Dienstag, 7. April 2015

Berlin - Sinfonie einer Großstadt

























Regie. Walter Ruttmann

Berlin, Frühling 1927...

Walter Ruttmann ist einer der Pioniere des deutschen Films. Er prägte als Kameramann und Filmregisseur mit abstrakten Experimentalfilmen das Film-Geschehen in der Weimarer Republik. Der am 28. Dezember 1887 in Frankfurt am Main geborene Ruttmann verstarb 1941 in Berlin nach einer Operation an den Folgen einer Embolie. Mit Kurzfilmen etablierte er sich im noch jungen Filmgeschäft. Dabei zeichnete er 1924 die "Falkentraum-Sequenz" für das Filmepos "Die Nibelungen" von Fritz Lang. Zwei Jahre später arbeitete er bei Lotte Reinigers Scherenschnitt-Animationsfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" mit. 1927 schuf er dann sein Hauptwerk: Der Montagefilm "Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" dokumentiert einen Tagesablauf der Metropole Berlin. Der mit einer hohen ryhthmisch geschnittenen Dynamik ausgestattete Film lässt den Einfluß von Sergej Eisenstein erkennen und beginnt mit einer atmosphärisch dicht inszenierten Bahnfahrt. Der Schnellzug wird von einer Dampflokomotive gezogen und ist noch mehr als 100 Km von der Hauptstadt entfernt. Dabei passiert der Zug Wiesen, Lauben- und Wohngebiete. Der Zuschauer hat das Gefühl mitzufahren und bald trifft der Zug auch im Anhalter Bahnhof nahe dem Stadtzentrum ein. Doch die Stadt schläft noch. Aus der Vogelperspektive gleitet der Blick über die Dächer Berlins und zeigt die noch leeren Straßen der Großstadt. Doch langsam wird die Stadt wach. Die Straßen füllen sich mit den Menschen, die sich auf dem Weg zur Arbeit machen. Mit der immer höheren Anzahl von Menschen auf den Straßen passt sich auch der Rhythmus des Films diesem hektischen Treiben an.
"Berlin - Symphonie einer Großstadt" hatte im September 1927 Kinopremiere. Auch heute noch faszinieren diese schwarz-weißen Impressionen aus der Weimarer Republik, Bild, Musik und Montage wurden von Walter Ruttmann zu einer extrem stimmungsvollen Einheit verschmolzen. Es sind Bilder und Momentaufnahmen eines typischen Berliner Frühlingstages. Der erste Teil ist dem Morgen der Stadt gewidmet, dann folgt der Mittag, man sieht wie die Berliner ihre Mittagspause nutzen, geht dann über in den Abend mit dem Ende der Arbeit, wo dann auch schon das Nachtleben beginnt.
In einer Szene sieht man das Treiben der Menschen, die wie Ameisen wirken. Alle gehen ihrem Tagwerk nach und Ruttmann verquickt diese Szene der zur Arbeit gehenden Menschen mit zwei anderen Szenen: Zum einen sieht man eine Kuhherde, die in einen Schlachthof getrieben werden. Die andere Szene, die in diesen Fluß hineingeschnitten wurde ist das Aufmarschieren von Soldaten. Man hat Ruttmann vielfach vorgeworfen, dass das Individuum dabei in einer auf Oberflächen reduzierten Formenvielfalt verschwindet.
Die Bilderfolge hat eine hohe Bewegungsdynamik und steigert sich phasenweise in einen regelrechten Bilderrausch hinein. Stimmungstechnisch perfekt begleitet wird das 65 minütige Filmvergnügen aus einer längst vergangenen Zeit von der Musik des Komponisten Edmund Meisel. Auch seine Arbeit ist schnell, rasant und betont die Bilder. Dies ist ein echter Soundtrack zum Film und zur Stadt. Die Dokumentation wartet nicht nur mit faszinierenden Bildern der Metropole an der Spree aus den goldenen Zwanziger Jahren auf. Hier werden auch gesellschaftliche Gegensätze portraitiert und verschiedene soziale Milieus und die brodelnde Atmosphäre einer Großstadt festgehalten, eine Großstadt am Puls der Zeit.



 Der Film war und ist nicht unumstritten, aber er ist mit Sicherheit ein herausragender Vertreter deutscher Filmkunst, trotz der ihm vorgeworfenen Oberflächlichkeit. Schon der Anfang mit dem einfahrenden Zug ist die brilliante Machart des Konzeptfilm zu erkennen. Typisch dazu die ungewohnt rasanten Schnittfolgen. Danach gehts zwar etwas ruhiger zu, aber dennoch wagt Ruttmann immer wieder ungewöhnliche Kameraeinstellungen. Das typische Bild der Industrialisierung trifft hier durch sehr viele Komponenten zusammen: Die Eisenbahn, die stampfenden Maschinen in der Fabrik, der Verkehr auf der Straße, die nächtliche Beleuchtung der Stadt. Der Zuschauer kann zu den Bildern eigene Emotionen bilden, wenn er in einer der Szenen Bettler und arme Straßenmusikanten sieht. Neben dem tristen Leben in Sozialbauten sieht man aber auch das schicke Leben der High Society. Beide Gegensätze treffen immer wieder für eine Momentaufnahme zusammen und trennen sich auch wieder. Das pulsiierende Leben in der Metropole des Jahres 1927 weckt aber auch immer wieder den Gedanken daran, dass sich 6 Jahre später soviel veränderte.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Deutschland im Jahre Null



Regie: Roberto Rossellini

Edmunds Leben in Ruinen...

