Sonntag, 10. Juli 2016

Alamo



Regie: John Wayne

Das große Opfer für die Freiheit...

Die Schlacht von Alamo dauerte 13 Tage - vom 23. Februar bis zum 6. März 1836 - und gilt bis heute in den USA als Symbol für den Freiheitskampf. Sie wurde von den Texanern moblisiert, die ihre Unabhängigkeit erkämpfen wollten. Zu dieser Zeit war das Land noch mexikanisches Gebiet. Aber immer mehr weiße Siedler bevölkerten diesen Landstrich nördlich des Rio Grande. Als Teil des texanischen Unabhängigkeitskrieges fand die Schlacht zwischen einer 7.000 Mann starken mexikanischen Truppe unter dem Präsidenten Antonio Lopez de Santa Anna und den bei dieser Schlacht mit ca. 200 Soldaten stark unterlegenen Widersachern statt, die sich im Fort Alamo, einer kleinen Missionsstation, verschanzten.
"Alamo" war neben seiner Co-Regie in "Die grünen Teufel" die einzige Regiearbeit von John Wayne. Und diesen Film bereitete er jahrelang vor. In einem Interview gestand er "Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß die Schlacht um Alamo ein Symbol bleibt und beweist, dass die Liebe zur Freiheit nicht tot ist". Oder wie Davy Crockett, John Waynes Rolle im Film, einst sagte "Ohne Freiheit ist der Mensch so tot wie eine Biberfellmütze".  Bei der Kritik ist der Film bis heute umstritten. Vor allem wegen seiner rechtslastigen Aussage. Einige gingen sogar soweit Wayne als "primitiven Rechtsradikalen" zu bezeichnen. Tatsächlich sind einige Szenen sehr provokativ und lassen eine politische Ideologie erkennen. Etwa dann, wenn einer der Männer von Colonel William Travis (Laurence Harvey) die Möglichkeit bekommt das totgeweihte Fort zu verlassen, um sich weiter um seine große und mittellose Familie zu kümmern. Die Frau des Mannes sieht dies aber als eine Beleidigung an. Ihr Mann hat das Recht genauso wie die anderen Männer als Held in der Schlacht um die Freiheit zu sterben und lehnt dieses vernünftige Angebot dankend ab. Eine herzzerreißende Abschiedsszene folgt. Was man nicht alles für Texas tut. Wayne treibt den Pathos am Ende des Films noch um ein Tausendfaches auf die Spitze und zeigt zu einem himmlischen Chorgesang der beiden markanten Songs "Green leaves of Summer" und "The eyes of Texas" wie die Überlebende Sue Dickinson (Joan O´Brien) mit ihrer kleinen Tochter Lisa (Aissa Wayne) das Fort verlassen. Sue hat ihren geliebten Mann Cpt. Almeron Dickinson (Ken Curtis - der "Festus" aus "Rauchende Colts") verloren und schreitet dennoch stolz durch die Reihen der mexanischen Aggressoren. Auf einem Hügel wartet der junge mutige Smitty (Frankie Avalon), der zu spät zum Sterben kam - er sollte Hilfe bei General Sam Houston (Richard Boone) holen, doch die konnten nichts tun für die kleine Gruppe, deren Ziel es war die Mission so lange zu halten wie möglich. Am Ende singt der Chor dann, dass die Soldaten nun in den Armen des Herrn ruhig schlafen. So emotional dies alles ist - es ist tatsächlich eine der schönsten Schlußszenen der Filmgeschichte für mich. Der 192 Minuten lange Film ist zu keiner Zeit langweilig, John Wayne darf sich auch noch in Linda Cristal verlieben und zeigt mit einer historischen Genauigkeit die chronologische Abfolge dieser ungleichen Schlacht, die von vornherein ein Himmelfahrtskommando ist. Damit General Houston für den Freiheitskampf Texas eine mehr als 1.000 Mann starke Armee aufstellen kann, soll Colonel Travis gemeinsam mit Colonel Jim Bowie (Richard Widmark) die Mission Alamo in San Antonio verteidigen. Beide Männer sind grundverschieden. Travis, ein Perfektionist und Pendant - Bowie lässt sich schon mal vollaufen und pfeift auf militärische Genauigkeit. Bald gesellt sich auch der bekannte Kongressabgeordnete Davy Crockett mit seinen 23 tapferen Männern dazu. Die kommen zwar aus Tennessee - aber das Argument, dass sich Mexico nach Texas auch weitere Bundesstaaten unter den Nagel reißen könnte, zieht.




