Montag, 19. Juni 2017

Im Schatten des Galgens

























Regie: Nicholas Ray

Der Ziehsohn von Matt Rowe....

Regisseur Nicholas Ray drehte im Laufe seiner Karriere drei Western, von denen der 1954 inszenierte "Johnny Guitar" mit Joan Crawford und Mercedes McCambridge sicherlich der bekannteste ist. Der Nachfolgefilm hieß "Im Schatten des Galgens" (Original: Run for cover) und zeigte James Cagney als Held der Geschichte. Der dritte Western befasste sich mit dem tragischen Westernhelden Jesse James und hieß "Rächer der Enterbten". Vor allem "Im Schatten des Galgens" ist ein ausgezeichneter Genrevertreter in Technicolor und VistaVision und wie in vielen Filmen von Nicholas Ray spielt auch ein jugendlicher Rebell eine tragende Hauptrolle. Die Figur des jungen Davey Bishop wird von John Derek gespielt - bereits 1949 hatte er neben Humphrey Bogart eine ähnliche Rolle in Rays Thriller "Vor verschlossenen Türen" gespielt.
James Cagney spielt den ehemaligen Banditen Matt Dow, der lange Jahre im Knast saß und nun ein neues Leben anfangen möchte. Er versucht in irgendeiner kleinen Stadt seßhaft zu werden. Auf seinem Weg trifft er auf den jungen Cowboy Davey Bishop. Dieser hat schon früh seine Eltern verloren, wurde aber in seiner kleinen Heimatstadt als Waise mitversorgt und hat mal hier und mal dort gewohnt. Die beiden mustern sich zuerst misstrauisch, dann beschließen sie zusammen in die Stadt zu reiten. Der Junge erinnert Matt an seinen verstorbenen Sohn. Unfreiwillig werden die beiden kurze Zeit später vom Eisenbahnpersonal für Banditen gehalten, die ängstlichen Männer werfen den beiden Reitern sozusagen die Tasche mit Geld aus dem Zug vor deren Füße. Für einen kurzen Moment denkt der junge Davey daran das Geld zu behalten, doch Matt bestimmt, dass das Geld auf dem schnellsten Wege zurückgegeben werden muss. Doch schnell hat sich "der Überfall" herumgesprochen. Der Sheriff lauert den beiden Männern auf und schießt aus dem Hinterhalt. Davey wird so schwer verletzt, dass er sein Bein nie wieder 100% ig bewegen kann. Matt versucht dem Jungen Hoffnung zu geben, während dieser auf der Farm des schwedischen Einwanderers Swenson (Jean Hersholt) und ganz besonders von dessen Tochter Helga (Viveca Lindfors) sich erholt. Kurz darauf tragen die Farmer Matt den Posten als Sheriff an. Und Matt beschließt, dass Davey ihm dabei helfen soll...


Dies führt aber zu weiteren Problemen. Denn der junge Mann zweifelt an sich und hadert mit seinem Schicksal dauerhaft behindert zu sein. Dann wird auch Matt von seiner Vergangenheit eingeholt. Mit "Im Schatten des Galgens" gelang Ray ein hervorragender Genrebeitrag mit dem klassischen Thema vom Einzelgänger, der gegen Recht und Ordnung rebelliert und von einem Einzelgänger, der versucht den Weg des Guten zu gehen, aber immer wieder mit dem Bösen konfrontiert wird. Ernest Borgnine hat eine Nebenrolle, kurze Zeit später erhielt er für "Marty" den Oscar als bester Hauptdarsteller des Jahres 1955.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 17. Juni 2017

Entscheidung vor dem Morgengrauen

























Regie: Anatole Litvak

Der Verräter....

