Donnerstag, 18. August 2016

Weißer Oleander

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Dragonwyck...

Aufgrund der Erkrankung von Ernst Lubitsch erhielt Joseph L. Mankiewicz 1946 zum ersten Mal die Chance Regie zu führen. Die Twentieth Century Fox plante ein Melodram im Gothicstyle mit Thrillerelementen. Mankiewicz, der schon erfolgreiche Hollywood Filme produziert (für "Die Nacht vor der Hochzeit" war er sogar als Producer in der Kategorie "Best Picture" für den Oscar nominiert) und  einige Drehbücher geschrieben hatte, hegte schon seit langer Zeit den Wunsch auf dem Regiestuhl zu sitzen. So wurde der historische Gothicthriller "Weißer Oleander" (im Original: Dragonwyck) seine erste Regiearbeit. Damit begann auch seine große Karriere. 1950 und 1951 gewann er jeweils den begehrten Regie-Oscar für "Ein Brief an drei Frauen" und "Alles über Eva". Weitere Filmerfolge wie "Der Fall Cicero", "Julius Caesar" oder "Plötzlich im letzten Sommer" folgten.
Sein Erstling "Weißer Oleander" erinnert sehr stark an die beiden Welterfolge "Rebecca" (Alfred Hitchcock, 1940) oder "Das Haus der Lady Alquist" (George Cukor, 1944, die nachfolgend natürlich die Filmemacher inspirierte und so auch eine ganze Reihe ähnlicher Filme hervorbrachte wie "Briefe aus dem Jenseits" von Martin Gabel, "Der unheimliche Gast" von Lewis Allen oder "Meine Cousine Rachel" von Henry Koster.  Auch "Weißer Oleander" gehört zweifelsfrei in diese Kategorie. Und in Mankiewiczs Erstling versammelten sich auch viele Könner, die zum Gelingen des Films beitrugen. Alfred Newman war zuständig für die Musik, Arthur C. Miller war der Director of Photographie. Russell Spencer und Lyle Wheeler machten die Art Directon. Beste Zutaten also und auch die Darstellerriege war attraktiv. Gene Tierney, ein Star des Film Noir war in einer ungewohnten Rolle zu sehen und der große Vincent Price wurde wie auch schon in "Laura" oder "Todsünde" an ihre Seite gestellt - diesmal allerdings in der Hauptrolle.
Die Geschichte von "Dragonwyck" ist auch die Geschichte der jungen Farmerstochter Miranda Wells (Gene Tierney), die bescheiden auf der Farm ihrer streng gläubigen Eltern Ephrain (John Huston) und Abigail Wells (Anne Revere) aufwächst. Anders als ihre Geschwister träumt Miranda aber von der großen Welt, die sie hier im ländlichen Greenwich, Connecticut nur aus Erzählungen kennt. Mirandas Mutter soll über einige Ecken mit dem reichen Nicholas van Ryn (Vincent Price) verwandt sein, der auf einem riesigen Anwesen namens "Dragonwyck" in der Nähe von New York am Hudson River lebt. Dieser Mann ist der Patron seines Landes und lebt von der Pacht seiner vielen Farmer, die für ihn arbeiten müssen. Eines Tages erhält Abigail von ihrem entfernten Verwandten einen Brief, der ihr anbietet, dass eines der Wells Töchter in besseren Kreisen leben kann, da er und seine Frau Johanna  (Vievienne Osborne) eine Erzieherin und Gouvernante für die kleine Tochter Katherine (Connie Marshall) suchen. Die Eltern sind zwar nicht besonders glücklich über diesen Vorschlag, aber schließlich ermöglichen sie der begeisterten Miranda diesen Schritt in ein anderes, vielleicht besseres Leben. Miranda ist gleich bei der ersten Begegnung fasziniert von dem attraktiven, aber etwas mysteriösen Nicholas. Er scheint nicht glücklich mit seiner korpulenten, faulen und ewig kränklichen Frau zu sein. Auch Katherine ist alles andere als ein glückliches Kind. Die seltsame Haushälterin Magda (Spring Byington) behauptet, dass es im Haus geistern würde. Eine Ahnin der Van Ryns soll man manchmal hören auf dem Spinett zu spielen, dazu soll sie ein düsteres Kinderlied singen. Miranda bekommt auch mit, dass Nicholas mit seinen Untergebenen nicht gut umgeht und sich wie ein Gott aufspielt. Daher ist auch der Arzt Dr. Turner (Glenn Langan) mit dem überheblichen Lehnsherrn zerstritten. Überraschend stirbt Johanna und sehr schnell offenbart Nicholas der schönen Miranda, dass er sie heiraten will...