Die tapferen Männer werden zu Todesmutigen und am Ende zu Wahnsinnigen. Dies alles ist ein wunderbare Bilder verpackt. Kameramann war William W. Clothier, den Wayne sich bei John Ford ausgeliehen hat.  Für diese Leistung bekam Clothier eine verdiente Oscarnominierung. Vier Jahre später konnte er diese Wertschätzung wiederholen, denn auch für John Fords "Cheyenne" gabs für ihn eine Nominierung. Großen Anteil an der starken Wirkung des Schlachtengemädes hat aber vor allem die eindringliche Filmmusik von Dimitri Tiomkin - es ist eine Sternstunde in der Geschichte der Soundtracks. Neben diesen beiden gabs noch weitere fünf Nominierung im Oscarjahr 1961  - am Ende gewann der Film aber nur den Preis für den besten Ton an Gordon Sawyer und Fred Hynes.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Die 4 Söhne der Katie Elder



Regie: Henry Hathaway

Lebt denn die alte Frau Elder noch ?

Das Bild von einem Schaukelstuhl, der sich wie von Geisterhand von alleine bewegt, kennt man eher aus dem Horrorfilmbereich. In Henry Hathaways Edelwestern "Die vier Söhne von Katie Elder" aus dem Jahr 1965 beherrscht dieses Bild aber auch zweimal die Szene. Es ist dieser Schaukelstuhl der verstorbenen Katie Elder aus Clearwater, Texas. Im Grunde ist auch sie die Hauptfigur des Films, auch wenn sie nicht mal in einer Rückblende zu sehen ist. Aber ihr gütiger Geist ist allgegenwärtig. Eine äusserst beliebte Frau in diesem kleinen Ort. Ihr Mann starb ein halbes Jahr vor ihr, doch nun zu ihrer anstehenden Beerdigung konnten auch die vier Söhne ausfindig gemacht werden. John (John Wayne), der Älteste ist ein berüchtigter und gefürchteter Revolverheld. Auf Matt (Dean Martin), dem Zweitältesten könnten auch ein paar Steckbriefe passen. Beide zog es früh in die Fremde. Auch Matt (Earl Holliman) folgte ihnen nach. Er blieb zwar auf dem bürgerlichen Weg, doch sein Eisenwarenhandel war ein Flop. Nur der Jüngste Bud (Michael Anderson jr.) besucht schon seit längerer Zeit als erster der Elders ein College. Die Mutter machte dies möglich. Aber auch Bud würde liebend gerne seinen missratenden Brüdern nacheifern. Sheriff Bill Wilson (Paul Fix) hat die Befürchtung, dass mit dem Auftauchen der Elder Brüder Ärger vorprogrammiert ist und kontrolliert mit seinem beflissenen Deputy Ben Latta (Jeremy Slate) den Zug, der an diesem Tag am Bahnhof anhält. Es steigt allerdings nur ein gefährlich wirkenden Fremder (George Kennedy) aus. Auch drei Brüder warten, aber John scheint nicht zu kommen. Als die Beerdigung stattfindet, steht dieser versteckt hinter einem Felsen. Wegen seinem schlechten Ruf hat er entschieden der Beerdigung nur heimlich beizuwohnen. Später trifft er sich mit seinen Brüdern und von Sheriff Bill erfahren sie, dass der Vater sechs Monate zuvor getötet wurde. Am Abend vor seinem Tod soll er zudem die Elder Farm bei einem Glücksspiel an den mächtigen Morgan Hastings (James Gregory) verloren haben. Die Elders ahnen, dass an der Geschichte etwas faul sein muss. Dies sieht zwar auch der Sheriff so, aber er hat keine Beweise gegen Hastings in der Hand, der diverse Zeugen benennen konnte, die seine Geschichte bestätigen. Die hübsche Mary Gordon (Martha Hyer) kümmert sich ein bisschen um das Wohl der Brüder. Als die Elders Hastings einen Besuch abstatten, ist nur dessen unsicherer Sohn Dave (Dennis Hopper) anwesend, der aber durch sein eigenartiges Verhalten den Verdacht der Elders noch verstärkt. Hastings hat auch einen Auftragskiller angeheuert und bezichtigt die Brüder bald des Mordes...



