Montag, 10. September 2018

Cause for Alarm - Grund zur Aufregung





















Regie: Tay Garnett

Ellens schwärzester Tag...

"Cause for Alarm" von Tay Garnett ist ein kleiner, aber feiner Film Noir Thriller aus dem Jahr 1951 und vielleicht sogar sein bester Film -  noch vor seinem erfolgreichen MGM Klassiker "Im Netz der Leidenschaft" mit dem fatalen Liebespaar Lana Turner und John Garfield. In "Cause for Alarm" spielt die heute etwas in Vergessenheit geratene Oscargewinnerin Loretta Young die Hauptrolle. Deren bekannteste Filme sind "Die Spur des Fremden" von Orson Welles, "Jede Frau braucht einen Engel" von Henry Koster und natürlich "Die Farmerstochter" von von Henry C. Potter für den sie auch den Academy Award gewann. Das Drehbuch zum Film schrieben Mel Dinelli und Tom Lewis, basierend auf einer Geschichte von Larry Marcus, der vom "schrecklichsten Tag meines Lebens" erzählt. Diesen Satz wird die Hauptfigur Ellen gleich am Anfang sagen und der Zuschauer folgt in einer Rückblende diesem zurückliegenden Tag.
Ihr Mann George (Barry Sullivan) liegt krank im Bett und schreibt einen Brief an den Staatsanwalt, darin gibt er, dass seine Frau und der junge Militärarzt Ranney Grahame (Bruce Cowling), ein Freund der beiden, vorhaben ihn umzubringen. Er glaubt von den beiden langsam aber gezielt mit einer Überdosis Medikamente vergiftet zu werden. Dabei waren er und Ellen mal ein verliebtes Paar. Kennengelernt hatten sich die bedien in einem Marinekrankenhaus während des zweiten Weltkriegs. Obwohl George immer mal wieder arrogant und egoistisch sein konnte, verliebte sich Ellen in ihn und sie zogen nach dem Krieg in ein dichtes Vorstadtviertel von Los Angeles. Dort wurde George auch krank und sicherlich nicht nur körperlich wegen dem Herzen, sondern auch seelisch. Immer stärker wurde die Paranoia, dass seine Ellen ihn mit Ranney betrügen könnte. Diesen Gedanken wurde er nicht mehr los. Nachdem Ellen ihrem bettlägerigen George erzählt, dass sie davon träumt, Kinder zu bekommen, wird er wütend. Inzwischen ist sein Brief an den Bezirksanwalt fertig geschrieben und er bittet Ellen darum ihn beim Postboten, der bald vorbei kommen wird, abzugeben.
Es ist ein Tag wie jeder andere...die Nachbarin (Georgia Backus) wirkt etwas neugierig, auf der Straße spielt der kleine Junge Billy (Bradley Mora) als Cowboy verkleidet. Dann kommt auch schon der immer etwas gestresste Postmann Joe Carston (Irving Bacon) vorbei. Sie gibt ihm den Brief. Irgendwann im Laufe des Morgens wird sie aber durch ihren Mann selbst erfahren, welche Anschuldigung er in diesem Brief gegen sie erhebt. Es wird noch dramatischer. Er bedroht Ellen mit der Pistole und will sie töten, doch dann bricht er plötzlich tot im Schlafzimmer zusammen...



Und nun geht der Nervenkitzel erst richtig los. Natürlich muss Ellen versuchen den Brief abzufangen, damit er nie den Staatsawalt erreicht. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn der alte Joe Carston ist ein Mann, der sich hinter seinen Bestimmungen versteckt. Die Odyssee des frühen Nachmittags wird zum Nervenkrieg. Margalo Gilmore als geschwätzige Tante, Don Haggerty als zudringlicher Notar und Art Baker als Post Office Superintendent machen der verzweifelten Frau das Leben schwer. Tay Garnett hat am Ende noch einen originellen Plot eingebaut, aber bis dahin
hastet die Protagonistin durch die Wohnstraßen der Melrose Avenue in Hollywood, Californien. Und Tay Garnett gelingt es die Spannung immer mehr zu steigern, wobei auffällt, dass Ellen vor allem daran interessiert ist, sich von der Schuld seines Todes zu befreien, da bleibt nicht viel Trauer für den armen paranoiden George übrig. "Cause for Alarm" entwickelt seine einfache, ja sogar einspurige Idee mit einer beängstigenden Logik.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Entscheidung am Big Horn


























Regie: Sidney Salkow

Custers letzte Schlacht...