Der aus der Ukraine stammende Filmregisseur Anatole Litvak drehte im Laufe seiner Karriere in sehr vielen Ländern. Von Russland gings nach Deutschland, danach emigrierte er und war in England und Frankreich aktiv. Natürlich folgte auch eine Einladung aus Hollywood. Dort hatte er einen großen Erfolg mit dem Bette Davis Film "Hölle, wo ist dein Sieg ?". Die besten Filme gelangen ihm in der Zeit von 1948 bis 1950, er schuf innert dieser Phase Klassiker wie "Du lebst noch 105 Minuten" mit Barbra Stanwyk, "Die Schlangengrube" mit Olivia de Havilland und den aussergewöhnlichen Kriegsfilm "Entscheidung vor dem Morgengrauen" mit dem damals sehr jungen Oscar Werner, der später durch seine Rollen in Francois Truffauts Kultfilmen "Jules und Jim" und "Fahrenheit 451" und Stanley Kramers "Das Narrenschiff" weltberühmt wurde.
"Entscheidung vor dem Morgengrauen" ist ein Film, der das Milieu und die Atmosphäre jener Zeit, den letzten Kriegswochen, sehr überzeugend wiedergibt. Und interessanterweise ist der Held des Films ein deutscher Verräter. Denn der junge Karl Maurer (Oscar Werner) und ein befreundeter Kamerad werden von den Amerikanern in Frankreich gefangengenommen. Dort im Lager sucht der U-Colonel Devlin (Gary Merrill) unter den Gefangenen Überläufer, die bereit sind für den Feind zu spionieren. Das Argument ist einleuchtend: Ende 1944 ist bereits klar, dass das Deutsche Reich den Krieg verlieren wird. Warum also noch länger hinauszögern, was Hunderttausenden von Menschen noch das Leben kosten könnte. Als Karls Freund sich im Lager gegen den Führer positioniert, wird er von einem geheimen Femegericht von Nazis aus dem Fenster gestoßen. Dieses Ereignis schließlich bewegt den jungen Karl dazu seine Hilfe den Amis anzubieten. Er wird von der französischen Agentin Monique (Dominique Blanchar) in Soionagetechniken unterrichtet. Die Frau, die die Deutschen hasst, empfindet aber zunehmend Zuneigung zu Karl. Dieser bekommt den Tarnnamen "Happy" und soll herausfinden, wo sich die 11. Panzer Division aufhält. Der General wäre zu einer Kapitulation bereit. Für diese Mission braucht es drei Männer, die über Süddeutschland mit dem Fallschirm abspringen sollen. Lieutenant Rennick (Richard Basehart) und ein weiterer deutscher Spion, der "Tiger" genannt wird (Hans Christian Blech) springen über dem Gebiet Mannheim ab, "Happy" in der Nähe von München. Mit gefälschten Dokumenten macht er sich auf den Weg. Zahlreiche Bus- und Zugfahrten und Aufenthalte in Gasthäusern und Tavernen liefern ein intensives Bild vom Chaos der letzten Kriegstage. Happy lernt Menschen mit unterschiedlichen Haltungen gegenüber dem Krieg kennen. Sehr undurchsichtig ist der Waffen-SS-Kurier Scholtz (Wilfred Seyferth), der ihn ein Stück mitnimmt, dann aber misstrauisch wird und versucht mit der Hilfe der jungen Kriegswitwe Hilde (Hildegard Knef) seinen jungen Reisebegleiter auszuspionieren. Dieser kommt jedoch durch einen Befehl des Oberst von Ecker (O. E. Hasse) seinem Ziel den Standort der Division zu erfahren, sehr nahe...



Ganz dramatisch wird es dann im zerbomten Mannheim, in den Ruinen der Stadt müssen sie fliehen. Eine eindrückliche Szene mit den kleinen Nachwuchsdarsteller Adi Lödel bleibt im Gedächtnis. Ebenso die Flucht im Kugelhagel im Hafengebiet der Stadt. Nur durch Happys Opfer gelingt es Lieutenant Rennick ans rettende Ufer zu gelangen. Das Bild über Deutsche hat sich aber gewandelt. Auch wenn Rennicks Kamerad Griffin (George Tyne) am Ende die Aussage macht, dass es doch nur ein weiterer Deutscher war, der jetzt tot ist. Auch die Szene mit O.E. Hasse ist sehr wirkungsvoll und man bemerkt auch die allgegenwärtige Angst der Menschen in dieser Zeit, als das dritte Reich untergeht. Man sieht das allgemeine Chaos dieseer letzten Tage. Der Film lässt sich am Anfang viel zeit für seine Geschcihte, wird dann aber zunehmend spannender. Auch die teilweise dokumentarisch anmutenden Bilder von Kameramann Franz Planer (Liebelei, Brief einer Unbekannten, Gewagtes Alibi, Die Caine war ihr Schicksal, Weites Land, Frühstück bei Tiffany) sind äusserst beeindruckend.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Die Schatten werden länger

























Regie: Ladislao Vajda

Das Geheimnis der Erzieherin....

