaton

Die Krise des Künstlers...

Die bekanntesten Filme des Produzenten, Autor und Regisseur George Seaton sind "Das Wunder von Manhattan" aus dem Jahr 1947 und der Blockbuster "Airport", der 1970 die Kinos eroberte. Er erhielt in seiner aktiven Zeit zwei Oscars in der Kategorie "Bestes Drehbuch". Den ersten Oscar konnte er für seine Leistung in "Das Wunder von Manhattan" entgegen nehmen, den zweiten gewann er für sein Skript für seinen 1954 inszenierten Film "Ein Mädchen vom Lande".
Neben den beiden Oscarpreisträgern William Holden und Bing Crosby wurde auch die junge Grace Kelly engagiert, die bereits das Publikum als Amy Fowler in "12 Uhr Mittags" begeisterte und schon eine überraschende Oscarnominierung für John Fords "Mogambo" vorweisen konnte. Am Ende gewann sie den Oscar als "Country Girl", obwohl sie in diesem Jahr zwei weitere hervorragende Rollen in den Hitchcockfilmen "Das Fenster zum Hof" und "Bei Anruf Mord" spielte. Aber da die meisten Mitglieder der Academy Schauspieler sind, werden auch in aller Regel "Dramen" und "Schauspielerfilme" bevorzugt. Filme, bei denen der Akteur sein Können durch sämtliche gezeigte Emotionen unter Beweis stellen kann. Bei "Das Mädchen vom Lande" kommt auch noch der Vorteil zum Tragen, dass er eine Geschichte über einen Schauspieler beinhaltet, der Schicksalsschläge erleiden musste und nun in der Krise seines Lebens steckt.
In einem Theater finden Vorsingen für eine neue Musicalproduktion mit dem Titel „The Land Around Us“ statt. Regisseur Bernie Dodd (William Holden) sieht sich eine Nummer des verblassenden Stars Frank Elgin (Bing Crosby) an und schlägt vor, ihn für die Hauptrolle zu besetzen. Dies stößt bei Philip Cook (Anthony Ross), dem Produzenten der Show, auf heftigen Widerstand. Bernie besteht jedoch auf dem unglücklichen Frank, der mit seiner Frau Georgie (Grace Kelly) in einer bescheidenen Wohnung lebt. Sie sind dankbar für die Gelegenheit, obwohl sie nicht ganz sicher sind, ob Frank die Arbeit bewältigen kann. Obwohl Frank so tut als sei alles bestens, ist er ein chronischer Alkoholiker. Zunächst lässt Frank Bernie glauben, dass Georgie der Grund für den Niedergang seiner Karriere ist, was dazu führt, dass Bernie ihr fälschlicherweise die Schuld für alles gibt, was während der Proben passiert. Was er nicht weiß, ist, dass der wahre Grund für das Ende von Franks Karriere seine Unsicherheit ist. Als vor einigen Jahren ihr fünfjähriger Sohn Johnny in Franks Obhut von einem Auto überfahren wurde, war er am Boden zerstört. Aber Bernie glaubte auch Franks Geschichte, dass Georgie schon einen Selbstmordversuch hinter sich hat und Trinkerin ist.  Frank nutzt den Tod seines Sohnes teilweise als Vorwand, um seine Unsicherheit zu vertuschen  und wurde so zu einem selbstmörderischen Alkoholiker. Als Bernie die Wahrheit erfährt, ist er gedemütigt und erkennt, dass hinter seinem Hass auf Georgie eine starke Anziehungskraft auf sie steckt. Sein Zorn verfliegt und er küsst sie. Sie sagt ihm, dass das nicht bedeute, dass sich etwas geändert habe und er sich nur keine Hoffnungen machen muss. Franks Auftritt am Eröffnungsabend ist aller vorherigen Widrigkeiten zum Trotz ein Erfolg. Anschließend fordert er von Cook Respekt, der ihm und seiner Frau vor der Eröffnung nicht entgegengebracht wurde. Zuvor hatte Georgie gesagt, wenn Frank nur auf eigenen Beinen stehen könnte, könnte sie ihn vielleicht verlassen. Auf einer Party zur Feier der Premiere des Stücks glaubt Bernie, dass Georgie Frank tatsächlich für ihn aufgibt, und sagt ihr, dass er sie liebt. Später erzählt  Frank den beiden Menschen, die ihn in dieser Krise beigestanden habe, dass er ihre sehnsüchtigen Blicke bemerkt hat. Kurz darauf verlässt Frank die Party. Gleich im Anschluß verabschiedet sich Georgie von Bernie. der ihr zum Abschied sagt, dass er eine loyale Frau zu schätzen weiß. Sie küsst ihn leicht und geht. Er geht zum Fenster und sieht hinaus. Georgie läuft schnell, damit sie Frank einholt. Gemeinsam laufen sie die Straße weiter...



