Samstag, 13. August 2016

Kennwort: Morituri





















Regie: Bernhard Wicki

Ein Schiff, dem Tode geweiht...

Vielleicht könnte man die Handlung in Bernhard Wickis US-Film "Kennwort Morituri" als zu überladen ansehen, aber spannend ist der 1965 entstandene schwarz-weiß Kriegsfilm auf alle Fälle und vor allem hebt er sich mit einer großen Individualität von der Masse ab. "Morituri" heißt übersetzt "Die Todgeweihten" oder "Diejenigen, die sterben werden" und trifft die Atmosphäre auf dem Frachter, der von Japan nach Bordeaux gelangen soll, exakt. Denn der Frachter wirkt - trotz Besatzung - sehr oft wie ein Totenschiff. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Werner Jörg Lüddecke. Im Kino war der Film leider ein Flop, aber immerhin konnten zwei Oscarnominierungen errungen werden: Einmal für die brillante Schwarz Weiß Kamera von Conrad L. Hall, der im Anschluß an diesen Film weitere gute Leistung als Chefkameramann verbuchen konnte wie z.B. Die gefürchteten Vier, Kaltblütig, Der Unbeugsame, Zwei Banditen, Tag der Heuschrecke, Marathon Mann, American Beauty und Road to Perdition. Die zweite Nominierung gabs für Moss Mabry für die besten Kostüme.
Die Fahrt des deutsches Frachters steht unter einem ungünstigen Stern. Denn die Fracht "Gummi" ist auch für die Alliierten von äusserst großer Bedeutung und entwirft Colonel Slatter (Trevor Howard) einen waghalsigen Plan. Denn er will das deutsche Schiff kapern und braucht dazu die Hilfe von Robert Crain (Marlon Brando), der in Indien lebt. Crain ist ein Falschname, der Mann ist ein geflüchteter Deutscher und zudem Sprengstoffexperte. Er soll als ranghoher SS-Standartenführer Keil an Bord gehen und Sprengladungen entschärfen, die im Falle einer möglichen Gefangennahme durch Alliierte vom deutschen Kapitän gezündet werden sollen, damit weder Schiff noch die wertvolle Fracht nicht in feindliche Hände fällt. Kapitän Müller (Yul Brynner) ist zwar ein deutscher Patriot, aber er mag die Nazis nicht besonders. Daher sieht die Anwesenheit eines Gestapomannes auf seinem Schiff nicht gerne und er bestimmt, dass Keil nicht überall auf dem Schiff freien Zugang bekommt. Das erschwert natürlich die Mission deutlich, aber in dem 1. Offizier Kruse (Martin Benrath) hat Keil schnell einen fanatischen Verbündeten. Mit an Bord sind nicht nur treue Soldaten, sondern auch Gefangene, die nicht unbedingt darauf heiß sind, dass das Schiff jemals nach Bordeaux gelangt. Diese Männer (u.a. Hans Christian Blech) haben sehr schnell ihen Todfeind ausgemacht: Den arroganten SS-Mann Keil. Mit an Bord auch der drogenabhängige Arzt Dr. Ambach (Wally Cox). Mit Milkereit (Rainer Penkert) ist auch einer der höheren Besatzungsmitglieder auf der Seite der gefangenen Nazigegner. Noch unüberschaubarer wird die Lage als der Admiral eines deutschen U-Boots verlangt, dass der Frachter amerikanische Kriegsgefangene und die Jüdin Ester Levy (Janet Margolin) mit an Bord nehmen. Der Admiral ist sehr erstaunt, dass sich mit diesen Herrn Keil ein SS-Mann an Bord befindet und will dies baldmöglichst mit Berlin aufklären. Es bleiben Keil also nur noch 24 Stunden, um den Rest der Sprengladungen zu entschärfen und dann werden von den Deutschen auch noch die alliierten Schiffe entdeckt, die den Frachter kapern wollen...