Filmjahr 1961....in Deutschland waren Edgar Wallace Verfilmungen wie  "Das Geheimnis der gelben Narzissen",  "Die toten Augen von London", "Der Fälscher von London", "Der grüne Bogenschütze" oder "Die seltsame Gräfin" riesige Kassenerfolge. Optisch erinnert auch Ladislao Vajdas kolportagehafter Krimi "Die Schatten werden länger" mit seinem stimmungsvollen Schwarz-weiß Aufnahmen an diese Kino-Dekade.
Der in Budapest geborene Regisseur drehte in Spanien, in Italien und vier Filme realisierte er auch in der Bundesrepublik. Dabei wurde "Es geschah am hellichten Tag" nach Friedrich Dürrenmatt sein größter Erfolg und auch sein bester Film. Unvergessen bleibt Gerd Fröbe als Kindermörder, der von Heinz Rühmann am Ende gefasst wird. "Die Schatten werden länger" setzt auf ähnliche Bilder - in beiden Filmen war Heinrich Gärtner der Kameramann. Weite Teile des Films spielen ebenso in der ländlichen Schweiz und das Drehbuch von Istvan Bekeffy und Heinz Pauck wurde inspriert durch diverse Akten der Zürcher Sittenpolizei. Natürlich muss man sich zuerst einmal die Moral Anfang der 60er Jahre vergegenwärtigen, denn die war viel strenger und nicht so frei wie wir heute leben.
"Die Schatten werden länger" spielt in einem Heim für vernachlässigte und gestrauchelte Mädchen. Es ist eine Zeit mit markanten Moralvorstellungen und Rollenerwartungen. Dieses Heim wird geführt von der gütigen Frau Diethelm (Luise Ullrich), die ihren Zöglingen ein möglichst konservatives Weltbild zu vermitteln hat, so gibt sie Unterweisung in Säuglingspflege, Religion, Poesie oder Handarbeit - alles Werkzeuge für die spätere perfekte Hausfrau und Mutter. Dabei kommen die Mädchen aus ganz unterschiedlichen Gründen in dieses Heim. Ein hat einen Ladendiebstahl begangen, die andere hat für ihren Freund auf dem Strich angeschafft. Die neue Erzieherin Christa Andres (Barbara Rütting) geht ihre Aufgabe sehr engagiert und empathisch an. Doch sie verschweigt den dunklen Punkt in ihrem Leben. Sie selbst kam durch ihren Freund und Zuhälter Max (Hansjörg Felmy) vom rechten Weg ab und verbüßte eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Mit dieser Vergangenheit wäre der Weg in diese soziale Berufssparte verbaut, aber Christa hat einige Jahre ihres Lebens im Lebenslauf ausgelassen und hofft darauf, dass diese Zeiten nicht zur Sprache kommen. Sie gibt an, dass sie krank war. Die Mädchen (Helga Sommerfeld, Heidi Pawellek, Renja Gill oder Erika Wolf) beobachten natürlich die attraktive Erzieherin. Ihr besonderes Sorgenkind ist die Neue...die fast erwachsene Erika (Loni von Friedl), die sie stark an ihre eigene Jugend erinnert. Immer wieder kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Frauen. Eines Tages flüchtet Erika nach Zürich. Christa sucht sie im Rotlichtmilieu und wird auch fündig. Sie befreit das Mädchen aus dem Fängen ihres undurchsichtigen Freundes Fritz Schmoll (Michael Paryla), was Erika überhaupt nicht gefällt. Doch sie wird im Lokal von ihrem früheren Lover beobachtet, der wieder Kontakt mit ihr aufnimmt. Die Vergangenheit hat Christa von einem Tag auf den anderen wieder eingeholt....


