Dienstag, 31. Mai 2016

Cyrano de Bergerac - Der letzte Musketier




Regie: Michael Gordon

In Roxanne verliebt....

"Cyrano de Bergerac", das berühmte Versdrama von Edmond Rostand aus dem Jahr 1897 bezieht sich auf den Schriftsteller Hector Savinien de Cyrano (1619 - 1655), der zwei fantastische Romane über Mond- und Sonnenbewohner schrieb. Rostands Drama erzählt von seinem einzigartigen und auffälligen Aussehen, er hat eine extrem lange Nase, unter der er sehr leidet. Aber Cyrano ist auch ein mutiger und gefürchteter Mann und so mancher Spötter verliert im Duell mit der Langnase. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt und die beste und berühmteste stammt von Jean Paul Rappenau aus dem Jahr 1990 mit einem grandiosen Gerard Depardieu - vielleicht sogar in der Rolle seines Lebens. Dafür bekam der französische Historienfilm sogar 5 Oscarnominierungen - darunter war auch Depardieu, der die Trophäe aber nicht gewinnen konnte und von Jeremy Irons mit "Die Affäre der Sunny B." geschlagen wurde. Weniger bekannt ist die Hollywood Verfilmung aus dem Jahr 1950. Hier gelang es Jose Ferrer, dem Darsteller des Cyrano, den Oscar zu gewinnen. Dennoch ist der Film heute in Vergessenheit geraten. Natürlich ist Rappenaus Film viel opulenter und besser, aber dennoch war "Der letzte Musketier" von Michael Gordon (Bettgeflüster, Eine zuviel im Bett) einer der Filmfavoriten meiner Kindheit. Mich hat die tragische Liebesgeschichte damals sehr fasziniert. Cyrano (Jose Ferrer) ist ein Freigeist und ist in seinem Garderegiment, das hauptsächlcih aus gascognischen Kadetten, besteht ein geschätzter Kamerad. Nur wenige haben seinen Heldenmut und seine Tapferkeit. Doch Cyrano ist nicht nur Haudegen und Duellist, er liebt auch die Poesie und schreibt Gedichte. Er interessiert sich für Alchemie und für religionskritische Autoren seiner Zeit. Ausserdem ein Meister der Fechtkunst und heimlich verliebt in seine schöne Cousine Roxanne (Mala Powers). Er kann ihr seine Liebe aber nicht gestehen, da er wegen seiner riesigen Nase eine Absage befürchtet. So schwärmt er heimlich für sie. Der Film fängt im Theater an. Dort jagt Cyrano einen Schauspieler von der Bühne, weil der viel zu pathetisch spielt und ausserdem Cyranos heimlicher Liebe unverschämte Blicke zuwirft. Natürlich macht er sich mit dieser Aktion wieder mal keine Freunde. Immerhin nahm Roxanne Notiz von ihrem berühmten Cousin, denn sie bittet ihn um eine Unterredung. Was kann das sein ? Könnte sie auch Gefühle für ihn hegen ? Die Hoffnung ist groß, doch sie wird jäh zerstört als Roxanne Cyrano von ihrer heimlichen Zuneingung zu Christian von Neuvilette (William Prince) erzählt, einem Neuling in seinem Regiment. Roxanne bittet darum, dass Cyrano eine schützende Hand für Christian wird. Doch Roxanne ist anspruchsvoll. Christian ist gutaussehend, sie liebt aber ein poetisches Werben. Dies ist ein Talent, dass Christian nicht besitzt. So bietet Cyrano Christian seine Hilfe bei der Liebeswerbung an: Er schreibt an Roxane kunstvolle Liebesbriefe in Christians Namen. Dadurch gewinnt Christian Roxanes Herz und Hand, beide heiraten heimlich. Antoine Graf Guiche (Ralph Clanton), ein weiterer Verehrer von Roxanne kommt zu spät. Er hat jedoch die Macht Christian in den Krieg gegen die Spanier zu schicken. Auf dem Feld schreibt Cyrano seiner angebeteten Roxanne täglich Briefe im Namen von Christian. Eines Tages bekommt das Regiment an der Front Besuch...


