Montag, 14. September 2026

Pharao















Regie: Jerzy Kawalerowicz

Die Macht der Priester...

Jerzy Kawalerowiczs Film "Pharao“ ist eine Art "Kleopatra“ ohne Burton und Taylor" - so hieß es in einer Kritik zu diesem besonderen polnischen Monumentalfilm aus dem Jahr 1966. Allerdings ist er weit entfernt von einer kommerziellen Hollywood Großproduktion, denn er erzählt uns eine Geschichte über die Mechanik der Macht, das Versagen des Menschen im politischen Kampf und Leben; ein Film, der trotz äusseren Aufwandes die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers beansprucht, weil er in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist.  Er basiert auf dem gleichnamingen Roman des Schriftstellers Boleslaw Brus. Im Jahr 1967 wurde er gemeinsam mit "Ein Mann und eine Frau" (Frankreich, Claude Lelouch), "Schlacht um Algier" (Italien, Gillo Pontecorvo), "Die Liebe einer Blondine" (Tschechoslowakei, Milos Forman) und "Drei" (Jugoslawien, Alexandar Petrovic) sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert - Sieger wurde Claude Lelouchs Film. "Pharao" nahm am Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes teil und verkaufte im Heimatland Polen 7 Millionen Eintrittskarten.  Die hervorragend bebilderte Geschichte (Kameramann:Jerzy Wójcik und Wieslaw Zdort)  beschreibt die Manipulationen konservativer Priester und Hohepriester gegen den neuen Monarchen Ramses XIII. , der in ihren Augen zu fortschrittlich ist und den sie schließlich durch Ausnutzung der Leichtgläubigkeit des Volkes beseitigen werden. Dieser junge Pharao Ramses XIII. (Jerzy Zelnik) beabsichtigt, das alte Ägypten zu reformieren. Der Priester Herhor (Piotr Pawlowski) stellt sich ihm entgegen. Der Machtkampf zwischen den beiden bildet den Schwerpunkt des Films.  Weitere Themen sind die Freundschaft mit dem Priester Pentuer (Leszek Herdegen) sowie die Liebe zu der schönen Jüdin Sara (Krystyna  Mikołajewska) und der Priesterin Kama (Barbara Brylska). Zudem erzählt der Film von dem geheimen Pakt mit Assyrien, der Sonnenfinsternis – und wie die Priester diese nutzten, um das Volk gefügig zu machen – sowie von der Ermordung Ramses’ XIII. durch seinen Doppelgänger, der ebenfalls von Jerzy Zelnik gespielt wird.  Ein historisches Epos von universeller Bedeutung, das die Mechanismen der Macht und den Einfluss der Religion auf das gesellschaftliche Leben offenlegt. Nach dem Tod des schwerkranken Pharaos Ramses XII. (Andrzej Girtler) ringt dessen Nachfahre Ramses XIII. inmitten einer schweren Krise um die Macht im Staate. Neben der maroden Finanzlage – die Staatskasse wurde geplündert – und der allgegenwärtigen Korruption, einer gepeinigten und verarmten Bevölkerung wird sein Land von Feinden bedroht. Die Geschicke des Landes liegen in den Händen der allmächtigen Kaste der Priester um deren Anführer Herhor, dem Hohepriester von Theben und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Der junge Pharao Ramses XIII. kämpft inmitten dieser Ausgangssituation um seine Vormachtstellung und versucht die Macht des Klerus einzudämmen, welcher jedoch selbst die Initiative ergreift und eine Intrige gegen den jungen Pharao entfacht.... Tadeusz Konwicki, der gemeinsam mit Kawalerowicz das Drehbuch verfasste, kommentierte: „Es ist kein historischer Roman im eigentlichen Sinne, sondern vor allem eine tiefgründige Analyse eines Machtsystems...













Die Geschichte von Ramses XIII. ist ein typisches Beispiel für das Handeln eines jungen Menschen, der voller Glauben und mit dem Wunsch nach Erneuerung ins Leben tritt. Er weiß noch nichts von höheren Staatsräsonen und interessiert sich nicht für die Gesetze, die den komplexen Machtapparat steuern. Er glaubt, derjenige zu sein, der die bestehende Ordnung verändern kann. Bei der Adaption des Romans von Bolesław Prus für die Leinwand trafen die Produzenten des Films eine Reihe bemerkenswerter Entscheidungen. Eine Maßnahme bestand darin, den Film in einem vorwiegend goldgelblichen Farbspektrum zu halten und leuchtende Farben nahezu vollständig zu eliminieren; kräftiges Blattgrün ist nur ein einziges Mal zu sehen – in der Szene mit Ramses und Sara am Nil. Stanislaw Milski spielt den Hohepriester Mephres, Wieslawa Mazurkiewicz verkörperte die Mutter des jungen Pharao.

















Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Kampf auf der Insel















Regie: Alain Cavalier 

Flucht und Rache eines Terroristen...

Nach dem eher bescheidenen Erfolg mit ihrem 18. Film "Katja, die ungekrönte Kaiserin" fokussieren sich die Karrierebemühungen von Romy Schneider mehr und mehr auf Frankreich. Bei den Dreharbeiten zu "Christine" hatte sie den noch unbekannten französischen Kollegen Alain Delon kennen und lieben gelernt und ging mit ihm in dessen Heimat. Doch zunächst bleiben noch die großen Rollen aus. Erst als Romy dem italienischen Regisseur Luchino Visconti begegnet, ändert sich vieles. Sie spielt in seiner Theaterinszenierung "Schade, dass sie eine Dirne ist" in Paris, Co-Star ist Alain Delon. Danach folgen Filmangebote wie "Der Prozess" von Orson Welles und "Der Kardinal" von Otto Preminger - eine Rolle, die ihr sogar eine Golden Globe Nominierungen als Beste Hauptdarstellerin einbringt. Die 70er Jahre lassen Romy zu einem der "Big Stars" des französischen Kinos aufsteigen. Das 1962 entstandene Filmdrama "Der Kampf auf der Insel" ist der zweite französische Film, in dem Romy mitspielt. Ihre Premiere hatte sie mit einem Kurzauftritt in "Nur die Sonne war Zeuge", dem bekannten Kult-Thriller mit Alain Delon. In "Der Kampf auf der Insel" führt Alain Cavalier Regie. Im Original heißt der Vertreter der damals angesagten Nouvelle Vague "Le Combat dans l´ile" Vor dem Hintergrund der Bombenanschläge und Attentate der Organisation de l’armée secrète (OAS) erzählt der Film die Geschichte eines unnahbaren jungen Mannes, der der Verlockung des Terrorismus erliegt, sowie die seiner sympathischeren Frau, die sowohl ihre Unabhängigkeit als auch einen lebenswerteren Partner findet. Clément (Jean Louis Trintignant) und Anne (Romy Schneider) sind ein elegantes und wohlhabendes Paar. Clément, der unter Eifersucht leidet, trifft sich mit Serge (Pierre Asso), dem Anführer einer rechtsextremen Gruppe, die sich "Gruppe der Dreizehn" nennt und vorhat Anschläge zu verüben. Als nächstes steht einen Bazooka-Anschlag im Raum, um ein Oppositionsmitglied des Parlaments zu töten. Doch der Abgeordnete wurde gewarnt und hat auf Anraten eines anonymen Anrufern auf seinen Platz am Fenster seiner Wohnung eine Schaufensterpuppe platziert, was ihm das Leben rettet. Clément erkennt bald die Wahrheit: Er wurde von Serge, der für ihn wie ein zweiter Vater war, verraten. Von der Polizei gesucht, taucht Clément mit Anne im Landhaus seines alten Freundes und Druckers Paul (Henri Serre) unter. Während Clément, fest entschlossen, Rache zu nehmen, in Argentinien nach Serge suchte, entdeckte Anne dank der Zärtlichkeit Pauls, der ihr Geliebter wurde, allmählich ihre Lebensfreude wieder...







Obwohl der Film bei seiner Veröffentlichung zunächst im Schatten anderer Werke stand, hat er seither an Anerkennung gewonnen. Inzwischen wird der Film als sehr guter Vertreter seiner Gattung angesehen und man erkennt Ähnlichkeiten mit einigen Filmen von Jean Luc Godard oder Louis Malle. Die Machart wirkt zwar kühl und distanziert, aber sehr viel Bedrohung und Erotik steckt in dieser Geschichte, dessen Drehbuch Alain Cavalier gemeinsam mit Jean Paul Rappeneau schrieb. Der Kampf gipfelt in einem Schusswechsel in einem Sumpfgebiet auf dem Land. Es dauert zwar eine Weile, bis es dazu kommt, doch das Warten lohnt sich. 1986 wurde Cavaliers Film "Therese" mit mehreren Cesars (Bester Film, bestes Drehbuch, beste Kamera Philippe Rousslot, bester Schnitt, beste Nachwuchsdarstellerin Catherine Mouchet) ausgezeichnet. 








Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

 

Geliebter Lügner















Regie: John Schlesinger 

Lügen und Träume...

