Sonntag, 22. Januar 2017
Wiegenlied für eine Leiche
Regie: Robert Aldrich
Hollywood Grand Guignol...
Nach dem riesigen Kinoerfolg (9 Millionen Dollar Kasse) von "Was geschah wirklich mit Baby Jane ?" hatte Hollywood Regisseur offensichtlich Spass noch ein weiteres grotesk-triviales Horrorstück im Stil des Grand Guignol zu inszenieren. Und es sollte wieder mit dem herrlich funktionierenden Grusel- Duo Bette Davis und Joan Crawford besetzt werden. Doch die Crawford wurde krank. Es ging aber auch das Gerücht herum, dass sie aus dem Unternehmen ausstieg, weil sie empfand, dass Aldrich Bette Davis bevorzugte. Vivien Leigh und Katharine Hepburn sagten ab - so kam es zur Verpflichtung der großartigen Olivia de Havilland, die es wunderbar beherrscht völlig gütige Charaktere zu spielen (Cousine Melanie in "Gone with the wind oder als Ruth in der Doppelrolle in "Dark Mirror") oder auch das krasse Gegenteil (Terry in "Dark Mirror" - die von Hass und Paranoia zerfressene Zwillingsschwester der gütigen Ruth). In "Wiegenlied für eine Leiche" durfte sie die Cousine der seltsamen und etwas durchgeknallten Bette Davis spielen. Und zwar etwas angelegt wie in Henry Kosters "Meine Cousine Rachel" - dort ist der Zuschauer auch erst mal damit beschäftigt diese Cousine richtig einzuschätzen. Ist sie gekommen um zu helfen oder hat sie etwa finstere Pläne ?
"Wiegenlied für eine Leiche" spielte wieder reichlich Geld ein - mit 8 Millionen Dollar Umsatz schaffte es Robert Aldrich auf Platz 20 der Kinojahrescharts. Und tatsächlich ist der Film beinahe genauso stark wie der Vorgänger - er fällt lediglich beim zweiten Sehen etwas ab, da man dann die vielen Wendungen des Psychothrillers mit fiesem Horroreinschlag bereits kennt. Und es gibt darin nicht nur ein Wiedersehen mit diesen Legenden der Leinwand Bette Davis und Olivia de Havilland.
Auch für die Nebenrollen hat Aldrich ein paar grandiose Kinostars der 40er verpflichtet: Joseph Cotten, Mary Astor, Agnes Moorehead oder Cecil Kellaway.
Ein langes Intro führt den Zuschauer zurück ins Jahr 1927, nach Louisiana. Dort hat sich die Southern Belle Charlotte Hollis (Bette Davis) in den verheirateten John Mayhew (Bruce Dern) verliebt. Die beiden haben vor nach Mexiko zu fliehen, er hat für sie sogar ein Lied "Hush Hush sweet Charlotte" geschrieben. Doch der Vater von Charlotte, der steinreiche und einflussreiche Big Sam Hollis (Victor Buono) erfährt von der untragbaren Liason und zwingt den Liebhaber sich von Charlotte fernzuhalten. Am gleichen Tag findet im Herrenhaus von Hollis ein riesiger Ball statt. John gibt Charlotte im Pavillon den Laufpass und wird später brutal ermordet. Die Hand wird ihm mit einem Schlachtermesser abgetrennt, ausserdem wird er enthauptet. Charlotte erscheint dann im Ballsaal mit einem blutigen Kleid.