ein berühmter Stoff, der 1950 von Stanley Kramer produziert wurde. Jose Ferrer ist natürlich auch ein sehr guter Cyrano und wirkt bis zuletzt glaubwürdig. Die Szene im Kloster am Ende des Films ist natürlich weltbekannt und fast zu spät erkennt Roxanne welchen Mann sie wirklich liebte - den Mann mit der Schönheit der Seele. Ein Triumph für die Poesie und die Kraft der liebenden Worte. Allerdings wird de Bergerac kurz vor diesem obligatorischen Samstagsbesuch bei seiner Cousine durch einen Anschlag schwer verwundet, so dass er in ihren Armen durch Blutverlust stirbt.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Montag, 23. Mai 2016

Die Farm der Gehetzten



Regie: Andre de Toth

Connies gefährliches Spiel...

In Sam Peckinpahs "Sacramento" traten sie gemeinsam auf: Randolph Scott und Joel McCrae, zwei Helden früherer Westernfilme, die irgendwann Kultstatus erringen konnte. Randolph Scott vor allem durch Butt Boettichers 7 Filme umfassenden "Ranown Zyklus" und Joel McCrae durch 3 Western, die in den Jahren 1944 bis 1948 von Harry Sherman produziert wurden: Den Anfang des Trios bildete die Lebensgeschichte des berühmten Büffeljägers William "Buffalo Bill" Cody "Buffalo Bill, der weiße Indianer" (1944, Regie: William Wellman), das Ranch-Drama "Die Farm der Gehetzten" (1947, Andre de Toth) und als Abschluß "Flucht nach Nevada" (1948, Alfred E. Green). "Ramrod" , so der Originaltitel von "Die Farm der Gehetzten" war einer der ersten Regiearbeiten des aus Ungarn stammenden US-Regisseurs de Toth. Der äusserst interessante B-Western wird oft sogar auch dem "Film Noir" Genre zugeordnet - ausschlaggebend dafür ist, dass auch hier im Wilden Westen eine berechnende und hinterhältige Femme Fatale die Männer in ihrer Umgebung für ihre Zwecke manipulieren will. Ausserdem scheinen die harten Cowboys nicht in der Lage zu sein, dass Spiel nikcht kontrollieren zu können. Hauptthemen sind Leidenschaft und Gier. Was "Die Farm der Gehetzten" von  vielen anderen Genreverwandten unterscheidet, ist die düstere Gemütslage der Geschichte und wie Kameramann Russell Harlan mit seiner schattenhaften und atmosphärischen Fotografie zum individuellen Charakter des Films beiträgt. Andre de Toth war zu dieser Zeit mit der Hauptdarstellerin Veronica Lake verheiratet und arbeitete erstmalig mit seiner Frau zusammen, die schon durch die gemeinsamen Filme mit Alan Ladd beste Film Noir Erfahrung hatte. Sie spielt die Hauptfigur Connie Dickason aggressiv und sexuell aktiv. Als Gegenpart tritt mit Arlene Whelan als Rose Leland eine ganz total verschiedene Frauenfigur auf. Sie steht für das traditionelle Frauenbild - das Girl, dass auf ihren Cowboy wartet.
Der Film fängt mit einem drohenden Konflikt an. Der Schafzüchter Walt Shipley (Ian McDonald) hat sich viele Feinde unter den Ranchern gemacht, die das Weideland für ihre Rinder beanspruchen. Vor allem Frank Ivey (Preston Ruggles), der "Boss" des Tales will, dass Shipley aus der Stadt verschwindet. Doch so leicht ist das nicht, denn Connie Dickason (Veronica Lake), die willenstarke Tochter des Ranchbesitzers Ben Dickason (Charles Ruggles) hat vor den Schafzüchter zu heiraten. Sehr zum Ärger ihres Vaters, der für eine Heirat mit dem starken Mann Ivey plädiert. Nun steht das Duell bevor, unterstützt wird Shipley von seinem Freund Dave Nash (Joel McCrea), einem früheren Alkoholiker, der aber gut mit der Waffe umgehen kann. Im entscheidenden Moment kneift Shipley und verlässt die Stadt. Sein Land hat er aber Connie vermacht, die nicht im entferntesten daran denkt sich ihrem Vater und Ivey zu beugen. Sie heuert Dave als Vormann an und der kann seinen ehemaligen Kumpel Bill Schell (Don deFore) für den Kampf gegen die Kontrahenten gewinnen. Während Dave mt legalen Mitteln den Konflikt für sich und Connie entscheiden will, ist Bill eher der Hitzkopf, der auch ausserhalb des Gesetzes agiert. Der Sheriff (Donald Crisp) versucht Ruhe zu bewahren und schlimmes zu verhindern, die hübsche Rose Leland (Arleen Whelan) ist heimlich verliebt in Dave, der auch Gefühle für sie hegt. Doch Connie verdreht auch ihm den Kopf...