"Das Mädchen vom Lande" ist natürlich ein typischer Theaterfilm und ist voll von zwischenmenschlichen Gefühlen und Dramatik, Die Schlußszene ist grandios, dieses Geschehen rundet natürlich die klasse Darbietung von Grace Kelly optimal ab. Ein Mädchen mit Charakter und Treue - eher ein Wunschtraum in diesem Metier, in dem die Geschichte spielt. Neben dem Oscargewinn von Grace Kelly und Drehbuchautor Seaton gab es noch weitere Nominierungen für den Film: Bester Film, beste Regie, bester Darsteller Bing Crosby, beste Art Directon und beste Kamera (John F. Warren)



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 20. Februar 2020

Die goldene Karosse

Regie: Jean Renoir

Auf der Bühne...

Die Commedia dell´arte entwickelte sich in Italien im 16. Jahrhundert aus traditionellen Zusammenschlüssen von Jahrmarktskünstlern. Diese Gruppen spielten zuerst meistens als Bauern verkleidet und im Paduanischen Dialekt an den Jahrmärkten vor dem Volk. Durch ihre Beliebtheit durften sie auch in den Höfen des Adels auftreten. Die Commedia Dell´arte erlebte ihren Höhepunkt im 17. Jahrhundert und fand ihr Ende im 18. Jahrhundert. Von ihren beiden Hochburgen Venedig und Neapel eroberten sie die ganze Welt und meistens agierten diese Künstler im Familienverbund, die natürlich auch zum Zweck des Gelderwerbs auftraten und sich somit ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Einnahmen wurden natürlich untereinander geteilt. Auch Frauen durften auf der Bühne spielen - dies war zu dieser Zeit lediglich den singenden Damen in der Oper erlaubt. Die Commedia dell´arte dient dem Schauspieler und seinem Ensemble, sie strebt eine große Wirkung durch die gespielten Szenen an. Es werden Masken und Typen dargestellt und pfeift auf die Moral. Die Geschichten sollen Spaß und Freude machen und sind nie belehrend.
Jean Renoir hat diesen Künstlern und diesem lebendigen Theater mit dem Film "Die goldene Karosse" aus dem Jahr 1952 ein bleibendes Denkmal gesetzt. Die Hauptdarstellerin Anna Magnani zeigt als vitale Schauspielerin Camilla eine ihrer schönsten Rollen überhaupt. Francois Truffaut schwärmte von Renoirs Film und bezeichnete ihn als einen der edelsten und raffiniertesten Kinofilme, die jemals gedreht wurden.
"Die goldene Karosse" wurde in Cinecitta in Rom gedreht, die Musik von Antonio Vivaldi kommt dabei zum Einsatz. Für die Kinematographie war Claude Renoir, Neffe des Regisseurs, verantwortlich. Da sher viele Akteure aus englischsprachigen Darstellern bestand, drehte Renoir seinen Film in englischer Sprache.
Die Handlung der Geschichte führt den Zuschauer nach Südamerika des 18. Jahrhunderts. In einer eher abgelegenen peruanischen Stadt herrscht der Vizekönig Ferdinand (Duncan Lamont). Als Symbol für die Macht Spaniens hat sich Ferdinand eine prächtige goldene Kutsche aus Europa anfertigen lassen, die nun mit dem Schiff angekommen ist. Gleichzeitig an Bord war auch eine Commedia dell arte Gruppe aus Italien, die sich aus Männern, Frauen und Kindern zusammensetzt und von Don Antonio (Oboardo Spadaro) angeführt wird, der auf der Bühne den Pantalone verkörpert. Die Rolle der Columbina spielt die Schauspielerin Camilla (Anna Magnani). Sie ist etwas skeptisch wegen dem Publikum und fragt sich wie sie diese Menschen für sich gewinnen soll, wenn die Gruppe ihre Stücke in Italienisch aufführen. Eine Sprache, die die Peruaner nicht sprechen. Ihr Herz gehört dem spanischen Offizier Felipe (Paul Campbell), der mit der Gruppe mitreist. Doch bereits bei der Premiere auf den neuen Kontinent entfacht das Vollblutweib das Feuer des zuschauenden Toreros Ramon (Riccardo Rioli). Sie lässt ihn jedoch zappeln. Dann wird Vizekönig Ferdinand auf die Schauspieler aufmerksam und es erfolgt eine Einladung eine Einladung an den Hof. Auch der Vizekönig erliegt dem Charme der Schauspielerin und liegt ihr zu Füßen. So sehr, dass er ihr Geschenke macht und am Ende sogar ein extrem wertvolles: Er schenkt Camilla die goldene Kutsche, was dann aber zum riesigen Politikum wird. Denn der Adel muckt auf und probiert den Aufstand gegen den Herrscher. Auch die Kirche wird auf deren Seite gezogen. Damit hat Ferdinand nicht gerechnet und er will die Schenkung rückgängig machen...