"Deutschland im Jahre Null" aus dem Jahre 1948 war nach "Rom, offene Stadt" (1945) und "Paisa" bereits der dritte Film, in dem sich der Filmemacher Roberto Rossellini mit den Auswirkungen des Nationalsozialismus beschäftigte. In dem in Deutschland entstandenen Trümmerfilm zeichnet er ein realistisches Bild des Nachkriegseuropas. Der Film erhielt auf dem Festival in Locarno den Hauptpreis und den Preis für das beste Drehbuch. Die Bilder des Sommers 1947 aus einem völlig zerbombten Berlin bleiben im Gedächtnis. Zeitgleich drehte auch Billy Wilder in der deutschen Metropole, wobei sein Film "Eine auswärtige Affäre" völlig anders - als eine rabenschwarze Satire auf das deutsch-amerikanische Verhältnis kurz nach dem Krieg - angelegt war.
Rossellinis Berlin Film ist düster und zeigt das Dasein der Überlebenden, die völlig im Schutt in alten Ruinen hausen. Ein Abbild des physischen Berlins - mit dem Wechselbild aus Licht und Schatten nimmt ein psychologisches Epos Gestalt an. Es ist die Geschichte des 12jährigen Edmund (Edmund Möschke), der in diesem Labyrinth zuhause ist - aber ständig in Bewegung bleibt. Der Junge muss wohl oder übel für seine Famlie sorgen. Doch Arbeit gibts mit 12 Jahren noch nicht. Sein Vater (Ernst Plittschau) ist herzkrank und bettlägerig. Der ältere Bruder Karl-Heinz (Franz Otto Krüger) versteckt sich, weil er Angst hat als ehemaliger Wehrmachtssoldat in Kriegsgefangenschaft zu kommen. Schwester Eva (Ingetraut Hinze) ist für den Haushalt zuständig.
Abends trifft sich die junge Frau in Begleitung ihrer Freundinnen häufig mit Soldaten der Besatzungsmächte. Mehrfach wird ihr von Leuten aus ihrer Umgebung empfohlen, sich intensiver mit den Soldaten einzulassen. Doch sie schreckt vor diesem Schritt zurück. Es genügt ihr etwas Zerstreuung zu finden und an jedem Abend einige Zigaretten mit nach Hause bringen zu können. 
Da Karl Heinz sich nicht registrieren lässt, erhält er logischerweise auch keine Essenskarte, geschweige denn eine Arbeitserlaubnis. In der Familie leben daher vier Personen von drei Essenskarten, was die ärmlichen Verhältnisse noch gravierender macht.
Im Haus hat der Besitzer Herr Rademacher (Hans Sanger) das Sagen. Er bekommt in diesen Notzeiten Mieter vom Wohnungsamt zugeteilt und man merkt ihm an, dass er seinen Mietern gegenüber sehr misstrauisch gesinnt ist. In diesen Notzeiten sind Diebstähle und Unterschlagungen an der Tagesordnung.
Eines Tages trifft Edmund zufällig auf seinen früheren Lehrer Herr Enning (Erich Gühne). Mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit ist ein Berufsverbot ausgesprochen worden. Er hält sich mit Hehlerei über Wasser und betätigt sich in einem sonderbaren Pädophilenring als Zulieferer. Dieser Lehrer plädiert weiterhin für die Lehren der Nazis, dass nur der Starke überleben wird und die Schwachen auszumerzen sind. Da der Vater sich selbst den Tod wünscht, keimt in dem kleinen Edmund ein fataler Gedanke auf...