Sidney Salkows Western "Entscheidung am Big Horn" aus dem Jahr 1965 ist zwar optisch ein attraktiver Western. Die Kameraarbeit von Irving Lippman ist eindeutig ein Plus dieses Films, leider hat er aber auch eklatante Schwächen . Zum einen ist die Dramaturgie etwas holprig und einige Aussagen eher etwas gewagt. Denn hätte Custer am Little Big Horn gesiegt, wäre er wahrscheinlich der nächste amerikanische Präsident geworden. So die Aussage, die der Film propagiert. Desweiteren ist die Figurenzeichnung sehr oberflächlich und auch irritierend. So wandelt sich Custer vom Indianerfreund zum Befehlshaber dieses riesigen Massakers, das mit einer Schlappe für die US-Armee endet und wo er selbst den Tod finden. Auch der Fährtenleser Dakota ändert sich ins krasse Gegenteil. Zuerst ein Mann, der am liebsten alle Rothäute tot sehen würde, wandelt  er sich irgendwann zum Guten, ohne dass der Zuschauer die Beweggründe für den Wandel der Protagonisten erfährt und logisch nachvollziehen kann.
Custer geht zwar irgendwann in die Politik, nachdem er jahrelang vorher die Indianeragenten der Ausbeutung bezichtigt hatte und auch in Washington seine klage erhob. Als er kein Gehör findet, ordnet er seine liberale Gesinnung dem Prestige und der Publicity unter und versucht durch die große Schlacht auch die größte Macht und den größten Einfluss zu erlangen.
Der Film beginnt beim Untersuchungsausschuss über die legendäre Schlacht. Dort ist das Verhalten von Major Marcus Reno (Joseph Cotten) angeklagt, dem vorgeworfen wird Custer bei der Schlacht nicht angemessen unterstützt zu haben. Captain Bill Benton (Darren McGavin) wird in den Zeugenstand gerufen und es ist auch Benton, der seine Version der "wahren Geschichte" zu erzählen.
Benton holt lange aus und beginnt mit seiner Ankunft im Wilden Westen, wo seine Abteilung die Frau (Louise Serpa) des örtlichen Agenten Mr. Turner (Stacey Harris) begleitet. Sie werden von den Lakota Sioux angegriffen, die die Frau und die Kinder von Turner entführen. Mit diesen Geiseln versuchen die Häuptlinge Sitting Bull (Michael Pate) und Crazy Horse (Iron Eyes Cody) bessere Lebensbedingungen zu bekommen. Es gelingt dem kommandierenden Offizier Oberstleutnant George Armstrong Custer (Philip Carey) mit Hilfe von Major Reno und Captain Benton die Indianer zu überlisten und die Frau frei zu bekommen. Dennoch setzt sich Custer für die Stämme ein und äussert Verständnis für die Indianer, denn er weiß, dass dringend etwas getan werden muss um Krieg zu vermeiden. Auch Benton hat Sorgen, denn seine Verlobte Caroline (Julie Sommars) ist die Tochter von Reno und der mag ihn nicht sonderlich.
In Washington findet Custer jedoch wenig Gehör und zerstört vorerst seine militärische Karriere, indem er formell viele Politiker der Korruption beschuldigt - Custer soll in der Folge vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Nun soll Benton das Kommando über die 7. Kavallerie übernehmen, doch er lehnt ab. Inzwischen erhält Custer das Angebot Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu werden. Doch es braucht für den Erfolg in dieser Sache eine Kriegsheld, der die Indianer besiegt. Er kehrt als Befehlshaber zurück, verschwunden ist seine Empathie. Er gibt dem Befehl die Indianer anzugreifen...