Also das hört sich nach ziemlich viel Verwirrung und Action auf dem Frachter an und genauso läuft auch der Film ab. Die Schauspielerleistungen sind gut. Vor allem Marlon Brando überzeugt als Crain, der im Grunde nur seine Ruhe haben will und nur aufgrund der Erpressung druch Slatter diese Mission ausführt. Er spielt aber seine Rolle als SS-Mann sehr glaubwürdig und kann daher den brutalen Nazi Kruse nach seinen Wünschen manipulieren. Weniger Glück hat er beim sturen Kapitän, der aber Mensch geblieben ist und der Jüdin sofort Hilfe anbietet. Was den Film interessant macht sind auch seine Figuren, die nicht immer so agieren wie man es vermutet. Daher lebt der Film durch die Wendungen des menschlichen Faktors. Die Atmosphäre bleibt immer dicht.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Der junge Mr. Lincoln

























Regie: John Ford

Lincolns erster Mordfall...

John Ford ist einer der größten Regisseure des amerikanischen Kinos. Er drehte schon in der Stummfilmzeit und in den frühen 30er Jahren konnte er mit "Der Verräter" seinen ersten Oscarsieg feiern. Er drehte Filme wie "Rekrut Willie Winki" und "Hurricane" und etablierte sich als 1939 mit dem Western "Ringo" endgültig zum Meisterregisseur. In dieser Zeit entstanden viele andere seiner Meisterwerke, so auch seine sozialkritischen Oscarfilme "Früchte des Zorns" oder "So grün war mein Tal". Auch das fiktivie Biopic über Amerikans berühmtesten Präsidenten Abraham Lincoln gehört dazu, auch wenn "Der junge Mr. Lincoln" im Vergleich zu den genannten Filmen nie diese Bekanntheit erreichte. "Der junge Mr. Lincoln" ist auch ganz auf seinen jungen Hauptdarsteller Henry Fonda zugeschnitten, der nach "Gehetzt" und "Jezebel" in einer weiteren guten Rolle brillieren konnte und so den Grundstein für seine lange Kinokarriere legen konnte. Fonda war damals 34 Jahre alt.
Der Film beginnt im Jahre 1832. Der junge Abe Lincoln interessiert sich für Politik und bildet sich selbst. Er interessiert sich für Bücher und kandidiert für das Staatsparlament. Bei der Bevölkerung kommt seine bescheide, ruhige Art sehr gut an. Eine Siedlerfamilie, die sich auf der Durchreise befindet, bietet ihm im Tausch mit Lebensmittel ein Buch über Rechtswissenschaften an. Der junge Lincoln lernt so das Gesetz kennen. Auch seine Jugendliebe Ann Rutledge (Pauline Moore) ermutigt ihn ein Studium zu beginnen. Dann stirbt die junge Frau unerwartet. Er verlässt seine Heimat New Salem und geht nach Springfield. Dort eröffnet er mit seinem Freund John Stuart eine Anwaltskanzlei. Lincoln macht sich einen Namen, weil er seine Fälle recht unkonventionell lösen kann. Er lernt in Springfield auch seine spätere Frau Mary Todd (Marjorie Weaver) kennen, aber auch seinen späteren politischen Kontrahenten Stephen Douglas (Milburn Stone). Seinen ersten Mordfall bekommt Lincoln überraschend am Abend des Unabhängigkeitstages. Wo zuvor noch eine Parade, viele Geschicklichkeitswettbewerbe und ein Tauziehen die Bevölkerung erfreute, kommt es viel später zu einer Schlägerei, die mit einem Schuß und einem Messerstich tödlich endet. Die beiden Brüder Matt (Richard Cromwell)  und Adam Clay (Eddie Quillan) werden beschuldigt den Bürger Scrub White ermordet zu haben. Mit ihm und dessen Freund J. Palmer Cass (Ward Bond) hatten die beiden schon am Nachmittag eine Auseinandersetzung. Sarah (Arleen Wheelan), die Frau von Matt und Carrie Sue (Dorris Bowdon), Adams Freundin wurden von den beiden betrunkenen Männern belästigen. Es war der Mutter (Alice Brady) von Adam und Matt zu verdanken, dass der Konflikt beendet wurde. Nun gibt es aber einen Toten und die Leute von Springfield würden die beiden Brüder gerne lynchen, was Abe Lincoln verhindern kann. Jeder der Brüder nimmt die Schuld auf sich und gibt an das Messer gehabt zu haben. Vor dem Gesetz gelten aber beide als schuld. Somit scheint die Verteidigung der beiden Brüder aussichtslos zu sein, da auch Mutter Clay Augenzeugin war, aber es nicht fertig bringt einen ihrer Söhne mit ihrer Aussage zu opfern. Es scheint als habe der Staatsanwalt John Felder (Donald Meek) schon gewonnen, aber dennoch soll die Gerechtigkeit siegen..



