Sonntag, 13. Juli 2014

King Kong und die weiße Frau























Regie: Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack

Die Schöne und die Bestie..

Mit "King Kong" schufen die Regiesseure Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack die ultimative Horrorversion des Märchens "Die Schöne und das Biest". Der übergroße, sentimentale Affe, der 1933 in die Kinos kam, wurde sehr schnell zum unumstrittenen König aller Monsterfilme und trat sehr schnell seinen Siegeszug als eines der beliebtesten und legendärsten Meisterwerke des Kinos an. Die dramatische Szene auf dem Empire State Building ist unvergessen, auch die Spezialeffekte waren damals eine Sensation. Nie zuvor gabs solche tollen Kreaturen zum Fürchten. Dabei lauert im Dschungel dieser Insel nicht nur Gefahr durch den großen King Kong, es tummelten sich auch unzählige Saurier herum, die der Suchmannschaft das leben schwer machte. Angefangen hat alles mit der Schiffreise, die der große Regisseur Carl Denham (Robert Armstrong) organisiert hat. Mit dem Frachter "Venture" und einer zahlenmässig üppigen Mannschaft sucht der Filmemacher für sein neues Werk nach der entlegenen "Skull Island", dass allerdings auf keiner Karte eingezeichnet ist. Es soll aber dort das legendäre Monster Kong leben, weder Affe noch Mensch - aber riesengroß. Captain Engelhorn (Frank Reicher) ist skeptisch, vor allem deshalb, weil in letzter Sekunde auch noch die weibliche Hauptdarstellerin von Denhams Film mit an Bord kommt. Anne Darrow (Fay Wray) verliebt sich während der Fahrt in den Seemann John Driscoll (Bruce Cabot), der aber ebenfalls wenig erfreulich ist, weil er für eine junge Frau bei dieser Abenteuerreise eine große Gefahr sieht. Die stellt sich auch in dem Moment ein, als die Crew tatsächlich das Eiland entdeckt und von Bord geht. Dort findet eine unheimliche Zeremonie der Eingeborenen statt. Eine junge Frau soll geopfert werden. Als die Crew entdeckt wird, zeigt der Häuptling (Noble Johnson) vor allem Interesse an der weißen Frau...


 Der Rest ist Filmgeschichte und präsentiert eine Achterbahnfahrt im Dschungel. Ann wird entführt, wird von Kong in den Dschungel mitgenommen. Der Affe verliebt sich in die schöne Blondine. Die Mannschaft versucht die Schöne aus den Klauen der Bestie zu bekommen, doch die Saurier haben Hunger. Am Ende steht dann die Befreiung, aber auch die katastrophale Idee des Filmemachers mit dem 8. Weltwunder in New York das große Geld zu machen, indem er das Monster - gefangen in Stahlketten - dem Publikum präsentiert. Es sind dies alles klassische Szenen, die immer wieder in der Kinogeschichte auftauchten. Am besten dem Original nachgeeifert hat wohl Steven Spielberg mit seinem "Vergessene Welt", dem 2. Teil seiner Jurassic Park Filme, Dort greift er sowohl die vergessene Welt - eine Insel mit Urzeitechsen - auf, aber auch die Profitgier der Jäger, die einen T. Rex nach Amerika verschiffen, damit dieser Attraktion eines Freizeitparks wird. Diese Szene, wenn der T. Rex das Hafengebiet verlässt, erinnert mich sehr stark an diesen ersten King Kong Film. Klasse gelungen ist auch das anrührende Schlußmotiv. Das Monster meint es gut mit Ann. Er will sie sogar retten, doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es keine Zukunft für frei herumlaufende Riesenaffen. Stop Motion Pionier Willis O´Brian erweckte dieses großartige Monster zum Leben. Trotz zwei gelungener Remakes in 1976 und 2005 ist das Original immer noch unerreicht.



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Marnie

























Regie: Alfred Hitchcock

Kindheitstrauma...