Die guten Darsteller wie Joseph Cotten oder Darren McGavin haben in "Entscheidung am Big Horn" kaum die Gelgenheit sich schauspielerisch zu profilieren. Zu oberflächlich sind ihre Rollen angelegt, was leider auch den Film im Mittelmaß des Genres belässt. Dabei wäre gerade diese Schlacht am Big Horn eine klasse Ausgangslage für einen epischen Geschichtsfilm. So bleibt der Film von Sidney Salkow hinter den Erwartungen zurück.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Freitag, 7. September 2018

Party Girl - Das Mädchen aus der Unterwelt

























Regie: Nicholas Ray

Das Mädchen und der Anwalt...

Die bekanntesten Filme von Nicholas Ray sind sicherlich "Johnny Guitar" mit Joan Crawford und "...denn sie wissen nicht, was sie tun" mit James Dean. Die enorme Innovation beider Filme sind sicherlich auch ausschlaggebend dafür, dass er sich den Ruf eines Kultregisseurs erwerben konnte.  Man sollte aber auch seine Arbeiten im Genre "Film Noir" nicht vergessen. "Im Schatten der Nacht" entstand 1949 und war sein Debüt in Hollywood. Es folgten die beiden Noirs mit Humphrey Bogart "Vor verschlossenen Türen" und "Ein einsamer Ort". Bei dem Film "Macao" war er der Ersatzmann für Josef von Sternberg, der bei Produzent Hughes in Ungnade fiel und die Endfassug des Noirs realisierte. Bemerkenswert ist auch der 1958 entstandene "Party Girl", einer der wenigen perfekt inszenierten klassischen Noirs in satten Technicolor-Farben, die von Kameramann Robert J. Bronner sehr effektiv eingesetzt wurden. Es herrschen eher dunkle und als Kontrast rote und orange Farbtöne vor. Aus dieser Quintessenz ergibt sich dann in manchen Szenen eine wahre Explosion von Farbe und Bewegung - der weibliche Star Cyd Charisse war natürlich eine begnadete Tänerzin und sie wird als Vamp bzw. Diva einige musikalische Nummern zur Gangstersaga beisteuern - alles perfekt von Robert Sidney choreografiert. Darüberhinaus macht sie auch in ihrer Darstellung des Party Girls eine klasse Figur und kann neben den schauspielerischen Hochkarätern wie Robert Taylor und Lee J. Cobb bestens bestehen.
Schauplatz des Films ist das explosive Chicago der frühen dreißiger Jahre. Natürlich ist die Figur des Party Girls im Noir alles andere als Neu, aber in der Kombination mit einem gehbehinderten Anwalt, der genauso "Spielgefährte und Kumpan" des Gangsters ist, haben die beiden Protagonisten das gleiche Schicksal. Die Geschichte in "Party Girl" ist somit offengelegt: Sowohl das Mädchen und auch der Staranwalt müssen den Absprung aus dem kriminiellen Milieu schaffen, denn die Schlinge zieht sich im Lauf der Handlung immer mehr zu. Die beiden geraten immer mehr in den Kampf des ehrgeizigen Staatsanwaltds Jeffrey Stewart (Ken Smith) gegen den berüchtigten Mafiaboss Rico Angelo (Lee J. Cobb). Der hat sich meistens auf seinen Anwalt Tommy Farrell (Robert Taylor) verlassen können. Der wird wegen seiner Erfolgsquote von Staatsanwalten und auch Richtern beinahe schon gefürchtet und hat auch durch gewisse psychologische Tricks die Geschworenen sogar von der Unschuld des Gangsters Louis Canetto (John Ireland) überzeugt. Farrell scheint nur ein richtiges Manko zu haben. Er hinkt und ist seit seiner Teenagerzeit auf einen Gehstock angewiesen. Daher wurde er auch von seiner Frau (Claire Kelly) verlassen. Eines Abends auf einer Gangsterparty lernt er das Party Girl Vicki Gaye (Cyd Charisse) kennen, auf die Canetto ein Auge geworfen hat. Doch scheinbar ist Vicki nicht wie die anderen Girls, die sich sonst auf Ricos Party vergnügen. Dennoch behandelt der Anwalt die schöne Frau etwas herablassend, aber sie gibt ihm Kontra und er erkennt, dass er sich selbst wegen des Geldes an einen Gangster verkauft hat. Die beiden werden bald ein Paar und als Rico Angelos plötzlich Geschäfte mit dem Psychopathen Cookie La Motte (Corey Allen) am Laufen hat, versucht Farrell die Geschäftsbeziehung zu lösen. Doch da hat er die Rechnung ohne den Gangsterboss gemacht...