Dieser Fall wurde natürlich für den Film sehr verändert, aber immerhin blieb der Grund, warum der Mörder erkannt wurde, erhalten und somit auch der Ausgang von Lincolns erfolgreicher Verteidigung. Das Opfer hieß james Preston Metzker, angeklagt war Lincolns Mandant Armstrong. Der Augenzeuge charles Allen verriet sich während der Verhandlung wegen dieser im Film verwendeten unbedachten Aussage. Insgesamt ist der Film aus heutiger Sicht manchmal etwas sentimental, die Musik von Alfred Newman unterstützt natürlich diesen Eindruck. Aber dennoch gelang John Ford ein guter und in sich geschlossener Film, der die ersten Jahre im Werdegang eines späteren Präsidenten zeigt. Henry Fonda wirkt sehr glaubwürdig in seiner Rolle - als guter und gewitzter Redner, als kluger Zuhörer und als ruhiger und besonnener Menschenfreund. In den Nebenrollen sieht man bekannte Gesichter des alten Hollywood Films. Alice Brady, die die Rolle der Abigail Clay spielt, starb leider viel zu früh - kurz nach der Fertigstellung des Films - an Krebs. Ward Bond taucht in vielen John Ford Filmen auf und auch Donald Meeks Gesicht erkennt man gleich, schließlich hat er auch in "Ringo" mitgespielt.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde






















Regie: Henry Levin

Die verrückte Lindenbrook Expediton....

Aufgrund des riesigen Erfolgs von Richard Fleischers "20.000 Meilen unter dem Meer" im Jahr 1954 gab es in den 50er und 60er Jahren weitere Jules Verne Verfilmungen. So landete auch auch Michael Anderson mit seinem "In 80 Tagen um die Welt" einen Hit und einen fünffachen Oscartriumph. Es folgten "Die geheimnisvolle Insel", dieser Film von Cy Endfield wurde auch von den Special Effects des Ray Harryhausen aufgewertet. Henry Levin realisierte im Jahr 1959 "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" und es wurde noch vor "Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm" und "Im Dutzend heiratsfähig" sein bekanntester und bester Film. Aus heutiger Sicht fällt auch sofort der liebenswürdige Charme auf, den der Film ausstrahlt.  Jules Vernes Abenteuer hatten ja schon immer einen fast kindlichen Sinn für Wunder und Verzauberung. Und diese Eigenschaft spült auch viele Logikeinwände fort - man verfolgt dieses utopische Abenteuer gespannt und freut sich an der Liebe zum Detail. Immerhin gab es Oscar-Nominierungen für das beste Szenenbild, für den besten Ton und für die besten visuellen Effekte. Die sind aus heutiger Sicht zwar altmodisch, vor allem die Saurier - aber irgendwie wirken sie dennoch, auch nach dem Eindruck echter Echsen aus dem Jurassic Park - immer noch gut.
Schottland um 1890: Der angesehene Edinburgher Geologie Professor Oliver Lindenbrook (James Mason) wird in den Adelsstand erhoben. Seine Studenten schmettern für ihn ein begeisterndes Gaudeamus igitur und von seinem Lieblingsstudenten Alec McEwen (Pat Boone) bekommt er sogar einen rätselhaften Lava-Brocken geschenkt. Während der attraktive Alec mit Jenny (Diane Baker), der Nichte des Professors heftig flirtet, untersucht der Professor das Gestein. Nach einer unbeabsichtigten Expolsion legt der Lava-Brocken ein Senkblei frei mit einer Nachricht des legendären Isländers Arne Saknussem. Der wollte vor ca. 300 Jahren den "Mittelpunkt der Erde" erreichen, doch ob er dort jemals ankam blieb ungewiss, denn Saknussem tauchte nie wieder auf.  Lindenbrook korrespondiert mit seinem Kollegen Goetaborg (Ivan Triesault), der jedoch finstere Pläne hat. Er will diesen Ort im Erdinnern alleine und als Erster erreichen. Noch ein dritter Mann hat großes Interesse, dass weder Lindenbrook noch Goetaborg vor ihm den Triumph der großen Entdeckung für sich beanspruchen. Es ist der rücksichtslose Graf Saknussem (Thayer David), der die Lorbeeren seines Vorfahren für sich alleine ernten will. Nach dem tragischen Mord an Goetaborg kann nun die Lindenbrook-Expedition starten. Doch sie findet nicht mehr nur im Duett von Professor und Schüler statt, sondern wird begleitet durch Carla Goetaborg (Arlene Dahl), der Witwe des Konkurrenten und dem großen blonden Bauernbursche Hans (Peter Ronson) mit seiner geliebten Ente Gertrud (Gertrud). Mit einem bösen Feind, der immer näher kommt, gehts nun abwärts in Bereiche, die nie zuvor ein Mensch (ausser natürlich Arne Saknussem) betreten hat...