Die Dynamik wird von der rücksichtslosen Frau beherrscht - die Situationen, in die die Akteure schlittern sind paranoid, hoffnungslos und auch ziemlich klaustrophobisch. Nicht nur als Regisseur machte Andre de Toth in der Traumfabrik Karriere machte, von ihm stammt auch die Story zu Henry Kings Western "Der Scharfschütze" mit Gregory Peck. Von seinen Western wurde vor allem "Zwischen zwei Feuern" ein Kassenhit, aber auch "Gegenspionage", "Mann im Sattel" oder "Donnernde Hufe" udn "Tag der Gesetzlosen" sind empfehlenswerte Gernrearbeiten. Hier in "Die Farm der Gehetzten" präsentiert de Toth endrücklich die Philosophie des Faustrechts. Der Stärkere siegt, der Schwächere verliert vielleicht sein Leben.


Bewertung. 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 22. Mai 2016

Tag ohne Ende
























Regie: Anthony Mann

Männer im Krieg...

1957 inszenierte Regisseur Anthony Mann mit "Tag ohne Ende" (Original: Men in War) einen atmosphärisch dichten udn glaubwürdigen Kriegsfilmklassiker, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist. Von Anthony Mann sind eher seine Western mit James Stewart (Meuterei am Schlangenfluß, Winchester 73, Nackte Gewalt, Der Mann aus Laramie, Über den Todespass)  im kollektiven Gedächtnis geblieben. Der Film wurde damals vom Pentagon abgelehnt und von der Zensur stark überwacht. Vielleicht wird dies am ehesten deutlich durch den etwas schwächelnden Schlußpart. Dennoch ist die Klasse des Film vor allem in der ersten Stunde jeden Moment sichtbar. Der Film basiert auf der Novelle "Day without End (Combat) von Van Van Praag und schildert ein nüchternes, aber umso wirkungsvolleres Bild über eines der Tausenden unrühmlichen kleinen Kapitel des Krieges. Die Handlung spielt sich innert von 24 Stunden ab. Dort in der sengenden Hitze befindet sich eine vom Bataillon abgeschnittene Einheit von 17 Soldaten unter dem Befehl des besonnenen und mutigen Lieutenant Benson (Robert Ryan), der bei seinen Männern großen Respekt und Vertraugen genießt. Doch die Lage scheint aussichtslos zu sein. Der Trupp befindet sich mitten im Feindesland. Dort in der ruhig wirkenden Natur befinden sich lautlos und unsichtbar überall feindliche Heckenschützen. Die tauchen wie aus dem Nichts plötzlich aus einem Gebüsch auf und töten die US-Boys lautlos mit dem Messer oder dem Bajonett. Die Kameraden merken nicht mal, dass der Feind für Sekunden in den eigenen Reihen war. Corporal James Zwickley (Vic Morrow) ist krank und hat Fieber, ihr Jeep ist liegen geblieben und nicht reparabel und das Funkgerät wurde vom Feind zerstört. Der Befehl an diesem 6. September 1950 lautet: Höhe 46 erreichen und einnehmen. Von ihrem Versteck aus sind das ca. 20 Kilometer Fußmarsch. Trotzdem haben die Männer keine Eile, weil sie den Tod vor den Augen ahben. Dann taucht  wie aus dem Nichts plötzlich ein Jeep auf. Sergeant Montana (Aldo Ray) will seinen Vorgesetzten Colonel (Robert Keith) auf dem schnellsten Weg ins ins nächste Lazarett bringen. Dieser steht unter Schock. Doch  Benson beschlagnahmt den Wagen, um damit die Munition für seine Einheit zu transportieren. Montana und der Colonel müssen sich Benson wohl oder übel anschließen. Eine gewisse Rivalität zwischen den beiden Männern ist zu spüren, aber sie bemerken sehr schnell, dass sie auf sich angewiesen sind. Die körperlichen Strapazen sind gegenwärtig. Die Hitze, die unaufhörlich knallende Sonne, die zu Ende gehenden Wasservorräte, die schweißgetränkte Kleidung. Als der Vorposten Sergeant Killian (James Edwards) von zwei koreanischen Soldaten in einem Augenblick der Unachtsamkeit getötet wird (er sah Blumen auf dem Feld, pflückte davon und steckte sie auf seinen Helm), werden die Männer immer nervöser....


