Montag, 22. Juni 2026

Licht im Winter















Regie: Ingmar Bergman

Quälender Zweifel..

Mit "Licht im Winter" drehte der schwedische Regisseur im Jahr 1963 einen seiner düstersten Filme, der wahrscheinlich deshalb bei seinem Erscheinen in der amerikanischen Presse gemischte Reaktionen hervor rief. Ein bewegender und stellenweise sogar faszinierender Einblick in eine religiös geprägte Welt - für religiös gleichgültige Menschen dürfte "Licht im Winter" jedoch eher langweilig sein. Dabei wirft Bergman einen sehr pessimistischen Blick auf die menschliche Existenz und dies tut er mit erschreckender Klarheit "Mein Gott, warum hast Du mich verlassen ?"Der Film belegte 1965 Platz 3 auf der Liste der zehn besten Filme des Jahres der Cahiers du Cinéma. Bergman selbst bezeichnete „Licht im Winter" sogar als seinen Lieblingsfilm. In den letzten Augenblicken des Mittagsgottesdienstes von Pastor Tomas Ericsson (Gunnar Björnstrand) sind nur noch wenige Menschen anwesend, darunter der Fischer Jonas Persson (Max von Sydow) und seine schwangere Frau Karin (Gunnel Lindblom) sowie Tomas’ ehemalige Geliebte, die Atheistin Märta (Ingrid Thulin). Nach dem Gottesdienst bereitet sich Tomas, obwohl er sich eine Erkältung eingefangen hat, auf seinen Gottesdienst um 15 Uhr in einer anderen Stadt vor. Bevor er jedoch aufbricht, treffen die Perssons ein, um mit ihm zu sprechen. Jonas ist niedergeschlagen, seit er gehört hat, dass China an einer Atombombe arbeitet. Tomas spricht kurz mit ihm, bittet ihn aber, wiederzukommen, nachdem er seine Frau nach Hause gebracht hat. Kaum sind die Perssons gegangen, betritt die Aushilfslehrerin Märta den Raum und versucht, den verzweifelten Tomas zu trösten. Sie fragt ihn, ob er ihren Brief gelesen habe. Er verneint und erzählt ihr von seinem Versagen, Jonas helfen zu können. Er fragt sich, ob er überhaupt noch etwas zu sagen habe, da auch er die Hoffnung verloren habe. Märta beteuert ihre Liebe zu Tomas, aber auch ihren Glauben, dass er sie nicht liebt. Sie geht, und Tomas liest ihren Brief.  In dem Brief beschreibt Märta Tomas' Vernachlässigung. Sie erzählt, wie ihn ein Ausschlag, der ihren Körper entstellte, abstieß und dass weder sein Glaube noch seine Gebete ihr halfen. Sie schreibt, wie warmherzig und liebevoll ihre Familie ohne Religion war, und drückt ihr Unverständnis über seine Gleichgültigkeit gegenüber Jesus aus. Tomas beendet den Brief und schläft ein. Als Jonas zurückkehrt, versucht Tomas unbeholfen, ihm Rat zu geben, bevor er schließlich zugibt, dass auch er keinen Glauben hat. Er sagt, sein Glaube sei egoistisch gewesen – Gott habe die Menschheit geliebt, aber Tomas am meisten. Während des Spanischen Bürgerkriegs in Lissabon stationiert, konnte Tomas seinen liebenden Gott nicht mit den begangenen Gräueltaten in Einklang bringen und ignorierte sie deshalb. Schließlich sagt Tomas zu Jonas, dass alles sinnvoller sei, wenn man die Existenz Gottes leugne, denn dann bedürfe die Grausamkeit des Menschen keiner Erklärung. Jonas geht, und Tomas wendet sich dem Kruzifix zu und erklärt sich für endlich frei.Märta, die sich in der Kapelle aufgehalten hat, ist überglücklich, dies zu hören, und umarmt Tomas, der ihre Zuneigung erneut nicht erwidert. Sie werden von der Witwe Magdalena (Elsa Ebbesen) unterbrochen, die