und dort warten auf den Zuschauer und auf die sympathische Expeditionscrew allerhand von Abenteuern. Es gibt Salzwüsten, Riesenpilze, unendliche Schluchten, Überschwemmungen, Saurier aller Art - vor allem ein ganzes Rudel Dimetrodons, ein Meer und die versunkene Stadt Atlantis. Natürlich auch immer wieder ein Schlagabtausch im Dialog des schrulligen Wissenschaftlers und Junggesellen aus Überzeugung mit der hübschen Carla, die nicht den Eindruck einer trauernden Witwe macht. Immer wieder spielt sich Lindenbrook als Chef auf, während die jungen Männer die Rolle von Carlas Beschützer übernehmen. In ihren Einschätzungen hat meistens Carla recht, aber das ist dem Professor nicht so recht. Jedenfalls die besten Voraussetzungen für die Beiden, dass sie - falls sie dieses Himmelsfahrtskommando überleben sollten - sich am Ende auch bekommen. Pat Boone, der Teeniestar dieser Zeit, darf natürlich ein paar Schnulzen singen und es gibt einige drollige Einfälle mit der Ente Gertrud, die leider im Kochtopf des Bösewichts landet. Natürlich bekommt er dafür die Quittung und das kann nur Tod durch herabfallende Felsbrocken sein. Im herrlich absurden Finale werden die Reisenden dann auch von geschmolzener Lava wieder an die Erdoberfläche katapultiert. Sie kommen alle heil an, nur Teenieschwarm ohne Hose - und landet ausgerechnet in einem Nonnenkloster und macht die Ordensschwestern wuschig. Die Studiokulissen sind herrlich anzusehen, sie passen auch irgendwie in dieses dargestellte viktorianische Zeitalter.




Bewertung: 7 von 10 Punkten

Invasion vom Mars


























Regie: William Cameron Menzies

Von grünen Männchen und Kommunisten...