"Dragonwyck" ist vielleicht deshalb nie ein Meisterwerk wie seine Vorbilder geworden, weil er manche Handlungsstränge nicht zu Ende führt. So werden auch interessante Figuren wie die kleine Tochter von Ryn oder die hellsichtige Haushälterin eingeführt, aber nach einer Zeit verschwinden sie einfach aus der Geschichte. Schade, denn ansonsten stimmen alle Zutaten in diesem gelungenen, jedoch wenig bekannten Gothicthriller, der wie alle seine Genreverwandten auch die expressionistischen Bilder hoch hält. Daher werden diese Filme aufgrund der dunklen, düsteren Bilder manchmal in die Nähe des Film Noir gerückt. Gene Tierney meistert ihre Rolle klasse. Ebenso das gesamte Ensemble - in einer kleinen Nebenrolle ist Jessica Tandy als körperlich behindertes Hausmädchen zu sehen. Auch Vincent Price ist grandios als drogensüchtiger Nicholas, der den Zerfall der alten Welt nicht begreifen kann und immer mehr - auch durch ein dunkles Geheimnis - in den Wahnsinn abgleitet.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Die glorreichen Sieben




















Regie: John Sturges

Ein Dorf gegen Calvera....

Seine größten Filmerfolge feierte Regisseur John Sturges mit den beiden 60er Jahre Kinohits "Die glorreichen Sieben" und "Gesprenge Ketten" - beide Filme realisierte er für die Mirisch Company für die United Artists. "Die glorreichen Sieben" war damit auch sein Höhepunkt als Westernregisseur, obwohl weitere Highlights des Genres in seiner Filmographie vertreten sind. Besonders erwähenswert sind "Verrat im Fort Bravo" (1954), der Post-Western "Stadt in Angst" (1955), "Das Geheimnis der fünf Gräber" (1956), "Zwei rechnen ab" (1957), "Der Schatz der Gehenkten" (1957) und "Der letzte Zug von Gun Hill" (1958). "Die glorreichen Sieben" ist eine Western-Adaption von Akira Kurosawas Meisterwerk "Die sieben Samurai" und beide Filme schildern die Einsamkeit ihrer Anti-Helden, auch wenn sie im Kampf gemeinsam - also zu siebt - gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner antreten müssen. Der einzige Lohn, den sie erhalten, ist die Bewunderung der einfachen Menschen, ansonsten bleibt den Helden nichts als das Überleben ohne Heimat. Für die Kameraarbeit war der versierte Charles Lang jr. zuständig, ein Meister seines Fachs. Insgesamt wurde er in seiner langjährigen Laufbahn 18 mal für den Oscar nominiert. Erhalten hat er ihn aber nur einmal und zwar 1934 für "In einem anderen Land".
Die Handlung spielt sich in ddem kleinen mexikanischen Dorf Ixcatlan statt. Jedes Jahr - um die Erntezeit - wird das Dorf von dem Banditen Calvera (Eli Wallach) und seiner 30köpfigen Bande überfallen. Er lässt den armen Bauern gerade mal soviel übrig, dass sie nicht verhungern müssen - alles andere kassiert der Bandenführer ein. Er sieht sich als Wolf, der die schwachen Schafe beherrscht. Doch die Männer des Dorfes haben genug. Ihr Dorfältester (Vladimir Solokoff) gibt ihnen den Rat endlich zu kämpfen. Doch wie soll das gehen ohne Waffen ? Drei der Bauern machen sich auf den Weg in die Stadt um Waffen zu kaufen. Dort kriegen sie mit wie die beiden Revolvermänner Chris (Yul Brynner) und Vin (Steve McQueen) sich mutig und erfolgreich durchsetzen können. Das gefällt den Bauern und macht mächtig Eindruck. So entsteht die Idee, statt Waffen einfach Revolverhelden zu bezahlen, die sich gegen Calvero stellen. Für einen Hungerlohn von 20 Dollar pro Kopf willigt Chris ein, er hat nichts anderes zu tun, die Bauern tun ihm leid und irgendwie wäre er auch gerne ein seßhafter Farmer. So denkt auch Vin und beide rekrutieren den jungen Heißsporn Chico (Horst Buchholz), den coolen Messerwerfer Britt (James Coburn), den einsamen Söldner Bernardo (Charles Bronson), den goldgierigen Harry Luck (Bred Dexter) und den zynischen Auftragskiller Lee (Robert Vaughn). Sie lernen die Bauern an im Kämpfen und Schließen. Und bald kommt es auch schon zum erbitterten Kampf...



