Montag, 2. März 2020

Die Ferien des Monsieur Hulot

























Regie: Jacques Tati

Ein ungeschickter Zeitgenosse...

Der zweite Film von Jacques Tati heißt "Les Vacances de Monsieur Hulot" (Deutscher Titel: Die Ferien des Monsieur Hulot) und entstand 1953 in Schwarz-Weiß. Ursprünglich wollte Tati in Farbe drehen, kam aber von dieser Idee wieder ab. Die Drehbarbeiten fanden fast ausschließlich in dem winzigen Westküstendorf Saint-Marc-sur-Mer in der Region Loire Atlantique statt. Es soll sogar heute noch dieses "Hotel de la Plage" geben, in dem unser Monsieur Hulot in den frühen 50ern eincheckte und seinen extrem amüsanten und liebenswerten Film drehte. Sehr oft wird Tati mit Charles Chaplin verglichen, auch in diesem Film lassen sich zahlreiche Beweise dafür finden. Der Film bekam damals großes Lob und es brachte dem französischen Filmemacher sogar eine Oscarnominierung für das beste Originaldrehbuch ein.
Wie so oft in Tatis Film ist der Dialog nebensächlich. Seine Filme funktionieren beinahe wie Stummfilme. Die Gäste, die sich in diesem bretonischen Badeort versammelt haben, kommen aus allen Herren Ländern. Es sind Amerikaner, Schweizer, Deutsche und Franzosen. Die Hauptfigur Hulot spricht nur ein Wort, indem er an der Rezeption seinen Namen nuschelt und dann immer deutlicher dieses "Hulot" wiederholt.
Bereits bei seiner Ankunft steht alles auf Konflikt, obwohl Hulot eingentlich ein ganz unscheinbarer, fast biederer Kleinbürger ist. Sein uraltes Auto, mit der an dem Badeort ankommt, verursacht Stau und starken Lärm und auch sein Eintritt in das gemütliche kleine Hotel am Strand hat es in sich. Hulot hat viel Gepäck dabei, lässt die Türe mehr als einmal offen - der Wind, der dann in die gute Stube bläst, sorgt an allen Tischen für Ärger und Verdruss. Die Sachen werden einfach weggeweht. Und der unbedarfte Hulot merkt erst gar nicht, was er bei seinem Entree bereits angerichtet hat. Hulot bemüht sich um eine hübsche blonde Frau (Nathalie Pascaud) und ist an sich ein geselliger Mensch. Doch er bleibt linkisch und entzündet durch seine Handlungen immer wieder Verwirrungen, Missverständnisse und sogar kleinere katastrophen. Doch so sehr er nervt - ein Mann wie Hulot hat auch seine Fans. Dazu zählt eine spleenige Engländerin (Valentine Camax), ein betagter Schweizer (Rene Lacour), der von seiner Frau beherrscht wird und der kleine Junge eines deutschen Ehepaars, der in Hulot nach seinen schrägsten Aufschlägen beim Tennis als ultimativen Helden wahrnimmt.



Die Gags sind immer liebenswert und es sind Situationen, die das Leben schreibt. Tati ist ein Meister der Beobachtung und des Alltags und zeigt Szenen, die uns bekannt vorkommen mit einem Schmunzeln oder einem Lächeln. So hören wir das Sprachgebabbel an einem Bahnhof und dazu die Reisenden, die sich durch das Genuschel immer wieder irritieren lassen und von Gleis zu Gleis irren, weil sie mal wieder was nicht verstanden haben. Die einzelnen Situationen werden weiter aufgebaut, weil der Regisseur die Gags mit einer intelligenten Verknüpfung versehen hat. So tappt Hulot von einem Fettnäpfchen ins Nächste. Der Filmkritiker SimonO´Hagan meinte "Die Hauptfigur ist eine unvergessliche Mischung aus Verblüffung über die moderne Welt, Liebenswürdigkeit und genau dem richtigen Maß an Exzentrik.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Törichte Frauen - Närrische Weiber

























Regie: Erich von Stroheim

Hochstapler in Monte Carlo...