Leider hat die deutsche DVD des 50er Jahre Science Fiction Kultfilms "Invasion vom Mars" eine extrem bescheidene Bild- und Tonqualität. Dies ist besonders deshalb bedauerlich, weil gerade die Farbkamera von John F. Seitz einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Zukunftsfilms hatte. John F. Seitz ist nicht irgendein B-Picture Kameramann, sondern wurde im Laufe seiner Karriere insgesamt für 7 Oscars nominiert und er war der Director of Photographie in Filmen wie "Die vier Reiter der Apocalypse" (1921), Sullivans Reisen (1941), "Fünf Gräber bis Kairo" (1943), "Frau ohne Gewissen" (1944) und "Das verlorene Wochenende" (1945). "Die Nacht hat 1000 Augen" (1948), "Spiel mit dem Tode" (1948) und "Sunset Boulevard" (1950). Seine Stärke waren damit sicherlich die düsteren Bilder, die man für die Schwarze Serie brauchte. Daher wäre es schon interessant gewesen zu sehen wie Seitz die Farbkamera in einer Low-Budget Produktion nutzt. Wie gesagt: Durch die schlechte Bildqualität ist dies nur bedingt möglich.
Tatsächlich sind einige Szenen des Films sehr gut, andere aber wieder wirken sehr naiv und teilweise sorgt die Handlung für unfreiwillige Lacher. Also von allem etwas. Man kann vielleicht sagen, dass "Invasion vom mars" auch ein Zeitgeistfilm ist - ein Science Fiction Film, der die damalige Angst vor grünen Männchen, Kommunisten oder der Atombombe aufnimmt und dabei auch das Wettrennen in Richtung Weltraum aufnimmt. Die Ausserirdischen werden von Statisten in grünen Samtanzügen mit Reißverschluß am Rücken dargestellt. Der Kopf des Obermarsianers wird von den sklavishen Mutanten in Grün in einem Goldfischglas herumgetragen. Aus heutiger Sicht sind sowohl die Spezialeffekte als auch die Ausstattung des Films auf ganz niedrigem Niveau.
Die Musik kommt fast bekannt vor. Ich denke diese unheimlichen Laute gabs in ganz vielen Science Fiction Filmen dieser Zeit, immer wenn die fliegende Untertasse Leben entwickelt, hört man diesen eindringlich hysterischen Soundtrack von von Mort Glickman und Raoul Kraushaar.
Der kleine David (Jimmy Hunt) ist ein großer Fan der Astronomie und ist fasziniert vom Weltraum und von fremden Planeten. Kein Wunder, denn sein Vater George McLean (Leif Erickson) ist Wissenschaftler bei der Weltraumbehörde und der Sohnemann hat in seinem Kinderzimmer ein Teleskop, mit dem er nachts die Sterne erkunden kann. Tatsächlich gewittert es stark in dieser Nacht, der Junge wird wach und sieht eine fliegende Untertasse am Himmel, die in einem Sandhügel - nahe des Hauses - landet und dann wie von Geisterhand verschwindet. Er erzählt noch in der Nacht seinem Vater davon, der so neugierig geworden ist, dass er im Morgenmantel zum Sandhügel läuft und am anderen Morgen immer noch nicht zu Hause ist. Da sich Mary MacLean (Hilary Brooke) große Sorgen macht, ruft sie die Polizei. Als diese sich auf den Weg zum Sandhügel machen, steht der Vater auch schon wieder im Haus und scheint sich total verändert zu haben. Er agiert aggressiv und schlägt den kleinen David sogar. Auch die Polizisten, die dann wieder auftauchen, benehmen sich merkwürdig - Mrs. MacLean hat das Gefühl, dass sie sich mit ihrem Mann wie eine Verschwörerclique unterhalten. Wie recht sie doch hat: Alle drei sind in diesen Sandhügel geflogen, wo sich ein UFO befindet. Mittels einer im Hals implantierten Vorrichtung werden sie von den grünen bösen Eindringlinglingen per Gehirnwäsche zu willenlosen Automaten verwandelt und müssen Befehle befolgen. David ist der Einzige, der alle Hebel in Bewegung setzt die drohende Invasion zu melden. Immerhin findet er mit der Ärztin Dr. Blake (Helena Carter) und dem berühmten Weltraumforscher Dr. Kelston (Arthur Franz) zwei Verbündete. Gemeinsam können sie auch Oberst Fielding (Morris Ankrum) überzeugen, dass der Krieg gegen die Feinde sofort begonnen werden muss...



Und damit sieht der Zuschauer auch endlose Einstellungen von Militärzügen zu sehen, Tausende von Soldaten und eine riesige Anzahl von Panzern wird gegen den Kampf gegen die vergrabene Untertasse aufgeboten. Im Original stellt sich am Ende alles als Traum von David heraus, hat aber dennoch einen fiesen Widerhaken am Ende. Die deutsche Fassung endet mit der Explosion des Raumschiffs. Schade, ich denke da hätte man nicht einfach kürzen müssen. Regisseur des Kultfilms, der viele Fans gefunden hat, aber auch viele Zuschauer, die den Film extrem billig finden, war der filmverrückte William Cameron Menzies. Er erhielt bereits 1929 einen Oscar - allerdings nicht als Regisseur, sondern in der Kategorie Best Art Direction. Er war ausserdem Produzent und auch Drehbuchautor.