Yul Brynner macht als Führer der Revolverhelden eine edle Figur, die beiden Sympathieträger sind Steve McQueen, der alles mit einem Witz kommentiert und Horst Buchholz, der die Rolle des Toshiro Mifune hat..allerdings abgewandelt. Denn er ist vor allem ein jugendlicher und naiver Hitzkopf, der sich auch noch in ein Mädchen (Rosenda Monteros) verlieben darf. Auch Charles Bronson hat einen rührenden Part...drei kleine Mexikanerjungen verehren ihn von den glorreichen Sieben am meisten und weichen ihm nicht mehr von der Seite. Auch Eli Wallachs Part als Bandit ist gut gelungen, denn er ist irgendwie auch ein Komplize der Gunfighter und macht ihnen irgendwann im Laufe der Geschichte ein ganz verlockendes Angebot. Wohl deshalb, weil er weiß, dass auch sie zu den Wölfen unter den Menschen gehören. Er wird auch am Ende der Geschichte nicht begreifen, warum gerade diese stolzen Revolverhelden sich für die Sache der Bauern so stark gemacht haben. Denn Gewinner sind die Bauern...dies ist genauso wie im japanischen Original die Quintessenz am Schluß des Films. Die Starriege war so gut, dass in "Gesprengte Ketten" auch auf McQueen, Coburn und Bronson gesetzt wurde. Toll auch, dass Sturges sich zwar am großen Original orientiert hat, aber dennoch einen ganz eigenständigen Film schaffen konnte. Gemeinsam mit Richard brooks "Die gefürchteten Vier" ist Sturges Filmhit bereits ein Vorbote für die kommenden Italo-Western, die die Strukturen der Klassiker mächtig durcheinander wirbeln.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Der Marshall

























Regie: Henry Hathaway

Das Mädchen Mattie Ross...