"Marnie" ist Hitchcocks Beitrag zum Thema "Kleptomanie" und leitete nach seinen Riesenerfolgen mit "Psycho" und "Die Vögel" eine Dreier-Riege von Filmen ein, die weder beim Publikum noch bei der Kritik sehr gut wegkamen. Nach dem psychologischen "Marnie" kamen die Spionagefilme "Der zerissene Vorhang" und "Topas". Erst mit "Frenzy" verbuchte der Meister wieder einen Welterfolg. Heute ist aber vor allem "Marnie" wieder als damals unerkanntes Meisterwerk rehabilitiert, damals bemängelte die Kritik die überholte Psychologie des Thrillers und ärgerte sich über die veraltete und unfreiwillig komische Tricktechnik - das Haus in der Hafenstraße, wo Marnies Mutter wohnt, hat als Hintergrund ein großes Schiff, das man sofort als gemaltes 2D-Bild erkennt. Heute sorgen vielleicht gerade diese schrägen Eigenheiten für einen sehr eigenständigen Charakter des Films. Es geht dabei um das Trauma der geheimnisvollen Marnie Edgar (Tippi Hedren). Die Frau arbeitete unter falschem Namen bei dem Steuerberater Sidney Strutt (Martin Gabel) in Philadelphia und raubt schon nach 4 Monaten den Tresor aus. Sie verschwindet mit dem Geld. In einem Hotelzimmer wäscht sie sich die dunkle Farbe aus den blonden Haaren und zieht sich anders an. Hitchcock gewährt dabei dem Zuschauer einen Blick auf Marnies Visitenkarten - jedesmal ist ein anderer Name darauf zu lesen. Keine Frage: Diese Frau macht dies nicht zum ersten Mal. Nach jedem Coup reist sie aber zu ihrer Mutter Bernice (Louise Latham) nach Baltimore. Sie wil der Mutter gefallen und bringt ihr als Geschenk eine Nerzstola mit. Doch da ist etwas zwischen Mutter und Tochter, was sich durch die Präsenz des Nachbarkindes Jessie Cotton (Kimberley Beck) noch verstärkt. Nach dem Austausch diverser Höflichkeiten fragt Marnie "Was hast Du gegen mich, Mama ?" Ihren Vater hat Marnie nie kennengelernt. Die Mutter selbst hat sich in die Religion geflüchtet. Wirklich glücklich ist Marnie nur, wenn sie ihr Pferd ausreiten kann, dass auf einem nahegelegenen Gestüt untergebracht ist. Marnie plant danach wieder einen Raub. Dazu bewirbt sie sich beim Rutland Verlag in Philadelphia. Als Mary Taylor wird sie als Sekretärin eingestellt. Der Verleger Mark Rutland (Sean Connery) ahnt sehr bald, dass es sich bei der neuen Arbeitskraft um die selbe Frau handelt, die seinen Steuerberater Strutt um viel Geld erleichtert hat. Dabei erweist sich Mark als raffinierter Beobachter, der gerne herausfindet, warum die attraktive Frau zur Diebin wird.  Er lässt es sogar zu, dass Marnie 10.000 Dollar aus dem Tresor entwendet und trotz der Eifersucht seiner Schwägerin Lil (Diane Baker) zwingt er Marnie dazu seine Frau zu werden...



Natürlich wird irgendwann am Ende der Fall gelöst und der Zuschauer erfährt alles über das Trauma eines Kindes, dass sich nie lösen liess und sie als Erwachsene zur kriminellen Kranken werden liess. Auch wenn sie immer mal wieder für ihre Darstellerleistung kritisiert wurde, aber Tippi Hedren ist für mich die perfekte Besetzung für diese Rolle und sie spielt die Figur Marnie einfach fesselnd. Ihr zur Seite ein nicht weniger überzeugender Sean Connery, der als Mark ebenfalls seine dunklen Seiten hat. Er will Macht und Gewalt ausüben und zwingt sie erpresserisch in den Hafen der Ehe. Dies führt dann auch beinahe zur Katastrophe, kein Wunder bei dieser Holzhammer-methode. Ansonsten lebt der Film von einer Atmosphäre, die wie ein Fiebertraum wirkt und am Ende eine Erlösung aufzeigt. Man fragt sich aber, ob die emotionalen Qualen damit dann wirklich gelöst sind, ein Stück weit endet der Film im Ungewissen. Für mich ein weiteres Hitchock Juwel.