 Der Weg scheint unendlich und führt durch feindliches Sperrfeuer, ausserdem müssen sie ein gefährliches Minenfeld überqueren. Die meiste Zeit geht es einfach nur um die Angst der Soldaten. Anthony Mann wie ein kleiner Fußmarsch zu einer schier endlosen Tortur wird, der Tod sitzt im Nacken und ist ständiger Begleiter. Sowohl die Amerikaner als auch die Koreanischen Soldaten werden nicht als Helden, Opfer, starke Kämpfer dargestellt. Es sind Männer, die ihre Pflicht erfüllen und meist von Angst erfüllt sind. Hier gibt es keinen Patriotismus und falschen Heldentum. Kampfhandlungen gibt es nicht viele, aber die Psychologie dieser Mission sorgt dennoch für Hochspannung. Man kann sich voll in die Situation hineinfühlen, denn der Film zeigt eindrücklich wie ganz normale Menschen in solch harten Situationen klar kommen müssen, um am Leben zu bleiben.
Anspannung und Bedrohung sind in jeder Sekunde präsent. Robert Ryan und Aldo Ray spielen zwei Archetypen. Der eine will alles tun, um seine Männer lebend hinter die eigenen Linien bringen. Er agiert besonnen und human, auch weiß, dass auch die Feinde nur Menschen sind. Dagegen ist sein rangniederer Konkurrent Montana skrupellos, wenn es drauf ankommt, er hält sich nicht an Regeln und reagiert aus dem Bauch heraus. Beide Männer so verschieden sie sind, ergänzen sich auch im Überlebenskampf. "Tag ohne Ende" ist ein echter Antikriegsfilm, der im Jahr 1957 schon einige wegweisende Arbeiten über den Vietnamkrieg eindrucksvoll vorweg nahm. Optisch ist der Film so minimalistisch wie möglich gehalten.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten

Für König und Vaterland

























Regie: Joseph Losey

Einfach weglaufen...

Joseph Loseys "Für König und Vaterland" entstand 1964 und weist gewisse Ähnlichkeiten mit Stanley Kubricks Meisterwerk "Wege zum Ruhm" auf, der 7 Jahre vorher enstand. Beide Filme spielen im 1. Weltkrieg und in beiden Fällen geht es darum, wie das Militär mit den Schwächen der Soldaten umgeht. In Kubricks Film sollen 3 zufällig ausgesuchte Männer hingerichtet werden, weil es die Einheit der Feigheit bezichtigt wurde und man nur tapfere, todesmutige Helden erlaubte. In Loseys Film geht es um den jungen Soldaten Arthur Hamp, gespielt von Tom Courtenay, der vor ein Kriegsgericht gestellt wird, weil er sich von der Front absetzen und einfach nach Hause gehen wollte. Mit diesem Schwarz-Weiß Film schuf Losey einen beeindruckenden Antikriegsfilm, der teilweise sehr theaterhaft durchkomponiert wirkt. Der amerikanische Regisseur trat 1946 in die kommunistische Partei ein - ein Schritt, der ihn auf McCarthys schwarze Liste setzte und es in der Folge für ihn unmöglich machte in seiner Heimat Filme zu drehen. Im englischen Exil schuf er dann großartige Filme wie "Der Diener", "Sie sind verdammt", "Der Mittler", "Das Mädchen und der Mörder", "Die romantische Engländerin" und "Monsieur Klein". In "Für König und Vaterland" herrscht eine triste Stimmung in einer tristen Umgebung. Der 1. Weltkrieg tobt und in der dritten Flandernschlacht begeht der bisher sehr tapfere Soldat Arthur Hamp (Tom Courtenay) Fahnenflucht. Dabei läuft er einfach vor der Front davon, ohne großen Plan - er will einfach nur noch nach Hause, als einziger Überlebender seiner Kompanie.  Ein paar Tage vorher suchte er den Militärarzt Captain O´Sullivan (Leo Genn) auf, weil er Ängste verspürte und sich dafür etwas verschreiben lassen wollte. Doch statt dem beruhigenden Medikament bekam er vom Doc ein Abführmittel, was dieser immer bei solchen Beschreibungen der Soldaten für sinnvoll erachtet. Hamp kommt aus der Unterschicht und es droht im als Deserteur die Todesstrafe. Sein Pflichtverteidiger ist der arrogante, aus der Oberschicht stammende Captain Hargreaves (Dirk Bogarde), der eigentlich für Feiglinge kein Verständnis hat. Er besucht den Gefangenen zum ersten Mal in seinem notdürftig eingerichteten Gefängnis im Schützengraben. Der Kriegsschauplatz ist von Regen und Matsch durchtränkt, die Zelle wird nur durch ein Gitter geschlossen, das mal das Kopfteil eines Messingbettes gewesen sein muss. Auf dem Boden lauter Schmutzlachen. Je mehr der Soldat von seinem Schicksal berichtet, desto mehr gewinnt Hargreaves Zweifel an seiner Schuld. Er erkennt, dass der Mann zum Zeitpunkt seiner Desertation schuldunfähig handelte. Doch wird das Kriegsgericht unter der Leitung des Colonels (Peter Copley) diesen Fall ähnlich sehen ?