Erich von Stroheim ist einer der großen Filmpioniere. Er wurde am 22. September 1885 in Wien geboren und starb am 12. Mai 1957 in Maurepas beim Paris. Als Schauspieler war er durch sein markantes Aussehen oft in der Rolle von arroganten Schurken oder Skrupellosen Bösewichtern zu sehen. Bereits im Jahr 1909 wanderte er nach Amerika aus. 1914 bekam er seine erste Filmrolle und war auch als Statist und Stuntman in David Wark Griffith Film "Die Geburt einer Nation" zu sehen, in dem er mit einem waghalsigen Stunt aus (Sprung vom Dach eines Hause) seine Rippen brach. Von Stroheim hatte ein großes Faible für die Aristokratie und das Militär und er pflegte in der Traumfabrik das Gerücht, dass er aus einem Adelsgeschlecht entstammt und der Sohn eines Grafen und einer deutschen Baroness sei. Dieses Gerücht und auch seine gesamte Erscheinung bescherten ihm immer wieder auch Rollen als Adliger oder Militärangehöriger. Der 1. Weltkrieg machte es dann auch möglich, dass er durch den erhöhten Bedarf an Rollen bösartiger deutscher Soldaten nicht mehr arbeitslos wurde. Hollywood pflegte mit ihm gemeinsam auch sein Image vom bösen Hunnen, den man hasst. 1918 bekam er auch seine Chance als Filmregisseur. Seine Auseinandersetzung mit der Filmindustrie, bei der die Besessenheit eines monomanen Künstlers mit dem Kalkül der Geschäftsleute zusammenbrallete, die einen Film möglichst gewinnbringend produzieren wollten, gehört auch zu den tragischen Kapiteln der Filmgeschichte. Immer wieder griffen die Produzenten in seine Arbeiten ein, manchmal wurde er noch während der Dreharbeiten abgelöst und seine überlangen, oft monströsen Filme wurden extrem geschnitten. Stroheims Filme sind giftige Attacken gegen die Gesellschaft. Oft stehen Frauen im Mittelpunkt seiner Filme - so auch in seinem 1921/1922 gedrehten monumentalen Drama "Foolish Wives", der in Deutschland unter "Närrische Frauen" bekannt wurde.
Der Film hatte eine extreme Länge von mehreren Stunden und der Regisseur brachte es nicht übers Herz seinen Film zu kürzen. Dies taten dann die Produzenten. Diese gekürzte Fassung lief aber erfolgreich in den kinos und "Foolish Wives" wurde 1972 gründlich restauriert. Stroheim selbst in der Hauptrolle zu sehen - erspielt den Antihelden Graf Sergius Karazim, der mit seinen beiden Cousinen Hoheit Olga Petchnichoff (Maude George) und Fürstin Vera Petchnichoff (Mae Busch) in Monte Carlo in Saus und Braus lebt. Ihr Dominzil ist die Villa "Amorosa". Die drei sind in Wirklichkeit Hochstapler, die ihren opulenten Lebensstil mit dem Waschen von Falscheld im hauseigenen Casino pflegen können. Karasmin, der russische Emigrant, liest die Nachricht, dass ein bekannter amerikanischer Wirtschaftsboss (Rudolf Cristians, später Robert Edeson) nach Monaco kommt und seine Frau Helen (Miss Dupont) dabei hat. Ein willkommenes Opfer für den skrupellosen Karasim, der sich bei seinen Cousinen damit brüstet, dass er die verheiratete Frau sehr schnell verführen kann. Karasim hat aber auch ein Verhälntis mit der Haushälterin Maruschka (Dale Fuller). Auch auf die schwachsinnige Tochter (Malvine Polo) des Fälschers (Cesare Gravina) hat er ein Auge geworfen. Der Mann ist unersättlich, hat aber großen Charme, wenn es darauf ankommet und tatsächlich ist es ein Leichtes für ihn die Frau des Amerikaners auf sich aufmerksam zu machen. Er macht sich unentbehrlich und als ein Sturm über Monte Carlo hereinbricht, während er mit Helen spazieren geht, sieht er die Chance für sein Sexabenteuer gekommen...




Ein Film, über einen skrupellosen Gegner der bürgerlichen Welt, die aber bei von Stroheim auch nicht besonders gut wegkommt. Prunkvolle Fassaden von einem exklusiven Lebensstil, der in Monte Carlo gepflegt wird, stehen im krassen Gegensatz zu manchen Menschen, die sich dort aufhalten - Soldaten, die verstümmelt sind und eine ganz andere Wirklichkeit aufzeichnen, als die Illusion, die sich in den Spielhallen abspielt. Das zügellose Treiben endet auch logischerweise in einem Kanalisationsdeckel.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Die Millionen eines Gehetzten

























Regie: Jean-Pierre Melville

Der Bankier und sein Sekretär...