"Die vier Söhne der Katie Elder" ist einer der populärsten Western von John Wayne. Der Film ist perfekt auf den Star zugeschnitten. Im Grunde muss John Wayne wie so oft nur John Wayne spielen. Eine schauspielerische Höchstleistung wie in "Der schwarze Falke", "Red River" oder "Der Mann, der Liberty Valance erschoß" muss Wayne nicht erbringen. Dennoch funktioniert der Film super, auch wenn er manchmal etwas übertrieben und albern wird, vor allem dann, wenn die vier Brüder miteinander kommunizieren. Dennoch tun diese humorigen Einlagen der Spannung keinen Abbruch. Aber Highlight ist natürlich John Wayne...und vor allem auch die tolle Kameraarbeit von Lucien Ballard, der nur einmal in seiner langen Filmkarriere eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Das war 1964 für "Frauen, die nicht lieben dürfen".
Seine Filmographie ist aber reichhaltig an Klassikern: "Marocco" (1930), "Fünf Perlen" (1952), "Prinz Eisenherz" (1954) "Die weiße Feder" (1955), "Weint um die Verdammten" (1957), "Sacramento" (1962), "Nevada Smith" (1966), "Der Verwegene" (1968), "The Wild Bunch" (1969), "Der Marshall" (1969), "Abgerechnet wird zum Schluß" (1970) oder "Nevada Pass" (1976). Viele Western wurden durch seine edlen Bilder aufgewertet und so ist auch "Die vier Söhne der Katie Elder" für jeden Westernfan ein Augenschmaus. 2005 versuchte sich John Singleton an einem Remake - seine vier Brüder kehrten aber ins Ghetto zurück und nahmen Rache für ihre Mutter. Hauptdarsteller war Mark Wahlberg.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 2. Juli 2016

Schwarze Narzisse





















Regie: Michael Powell and Emeric Pressburger

Fremde mysteriöse Welt...