Als Kinolegende John Wayne am 7. April 1970 im Dorothy Chandler Pavillon in Los Angeles den Oscar als bester Hauptdarsteller für "Der Marshall" entgegennahm, wurde nicht nur seine Leistung als alter Haudegen in Henry Hathaways Edelwestern gewürdigt, sondern auch für seine gesamte, beinahe 45 Jahre lange, Karriere in Hollywood. Weltberühmt wurde er aber erst durch John Fords "Ringo" und dann wurde er zu dem erfolgreichsten Westernstar der Filmgeschichte. Unvergessen seine Darstellungen in "Red River" , in "Fort Apache", in "Der Mann, der Liberty Valance erschop", in "Rio Bravo" und vor allem in "Der schwarze Falke". Als Wayne den Preis entgegennahm, meint er nur "wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich schon vorher diese Augenklappe angezogen". Der Film basiert auf dem Roman "Mutige Mattie" von Charles Portis und zeigt Wayne als einäugigen, eisenharten alten Trunkenbold Reuben J. Cogburn, den alle nur Rooster (Gockel) Cockburn nennen. Dieser Marshall fackelt nicht lange und hat bereits in seiner 4 Jährigen Eigenschaft als US-Marshall 23 Männer aus Notwehr oder auf der Flucht erschossen. Die einzigen Freunde, die er hat, sind der Chinese Chen Lee (H.W. Gim) und die rote Katze General Sterling Price (rote Katze General Sterling Price). Während er auf ständiger Jagd nach Verbrechern ist, ereignet sich in Fort Smith, Arkansas ein feiger Mord an dem Farmer und Geschäftsmann Frank Ross (John Pickard). Der Mörder ist sein Bekannter Tom Chaney (Jeff Corey) - nunmehr auf der Flucht und vermutlich hat sich der Verbrecher der Ned Pepper (Robert Duvall) Bande (u.a. Dennis Hopper, Jeremy Slate) angeschlossen. Franks Tochter Mattie (Kim Darby), ein aufgewecktes, um nicht zu sagen vorlautes Mädchen im Alter von 14 Jahren, schwört Rache und will den Mörder hängen sehen. Mattie, die ihrem Vater auch schon die Buchhaltung gemacht hat, verlässt ihr Elternhaus in Dardanelle in Yell County und trifft dann in Fort Smith diesen Marshall Cockburn, der sich für 100 Dollar bereiterklärt den Halunken zu fassen. Wobei er lieber allein auf Verbrecherjagd gehen würde...aber Mattie lässt sich nicht abschütteln und auch der Texas Ranger La Boeuf (Glen Campbell) schließt sich an, da Chaney auch in Texas sein Unwesen trieb und einen Senator samt Hund erschossen hat. Das ungleiche Trio bricht nun auf. Unterwegs gibts immer wieder Stress, ganz tolle Bilderkompositionen von Kameramann Lucien Ballard, der am Ende auch noch in den schönsten Herbstfarben ein furioses Finale aufbereitet. Rooster allein gegen die Übermacht von den vier übrig gebliebenen Banditen. Attacke....



In Hollywood sah man diesen Western als den letzten großen Coup der drei fetten alten Männer. Producer Hal B. Wallis, Regisseur Henry Hathaway und Westernstar John Wayne. Tatsächlich kann man "Der Marshall" als einen der letzten großen Klassischen Hollywood-Western ansehen. Nach "Die 4 Söhne der Katie Elder" und "Nevada Smith" war dies ein weiterer Riesenerfolg für Hathaway., der es hier noch einmal richtig krachen ließ. Der Film braucht zwar ein bisschen um in die Gänge zu kommen. Das Geplänkel der kleinen Nervtröte Mattie mit Rooster, mit dem Texasranger oder mit einem Geschäftsmann hätte daher vielleicht etwas kurzer ausfallen dürfen, aber ab dem zeitpunkt als das Trio an der kleinen Hütte vor imposanter Kulisse ankommen, packt der farbenprächtige Film sofort. Auch Waynes Spiel sich selbst nicht so wichtig zu nehmen - er fällt auch mal vor lauter Trunkenheit unbeholfen aus dem Pferd und gibt dann an, dass das Pferd gestrauchelt wäre - ist putzig und regt zum Schmunzeln an. Er hat natürlich die besten Szenen als gebrochener Held, der in "Der Marshall" aber nicht melancholisch wehmütig wird, sondern alles mit einem guten Humor auf die leichte Schulter nimmt. Darauf einen Whisky.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 13. August 2016

Der Wildeste unter Tausend

























Regie: Martin Ritt

Hud...

