Sonntag, 8. Februar 2026

Fahrkarte nach Marseille













Regie: Michael Curtiz

Patrioten...

Im Jahr 1943 war der zweite Weltkrieg noch im vollen Gange und Hollywood steuerte einige Propagandafilme und patriotische Heldenfilme bei, um die Kriegsmoral zu stärken. Humphrey Bogart drehte nach "Casablanca" erneut mit Regisseur Michael Curtiz einen Film, der während des Krieges spielt, aber diesmal viel näher am wirklichen Kriegsgeschehen ist. Neben Bogart gab es auch ein Wiedersehen mit Peter Lorre, Claude Rains, Helmut Dantine und Sidney Greenstreet, die alle auch in Nebenrollen in "Casablanca" glänzten. Bogart wollte den Film unbedingt machen. Der Film heißt "Fahrkarte nach Marseille" zeigt die hässliche Fratze des Krieges, was am halbdokumentarischen Ansatz und dem unerwarteten Tod zweier Hauptfiguren liegt. Er zeigt die patriotische Seite des Kampfes, den die französische Nation mehr als bereit ist. "Fahrkarte nach Marseille" wurde zu einem finanziellen Erfolg, die Kinoeinnahmen weisen einen Gewinn von weit über einer Millionen Dollar aus, was zu jener Zeit ein extremer Kassenerfolg war.  1942 trifft der Journalist Manning (John Loder) auf einem britischen RAF-Stützpunkt ein, um sich über die Freien Franzosen im Kampf gegen die Deutschen zu informieren. Zusammen mit Captain Freycinet (Claude Rains) beobachtet er die Vorbereitungen französischer Bomberbesatzungen für einen Angriff. Mannings Interesse gilt dem Bordschützen Jean Matrac (Humphrey Bogart), und Freycinet erzählt dessen Geschichte: Zwei Jahre zuvor, kurz vor der Niederlage Frankreichs gegen die Deutschen, werden fünf Männer in einem kleinen Kanu in der Karibik vom Frachtdampfer "Ville de Nancy“ gefunden. Die fünf – Marius (Peter Lorre), Garou (Helmut Dantine), Petit (George Tobias), Renault (Philip Dorn) und ihr Anführer Matrac – werden gerettet und an Bord des französischen Frachters unter Kapitän Malo (Victor Francen) gebracht. Zunächst geben sie sich als französisch-venezolanische Bergleute aus, die in ihre Heimat zurückkehren, um für ihr Vaterland zu kämpfen. Doch als Captain Freycinet sie konfrontiert, gestehen die fünf, dass sie von der Teufelsinsel – der französischen Strafkolonie Cayenne in Französisch-Guayana – geflohene Sträflinge sind. Sie waren von Großvater (Wladimir Sokoloff) einem glühend patriotischen Ex-Sträfling, angeworben worden, um in Frankreichs Notlage für das Land zu kämpfen. Die Häftlinge hatten Großvater von Matracs Leiden im Frankreich der Vorkriegszeit erzählt, um den alten Mann davon zu überzeugen, Matrac mit der Führung der Flucht zu beauftragen. Matrac, ein engagierter Zeitungsverleger, der gegen das Münchner Abkommen war, war fälschlicherweise des Mordes beschuldigt worden, um ihn zum Schweigen zu bringen. Als die "Ville de Nancy“ sich dem Hafen von Marseille näherte, hatte Frankreich bereits vor Nazi-Deutschland kapituliert, und eine kollaborierende Vichy-Regierung war an die Macht gekommen. Nachdem Kapitän Malo die Nachricht erhalten und sie seiner Mannschaft emotional überbracht hatte, beschloss er insgeheim, seine wertvolle Ladung nicht an die Deutschen auszuliefern, sondern stattdessen Kurs auf Großbritannien zu nehmen. Der Vichy-treue Passagier Major Duval (Sydney Greenstreet) organisierte einen Versuch, das Schiff zu kapern, scheiterte jedoch, vor allem dank der Flüchtlinge. Ein weiterer Vichy-treuer Reisender, Jourdain (Hans Conried), schafft es, die Koordinaten des Schiffes an einen Nazi-Bomber zu übermitteln, der das Schiff daraufhin angreift. Die Geflohenen schießen den Bomber ab, wobei Marius und der noch sehr junge patriotische Schiffs-Stewart (Billy Roy) ihr Leben verlieren. In England angekommen, schließen sich die überlebenden Sträflinge der Freien Französischen Bomberstaffel an. Während Freycinet seine Erzählung beendet, kehrt die Staffel von ihrem Einsatz über Frankreich zurück. Renaults Bomber verspätet sich, da Matrac vor jedem Einsatz einen Brief über dem Haus seiner Familie im besetzten Frankreich abwerfen darf – um so die Verbindung zu seiner Frau Paula (Michele Morgan) und seinem Sohn (Peter Miles), den er nie kennengelernt hat, aufrechtzuerhalten. Renaults Bomber landet schließlich. Er ist schwer beschädigt, und Matrac ist tot. Bei Matracs Beerdigung liest Freycinet dessen letzten, unzustellbaren Brief an seinen Sohn vor – eine Vision vom Tag, an dem das Böse für immer besiegt sein wird – und verspricht, dass der Brief zugestellt wird...








Die Flugsequenzen zeigen die Freien Französischen Luftstreitkräfte (Forces Aériennes Françaises Libres, FAFL) mit Boeing B-17 Flying Fortress-Bombern. Die Produktion nahm sich Freiheiten gegenüber den tatsächlichen Bombenangriffen der Freien Französischen Einheiten, die hauptsächlich mittlere Bomber wie die Martin B-26 Marauder einsetzten. Die Verwendung der allgegenwärtigen B-17 war darauf zurückzuführen, dass sie dem amerikanischen Publikum bekannt war.
Eine Szene, in der Bogarts Figur Matrac die wehrlose Besatzung eines abgeschossenen deutschen Bombers mit einem Maschinengewehr beschießt, wurde in ausländischen Fassungen des Films von der Zensurbehörde entfernt.
Aus heutiger Sicht ist der stark patriotische Film natürlich viel mehr auf dem Prüfstand wie damals. Es muss akzeptiert werden, dass Franzosen, die durch andere Franzosen auf die Teufelsinsel abgeurteilt worden sind, ihr Heimatland immer noch so sehr lieben, dass sie ihr Leben dafür opfern würden. Die Haftbedingungen auf der Teufelsinsel waren brutal und menschenunwürdig. Hier siegt aber das heroische Element und inszenatorisch lebt der Film von seinen Rückblenden. Es wirkt alles etwas künstlich, die Optik ist aber brillant (Kameramann war James Wong Howe, der zweifache Oscargewinner (Die tätowierte Rose, Der Wildeste unter Tausend), der von den Mitgliedern der International Cinematographers Guild neben Billy Bitzer (Die Geburt einer Nation), Gregg Toland („Sturmhöhe“), Freddie Young („Lawrence von Arabien“), Jordan Cronenweth („Blade Runner“), Conrad L. Hall („Butch Cassidy und Sundance Kid“), Sven Nykvist („Schreie und Flüstern“), Vittorio Storaro („Apocalypse Now“), Haskell Wexler („Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“), Gordon Willis („Der Pate“) und Vilmos Zsigmond („Die durch die Hölle gehen“) zu den 11 einflussreichsten Kameramänner der Filmgeschichte gewählt wurden.






Bewertung:7,5 von 10 Punkten.  

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