Regie: Cy Enfield
Höllenfahrer auf den Straßen...
Auch die Briten haben immer wieder sehr gute Beiträge im Film Noir
Genre zustande bekommen. "Duell am Steuer" von Cy Enfield ist einer
davon. Der Film heißt im Original "Hell Drivers" und entstand 1957. Er
erinnert etwas an Jules Dassins "Gefahr in Frisco", weil in beiden
Fällen ein Lastwagenfahrer die Hautfigur ist, der irgendwann einer
Übermacht an Feinden gegenübersteht. In "Duell am Steuer" spielt der
1976 im Alter von 48 Jahren verstorbene Stanley Baker diesen Mann. Es
wurde einer seiner besten Filme. Auch für den Regisseur Cy Enfield
(Tarzan, der Verteidiger des Dschungels, Die geheimnisvolle Insel, Zulu)
wurde es zu einem Höhepunkt seiner Karriere. Darüberhinaus tauchen
einige Schauspieler im Film auf, die später noch große Karriere machen
konnten. Sean Connery spielt den jungen Johnny Kates, den
Lastwagenfahrer 19 und David McCallum verkörpert Jimmy Yately, den
jüngeren Bruder der Hauptfigur Tom. Auch Charles Bronsons spätere
Ehefrau Jill Ireland ist als Kellnerin Jill zu sehen. Patrick McGoohan,
der den Kontrahenten spielt, wurde ein Jahrzehnt später ein populären
TV-Seriendarsteller mit "John Drake" und "Nr. 6".
Gewisse Ähnlichkeiten mit dem einige Jahre vorher gedrehten
Welterfolg "Die Faust im Nacken" sind offensichtlich. Beide Hauptfiguren
müssen sich gegen Gangster behaupten, laufen aber selbst in Gefahr
kriminell zu werden. Die Schauplätze sind aber verschieden, Kazans Film
spielt in der Hafengegend, während Enfield dem Zuschauer einen Krimi auf
der Landstraße serviert. Mit dem Lastwagen sind die Fahrer der Hawlett
Trucking Company unterwegs, bereit für waghalsige Wettläufe mit der
Zeit, denn wer die meisten Fahrten erfolgreich absolviert, bekommt auch
mehr Geld oder wird vielleicht mal Vorarbeiter wie der hartgesottene C.
Red Redman (Patrick McGoohan), der meistens auf 18 Fahrten pro Tag
kommt, während seine Kollegen im Schnitt auf 13 oder 14 kommen. Eines
Tages steht Tom Yately (Stanley Baker) mit einem Kleiderbündel unter dem
Arm am Tor der Company, die mit insgesamt 13 LKWs für eine nahegelegene
Baufirma die Transporte vom Schotter übernimmt. Worauf es dabei
ankommt, ist einzig und allein das Tempo - das wird Tom nach dem
Gespräch mit dem Geschäftsführer Cartley (William Hartnell) sehr schnell
klar. Dieser begegnet ihm vorerst ablehnend, doch er bekommt die Chance
mit einer sogenannten Probefahrt sein fahrerisches Können unter Beweis
zu stellen. In Begleitung des Mechanikers Ed (Wilfried Lawson) macht
sich Tom mit LKW 13 auf den Weg zur Kiesgrube und muss während der Fahrt
feststellen, dass wahrscheinlich jede Fahrt ein Himmelfahrtskommando
sein könnte. Die Bremsen seines Lasters funktionieren nicht - doch Tom
fährt ne gute Zeit und wird eingestellt. Im Gästehaus von Ma West
(Marjorie Rhodes) mietet er ein Zimmer, dort wohnen alle Fahrer der
Firma. Was Tom verschwiegen hat: Er war bis vor kurzem im Knast. Dort
trifft er auch die hübsche Lucy (Peggy Cummins) kennen, die als
Sekretärin für die Company arbeite und ein Auge auf Tom geworfen hat.
Sie wird aber auch von dem aus Italien stammenden Gino (Herbert Lom)
begehrt, der Toms Freund wird. Bald schon wird er ernsthafter Konkurrent
des Vorarbeiters, der aber keine Skrupel hat, Tom brutal
abzuservieren..
"Duell am Steuer" ist ein Noir mit hartem sozialem Sprengstoff und
steht daher auch in der Tradition von Fritz Langs "Gehetzt" oder "Raoul
Walshs "Nachts unterwegs".
Cy Enfield ist genau wie Joseph Losey oder Jules Dassin ein Opfer
der McCarthy Ära und wurde in den USA mit einem Berufsverbot belegt. Im
Vorspann taucht er auch als C. Raker Enfield auf, um den Film auch in
der Heimat USA erfolgreich vermarkten zu können. Mit einem fulminanten
Stanley Baker in der Hauptrolle, einer grandiosen Peggy Cummins als
weibliche Hauptfigur und einem genauso grandiosen Rest-Ensemble wurde
"Duell am Steuer" zu einem hervorragenden Hybrid aus Sozialdrama und
Film Noir. Legendär sind auch die Kamerafahrten von Geoffrey Unsworth,
der sich mit seiner überwältigenden Arbeit in "2001 - Odysse im
Weltraum" unsterblich machte und insgesamt mit zwei Oscars (für
"Cabaret" und posthum für "Tess) ausgezeichnet wurde.
Seiner Kameraarbeit ist es unter anderem zu verdanken, dass die Actionszenen dieses schwarz-weiß Films so spannend wirken.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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