37 Jahre später: Die Kinder im Ort machen sich schon seit Jahren einen Spass mit einer Mutprobe. Wer den Mut hat in der Dunkelheit in das Haus zu gehen, der ist ein Held. Ausserdem haben sie schon vor Jahren den Song von Charlottes Liebhaber als Spottlied umgedichtet. Im Ort gilt Charlotte, die nie heiratete, als verschrobene, reizbare und leicht verrückte Einzelgängerin, für die die Zeit stehen geblieben ist. Sie gilt jedoch als harmlos, obwohl sie immer die Hauptverdächtige in diesem bis heute unaufgeklärten Mordfall des Jahres 1927 war. Sie hat nur eine echte Bezugsperson - die Haushälterin Velma (Agnes Moorehead). Gelegentlich schaut der Arzt Dr. Drew Bayliss (Joseph Cotten) vorbei. Oder neuerdings Luke Standish (Wesley Addy), der Sheriff des Orts, denn Charlotte will das alte Anwesen nicht verlassen - obwohl die Räumung schon angesetzt ist. Die schrullige Charlotte wäre wohlhabend genug, um in einem viel schöneren Haus zu wohnen. Doch sie hängt an ihren Erinnerungen fest und glaubt die Räumung wäre ein Komplott von Jewel Mayhew (Mary Astor), der Witwe ihres ehemaligen Lovers. Nur gut, dass vielleicht Hilfe in der Person ihrer Cousine Miriam Deering (Olivia de Havilland) kommt - zumindest setzt Charlotte auf sie. Mit dem Einzug von Miriam mehren sich aber auch mysteriöse und schreckliche Vorkomnisse im Haus. Kann es sein, dass Charlotte nun endgültig den Verstand verliert. Zur gleichen Zeit taucht auch der Versicherungsagent Harry Willis (Cecil Kellaway) in der Stadt auf, der sich für den alten Mordfall besonders interessiert....
Natürlich spielt so ein erlesenes Ensemble mit riesiger Freude. Für Agnes Moorehead als Velma sprang sogar eine Oscar-Nominierung heraus. Nominiert wurde der Film ausserdem für die beste Kamera (Joseph Biroc), Art Directon (Glasgow & Bretton), Beste Kostüme (Norma Koch), bester Schnitt (Michael Luciano), beste Filmmusik (Frank de Vol), ausserdem wurde der Song selbst nominiert. Obwohl der Film viel weniger subtil ans Werk geht wie der Vorgänger. Dort bezieht die Geschichte ihren Horror aus dem Umgang der beiden Schwestern miteinander. In "Wiegenlied für eine Leiche" agiert Bette Davis noch überzogener - aber es funktioniert prächtig. Auch die Geschichte ist viel sadistischer und grob inszeniert. Eine eh schon durchgeknallte reiche Jungfrau soll wirklich verrückt im Sinne von "krank" gemacht werden. Dafür setzen die Übeltäter abgetrennte Körperteile ein, sie spielen nachts auf dem Klavier und rufen mit dem "Hush Hush Sweet Charlotte" ihr potentielles Opfer aus dem Bett. Eine Geschichte um Mord, Chaos und Täuschung. Sehr wendungsreich - wenn man an die vielen heutigen Filme mit den irren Wendungen denkt, dann ist "Wiegenlied für eine Leiche" sogar ein sehr zukunftsweisender Schocker. Für seine Entstehungszeit waren auch die Gruseleffekte recht krass. Aus heutiger Sicht natürlich schon etwas veraltet...aber es ist dennoch ein Vergnügen diesen kranken Südstaatencharakteren bei ihrem perfiden Spiel zuzusehen. Das Ende heißt Mord - aber auch Erlösung durch einen Brief.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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Sonntag, 8. Januar 2017
Der Mann, der Liberty Valance erschoß
Regie: John Ford
Legenden und Mythen des Wilden Westen...
"Der Mann, der Liberty Valance erschoß" von John Ford enstand 1962 - im gleichen Jahr wie Sam Peckinpahs "Sacramento" (Ride the High Country). Beide Filme begründen den Spätwestern, denn die alten Zeiten des Wilden Westens sind vorbei. Erhalten hat sich neben den müde gewordenen Helden und vor allem ein wehmütiger Blick auf die Vergangenheit. Denn die hat Legenden und Mythen erschaffen, die irgendwann zu Wahrheiten wurden. John Ford stellt dieses Phänomen in Frage und zeigt dem Zuschauer und macht den Mechanismus durchschaubar. Doch statt einer Demontage ist es eine der schönsten Liebeserklärungen für den Western, wenn das Bild des wegfahrenden Zuges, in den der Mann, der Liberty Valance sitzt, den Schlußpunkt setzt.