Martin Ritt war einer der Künstler, die in den frühen 50er Jahren auf diese unsägliche schwarze Liste des Komitees für unamerikanische Aktivitäten kam - dies bedeutete das berufliche Aus. So konnte er erst wieder 1956 am Broadway weitermachen und 1957 seinen ersten Film als Regisseur realisieren. Das Debüt "Ein Mann besiegt die Angst" war äusserst bemerkenswert und es folgten "Der lange heiße Sommer" oder "Die schwarze Orchidee". Seine aktive Zeit endete Anfang der 90er Jahre - zahlreiche Klassiker sind enstanden: "Norma Rae" (1979), Nuts (1987), "Der Spion, der aus der Kälte kam" (1965) oder "Der Strohmann" (1976), einem autobiographisch gefärbten Werk mit Woody Allen. Sehr oft drehte er mit Paul Newman zusammen. So auch in den Western "Hombre" und "Carasco, der Schänder" und auch sein bester Film überhaupt: "Der Wildeste unter Tausend", der im Original "Hud" heißt und sich auf die Hauptfigur der Geschichte bezieht. "Der Wildeste unter Tausend" ist ein moderner Western, der in der Gegenwart (also zur Entstehungszeit des Films in den 60ern) spielt und angesiedelt ist in der unendlichen Weite der west-texanischen Landschaft. Ein großartiger Film, den man in einem Atemzug mit zwei anderen sehr hervorragenden US- Filmen über Menschen auf dem Land im Süden der Staaten nennen kann. Zwar spielt "Wer die Nachtigall stört" von Robert Mulligan nicht in Texas, sondern in Alabama der frühen 30er Jahre, aber durch die intensiven Bilder und dem starken Focus auf einfache echte Menschen rückt auch er in die Nähe von Peter Bogdanovichs "Die letzte Vorstellung" und eben Martin Ritts "Hud". Alle drei Filme erhielten für ihre melancholischen schwarz-weiß Bilder eine Oscar-Nominierung für die beste Kameraarbeit. Für "Hud" gabs noch weitere Nominierungen, von denen am Ende sogar drei in Siege umgewandelt wurden. Patricia Neal als beste Schauspielerin, Melvyn Douglas als bester Nebendarsteller und James wong Howe für die beste kamera durften triumphieren - aber Hauptdarsteller Paul Newman, Regisseur Martin Ritt, die Drehbuchautoren gingen leer aus - ebenso unterlag der Film in der Hauptkategorie "Bester Film des Jahres" dem Kostümfilm "Tom Jones - Zwischen Bett und Galgen" von Tony Richardson.
 Schade auch, dass der viel zu früh verstorbene Brandon de Wilde als Lonnie nicht bei den Nominees berücksichtigt wurden - denn "Hud" funktioniert neben der intensiven Bildgestaltung vor allem durch die großartigen Leistungen dieses glaubwürdigen Schauspieler-Quartetts. Homer Bannon (Melvyn Douglas) ist der inzwischen alt gewordenen Patriarch und Rancher. Mit seinem Sohn Hud (Paul Newman) trägt er seit langer Zeit einen chronischen Konflikt aus. Hud glaubt, dass es immer noch mit dem frühen Tod seines Bruders zusammenhängt. Dieser starb bei einem Autounfall, bei dem Hud den Wagen fuhr und wo beide zuviel getrunken hatte. Hud ist ein attraktiver Mann, der einen Schlag bei den Frauen hat und der für seine zahlreichen Affären - vor allem mit verheirateten Frauen aus der Stadt - bekannt ist. Ausser den Frauengeschichten und dem Alkohol interessiert ihn recht wenig - er ist egoistisch, agiert verantwortungslos und empfindet für seine Mitmenschen wenig Empathie. Ein Mann, der neuen Generation - rücksichtslos und nur auf den eigenen Vorteil und auf Geld versessen. Darüberhinaus hat er aber auch ein sympathische Ecke, so wird er von dem siebzehnjährigen Sohn seines toten Bruders, Lonnie (Brandon de Wilde) bewundert - er ist vom lässigen Charme des Onkels immer wieder fasziniert. Die Seele des Familienlebens repräsentiert die Haushälterin Alma (Patricia Neal), die geschieden und auch nicht mehr ganz jung ist. Trotzdem macht Hud der sehr eigenständigen Frau deutliche Avancen und auch Lonnie hat gewisse schwärmerische Phantasien. Als ein junges Rind verendet, geht der Tierarzt von einem gravierenden Verdacht aus. Die ganze Herde könnte von der Maul- und Klauenseuche befallen sein. Was eine Katastrophe wäre, denn dann müssten alle Tiere getötet werden. Auch die beiden seltenen Langhornrinder, die Homer an die gute alte zeit des Westens erinnern. Hud schlägt vor, die Tiere vor der feststehenden Diagnose zu verkaufen - auf diesen rücksichtslosen Plan geht sein aufrechter und ehrlicher Vater natürlich nicht ein. Auch die Möglichkeit auf dem Land nach Öl zu bohren und damit ein lukrativeres Geschäft zu beginnen, lehnt Homer - sehr zum Leidwesen von Hud - ab. Hud will für den Alten eine Betreuung erwirken. Dies alles wirkt sich auch auf Homers angeschlagene Gesundheit aus...




