Freitag, 22. April 2016
Engelsgesicht
Regie: Otto Preminger
Die Geschichte von Diane und Frank...
Otto Preminger hat in seiner Filmographie ein ganzes Quartett grandioser Film Noirs geschaffen. Alles in einem Zeitraum von etwas mehr als 10 Jahren, angefangen mit "Laura" (1944) und beendet mit "Der Mann mit dem goldenen Arm" (1955). In diesem Zeitraum entstanden auch "Faustrecht der Großstadt" (1952) und der eher ungewöhnliche "Engelsgesicht" mit Jean Simmons und Robert Mitchum in den Hauptrollen. Dabei sind viele beliebte Motive der schwarzen Serie auch in diesem Film zu finden, aber Preminger leistet sich in der Mitte des Films eine echte Überraschung. Denn in dem Moment, in dem der Zuschauer glaubt, dass die Femme Fatale ihren Liebhaber mit einer Lüge um den Finger wickeln kann, um ihn für ihre finsteren Zwecke einzuspannen, erweist sich der Held der Geschichte als sehr lebenserfahren und abgebrüht und geht der gefährlichen Schönheit nicht auf den Leim.
Dabei fing alles mit einem Einsatz als Rettungssanitäter an. Frank Jessup (Robert Mitchum) arbeitet im Krankenhaus und fährt mit seinem Freund und Arbeitskollegen Bill Crompton (Kenneth Tobey) den Notarztwagen. Er bezeichnet diese Fahrten mitunter auch als "Leichenwagentouren", denn oft kommt der lebensrettende Einsatz zu spät. Eines Nachts werden sie nach Beverly Hills zu einem Notfall gerüfen. Chaterine (Barbara O´Neill) , die extrem vermögende und zweite Ehefrau des seit langer Zeit erfolglosen englischen Schriftstellers Charles Tremayne (Herbert Marshall) hat eine schwere Gasvergiftung erlitten. Man geht von einem Unfall aus, den sie aus Versehen selbst herbeigeführt hat, denn ein Selbstmordversuch scheidet aus. Sie aber gibt den Rettern zu verstehen, dass sie Opfer eines Mordanschlags gewesen ist. Die beiden nehmen aber kaum Notiz von dieser Bemerkung, die Frau kann gerettet werden und Frank lernt bei dieser Gelegenheit auch noch die 19jährige Diane (Jean Simmons) kennen, die Klavier spielt und dann einen hysterischen Zusammenbruch hat. Mit einer Ohrfeige versucht Frank zu helfen und schindet mit dieser Handlung offensichtlich so sehr Eindruck, dass die junge Frau ihn an diesem Abend noch in dessen Stammlokal folgt. Diane ist attraktiv und Frank ist einem Flirt nicht abgeneigt, obwohl er mit der Krankenschwester Mary Wilton (Mona Freeman) liiert ist. Am nächsten Tag bleibt Diane aktiv und trifft sich bereits - ohne Franks Wissen - mit Mary. Es gelingt ihr Mary eifersüchtig zu machen und in der Folge Frank näher an sich zu binden. Die Aussicht auf eine Karriere mit einem von Diane oder besser gesagt von dem Geld der Schwiegermutter finanzierten Rennwagen, hält Frank bei bester Laune. Er wird Mary vernachlässigen und sich näher an Diane binden. Doch die hat finstere Pläne...
Dabei setzte der große Regisseur auf den Film Noir versierten Robert Mitchum und auf die junge britische Schauspielerin Jean Simmons, die in den späten 40er Jahren mit Filmen wie "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Hamlet" den internationalen Durchbruch schaffte. In "Engelsgesicht" wurde sie gegen ihr Image besetzt, denn vor dieser Rolle als Diane war sie vor allem in Rollen zu sehen, die ihr unschuldiiges und bezauberndes Wesen herausstellte. Dies ist auch oberflächlich erst mal in "Engelsgesicht" zu sehen, bevor immer mehr der pathologische Anteil der jungen Frau sichtbar wird. Es ist aber dem großen Können von Preminger zu verdanken, dass ihre Rolle nicht dem üblichen Schema der Femme Fatale entspricht, denn irgendwann kann der Zuschauer auch in die Ängste und Nöte dieser Figur blicken. Auch ist sie eine Figur, die ihre Tat bereut und sogar die Verantwortung für ihre Schuld übernehmen will. Doch ein windiger Anwalt und auch das Drehbuch von Ben Hecht nach der Kurzgeschichte von Jester Erskine hat einen anderen Verlauf der Handlung vorgesehen. Diese entwickelt sich von einer mörderischen Story in ein katastrophales Drama ohne Ausweg.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
Laßt mich leben
Regie: Robert Wise
In der Todeszelle...