Zahlreiche Filmklassiker wie "Darling", "Die Herrin von Thornhill", "Midnight Cowboy", "Sunday Bloody Sunday", "Der Tag der Heuschrecke" oder "Marathon Mann" gehen auf das Konto des britischen Regisseurs John Schlesinger (1926 bis 2003). Bereits mit seinem Debütfilm "Nur ein Hauch Glückseligkeit" gewann der den goldenen Bären in Berlin , der Film selbst erhielt auch einige BAFTA Nominierungen. Als Nachfolgefilm wählte Schlesinger die Tragikomödie "Billy Liar" im Cinema Scope Format nach dem gleichnamigen Roman von Keith Waterhouse, aus dem Jahr 1959.  Die Kameraführung übernahm Denys Coop, die Filmmusik stammt von Richard Rodney Bennett. Der Film ist der „British New Wave“ zuzuordnen, einer Strömung, die sowohl vom früheren „Kitchen Sink Realism“ als auch von der französischen „Nouvelle Vague“ beeinflusst wurde. Charakteristisch für diesen Stil sind eine an den Dokumentarfilm bzw. das *Cinéma vérité* angelehnte Ästhetik sowie die Verwendung von Originalschauplätzen (in diesem Fall zahlreiche Drehorte in der Stadt Bradford in Yorkshire. Storymäßig ist es eine ernsthaftere Variante des Hollywood-Klassikers "Das Doppelleben des Herrn Mitty" und genau wie Danny Kaye ist auch Tom Courtenay als Billy Fisher ein junger Mann, der immer wieder in seine Tagträume flüchtet.  Billy lebt mit seinen Eltern (Wilfred Pickles und Mona Washbourne) und seiner Großmutter (Ethel Griffiths) in Yorkshire. Er sehnt sich danach, seinem einengenden Job und dem Familienleben zu entfliehen. Um der Langeweile seines tristen Alltags zu entkommen, verliert er sich ständig in Tagträumen und Fantasien; oft stellt er sich als Herrscher und militärischer Held eines fiktiven Landes namens Ambrosia vor. In seinen Fantasien hält er vor großen Menschenmengen Reden, deren Stil an Hitler oder Mussolini erinnert. Er erfindet Geschichten über sich und seine Familie, was ihm den Spitznamen „Billy Liar“ (Billy der Lügner) einbringt. In der Realität lebt er in einem Arbeiterhaushalt bei Eltern, die ihn wegen seines Verhaltens ständig tadeln und kritisieren.Billy arbeitet als Büroangestellter bei einem Bestattungsunternehmen unter der Aufsicht des strengen Mr. Shadrack (Leonard Rossiter). Bei der Arbeit soll er eine große Ladung Werbekalender an potenzielle Kunden verschicken; stattdessen versteckt er die Kalender und behält das Geld für das Porto ein. Wenn er die Kalender in seinem Kleiderschrank sieht, malt er sich aus, wie er wegen der Veruntreuung des Portogeldes im Gefängnis Wormwood Scrubs landet. Schließlich fliegt er bei Shadrack auf; dieser verweigert ihm die Kündigung, solange er das Portogeld nicht zurückgezahlt hat. Billy strebt eine interessantere Tätigkeit als Drehbuchautor für den Komiker Danny Boon (Leslie Randall) an. Als Boon in die Stadt kommt, zeigt dieser jedoch kein Interesse an Billys Angeboten. Dennoch erzählt Billy allen, Boon sei sehr an seinen Geschichten interessiert und er werde schon bald nach London ziehen. Wann immer Billy etwas Unangenehmes erlebt – etwa wenn seine Eltern ihn ausschimpfen oder sein Chef ihn schikaniert –, stellt er sich vor, an einem anderen Ort zu sein. In seinen Fantasien ist er meist ein Held, mit dem alle überaus zufrieden sind. Letztlich ist Billy jedoch glücklicher damit, sich als großen Erfolg zu imaginieren, als tatsächlich ein Risiko einzugehen, um im Leben etwas zu erreichen.Billy hat sein Leben zusätzlich verkompliziert, indem er zwei sehr unterschiedlichen Mädchen einen Heiratsantrag gemacht hat: der behüteten, unschuldigen Barbara (Helen Fraser) und der resoluten, derben Rita (Gwendolyn Watts). Er hat beiden denselben Verlobungsring gegeben und lügt ständig, um ihn von der einen zurückzuholen und der anderen zu überreichen. Rita kommt Billys Lüge auf die Schliche, dass der Ring beim Juwelier sei, und taucht vor seiner Haustür auf; doch er lügt sie erneut an, woraufhin sie wieder geht. Als Billys Vater ihn zur Rede stellt, was er mit Rita treibt, schreit Billy ihn an; seine schockierte Großmutter ringt daraufhin nach Luft und muss sich hinlegen. Billy fühlt sich schuldig, stellt sich aber zugleich als General vor, der einen schwierigen Krieg gewinnt.Billy fühlt sich zudem zu seiner Ex-Freundin Liz (Julie Christie) hingezogen, die gerade aus Doncaster in die Stadt zurückgekehrt ist. Liz ist ein Freigeist; anders als alle anderen in der Stadt versteht und akzeptiert sie Billys Fantasiewelt. Sie besitzt jedoch mehr Mut und Selbstvertrauen als Billy, was sich darin zeigt, dass sie bereit ist, ihre Heimatstadt zu verlassen und neue, andere Erfahrungen zu machen. Unter Druck verabredet sich Billy schließlich sowohl mit Barbara als auch mit Rita für denselben Abend im örtlichen Tanzsaal. Dort entdecken die beiden Mädchen das doppelte Spiel und geraten in einen Streit. Billys Lügen scheinen ihn einzuholen, als öffentlich verkündet wird, dass er nach London ziehen wird, um mit Danny Boon zu arbeiten, und sein Freund ihn dafür tadelt, dass er seine Mutter belogen hat.Aufgewühlt trifft Billy draußen auf Liz und erlebt einen romantischen Moment mit ihr, in dem er ihr von seinen Fantasien über Ambrosia erzählt. Er macht ihr einen Heiratsantrag, und sie willigt ein. Sie drängt ihn, noch am selben Abend mit ihr nach London zu kommen; er geht nach Hause, um seine Sachen zu packen, muss jedoch feststellen, dass seine Großmutter erkrankt ist und ins Krankenhaus gebracht wurde. Billy gerät in einen Streit mit seinem Vater, der von Billys Problemen bei der Arbeit erfahren und dessen Zimmer verwüstet hat. Billy eilt zu seiner Mutter ins Krankenhaus und erfährt gerade noch rechtzeitig, dass seine Großmutter verstorben ist. Anschließend begibt er sich zum Bahnhof, um Liz zu treffen; beide steigen in den Zug, doch in letzter Minute steigt Billy wieder aus – unter dem Vorwand, Milch für die Fahrt kaufen zu wollen. Er zögert seine Rückkehr zum Zug hinaus, und als er schließlich zurückkehrt, setzt sich dieser bereits in Bewegung; Liz blickt verständnisvoll aus dem Fenster, während sein Koffer auf dem Bahnsteig zurückbleibt. Allein geht Billy die dunkle, verlassene Straße nach Hause zurück und stellt sich dabei vor, wie er die marschierende Armee von Ambrosia anführt. Billy betritt das Haus und schließt die Tür hinter sich. Während das Licht im Erdgeschoss erlischt und im Obergeschoss das Licht in Billys Schlafzimmer angeht, entfernt sich die Kamera vom Haus, und die Nationalhymne von Ambrosia erklingt...