Imre Jozsef Pressburger wurde als einziges Kind eines jüdischen Gutsverwalters in Ungarn geboren. Er studierte zunächst Mathematik un Ingenieurwesen an den Universitäten Prag und Stuttgart. Als sein Vater starb, musste er das Studium abbrechen und fand eine Anstellung als Journalist. Ende der 20er Jahren war er für die Ufa in Berlin als Drehbuchautor tätig. Die Filme "Abschied" von Robert Siodmak (1930) oder "Emil und die Detektive" von Gerhard Lamprecht (1931) stammen sogar von ihm. Leider kam die Machtergreifung durch die Nazis und Pressburger floh nach Paris und später nach London. Durch den Filmproduzenten Alexander Korda konnte er dort als Emeric Pressburger  ebenfalls als Drehbuchautor arbeiten. 1939 lernte er den Regisseur Michael Powell kennen. Powell war bekannt durch seinen Welterfolg "Der Dieb von Bagdad", den er gemeinsam mit Ludwig Berger und Tim Wheelan drehte und der 3 Oscars gewinnen konnte. Powell und Pressburger harmonierten so gut zusammen, dass sie eine eigene Prodiktionsgesellschaft "The Archers" gründeten und in den folgenden Jahren 19 Filme zusammen realisierten. Die beiden führten gemeinsam Regie, schrieben zusammen die Drehbücher und produzierten ihren Filme. Somit waren sie einige der wenigen echten Autorenfilmer ihrer Zeit und gemeinsam schufen sie Meisterwerke wie "leben und sterben des Colonel Blimp", "Die roten Schuhe", "Irrtum im Jenseits" oder "Hoffmanns Erzählungen". Auch "Die schwarze Narzisse" aus dem Jahr 1947 gehört zu ihren besten Filmen. Bei einer Umfrage des British Film Institute im Jahr 1999 wurde dieser Film auf Platz 44 der besten Britischen Filme aller Zeiten gewählt.
Im indischen Kalkutta bekommt die junge anglikanishce Nonne Schwester Clodagh (Deborah Kerr) von ihrer Oberin Mutter Dorothea (Nancy Roberts) einen sehr schwierigen Auftrag. Sie soll dort mit der fleissigen Schwester Philippa (Flora Robson), der robusten Schwester Briony (Judith Furse), der beliebten und immer gut gelaunten Schwester Goldig (Jenny Laird) und der labilen Schwester Ruth (Kathleen Byron) in Mopu, einem abgelegenen Dorf im Himalaya eine Schule und ein Hospital einrichten. Vor den Nonnen waren Mönche dort, die aber nur 5 Monate blieben. Ehemals war dieser hochgelegene Palast eines Generals (Esmond Knight) auch Wohnsitz von dessen Konkubinen. Der britische Verwalter Mr. Dean (David Farrar) macht keinen Hehl daraus, dass er den Nonnen und deren Ambitionen sehr skeptisch gegenüber steht und wirkt unfreundlich. Auch die Haushälterin Angu Ayah (May Hallatz) belächelt die Bemühungen der europäischen Ordensfrauen. Auf die Nonnen wirkt der Ort geheimnisvoll und magisch. Einerseits faszinierend, andererseits verstörend. Eine völlig neue Welt tut sich auf, Klima und Höhenlage verstärken das Gefühl der Fremde. Ein alter weiser Mann sitzt auf diesem Berg und man sagt er habe sich seit Jahren nicht von diesem Platz wegbewegt und seither auch nie ein Wort gesprochen.  
Als Mr. Dee das verwaiste Mädchen Kanchi (Jean Simmons) zu ihnen bringt, findet der reich gekleidete Neffe des Generals (Sabu), der von den Nonnen unterrichtet wird, Gefallen an dem Mädchen.
Er ist es auch, der ein Parfüm, das "Black Narzissus" heißt in die Schule mitbringt, dessen Duft die Nonnen in Verzückung versetzt. Auftakt für eine tragische Dynamik, die die mystische und erotische Aura des Palastes noch verstärkt...
 
 



Neben einem originellen und innovativen Drehbuch begeistert vor allem die Bildsprache des Films. Powell und Pressburgers Werke sind berühmt für den gelungenen Einsatz der Technicolor-Farben. Natürlich hat da auch der große Kameramann des britischen Films - Jack Cardiff - einen großen Anteil daran. "Black Narzissus" zählt neben "Die vier Federn" (1939), "Die roten Schuhe" (1949), "Sklavin des Herzens" (1949), "Die schwarze Rose" (1950), "African Queen" (1951), "Die barfüßige Gräfin" (1954), "Krieg und Frieden"' (1956), "Die Wikinger" (1958) und "Tod auf dem Nil" (1978) zu seinen überzeugendsten Leistungen. Für die junge Jean Simmons war es einer ihrer ersten Filmauftritte, Auch der großartigen Deborah Kerr gelang mit dieser Darstellung der unerfahrenen Oberschwester der Durchbruch im internationalen Filmgeschäft - sie bekam einen Vertrag bei MGM. In ihrer langen Karriere wurde sie insgesamt 6 x für den Oscar nominiert, gewonnen hat sie aber erst 1994 - dort wurde ihr ein Ehrenoscar für ihr Lebenswerk zugesprochen.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Rächer der Enterbten


Regie: Nicholas Ray

Jesse James, der neurotische Killer...