Es ist sagenhaft was Nicholas Ray hier in "Party Girl" in Sachen Inszenierung auf die Beine gestellt hat. Trotz seiner Standartstory fasziniert der Film auch heute noch und für mich ist diese Gangstersaga mit zwei Aussenseiterfiguren, die sich finden,  einer der besten Filme von Nicholas Ray. Lee J. Cobb ist wie immer ein Gewinn, auch John Ireland und Corey Allen passen perfekt als Gangster. In einer wichtigen schlüsselszene entdeckt das Party Girl ihre Mitbewohnerin, gespielt von Myrna Hansen - ebenfalls Party Girl - tot in der Badewanne. Das Mädchen hat sich aus Liebeskummer suizidiert. "Party Girl" spielte an der Kinokasse in den USA 2,4 Millionen Dollar ein. Für die damalige Zeit ein respektables Ergebnis.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Der General starb im Morgengrauen

























Regie: Lewis Milestone

US-Held kämpft in China...

Filmkritiker mit viel Phantasie ordnen Lewis Milestones Abenteuerfilm "Der General starb im Morgengrauen" in das Film Noir Genre ein. Tatsächlich hat der 1936 entstandene Hollywood-Klassiker einige typische Merkmale der schwarzen Serie - die Geschichte spielt aber in China und zeigt auch wie beliebt damals die Schauplätze in Fernost im Film waren. In den 30er Jahren war die große Zeit von Mr. Moto, Charlie Chan oder Dr. Fu Man Chu, die alle dazu beitrugen, dass diese Kulissen überaus beliebt beim Publikum waren. Akim Tamiroff spielt in "Der General starb im Morgengrauen" den Bösewicht der Geschichte. Seine Darstellung des General Yang gefiel der Academy so sehr, dass er bei der Oscarverleihung 1937 als bester Nebendarsteller nominiert wurde - er verlor aber gegen Walter Brennan in "Nimm was du kriegen kannst". Auch die Filmmusik von Boris Morros und Werner Jansen und die Kameraarbeit von Leo F. Forbstein gingen leer aus.
In der Hauptrolle glänzte einmal mehr der große Star Gary Cooper als Abenteurer und Weltenbummler. Im Grunde eine 30er Jahre Variante von Dr. Indiana Jones, er hatte sowohl vorher in "Shanghai Express" als auch nachher in "Wem die stunde schlägt" einen ähnlichen Typ Glücksritter gespielt. Am stärksten ist Milestones Film dem Starkino alter Schule verpflichtet, was deutlich beim Schlußbild (Close up des Liebespaares) wird.
Cooper ist halt nicht nur der perfekte Star der 30er Jahre, er ist auch immer der Held. Egal, ob ihm seine Heldenstücke gelingen. In "Der General starb im Morgengrauen" ist er auf der Seite des guten Mr. Wu (Dudley Digges), der für die Armen kämpft und dies auch mit Waffen. Das Geld dafür hat er unserem Helden, dem Amerikaner O´Hara (Gary Cooper) anvertraut, der für die gerechte Sache steht. Kontrahent und Todfeind ist der machtbesessene Provinzherr Yang (Akim Tamiroff). Der will alle zwölf Landesteile in seine Gewalt und unter seine Herrschaft zwingen, somit ist er auch der Beherrscher der Seide- Reis- und Opiummärkte des Landes. Doch auch er braucht Waffen.
Auch er hat Verbündete aus den USA. Der Amerikaner Peter Perrie (Porter Hall) und seine hübsche wie raffinierte Tochter Judy (Madeleine Carroll) sollen dafür sorgen, dass der Abenteurer O´Hara seine Mission nie erfüllen wird. Schauplatz des Verrats ist der Zug in Richtung Shanghai. Hier steigt auch O´Hara mit seinem Äffchen Sam ein und wird auch sofort von Judy im Beschlag genommen. Der Mann verliebt sich in die Femme Fatale und auch ihr scheint der gutaussehende Mann nicht ganz gleichgültig zu sein. Doch der Pakt zwischen ihrem Vater und Yang ist schon zuweit fortgeschritten, als dass er noch rückgängig gemacht werden kann. Yang lässt den Zug stoppen, O´Hara verliert das anvertraute Geld für die Waffen, er wird Gefangener und merkt erst jetzt, dass er dem Mädchen auf den Leim ging. Damit ist die Sache aber noch längst nicht erledigen. Er wird sie wieder treffen und hat auch vor die Waffen für die gerechte Sache doch noch zu bekommen...