Bewertung: 6 von 10 Punkten

Samstag, 6. August 2016

Wer die Nachtigall stört

























Regie: Robert Mulligan

Maycomb, Alabama ist überall...

Der Roman "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee war neben "So grün war mein Tal" von Richard Llewelyn das Lieblingsbuch meiner Kindheit und Jugend. In beiden Fällen war auch die Verfilmung grandios. Im Jahre 1962 wurde "Wer die Nachtigall stört" von Alan J. Pakula für die Universal produziert. Pakula war in den 60er Jahren erfolgreicher Produzent, lange bevor er auch als Regisseur einen Namen machen konnte. Die Regie übernahm Robert Mulligan - der Film wurde ein riesiger Erfolg und wurde für 8 Oscars nominiert: Bester Film, Beste Regie, Bester Kameramann Russell Harlan, Beste Nebendarstellerin Mary Badham, Beste Musik Elmer Bernstein. In drei Kategorien kam es zum Sieg. So bekam Gregory Peck in der Rolle des Rechtsanwaltes Atticus Finch den Oscar als bester Hauptdarsteller. Auch das adaptierte Drehbuch von Horton Foote wurde ausgezeichnet und auch die beste Art Direction in schwarz-weiß war siegreich. Das American Film Institute wählte "Wer die Nachtigall stört" bei der Wahl der besten amerikanischen Filme auf Platz 25. In der Kategorie "Helden" belegte die Figur Atticus Finch den 1. Platz. Der geniale Filmscore von Elmer Bernstein wurde in der Kategorie "Beste Filmmusik aller Zeiten" auf Platz 17 gewählt.
Es ist aber auch eine wunderbare Geschichte, die in "Wer die Nachtigall stört" erzählt wird. Wobei es ja im Grunde zwei Geschichten sind, die sich im Laufe der Handlung kreuzen. Die eine Geschichte ist eine poetische und wehmütige Erzählung einer unbeschwerten Kindheit, der Zuschauer lernt die aufgeweckte 6 Jährige Jean Louise Finch (Mary Badham), genannt Scout, kennen, die mit ihrem 9jährigen Bruder Jem (Philip Alford) in Maycomb einer kleinen Stadt in Alambama aufwächst. Scout ist die Erzählerin dieser Geschichte, die im Jahr 1932 während eines extrem heißen Sommers und inmitten der Weltwirtschaftskrise beginnt. Die Kinder haben schon früh ihre Mom verloren und werden von ihrem Vater Atticus (Gregory Peck) erzogen. Den Haushalt macht die dunkelhäutige Calpurnia (Estelle Evans), während der Vater als Rechtsanwalt beim örtlichen Gericht arbeitet. In diesem Sommer lernen die beiden Kinder den 7jährigen Dill Harris (John Megna) kennen, der die Sommerferien bei seiner Tante Stephanie (Alice Ghostley) verbringt. Immer wieder machen sich die Kinder Gedanken über ihren Nachbarn Boo Radley (Robert Duvall), den sie noch nie zu Gesicht bekamen und von dem man die schlimmsten Horrorgeschichten im Ort erzählt. Er wäre geisteskrank, irre und hätte auch schon einmal seinem Vater (Richard Hale) ohne Grund eine Schere in den Fuß gerammt. Die Phantasie der Kinder ist daher mehr als angeregt. Es gilt als besondere Mutprobe so nah wie möglich an dieses Haus zu kommen. Als Held wird der gefeiert, der an der Tür des Radley Hauses anklopft - dies geling Jem auch einmal, dann suchen alle drei so schnell wie möglich das Weite. Es ist auch Jem, der immer wieder kleine Geschenke in einem Astloch eines Baumes nahe von Boo Radleys Haus findet und diese kleinen Habseligkeiten in einer kleinen Truhe verwahrt. Atticus ist den Kindern gleichzeitig Freund, Vertrauter, Lehrer und Autoritätsperson. Als Atticus im FAlle des schwarzen Farmarbeiters Tom Robinson (Brock Peters) als Pflichtverteidiger berufen wird, wird die schöne Kindheitsidylle auch mit dem alltäglichen Rassismus konfrontiert. Tom Robinson soll die weiße Mayella Ewell (Collin Wilcox) geschlagen und vergewaltigt haben. Obwohl es eher aussieht als wäre diese von ihrem aggressiven Vater Bo Ewell (James Anderson) grün und blau geschlagen worden, weil sie sich mit einem Farbigen einlassen wollte. Es ist eine Zeit, in der Schwarze nicht die gleichen Rechte wie die Weißen besitzen und vor Gericht sind wenig Chancen zu erwarten, dass die weiße Jury - bestehend aus armen Landarbeitern - einen schwarzen Mann glaubt. Bald beginnt der Prozess und danach auch das größte Abenteuer im Leben von Jem und Scout..