In Nicholas Rays erster Regiearbeit, dem Film Noir mit Roadmovieanteilen "Im Schatten der Nacht" taucht bereits seine Lieblingsfigur auf. Der soziale Aussenseiter und vor allem der Jugendliche, der gegen die vorherrschende Gesellschaft rebellieren will. In "Im Schatten der Nacht" spielt Farley Granger diesen jungen Typen, im folgenden "Vor verschlossenen Türen" spielt John Derek an der Seite von Humphrey Bogart den jugendlichen Deliquenten. Seinen größten Coup landet der Regisseur allerdings mit dem jungen James Dean, der 1955 in "denn sie wissen nicht, was sie tun" den unverstandenen Jim Stark, einen Jugendlichen aus der oberen Mittelschicht spielt und mit dieser Rolle unsterblich wird. Ray gelingt es mit diesem ernsthaften Teenager-Film erstmalig einen Film speziell für die junge Generation zu gestalten. Ein Film über das Phänomen der rebellischen Jugend nach dem 2. Weltkrieg - den Halbstarken, die mit RocknRoll die Erwachsenenwelt entsetzten. Erstmalig wurde auch ein markanter Generationenkonflikt sichtbar. Ray hat vielleicht als einer der ersten Filmemacher den Teeanger für sich entdeckt und inszenierte diesen sowohl düster als auch romantisch. Auch in seinem leider verstümmelten Western "Rächer der Enterbten" (Original: The True Story of Jesse James) den Ray 1958 inszenierte, tauchen solche Figuren wieder auf. Die Jungstars Robert Wagner (Prinz Eisenherz) und Jeffrey Hunter (Der schwarze Falke) spielen die Brüder Jesse und Frank James. Ebenfalls junge Rebellen - sinnlich und gewalttätig. Die Hauptfigur Jesse sogar noch viel mehr als sein intellektueller, sehr gebildeter Bruder. Er hat den Sezessionskrieg erlebt, ist gezeichnet dadurch und findet irgendwann sogar Gefallen an seinem Leben als Gangster, der von Teilen der Bevölkerung auch verehrt wird wie Robin Hood, dem Rächer der Enterbten. Aber der junge Mann hat auch neurotische züge inne, denn er hat auch inzwischen Gefallen daran gefünden zu töten. Zuerst wollte Ray sogar die RocknRoll Ikone Elvis Presley für den Film gewinnen. Denn er versprach sich ein ähnlich kultiges Potential wie James Dean. Das Studio bevorzugte aber Wagner. Und tatsächlich passt auch er als gut aussehender All American Boy perfekt zu dieser Rolle. Fox Produzent Buddy Adler übte aber leider starken Einfluss auf den Film aus und ließ einige wichtige Szenen entfernen. So kommt "Rächer der Enterbten" leider nicht an die hervorragende Qualiät von Rays ungewöhnlichen und damals arg kritisierten Western "Johnny Guitar" heran. Die chronologische Erzählweise, die Ray auferzwungen wurde, raubte dem Film seine große Eigenständigkeit und verhinderten vielleicht ein weiteres Meisterwerk des Genres. Was bleibt ist ein guter und solider Beitrag des Western.
Erzählt wird der Film über das Leben der Brüder Jesse (Robert Wagner) und Frank James (Jeffrey Hunter) in Rückblenden. Die Gang ist auf der Flucht. Der Banküberfall in Northfield, bekannt als der große Minesota Überfall, ist gründlich schiefgelaufen. Einige Gangmitglieder sind erschossen worden, andere wurden gefangen genommen. Aus 10 Banditen sind nur noch drei übrig geblieben. Darunter die 2 Brüder. Sie sind nun über 400 Meilen von zuhause entfernt und verstekcen sich in Höhlen und Felsspalten. In dieser Situation eröffnet sich der Bilderbogen auf ein bewegtes Leben. Die Handlung beginnt in Jesses Heimat Missouri im Jahr 1864. Die Nordstaaten Guerillagruppe Jayhawkers überfallen die Farm der Familie James. Die Mutter (Agnes Moorehead) wird bedroht und der jüngere Jesse misshandelt, weil sie nicht sagen, wo der gesuchte Frank steckt, der auf der Seite von Südstaaten Partisanen kämpft. Der 16jährige Jesse verlässt aus diesem Grund die Farm und schließt sich wie sein Bruder den Kämpfern an. Als der Krieg zu Ende ist, werden die Südstaatler in Missouri diskriminiert. In den Köpfen besteht der Hass weiter. Jesse wird verwundet und während dieser Zeit lernt er die hübsche Zee (Hope Lange) kennen, in die er sich verliebt. Er heiratet das Mädchen. Doch das Glück wird gestört durch weitere Überfälle auf Farmen. Jesse, Frank und andere Farmer beschließen einen Banküberfall zu begehen, um ihre Farmen wieder aufzubauen. Doch statt der Rückkehr ins normale Leben wartet das unstete Leben von Outlaws. Die Polizei sucht die Bande, vor allem auf Jesses Kopf sind zuerst 500 Dollar, dann 1.000 Dollar und bald 5.000 Dollar ausgesetzt. Unter falschem Namen lebt Jesse mit seiner Frau in St. Joseph als Ehepaar Howard. Die falsche Identität bleibt unentdeckt - Zee muss aber damit leben, dass ihr Mann Jesse immer mal wieder für ein paar Tage geschäftlich verreist. Nach dem Überfall kommt er dann als braver Bürger zu seiner Frau zurück. Jesses Name wird zur Legende, viele junge Typen möchten in seine Fußstapfen als Revolverheld treten. So auch die Brüder Robby (Carl Thayler) und Charly Ford (Frank Gorshin) ...