 Fast alle Erwachsenen in Rossellinis düsterem Berlinfilm sind in dieser Stunde Null an einen Punkt angelangt, wo nur noch das eigene Überleben gesichert sein will. Ein eigenartiges Karussell, die Menschen agieren wie in einem Todesballet. Dabei steht der kleine Edmund als Held und wichtiges Individuum (er steht für einen Neuanfang) unter dem Mikroskop des Filmemachers. Oft ist sein Spielplatz der berühmte Neptun-Brunnen. Aber zeit für das kindliche Spielen wird ihm nicht viel gewährt, er muss erwachsen sein. Mit den Jugendlichen Thilde (Barbara Hintz) und Jo (Jo Herbst) macht er ein bisschen Geld auf dem Schwarzmarkt und sieht, dass sich Diebstahl auch auszahlt. Am Ende wird die Geschichte sehr radikal. Denn - obwohl jugendlicher Hoffnungsträger - ist Edmund auch mit seinem eigenen Schatten konfrontiert. Dieser Doppelgänger steht für das vergangene Regime. Die beiden Komponenten lassen den jugendlichen Protagonisten am Ende in seinem Konflikt explodieren. Es folgt die Flucht und die konsequente Zerstörung.
Das Fortleben der Monster in eines der Themen in dem Film. Der Film sucht Antworten in dieser Zusammenbruchsgesellschaft. Diese ehemals propagierte Volksgemeinschaft wandelt nun in den Ruinen beinahe wie in der Steinzeit beinahe ziellos umher, anarchistische Zustände herrschen vor. Dort in den Ruinen leben diejenigen, die noch einmal davongekommen sind. Aus diesem Klima überlebt man mit Tricks und List.
Bei seinen Erkundungsfahrten durch die zerstörte Stadt fand Rossellini seinen Laiendarsteller, die selbst alle noch unter dem Schock des Krieges standesn. Kompromisslos in der Aussage und neorealistisch in seiner Darbietungsform überzeugt der Film durch seine große Authentizität. Die Kameraaufnahmen des zerbombten Berlin machen "Deutschland im Jahre Null" zudem zu einem erschütternden und sehr wichtigem Zeitdokument. Neben "Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte ist dies sicherlich der wichtigste der Trümmerfilme.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Das Mädchen Rosemarie

























Regie: Rolf Thiele

Aufstieg und Fall im Wirtschaftswunderland...

"Das Mädchen Rosemarie" von Rolf Thiele entstand 1958 und ist sicherlich einer der besten Wirtschaftswunder-Filme. Erzählt wird im Kolportage Stil die Geschichte der Rosemarie Nitribitt, eine Frankfurter Prostituierte, die am 29. Oktober 1957 in Frankfurt am Main ermordet wurde. Sie erlangte durch den Mordfall landesweite Berühmtheit. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt. Gemäß den Recherchen der Frankfurter Kriminalpolizei erwirtschaftete sich die Frau in ihrem letzten Lebensjahr ein Einkommen von ca. 90.000 DM. Bereits 1956 furh sie ihren berühmten schwarzen Mercedes Benz 190 SL mit roten Ledersitzen, mit dem sie in Frankfurt für Furore sorgte und der ihr Markenzeichen wurde. Drei Tage nach ihrem gewaltsamen Tod fand man sie in ihrer Wohnung - sie hat eine Platzwunde am Kopf und Würgemale am Hals. Bei den nachfolgenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass sie auch Kontakt zu sehr bedeutenden Persönlichkeiten hatte. Da der Fall aufgeklärt wurde, machte die Theorie die Runde, dass bestimmte Kreise aus Wirtschaft und Politik erfolgreich die Aufklärung verhindern konnten. Kaum erklärbare Ermittlungspannen der Frankfurter Kripo nährten diesen Vermutung zusätzlich. Wer allerdings einen spannenden Kriminalfilm erwartet, der dürfte etwas enttäuscht sein. "Das Mädchen Rosemarie" ist eher ein bissiger Kommentar zur Wirtschaftswunderzeit, der den Aufstieg dieser Jahre in Verbindung bringt mit einem moralischen Niedergang. Er demaskiert das biedere Bürgertum, die eigentlich eine Frau wie Rosemarie gesellschaftlich ausgrenzen. Nur im Verborgenen suchen diese Männer ihre Gesellschaft. Bereiits die erste Szene zeigt das heuchlerische Umfeld. Rosemarie Nitribitt (Nadja Tiller) wird vom Chefportier (Hubert von Meyerinck) des Palast Hotels aufgefordert die Eingangshalle des Hotels wieder zu verlassen. Nicht mal draussen darf sie auf ihre potentiellen Freier warten, man hat ja schliesslich einen Ruf. Aber als der Großindustrielle Generaldirektor Bruster (Gert Fröbe) dort mit seinen Kartell von Unternehmern auftaucht und den Portier um Adresse von Damen bittet, kann dieser sofort hilfreich sein. Für Rosemarie, die bisher mit zwei Kleinkriminellen und Möchtegern-Zuhältern Horst (Mario Adorf) und Walter (Jo Herbst) eine Wohnung teilt, wird diese Nacht zum Sprungbrett in Richtung High Society. Sie lernt den Geschäftsmann Konrad Hartog (Carl Raddatz) kennen. Dieser wird ihr reicher Lover und Gönner, er hält sie aus und richtet ihr eine Wohnung ein. Auf dem Weg zu einem Reitturnier der Familie von Hartog lernt Rosemarie auch den Franzosen Alfons Fribert (Peter van Eyck) kennen, der Industriespionage betreibt. Er macht Rosemarie mit weiteren großen Wirtschaftsbossen bekannt. So erhöht sich Rosemaries Vermögen. Und Fribert benutzt die etwas naive Rosemarie, um an die Geheimnisse ihrer Freier zu gelangen. Mit Hilfe eines Tonbandgerätes werden diese bei ihren Besuchen in Rosemaries Appartment heimlich ausspioniert. Bald merkt die Frau, dass sie auf brisantem Material sitzt. Sie gibt sie einem gläübigen Studenten (Horst Frank), der alles verstecken soll. Doch leider ist es schon zu spät...