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mitternachtsspitzen





















Regie: David Miller

Eine Frau dreht durch...

David Millers bekanntester Film dürfte die sehr gelungene Hitchock-Kopie "Mitternachtsspitzen" sein. Dabei konnte der Regisseur sogar auf eine Hitchcock-Hauptdarstellerin zurückgreifen. Alles in dem London-Thriller ist daher auf Doris Day zugeschnitten. Sie spielt in dem 1960 gedrehten Film die reiche Kit Preston, die noch gar nicht so lange mit dem Londoner Geschäftsmann Tony Preston (Rex Harrisson) verheiratet ist. In der recht gruseligen Eröffnungssequenz läuft Kit mitten durch den Londoner Nebel. Um nach Hause zu kommen, muss sie durch den Park. Eigentlich ziemlich gespenstisch...aber es ist kein weiter Weg. Dann hört sie im Nebel - ohne überhaupt etwas zu sehen - eine Stimme, die ihr mitteilt, dass er sie bald umbringen will. Als sie nach Hause kommt, klärt Tony sie über die schwarzhumorigen Sitten seiner Landsleute auf...vor allem bei Nebel werden makabre Scherze gemacht. Er selbst habe an diesem Tag im Nebel seinen Hut an einen unbekannten Dieb verloren. Einigermassen beruhigt kehrt Kit zum Alltag zurück. Für eine reiche Frau heißt das "schön aussehen", "schicke Kleider kaufen", "dem Ehemann gefallen" und während Tony arbeitet hofft sie, dass er sie endlich nach Venedig entführt oder hält ein Schwätzchen mit Nachbarin Peggy (Natasha Perry) oder mit Tante Bea (Myrna Loy) aus Amerika, die sie besucht. Es häufen sich aber seltsame Zwischenfälle. Kit glaubt gar, dass ein Unbekannter sie vor den Bus stoßen wollte und dann meldet sich die Stimme aus dem Park wieder...diesmal per Telefon, wo dieser anonyme Anrufer seine Morddrohungen los wird. Kit steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da ihr auch der Mann von Scotland Yard (John Williams) etwas misstraut. Inszeniert Kid diese Anrufe selbst, weil sie sich vernachlässigt fühlt. Oder aber ist unter den Menschen im näheren Umfeld ein mörderischer Psychopath...etwa Brian Younger (John Gavin), der Sohn von Kits Haushälterin (Roddy McDowall) oder Tonys spielsüchtiger Geschäftspartner Charles Manning (Herbert Marshall). Ohne es zu bemerken wird sie auch von einem Unbekannten (Anthony Dawson) beobachtet...

 Miller gelingt es einen perfekten Spannungsaufbau zu gestalten. Mit einfachen Mitteln und vor allem sehr gut aufgelegten Akteuren gelingt ihm ein famoser London-Thriller, der überaus gut fotografiert ist (Russell Metty) und an einigen Stellen wie ein Geschwisterfilm von Hitchcocks London Film "Dial M for Murder" wirkt. Auch dort geht es um eine reiche Blondine, die mit einem "Tony" verheiratet ist und auch dort taucht der grandiose John Williams als Ermittler auf. Unterschiedlich sind sie Filme aber in ihren Locations. Während sich bei Hitchcock eigentlich alles in der Wohnung von Margot und Tony abspielt, darf Doris Day auf dem Höhepunkt des Films auf einem Baugerüst um ihr Leben kämpfen. Der Ausflug von Doris Day ins ernste Fach wurde dann auch 1960 mit einer Golden Globe Nominierung belohnt, nachdem sie ein Jahr vorher mit "Pillow Talk" eine Oscarnorminierung schaffte.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

An einem Tag wie jeder andere

























Regie: William Wyler

Die Eindringlinge...