Dadurch das der Produktionschef der Fox Buddy Adler anordnete, dass der Film konventionell geschnitten werden muss, weil er glaubte, dass sonst keinen den Inhalt verstehen würde, verhinderte er die künstlerische Eigenständigkeit von Rays Version der Lebensgeschichte von Jesse James. Im Grunde wollte das Studio ja eine Neuauflage des 40er Jahre Films von Henry King. Ray ging es um viel mehr. Er wollte einen progessiven Jesse James, der zwiespältig rüberkommt. Einer der sich auf dem Selbstzerstörungstrip befindet, aber versucht das Glück ausserhalb eriner rigoros repressiven Gesellschaft zu finden. Dies alles mit einer unkonventionellen Erzählstruktur. So ereilte auch "Rächer der Enterbten" ein ähnliches Schicksal wie viele andere verstümmelte meisterwerke der Filmgeschichte - wie beispielsweise Sam Peckinpahs "Sierra Charriba" oder Orson Welles immer noch großartiger "Der Glanz des Hauses Amberson". Dennoch schimmert die Qualität dieses Films immer wieder durch. Trotz dem Titel "Rächer der Enterbten" ist Rays Jesse James niemals dieser Robin Hood. Sondern ein verstörter Erwachsener, der immer noch nicht erwachsen ist und Gefallen findet an aggressiver Action.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Gefährliches Blut




Regie: Raoul Walsh

Die Ballade von John Wesley Harding...

Der Stil von Raoul Walsh ist schnörkellos und geradeheraus. Regisseur Raoul Walsh bevorzugte für seine Filme schnelle Schnitte und eine schnörkellose Machart. Trotz der Liebe zu den Actionszenen vergass er auch nie die notwendige Charakterisierung der Filmfiguren. Neben Henry King wird er imme rwieder mit dem "americana" Stil in Verbindung gebracht - die Darstellung einer amerikanischen Gesellschaft, die auf einfachen und ehrlich zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut. Seine großen Meisterwerke sind sicherlich die Gangsterfilme "Die wilden Zwanziger", "Sprung in den Tod" und "Entscheidung in der Sierra" - aber auch im Westerngenre schuf er mit "Verfolgt", "Sein letztes Kommando", Herr der Silberminen", "Den Hals in der Schlinge" und "Vogelfrei" schöne Highlights.
Ab den frühen 50er Jahren bestätigte er sein gutes Können in vielen routinierten Produktionen - auch seine Western in dieser Dekade können sich sehen lassen. Zwei davon drehte er mit dem aufkommenden neuen Superstar Rock Hudson. Sowohl "Mit der Waffe in der Hand" als auch "Gefährliches Blut" entstanden im Jahr 1953. Letzterer ist eine sehr freie und aus dramaturgischen Gründen verfälschte Biographie des Revolverhelden John Wesley Harding, der von 1853 bis 1895 lebte und der im Gefängnis seine eigene Lebensgeschichte aufschrieb. Walsh bekannte später, dass er gar kein authentisches Biopic machen wollte, sondern vor allem zeigen wollte, was den Helden und die Heldin gegenseitig anzieht, selbst wenn sie getrennt werden. In "Gefährliches Blut" dauert diese Trennung sogar 16 lange Jahre. Aber vorher wächst John Wesley Harding (Rock Hudson) als Sohn des Methodistenprediger J. G. Harding (John McIntire) auf, der auf eine Erziehung der strengen Hand setzt. Wenn notwendig auch mit Schlägen und Peitschenhieben, wenn die Worte der Bibel nicht befolgt werden und die Söhne vom rechtschaffenen Weg abdriften, so wie der junge John, der ein Faible für Spielkarten und Revolver hat. Als er wieder einmal gezüchtigt wird, verlässt er das Elternhaus und seine Jugendliebe Jane (Mary Castle), die als Waise bei dem Prediger aufwuchs. Bei einem Pokerspiel zieht der Mitspieler die Waffe, doch Wes ist natürlich schneller. Aber nur die Bardame Rosie (Julia Adams), die auch ein Auge auf den attraktiven Gunman geworfen hat, kann bestätigen, dass es Notwehr war. Er entkommt dem konföderierten Sheriff, aber nun muss er fliehen - vor den Brüdern des Getöteten (u.a. Hugh O´Brian, Lee van Cleef) und schließt sich dem Viehtreck seines Onkels John (ebenfalls John McIntire) an. Ein tragisches Ereignis macht dann alles noch viel schlimmer...