Es ist Senator Ransom "Ranse" Stoddard (James Stewart) mit seiner Frau Hallie (Vera Miles). Doch die Wahrheit ist anders: Ransoms Freund Tom Doniphan (John Wayne), der gerade in der kleinen Grenzstadt Shinbone beerdigt wurde, hat den Banditen Valance aus dem Hinterhalt erschossen. Er kann dies begründen mit der höheren Gerechtigkeit und hat aber den ungeschriebenen Ehrenkodex des Wilden Westens "Auge und Auge" gebrochen. "Es war glatter Mord, aber ich kann damit gut leben" wird Doniphan einmal in der Geschichte zu Stoddart sagen, der bisher annahm, dass er tatsächlich mit viel Glück das ungleiche Duell gegen Liberty Valance auf den Straßen von Shinbone für sich entschieden hat. Entschieden hat er dadürch auch, dass er - der Anwalt - das Mädchen bekommt, dass auch Doniphan liebte.
Aber die melancholische Geschichte fängt ganz anders und sehr hart an. Und sie wird von Stoddard, inzwischen angsehener Senator im Rückblick erzählt, denn der Chefredakteur der Lokalzeitung will um jeden Preis wissen, warum der berühmte Politiker zu der Beerdigung des unbekannten Tom Doniphan kommt. Und Stoddard fängt zu erzählen an: Als junger Mann reist Ransom Stoddard in einer Postkutsche in Richtung Westen. Er kommt von der Ostküste und will sich im Weiten Land niederlassen. Doch die Reise endet in Shinbone, denn die Kutsche wird von Liberty Valance (Lee Marvin) und seinen Männern (Lee van Cleef, Strother Martin) überfallen. Als Stoddard eine Frau verteidigt, wird er von dem Banditen beinahe zu Tode geschlagen. Schwerverletzt wird er von Doniphan gefunden und dessen Freund Pompey (Woody Stroode) gefunden und in die nächste Stadt Shinbone gebracht. Die junge Hallie (Vera Miles), die im Wirtshaus von von Peter (John Qualen) und Nora Ericson (Jeanette Nolan) arbeitet, kümmert sich um den Verletzten Mann. Eigentlich müsste Sheriff Link Appleyard (Andy Devine) den Verbrecher verhaften, aber er ist ein Hasenfuß und so werden die Banditen weiterhin in der Gegend ihr Unwesen mit Raub und Schlägereien treiben können. Auch macht sich der Herausgeber der Lokalzeitung Dutton Peabody (Edmond O´Brien) bei Liberty unbeliebt, weil er unverfälscht über die Geschehnisse im Umkreis berichtet. Über die Macht der Viehbarone und über deren Verstrickungen zu den Banditen. Liberty Valance hat es ausserdem immer wieder auf Stoddard abgesehen, er weiß genau, dass dieser mit seinen Gesetzesbüchern keinen Stich gegen ihn - den großen Revolverhelden - machen kann. Die Waffen der Gerechtigkeit und des geltenden Rechts versagen, so stellt sich der schießunerfahrene Stoddard dennoch zum ungleichen Duell. Der Bandit fällt tot zu Boden. Stoddard wird umjübelt - er wurde Sieger im Duell und hat Liberty Valance besiegt. Eine Legende wird geboren...
"Der Mann, der Liberty Valance erschoß" ist der vorletzte Western des großen John Ford und für mich sein zweitbester nach "Der schwarze Falke". An diesem Film stimmt alles - großen Anteil am Erfolg hatte sicherlich das perfekt herausgearbeitete Drehbuch von James Warner Beelah und Willis Goldbeck. Der Score von Cyril C. Mockridge und Alfred Newman verströmt eine gewisse Sentimentalität, die aber sehr gut zum Thema "Glorifizierung längst vergangener Zeiten" passt und etwas Wehmut vermittelt. Ausserdem wie so oft eine großartige Leistung des Kameramanns William H. Clothier, der hier wunderschöne schwarz-weiß Bilder erschuf.