Ein perfekter Film, bei dem alles stimmt. Die Atmosphäre ist perfekt, man fühlt sich mittendrin in dieser Zeit und an genau diesem Ort. Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach. Dies liegt vor allem am grandiosen Spiel der jungen Darsteller. Und über allem die wunderbare Leistung von Gregory Peck - selten war ein Oscargewinn so verdient wie hier. Ein Film, der wie das Buch, für Toleranz und gegen Rassismus eintritt. Diese Geschichte hatte in der Zeit, in der sie spielt Sprengkraft und ebenso in der Zeit der Enstehung des Films. Rassenunruhen sollten folgen und endlich das gleiche Recht für alle Rassen. Dass dieses Thema auch heute noch - im Jahr 2016 - Gültigkeit hat, zeigen die neuen rassistischen Tendenzen in den USA. Proteste der Schwarzen Bevölkerung, weil sie das Gefühl haben, dass die Polizei sie nicht schützt, sondern wie Menschen zweiter Klasse und potentielle Verbrecher behandelt. So ist die Aussage in "Wer die Nachtigall stört" von bleibenden Intensität. Der spätere Oscarpreisträger Robert Duvall ist in seiner ersten Rolle zu sehen. Als Boo Radley mit weißem Haar zeigt er bereits sein großes Können.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Rio Bravo

























Regie: Howard Hawks

Der Sheriff und seine Helfer...