Der Film von Ladislao Vajda endet für eine Figur sehr hoffnungslos, es bietet aber einer zweiten Figur einen Neuanfang. Barbara Rütting ist die attraktive und selbstsicher wirkende Frau, die ihre dunkle Vergangenheit nicht auslöschen konnte und sich am Ende nicht für einen normalen Weg entscheiden kann -  etwa die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen. Sie entscheidet sich für einen Weg, den sie wohl so gehen muss - am Ende zeigt sie ohne Worte gleichzeitig Entschuldigung, Zuneigung und Abschied für das Mädchen, dass einen ähnlichen Lebensweg einschlagen wollte. Auch Loni von Friedl, die Exfrau von Götz George, liefert eine eindrucksvolle Darstellung. Manche Szenen wirken zwar aus heutiger Sicht etwas übertrieben. Zum Beispiel die entfesselte Zerstörungswut der Mädchen im Garten. Aber andere Szenen sind auch heute noch sehr eindrücklich. Etwa die Hingabe der Erzieherin das Mädchen vor dem gleichen Schicksal zu bewahren. Sie hofft, dass sie das Rüstzeug, das sie aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung mitbring, den Rückfall verhindert. In Ansätzen erinnert "Die Schatten werden länger" an den Klassiker "Mädchen in Uniform", der zweimal verfilmt wurde. 1931 mit Hertha Thiele und Dorothea Wieck und 1958 mit Romy Schneider und Lili Palmer. Allerdings ist das Heim, das von Luise Ullrich geführt wird sicherlich nicht diese restriktive Festung. Es gibt dort keine verschlossene Türe und keine Gitter an den Fenstern. "Die Schatten werden länger" wirkt natürlich aus heutigr Sicht - bedingt durch den Moralkodex der frühen 60er - etwas angestaubt, aber er funktioniert sicherlich auch als ein Dokument seiner Zeit, selbst wenn seine Geschichte wie eine knallige Kolportage wirkt. Aber auch dies war ein Merkmal des deutschen Kinofilms jener Jahre - so erinnert "Die Schatten werden länger" auch an andere Klassiker dieser Zeit wie "Am Tag, als der Regen kam" von Gerd Oswald oder "Die Frühreifen" von Josef von Baky.


Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Dienstag, 13. Juni 2017

Die kleinen Füchse




















Regie: William Wyler

Gier...