Nach Jahren der Flucht und dem Untertauchen wird er als friedlich lebender Farmer schließlich gefangengenommen und das Gericht verurteilt ihn zu 25 Jahren Haft. Nach 16 Jahren wird er begnadigt und trifft seine Frau wieder, die die Ranch in Alabama nie aufgegeben hat und inzwischen einen 16jährigen Sohn (Race Gentry) hat. Auch dieser scheint dem Vater nachzuschlagen. Er kann irre gut mit dem Colt umgehen. Aus dieser Szene - dem Wiedersehen zwischen Vater und Sohn - entsteht am Ende noch ein dramatisches Showdown. Das wahre Leben von John Wes Hardin verlief da etwas anders. Aber trotz der vielen Zugeständnisse an das Hollywood Publikum, die auch einen Rock Hudson mit Happyend sehen wollten, gelang dem erklärten Frauenliebling des 50er Jahre Kinos eine recht ansprechende Darstellerleistungö. Es gelingt ihm verschiedene Facetten der Figur deutlich zu machen, eine gelungene Mischung aus Gut und Böse, was im Hollywood Kino der frühen 50er Jahre gar nicht so oft vorkam - Hudsin zeigt zum einen den etwas leichtfertigen, träumerischen jungen Heißsporn, der in seinem Leben Action braucht - zum anderen aber auch den verantwortungslosen Gunslinger, der mit seinem labilen Verhalten seine Lieben vor harte Prüfungen stellt. Kameramann Irving Glassberg wurde von Walsh darum gebeten, eine Farbgebung in Pastell zu machen, er war kein Freund dieser brillanten Farben und bevorzugte eher zarte und leichte Farben.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Zeit zu leben und Zeit zu sterben

























Regie: Douglas Sirk

Fronturlaub...