Am Ende jedoch ist es Camilla, die mit einer überraschenden Entscheidung für die Lösung des Konflikts sorgt, der einige Akteure fast an den Galgen gebracht hätte. Ihr wird auch klar, dass sie zwar drei Männer gleichzeitig liebt, aber die größte Liebe dem Theater gehört. Renoir schafft es federleicht in diesem Film die Bühne mit der Wirklichkeit zu verbinden. So hat die reale Geschichte der Camilla ganz große Ähnlichkeit mit den Aktionen auf der Theaterbühne. Das Theaterspiel und das reale Leben gehen ineinander über oder heben sich gegenseitig auf. Am Ende entscheidet sich die Vollblutschauspielerin für ihr Metier und verzichtet auf Liebe, Macht und Ruhm. Für mich ist "Die goldene Karosse" einer der besten Filme von Jean Renoir - sowohl was den Inhalt als auch die grandiose formale Gestaltung angeht.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 23. Juni 2018

Unter falschem Verdacht

























Regie: Henri Georges Clouzot

Ein Fall für Inspektor Antoine

Während der Besatzung Frankreichs drehte Henri-Georges Clouzot sein frühes Meisterwerk "Der Rabe" - dies führte dazu, dass der Regisseur nach Ende des 2. Weltkriegs mit einem Berufsverbot belegt wurde. Ihm wurde zu enge Zusammenarbeit mit dem Feind unterstellt. Nach 2 Jahren wurde dieses lebenslang verhängte Verbot aufgelöst und so konnte Clouzot 1947 einen weiteren sehr interessanten französischen Film Noir realisieren. "Quai des Orfevres" bekam den deutschen Titel "Unter falschem Verdacht" und spielt im Theatermilieu. Er wurde 1947 ein riesiger kassenhit im Heimatland, der 5,5 Millionen Zuschauer in die Kinos zog.
Clouzot schrieb auch das Drehbuch, dass auf den Roman "Legitime defense" von Stanislas-Andre Steeman basierte. Die Atmosphäre kann man auch als etwas morbid bezeichnen, daher sind Ähnlichkeiten mit "Der Rabe" sehr schnell erkennbar.
Es gibt auch einen interessanten Einblick in die Polizeiarbeit dieser Jahre, die wird von Clouzot sehr ungeschminkt geschildert - die Männer vom Polizeipräsidium in Paris, das am Quai des Orfebres liegt, sind knallhart und ihre Methoden sind aus heutiger Sicht extrem gewalttätig. Auch Inspektor Antoine (Louis Jouvert), der im Laufe der Geschichte mit dem Mordfall Brignon betraut wird, agiert bei den Verdächtigen mit harten Bandagen. Doch privat ist der Kriminalbeamte viel weicher, er kümmert sich rührend um seinen dunkelhäutigen Adoptivsohn.
Doch bevor er die Szene betritt, beginnt Clouzots Film im Theatermilieu und der Zuschauer lernt die eher unfreiwillige Femme Fatale Jenny Lamour (Suzy Delair) kennen, die eigentlich Marguerite Martineau geborene Chauffunier heißt und mit dem eher stillen und sanftmütigen Pianisten Maurice (Bernard Blier) verheiratet ist. Maurice hat aber eine große Schwäche: Er ist irre eifersüchtig und spricht damit seiner treuen Frau oft das Misstrauen aus, weil er glaubt, dass sie ihn betrügen könnte. Die beiden leben aber ansonsten ganz glücklich in Paris. Ganz nah bei der Fotografin Dora Monnier (Simone Renant) , die Maurice seit ihrer Kindheit kennt und auch jetzt eine gute Freundin des Ehepaars ist. Ganz heimlich hat sie aber auch Gefühle für Maurice, doch lässt sich nichts anmerken. Oder vielleicht sogar eher für Maurices Frau Jenny. Aber wer weiß das schon. Die Dialoge mussten ja damals allesamt durch die strenge Zensur.
Immer wieder lässt sich auch der reiche bucklige Machtmensch Brignont (Charles Dullin) in Doras Atelier sehen. Und immer begleitet von ganz jungen Mädchen, die sich prostituieren. Er verlangt von den jungen Frauen, dass sie sich nackt ablichten lassen. Und sicherlich auch mehr...er hat einen zweifelhaften Ruf, aber er hat auch großen Einfluss im Filmgeschäft. Auch Jenny, die Karriere machen will, kennt Brignon und erhofft sich von ihm ein Engagement beim Film, weil man dort viel mehr verdienen kann als beim Theater. Da sie weiß wie eifersüchtig Maurice werden kann, verheimlicht sie das Rendezvous mit Brignon. Doch Maurice bekommt Wind davon und macht Brignon und seiner Frau im Restaurant eine wütende Szene und droht damit ihm beim nächsten Mal umzubringen. Jenny ist aber unverbesserlich und will sich ein weiteres Mal mit Brignon treffen. Wieder bekommt Maurice Wind davon und er fährt mit dem Auto zu Brignons Haus. Dort angekommen findet er dessen Leiche...