Endlich - das ist die DVD Veröffentlichung, auf die ich am sehnlichsten gewartet habe. "Die kleinen Füchse" von William Wyler aus dem Jahr 1941, produziert von Samuel Goldwyn und insgesamt 9 Oscar-Nominierungen des Jahres 1942 bedacht. Dennoch konnte kein einziger Sieg eingefahren werden. Nicht einmal die großartige Bette Davis als Southern Belle Regina Giddens wurde belohnt - stattdessen gewann Joan Fontaine in Hitchcocks "Verdacht". Wohl deshalb, weil sie ein Jahr vorher für ihre viel bessere Leistung in "Rebecca" nicht den Sieg holte. Der Film entstand nach dem bekannten Theaterstück von Lilian Hellmann aus dem Jahr 1939 - schon am Broadway hatte die Geschichte einen Riesenerfolg und im Theater wurde die böse Regina von Talluah Bankhead gespielt. Die sollte auch die Filmrolle bekommen, doch William Wyler setzte Bette Davis durch, mit der er bereits zwei klasse Filme vorher gedreht hatte: "Jezebel", das Südstaatendrama aus dem Jahr 1938 (damit gewann die Davis den Oscar) und den genialen "Das Geheimnis von Malampur". Dort spielte Bette Davis die Gattenmörderin Leslie Crosbie, die sich immer mehr in ein Lügengewebe verstrickt.
Bei diesen Aufzählungen wird auch sichtbar was für starke Filme William Wyler in dieser Schaffensperiode von 1937 bis 1949  gemacht hat. Es schwierig zu Besten zu küren, bei soviel gleichwertigen genialen Arbeiten wie "Sackgasse", "Das Geheimnis von Malampur", "Stürmische Höhen", "Die besten Jahre unseres Lebens", "Die Erbin" oder eben "Die kleinen Füchse".
Der Titel des Films verweist auf die Bibel Hohelied 2,15 "Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die uns die Weinberge verderben, denn unsere Weinberge sind in der Blüte".
Mit den kleinen Füchsen sind die gierigen Geschäftemacher gemeint - in einer Blütezeit für alle haben sie das Potential mit ihrer Gier und ihrem grenzenlosen Egoismus den ganzen Weinberg zu verwüsten. Und dies könnte in der kleinen Stadt in Alambama zur Zeit um 1900 passieren.  Die Aristokratin Regina Hubbard (Bette Davis) kämpft für Reichtum und Freiheit innerhalb der engen Grenzen einer von Männern geprägten Gesellschaft. Der Vater hat nur die beiden Söhne Ben (Charles Dingle) und Oscar (Carl Benton Reid) als gesetzliche Erben bedacht und die beiden sind erfolgreiche Fabrikanten geworden. Auch Regina konnte mit dem inzwischen schwer herzkranken Horace Giddens (Herbert Marshall) einen sehr reichen Mann heiraten, dessen Geld ihr und der etwas naiven und wenig selbständigen Tochter Alexandra (Teresa Wright) ein sorgenlosen mit viel Luxus ermöglicht. Doch sie will mehr und ihre beiden Brüder auch - denn eine Fusion mit einem noch größeren Unternehmen könnte alle zu Millionären machen. So tun sich Oscar und Ben zusammen, um eine Baumwollmühle zu bauen. Der Vertrag mit dem Industriellen kommt aber nur zustande, wenn die Familie 225.000 Dollar in das neue Unternehmen investiert. Oscar und Ben haben ihre Einlage schon zugesichert, der dritte im Bunde soll Horace werden. Der lebt aber schon längere Zeit von der Frau getrennt in einem Krankenhaus in Baltimore und versucht dort seine Krankheit in den Griff zu bekommen. Im Grunde liegt Regina nicht viel am Ehemann, doch die Aussicht auf den Reichtum veranlasst sie ihren Mann zur Heimkehr zu bewegen. Dies gelingt dadurch, dass sie Alexandra alleine zum Vater schickt. Der Plan funktioniert und tatsächlich kehrt Horace heim. Doch er ist nicht besonders daran interessiert weiteren Reichtum für seine missratene Familie zu scheffeln, denn er findet wenig Veränderung vor: Oscar kränkt seine naive Frau Birdie (Patricia Collinge) bei jeder Gelegenheit und hat sie auch nur geheiratet, weil ihrem Vater die große Baumwollplantage gehörte. Deren gemeinsamer Sohn Leo (Dan Duryea) ist ein Taugenichts und Ben hat nur wenige Skrupel, weil jeder weiß, dass die sich anbahnende neue Geschäftsbeziehung zu Lasten des kleinen Arbeiters geht - der wird irgendwann für immer weniger Geld in dem riesigen Betrieb arbeiten wollen. Immerhin schlägt Alexandra nach ihrem Vater, doch die soll mit Leo verheiratet werden. So ein geheimer Plan von Oscar und Ben - aber das Mädchen hat bereits Gefallen an David Hewilitt (Richard Carlson), dem örtlichen Zeitungsmann gefunden.
Das Weigern von Horace mitzumachen, setzt aber bei den einzelnen Familienmitgliedern ganz ganz böse und teuflische Kräfte frei...




Natürlich liegt der Schwerpunkt des Stückes auf der Figur der Regina Hubbard Giddens - damit glänzte Bette Davis und schuf eine der stärksten Frauenrollen des Films aller Zeiten. Unvergessen ihre Gefühlskälte und ihr sicheres Gespür dafür aus jeder Situation den größtmöglichen Gewinn rauszuschlagen. Etwas was im Blut dieser Fabrikantenfamilie mit aristokratischer Nähe liegt. Es wird nur über Geld gesprochen und am Ende kann man sogar die viel teuflischere Vorgängerin einer Alexis Colby aus dem Denver Clan sogar bemitleiden, denn sie steht zwar als Siegerin fest, aber dieser Sieg hat auch ihren Preis und sie steht allein da. Interessanterweise ist das bitter-sarkastische Familiendrama keine Spur gealtert und wenn man den Film heute anschaut, dann wirkt er frisch und modern wie zu seiner Entstehungszeit. Geschliffene Dialoge und große Schauspielkunst machen dies möglich. Der Stoff ist sogar hochaktuell in einer sehr kommerziellen Zeit, wo es vielen Menschen nur noch um den eigenen Profit geht und es gestattet ist den Anderen finanziell über den Tisch zu ziehen. Und dies gelang William Wyler, obwohl "Die Kleinen Füchse" ja ursprünglich ein Theaterstück war. Die Filmversion wurde aber zum großen Klassiker und für mich zu einem der ganz großen Movies der 40er Jahre.





Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Sonntag, 11. Juni 2017

Die Plünderer

Regie: Joseph Pevney

Vier gefährliche Halbstarke...

Auf die DVD Veröffentlichung dieses exzellenten B-Western habe ich lange gewartet. Vor vielen, vielen Jahren lief "Die Plünderer" von Joseph Pevney bei der ARD an einem Samstag im Spätprogramm. Seither war ich begeistert von diesem Western mit dem leider viel zu früh verstorbenen Jeff Chandler, der durch die Rolle des Cochise in "Der gebrochene Pfeil" weltbekannt wurde. Chandler überzeugte auch in einem dritten Western, dem von Jack Arnold inszenierten und völlig unterschätze "Des Teufels Lohn" mit Orson Welles als Gegenspieler.
"Die Plünderer" entstand 1960 und wurde von Routinier Joseph Pevney inszeniert - der Filmemacher hat danach fast ausschließlich für das amerikanische Fernsehen gearbeitet und seine vorherige Filmographie ist auch nicht sehr üppig. Er drehte den Horrorfilm "Hinter den Mauern das Grauens", dann folgten "Das Haus am Strand", "Tammy" und "Torpedo los" - doch "Die Plünderer" dürfte schon sein Meisterwerk sein.
Pevneys Halbstarkenwestern glänzt mit sehr vielen guten Schauspielerleistungen. Ray Stricklyn, der den Halbstarkenanführer Jeb Lucas Tyler spielte wurde sogar als bester Nebendarsteller für einen Golden Globe nominiert. Den Durchbruch schaffte der Darsteller leider nie - es gab zwei Mankos: Er hatte es damals als geouteter Schwuler nicht leicht im Filmgeschäft und darüberhinaus wirkte er immer wesentlich jünger als er war. Dies ermöglichte ihm nur eine begrenztere Rollenauswahl.
Das Intro von "Die Plünderer" erinnert ein bisschen an Zinnemanns High Noon Anfangssequenz - einige Reiter beschließen in die verschlafene Stadt zu reiten. Doch die vier jungen Cowboys haben kein festes Ziel wie Frank Millers Gehilfen. Man erfährt, dass sie ziellos umherreiten. Man hat den Youngsters in Dodge City wohl übel mitgespielt und um den Lohn von 6 Monaten gebracht. Ziemlich frustriert kommen Jeb (Ray Stricklyn), Mule (Roger Torrey), Rondo (John Saxon) und Davy (Dee Pollock) nach Trail City. Dort im Saloon bestellen sie beim Besitzer Mike Baron (James Westerfield) eine Flasche Whisky. Aber sie geben an kein Geld zu haben und man solle vorsorglich den Sheriff (Jay C. Flippen) holen. Dieser gibt sich alle Mühe der Zechbrellerei mit weiterem Konfliktpotential zu nähren. Der Vorschlag nach dem Kneipenbesuch eine Nacht in einer Zelle zu verbringen und am anderen Morgen aus der Stadt zu verschwinden wird von den vier Jungs sogar dankend aufgenommen. Doch am anderen Morgen sieht die Welt ganz anders aus. Die Youngsters haben bemerkt, dass die Bewohner konfliktscheu sind und so loten sie deren Nachgibigkeit weiter aus. Immerhin bräuchten sie frische Kleidung und dies holen sie bei dem Händler Walters (Vaughn Taylor), der eine äusserst schöne Tochter namens Ellie (Dolores Hart) hat. Genau wie am Abend vorher in der Kneipe wird auch der versehrte Bürgerkriegsveteran Sam Christy (Jeff Chandler) Zeuge eines dreisten Diebstahls. Die Cowboys gehen ohne zu bezahlen und mieten ein Hotelzimmer bei der Witwe Kate Miller (Marsha Hunt). Nun wollen die Bürger, dass irgendjemand die Rüpel aus der Stadt jagt, doch der Sheriff scheint zu alt und der Rest der Bewohner hat Angst. Man setzt auf den einarmigen Christy, doch der meint, dass dies nicht sein Problem sei. Als die vier kurze Zeit später wieder im Saloon einkehren und vier saftige Steaks bestellen, platzt dem Saloonbesitzer der Kragen. Aber nun eskaliert auch der Konflikt zwischen den Plünderern und den Bewohnern...