Getragen wird dieser herrliche klassiker aber von den hervorragenden Schauspielerleistungen von John Wayne und James Stewart. Die beiden Westerntitanen liefern hier ganz starke Rollen ab. Zudem sind auch die Nebenrollen mit Vera Miles, Lee Marvin, Woody Stroode, Andy Devine oder John Carradine perfekt besetzt.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
Der Flug des Phoenix
Regie: Robert Aldrich
Bruchlandung in der Wüste...
Mitte der 60er Jahre konnte Regisseur Robert Aldrich einige gute Kinoerfolge verbuchen. Seine Horrorvarianten mit Bette Davis "Whatever happened to Baby Jane" und "Hush Hush Sweet Carlotte" waren erfolgreich, ebenso auch seine Abenteuerfilme "Der Flug des Phoenix" oder "Das dreckige Dutzend".
In "Flug des Phoenix" wurden viele bekannte Schauspieler verpflichtet. In der Hauptrolle ist James Stewart als alternder Pilot Frank Towns zu sehen. Und der damals 58jährige Hollywoodstar zieht hier noch einmal alle Register seines Könnens und liefert eine seine besten Rollen ab. Mit Golden Globe oder Oscar Nomierungen wurden aber andere belohnt. Ian Bannen wurde für den Oscar als bester Nebendarsteller vorgeschlagen. Hardy Krüger schaffte eine Golden Globe Nominierung.
"Flug des Phoenix" ist ein Klassiker und zeigt seine Qualität, denn mit wenig Action und einem begrenzten Raum, in dem die Geschichte spielt, wurde ein Maximum an Spannung erzeugt.
Dies ist tatsächlich ein Verdienst des hervorragenden Ensembles, denn alle Figuren sind authentisch und wurden gut herausgearbeitet. Sehr schnell fiebert man mit den Männern mit, die mit der zweimotorigen Fairchild C-82 von Dschaghbub nach Benghazi (Libyen) unterwegs sind und durch einen Sandsturm in der Wüste notlanden müssen.
Durch den Aufprall werden zwei Männer (Peter Bravos, William Aldrich) getötet, ein anderer Mann Gabriele (Gabriele Tinit) wird schwer verletzt. Frank Towns (James Stewart), der Pilot erkennt sein eigenen Verschulden, aber auch sein Freund, der Navigator Lew Moran (Richard Attenborough), ein zuviel Alkohol trinkt, hat seine Aufgabe nicht gut erledigt. Weitere Passagiere, die in der Wüste notlanden sind der pflichtbewusste Captain Harris (Peter Finch) und sein aufmüpfiger Untergebener Sergeant Watson (Ronald Fraser), beide Angehörige der britischen Army. Ausserdem der Buchhalter Mr. Standish (Dan Duryea), der geistig kranke Trucker Cobb (Ernest Borgnine), der Mediziner Dr. Renaud (Christian Marquand), der deutsche Heinrich Dorfmann (Hardy Krüger), dazu die Ölarbeiter Ratbags Crow (Ian Bannen), Carlos (Alex Montoya) mit seinem Affen und der Amerikaner Mike Bellamy (George Kennedy). Der Funk funktioniert nicht und die Überlebenden hoffen auf rasche Hilfe. Doch sie sind 200 Meilen vom Kurs abgekommen - das Wasser reicht nur für 10 bis 15 Tage, aber nur wenn sie körperliche Anstrengung vermeiden. Während Captain Harris versucht auf eigene Faust eine Strecke von 150 Meilen bis zur nächsten Oase zu schaffen, täuscht sein Untergebener eine Fußverletzung vor, damit er nicht mitkommen muss. Auch der deutsche Dorfmann hat eine Idee, zumal er Flugzeugingenieur ist. Er glaubt aus den Trümmern ein neues flugtüchtiges Flugzeug bauen zu können. Mit dieser Idee nehmen auch die Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem leicht cholerischen Towns und dem arrogant auftretenden Deutschen zu...
