Montag, 22. Juni 2026

Apur Sansar - Die Welt des Apu















Regie: Satyajit Ray

Frau und Sohn...

Sehr häufig findet man die Filme des indischen Regisseurs Satyajit Ray auf den vorderen Rängen bei Umfragen über die besten Filme aller Zeiten. "Die Welt des Apu" (Apur Sansar) ist sein bengalischsprachiger Spielfilm aus dem Jahr 1959, den er geschrieben, produziert und inszeniert hat. Er basiert auf der zweiten Hälfte von Bibhutibhushan Bandopadhyays Roman „Aparajito“. Nach „Pather Panchali“ (1955) und „Aparajito“ (1956) bildet er den Abschluss von Rays gefeierter Apu-Trilogie, die das Leben des jungen Bengalen Apu in seinen prägenden Jahren im Indien des frühen 20. Jahrhunderts schildert.In der Hauptrolle des Apu gibt Soumitra Chatterjee sein Filmdebüt, an seiner Seite spielt Sharmila Tagore seine Frau Aparna – beide sollten später häufig in Rays Werken mitwirken.Die drei Filme bilden eine Entwicklungsgeschichte im Stil eines Bildungsromans. Sie beschreiben die Kindheit, die Ausbildung und die frühe Reife des jungen Bengalen Apu (Apurba Kumar Roy) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. "Pather Panchali", der erste Teil der Trilogie, gedreht 1955, zeigt Apus frühe Erfahrungen im ländlichen Bengalen als Sohn einer armen, aber hochkastigen Familie. Apus Vater Harihar, ein Brahmane, hat Schwierigkeiten, seine Familie zu ernähren. Nach dem Tod von Apus Schwester Durga zieht die Familie in die heilige Stadt Benares. "Aparajito", der zweite Teil wurde 1956 inszeniert: Die Familie lebt weiterhin in prekären finanziellen Verhältnissen. Nach dem Tod seines Vaters kehren Apu und seine Mutter Sarbajaya in ein Dorf in Bengalen zurück. Trotz anhaltender Armut gelingt es Apu, eine formale Schulbildung zu erhalten, und er erweist sich als brillanter Schüler. Er zieht nach Kalkutta, um seine Ausbildung fortzusetzen. Er entfremdete sich allmählich seinen ländlichen Wurzeln und seiner Mutter, der es damals gesundheitlich nicht gut ging. Dabei geriet der heranwachsende Apu in Konflikt mit seiner Mutter. Er kommt zu spät nach Hause, als er die Nachricht von ihrer Krankheit erfährt. Als er zu Haus ankommt, ist die Mutter bereits verstorben.Mit "Apur Sansar" aus dem Jahr 1959 wird die Trilogie beendet.Apu, der Schriftsteller werden wollte, sah sich unerwartet unter Druck gesetzt, ein Mädchen zu heiraten, dessen Mutter ihren psychisch kranken Bräutigam am Tag der Hochzeit zurückwies. Ihre vielversprechende Ehe endete mit ihrem Tod bei der Geburt. Daraufhin verließ der verzweifelte Apu sein Kind, kehrte aber schließlich zurück, um seine Verantwortung anzunehmen. Anfang der 1930er-Jahre lebt der arbeitslose Apurba „Apu“ Kumar Roy (Soumitra Chatterjee), ein Hochschulabsolvent, in einem gemieteten Zimmer in Tala, Kalkutta. Obwohl ihm sein Lehrer geraten hat, nach dem Abitur weiterzulernen, kann er sich das nicht leisten. Er schlägt sich mit Nachhilfeunterricht gerade so durch und sucht gleichzeitig nach einer Anstellung. Seine größte Leidenschaft aber ist das Schreiben eines semi-autobiografischen Romans, den er eines Tages veröffentlichen möchte. Pulu (Swapan Mukherjee ), Apus Schulfreund, kommt vorbei und überredet ihn, ihn auf eine Reise in sein Dorf in Khulna zu begleiten, um an der Hochzeit seiner Cousine Aparna (Sharmila Tagore)teilzunehmen. Am Tag der Hochzeit stellt sich heraus, dass der Bräutigam an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, und Aparnas Mutter ( Sefalika Devi )sagt die Hochzeit trotz der Proteste ihres Mannes ab. Er und die anderen Dorfbewohner glauben, gemäß einer weit verbreiteten hinduistischen Tradition, dass die junge Braut in der festgelegten, glückverheißenden Stunde verheiratet werden muss, sonst bleibt sie ihr Leben lang unverheiratet. Apu weigert sich zunächst, als Pulu und einige Dorfbewohner ihn bitten, Aparna zu helfen, indem er sie heiratet, gibt aber schließlich nach.Nach der Hochzeit kehrt Apu mit Aparna in seine Wohnung in Kalkutta zurück, und Pulu verschafft ihm eine Bürostelle. Zu seiner Überraschung entwickelt sich zwischen ihm und Aparna eine liebevolle Beziehung. Doch das Glück des jungen Paares findet ein jähes Ende, als Aparna bei der Geburt ihres Sohnes Kajal (Alok Chakravarty) stirbt.Von Trauer überwältigt, gibt Apu dem Kind die Schuld an Aparnas Tod. Er entzieht sich seinen weltlichen Pflichten und wird zum Vagabunden. Kajal wird von Aparnas Eltern aufgezogen, während er allein durch Indien wandert. Auf seinen Reisen verliert Apu das Manuskript seines Romans.Einige Jahre später kehrt Pulu nach längerer Abwesenheit zurück und findet Kajal verwildert und vernachlässigt vor. Er sucht Apu auf, findet ihn bei der Arbeit in einem Kohlebergwerk und rät seinem alten Freund, seine Vaterrolle wahrzunehmen. Schließlich beschließt Apu, in die Realität zurückzukehren und sich mit seinem Sohn wiederzuvereinen. Als er Aparnas Elternhaus erreicht, akzeptiert Kajal ihn, der ihn zum ersten Mal sieht, zunächst nicht als Vater. Schließlich akzeptiert er Apu jedoch als Freund, und gemeinsam kehren sie nach Kalkutta zurück, um ein neues Leben zu beginnen...









Erneut gelang dem indischen Filmemacher ein wunderbares Meisterwerk mit einer Schlußszene, die großen Einfluss auf andere nachkommende Regisseure hatte. Man erlebt die weitere Entwicklung der Hauptfigur Apu, in der sich offensichtlich auch der Aufbruch Indiens in die Neuzeit spiegelt. Der Gegensatz zwischen Traditionen und neuen Erkenntnissen und Lebensweisen ist ein wichtiges Thema dieses Films. Sharmila Tagore ist bezaubernd schön als Aparna, sie war damals erst 14 Jahre alt. Die Darstellung der beiden und die umhüllende Wärme von Rays subtiler Regie, machen den Film zu einer der berührendsten und intimsten Darstellungen von Eheglück überhaupt. Daher auch der tiefe Fall und das innerliche Sterben von Apu. Erst als er seinen Sohn besucht, wird er wiedergeboren. 












Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

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