 Lewis Milestones ist natürlich ein Pionier des US-Films, denn er hat bereits in der Stummfilmzeit Filme gedreht. Der ganz große Durchbruch war seine filmische Adaption von Erich Maria Remarques gleichnamigen Roman "All Quiet on the Western Front". Dem ambitionierten Werk stand für damalige Zeiten ein enormes Budget von 1,25 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Der Rest ist Filmgeschichte - "All Quiet on the Western Front" wurde ein riesiger internationaler Kassenhit und erhielt 1930 den Oscar als bester Film, Milestones wurde mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Bereits ein Jahr vorher gelang es ihm mit "Schlachtenbummler2 ebenfalls Regiesieger bei den Oscars zu werden.
Der Antikriegsfilm blieb auch sein erfolgreichstes und bestes Werk, aber in der Folgezeit gelangen ihm immer wieder herausragende Filmklassiker wie "Von Mäusen und Menschen" oder "Die seltsame Liebe der Martha Ivers".
"Der General starb im Morgengrauen" hat eine gewisse düstere Atmosphäre, die mit dem eher lockeren Spiel der beiden Hauptdarsteller Cooper und Carroll eine stimmungsvolle Einheit ergeben.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Ein Baum wächst in Brooklyn

























Regie: Elia Kazan

Das Leben der Familie Nolan...