Natürlich ist diese erfolgreiche Arbeit der Männer, die hüngern und Durst haben, schon etwas unrealistisch - aber die straffe und spannende Inszenierung wirkt auf den Zuschauer extrem packend. Die eigentliche Spannung bezieht der Film dadurch, wie die Männer in der Hitze der Sahara miteinander umgehen. Nicht alle werden die Katastrophe überleben - einer verübt Selbstmord, zwei werden von einer Beduinenbande ermordet.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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Gesprengte Ketten
Regie: John Sturges
Der große Ausbruch....
Einer der erfolgreichsten Kinohits des Filmjahres 1963 wurde John Sturges Kriegsfilm "Gesprengte Ketten". Der Film basiert auf dem gleichnamigen Tatsachenbericht von Paul Brickhill, einem Piloten bei der australischen Luftwaffe. Als sein Flieger abgeschossen wurde, landete er im Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III. Dieses Lager im heutigen Polen galt als besonders ausbruchssicher. Trotzdem wurde von den Gefangenen ein großa angelegter Ausbruch organisiert und tatsächlich gelang auch 76 Männern die Flucht, 50 davon wurden wieder ergriffen und später - wie im Film - auf Befehl der Gestapo exekutiert.
Aus dieser dramatischen Kriegsgeschichte hat John Sturges einen äusserst spannenden und kurzweiligen Abenteuerfilm gemacht. Durch die bekannte Filmmusik (Marsch) von Elmer Bernstein wurde der fröhliche und coole Grundton noch verstärkt, was aber gerade in den Szenen mit Steve McQueen zugute kommt. So wurde er zur markantesten Figur in Sturges Film, obwohl er oft durch Abwesenheit glänzt. Warum ? Er handelt ausschließlich auf eigene Rechnung und haut öfters ab. Die Konsequenz heißt "Ab in den Bunker" - dort leistet ihm nur noch sein Baseball Gesellschaft. Währenddessen arbeiten alle anderen Gefangenen wie verbissen unter der Leitung von Big X Bartlett (Richard Attenborough) am gemeinsamen Ausbruch aus dem Lager, das als besonders aussbruchssicher gilt. In "Gesprengte Ketten" liegt das Lager aber nicht in Polen, sondern in der Nähe der schweizer Grenze.
Der Film hat eine imposante Laufzeit von 165 Minuten und lässt sich lange Zeit mit der Figurenzeichnung. So lernt der Zuschauer bei den Vorbereitungen die Gefangenen kennen. Bartlett steht dabei unter besonderer Überwachung des Lagerkommandanten Oberst von Luger (Hannes Messemer), der kein besonderer Freund der Nazis ist und seine Gefangenen gemäß der geltenden Konventionen korrekt behandelt und den Lagerältesten Captain Ramsey (James Donald) eindringlich vor möglichen Fluchtversuchen warnt. Doch der Gestapomann Kuhn (Hans Reiser) sitzt ihm im Nacken. Es sind nur wenige amerikanische Kriegsgefangene im Lager. Ausser dem coolen Virgil Hilts (Steve McQueen), der die Ausbruchsversuche beinahe schon als sportliche Herausforderung und Weigerung sich unterzuordnen begreift und nicht so sehr als soldatische Pflicht wie die Briten, ist auch der Organisator Captain Bob Hendley (James Garner) einer der Gefangener. Dieser kann einfach gut die unmöglichsten Dinge beschaffen - und die brauchen die Männer, denn Bartlett und sein bester Freund Sandy McDonald (Gordon Jackson) wollen diesmal 250 Männern die Flucht ermöglichen - mit gefälschten Papieren. Das ist die Aufgabe von Colin Blythe (Donald Pleasance), der immer mehr Probleme mit seinem Sehvermögen bekommen wird. Insgesamt werden drei Tunnels gegraben, die von den Männern Tom, Dick und Harry genannt werden. Sehr engagiert beim Tunnelbau sind die Tunnelkönige Danny Valinski (Charles Bronson) und William Dickes (John Leyton), auch das handwerkliche Geschick von Officer Louis Sedgwick (James Coburn) ist gefragt und Commander Ashley Pitt (David McCallum) hat die zündende Idee, wie der Erdschutt aus den Grabungen unerkannt entsorgt werden kann. Einer der Tunnel wird entdeckt, der zweite erweist sich am Tag des Ausbruchs als zu kurz. Denn er er endet 6 Meter vor dem Wald...