"Die Millionen eines Gehetzten" (Originaltitel: L'Aîné des Ferchaux) entstand 1963 und ist Jean-Pierre Melvilles erster Kinofilm in Farbe. In Frankreich lockte die elegische Desperado Story ca. 1,5 Millionen Zuschauer ins Kino und Hauptdarsteller Jean-Paul Belmondo durfte damit auch beweisen, dass er nicht nur ein guter Schauspieler ist, sondern auch als Boxer eine gute Figur macht. Er spielt diesen Michel Maudet, der als Boxprofi durchstarten will, aber den entscheidenden Kampf am Anfang des Films verpatzt. Sein Trainer Andreii (Andrex) gibt ihm nach dem Kampf wenig Hoffnung, dass er das Zeug zu einer Karriere hat. Mit seiner Freundin Lina (Malvina Silberberg) nimmt er zuerst mal ein Hotelzimmer, das er wahrscheinlich nicht bezahlen kann. Der Mann muss von ganz vorne anfangen. In den Stellenanzeigen fällt ihm eine Annonce auf "Privatsekretär" gesucht. Dort bewirbt er sich und lernt so den gewieften Bankier Dieudonne Ferchaux (Charles Vanel) kennen. Dessen kriminelle Geschäftsgebahren werden momentan von der Polizei ermittelt und es ist nur eine Frage der Zeit, dass er und sein jüngerer Bruder Emile (Andre Certes) verhaftet werden könnten und somit auch das gesamte Vermögen der Brüder beschlagnahmt würde. Emile ist verheiratet und hat daher viel mehr zu verlieren als sein älterer, unabhängiger Bruder Dieudonne. Der will auf alle Fälle sein Millionenvermögen in New York und Venezuela vor dem Zugriff der Behörden in Sicherheit bringen. Dazu braucht er eben einen starken jungen Mann, der für ihn arbeitet und er scheint in diesem Michel Maudet den Richtigen gefunden zu haben. Er muss aber sofort abreisefähig sein - Michel verlässt heimlich die Freundin und wenig später sitzt er im Flugzeug mit dem alten Bankier, der die Menschen in Schafe, Leoparden und Schakale einteilt. In New York gibts auch gleich Schwierigkeiten, da die Franzosen bemüht sind einen Auslieferungsantrag zu bekommen und die Bank rückt das Geld nicht sofort raus. Plan B muss daher greifen - Fercheaux hat natürlich bei einer anderen Bank einen Safe, den er sofort leerräumt. Die dritte Geldquelle soll in Venezuela sein, aber die will er nur im höchsten Notfall antasten. Mit dem Wagen fahren die beiden Männer in den Süden - das FBI ist ihnen auf den Fersen, eine Anhalterin (Stefania Sandrelli) wird mitgenommen, die sich als raffiniertes Biest entpuppt. Auf den Nebenstraßen von Louisiana machen sie halt und mieten ein abgelegenes Haus in der Nähe von New Orleans. Der Alte wird durch die extreme Hitze zunehmend krank, sein Frust tut das Übrige, während sich Michel mit der hübschen Tänzerin Lou (Michelle Mercier) vergnügt. Es spricht sich auch in Jeffs Bar herum, dass der Alte viel Geld bei sich haben muss. Während sich die beiden Männer immer mehr entzweien, ergreift der Barbesitzer Jeff (Todd Martin) und ein Komplize (E.F. Medard) die Gelegenheit den Bankier zu überfallen...



Der Film entstand nach einem Roman von Georges Simenon - allerdings ist die Geschichte weniger Thriller, eher einer seiner psychologischen Romane. Die Charaktere der beiden Figuren spiegeln sich labyrinthisch ineinander bis zum Schluß in den Sümpfen von Louisiana. Der Film wurde ruhig inszeniert und lebt auch von den Bilder von Kamerachef Henri Decae. Die Musik von Georges Delerue passt perfekt und unterstreicht die faszinierende Zweierbeziehung zweier ähnlicher Männer perfekt. Charles Vanel ist wie immer großartig und auch Jean Paul Belmondo beweist hier eindrücklich, dass er in seinen jungen Jahren sich als ernsthafter Schauspieler viel mehr beweisen durfte, als in seinen späteren Jahren als beliebter Action Kinoheld.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Orphee

Regie: Jean Cocteau

Im Reich der Toten...

