Mittwoch, 8. Februar 2017

Der andalusische Hund

























Regie: Luis Bunuel

Surreales Bilderrätsel....

Das Regiedebüt von Luis Bunuel war eine Gemeinschaftsarbeit mit seinem Freund Salvador Dali und dauert nur 16 Minuten. Einer der ganz wenigen Kurzfilme, die enormen Einfluß auf das Kino hatten und sich vor allem mit einem Bild in das Unterbewusstsein gegraben hat. Im Prolog schärft ein Mann (Pierre Batcheff) sein Rasiermesser - dann ein kurzer Blick aus dem Fenster: Eine Wolke zieht vor dem Vollmond vorbei - eine Frau (Simone Mareuil) sitzt auf einem Stuhl. Der Mann schneidet ihr dann mit einem Rasiermesser durchs Auge. Dieser aufgeschlitze Augapfel. Das Auge aus der berüchtigten Rasiermesserszene stammt laut Luis Bunuel von einem toten Kalb. Wenn ich mich recht erinnere, hat Pier Paolo Pasolini in seinem Skandalfilm "Salo - die 120 Tage von Sodom" eine ähnliche Szene gezeigt.
Vor dem Film erscheint ein Text auf der Leinwand: "Jedes Bild, jeder Gedanke, der in den Mitarbeitern aufstieg, wurde sofort wieder verworfen, wenn er aus der Erinnerung oder aus ihrem Kulturmilieu stammte oder wenn er auch nur eine bewußte Assoziation mit einem früheren Gedanken hatte. Bunuel und Dali wollten nur Bilder, die auch bei gründlichsten Untersuchungen keine Erklärungsmöglichkeiten mehr anbieten konnten. Moral und Vernunft sollen dadurch aufgehoben werden. Es herrscht das irrationale und surreale Geheimnis. Ein Inhalt kann daher auch nicht richtig beschrieben werden. Die 16 Minuten sind in vier Zwischentitel unterteilt:
1. Acht Jahre später
2. Gegen drei Uhr morgens
3. Vor 16 Jahren
4. Im Frühling
...dort ist das Liebespaar am Ende dann bis zur Brust im Sand eingegraben.
"Ein andalusischer Hund" war er erste surrealistische Kinoerfolg. Bunuel wollte natürlich durch die Art der Erzählung den bürgerlichen Zuschauer irrietieren und erschrecken. Bis heute ist der Einfluss des Surrealismus im  Film präsent. Neben diesem 16 minütigem Bilderrätsel gilt vor allem die ein Jahr später enstandene weitere Zusammenarbeit "Das goldene Zeitalter" von Bunuel und Dali als bedeutendster Filmbeitrag des Surrealismus. Ähnliche Motive finden sich aber im Spätwerk von Bunuel (Die Milchstraße, Der diskrete Charme der Bourgeouisie) oder bei den Werken der Regisseure David Lynch, David Cronenberg, Gaspar Noe oder in einigen Werken der Japaner Sion Sono und Takashi Miike.


Bunuel und Dali kannten sich bereits seit ihrer Studienzeit in den 20ern. Bei einem Treffen erzählten sie sich gegenseitig zwei ihrer Träume. Bunuel träumte von einer langgezogenen Wolke und einem Vollmond und einer Rasierklinge, die ein Auge zerschnitt. Dali sah in seinem Traum eine Hand, die voll mit Ameisen war. Bekannt wurde auch die Szene, indem ein Mann ein Mädchen verfolgt und in einem Zimmer plötzlich zwei Seile ergreift. An diesen Seilen hängen Korkplatten, Melonen, zwei Geistliche und zwei Konzertflügel, auf dem zwei verwesende Eselskadaver liegen.
Aus Angst vor den wütenden Reaktionen des Publikums hatte Buñuel bei der Pariser Premiere des Films seine Taschen vorsorglich mit Steinen gefüllt. Das Premierenpublikum reagierte jedoch überraschend wohlwollend. Sehr entspannt also, was man dann von der Premiere von "Das goldene Zeitalter" nicht mehr sagen konnte.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Das goldene Zeitalter


Regie: Luis Bunuel

Mit voller Absicht ein Skandal herbeigeführt....