Barbara Graham ist ein bekannter Name in der amerikanischen Kriminalgeschichte. Die junge Frau wurde am 3. Juni 1955 im Alter von 32 Jahren als dritte Frau im Staatsgefängnis von San Quentin vergast. Ein Mord wurde ihr zur Last gelegt und bis zuletzt bestritt sie diesen Tatvorwurf. Während des zweiten Weltkrieges begann sie ihr bürgerliches Leben aufzugeben und rutschte in die Subkultur. Als Prostituierte verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt und begann auch immer mehr in kriminelle Kreise abzurutschen. Mehrfach kam sie mit dem Gesetz in Konflikt. Unter anderem wurde sie, weil sie zwei Kumpels ein falsches Alibi gegeben hatte, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nachdem sie ein Jahr Knast abgesessen hatte, zog sie nach Los Angeles, heiratete den Kriminellen Henry Graham (Wesley L. Lau) und bekam mit ihm ihr drittes Kind, einen Sohn, den sie sehr liebte. Sie war bereits geschieden und zu dieser Zeit Mutter von 2 weiteren Kindern, doch das Sorgerecht wurde dem Vater zugeschrieben. Auch die Ehe mit Graham läuft nicht gut. Der Mann ist schwer drogenabhängig und irgendwann gibt Barbara ihm den Laufpass. Durch ihn lernt sie aber auch die Ganoven Jack Santo und Emmet Perkins kennen. Eine fatale Begegnung, denn gemeinsam mit ihnen soll sie im März 1953 ins Haus der reichen Witwe Mabel Monohan eingedrungen sein, um diese zu berauben. Dabei wurde die Frau getötet. Erst bei ihrer Verhaftung kommt ihr der Vorwurf sehr absurd vor. Barbara ist zwar eine völlig unmoralische Frau, die lügt und betrügt - aber ist sie auch eine Mörderin ? Jedenfalls beteuert sie ihre Unschuld, doch die Presse, allen voran die Berichte von Ed Montgomery (Simon Oakland) über "die blutrünstige Babs" sorgen für eine gewisse Vorverurteilung unter der Bevölkerung. Erschwerend kommt dann auch noch hinzu, dass Barbara aufgrund ihrer Angst vor der Gaskammer auf das Angebot einer Mitgefangenen eingeht, die ihr ein Alibi besorgen will. Dieser Zeuge stellt sich vor Gericht aber als Polizeibeamter heraus, der unter diesem Druck von ihr ein Geständnis herausgepresst hat. Es wird ihr aber zum Nachteil ausgelegt und sie wird zum Tode verurteilt. Barbara Graham nahm mehrere erfolglose Versuche, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Auch die Hilfe des Gerichtspsychologen Carl Palmbert (Theodore Bikel) kann den Gang in die Gaskammer nicht verhindern...
"Laßt mich leben" ist sozusagen der "Dead Man Walking" der 50er Jahre und wurde von Robert Wise (West Side Story, Sound of Music, Bis das Blut gefriert) inszeniert. Es wurde einer seiner bekanntesten Filme und kam auf insgesamt 6 Oscarnominierungen. Es ist natürlich vor allem der Film von Susan Hayward, die dann mit ihrer Nominierung auch siegreich war und sich trotz harter Konkurrenz (Liz Taylor "Cat on the Hot tin roof", Deborah Kerr "Seemann und die Nonne" oder Shirley McLaine "Verdammt sind sie alle") durchsetzen konnte. Kein Wunder, der Gang zur Gaskammer ist auch dramatisch und kaum auszuhalten. Mehrere Male wird die Hinrichtung an diesem Morgen zeitlich aufgeschoben, eine noch zusätzliche Quälerei für die Frau, die sterben soll. Die Hinrichtung selbst in allen Einzelheiten zu sehen und schockiert. Was ja auch das Ziel einer solchen Szene sein soll. So gesehen erinnerte mich auch Charlize Therons Darstellung in "Monster" an die Performance der Hayward aus den 50ern. Auch Theron bekam den Oscar für die Darstellung einer zum Tode verurteilten Mörderin. Sie brillierte in der Rolle der Aileen Wuornos, eine Serienkillerin, die im Jahre 2002 durch eine Giftspritze hingerichtet wurde. Neuere Filme zeigten Todeskandidaten, die die Tat dann auch tatsächlich begangen haben - in den 50ern war man da vielleicht noch nicht so weit und es musste eine Verurteilte sein, die bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Bis heute konnte der Mord leider nicht geklärt werden. Immerhin kam der Gerichtspsychologe zum Schluß, dass Graham aufgrund fehlender Aggressiver Anteile unschuldig sein müsste. Ihre Mittäter, die ebenfalls am gleichen Tag hingerichtet wurden, haben sie jedenfalls schwer belastet und sind auch bis zuletzt nicht von dieser Meinung abgewichen. "Laßt mich leben" hat eine etwas zu episodenhafte Einleitung, aber ab dem Zeitpunkt der Verhaftung nimmt der Film stark an Spannung und Dichte auf - bis zuletzt fiebert man mit und hofft, dass der Gouverneur doch noch einlenken würde, obwohl man ja den Ausgang doch schon kennt. Dies ist natürlich der Verdient von Susan Hayward, die den Film fast im Alleingang trägt. Ebenfalls lobenswert der Film Noir Touch.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
Samstag, 16. April 2016
Eine auswärtige Affäre
In den Ruinen von Berlin...