Im Jahr 2007 lobte das Magazin *Empire* Tom Courtenay für seine Darstellung der Hauptrolle mit den Worten: „Zwischen Kühnheit und Ängstlichkeit, Gefühlskälte und Unschuld schwankend, dominiert Tom Courtenay den Film – sei es, wenn er seine Arbeitgeber betrügt oder seine drei Freundinnen zum Narren hält. Doch der unvergesslichste Moment ist jener, in dem Julie Christie im Zug nach London sitzt und beobachtet, wie Courtenay auf dem Bahnsteig mit den Schultern zuckt und sich mit der Mittelmäßigkeit abfindet, die er verachtet und die er wahrscheinlich auch verdient.  Tatsächlich handelt es sich bei diesem Film um ein Highlight des britischen Kinos. 
Der Filmkritiker Philip French bezeichnete das Ende des Films in seiner Kolumne im *Guardian* als „entscheidenden Moment des britischen Kinos. Der Film war an den Kinokassen kein Erfolg. Vielleicht war er zu deprimierend für eine Komödie oder enthielt zu wenig Sex. Was er jedoch vorweisen konnte, waren positive Kritiken und ein aufregender neuer Star: Julie Christie, die auch für einen BAFTA nominiert wurde. Zudem gabs fünf weitere Nomierungen. Das British Film Institute wählte "Billy Liar" sogar auf Platz 76 seiner Liste der besten britischen Filme. 





Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.