Die Premiere des 1930 entstandenen Surrealismus Klassikers "Das goldene Zeitalter" von Luis Bunuel fand im "Studio 28" statt. Diese Gemeinschaftsproduktion mit Salvador Dali fand zuerst vor ausverkauftem Haus statt. Das änderte sich aber schnell. Der Inhalt schockte die bürgerliche Welt. Denn die Einflüsse von Sigmund Freud, Marquis de Sade oder Karl Marx waren schon provozierend und polarisierend genug. Während im "Der analusische Hund" die Tragödie der Begierde eines Menschen steht, hatte "Das goldene Zeitalter" eher den Widerstreit zwischen Liebe und gesellschaftlichem Leben zum Thema. Die Liebe mit all ihrer Sehnsucht und Begierde steht im Kampf mit der bestehenden Gesellschaftsordnung. Die Pfeiler der Gesellschaft wie Religion, Vaterland, Familie oder Kultur erschien wie eine Unmoral, die es zu bekämpfen gilt. Diese Kampfansage der beiden Surrealisten verstanden auch die Feinde - so wurde am 3. Dezember 1930 die Aufführung durch rechtsextreme Gruppen unterbrochen. Sie verwüsteten den Kinosaal und die Leinwand wurde mit Tinte überschüttet. Es kam zu einem Aufführungsverbot, dass 50 Jahre lange den Film verhinderte. Erst 1980 wurde es aufgehoben.
Erzählt wird die Geschichte einer "amour fou" - zwei Liebende wälzen sich voller Wollust im Schlamm. Viele Menschen sind Zuschauer während der feierlichen Grundsteinlegung der ewigen Stadt Rom. Natürlich wird das schamlose Treiben unterbunden, die Liebenden voneinander getrennt. Desweiteren präsentiert Bunuel eine Szene über das Verhalten der Skorpione. Priester werden als vermoderte Skelette gezeigt, nur noch mit den Resten ihrer erzbischöflichen Ornamenten bekleidet. Der Mann, der abgeführt wurde, kann seinen Bewachern entkommen und wirft einen hilflosen Blinden auf der Straße zu Boden. Er geht auf eine Feier, auf der er seine Geliebte wieder trifft. Dort in der guten Gesellschaft nimmt man kaum Notiz davon, dass ein Dienstmädchen bei einem Brand in der Küche Feuer gefangen hat. Auch dass ein Bediensteter des Anwesens seinen kleinen Sohn einfach erschießt, weil dieser ihm Tabak aus der Pfeife gemops hat, wird nur distanziert und kühl beobachtet. Als die Gastgeberin von dem entflohnenen Mann aber geohrfeigt wird, entrüstet sich die gesamte Gesellschaft. Der Schluß des Films ist eine Anspielung auf die "120 Tage von Sodom des Marquis de Sade". Vier Männer verlassen gerade das Schloß, in dem sie 120 Tage lang die größten Ausschweifungen und Perversionen ausgelebt haben. Einer von ihnen sieht dabei noch aus wie Jesus Christus...



das alles war natürlich zur damaligen Zeit ein Schlag ins Gesicht von Bürgern und Christen. Bunuel selbst sagte über seinen frühen Skandalfilm "es war der einzige Film meiner karriere, den ich in einem Zustand von Euphorie, Enthusiasmus und Zerstörungsrausch drehte, ich wollte die Vertreter der Ordnung angreifen und ihre ewigen Prinzipien lächerlich machen". Er wollte einen Skandal absichtlich herbeiführen - mit dieser "Gotteslästerung" ist ihm dies damals auch gelungen. Und ebenfalls sind ihm wieder unvergessliche Kinoszenen gelungen: Die mumifizierten Priester, die Kuh auf dem Bett, die Schauspielerin Lya Lys wie sie lüstern an dem Zeh einer griechischen Adonis-Statue saugt sowie natürlich die Jesus Figur auf der Zugbrücke des Schlosses.



 Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 2. Februar 2017

Der Tag bricht an

























Regie: Marcel Carne

Letzte Stunden...

Es gibt einige geniale Klassiker des französischen 30er Jahre Kinos, die aufgrund ihrer Machart (Poetischer Realismus) wirken als wären sie die Vorboten für die amerikanische schwarze Serie gewesen. Daher haben diese Filme wie "Pepe le Moko" von Julien Duvivier, "Bestie Mensch" von Jean Renoir, "Hafen im Nebel" und "Die Nacht bricht an" von Marcel Carne starke Anteile des Kriminalfilms, meistens geht es um Liebe und Mord.
Der Inszenierungsstil von "Die Nacht bricht an" aus dem Jahr 1939 war sogar so verwegen und neu, dass die Produzenten darauf bestanden eine Art Zwischentitel für den Zuschauer zu benutzen. Mittels Überblendungen leitete der Film in die Vergangenheit seines Protagonisten. Alles fängt mit einem Schuß an. Ein gut gekleideter Mann öffnet die Tür einer Wohnung im obersten Stockwerk eines Hauses und läuft langsam zur Treppe. Er scheint von diesem Schuß getroffen worden zu sein, denn es gelingt ihm nicht sich auf der Treppe zu halten, er fällt hinunter. Steht wieder auf und fällt noch einmal auf der Treppe. Dann bleibt er tot liegen. Der Schütze muss der junge Arbeiter Francois (Jean Gabin) sein. Bald stehen in dem mehrstöckigen Haus viele neugierige Bewohner, die Polizei ist vor Ort und auf der Straße sammeln sich immer mehr Neugierige. Francois verbarrikadiert sich in seinem Zimmer, die Wohnung in der Pariser Vorstadt wird von der Polizei gelagert. Es wird auch vom Dach aus scharf geschossen. Während der Nacht erinnert sich der sympathische Gießereiarbeiter an die Ereignisse, die ihn zum Mörder machten: Alles fängt damit an, dass in der Gießerei die junge Blumenverkäuferin Francoise (Jacqueline Laurent) auftaucht und nach einer Adresse fragt. So lernen sich die beiden kennen. Beide mit dem gleichen Schicksal ausgestattet, dass sie im Waisenhaus groß wurden und keine Eltern mehr haben. Auch der Name passt. So treffen sie sich öfters. Francois will mehr, doch Francoise ziert sich etwas, obwohl ihr die neue Bekanntschaft sehr gefällt. Doch sie hat ein Geheimnis. Denn sie ist auch fasziniert von dem Hundedompteur Valentin (Jules Berry), der mit seiner Assistentin Clara (Arletty) eine Beziehung hat. Valentin ist der krasse Gegensatz zum etwas rauen und männlichen Francois, doch die komödiantische Eleganz kommt bei einem jungen Mädchen wie Francoise gut an. Am Abend als Francois das Variete besucht, lernt er auch Clara kennen und fängt mit ihr eine Beziehung an. Doch der Gedanke an Francoise lässt ihn nicht los. Sie kommen auch wieder zusammen, aber Valentin bleibt präsent und treibt ein intrigantes Spiel...



mit tödlichem Ausgang wie die Anfangsszene eindrücklich zeigt. Hervorragend gelungen ist die bewusste Künstlichkeit der Ausstattungen. Kein Wunder, denn die Filmarchitektur stammt von Alexandre Trauner, einem der bedeutendsten Szenebildner des französischen Films. Obwohl die Figuren realistisch agieren liegt immer ein gewisser poetischer Schleier über dem Geschehen. Licht- und Bildgestaltung sind vom Feinsten und Jean Gabin passt hervorragend zu seiner Figur Francois. Einfach, aber sensibel und cholerisch genug um ganz schnell in Rage zu kommen. Durch die Rückblenden bekommt der Film seine episodenhafte Struktur, die Auswegslosigkeit einer Situation ist allgegenwärtig. Durch die Szenen vom belagerten Zimmer bekommt der Film einen sehr guten Rhythmus. Obwohl im Studio gedreht - die Fabrik, die Vorstadtstraßen, das Mietshaus, die Gartenweg - ist das Milieu perfekt gemalt. Es gelang dem Regisseur auch ein überzeugendes Bild seiner Zeit, das aufziehende Gespenst des Faschismus ist nicht erwähnt, aber dennoch spürbar.
Die völlig unpassende elektronische Orgelmusik bei der deutschen Sprachversion stört tatsächlich den Rhythmus des großartigen Klassikers enorm, daher ist es empfehlenswert den Film im Original (deutsche Untertitel sind vorhanden) anzuschauen. 




Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Freitag, 27. Januar 2017

Der lange Weg nach Cardiff





















Regie: John Ford

Immer unter fremden Sternen...

Zwischen 1937 und 1941 hatte der große John Ford eine seiner stärksten Schaffensphasen. In diesen vier Jahren entstanden Meisterwerke wie "Ringo", "So grün war mein Tal", "Der junge Mr. Lincoln" oder "Früchte des Zorns" - aber auch weniger bekannte und dennoch grandiose Klassiker wie "...dann kam der Orkan" und vor allem "Der lange Weg nach Cardiff".
Im Oscarjahr 1941 erhielt der heute leider stark in Vergessenheit geratene Abenteuerfilm dennoch sechs Oscar-Nominierungen als bester Film, als bestes adaptiertes Drehbuch (Dudley Nicols), für die beste Kamera (Gregg Toland), den bresten Schnitt (Sherman Todd) und für die visuellen Effekte.  Leider hat der Film keine Auszeichnung bekommen - aber für John Ford war es dennoch ein triumphaler Abend, denn für "Früchte des Zorns" bekam er seinen zweiten Regie-Oscar.
Die Geschichte spielt kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges - die Mannschaft des Handelsfrachters Clencain liegt noch an irgendeinem Hafen in den Westindischen Inseln. Morgen soll es noch nach Baltimore gehen und dann endlich wieder in die Heimat England. Die Mannschaft hat viel Teamgeist und ist ein trinkfestes, buntes und lustiges Volk. Der Ire Driscoll (Thomas Mitchell), von allem "Drisk" genannt hat für die letzte Nacht eine Bootsladung mit Damen und Alkohol arrangiert - der Captain (Wilfried Lawson) hat dies erlaubt in dieser schwülen Nacht. Und das freut die Männer wie den Schweden Ole (John Wayne), der in seiner Heimat Bauer ist, aber bereits 10 Jahre auf See verbracht hat. Auch der etwas boshaft agierende Steward Cocky (Barry Fitzgerald), der nachdenkliche Donkeyman (Arthur Shields), der kernige Yank (Ward Bond) oder der stämmige Davis (Joseph Sawyer) sind von den Damen, die in ihren Obstkörben Rum anbieten mehr als begeistert. Nur der Engländer Smitty (Ian Hunter), ein schweigsamer Eigenbrötler, ist wenig angetan, dass das Schiff nach England zurückkehrt. Er wimmelt auch die temperamentvolle Bella (Raffaela Ottiano) ab, die ihm sichtlich Avancen macht. Zuviel Getränke - es artet wie so oft in eine muntere Keilerei aus, bis der Captain dem zügellosen Treiben ein Ende bereitet.
In Baltimore lädt das Schiff Sprengstoff ein, was den Matrosen zuerst gar nicht gefällt. Mit dieser hochexplosiven Fracht hocken sie auf einem Pulverfass, ausserdem wird das Schiff mit dieser Fracht an die Engländer ein potentielles Angriffsziel für deutsche U-Boote oder Flugzeuge. Die Heimfahrt birgt noch andere Gefahren. Als der Anker sich löst wird Yank bei dem Versuch wieder alles in Ordnung zu bringen, sehr schwer verletzt. Überraschend stirbt er wenige Stunden später, was seine Kameraden schwer belastet. Wenig später gerät der schweigsame Smitty in Verdacht ein deutscher Spion zu sein, doch die Wahrheit ist noch viel trauriger für die hartgesottenen Seemänner. Smitty hat seine Frau und die Kinder in England verlassen, weil er so schwer alkoholkrank ist. Als das Schiff endlich den Hafen von Cardiff ansteuert, wird der Frachter tatsächlich von deutschen Flugzeugen angegriffen. Smitty stirbt bei diesem Angriff. Die anderen wollen Ole auf jeden Fall zu einem schwedischen Schiff begleiten, denn er soll seine Mutter wieder sehen können und sie freuen sich für ihn, dass er der einzige sein wird, der nicht wieder hinaus auf See fahren muss. Doch im Hafengebiet von Cardiff lauert Gefahr. Die Amindra braucht noch Leute und da sie schlecht bezahlen, lösen sie ihr Personalproblem durchs Schanhaien. Die Seemänner werden in einer Kneipe mit Rum versorgt und leichte Mädchen wie Freda (Mildred Natwick) sollen die Männer zum Bleiben animieren. Das gewaltsame Rekrutieren gelingt mit dem Wirt und seinem Kompagnon. In die Falle gelockt wird der naive Ole so lange bearbeitet, bis er ein Getränk nimmt. Während seine Kumpels abgelenkt sind, wird er bewusstlos vom Schlafmittel, dass in sein Getränk gemischt wurde. Fast zu spät bermerken die Kameraden, was passiert ist. Sie können Ole befreien, doch Drisk bekommt einen Schlag auf den Kopf und bleibt auf der Amindra liegen, die dann ausläuft. Wenig später lesen die Männer, dass die Amindra torpediert und gesunken ist....