In der 40er Jahren war Billy Wilder noch nicht der unangefochtene Meister der Filmkomödie. Seine Erfolge hatte er vor allem in Dramen wie "Das verlorene Wochenende" sowie "Reporter des Satans" und düsteren Filmen der schwarzen Serie wie "Boulevard der Dämmerung" oder "Frau ohne Gewissen". Erst mit dem 1954 entstanden leichten Liebesfilm "Sabrina" läutete er seine große Zeit im Genre der Komödie ein und es gelangen ihm Welterfolge wie "Das verflixte 7. Jahr", "Manche mögens heiß", "Das Appartment", "Eins, zwei, drei", "Das Mädchen Irma La Douce" oder "Küß mich, Dummkopf". Einem Genre, dem er auch in seinen Alterswerken treu geblieben ist. Es lohnt sich aber auch ein Blick auf seine frühen humorvollen Filme: 1941 entstand "Das Mädchen und der Major" und "Eine auswärtige Affäre" mit Superstar Marlene Dietrich drehte er 1948 im zerbombten und geteilten Berlin. Dieser Film ist sozusagen ein naher Verwandter seines 1961 enstandenen Meisterwerks "Eins, zwei, drei" mit James Cagney - auch hier macht sich Wilder über fast alles lustig. Allerdings ist dieser 40er Jahre Klassiker nicht ganz so zynisch und fies wie sein zweiter Berlin Film. In "Eine auswärtige Affäre" fehlt auch die menschliche Wärme nicht und trotz der humorvollen Struktur sind auch die düsteren Inhalte und Verweise sehr schnell zu erkennen. Es ist die Zeit nach dem Krieg. Die Menschen in Berlin sind arm, sie hungern und der Schwarzmarkt blüht.
Zu dieser Zeit wird eine US-Delegation, der auch die republikanische Kongressabgeordnete Phoebe Frost (Jean Arthur) angehört, ins kriegszerstörte Berlin geflogen, um dort die Moral der stationierten amerikanischen Truppen zu überprüfen. Denn in der Heimat ist man sehr besorgt, dass die Boys die Entnazifizierung vor allem und am liebsten bei blonden Fräuleins durchführen. Bei der Ankunft am Flughafen lernt die zugeknöpfte Miss Frost den smarten Captain John Pringle (John Lund), dem sie ein Präsent (einen Kuchen von einer Bekannten) aus Iowa mitbringt. Colonel Rufus J. Plummer (Millard Mitchell) organisiert auch gleich eine Rundfahrt durch das noch weitgehen zerstörte belrin. Bewusst vermeidet er dabei die kritischen Punkte wie Nachtlokale oder Schwarzmärkten. Der sittenstrengen und aufmerksamen Frau entgeht aber dennoch nichts und auf der Fahrt macht sie einige erschreckende Beobachtungen, die auf moralische Entgleisungen schließen lassen könnten. Alles schreibt sie in ihr Notizbuch. Als sie auf zwei zudringliche Soldaten trifft, gibt sie sich als "Fräulein" aus und lässt sich von den beiden Unholden in den Nachtclub "Lorelei" führen. Dort feiert die Sängerin Erika von Schlütow (Marlene Dietrich) große Erfolge mit ihren Liedern "The Ruins of Berlin", "Black Market" und "Illusions". Die beiden Soldaten erzählen, dass die attraktive Künstlerin mit vielen Nazigrößen per Du war, aber nicht ermittelt wird, weil wohl ein einflussreicher Soldat der US-Armee seine schützende Halt über sie hält. Das Drehbuch von Charles Brackett und Richard L. Breen sieht natürlich vor, dass der Liebhaber der deutschen Femme Fatale kein Geringerer als John Pringle ist. Und dieser merkt sehr schnell, dass Phoebe Frost ihm auf die Schliche kommen könnte. Grund genug die zugeknöpfte Moralistin anzuflirten. Mit Erfolg. Phoebe taut auf, verliebt sich den Soldaten und auch Pringle entwickelt eine Zuneigung...