Und es wird nicht einfach sein, diesen verzwickten Mordfall zu klären. Denn es passieren einige unvorhergesehene Dinge. So wird beispielsweise in der gleichen Nacht auch noch Maurices Auto gestohlen. Der Inspektor lässt aber nicht locker, er will den Fall so schnell wie möglich aufklären. Sehr schnell macht er Maurice auch als Hauptverdächtigen aus. Clouzot führt darüberhinaus den Zuschauer ins nächtliche Paris der Varietes und der Nachtclubs. Es herrscht reges Leben in der Metropole und in der Nacht treffen sich im Mileu die Sänger, Artisten, Musiker und auch einige kriminelle Elemente. Leider ist "Auf falschem Verdacht" trotz seiner damaligen Popularität heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Das liegt sicherlich daran, dass er auch vom Fernsehen vernachlässigt wurde. Er ist zwar nicht ganz so stark wie "Der Rabe", aber erweist sich durch seine klasse Machart dennoch als ausgezeichneter Genrebeitrag, der es verdient hat heute wieder neu entdeckt zu werden.




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 8. Februar 2017

Kinder des Olymp




















Regie: Marcel Carne

Zeit und Vergänglichkeit...

Die Galerie, der höchste Rang im Zuschauerraum wurde früher auch "Olymp" genannt. Im 18.19. Jahrhundert waren es die billigsten Plätze, so dass auch arme Leute sich das Vergnügen leisten konnten ins Theater zu gehen. Dort oben tummelten sich Jugendliche, Dienstboten oder Soldaten. Ihre Reaktionen auf die Darbietungen waren auch gefürchtet, denn sie scheuten sich nicht die Aufführungen auf der Bühne lautstark zu kommentieren. Ironischerweise also saß die niedrigste soziale Schicht ganz oben in diesem Olymp - in Frankreich hieß dieser Rang "Paradis". Marcel Carnes Meisterwerk heißt "Kinder des Olymp" (Les Enfants du paradis) und ist genau diesem Galeriepublikum gewidmet.
Die Arbeiten an dem Film dauerten 18 Monate und fanden zwischen 1943 und 1945 statt. Es war eine der größten Herausforderungen des französischen Films im besetzten Frankreich die größten Studiobauten zu errichten. Schließlich wollte man das Pariser Theaterviertel der Jahre 1830 bis 1840 so authentisch wie möglich zeigen. Transportmittel, Material, Kostüme und Filmmaterial war äusserst knapp - man musste ständig improvisieren. Der hervorragende Ausstatter Alexandre Trauner und auch Komponist Joseph Kosma mussten im Verborgenen arbeiten, denn als Juden waren sie gezwungen unterzutauchen. Heraus kam ein überwältigendes Leinwand-Opus, das mit seinem Produktionsetat von 60 Millionen Francs einer der teuersten Filme des französischen Nachkriegskinos wurde. Die Uraufführung fand einige Monate nach der Befreiung am 9. März 1945 statt. Obwohl die Hauptdarstellerin Arletty als Kollaborateurin mit den Nazis in Haft kam (sie hatte eine Affäre mit einem deutschen bekannten deutschen Luftwaffenoffizier), wurde sie mit dieser Rolle zur unsterblichen Leinwandlegende.
Die Handlung beginnt 1827 - Frankreich wird regiert von Bürgerkönig Louis-Philippe. Das Volk von Paris ist theaterverliebt. Auf dem Boulevard du Temple, die Straße, die den Spitznamen "Boulevard du Crime" hat,  herrscht reges Leben, es ist Jahrmarkt. Und das Volk schaut vergnügt dem schwierigen Balanceakts eines Seiltänzers zu. Dieses Bild ist vielleicht auch gleichzeitig Symbol für ein Hauptmotiv des Films, denn er deutet hin auf den gefahrvollen Gang des Individuums auf einem ganz schmalen Pfad, den man Schicksal