die letzte Szene zeigt eine Rosemarie, die ihre Wohnung betritt. Hinter dem Vorhang lauert bereits der Mörder. Unten warten die Herren des Kartells mit ihren Autos. Regisseur Rolf Thiele inszenierte mit Sinn für innovative Ideen. So lässt er Rosemarie mit ihrem Zuhältergespann auch als singende Bänkelsänger auftreten, die ihre Eigenkompositionen mit dem Thema Wirtschaftswunder durch die Straßen von Frankfurt flanieren. Dabei stehen Lieder wie "Wir ham den Kanal noch immer nicht vol" für einen bissigen und satirischen Kommentar zur aufsteigenden Wirtschaftskraft, in der zeit nach dem Krieg.  Diese Szenen haben etwas slapstickhaftges, was dem Film auch einen sehr eigenen originellen Charme verleiht. Alles wirkt recht unkonventionell und erinnert sogar phasenweise etwas an die Lockerheit unseres Nachbarlandes, wo die Nouvelle Vague auf dem Vormarsch war. Gute, bissige Dialoge und eine sehr gut besetzte Nadja Tiller, die den Film trägt. Besonders spannend und bedrohlich ist das nie - das vergisst Rolf Thiele vielleicht. Aber als launiges Sitten- und Gesellschaftsbild hat der Film tolle Momente zu bieten. Am Ende offenbart sich die Tragik noch einmal von Neuem, da mit lakonischer Ironie die Anfangsszene im Hotel noch einmal wiederholt wird. Diesmal mit der jungen Karin Baal.  Zum Lohn gab es 1959 einen Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film. Aber auch der Skandal lag nahe. Die Persiflage kam nicht überall gut an.  Man befürchtete, der gallige Streifen könne dem deutschen Ansehen im Ausland schaden und insbesondere jenen Kreisen neue Argumente liefern, welche die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik mit Missgunst beäugten. Die Regierung versuchte Druck auszuüben. Das führte dann zwar nicht zum Verbot, wohl aber zu ienigen Änderungen: Diese betrafen den Vortext und eine Szene mit marschierenden Soldaten. So wurde von der FSK ein Vorspann verlangt, der zum Ausdruck bringe, dass es sich bei den geschilderten Missständen und den kritisierten Leistungsträgern um Ausnahmen handle. Einer Zensur vorbeugend war vom Produzenten selbst bereits ein Bild von Ludwig Erhard, das in mehreren Szenen rechts neben dem Bett der Nitribitt hing, durch einen Unschärfeflleck unkenntlich gemacht.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 28. März 2015

Emil und die Detektive

























Regie: Gerhard Lamprecht

Emil Tischbein und der unheimliche Herr Grundeis...