Für mich gehört diese eher unbekannte Klassiker zu den besten Filmen von John Ford. Die Seemannsgeschichten sind packend geschildert und haben sogar eine Menge poetischer Anteile. Es ist daher nicht schwer einige Ähnlichkeiten zu den französischen 30er Jahre Filmen des poetischen Realismus zu erkennen. Auf dem Schiff selbst hat Ford auf eine klaustrophobische Stimmung gesetzt. Die Szenen im Hafen sind düster und werden von Gregg Toland extrem atmosphärisch eingefangen. Der junge John Wayne ist in einer sehr untypischen Rolle als gutmütiger und ruhiger Matrose aus Schweden zu sehen. Für diese Rolle musste er extra Sprachunterricht nehmen, damit der schwedische Akzent authentisch ist.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.




Mittwoch, 25. Januar 2017

Haben und Nichthaben

























Regie: Howard Hawks

Slim und Steve auf Martinique...

Ich liebe alle vier Filme, in denen Humphrey Bogart und Laureen Bacall gemeinsam auftraten. "Haben und Nichthaben" von Howard Hawks, der auf dem gleichnamigen Roman von Ernest Hemingway basiert, war der erste dieses großartigen Quartetts und gleichzeitig auch das Filmdebüt der damals erst 19jährigen Laureen Bacall. Ihre Haltung, ihre Blicke und noch dazu ihre heißer klingende Stimme wurden ihr Markenzeichen und aus dem Filmpaar wurde auch privat ein Paar.  "Haben und Nichthaben" gelang ein sehr gutes BoxOffice Ergebnis mit mit 3,65 Millionen Umsatz - beinahe genauso viel wie der ähnlich konzipierte Kultfilm "Casablanca" von Michael Curtiz, in dem Humphrey Bogart seinen legendären Filmstarstatus ausbauen konnte und die Schwedin Ingrid Bergman an seiner Seite hatte.
Dennoch wirkt "Haben und Nichthaben" weit weniger dramatisch und viel lockerer als "Casablanca". Aber die Ähnlichkeiten sind dennoch enorm. Im Howard Hawks Film mimt Bogey den rauen Seemann Harry "Steve" Morgan, der im Jahr 1940 auf Martinique lebt. Kontrolliert wird die Karibikinsel von Beamten der Vichy-Regierung. Immer wieder kommt es daher zu Auseinandersetzungen, wenn die Gestapo meint, dass sich Anhänger von Charles de Gaulle dort aufhalten. Wie Rick in "Casablanca" ist auch "Steve" ein Amerikaner, der sich aus allem heraushalten will. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit seinem Motorboot. Dies können reiche Urlauber für die Hochseefischerei mieten. Sein derzeitiger Kunde Mr. Johnson (Walter Sande) schuldet ihm bereits 825 Dollar, hat aber kein Glück beim Angeln. Er will aber Steve das Geld am nächsten Tag in bar geben. Treuer Freund an der Seite von Steve ist der Alkoholiker Eddie (Walter Brennan). Am Abend taucht in Frenchys (Marc Dalio) auch die schöne und geheimnisvolle Marie Browning (Lauren Bacall) auf. Steve bemerkt, dass die Schöne die Brieftasche von Mr. Johnson klaut. Ein guter Grund die junge Frau zur Rede zu stellen, denn dort dürfte sich auch das Bargeld befinden, dass Steve zusteht. Doch in der Brieftasche befinden sich nur 60 Dollar, ein paar nicht unterschriebene Reiseschecks und ein Flugticket in die USA - Abflug natürlich vor der Zeit der vereinbarten Geldübergabe. Es kommt aber noch schlimmer: Er konfrontiert den Betrüger damit, doch in dem Moment als dieser die Reiseschecks unterschreiben möchte, wird er Opfer einer Schießerei, die sich in der Bar ereignet. Die Vichy Beamten haben vier deGaulle Anhänger aufgespürt und das Feuer eröffnet. Johnson liegt tot am Boden, das Geld ist verloren und so willigt Steve endlich auch in die Bitte von Frenchy ein, den Kämpfern für ein freies Frankreich zu helfen. Er nimmt den gefährlichen Auftrag an einen Kämpfer der Resistance Paul de Bursac (Walter Molnar) und dessen junge Frau Helene (Dolores Moran) mit seinem Boot von einer Nachbarinsel nach Martinique zu bringen. Doch auf der Heimfahrt werden sie von einem Patrouillenboot entdeckt...



Natürlich wird die Handlung durch die Flirts und das immer Näherkommen von Bogart und Bacall mächtig aufgelockert. Echte Funken knistern zwischen den Beiden und das freche beschwingte Ende ist eine echte Alternative zu dem tragischen Abschied in "Casablanca" und ...ich seh dir in die Augen, Kleines....Während bei Curtiz die beiden Liebenden die größere Sache über ihre Liebe stellen, retten sich in "Haben und Nichthaben" die beiden Verliebten aus der Isolation. Wenn schon Krieg gewinnen, dann bitte gemeinsam. Cool auch, dass Marie, die von Steve "Slim" genannt wird, ihre Unerschrockenheit und Verwegenheit demonstriert. Ausserdem singt sie, begleitet von Hoagy Carmichael auf dem Klavier (er heißt im Film aber Cricket und nicht "Sam") ganz heißer "How little we know". Für mich einer von Howard Hawks besten Filmen.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 23. Januar 2017

Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?

























Regie: Mike Nichols

Martha und George laden ein...