Diese Konstellation führt zu einigen Verwicklungen, die sehr leicht und locker von Billy Wilder präsentiert werden. Mit dem Auftauchen des Naziverbrechers Hans Otto Birgel (Peter von Zerneck) wird es am Ende nochmal richtig gefährlich. Überhaupt hat Billy Wilder sehr viele wichtige Themen aus dem Nachkriegsdeutschland, als alles noch in Trümmern lag, sehr treffend beschrieben. Dadurch funktioniert der Film nicht nur als tolle Komödie, in der es viel zu schmunzeln gibt, sondern auch als atmosphärisches Zeitdokument. Nicht zu vergessen die schöne Liebesgeschichte, die zu vielen Mißverständnissen führt, aber am Schluß sich ein Happyend andeutet. Marlene Dietrich ist klasse inszeniert und bringt ein großartiges Cabaret-Flair mit den Liedern von Friedrich Hollaender. Sie passt perfekt in diese Dreiecksgeschichte. Der Film wurde leider nie deutsch synchronisiert, obwohl "Eine auswärtige Affäre" sicherlich zu den ganz großen Wilder Movies gezählt werden muss. Tragische Situationen, mit gutem Zynismus und vor allem grandioser Balance zwischen Moral und Unmoral.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
Bravados
Regie: Henry King
Die Mörder müssen hängen...
Gregory Peck muss einer der bevorzugten Schauspielern des Hollywood-Regisseurs Henry King (1886-1982) gewesen sein. Mit ihm drehte der Filmemacher Klassiker wie "Schnee am Kilimandscharo", "Die Krone des Lebens" oder "Der Kommandeur". Auch zwei Western entstanden in dieser Zusammenarbeit und sowohl "Scharfschütze Jimmy Ringo" als auch der 1958 gedrehte "Bravados" kann man zur Kategorie der klassischen Edelwestern zählen. King drehte bereits in den Anfängen der Stummfilmzeit und schuf in jeder Dekade bekannte Klassiker wie "Jesse James, Mann ohne Gesetz" (30er), "Das Lied von Bernadette" (40er) oder "Alle Herrlichkeit auf Erden" (50er Jahre). Für "Das Lied von Bernadette" erhielt er eine seiner beiden Oscarnominierungen und "Alle Herrlichkeit auf Erden" war vielleicht sein kassenträchtigster Erfolg. Der Film belegte Platz 1 in den Kinojahrescharts des Jahres 1955. In "Bravados" geht es um ein sehr beliebtes und immer wiederkehrendes Thema des Westerns: Die Rache. Und von diesem Motiv wird auch der Rancher Jim Douglas (Gregory Peck) getrieben, der bereits im Vorspann durch die Nacht reitet und man erkennt sofort, dass er eine Mission zu erfüllen hat. Und diese Mission ist sehr persönlich. Sie führt ihn in die Kleinstadt Rio Arriba, wo vier Banditen am anderen Morgen gehängt werden sollen. Daher sieht man es auch nicht gerne, wenn gerade zu diesem Zeitpunkt Fremde in die Stadt reiten, denn man fürchtet, dass Komplizen das Quartett befreien könnten. Sheriff Eloy Sanchez (Herbert Rudley) und Deputy Primo (Ben Scott) sind daher sehr vorsichtig beim Bewachen der Gefangenen Alfonso Parral (Lee van Cleef), Zachary Bill (Stephen Boyd), Ed Taylor (Albert Salmi) und Lujan (Henry Silva), die nun im Gefängnis auf ihre Hinrichtung am anderen Morgen um 6 Uhr warten. In der Stadt trifft Douglas auf Josefa Velarde (Joan Collins), die vor vielen Jahren seine Jugendliebe war. Und Josefa vertraut Douglas an, dass er diese vier Halunken deshalb verfolgt hat, weil sie seine Ranch niederbrannten und seine geliebte Frau vergewaltigt und getötet hatten. Zurück blieb seine kleine Tochter (Maria Garcia Fletcher), die während der Abwesenheit des Vaters von Nachbarn aufgenommen wurde. In einer Nebenhandlung tauchen auch andere Städter auf. Gus Steinmetz (George Voscovez). seine Tochter Emma (Kathleen Gallant) und ihr Verlobter (Barry Coe). Und auch der Henker (Joe DeRita) trifft ein. Eigentlich kann nichts mehr schiefgehen und die Mörder können ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Doch während des Gottesdienstes geschieht unglaubliches...