Emil Erich Kästner (1899 bis 1974) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist und Drehbuchautor. Bekannt wurde er vor allem durch seine sehr erfolgreichen Kinderbücher wie "Emil und die Detektive", "Das doppelte Lottchen" und "Das fliegende Klassenzimmer".
Bereits 1931 wurde sein erstes Kinderbuch "Emil und die Detektive", das im Oktober 1929 erschien, von Gerhard Lamprecht verfilmt. Das Drehbuch schrieb der junge Billy Wilder.
Die Detektivgeschichte enstand auf Anregung von Edith Jacobsohn, der Witwe des Verlegers der "Weltbühne". Das Buch wurde alleine in Deutschland 2 Millionen Mal verkauft und bis heute in 59 Sprachen übersetzt. Obwohl Kästner selbst nicht ganz so zufrieden war mit der Verfilmung, war auch der Kinofilm äusserst erfolgreich.
Erzählt wird von der abenteuerlichen Reise und dem noch gefährlicheren Aufenthalts des kleinen Emil Tischbein (Rolf Wenkhaus) aus dem ländlichen Neustadt. Mit seinen Freunden spielt er dort auf dem Land sehr gerne auch mal dem Wachtmeister Jeschke (Rudolf Bierbrach) einen Streich, indem die Lausbuben ein Denkmal kurzerhand so umgestalten, dass es dem Beamten ziemlich ähnlich sieht. Doch die Mutter (Käthe Haack) schickt ihn auf eine Bahnfahrt nach Berlin. Der Junge soll seiner Großmutter (Olga Engel) 140 Reichsmark vorbeibringen, die er aus Vorsicht vor Dieben noch zusätzlich mit einer Nadel in seiner Jackentasche befeistigt. Auf der Zugfahrt sitzt Emil zuest in einem vollen Abteil, einer der Mitreissenden ist ein zwielichtiger Unbekannter (Fritz Rasp) , der sich als Herr Grundeis vorstellt. Als dieser merkt, dass der kleine Junge Geld bei sich haben könnte, wartet er nur auf eine günstige Gelegenheit. Die bietet sich als die anderen Reisenden aussteigen. Er bietet Emil ein Bonbon ein. Mit dem darin enthaltenen Schlafmittel hat er leichtes Spiel. Während Emil komische Träume hat, wird das Geld gestohlen.  Der Junge kommt erst wieder am Berliner Bahnhof Zoo zu sich und entdeckt sofort, dass er beraubt wurde. Er kann aber Grundeis folgen. Zum Glück trifft er auf einen Jungen, der sich Gustav mit der Hupe (Hans Schaufuß) nennt. Der erklärt sich schnell bereit dem Jungen vom Land zu helfen. Und da er Anführer einer Kinderbande ist, hat er schnell weitere kleine Helfer um sich getrommelt. So wird der noch ahnungslose Grundeis von Jungs wie Fliegender Hirsch (Hans Richter) oder der kleine Dienstag (Hans Albrecht Löhr) observiert. Die Kinderbande informiert auch die Oma, die mit Emils Kusine Pony Hütchen (Inge Landgut) am Bahnhof Friedrichsstraße vergeblich auf den Gast aus Neustadt gewartet haben. Pony Hütchen hilft den Jungs. Inzwischen hat sich der böse Gauner in ein Hotel einquartiert...


 diese erste Verfimlung des Kinderbuches ist sogar einer der bedeutendsten frühen deutschen Tonfilmen. Er weist sogar inhaltlich einige Parallelen zu Fritz Langs "M" auf - allerdiings als viel hoffungsvollere und weniger düstere Variante. Ein Übeltäter wird von einer Gruppe beobachtet, die immer größer wird und schließlich von dieser Gruppe zur Strecke gebracht. In Fritz Langs "M" sind es die Gauner, die plötzlich eigennützig Jagd auf den Kindermörder machen, hier bei Lamprecht sind es Kinder, die aus Spass am Abenteuer bei der Verfolgung des Diebes begeistert am Ball bleiben. Am Ende siegt der Zusammenhalt der Kinder.
Darüberhinaus glänzt der Film mit sehr guten Szenen, vor allem wenn Fritz Rasp die Szene betritt. Im Zug erzählt er den Reisenden von Berlin, dort wo die Häuser 100 Stockwerke hoch sind und die Aufzüge eine Küche haben, damit auf dem Weg nach oben nicht verhungert. Die Betäubung mit präparierten Bonbons führt zu surrealen Bildern im Kopf des träumenden Emil.
Im Hotel hätte Emil die Chance einer Revanche, aber so leicht kann der gemeine, kriminelle Grundeis nicht überwältigt werden.
Während "M" von Fritz Lang ganz düstere Situationen in der Weimarer Republik abbildet, die am Ende der Verfolgung eine Gerichtsverhandlung zeigt. Eine bei dem das Urteil für den Angeklagten schon feststeht und er gerichtet werden soll, da seine selbsternannten Richter, ihm das das Recht zu existieren verweigern. Ganz anders sind die Deutungen in "Emil und die Detektive", denn durch das beherzte Eingreifen der jungen Detektive kann man eine gewisse Demokratisierung des deutschen Alltags erkennen.
Darüberhinaus sorgen die unprätentiösen Dokumentaraufnahmen von Berliner Straßenszenen eine Stadt, in der die demokratischen Grundrechte gerade am erblühen und gedeihen sind. Hier bei Lamprecht erscheint mit Fritz Rasp als Dieb wie ein Dämon, den eine fatale Aura des Bösen umgibt. Die gesellschaftlichen und massenpsychologisdchen Unsicherheiten und Gemütslagen in Deutschland am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung sind spürbar nahe.
Besonders tragisch erscheint mir auch in diesem Zusammenhang einen Blick auf die Besetzungsliste des Films. Alle jungen Darsteller - damals 1931 im Alter zwischn 9 und 15 Jahre alt - sind im nachfolgenden 2. Weltkrieg gefallen. Lediglich Hans Richter, der im Film den Fliegenden Hirsch spielt, hat den Krieg als Soldat überlebt.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Hunde wollt ihr ewig leben

