Imposante 13 Oscar-Nominierungen gingen 1967 an das Regiedebüt des Hollywood-Regisseurs Mike Nichols, der das berühmte Theaterstück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?" des Dramatikers Edward Albee verfilmte. Dem Film, der dann bei der Oscar-Verleihung fünf Trophäen zugesprochen wurde, war ein genauso großer Erfolg wie das Bühnenstück.
Elizabeth Taylor gewann mit der Rolle der Martha ihren zweiten Oscar. Kameramann Haskell Wexler bekam für die schwarz-weiß Kamera den ersten seiner drei Auszeichnungen. Ausserdem wurde das beste Szenenbild, die besten Kostüme und Nebendarstellerin Sandy Dennis ausgezeichnet. Beinahe wäre es auch gelungen den erfolgreichsten Kassenhit des Jahres 1966 zu machen, denn das Einspielergebnis von 33,7 Millionen Dollar liegt nur geringfügig unter den beiden erfolgreichsten Filmen des Jahres: John Hustons "Bible" mit 34,9 Millionen und George Roy Hills episches Drama "Hawaii" mit 34,5 Millionen Dollar.
"Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?" ist angelehnt an den Kinderrein "Wer hat Angst vor dem bösen Wolf ?" und zeigt eine schonungslose Eheabrechnung in der Zeit von Samstag Nacht bis Sonntag Morgen oder besser noch zwischen 1 Uhr 30 bis zum Sonnenaufgang. Der Geschichtsprofessor George (Richard Burton) und seine Frau Martha (Elizabeth Taylor) kehren spät von der Feier der Universität zurück. Marthas Vater ist der Dekan der Uni und George unterrichtet dort Geschichte. Schon in den ersten Dialogen erkennt man, dass Martha ein echtes Alkoholproblem hat und George nicht genug ehrgeizig ist. Denn er hätte schon längst der Leiter des Geschichtsabteilung sein können, wenn es da nicht Probleme zwischen dem dominanten Schwiegervater und dem zynischen Historiker geben würde, der früher auch schon Romane schrieb, die nie veröffentlicht wurden. Eigentlich ist George müde und will ins Bett - doch Martha sagt ihm, dass sie jetzt zu dieser späten Zeit noch Gäste erwarten würden. Sie hat den neuen Biologielehrer Nick (George Segal) und dessen Frau Honey (Sandy Dennis) eingeladen. Es kommt schon zum Streit bevor es dann tatsächlich an der Tür klingelt und als die Gäste Platz genommen haben macht Martha munter weiter ihren geduldigen George als Mensch, als Mann und als Historiker zum Versager abzustempeln. Die Kränkung sitzt tief, doch George ist es gewohnt zurückzuschlagen. Beide demütigen sich aufs heftigste und stellen sich bloß. Die beiden betrunkenen Gäste werden schonungslos in Martha und Georges Spiele mit einbezogen. So horcht George Nick geschickt aus und erfährt intime Dinge aus dessen noch jungem Eheleben. Martha versucht Nick sexuell anzumachen. Das Psychospiel des älteren Paares umfasst sämtliche Gefühlsfacetten von Liebe und Hass, aber immer destruktiv und zynisch formuliert. Nach "Demütige den Gastgeber" wird "Krieg die Gäste dran" gespielt - aus diesem ungleichen Wettbewerb gehen schließlich die Jungverheirateten als Verlierer hervor, denn die verborgenen Aspekte über die man normalerweise nicht redet, treten zutage und das vorherige Selbstvertrauen von Nick wird in den Grundfesten erschüttert. Am Morgen ist zwar vieles zerstört, doch es gibt auch die Chance für einen neuen besseren Anlauf...



"Dreckloch verdammtes" so vulgär und ordinär gelang einer großartigen Liz Taylor der zweite Oscar-Coup und ihr damaliger Mann ist ihr völlig ebenbürtig...eben gut, besser, am besten, bestialisch, so das Credo der dialoglastigen Nachtmittermachts-Party zu Viert. Klasse Schwarz-weiß Aufnahmen von haskell Wexler, das herrvorragende Drehbuch von Ernest Lehman. Und im Mittelpunkt das damals populärste Filmpaar weltweit. Auch sie küßten und schlugen sich. Von den vielen Versuchen die Burtons wirkungsvoll in einem Film in Szene zu setzen, wurde "Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?" nicht nur der erfolgreichste (wenn man mal "Cleopatra" aussen vor lässt) sondern vor allem der Beste. Niemals war ein Schauspielerinnen-Oscar mehr verdient als dieser von Liz Taylor als streitsüchtige Martha, die gemeinsam mit ihrem ebenbürtigen Gatten eine schonungslose Boloßstellung und Abrechnung servieren mit allem drum und dran. Hass, Minderwertigkeitsgefühle, Ängste und Lebenslügen...alles innert von Stunden den Gästen schonungslos serviert.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.