Und dies ist dann der Auftakt für ein gnadenlose Jagd ohne Erbarmen und damit wird auch Gregory Peck zum erbitterten Racheengel, den nicht mal das Flehen der Mörder umstimmen kann diese in Selbstjustiz zu töten. Obwohl die Banditen - jeder für sich - schwören sie hätten mit dem Tod seiner Frau nichts zu tun. Am Ende steht eine neue Erkenntnis. Die Aussenaufnahmen entstanden in Mexico und begeistern durch die perfekte Ausnutzung des Cinemacope-Formats. Kein Wunder, denn Art Director war Lyle R. Wheeler, ein fünfach Oscarnominierter seiner Zunft. Auch Ausstatter Walter M. Scott brachte es auf 6 Oscarnominierungen und die Kostüme von Charles LeMaire waren dreimal AcademyAward-verdächtig. Natürlich machte auch Kameramann Leon Shamroy ( Der König und ich, South Pacific, Porgy and Bess) wieder einen exzellenten Job. Er arbeitete oft mit Henry King zusammen und bekam in seiner aktiven Laufbahn sogar viermal den Oscar (Der Seeräuber, Wilson - beide von King, Todsünde und Cleopatra).
Der Wolfmensch
Regie: George Waggner
Verwandlung in den bösen Wolf...
Es ist noch nicht lange her, da bekam der 1941 entstandene Werwolfklassiker eine Neuverfilmung mit Benicio del Toro und Anthony Hopkins. Dabei wurden vor allem die tollen Bilder, die Ausstattung und der Maskenbildner hochgelobt - der Film selbst bekam unterschiedliche Kritiken. Aber zurück zum Original. Der Film von George Waggner, der nach einem Drehbuch von Curt Siodmak verfilmt wrurde, war nicht der erste Horrorfilm, der effektvolle Tierverwandlungen zum Thema hatte, er war noch nicht mal der erste Horrorfilm des Kinos. Aber er war irgendwie wegweisend - zum einen zog er durch seinen immensen Erfolge viele Fortsetzungen nach sich. So begleitete der Zuschauer weiterhin das Schicksal des vom Werwolf gebissenen Larry Talbot, gespielt von Lon Chaney jr, der damit selbst zum Wolfsmensch wurde. Dabei spielt der Film mit archaischen Ängsten, die man aus der Kindheit kennt. Die Angst vor dem bösen Wolf, den man aus dem Märchen "Rotkäppchen" kennt - damals war man natürlich in Sachen Effekte noch nicht so weit wie heute. Das Monster, das wir in "Der Wolfsmensch" zu sehen bekommen wirkt daher aus heutiger Sicht fast ein bisschen unfreiwillig komisch - aber dennoch schafft es diese Kreatur an unser Mitgefühl zu appellieren.
Der Klassiker der Universal Studios spielt in einem zeitgenössischen Europa. Allerdings wirkt einiges wie wenn die Geschichte in den schweizer Bergen spielen könnte, dabei sind wir mitten im nebligen England. Erst in den Nachtszenen wird dies sichtbarer. Der wabernde Nebel erzeugt wohligen Grusel, dort in diesem Wäldchen, mit den verästelten Bäumen spielt sich die Verwandlung und der Untergang dieses Wolfmenschen ab. Aber vorerst beginnt die Geschichte mit dem Auszug aus dem Lexikon, dort wird der Begriff "Lykantrophie" erklärt. In der nächsten Szene fährt der Heimkehrer Larry Talbot (Lon Chaney jr. ) im Auto in seine Heimat zurück - auf das Anwesen seiner Familie. Dort, wo sein Vater Sir John Talbot (Claude Rains), ein Großgrundbesitzer lebt. Der ältere Sohn ist bei einem Jagdunfall tödlcih verunglückt - nun liegen alle Hoffnungen des Vaters auf dem Zweitgeborenen, der das Familienerbe antreten soll. Doch Talbot sieht sich als Fremder - immerhin lernt er gleich am Tag der Ankunft die hübsche Gwen Conliffe (Evelyn Ankers), die im Antiquitätenladen ihres Vaters (J. M. Kerrigan) arbeitet. Dort flirtet er mit der jungen Frau und kauft sich einen Spazierstock mit einem Silbernen Knauf - ein Wolf ist darauf abgebildet. Er verabredet sich mit der Frau, die dies zwar ablehnt, aber dann doch am vereinbarten Treffpunkt am Abend auf ihn wartet. Sie hat aber ihre Freundin Jenny (Fay Helms) mit dabei. Im Wald treffen sie auf Zigeuner, sie wollen sich von der alten Maleva (Maria Ouspenskaia) wahrsagen lassen und dort begegnen sie auch Bela (Bela Lugosi), einem weiterem Zigeuner, der dort mit seiner Kutsche lagert. Keiner ahnt, dass Werwölfe auch ohne Vollmond aktiv sein können. Auslöser der kommenden Verwandlung ist das Erblühen der Wolfsblume...