Dieses Kriegsgericht - ebenfalls im Schützengraben - tagt ebenfalls sehr provisorisch und besteht aus einigen Holztischen und -stühlen. Sehr schnell wird dem Zuschauer klar, dass diese "Feigheit" vor dem Feind nicht gut für den Angeklagten enden kann, denn was wäre das für ein Signal für die Truppenmoral. Hamps Mitsoldaten rechnen ihm auch Null Chancen aus, was sie in einem Spiel deutlich machen, dass sie draussen mit einer Ratte nachspielen. Das Tier wird von den Männern zum Tode verurteilt. In der Nacht vor der Hinrichtung schleichen sich die Soldaten in Hamps Gefängnis und trinken gemeinsam mit ihm, in diesem Moment scheinen sie die Sorgen und Ängste zu vergessen. Ein Bild der Weichheit inmitten dieses Krieges ist vorübergehend domiant. Am anderen Morgen soll er aber exekutiert werden. Tom Courtenay und Dirk Bogarde spielen ihre Rollen sehr glaubwürdig und gut. Courtenay erhielt für seine Darstellung sogar den Coppa Volci der Filmfestspiele in Venedig. Loseys Film wurde viermal für den britischen Filmpreis nominiert. Der recht unbekannte Film schildert nicht die Kämpfe auf dem Schlachtfeld, sondern die Tücken des Soldatenlebens. Vor der Front gibt es kein Entrinnen - entweder man geht freiwillig in den wahrscheinlichen Heldentot, wenn nicht, wenn man sich weigert schießt nicht der Feind, sondern die eigene Armee. Fast mehr noch als bei Kubrick ist Loseys Film ein Krieg ohne Feind:  Im Hintergrund sind den Film über beständig Explosionen zu hören, aber gekämpft wird hier nur innerhalb der eigenen Reihen: Die gesamte Geschichte spielt sich in dieser dreckigen Bunkeranlage ab, und die Befehlshaber entscheiden mit Beiläufigkeit über Leben und Tod ihrer eigenen Männer. Auch hier wird der Gedanke geäußert, daß eine Hinrichtung eines "feigen" Soldaten die Motivation der restlichen Männer steigern wird, die bald wieder in die Schlacht ziehen müssen. In so einer Welt braucht es eben keinen Feind, damit Menschen sterben.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 21. Mai 2016

Im Netz der Leidenschaft

























Regie: Tay Garnett

Wenn der Postmann zweimal klingelt...