"High Noon" hat mir dermaßen missfallen, dass ich die Gegenposition eingenommen habe. Das funktioniert und den Leuten hat es sehr gefallen - das hat Howard Hawks einmal gesagt, als er zu "Rio Bravo" interviewt wurde. Tatsächlich ist Howard Hawks Meisterwestern aus dem Jahr 1959 die ultimative Antithese von Fred Zinnemanns düsterem Western über einen Marshall, dem keiner helfen will im Kampf gegen die Banditen. Dennoch sind die Helfeshelfer von John Wayne in "Rio Bravo" eine illustre Schar von Aussenseitern. Lediglich Ward Bond als Rancher Pat Wheeler könnte man als typischen Westerner bezeichnen - aber er lebt nicht mehr lange. In dem Moment als er sich äusserte dem Sheriff zu helfen, wird er hinterrücks umgelegt. All das passiert in der kleinen Grenzstadt "Rio Bravo". In der Planung als reine Mainstreamproduktion konzipiert (sogar ein ganz junges Publikum wurde durch die Besetzung von Teenie-Idol und Popsänger Rickie Nelson anvisiert), gelang es dem Meisterregisseur mit seinem total lockeren Stil einen der besten Western der Filmgeschichte zu schaffen. Und dies obwohl die Geschichte auf ganz engem Raum spielt und erst gegen Ende - beim explosivem Showdown - für kurz das verschlafene Städtchen verlassen wird. Seine Coolness gewinnt der Film durch eine umwerfende Mischung aus allem, was Hawks filmisch gemacht hatte. Es gibt eine musikalische Einlage (Dean Martin und Ricky Nelson geben den song "My rifle, Pony and me) zum Besten, es gibt herrliche Komödienmomente - vor allem Walter Brennan als zickiger alter Hilfssheriff läuft dabei zur Höchstform auf. Eine gute Brise von Romantik und Erotik dank einer Durchreisenden Lady mit Vergangenheit, die vom ruppigen Sheriff gezähmt werden könnte. Am Ende wird er aber gleichsam von ihr gezähmt. Und natürlich jede Menge Spannung und Action. "Rio Bravo" erweist sich als optimales Belagerungsszenario im Film. Auf ganz engem Raum kämpft eine Gruppe ungleicher Charaktere gegen eine Überzahl von bezahlten Desperados für Gesetz und Ordnung. Diese Konstellation schrieb Filmgeschichte und wurde von vielen Kultregisseuren wie Romero oder Carpenter für ihre Filme übernommen. Dabei gelingt es Hawks spielend, dass die Belagerung zweitrangig wird - die Interaktion zwischen den Filmfiguren ist die Trumpfkarte in "Rio Bravo".
Um was geht es: Sheriff John T. Chance (John Wayne) muss den Revolverhelden Joe Burdette (Claude Akins) festnehmen, denn der hat im Saloon einen Mann erschossen, der unbewaffnet war. Da Joes älterer Bruder der mächtige Viehbaron Nathan Burdette (John Russell) ist, muss damit gerechnet werden, dass dieser seinen Bruder - wenn nötig auch mit Gewalt - aus dem Gefängnis befreien wird. Er hat mit seinem Männern bereits den Grenzort abgeriegelt, um zu verhindern, dass Chance seinen Gefangenen zum US-Marshall bringen könnte. Diese Revolvermänner sind auch in der Stadt präsent und bewachen jeden Schritt, den der Sheriff unternimmt. Chance, der nur seinen Deputy, den alten gehbehinderten Stumpy (Walter Brennan) als Verbündeten hat, gibt dabei seinem ehemaligen Hilfssheriff Dude (Dean Martin) eine Chance mit im Team der Guten zu sein. Dude ist aber seit 3 Jahren ein echter Säufer (eine Frau war der Auslöser) und hat echte Mühe trocken zu bleiben - teilweise ein echtes Wrack, das zittert, schwitzt und sich beleidigen lässt, nur um kurz einen Hauch von Stolz zu empfinden und dann sofort wieder zur Flasche zu greifen. Noch kurz vor seiner neuen Chance war er das Gespött jedes Saloons. Mit Feathers (Angie Dickinson) kommt eine attraktive Frau in die Stadt, auf die ein Steckbrief einer Falschspielerin passt und die sich in den Kopf gesetzt hat den störrischen Sheriff zu erobern. Auch sie unterstützt natürlich auch emotionalen Gründen die kleine Achse der Guten. Als Chances Freund Pat Wheeler (Ward Bond) erschossen wird, gewinnt Chance mit dem ganz jungen Revolverhelden Colorado (Ricky Nelson) einen weiteren Verbündeten. Und auch der mexikanische Hotelwirt Carlos Robante (Pedro Gonzales) mit dessen Frau Consuela (Estella Rodriques) erweist sich bald als guter Verbündeter. Aber können sie alle gegen die Vielzahl der Banditen bestehen...



John Wayne soll Hawks gefragt haben "Und was mache ich, während Dean die ganzen schönen Szenen spielt ?" Lakonisch antwortete Hawks "Ganz einfach, du schaust ihm zu wie ein guter Freund". Und für beide Stars kamen zwei ganz hervorragenden Rollen dabei heraus. Die Filmmusik von Dimitri Tiomkin passt perfekt dazu, das atmosphärische Titellied sowie auch "Deguello", die Melodie vom Tod, vom Halsabschneiden, die im Film zu hören ist und die Spannung dramaturgisch unterstützt. Kameramann Russell Harlan, der sehr oft mit Howard Hawks gearbeitet hat, mit einer Superleistung. Es sind auch die vielen tollen Nebenfiguren - Angie Dickinson als starke Frau, Ricky Nelson als unkonventioneller ganz junger Revolverheld oder Walter Brennan als ständig schimpfender Stumpy...die Chemie stimmt und machen aus "Rio Bravo" nicht nur einen spannungsgeladenen Edelwestern, sondern ein echtes Kinohappening.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.