Elia Kazan erfüllte sich 1943 seinen lang gehegten Traum. Er drehte mit "Ein Baum wächst in Brooklyn" seinen ersten Film und landete damit gleich einen Riesenerfolg beim Publikum und der Kritik. Die etwas sentimentale Geschichte ist die filmische Adaption des Romans von Betty Smith. Dort wird die Geschichte einer jüdischen Familie im Brooklyn des beginnenden 20. Jahrhunderts erzählt. Die erst 13jährige Hauptdarstellerin Peggy Ann Garner wurde bei der Oscarverleihung 1946 mit dem Juvenile Award ausgezeichnet. Dieser Sonder-Oscar wurden in den Jahren 1935 bis 1961 gelegentlich vergeben. Unter den Preisträgern waren auch Judy Garland, Deana Durbin  oder Hayley Mills. Danach wurde der Preis abgeschafft, da man auch Kinderdarsteller in den Schauspiel-Kategorien zuließ. James Dunn, der in Elia Kazans Film den Vater spielt wurde mit dem Oscar als bester Nebendarsteller geehrt.
"Ein Baum wächst in Brooklyn" ist eines dieser vielen Beispiele des alten Hollywoods, bei dem es trotz der etwas künstlichen Studiokulisse gelingt eine starke Atmosphäre zu erzeugen. In einer Sequenz des Films feiert die arme Familie Nolan Weihnachten, große Geschenke kann es nicht geben, dafür versucht man aber den Alltagstrott für einige Stunden zu vergessen durch liebevolles harmonisches Beisammensein. Im Grunde wird der Film auch der Sicht der kleine Francie Nolan (Peggy Ann Garner) erzählt, die ihren Papa über alles liebt. Der ist ein bisschen Lebenskünstler, weil er immer alles positiv und locker sehen kann und will - doch der Mann hat es schwer Arbeit zu finden, um für die Familie zu sorgen. So muss auch Mutter Katie (Dorothy McGuire) noch mehr Verantwortung übernehmen, auch für ihren Mann, der gelegentlich zu tief ins Glas schaut und dann auch betrunken nach Hause kommt. Vater Nolan, den alle Johnny nennen, hat zwar viele Freunde, doch er kann seiner Familie nicht diese Sicherheit bieten, die sie bräuchten um die Zukunft nach ihren Wünschen zu gestalten. tochter Francie möchte auf die Schule, weil sie schöne Aufsätze schreibt und schriftstellerische Ambitonen hegt. Neeley (Ted Donaldson), ihr jüngerer Bruder ist da etwas weniger ehrgeizig und unkomplizierter. Im Grunde ist Francie auch wütend auf die Mutter, weil sie glaubt, dass diese zu hart geworden ist - zu den Kindern und zu ihrem Mann. Was tatsächlich stimmt - auch zu ihrer etwas lockeren Schwester Sissy (Joan Blondell), die schon mehrfach verheiratet war und sich immer mal wieder scheiden lässt. In der Straße macht auch der nette Polizist Officer McShane (Lloyd Nolan) seinen Dienst und er hegt große Sympathie für die wenig begüterte Familie. Immerhin hat Vater hin und wieder ein Engagement als singender Clown, aber schön wäre was von Dauer. Nach dem Weihnachtsfest nimmt sich Johnny fest vor eine richtige Anstellung zu finden, doch es kommt anders...



Zu diesem Zeitpunkt wendet sich das Schicksal der Familie und sie sind mit dem größten Schicksalsschlag konfrontiert. Dennoch soll nicht aufgegeben werden. Die Geschichte macht Mut dennoch weiterzumachen, allen Problemen und Stolperfallen zum Trotz. Das Leben wird weitergehn und in dem kleinen Mädchen entsteht der Wunsch, dass dennoch irgendwas von ihrem Vater in der Zukunft weiterleben kann. Nicht nur der Gedanke an ihn, vielleicht auch in der Gestalt ihres zukünftigen Jungen, der hoffentlich die positiven Züge ihres Vaters vererbt bekommt. Diesen Wunsch äussert sie auf dem Dach des Mietshauses, Kameramann Leon Shamroy fängt dabei die nächtliche Shilouette von New York ein, ein gewisser magischer Moment inmitten dieser episch breit erzählten Familiensaga.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Der Morder wohnt Nr. 21