Regie: Frank Wisbar

Im Kessel von Stalingrad

Mit dem Stalingrad Film "Hunde wollt ihr ewig leben",  seinem 2. Kriegsfilm nach "Haie und kleine Fische" erhielt Regisseur Frank Wisbar im Jahr 1959 den deutschen Filmpreis als bester Regisseur. In der Hauptkategorie "Bester Film" musste er sich aber von Franz Peter Wirths "Helden" geschlagen geben.
Mit einem großen Staraufgebot gelang ihm auch an der Kinokasse ein riesiger Erfolg. Erzählt wird die Geschichte des jungen, nationasozialistisch geprägten Oberleutnant Wisse (Joachim Hansen), der im Herbst 1942 seinen Dienst als Verbindungsoffizier zu den Rumänen in Stalingrad versetzt wird. Vorher verliebt er sich noch in das russische Mädchen Katja (Sonja Ziemann), die als Übersetzerin für die Deutschen arbeiten möchte, jedoch abgelehnt wird und nun Gefahr läuft deportiert zu werden. Er kann ihr durch seine Verbindungen eine Stelle bei seinem Freund Leutnant Fuhrmann (Gunnar Möller) verschaffen. Am Bahnhof sehen sich die beiden vielleicht zum letzten Mal. Es könnte Liebe sein, aber im Krieg gibt es nur den Feind. Die deutschen Truppen haben zwar unter großen Verlusten die Stadt erobert, werden aber bereits von der erstarkten Roten Armee eingekesselt. Viele der einfachen Soldaten haben erkannt, dass sie dem Gegner chancenlos ausgeliefert sind. Doch Befehle werden von ganz oben nach weiter unten und dann nach ganz weit unten gegeben und Generalfeldmarschall Friedrich Paulus (Ernst Wilhelm Borchert) ist dem Führer verpflichtet. Anfangs glaubt der Feldherr auch noch an einen Sieg. Doch die Lage verschimmert sich täglich. Es mangelt an Verpflegung und auch an neuer Munition. Aus dem Radio hören die Männer die Nachricht der Russen "Alle 7 Sekunden stirbt ein deutscher Soldat - Stalingrad - Massengrab". Allmählich erkennt auch Wisse die Aussichtslosigkeit im Kessel von Stalingrad. Sein Vorgesetzter Major Linkmann (Wolfgang Preiss) denkt nur an sein eigenen Überleben, legt aber bei seinen Untergebenen einen viel härteren Maßstab an...


 Die Brutalität von militärischer Logik gegenüber den Individuen und das Aufbäumen der Menschlichkeit gegen sinnlose Entscheidungen, die den Menschen als zu verschleißendes Material betrachten, stehen im Vordergrund dieses Films. Mit diesem Film schuf Frank Wisbar einer der großen deutschen Kriegsfilmklassiker.. Mit Stalingrad nahm er sich eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Militärgeschichte an. In einer Stadt aus Ruinen wird aus jedem Haus scharf geschossen. Die Soldaten müssen dabei völlig wahnsinnige Befehle befolgen, die den sicheren Tod bedeuten. Mit dem edlen Oberleutnant Wisse präsentiert Wisbar vielleicht einen zu sehr auf Helden gebürsteten Gutmenschen. Man kann aber gerade bei ihm - der sich dann mehr und mehr gegen die Befehle aus Berlin auflehnt - einen Stellvertreter für mehr Menschlichkeit in der Hölle ansehen. Wisbar war sichtlich bemüht um eine hohe Authentizität. Die Kulissen sind sehr realistisch und die Schlachten sehr aufwendig konzipiert. Immer wieder werden reale Kriegsbilder in die Spielfilmhandlung eingestreut. Eine besonders intensive Sequenz ist der Gang ins Lazarett. Dort sollen "Drückeberger" herausgeholt werden - aber allen Männern hier fehlen verschiedene Gliedmaßen oder sie liegen im Sterben. Darüber schwebt aus dem Radio die Stimme von Hermann Göring, der eine Rede zum zehnten Jahrestag der Machtübernahme hält und ein völlig falsches, sehr geschöntes Bild von der Front im Osten wiedergibt mit der baldigen Aussicht auf den Sieg. Im Nebenrollen sind bekannte Namen wie Horst Frank, Carl Lange, Karl John und Günther Pfitzmann zu sehen. Letzterer sehr effektiv als einfacher Soldat, der seine Ängste und Bedürfnisse immer dramatischer artikuliert und sein Ende erlebt, während das letzte Flugzeug Stalingrad verlässt und abhebt.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 25. März 2015

Berlin Ecke Schönhauser

























Regie: Gerhard Klein

Jugendliche Rebellen in Ostberlin...