Der bekannte Schriftsteller und Maler Jean Cocteau drehte 1930 mit "Das Blut des Dichters" seinen ersten Spielfilm. Dabei suchte er auch beim Film neue Wege und hatte es beim Publikum anfangs nicht gerade einfach. Dennoch sind einige seiner Filme große Klassiker geworden, vor allem der 1946 entstandene Märchenfilm "Es war einmal" und der vier Jahre später entstandene "Orphee", der auf der antiken Sage von Orpheus und Eurydike basiert, diese aber sehr eigenwillig und modern interpretiert.
Der Regisseur spielt in diesem Film auf eine faszinierende Weise mit Mythen und Bildern. Kameramann war Nicolas Hayer, der mit seiner Arbeit in Clouzots "Der Rabe" bereits eine Weltklasse-Vorstellung gab. "Orphee" gilt als Hayners zweites Hauptwerk, indem er Coucteaus inszenatorischen Einfällen einen optischen Rahmen durch seine sehr eigenwillige Bildgestaltung gab. So wurde eine Welt der Halbschatten, der Rätsel geschaffen - in dem die Spiegel zur Tür ins Jenseits führen.
Die Geschichte spielt jedoch nicht in der Antike, sondern im zeitgenössischen Paris und zeigt Impressionen aus dem vor allem von den Künstlern besuchten "Cafe des Poetes". Orphee (Jean Marais) hält sich dort gerne auf, obwohl man dort nicht sehr gut auf ihn zu sprechen ist. Vielleicht gerade deshalb, weil er als Künstler ein breites Publikum gefunden hat und nun sehr populär ist. Ebenfalls vor Ort ist der neue aufstrebende Cegeste (Edouard Dermit), der mit seiner Mentorin, einer schönen Prinzessin (Maria Casares) dort auftaucht. Durch einen tragischen Unfall - verursacht wegen zwei Motorradfahrern - wird der neue Stern am Dichterhimmel schwer verletzt und die Prinzessin fordert Orphee auf als Zeuge bereitzustehen. Sie nimmt ihn mit in ihrem Wagen, der von Chauffeur Heurtebise (Francois Perier) gesteuert wird. Alles wird immer unwirklicher und Orphee bemerkt, dass der Verletzte inzwischen verstorben ist. Dies scheint die Prinzessin nicht besonders zu stören. Viel mehr Aufmerksamkeit schenkt sie den abstrakten Gedichten, die im Radio durchgegeben werden und von denen auch Orphee immer mehr fasziniert ist. Sie kommen an ein Schloß und es scheint auch eine andere Welt zu sein. In einem Spiegel verschwindet die Prinzessin mit dem jungen toten Dichter. Am Anderen Morgen wacht Orphee in einer öden Landschaft auf, doch der Chauffeur hat auf ihn gewartet und bringt Orphee heim zu seiner Frau Eurydike (Marie Dea), die bereits ihre beste Freundin Aclaonice (Juliette Greco) hat kommen lassen, was Orphee gar nicht gefällt. Er wirft sowohl die Freundin als auch die ermittelnde Polizei aus dem Haus und widmet sich in der Folgezeit immer mehr diesen seltsamen Botschaften aus dem Radio. Und immer mehr ist er fixiert darauf die Prinzessin wieder zu treffen und einen Weg ins Schattenreich des Todes zu finden...




Beim Anschauen von "Orphee" taucht man auch in eine Zeit des Kinos ein und zu Filmwerken, die heute ganz aus der Szene verschwunden sind. Dies sorgt natürlich für eine weitere faszinierende Variante - auch die Schauspieler sind gut gewählt. Vor allem auch Maria Casares als Prinzessin, die sich in Orphee verliebt hat. Eine verbotene Liebe, denn sie ist der Tod. Auch der Chauffeur, ein Toter aus der Unterwelt, ist ein Liebender.  Dabei trägt sowohl der Tod als auch die Liebe stets das gleiche Gesicht. Auch der Spiegel fungiert in vielfacher Weise. Nicht nur als Eintritt ins Reich der Toten - wir sehen ja in Spiegeln täglich wie wir alt werden. Jeden Tag ein Stück näher in die Nähe des Todes. Auch von der Unsterblichkeit des Dichters und der Liebe erzählt die Geschichte.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Das Schweigen des Meeres


























Regie: Jean Pierre Melville

Ein Eindringling im Haus...