Der US-amerikanische Kriminalroman "Wenn der Postmann zweimal klingelt" von James M. Cain aus dem Jahr 1934 wurde bereits siebenmal verfilmt. 1939 versuchte es der Franzose Pierre Chenal mit "Le dernier tournant" erstmalig. Aber erst Luchino Visconti mit seiner italienischen Version "Ossessione" schaffte den Welterfolg. Es folge Tay Garnetts Film Noir "Im Netz der leidenschaften" aus dem Jahr 1946. 35 Jahre später konnte dank der Promotion und der Darsteller Jack Nicholson und Jessica Lange auch Bob Rafelson ein Riesenerfolg damit verzeichnen. Die weiteren Verfilmungen waren weniger bekannt. Auch wenn der deutsche Film "Jerichow" mit Benno Führmann und Nina Hoss doch gute Kritiken erntete und für den deutschen Filmpreis als bester Film des Jahres nominiert wurd.
Beste Verfilmung ist und bleibt aber "Ossessione" - aber auch Tay Garnetts Film hat so seine Reize. Es wurde auch neben "Das Haus der 7. Sünden" und "Die Entscheidung" Garnetts erfolgreichster Film.
"Im Netz der Leidenschaft" ist auch die Geschichte von Frank und Cora. Frank Chambers (John Garfield) ist ein attraktiver Herumtreiber, der weder an einem festen Wohnsitz noch an einer festen Arbeit interessiert ist. Er reist seit langer zeit per Anhalter durch Kalifornien, wenn er mal wieder etwas Geld braucht, dann jobbt er einige Tage und reist dann wieder weiter. An einem Diner names Twin Oaks, irgendwo im Hinterland, sieht er das Schild "Man wanted" und lässt sich dort von dem Fahrer absetzen, der ihn ein Stück weit mitgenommen hat. Er steigt aus, der Mann fährt weiter und wird von einem hinterherfahrenden Polizisten angehalten. Doch er darf sofort weiterfahren, denn der Mann am Steuer ist der bekannte Staatsanwalt Kyle Sackett (Leon Ames). Dann wird er von dem Besitzer des Diners Nick Smith (Cecil Kellaway) freundlich begrüßt, denn der braucht ganz dringend einen Mann, der tatkräftig mit anpackt. Er kriegt natürlich den Job und dort trifft er die sehr junge, attraktive Cora (Lana Turner). Zu seiner Überraschung stellt sich heraus, dass Cora mit dem älteren Nick verheiratet ist. Es ist gleich fasziniert von der lasziven Blondine. Irgendwie funkt es da auch gleich zwischen den Beiden. Und Cora versucht sogar ihren Nick zu überzeugen, dass er Frank wieder entlassen soll. Dieser denkt aber nicht daran und lässt die beiden sogar in seinem Beisein miteinander tanzen. Bei einem gemeinschaftliche nächtlichen Bad im Meer kommen sich die beiden näher, Cora schafft es nicht mehr Frank abzuwehren - und schon ist eine heimliche erotische Liason am Laufen. Unbemerkt von dem ahnungslosen und naiven Nick. Bald entsteht der Plan Nick aus dem Weg zu räumen. Coras Plan sieht vor, Nick umzubringen, während er ein Bad nimmt. Man will das alles als Unfall vortäuschen, aber der erste Plan misslingt...


Was die Liebenden aber nicht davon abhält das Vorhaben ein zweites Mal zu versuchen. Dabei kommt ihnen natürlich der Staatsanwalt in die Quere, aber mit dem windigen Anwalt Arthur Keats, gespielt von Hume Cronyn, taucht auch ein kluger Gegenspieler auf. Was alles so nach dem missglückten Unfall passiert, ist natürlich eine Dynamik der überraschenden Zufälle und Wendungen. Dies macht den Film bis zuletzt sehr interessant. Erwähenswert auch die guten Darsteller in den Nebenrollen wie Cecil Kellaway, Leon Ames und Hume Croyn. Lana Turner ist natürlich bestens besetzt als Femme Fatale, die aus ihrem Alltagstrott ausbrechen will und Höhen und Tiefen mit der fatalen Beziehung zu Frank erlebt. Anfangs noch zögernd, wird sie später die Triebfeder des mörderischen Handlens sein. Ein bisschen erinnert die Geschichte natürlich auch an Billy Wilders großen "Frau ohne Gewissen" - diese Klasse erreicht Tay Garnetts Genrebeitrag natürlich nicht. Dennoch gilt der Film zurecht als sehr guter Film Noir, auch wenn der Inszenierungsstil nicht so dunkel und düster wirkt wie sonst bei der schwarzen Serie. Die Ironie des Schicksal ist dabei das große Leitmotiv des Films. Immer wieder ist erkennbar, dass das Schicksal die Oberhand in der Geschichte behält, denn die vielen Zufälle, die sich einschleichen, sind schon auffällig hoch. Am Ende steht die Gerechtigkeit, aber auch die Gewissheit einer großen - fatalen - Liebschaft.