"An einem Tag wie jeder andere" ist ein 1955 entstandener "Home Invasion" Thriller und hat gegenüber seinen Artverwandten jüngeren Datums ganz klar den Vorteil, dass er seine Spannung durch die starken Charaktere bezieht, die in der spannenden Kriminalgeschichte vorkommen. Vor allem das Aufeinanderprallen von Gangsterboss Glenn Griffin (Humphrey Bogart) mit dem Familienvater Dan Hillard (Frederic March) wird durch zwei hervorragende Darstellerleistungen geprägt. Es ist tatsächlich ein Tag wie jeder andere...auch bei den Hillards. Vater Dan geht zur Arbeit, Tochter Cindy (Mary Murphy) in die Highschool. Der kleine Ralphie (Richard Eyer) geht zur Schule und Mutter Eleanor (Martha Scott) macht sich an die täglich wiederkehrenden Hausarbeiten. In den Nachrichten kommt die Meldung, dass 3 Schwerverbrecher aus dem Gefängnis ausgebrochen sind. Was Mrs. Hillard nicht weiß ist, dass genau diese 3 Schurken bereits im ihrem Fluchtauto ganz in der Nähe sind und die Häuser dieses Viertels daraufhin begutachten, wo man unterkommen kann. Ralphies Fahrrad im Garten ist ausschlaggebend dafür, dass Glenn Griffin (Humphrey Bogart) an der Haustür klingelt und eh sich die Frau versieht ist sie bereits in der Gewalt des Trios, zu dem auch Glenns Ichschwacher jüngerer Bruder Hal (Dewey Martin) und der jähzornige Psychopath Kobish (Robert Middleton) gehören. Als Vater und Tochter nach Hause kommen, werden diese genauso gezwungen die Ausnahmesituation zu dulden und auf "Normalbetrieb" zu machen. Lediglich der kleine Ralphie kann nicht verstehen, warum der Papi die Gangster nicht aus dem Haus jagt. Glenn will mit Hilfe seiner Freundin, die ihn abholen soll, vor der Polizei erfolgreich fliehen. Doch es zeichnet sich bald ab, dass die Familie - auch wenn sie sich an die Vorgaben der Gangster hält - in höchster Gefahr schwebt. Die Möglichkeit, dass unerwünschte Zeugen aus dem Weg geräumt werden sollen, ist groß. Ebenso die Option, dass die Gangster bei ihrer Flucht aus dem Haus Hillard eine oder mehrere Geiseln mitnehmen...

 Der Film von Willam Wyler bietet sehr viele Nebenhandlungen an, die die gewaltsame Wohungsbelagerung extrem interessant machen. Zum einen ist die Beziehung der drei Gangster, vor allem aber die zwischen älterem und jüngerem Bruder psychologisch interessant dargestellt. Auch der Vater als Gegengewicht zum Gangster wird von den beiden Darstellern klug herausgearbeitet. Dabei steht Hillard für den rechtschaffenen, erfolgreichen Amerikaner, der es durch eigene Leistung zu etwas gebracht hat und nun eine glückliche Famiie in einem glücklichen Zuhause vorweisen kann. Dies alles blieb dem Gangster versagt, der die Oberklasse zutiefst hasst. Darüberhinaus kommt es auch noch zum Konflkt zwischen dem besonnen agierenden Vater Hillard, der die ganze Familie retten will und dem hitzköpfigen, emotionalen Ralphie. Der Vater versucht das Kind zu überzeugen, dass man als erwachsener Mann Verantwortung trägt und vorsichtig abzuwägen hat, was man tut. Gesamthaft hat  der Vater auch den Konflit zu lösen, da es einen Zwiespalt gibt zwischen Verantwortung seiner Familie gegenüber und derjenigen als Staatsbürger.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 9. Juli 2014

Dracula (1931)





















Regie: Tod Browning

Der amerikanische Nosferatu...