Tatsächlich ist der Vollmond nicht ein einziges Mal zu sehen. Aber dennoch legte der Klassiker den Grundstein für viele beliebte Werwolf-Mythen: Der Biss des Wolf infiziert das Opfer und macht ihn auch zur Kreatur. Das Pentagramm ist das Zeichen des Werfwolfs und diesen kann man nur mit 'Silber töten. Insgesamt muss man sagen, dass der Film nicht besonders gut gealtert ist. Es gibt eine zu lange und wenig interessante Exposition, bevor es richtig los geht und im Hauptteil gibt es noch einige Logiklöcher obendrauf. Auch Lon Chaney jr. ist für mich eine Fehlbesetzung für das Opfer, das macht- und schuldlos in diese ausweglose Situation gerät.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
Donnerstag, 14. April 2016
Bonjour Tristesse
Regie: Otto Preminger
Was im Sommer geschah...
Paris, Mitte der 50er Jahre...Dolce Vita und ein pulsierendes Leben in der französischen Metropole. Die 17jährige Cecile (Jean Seberg) sieht hinreißend aus und hat jede Menge Verehrer. Sie lebt dort mit ihrem Vater Raymond (David Niven), ein vermögender Playboy und Lebemann, der zwar bereits in die Jahre gekommen ist, aber sich auch über seine vielen Affären und Eroberungen definiert. Diese schwarz-weiß Bilder bekommen zunehmend einen Hauch von Melancholie. Vater und Tochter scheinen ein unzertrennliches Gespann zu sein, beide ähnlich darin, dass Leben in vollen Zügen zu genießen. Immer etwas unstet und getrieben, sämtliche Aktionen laufen darauf hinaus keine Party auszulassen und den Moment absolut auszukosten. Sie bestärken sich gegenseitig darin, sagen wie glücklich sie doch sind - doch der triste Schatten, der die beiden begleitet ist sichtbar. In einer Bar streiten sich zwei Verehrer von Cecile. Im Hintergrund singt Juliette Greco den Song "Bonjour Tristesse" und meint "The street I walk is sadness, My house has no adress - The letters that I write me begin "Bonjour Tristesse"...während sie auf der Tanzfläche in den Armen des Partners versinkt, denkt das junge Mädchen an die unbeschwerte Zeit des Urlaubs zurück. Ein Urlaub, der so schön und unbeschwert begann und dann in einer Katastrophe und schlußendlich in Depression endete.
Ab hier wird das Bild in Otto Premingers Meisterwerk "Bonjour Tristesse" nach dem gleichnamigen Romanwelterfolg von Francoise Sagan farbig. Eine weiße Villa ist zu sehen, die auf einer Anhöhe liegt. Darunter Klippen und ein Weg, der zum Strand führt. Gelber Sand, tiefblaues Meer und eine brennende Sonne, die die junge Elsa Mackenbourg (Mylene Demongeot) gerade zu spüren bekam. Sie hat einen massiven Sonnenbrand und ihre Haut schält sich. Elsa ist die neue Flamme von Raymond, der ständig seine Frauenbekanntschaften wechselt und sein leichtes und sorgloses Leben als Casanova und Partylöwe in vollen Zügen auslebt. Vom gleichen Schlag ist auch die Erzählerin Cecile, die ihren Vater sehr liebt und es ihm nachtut. Müßgigang 24 Stunden am Tag. Alle drei sind hier vor dieser traumhaften Kulisse und Cecile, der verwöhnte Backfisch mit wenig Sinn für Verantwortung, ist gerade durch die Prüfung gerasselt. Kein Problem, denn im Moment hat sie vor allem Augen für den attraktiven Jurastudenten Philippe (Geoffrey Horne), der aber nicht so viel von ihren frivolen Ansichten über das Leben hält. Doch auch er fühlt sich zu dem hübschen Mädchen hingezogen. Obwohl mit Elsa liiert hat der Vater bald eine Überraschung parat. Die beste Freundin der verstorbenen Mutter hat er eingeladen. Anne Larsen (Deborah Kerr) ist Ceciles Patentante und eine bekannte und erfolgreiche Modedesignern. Doch diese hat nicht damit gerechnet, dass Raymond seine derzeitige Geliebte in der Villa beherbergt. Als sie dies bei der Ankunft von Cecile erfährt, will sie wieder wütend und traurig abreisen. Doch sie entscheidet sich spontan um. Und Raymond scheint zunehmend Gefallen an Anne zu finden, die bodenständig und verlässlich ist und bürgerliche Werte vermittelt. Dies gefällt sowohl Vater als auch der Tochter und Anne scheint sich eine Beziehung mit Raymond vorstellen zu können. Aber für Affären ist Anne nicht zu haben. Dann geschieht das Unglaubliche: Der Frauenheld hat sich anscheinend in Anne verliebt und beide planen ihre Heirat. Mit dieser neuen Situation mischt sich Anne auch vermehrt in Ceciles Belange ein. Sie will, dass das Mädchen die Urlaubszeit auch fürs Lernen nützt, denn sie soll die Prüfung im Oktober nachholen. Damit macht sie Cecile zu ihrer erklärten Feindin. Heimlich schmiedet das Mädchen einen fiesen Plan die zukünftige Frau des Vaters wieder loszuwerden...