nennt. Die Straße ist beinahe ein Ebenbild des Theaters Funambules, nur hat sie ihren Spitznamen nicht nur aufgrund der zahlreichen Mordszenen aus melodramatischen Stücken, die dort aufgeführt werden, sondern vor allem Nacht geht es auf dem Boulevard und in den Kneipen sehr gefährlich zu. Diebstahl, Totschlag oder gar Mord sind keine seltenheit. Baptiste Debureau (Jean-Louis Barrault) ist ein melancholischer Träumer und arbeitet mit Begeisterung und völliger Hingabe als Pantomine im "Funambules". Auf dem Jahrmarkt kann er der schönen Garance (Arletty) aus der Patsche helfen, als sie unschuldig des Diebstahls einer Geldbörse bezichtigt wird. Als Dank schenkt sie ihm eine Blume. Ab da ist es um den jungen Mann geschehen, er liebt plötzlich. Zur gleichen Zeit will der extrovertierte Narzist Frederic Lemaitre (Pierre Brasseur) als Charakterdarsteller am großen Theater mit Stücken von Shakespeare berühmt werden. Doch er hat noch kein Engagement. Er kann aber im Funambules arbeiten - vorausgesetzt er akzeptiert die Rolle eines Löwen. So zwängt er sich in ein komisches Köstüm und schnuppert erstmalig Theaterluft. Auch er hat die unwiderstehliche Garance auf dem Jahrmarkt gesehen, mit ihr geflirtet - aber einen liebevollen Korb erhalten. "Darf ich sie wieder sehen ?" fragt er und bekommt als Antwort "Warum nicht ? Paris ist doch so klein für zwei Liebende wie wir" und tatsächlich trifft er sie ein zweites Mal. "Liebe ist so einfach" - so sagt Garance und nimmt das Leben leicht. Sie verkehrt mit dem verhinderten Schriftsteller Pierre Francois Laceinaire (Marcel Herrand), der die Frau ebenfalls begehrt. Als Intellektueller und Anarchist leistet er sich aber auch noch den Nervenkitzel  Krimineller zu sein und schreckt auch mit seinem Kumpanen Avril (Fabien Loris) nicht vor dem Morden zurück. Nathalie (Marie Casares), die Tochter des Theaterdirektors (Marcel Peres) liebt Baptiste, bemerkt aber, dass dessen Herz für eine andere schlägt. Tatsächlich bekommt der schwärmerische Baptiste den Moment Garance zu lieben, doch er verlangt mehr....alles und auf ewig. Er muss zusehen, wie Frederic mit Garance eine Affäre beginnt. Doch die Beziehung hält nicht lange. Garance trifft auf den reichen Grafen von Monterey (Louis Salou) und verlässt Paris. Nach vielen Jahren kehrt sie nach Paris zurück und erkennt, dass auch sie nie aufgehört hat, den sensiblen Baptiste zu lieben. Der ist inzwischen mit Nathalie verheiratet, das Paar hat einen kleinen Sohn. Nun beginnt sich das Liebeskarussel erneut zu drehen..





am Ende des Films verfolgt Baptiste Garace, die im Gewühl des Straßenkarnevals nicht mehr zu finden ist. Vielleicht das schönste Filmende überhaupt - melancholisch, viel süßer Schmerz und vor allem unterstreicht dieses Bild das Hauptthema des Films: Die Zeit und die Vergänglichkeit. Seit ich diesen wunderbaren Film über das Theater gesehen habe, gehört er zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Das Drehbuch von Jacques Prevert ist perfekt und und Regisseur Marcel Carne ist ein wahrer Meister seiner kunst. Er übertrifft mit diesem Historienfilm noch seine Meisterwerke "Hafen im Nebel" und "Der Tag bricht an". Ein magischer Film, der Melancholie und Lebensfreude miteinander vereinen kann, ebenso Romantik und Realismus. Eine ganze Epoche, der Aufbruch philosophischer Ideen, wird durch diese Geschichte auf einmal lebendig.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.