"Berlin Ecke Schönhauser" entstand 1957 und gilt als ostberliner Antwort auf den etwa kurz zuvor entstandenen und überaus erfolgreichen Jugendfilm "Die Halbstarken" von Georg Tressler. Natürlich orientierte sich Tressler auch an amerikanischen Vorbildern dieser Zeit. Da wurde der jugendliche Rebell James Dean durch "...denn sie wissen nicht, was sie tun" zum großen Star oder man sah Jugendliche auf kriminellen Abwegen in "Die Saat der Gewalt". Inszeniert wurde der DEFA Film von Gerhard Klein und zählte sehr schnell zu den bedeutendsten DEFA Filmen seiner Zeit. Wie seine Vorbilder gelingt es auch hier eine genaue Beschreibung des Lebensgefühls einer Generation entstehen zu lassen. Selbst in der heutigen Zeit ist diese Stimmung sehr gut zu spüren aufgrund des perfekten Zeit- und Lokalkolorits. Der Film zeigt eine Jugend zwischen den Fronten und thematisiert auch die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen in der DDR.  Dieser Punkt fiel auch der staatlichen Filmkritik auf und das Verbot lag nahe. Man war der Meinung, dass der Film "schädlich auf unsere Menschen wirken" könnte und eine Zulassung des Films wurde erstmal verweigert. Die Wende kam als er am 14. Juni 1957 dem FDJ Zentralrat vorgeführt wurde. Diese urteilten dann anders und sahen in "Berlin Ecke Schönhauser" ein Film, der bei den Massen richtig ankommen werden und ein Signal sei, beim Aufbau mitzuhelfen. Nach diesem günstigen Statement gab die Hauptverwaltung dem Film über die jugendlichen Rebellen in Ostberlin grünes Licht für die Kinos. Er erlebte mit dreimonatiger Verspätung am 30. August 1957 seine Kinopremiere. Bereits einige Wochen später hatten meh als 1,5 Millionen Zuschauer den Film gesehen. Mit diesen Zuschauerzahlen wurde er zu einem der erfolgreichsten DEFA Produktionen aller Zeiten.
Berlin in den 50er Jahren, noch sind die Sektorengrenzen offen, doch der Kalte Krieg wirft seine Schatten voraus. Die Jungendlichen Dieter (Ekkehard Schall), Kohle (Ernst-Georg Schwill), Karl-Heinz (Harry Engel) und Angela (Ilse Page) leben in dieser Zeit zwischen Petticoat und RocknRoll im östlichen Sektor von Berlin. Sie gehören zu einer  Gruppe von Halbstarken, die sich regelmäßig unter der U-Bahn-Brücke an der Schönhauser Allee versammeln und den Nachmittag mit Unsinn und Chillen verbringen.  Manchmal kommt es zu Sachbeschädigungen durch Mutproben, dadurch sind sie auch bestens bei der Volkspolizei bekannt. Die Motivation zur Gruppe zu gehören ist unterschiedlich. Dieter hat zwar einen Beruf, will jedoch seine Freiheit ausleben. Die FDJ wirbt um ihn, doch er will Einzelgänger bleiben. So wie Marlon Brando, der Kinostar, denn den verehrt ja auch seine heimliche Liebe Angela.  Kohle flüchtet vor seinem ständig betrunkenen und gewaltbereiten Stifevater. Er hat als Versager in der Schule wenig Perspektive für die Zukunft. Karl-Heinz ist verwöhnt, weil er reiche Eltern hat.  Er gerät zunehmend als Ausweisdieb auf die schiefe Bahn. Angela ist mit der alleinstehenden Mutter im ständigen Clinch. Bald kommt es zu dramatischen Situationen, die zur Flucht von Dieter und Kohle in den Westen führt. Dort in einem Auffanglager erleben sie die zweifelhafte Fürsorge der Westler...

Es wird natürlich schnell klar, warum der Film von der FDJ durchgewunken wurde. Gesamthaft propagiert er schon die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung und stellt den eigenen Staat und seine Ordnungskräfte nicht wirklich in Frage. Er kommt ja durch den Ausflug in den Westen zum Schluß zu der Feststellung "Nirgends ist es so gut wie daheim" - auch wenn der jugendliche Rebell sich erst mal finden muss und hautnah bewiesen bekommt, dass er irgendwann seiner Verantwortung bewusst werden wird. Aber daneben gibt es doch auch eine bemerkenswert realistische Zeichnung des Ostberliner Alltags. Man erfährt auch von den Nöten dort, der Schwierigkeit einen passenden Beruf zu finden und auch die gesamthafte Perspektive Zukunft ist im Unklaren. Die Fürsorge durch die Organisiationen kommt im Film auch nicht so opitmal rüber, es deutet sich die Bevormundung von staatlicher Seite an. Der Stil des Film orientiert sich ein bisschen am italienischen Noerealismus jener Zeit. Atmosphäre und Milieu sind sehr gut gezeichnet.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Nacht fiel über Gotenhafen

























Regie: Frank Wisbar

Die letzte Fahrt der Wilhelm Gustloff...