Pevneys Film ist extrem vielschichtig und bietet mit den Youngsters vier ganz unterschiedliche Charaktere. Einer ist der Aggressor, der andere ein Mitläufer, der gerne seine Fäuste schwingt, ein weiterer ist sehr undurchsichtig und den Jüngsten plagen bald Gewissensbisse. Auch die Figur des Ex-Majors ist ambivalent - er kämpft mit seinem körperlichen Handicap und will seine 'Angst nicht zeigen. Stattdessen geht er lieber zuerst dem drohnenden Kampf konsequent aus dem Weg. Beide Frauenfiguren sind unterschiedlich und am Ende präsentiert Pevney sogar noch einen Bürgermob, die ständig zwischen Angst und Lynchlust schwankt.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Dienstag, 6. Juni 2017

Die rote Schlinge

























Regie:  Don Siegel

Auf den Straßen von Mexiko...

Mit Don Siegels "Die rote Schlinge" lernt man einen eher heiteren und sehr lockeren Vertreter des Film Noir kennen. Dabei erweisen sich die beiden Hauptdarsteller Robert Mitchum und Jane Greer, die bereits im großartigen Klassiker "Goldenes Gift" zusammen spielten, als klasse Gespann und agieren phasenweise in witziger Screwball-Manier. Aber vorher müssen sie sich zuerst einmal kennenlernen und dies geschieht kurz und bündig bei der Ankunft eines Schiffes in Vera Cruz. Da hat es dieser undurchsichtige Duke Halliday (Robert Mitchum) sichtlich eilig und schubst einige Einheimische aus dem Weg. Dieses rüde und überhebliche Verhalten missfällt der attraktiven Joan Graham (Jane Greer) und sie sieht sich genötigt dem Rüpel ihre Meinung zu sagen. Am Ende halten die beiden einen Käfig mit Papagei in der Hand und jeder will das Geschenk so schnell wie möglich wieder loswerden. Das gelingt auch...aber Mann und Frau bleiben zwangsläufig in Kontakt. Denn dieser Halliday taucht wenig später wieder im Hotelzimmer von Joan Grahams Freund Jim Fiske (Patric Knowles) wieder auf, stellt sich als Captain Vincent Blake vor und will 300.000 Dolllar. Doch Fiske hat sich Minuten vorher mit dem gestohlenen Geld aus dem Staub gemacht und sein Mädchen sitzen lassen - ihr schuldet er auch noch 2.000 Dollar, die sie ihm geliehen hat.
Während beide die Verfolgung von Fiske ins Landesinnere von Mexiko aufnehmen, hat sich der echte Captain Vincent Blake (William Bendix) von den Schlägen seines Konkurrenten Halliday erholt. Beide lieferten sich in der ersten Szene des Films an Bord des Schiffes einen Schlagabtausch. Durch die harte Faust von Halliday zu Boden. Dieser glaubt, dass Halliday der Räuber der 300.000 Dollar Lohngelder ist und setzt nun ebenfalls die Verfolgung des Verdächtigen fort. Und dann gibt es noch den interessanten mexikanischen Polizeichef General Ortega (Ramon Novarro), der die Wege aller Verfolgten und Verfolger kreuzt und der seinem Untergebenen die Geschichte von der Katze erzählt, die die Maus laufenlässt, denn sie würde ja zu vielen kleinen Mäusen führen...

 

Extrem temporeich gestaltet sich die Geschichte und führt auch den Zuschauer auf die Landstraßen von Mexiko, wo sich die Protagonisten immer wieder begegnen sollen. Das Ende der Geschichte spielt aber abseits der Straßen in einem verdunkelten Raum - erst dort lassen die Figuren ihre Masken fallen und hier kommt es auch zum Showdown.
Für Don Siegel, der im Laufe seiner langen Regiekarriere viele Klassiker wie "Die Dämonischen", "Terror in Block 11", "Dirty Harry", "Coogans großer Bluff" oder "Tod eines Killers" drehte, war der leichtfüßige Film Noir "Die rote Schlinge" einer seiner ersten Erfolge. Dies gelang ihm durch die furiose Inszenierung, durch ein gut aufgelegtes Filmpaar, bei dem die Chemie stimmt und wo man bald weiß, dass sie etwas füreinander empfinden und natürlich durch die ausgelassene Roadmovie-Atmosphäre im Speedy Gonzales Tempo.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.