Regie: Henri Georges Clouzot
Monsieur Durant, der Serienkiller....
Die größte Schwäche von Henri Georges Clouzots 1942 entstandenen "Der Mörder wohnt Nr. 21" ist genauso wie in dem später entstandenen Noir "Unter falschen Verdacht" die Operettensängerin Suzy Delair, denn ihre schrille Gesangstimme und ihr hysterisches Overacting sind nicht jedermanns Sache - auch wenn sie in beiden Filmen als Kameradin und Partnerin des Helden das Herz am rechten Fleck hat. In "Der Mörder wohnt Nr. 21" drückt sie in einer Szene ihrem Lover Inspektor Wenceslas Wens (Pierre Fresney) die Mitesser im Gesicht aus. Natürlich erreicht dieser Film lange nicht die Qualität seines Nachfolgers "Der Rabe", einem der großen Meisterwerke von Clouzot. Aber dennoch ist "Der Mörder wohnt Nr. 21" ein recht interessanter, eher wenig gezeigter Klassiker, der auch seine Vorzüge hat. Zum Beispiel steht am Ende ein überraschender Plot - damit war der französische Filmemacher seiner Zeit weit voraus. Erst in den 90ern schwangen sich diese Schlußplots zu echten Publikumslieblingen auf - am perfektesten gelang dies vielleicht dem indischen Starregisseur Night M. Shyamalan, der mit "The Sixth Sense" sein Publikum von Anfang bis Ende an der Nase herumführen konnte.
Für Liebhaber von optisch raffinierten Szenen ist besonders die Anfangssequenz ein echter Hingucker - es ist Nacht und wir sind in einem Bistro in Paris. Der Clochard Alfred (Rene Genin) hat im Lotto gewonnen und er ist so naiv sein Glück überall hinauszuposaunen, stolz holt er die Bündel großer Geldscheine aus seiner Hosentasche. Dies macht nicht nur Eindruck auf den Kellner (Paul Barge), auch eine schöne Frau (Sylvette Sauget) nimmt ab diesem Zeitpunkt plötzlich Notiz von dem alten Mann in zerlumpten Klamotten. Dann verlässt er das Bistro, die Kamera folgt ihm und so entsteht der Eindruck, dass der Mann inzwischen auch von jemandem verfolgt wird - zuerst sieht das gar nicht so gefährlich aus, denn man sieht weitere Fußgänger und auch ein Auto fährt auf der Straße. Dann aber werden die Gassen enger und dunkler und irgendwann bemerkt der Alte seinen Verfolger, der ihn brutal mit einem Degen niedersticht, der in einem Spazierstock steckte. Am Tatort hinterlässt der Serienkiller seine Visitenkarte "Monsieur Durant". Dieses unbekannte Phantom hat schon mehrmals zugeschlagen und sowohl der innenminister (Antoine Balpetre) als auch der Polizeichef (Lucien Blondeau) stehen unter starkem Druck. Der Täter muss dringend gefasst werden. Ein Fall für Polizeiinspektor Wens (Pierre Fresnay), der mit der etwas vorlauten Chanteuse Mila Malou (Suzy Delair) liiert ist. Die Spur führt in eine Pension mit der Hausnummer 21, dort ist der Täter mit höchster Wahrscheinlichkeit zu finden. Aber wer ist der Gesuchte ? Es gibt da mehrere Möglichkeiten. Die Besitzerin der Pension (Odette Talazac) könnte es genauso gut sein, wie auch die Gäste, die hier ein Zimmer gemietet haben wie Monsieur Colin (Pierre Larquey), Doktor Linz (Noel Roquevert), der Zirkuskünstler (Jean Tissier), Mademoiselle Cuq (Maximilienne) oder die hübsche Mademoiselle Vania (Huguette Vivier) oder der blinde Boxer (Jean Despeaux). Um den Mörder erfolgreich zu jagen, mietet Wens sich als Priester getarnt dort ein Zimmer. Bald geschieht auch ein weiterer Mord...




Insgesamt ist "Der Mörder wohnt Nr. 21" ein gelungener Krimi, allerdings präsentiert Clouzot seine Mörderjagd als Burleske mit Musikeinlagen. Das nimmt dem Ganzen ein bisschen die Suspence und ein bisschen von der Abgründigkeit seiner späteren Filme bekommt man auch hier schon zu spüren. Der Kommissar ist insgesamt cool und bleibt es auch beim Schlußakkord, als er dem Mörder gegenübersteht.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.