Bram Stokers Horror-Roman "Dracula" erschien 1897 und wurde sehr schnell zum Welterfolg. Es war die Geschichte eines über 400 Jahre alten transylvanischen Vampirs, der auf die historische Gestalt des Vlad Tepes (Vlad, der Pfähler) zurückgeht, der von 1431 bis 1476 lebte. Graf Dracula lebt in Transilvanien und hat aber vor nach London, in die verwahrloste und leerstehende Carfax Abtei zu ziehen. Die ersten Szenen des 1931 entstandenen Universal Welterfolgs "Dracula" von Regisseur Tod Browning zeigt eine Kutsche, in der sich mehrere Reisende über Vampire unterhalten. Doch der englische Makler Renfield (Dwight Frye) glaubt nicht an diese Märchen der einfachen Leute. Am Gasthof angekommen soll die Reise weitergehen - denn um Mitternacht ist er dort oben am Borgo Pass mit einem Grafen Dracula verabredet. Der Wirt, die Kutscher und alle anderen Leute, die diese selbstmörderische Absicht mit anhören versuchen den Mann zur Übernachtung im Gasthaus zu überreden. Er könne doch morgen früh weiterreisen, denn es ist Walpurgisnacht und in der Dunkelheit steigen der Untote Graf Dracula (Bela Lugosi) und seine Frauen aus ihren Särgen und sind gezwungen sich vom Blut der Menschen zu nähren, damit sie überleben können. Diese ersten Szenen des Films sind auch mit die besten, sie erinnern an die expressionistischen deutschen Filme. Der Kameramann Karl Freund war sehr einflussreich, was die morbide Optik des Films angeht. Diese Szene, in dem die Frauen aus ihren Gräbern steigen und es vor Ratten und Gürteltieren wimmelt ist wahnsinnig gut gemacht und der Macher wurde sicherlich von Murnaus "Nosferatu" inspiriert, der ähnliche Bilder des Verfalls und Untergangs zeigte. Heute mag man sich vielleicht über die Qualität von Bela Lugosis Dracula Performance streiten - ich finde sie gut, trotz der etwas übertriebenen und theatralisch stilisierten Ausrichtung. Aber er hat Charisma und die Geschichte ist - obwohl schon so bekannt - immer noch gruselig und fasznierend. 


Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Edward von Sloan spielt den deutschen Professor Van Helsing und Dwight Fryes Darbietung als Renfield bleibt auch unvergessen. Das Ende kommt etwas abrupt - da hat sich Coppola viel mehr Zeit gelassen. Hier im Klassiker von 1931 wird er leicht besiegt, schnell gepfählt und man hört nur ein letztes Stöhnen aus dem Off. "Dracula" gehört zu den großen Produktionen des Studiochefs Carl Laemmle jr., es folgten "Frankenstein", "Die Mumie", "Die schwarze Katze", "Der Unsichtbare" und "Frankensteins Braut"


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 1. Juli 2014

Der unheimliche Gast

























Regie: Lewis Allen

Der Geist von Winword House...