Im Grunde erzählt "Hud" ein Familiendrama. Und die Geschichte eines Egoisten, der am Ende die Menschen, denen er etwas bedeutete, alle verliert. Hud wäre natürlich nicht Hud, wenn er diese Einsamkeit nicht wegstecken könnte. Denn es stellt sich heraus, dass er schon immer ein Einsamer war - ohne Fähigkeiten Beziehungen mit Menschen einzugehen. Dies alles präsentiert Martin Ritt mit viel Wehmut und Tragik - dennoch ist der Film poetisch gefärbt. Alle Figuren sind klasse gezeichnet und individuell. Es sind echte Typen. Auch Paul Newman bietet einen Glanzpunkt in seiner großen Filmkarriere als charmanter Manipulierer. Dabei ist er auch dieser Typus, der das neue Amerika vertritt - er ist sich immer selbst der Nächste, so gesehen auch ein Prototyp unserer heutigen Zeit. Business über alles. Der Rest ist egal. "Hud" ist auch heute noch aktuell wie nie, da er alte Werte auf neue Normen prallen lässt.




Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Der Tiger von Eschnapur - Das indische Grabmal

Regie: Fritz Lang

Es war einmal in Indien...

Vor allem die zeitgenössische Kritik in Deutschland hielt die von Fritz Langs 1959 inszenierten Zweiteiler "Der Tiger von Eschnapur" und "Das indische Grabmal" für einen Regisseur seines Ranges extrem enttäuschend. Anders fiel die Bewertung in Frankreich aus. Unsere Nachbarn sahen in seinem ersten deutschen Film nach dem Krieg ein üppiges Meisterwerk. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte - und dies ist eher als Kompliment zu verstehen, wenn man die Neuverfilmung dieses Indien-Dramas mit Werken wie "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", "Nibelungen" oder "Dr. Mabuse" vergleicht. Denn man darf nicht ausser Acht lassen, dass dieses Remake eines der ganz wenigen ausufernden Monumentalfilme ist, die in Deutschland gedreht worden sind. Mit einer Laufzeit von gesamthaft 194 Minuten hat Fritz Langs Farbfilm eine Länge ähnlich wie die klassischen Hollywoodschinken dieser Zeit. Dabei handelt es sich um eine stark abgewandelte Neuverfilmung des zweiteiligen Stummfilms "Das indische Grabmal" (Deutschland, 1921 - Regie: Joe May), bei dem Fritz Lang gemeinsam mit seiner Ehefrau Thea von Harbou das Drehbuch schrieb. Eingeflochten wurde aber auch die Handlung von "Der Tiger von Eschnapur" (Deutschland 1938, Regie: Richard Eichberg). Alle beiden Filme basieren auf dem Roman von Thea von Harbou, sie wurden riesige Erfolge im Kino und liefen sogar zusammengefasst als Wiederaufführung in den 50er Jahren in deutschen Kinos. Schon alleine durch die Popularität des exotischen Stoffes war Fritz Lang ein Kinoerfolg mit seinem Zweiteiler gewiss.
Produziert wurde der Film von Artur Braunder und CCC Film. Vor imposanter Kulisse entsteht ein Indien wie in einem Märchen. Der deutsche Ingenieur Harald Berger (Paul Hubschmidt) ist auf dem Wege zum Palast von Eschnapur, wo er von Fürst Chandra (Walther Reyer) schon sehnlichst erwartet wird. Berger soll für den Herrscher Krankenhäuser und andere wichtige Gebäude bauen. Auf dem Weg hilft er der Dienerin Bharani (Luciana Paluzzi), als diese beim Wasserholen von frechen Soldaten belästigt wird.  