Bewertung. 8 von 10 Punkten.

Casbah - Verbotene Gassen

























Regie:  John Berry

Pepe Le Moko mit Musik...

"Casbah - Verbotene Gassen" entstand 1948 unter der Regie von John Berry und ist das US-Remake des französischen Filmklassikers "Pepe Le Moko - im Dunkel von Algier". Ein großartiger Film, der im Jahr 1936 von Julien Duvivier inszeniert wurde und für mich zu den besten 20 Filmen der 30er Jahre gehört. Vielleicht bringt Koch Media nun auch das Original in der Filmreihe "Film Noir" heraus - dann hätte man einen Vergleich und gleichzeitig endlich eine deutsche DVD-Ausgabe eines unvergesslichen Film-Meisterwerks. "Casbah - Verbotene Gassen" brachte es sogar auf eine Oscarnominierung - allerdings in der Kategorie für den besten Song. Das Lied "For every man theres a Woman" wurde von Harold Arlen und Leo Robin geschrieben und es nicht das einzige Musikstück, dass im Film dargeboten wird. Insgesamt gibt es vier Songs zu hören und einige Tanzeinlagen. Eine der Tänzerinnen ist die damals noch unbekannte Eartha Kitt. Die "Catwoman" ist nicht zu übersehen. Dass die Macher sich leider für diese Musical-Einlagen entschieden haben, schwächt die Spannung des Films enorm, denn storytechnisch orientiert sich der Film weitestgehend am Original und die Geschichte ist einfach gut, auch die eigentümliche Atmosphäre der "Casbah", in der sich der Gangster Pepe Le Moko (Tony Martin) vor der Polizei versteckt. Leider ist der gutaussehende Tony Martin kein Jean Gabin - dafür darf man sich an Peter Lorre begeistern, der den raffinierten Inspektor Slimane großartig spielt. Die Geschichte ist einfach, aber wirkungsvoll: Der neue Polizeipräfekt von Algier (Thomas Gomez) will endlich den berüchtigten Juwelendieb Pepe Le Moko fassen. Doch dies scheint ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein. Der smarte Gangster ist bei den dortigen Bewohnern ein Held und äusserst beliebt. Keiner würde ihn verraten, im Gegenteil: Er verfügt über Hunderte von freiwilligen Bodyguards, die die Auslieferung von Pepe verhindern. In der Casbah von Algier ist der Mann geschützt. Inspektor Slimane (Peter Lorre) der für das Viertel zuständig ist, besitzt einen langen Arm und pflegt mit Pepe beinahe schon ein freundschaftliches Verhältnis, gibt ihm aber immer wieder zu verstehen, dass er ihn eines Tages verhaften wird. Nur muss der Zeitpunkt gut gewählt werden. Mit dem Gangster Carlo (Douglas Dick) hat die Polizei einen Spitzel gewinnen können. Dieser saß mit Pepe in Frankreich im Knast und beide sind befreundet. Nun arbeitet der für das Gesetz, da man ihm die Haft erlassen hat und er soll Pepe aus der Casbah locken. Pepes Freundin Ines Tabac (Yvonne de Carlo) misstraut dem Neuankömmling aber. Als Slimane keine Erfolge vorweisen kann, wird er im Rang runter dekradiert und der Präfekt setzt die Verhaftung durch. Die misslingt, aber bei dieser Gelegenheit lernt Pepe die attraktive Gaby (Marta Toren) kennen, in die er sich verliebt. Obwohl Gaby verlobt ist, erwidert sie die Gefühle des Gangsters. Dies könnte die Stunde von Slimane sein..


Neben Peter Lorre sind auch die zwei Frauenrollen mit Marta Toren und Yvonne de Carlo gut besetzt. Tony Martins Part ist halt anders angelegt als der von Jean Gabin. Und seine diversen Gesangseinlagen machen ihn als Gangster für meine Begriffe viel zu glatt. Der Schluß ist auch etwas anders. Kann man aber durchaus akzeptieren, auch wenn gesamthaft die düstere Atmosphäre etwas geringer ausfällt. Die Location in "Pepe le Moko" wirkte viel gefährlicher und die Casbah als unheimliches und gefährliches Labyrinth. Dies gelingt dem Remake nur phasenweise.

Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Sanjuro

























Regie: Akira Kurosawa

Ein Samurai kommt zu Hilfe...

Der Japaner Akira Kurosawa war ein großartiger Regisseur und viele seiner großartigen Samurai-Filme sind unvergessliche Filmmeisterwerke. "Rashomon" aus dem Jahr 1950 war sein erster Welterfolg. Danach folgte vielleicht sein bester und bekanntester Film "Die sieben Samurai". Hervorragend auch "Das Schloß im Spinnwebwald" (1957), "Die verborgene Festung" (1958) oder "Yojimbo" (1961). "Sanjuro", der ein Jahr später entstand ist weniger bekannt und vordergründig eine Fortsetzung von "Yojimbo". Der Film, der mehr als die anderen Samurai Filme von Kurosawa eine gewisse Nähe zum Bühnenspiel vermittelt, ist an manchen Stellen auch humorvoll  und stellt dabei sogar Regel und Werte, denen die Protagonisten folgen, immer mal wieder in Frage. Für mich auch ein guter Film - aber keineswegs ein Meisterwerk wie seine Vorgänger. Die beste Szene kommt gleich am Anfang: Im Japan der Edo Zeit (ca. 1700) versucht ein junger Samurai (Yuzo Kayama)  sich gegen die Korruption im eigenen Clan aufzulehnen. Als er mit seinem Onkel (Yunosuke Ito) spricht, der nicht besonders sympathisch ist, wird er von diesem gewarnt er solle dieses Ansinnen bloß nicht weiterbetreiben, denn er wisse wer hinter der Korruption steckt und das wäre ein zu mächtiger Mann. Er ist regelrecht beim Onkel abgeblitzt - deshalb versucht er, dass das Anliegen mit dem Kikui, dem Vorsteher des Klans, besser verstanden wird. Der hat auch gleich ein offenes Ohr für den jungen Samurai und verspricht gegen die Korruption vorzugehen. Der junge Mann soll seine Freunde zusammentrommeln und in einem abgelegenen Gebäude auf ihn warten. Für die 9 Samurai ist der Fall klar: Der Onkel ist korrupt, aber in dem Vorsteher haben sie einen Verbündeten. Dieses Gespräch wird zufälligerweise von einem herumziehenden Ronin, Sanjuro Tsubaki (Toshiro Mifune) gehört, der sich dort zufällig aufhält, weil er eine Übernachtungsmöglichkeit brauchte. Er mischt sich in die Diskussion ein und gibt den 9 Freunden mit seinen Ausführungen zu denken, denn der Ronin denkt, dass nicht der Onkel, sondern der Vorsteher selbst sich der Korruption schuldig gemacht hat. Und er glaubt auch, dass bald die Männer des Vorstehers kommen werden, um die Freunde aus dem Weg zu räumen. Tatsächlich bestätigt sich Minuten später dieser Verdacht. Das Haus wird umgestellt. Es kommt durch die Schlagfertigkeit des Ronin noch nicht zum Kampf, aber bald darauf wird der Onkel, seine Frau (Takako Irie) und deren Tochter (Reiko Dan) werden von Kikui gefangen genommen. Der hat mit dem Truppenführer Muroto (Tatsuya Nakadai) einen sehr starken Mann. Der Kampf kann beginnen...


Wie gesagt ein guter Film, aber eben nicht ganz die Klasse der anderen Kurosawa Samurai-Meisterwerke. Dem Regisseur gelangen ja sogar im Spätwerk noch einmal zwei große Samuraifilme, der 1980 entstandene "Kagemusha" und vor allem 1985 den großartigen "Ran". Der interessante Part in "Sanjuro" ist die 'Begegnung der beiden starken Kämpfer Sanjuro Tsubaki und Hanbei Muroto. Beide Männer achten sich enorm, aber sie sind in diesem Kampf Feinde. Am Ende steht das Duell. Tsubaki will es nicht, aber Muroto kann ohne diesen Kräftevergleich nicht weiterleben - selbst wenn er der Unterlegene sein sollte. Dies sorgt für eine tollen Schlußpart.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.