Beide teilten während des Naziregimes ein ähnliches Schicksal: Der Regisseur Detlef Sierk musste 1937 aus Deutschland fliehen. Sierks Frau Hilde Jary war  Jüdin.
Der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque schrieb 1928 sein Hauptwerk "Im Westen nichts Neues" - ein großer Antikriegsroman, der 1930 auch als Film ein Welterfolg wurde. Seine Arbeiten wurden aber in Nazideutschland als "schändliches und unerwünschtes Schrifttum" verboten und seine Bücher 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Aufgrund der Hetze von Joseph Goebbels verließ der Schriftsteller aber bereits einen Tag nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler endgültig das deutsche Reich.
Seine Schwester, die in Dresden wohnte, wurde nach einer Denzuziaton wegen Äusserungen gegen das NS-Regime 1943 vom Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler wegen Wehrkraftzersetzungen zum Tode verurteilt und mit dem Fallbeil hingerichtet. Der Richter soll gesagt haben "Ihr Bruder ist uns leider entwischt, Sie aber werden uns nicht entwischen".
1954 schrieb Remarque, dem eine grandiose Karriere als Schriftsteller in den USA gelang, mit "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" einen weiteren Antikriegsroman. Vier Jahre später kam es dann zur Zusammenarbeit mit dem Regisseur Detlef Sierk, der sich inzwischen als Douglas Sirk einen guten Namen mit seinen melodramatischen Filmen (Wunderbare Macht, In den Wind geschrieben, Was der Himmel erlaubt) gemacht hatte. Remarque spielte auch die Rolle des Professor Pohlmann.
Thematisch ist "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" sehr stark mit "Im Westen nichts Neues" verwandt. Das Schicksal eines einfachen Soldaten ist das Thema, seine Sehnsucht nach einem Leben in Frieden - lediglich spielt "Zeit zu leben und Zeit zu Sterben" im 2. Weltkrieg. Hauptfigur ist der Soldat Ernst Gräber (John Gavin), der sich mit der Truppe unter Führung von Hauptmann Rahe (Dieter Borsche) auf dem Rückzug in Russland befindet. Das Töten ist zum Alltag geworden. Im Kampf und während der Schlachten kann man dies noch besser ausblenden, denn da heißt es "Ich oder der Feind" - aber bei einer Liquidation russischer Partisanen (u.a. Barbara Rütting) meldet sich das Gewissen umso mehr. Aber Befehl heißt Befehl und Verweigerung heißt selbst erschossen zu werden. Sein jüngerer Kamerad Hirschland (Dana J. Hutton) begeht nach dieser Tat Selbstmord. Doch endlich - im Frühjahr 1944 - erhält Gräber einen 3-wöchigen Heimaturlaub. Als er in seine Heimatstadt zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein Elternhaus eine zerbombte Ruine ist, wie viele andere Häuser der Stadt. Die Eltern gelten als vermisst. Er versucht durch den Arzt der Eltern etwas in Erfahrung zu bringen, doch dieser ist wegen "Wehrkraftzersetzung" ins KZ gekommen. Er lernt aber dessen Tochter Elisabeth (Liselotte Pulver) kennen. Beide verlieben sich ineinander. Er trifft auch seinen ehemaligen Schulkameraden Oscar Binding (Thayer David) wieder, der es zum Kreisleiter gebracht hat und dem es sehr gut geht. Immer wieder gibt es Bombenalarm. Als Ernst seinen ehemaligen Lehrer Professor Pohlmann (Erich Maria Remarque) bemerkt er, dass dieser den Juden Joseph (Charles Regnier) versteckt. Ein gefährliches Unterfangen. Bald ist aber auch Elisabeth in Gefahr. Beide wollen heiraten, aber Elisabeth bekommt eine Vorladung bei der Gestapo. Ernst verschweigt ihr zunächst diesen Brief...



Optisch zeigt sich dieses Kriegsmelodram im auserlesenen Technicolor-Style. Bei der Oscarverleihung 1959 wurde der Film für den Besten Ton nominiert. John Gabin gewann sogar den Golden Globe Award 1959 als bester Nachwuchsschauspieler. Er spielt auch seine Rolle sehr glaubwürdig. Ein Soldat, der zwar Befehle befolgt - aber dem dieses Töten dennoch zuwider ist. In einem Dialog mit seinem früheren Lehrer wird er aber von seinen Taten nicht freigesprochen, denn Pohlmann beharrt darauf, dass ein Verbrechen nicht durch einen Befehl entschuldigt werden kann. So bleiben Ernst nur diese 3 Wochen fern vom Krieg - doch er erlebt auch in der Heimat die Katastrophen, die sich durch den Krieg entwickelt haben. Nur die Liebe zu Elisabeth unterbricht den Wahnsinn. Das Ende der Geschichte weist große Ähnlichkeit zu "Im Westen nichts neues" auf. Sowohl Ernst Gräber im 2. Weltkrieg als auch Paul Bäumer im 1. Weltkrieg werden nicht heimkehren. Ein Schuß vom Feind haucht das Leben aus und die letzten Sekunde scheint eine schmerzliche Erinnerung zu sein an einen Moment vom Glück, der im Krieg aber nicht existiert.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.