Der zweite Teil des Films befasst sich dann mit der Flucht der Männer. Viele von Ihnen werden wieder geschnappt. Doch diese Szenen machen den Film zu einem unvergesslichen Klassiker. Und das betrifft nicht nur die besonders effektive Sequenz mit Steve McQueen, der mit dem Motorrad halsbrecherisch vor den deutschen Soldaten zu fliehen versucht. Auch die Location erweist sich als optimal. Schöne deutsche Kleinstädte bilden dabei ein tolle Kulisse und es gibt dabei einige sehr dramatische Szenen - auf dem Bahnhof, bei einem Flugzeug Crash nahe der rettenden Schweiz. Mit dem Boot oder mit einem Fahrrad hat man da mehr Glück. Einigen Männern gelingt die erfolgreiche Flucht. "Gesprengte Ketten" ist ein echter Starfilm - auch einige bekannte deutsche Gesichter wie Robert Graf und Heinz Weiss machen mit. Auch die Kameraarbeit von Daniel L. Fapp ist eine Wucht.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
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Freitag, 6. Januar 2017
El Dorado
Regie: Howard Hawks
Klapprige Helden starten durch...
"Bei den Dreharbeiten zu "Rio Bravo" kamen wir an einen Punkt, wo wir die Wahl hatten, die Geschichte in die eine oder in die andere Richtung zu entwickeln. Wir entschieden uns die eine Richtung, aber wir haben uns immer Notizen gemacht, weil wir uns sagten, diese andere Idee ist so gut, die könnten wir ein andermal gebrauchen" - und so kam es zum Beinahe-Remake "El Dorado". Da wurde dann aus dem Jungen, der super schießen konnte (Ricky Nelson als "Colorado" in Rio Bravo) ein Junge, der überhaupt nicht schießen konnte, dafür aber prima mit dem Messer umgehen konnte: Alan Bourdillon Traherne oder besser Mississippi, gespielt vom jungen James Caan. John Wayne spielte in "Rio Bravo" den Sheriff und in "El Dorado" bekam Robert Mitchum diesen Part. Es sollte auch noch zu einem 3. Teil dieser sehr ähnlichen Hawks Western kommen. Vor den Dreharbeiten zu "Rio Lobo" meinte Wayne "Diesmal sollte ich den Trunkenbold spielen".
Während "Rio Lobo" sowohl in seiner Qualität als auch in der Gunst des Publikums nicht etwas abfiel, wurden "Rio Bravo" und "El Dorado" echte Kinohits und gehören zu den ganz großen Klassikern des Westerngenres.
"Rio Bravo" spielte 5,8 Millionen Dollar in den USA ein und war einer der erfolgreichsten 10 Filme des Jahres 1959. "El Dorado" brachte es im Filmjahr 1966 auf 6 Millionen Dollar Einspielergebnis und wurde so der sechsterfolgreichste Kassenschlager des Jahres.
Das Drehbuch wurde wieder von Leigh Brackett geschrieben. Gefilmt wurde in Arizona und Utah in schönstem Technicolor. Musikalisch kam ein Song von Nelson Riddle (gesungen von George Alexander) zum Einsatz, der die schön gefilmte Western-Gemälde Titelsequenz perfekt untermalt.