Und damit beginnt das Verhängnis, dass dann so
stark in das Leben der Protagonisten greift, dass sie sich nicht mehr
davon erholen können. Otto Preminger hat mit Filmen wie "Laura",
"Anatomie eines Mordes", "Der Mann mit dem goldenen Arm" oder "Carmen
Jones" große Filmklassiker geschaffen. Auch der etwas in Vergessenheit
geratene Cinemascope Streifen "Bonjour Tristesse" darf zu seinen besten
Meisterwerken gezählt werden. Er hat aus dem Roman von Francoise Sagan
eine düstere Geschichte gemacht, die in der glühenden Sonne spielt. Vor
allem die Vertreter der Nouvelle Vague wie Jacques Rivette, Francois
Truffaut oder Jean-Luc Godard feierten diesen 1958 entstanden Film über
das kalte Ambiente von Oberflächlichkeit, Luxus und Langeweile. Die
Bilder sind edel, opulent und immer wieder großartig fotografiert
(Kamera: Georges Perinal). Otto Premingers Angriff richtet sich gegen
ein selbstverliebtes,sattes und vermögendes Bürgertum.Die Langeweile
wird mit Liebesaffären bekämpft und dennoch sind Einsamkeit und
Sinnlosigkeit allgegenwärtig.Die Folgen dieser Dekadenz sind denn auch
vernichtend. Jean Seberg wurde mit diesem Film bekannt und war kurze
Zeit später in Melvilles "Außer Atem" zu sehen, der sie endgültig zum
Weltstar machte. David Niven passt optimal als Lebemann, der den Frust
verdrängt und Deborah Kerr liefert als Anne eine oscarreife Vorstellung,
die insgesamt 6 Mal für den Oscar als beste Schauspielerin nominiert
wurde. Auch im Jahr 1959 - allerdings nicht für Premingers Film, sondern
in "Der Seemann und die Nonne" von John Huston. Gewonnen hat sie ihn
aber erst 1994 in der Form eines Ehrenoscars für ihr Lebenswerk.
Der
Film wurde bei seinem Erscheinen als jugendgefährdet eingestuft und
wurde von der FSK erst mit 18 Jahren freigegeben. Dies wurde bis heute
nicht verändert.Bewertung: 10 von 10 Punkten.
Dienstag, 12. April 2016
Über den Dächern von Nizza
Regie: Alfred Hitchcock
Von Juwelendieben und Katzen...