Deren Herrin, die Tempeltänzerin Seetha (Debra Paget) dankt sich bei ihm. Auch sie ist auf dem Weg zum Fürstenpalast. Auf dem Weg dorthin rettet Berger die schöne Frau vor einem sehr gefährlichen Tiger, der bei der Bevölkerung "Der Menschenfresser" genannt wird. Berger verliebt sich in Seetha und auch sie empfindet viel für den draufgängerischen Ingenieur aus Deutschland. Seetha tanzt für den Fürsten, der sich ebenfalls in die Schönheit verliebt und sie zu seiner neuen Maharani machen will. Doch Chandra hat Feinde. Sein eigener verschlagener Bruder Fürst Ramigani (Rene Deltgen), der als älterer Bruder bei der Thronfolge übergangen wurde, möchte ihn stürzen und auch Fürst Padhu (Jochen Brockmann) gerät in Rage als er erfährt, dass eine Tempeltänzerin den Platz seiner verstorbenen Schwester als Ehefrau des Fürsten einnehmen soll. Auch die Priesterschaft und der Hohepriester Yama (Valéry Inkijinoff) sind nicht unbedingt Freunde des reformwilligen Chandra, der immer mehr westliche Leute nach Eschnapur holen will. Am Ende von "Der Tiger von Eschnapur" bleibt nur die Flucht. Im zweiten Teil "Das indische Grabmal" sind Bergers Schwester Irene (Sabine Rathmann) und ihr Ehemann Dr. Walter Rhode (Claus Holm) im Palast angekommen. Rhode, Chef von Berger, wundert sich, dass dieser scheinbar bei einer Tigerjagd sein soll. In Wirklichkeit sind die Liebenden ja auf der Flucht. Ramigani gelingt aber deren Ergreifung. Er bringt Seetha zurück in den Palast, denn sie soll nach seinem Plan die Frau des Fürsten werden, damit sich nicht nur die Priesterschaft, sondern auch das Volk an den Handlungen seines Bruders erzürnt. Er lässt Chandra glauben, dass sein Konkurrent Berger - zuerst Chandras Freund, dann sein Feind - auf der Flucht vor Krokodilen gefressen wurde. Doch Berger lebt. In den unterirdischen Gängen suchen Irene und ihr Mann nach ihm...




Der Film bietet überragende Schauwerte und klasse Bilder (Kamera: Richard Angst) und schafft eine Brücke zwischen Langs Monumentalfilmen der Weimarer Republik. An einigen Stellen erinnert man sich sogar an Langs Heldenepos "Die Nibelungen", denn genauso opulent kommt der Zweiteiler aus Indien daher. Von der Farbenpracht muss man auch einige Jahre im deutschen Filmgeschehen zurückgehen um Vergleichbares zu finden und da wären wir bei dem UFA-Jubiläumsfilm "Münchhausen". Durch sein märchenhaftes Flair kommt auch "Der Dieb von Bagdad", der 1940 von Alexander Korda produzierte Fantasyfilm aus Tausendundeiner Nacht. Man merkt schon - Indien wird nicht nur aus der Sicht des Westens hier geschildert mit viel Abenteuerflair und Tausend Geheimnissen, sondern auch als eine ganz andere Welt, unwirklich und unrealistisch wie im Märchen. Man darf diesen Film natürlich nicht mit den expressionistischen Meisterwerken auf eine Stufe stellen, aber Fritz Lang schafft es dennoch eine durchgehend geheimnisvolle Faszination entstehen zu lassen. Neben dem Prunk und der Schönheit zeigt er auch das Gegenteil. Besonders morbide sind die Sequenzen, die einen Einblick ins unterirdische Gefängnis der Leprakranken geben - in Teil 2 könnte man sogar meinen, dass sowohl George A. Romero für seine Zombies als auch Michael Jackson für seinen "Thriller"Clip bei diesen Bildern aus dieser ausufernden Indien Saga die perfekte Inspiration bekommen hätten.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.