Erzählt wird die Geschichte eines Rancherkrieges. Der brutale Viehbaron Bart Jason (Ed Asner) hat es sich in den Kopf gesetzt, die in El Dorado schon lange ansässige Siederfamilie der McDonalds zu vertreiben, weil er das Wasser will. Dazu versucht er den alternden Revolverhelden Cole Thornton (John Wayne) zu engagieren, doch der lehnt ab als er von seinem Freund J.P Harrah (Robert Mitchum), dem Sheriff von El Dorado hört, dass das Recht auf der Seite der McDonalds ist. Dennoch kommt es zu einem Unglück. Da die McDonalds bereits erfahren haben, dass Bart jason einen Auftragskiller engagiert hat, wird der jüngste Sohn Luke (Johnny Crawford) beauftragt auf einem Felsen zu warten und Schüsse abzugeben, wenn der gefährliche Thornton dort vorbeireitet. Als Luke schießt, greift Thornton in Notwehr zur Waffe. Der Junge stirbt und Thornton reitet mit der Leiche zur Farm der McDonalds. Während der Vater (R.G. Armstrong) seinen Worten Glauben schenkt, ist die wilde Tochter Joey (Michelle Carey) hasserfüllt und schießt erfolgreich auf Thornton, als er zur Stadt zurückkehrt. Die Folge davon ist, dass er nun eine Kugel im Rücken stecken hat, die er bald operativ entfernen sollte. Doch es treibt ihn weiter. In einem Grenzstädtchen trifft Thornton auf den berüchtigten Revolverhelden Nelse McLeod (Christopher George), der von Bart Jason für den Konflikt in El Dorado engagiert wurde und auf den Jungen Mississippi (James Caan), der den letzten Mörder seines besten Freundes rächt. Von McLeod erfährt er, dass der Sheriff von El Dorado ein echter Trunkenbold geworden ist, von dem keine große Gefahr ausgeht. Natürlich kehrt Cole nach El Dorado zurück. Dort trifft er auf seine alten Freunde Maudie (Charlene Holt) und auf den alten Indianerkämpfer Bull Harris (Arthur Hunnicut). Gemeinsam mit Mississippi machen sie den besoffenen Sheriff (wurde zum Säufer wegen eines Flittchens) wieder fit. Ein altes Hausrezept von Mississippi soll dabei helfen....
Natürlich setzt Howard Hawks auf eine perfekte Mischung aus Spannung, Action und Humor. Und wie üblich sind ihm die Figuren viel wichtiger als die Handlung selbst. Die Helden in "El Dorado" sind müde geworden, aber immer noch gut genug, um den Kampf gegen die Bösen erfolgreich aufzunehmen und den am Ende auch für sich zu entscheiden. Schöne Szene am Schluß. Der Oberbandit und beste Revolverheld wird vom Duke unfein erledigt. Sterbend sagt McLeod "Thornton, du hast mir ja gar keine Chance gegeben" und bekommt zur Antwort "Du bist zu gut, als dass man dir eine Chance geben könnte". Humpelnd und auf Krücken sind die beiden Haudegen Wayne und Mitchum ein erfolgreiches Gespann gewesen. "Rio Bravo" ist ein Klassewestern und "El Dorado" steht dem in nichts nach. Die beiden Edelwestern sind gleichwertig...auch wenn Walter Brennan als Stumpy gefehlt hat.
Natürlich setzt Howard Hawks auf eine perfekte Mischung aus Spannung, Action und Humor. Und wie üblich sind ihm die Figuren viel wichtiger als die Handlung selbst. Die Helden in "El Dorado" sind müde geworden, aber immer noch gut genug, um den Kampf gegen die Bösen erfolgreich aufzunehmen und den am Ende auch für sich zu entscheiden. Schöne Szene am Schluß. Der Oberbandit und beste Revolverheld wird vom Duke unfein erledigt. Sterbend sagt McLeod "Thornton, du hast mir ja gar keine Chance gegeben" und bekommt zur Antwort "Du bist zu gut, als dass man dir eine Chance geben könnte". Humpelnd und auf Krücken sind die beiden Haudegen Wayne und Mitchum ein erfolgreiches Gespann gewesen. "Rio Bravo" ist ein Klassewestern und "El Dorado" steht dem in nichts nach. Die beiden Edelwestern sind gleichwertig...auch wenn Walter Brennan als Stumpy gefehlt hat.
Großartige Cinematographie von Harold Rosson (Asphalt Dschungel, Johnny Eager, Duell in der Sonne, Böse Saat, Singin in the Rain)
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
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