Kameramann Robert Burks gehörte in den Jahren 1951 bis 1964 zu den engsten Mitarbeitern von Alfred Hitchcock. Er fotografierte die Hitchcock-Klassiker "Der Fremde im Zug", "Bei Anruf Mord", "Das Fenster zum Hof", "Immer Ärger mit Harry", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" oder "Die Vögel". Für seine Arbeit zu der 1955 entstandenen Thriller-Romanze "Über den Dächern von Nizza" erhielt er dann auch gerechterweise einen Oscar, nachdem er für "Fremder im Zug" und "Das Fenster zum Hof" bereits nominiert war. Zweifelsohne gehört der Film, der vor dem traumhaften Hintergrund der französischen Riviera entstand, zu den schönsten Farbfilmen der 50er Jahre. Ausserdem kreierte der Meister der Spannung mit diesem leichtfüßigen Abenteuer ein neues Subgenre, dass dann "kultivierte Thriller-Romanze" hieß und auch andere Filmemacher zu Nachfolgern animierte. Stanley Donen schuf sogar zwei ähnliche Filme mit "Charade" und "Arabesque". Schon die ersten Bilder vor der sommerlichen Cote-d´Azur Kulisse sehen grandios aus. Dort in einer wunderschönen Villa in einem kleinen Dörfchen hat sich John Robie (Cary Grant) zur Ruhe gesetzt. Einst trieb er vor dem 2. Weltkrieg in seiner wunderschönen Wahlheimat sein Unwesen als versierter Juwelendieb. Man nannte ihn "Die Katze", aber während des Krieges wurde er zu einem der Helden der Resistance. Nun wird aber seine Ruhe empfindlich gestört, da ein Dieb sein Unwesen treibt und reiche Touristinnen um ihre wertvollen Juwelen bringt. Auffällig dabei ist, dass der Dieb Robies alte Methode zu kopieren scheint. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Polizei Robie selbst verdächtigt und ihm einen Besuch abstattet. Bei diesem Treffen kann Robie in einer wilden Autojagd entkommen und seinen alten Komplizen Bertani (Charles Vanel) aufsuchen, der ebenfalls ein bürgerliches Leben führte und ein Restaurant führt. Ausserdem hat Bertani allen seinen ehemaligen Partnern in seinem Unternehmen einen Job besorgt, so arbeitet auch Robies Kompagnon Foussard (Jean Martinelli) als Kellner. Mit dessen Tochter Danielle (Brigitte Auber) gelingt Robie ein weiteres Mal der Polizei zu entkommen. Die 17jährige Danielle schwämt von Robie, glaubt aber auch, dass er seinem alten Laster wieder nachgeht. Dies findet sie prickelnd und bietet sich als gleich als Komplizin an, als sie Robie mit einem Motorboot in Sicherheit bringt. Bertani gab ihm den Tipp, sich an den Versicherungsagenten Hughson (John Williams) zu wenden, der auch froh wäre, wenn der wahre Dieb gefasst werden würde. Robies Plan - den Täter auf frischer Tat zu ertappen - hört sich da nicht ganz unlogisch an. Aber dafür muss Hughson ihm eine Liste mit besonders reichen Touristen zukommen lassen, die viel Schmuck haben. Da die US-Millionärin Mrs. Stevens (Jessie Royce Landis) und ihre Tochte Frances (Grace Kelly) besonders reich sind und im Besitz von besonders wertvollen Juwelen sind, geht Robie davon aus, dass die beiden die nächsten potentiellen Opfer seines Kopierers sein könnten. Grund genug, deren Bekanntschaft zu machen. Dabei erweist sich besonders die Anfangs extrem unterkühlte Tochter Frances als kleines neurotisches Biest. Sie findet sehr schnell heraus, dass der neue Bekannte nicht der schwerreiche Holzmillionär Burns aus Oregon ist, wie er sich vorstellte, sondern niemand anders als der legendäre John Robie, die Katze. Doch da sie das falsche Spiel prickelnd finden, macht sie eine Zeitlang mit. Erst bei einer wilden Autofahrt zu der am höchsten gelegen Küstensstraße Grande Corniche, wo die beiden picknicken wollen, stellt sie Robie zur Rede..
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Ein herrlicher Film, bei dem Hitchcock gar nicht mal sonderlich bemüht ist den Spannungsbogen voranzutreiben. Trotzdem funktioniert "Über den Dächern von Nizza" bestens. Es liegt einerseits an der edlen Machart des Films und auch an den Darstellerleistungen. Auch stimmt die Chemie zwischen Grant und Kelly und man ist als Zuschauer immer wieder überrascht wohin die potentiellen Lovestory nun läuft. Zuerst wirkt Grace Kelly ungeheuer kühl, ja fast kalt und abweisend und dann gibt sie dem verdutzten Cary Grant vor ihrem Hotelzimmer einen leidenschaftlichen Kuß. Später weiß man, dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt die Identität des vormaligen Fassadenkletterers bereits erkannt hat. So wird die Frau selbst zur Katze, die mit John Robie ein interessantes Katz und Mausspiel beginnt. Sehr abwechslungsreich auch die andere Frau, die Robie unverholen ihr Begehren mitteilt. Die junge Französin Danille ist ein völlig anderer Typ wie Frances. In einer der besten Szenen des Films begegnen sich die beiden Konkurrentin im Wasser. Auf einem Floß im Meer liefern sie sich einen eifersüchtigen Schlagabtausch - der Mann, um den es geht, kann nur noch tatenlos mitanhören, wie sich die beiden Grazien angiften. Ebenfalls gut gewählt sind die Figuren der Millionärin Mutter, gespielt von Jessie Royce Landis, die dann einige Jahre später in "Der unsichtbare Dritte" Grants Mom spielte - obwohl sie nur 8 Jahre älter als Grant war und die des Versicherungsvertreters, der von John Williams gespielt wird. Williams bleibt unvergessen als Kommissar in "Bei Anruf Mord" und dem ähnlich konzipierten "Mitternachtsspitzen" von David Miller.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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