Noch vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges emigrierte der deutsche Regisseur Frank Wisbar (in den 30ern: Mädchen in Uniform, Fährmann Maria) aufgrund der Verschärfung der rassistischen nationalsozialistischen Gesetze mit seiner nicht "arischen" Frau Eva in die USA. Dort konnte er beim Film nur schwer Fuß fassen, machte sich aber einen Namen beim neuen Medium Fernsehen. Mitte der 50er Jahre kehrte Wisbar als amerikanischer Staatsbürger in die noch junge Bundesrepublik zurück und begann mit der Inszenierung von anspruchsvollen Kinofilmen. Er hatte dabei ein Faible für die Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit im 3. Reich und setzte damit für den Rest seiner Laufbahn den Schwerpunkt für sein filmisches Schaffen. Erfolgreich wurden sene Kriegs-Filme "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Die Fabrik der Offiziere" oder "Haie und kleine Fische". Für "Hunde wollt ihr ewig leben" gabs 1959 sogar den begehrten deutschen Filmpreis, das Filmband in Gold für die beste Regiearbeit.
Ein Jahr später wagte er erneut einen Blick in die Vergangenheit mit dem in schwarz weiß gedrehten Katastrophenfilm "Nacht fiel über Gotenhafen". In dem Film wird neben dem Untergang der Wilhelm Gustloff auch die Flucht der deutschen Bevölkerung aus Ostpreußen vor der roten Armee thematisiert. Die Wilhelm Gustloff war ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation "Kraft durch Freude". Sie wurde am 30. Januar 1945 durch das sowjetische U-Boot S-13 vor der Küste Pommerns versenkt. Man schätzt die Zahl der Todesopfer auf annähernd 9.000 Menschen, die bei der Versenkung des völlig überladenen Flüchtlingsschiff ihr Leben ließen. Auch heute noch gilt dieses Unglück als der verlustreichste Untergang eines einzelnen Schiffes in der gesamten Geschichte der Seefahrt. Wisbar lässt sich aber Zeit die Menschen seiner Geschichte rund um die Geschichte vorzustellen. Die junge Maria (Sonja Ziemann) ist Rundfunkansagerin und frisch vermählte Ehefrau ihres Kollegen Kurt Reiser (Gunnar Möller). Der Krieg trennt das Paar, Kurt wird Soldat und so lebt Maria bei ihren Schwiegereltern. Dabei trifft sie wieder auf den Marineoffizier Hans Schott (Erik Schumann), der mit ihr Jahre zuvor schon einmal - auf der Gustloff - heftig geflirtet hat. In einer einsamen Silvesternacht im Krieg - der Mann an der Front - kommt es zum One Night Stand und Maria wird schwanger. Von den Schwiegereltern extrem verurteilt flüchtet Maria zu ihrer Freundin Edith Marquardt (Mady Rahl) , die auf einem Gutshof in Ostpreussen lebt, dass der resoluten Generalin von Reuss (Brigitte Horney) gehört. Dort verbringt sie einige unbeschwerte Tage und trifft erneut auf Hans Schott, aber auch das Wiedersehen mit Ehemann Kurt Reiser steht an. Gerade dann als die rote Armee dort einmarschiert...


das nationasozialistische Regime hatte eine frühzeitige Evakuierung Ostpreussens natürlich abgelehnt. Als die Rote Armee an der Ostfront durchbrechen kann, sind die vielen Einwohner dort vom übrigen Reichsgebiet völlig abgeschnitten. Großadmiral Dönitz ordnete das Unternehmen Hannibal an, bei dem alle verwundeten Soldaten mit allen verfügbaren Schiffen in das westliche Reichsgebiebt zu transportieren sind. Durch den Einmarsch des Feindes wird auch die Mitnahme der Zivilisten erlaubt. 2,5 Millionen Menschen sind in der Folge über der Ostsee auf der Flucht. Die Wilhelm Gustloff ist eines der Schiffe, die sich an der Evakuierung beteiligt. Mit schätzungsweise über 10.000 Menschen legt sie am 30. Januar 1945 in Gotenhafen ab. Auf der Höhe von Stolpmünde wird das Schiff von dem sowjetischen U-Boot gesichtet und wurde von drei Torpedos getroffen. Wisbar legt den Schwerpunkt allerdings auf die Einzelschicksale der Menschen seiner Geschichte. Die Katastrophe selbst hat er inszenatorisch leider etwas vernachlässigt. Somit ist "Nacht fiel über Gotenhafen" sicherlich ein recht guter und interesanter deutscher 50er Jahre Kriegsfilm, aber kein Meisterwerk. Gute Einzelszenen lassen aber erkennen, dass für Wisbar da mehr drin gewesen wäre, wenn er etwas düsterer und manchmal etwas weniger sentimental inszeniert hätte. Von der Darstellern bleibt am besten Brigitte Horney mit ihrer guten Nebenrolle in Erinnerung. Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem noch jungen Dietmar Schönherr, der als französischer Kriegsgefangener Gaston einen dramatischen Abgang hat.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.