Nach der Lektüre der Novelle "Das Schweigen des Meeres" von Jean Marcel Bruller stand für den jungen Filmemacher Jean Pierre Melville fest, dass dies sein erster Spielfilm werden sollte. Der Autor ließ das Buch in Genf unter dem Pseudonym Vercors drucken und heimlich wurde das Werk im von den Deutschen besetzten Paris veröffentlichen. 1942 erschienen galt er auch nach dem Kreig als Kulturroman der Resistance, war somit etwas "Heiliges" und man konnte sich kaum vorstellen, dass man die Geschichte verfilmen konnte. Schon dem damals bekannten Schauspieler und Regisseur Louis Javet wurden die Filmrechte vom Autor verweigert und Melville bekam nur mit der Bedingung den Zuschalag, dass er den fertigen Film einer Jury bestehend aus ehemaligen Widerstandskämpfern zeigen musste. Sollte sich nur eine Stimme erheben, die meint, dass der Film nicht ins Kino gehört, dann müsste der Regisseur das Filmnegativ zerstören.
Für Melville war es wichtig die Geschichte an Originalschauplätzen zu drehen. Nur so glaubte er, dass er die Stimmung und die Wirklichkeit des Buches einfangen konnte. Der Erfolg gab ihm Recht. Melvilles erster Film war alles andere als kommerziell und war eher eine Art Avantgardefilm, der dem Zuschauer auch einiges an Aufmerksamkeit abverlangt.
Im Jahr 1940 haben die Deutschen Frankreich besetzt und wohl oder übel muss der betagte Hausherr (Jean-Marie Robain), der hier mit seiner Nichte (Nicole Stephane) lebt, tun was die Besatzer von ihm verlangen. Die haben sich entschlossen, dass der deutsche Offizier Werner von Ebrennac (Howard Vernon) dort im oberen Stockwerk sein Quartier bekommt. Zur Überraschung der beiden Bewohner ist der deutsche Eindringling höflich und hat gute Manieren. Er begrüsst die beiden und sagt "Gute Nacht" - die beiden Herberggeber bleiben aber stets stumm und wechseln mit dem deutschen kein Wort. Der gibt sein taktvolles Werben um Verständigung nie auf. Jeden Abend erzählt er von sich, von der deutsch-französischen Verbindung. Auch von seiner Braut (Ami Aroe), die er verließ als er merkte, dass sie nicht zueinander passten. Der Offizier erweist sich als Schöngeist. Dann reist er für einige Wochen nach Paris. Er will diese wunderbare Stadt sehen und trifft sich auch noch mit Leuten der SS (u.a. Denis Sadir). Resignierend kommt er zurück und erzählt seinen Gastgebern, dass die Politik seines Landes den Kurs geändert hat. Nicht mehr Verständigung wird angestrebt, sondern Zerstörung. Der verzweifelte Soldat meldet sich an die Ostfront. Er sagt "Adieu" zum Abschied und zum ersten Mal wird die Nichte ihm mit einem "Adieu" antworten...



Roman und Film sind etwas in Vergessenheit geraten. Doch in den Zeiten der Resistance und auch in den frühen Nachkriegsjahren war die literarische Vorlage von großer Bedeutung für die Frnazosen. Melville verfilmte äusserst werkgetreu. Die Bilder von Kameramann Henri Decae sind streng gehalten. Oft wohnt der Zuschauer lediglich den oft quälend langen Einstellungen im Wohnzimmer bei, die Atmosphäre ist stets makaber. Melville zeigt die auf Distanz bedachte Haltung eines "stummen Frankreichs" - auch richtet sich der Film gegen eine von den Nazis, den momentanen Herrschern, aufdiktierte Verbrüderung. Alles hier gezeigte beruht auf Tatsachen und zeigen einen Deutschen, der lange Zeit die wahren Absichten der deutschen Machthaber ignorierte.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.