ihnen mitteilt, dass Jonas sich soeben mit einem Gewehr das Leben genommen hat. Tomas fährt allein zum Tatort und hilft der Polizei stoisch dabei, Jonas' Leiche mit einer Plane zu bedecken. Märta kommt zu Fuß an, und sie und Tomas fahren zu ihrem Haus, wo sie ihn einlädt, Medizin gegen seine Erkältung zu nehmen. Während er in Märtas Klassenzimmer wartet, das an ihr Haus angrenzt, fährt Tomas sie schließlich an. Zuerst sagt er ihr, dass er sie zurückgewiesen habe, weil er die Gerüchte über sie satt habe. Als das ihre Zuneigung nicht mindert, sagt Tomas ihr, dass er ihrer Probleme, ihrer Bemühungen, sich um ihn zu kümmern, und ihres ständigen Geredes überdrüssig sei und dass Märta niemals an seine verstorbene Frau heranreichen könne, die einzige Frau, die er je geliebt habe. Obwohl Märta von dem Angriff schockiert ist, willigt sie ein, ihn zum Haus der Perssons zu fahren. Als Karin von Jonas’ Selbstmord erfährt, bricht sie auf der Treppe zusammen und fragt sich, wie es für sie und ihre Kinder weitergehen soll. Tomas bietet ihr nur beiläufig seine Hilfe an und geht.Als Tomas und Märta zum Gottesdienst um drei Uhr in der zweiten Kirche ankommen, finden sie das Gebäude leer vor, bis auf Algot (Allan Edwall) den behinderten Küster, und Fredrik (Olof Thunberg), den Organisten. In der Sakristei befragt Algot Tomas zur Passion. Algot wundert sich, warum so viel Wert auf das körperliche Leiden Jesu gelegt wurde, das doch nur kurz war im Vergleich zu dem vielen Verrat, den er von seinen Jüngern erlitt, die seine Botschaften und Gebote verleugneten, und schließlich von Gott, der ihm am Kreuz nicht antwortete. Er fragt: „War Gottes Schweigen nicht schlimmer?“ Tomas, der schweigend zugehört hat, antwortet mit Ja. Fredrik rät Märta, die Kleinstadt und Tomas zu verlassen und ihr Leben zu leben, anstatt zu bleiben und ihre Träume wie die der anderen zerplatzen zu lassen. Doch sie beschließt zu beten. Fredrik und Algot überlegen, ob sie einen Gottesdienst abhalten sollen, da niemand erschienen ist. Tomas hält dennoch daran fest, und die Glocken läuten. Er beginnt den Gottesdienst mit dem Sanctus: „Heilig, heilig, heilig, Herr, allmächtiger Gott; Himmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit“.....










Interessanterweise wird "Licht im Winter" oft als zweiter Teil einer Trilogie betrachtet, die auf "Wie in einem Spiegel" folgt und durch "Das Schweigen" komplettiert wird. 
Wie in „Wie in einem Spiegel“ wird Gott auch in „Licht im Winter" als „Spinnengott“ beschrieben. Das Ende könnte bedeuten, dass Tomas zu dem Schluss gekommen ist, dass Gott nicht existiert, oder was noch wahrscheinlicher ist,  dass er erkennt, dass er an seinem Glauben festhalten muss, weil alle Christen, einschließlich Jesus, mit Gottes Schweigen ringen.Ingmar Bergman wurde zu dem Film durch ein persönliches Erlebnis inspiriert: 1959 traf er den Pfarrer, der ihn und seine Frau verheiratet hatte. Dabei sah er die Pfarrersfrau mit einer Schülerin reden. Später erfuhr Bergman, dass der Vater der Schülerin kurz zuvor Suizid begangen hatte, obwohl der Pfarrer zuvor einige vergebliche Diskussionen mit dem suizidalen Familienvater geführt hatte











Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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