Eigentlich ist der als Film Noir bei Koch Media erschiene "Der unheimliche Gast" eher ein Geisterfilm. Der romantische Grusler entstand 1944 unter der Regie von Lewis Allen. Dabei gibts öfters Erinnerungen an Hitchcocks Hollywood-Einstand und Oscarerfolg "Rebecca" von 1944.  Gut, der Film Noir ist nicht nur Genre, sondern definiert sich nicht durch die Konventionen des Schauplatzes oder des Konflikts (auch wenn der Großstadtdschungel sehr oft auftaucht) , sondern vor allem durch seine eher düstere Atmosphäre. Und wie so oft im Film Noir sind es hier die Personen, die mit der Last der Vergangenheit konfronitert werden. Die Geschichte führt den Zuschauer an die malerische Küste des westenglischen Cornwalls. Dort machen die Geschwister Roderick (Ray Milland) und Pamela Fitzgerald (Ruth Hussey) im Sommer 1973 Ferien. Doch die sind bald vorbei, noch einmal machen sie einen Spaziergang mit ihrem Hund Bobby. Dieser jagt dann ein Eichhörnchen, dass sich durch ein offenes Fenster eines Hauses flüchtet. Dieses schöne Haus scheint offenbar seit Jahren leer zu stehen, als Rick und Pamela es betreten, denn auf ihre Rufe antwortet keiner und es sind fast keine Möbel darin zu sehen. Doch die Stadtmenschen verlieben sich spontan in dieses Häuschen in ländlicher Idylle. Noch vor Ort überredet Pamela ihren Bruder zum Kauf es Anwesens. Und die beiden scheinen Glück zu haben. Denn der Besitzer Commander Beech (Donald Crisp) ist zum Verkauf bereit. Obwohl dessen Nichte Stella Meredith (Gail Russell) ganz und gar nicht darüber erfreut ist. Der Commander gibt aber an, dass er vor 5 Jahren schon einmal vermietet hätte und dieser sich über "Störungen" im Haus beklagt hätte. Störungen ? Also seltsame Geräusche in der Nacht. Diese Geistergeschichten sind für die Großstädter natürlich absurd. Doch Winwward House ist nicht ohne. Tatsächlich werden die neuen Besitzer in der Nacht, ein schreckliches Weinen oder Wimmern ist immer kurz vor Sonnenaufgang zu hören. Und Blumen, die in einem bestimmten Zimmer abgelegt werden, verwelken in Sekundenschnelle. Was für ein Geheimnis verbirgt das Haus ? Die Vorbesitzerin Mary Meredith, Tochter von Commander Beecham und Mutter von Stella, starb durch einen Sturz von den Klippen...


Im Hause spukt es immer mehr, es scheint ein verfluchtes Haus zu sein, im dem irgend jemand gewaltsam zu Tode kam. Es scheint so als würde der Geist der Toten keine Ruhe finden. Es gibt allerdings in der Geschichte Personen, die mehr wissen, aber die Vergangenheit ruhen lassen wollen - sie haben dafür Gründe. So müssen die Geschwister das Rätsel des Geisterhauses selbst lösen. Zur Seite steht ihnen eine furchtsame irische Haushälterin (Barbara Everest). Ganz nach Rebecca-Manier taucht eine Art Miss Danvers auf, die heißt hier Miss Holloway (Cornelia Ottis Skinner) und ist die Leiterin einer dubiosen Psychiatrieeinrichtung. In ihrem Büro das überlebensgroße Portrait ihrer besten, verstorbenen Freundin Mary Meredith. Der Film ist so eine Art Vorläufer der heute immer noch sehr beliebten Geisterfilme, Filme um Häuser, in denen es spukt - 1944 gabs also schon diese Seiten eines Buches, die sich von unsichtbarer Hand umblättern un die sich mit einem Knall öffenden Türen. Atmosphärisch dicht hat Lewis Allen die Geschichte inszeniert, Charles Lang (Reporter des Satans, Manche mögens heiß, Heißes Eisen) wurde mit der Kameraarbeit betraut, schon die ersten Bilder von der Küstenlandschaft und der unheimlichen See bereiten den Zuschauer bestens auf das Mysterium vor, dass von einem unheimlichen Gast im Haus beherrscht wird. Ein interessanter Klassiker, den ich bisher noch nicht kannte.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Frankenstein (1931)





















Regie: James Whale

Der Wissenschaftler, der Leben erschuf...

Selbst Zuschauer, die "Frankenstein" zum ersten Mal sehen, dürften auf viele bekannte Szenen stoßen: Die Erschaffung des Monsters (Boris Karloff) unter dem tosenden Himmel in einem Turm, wo der junge Baron Dr. Henry Frankenstein (Colin Clive) mit seinem buckligen Diener Fritz (Dwight Frye) sein Labor hat und ein extremes Gewitter braucht, um seinen persönlichen (Alp)traum zu erfülen: Die Erschaffung eines Menschens. Das Monster auf dem Operationstisch liegend, wie es sich langsam bewegt und das berühmte Close up in sein Gesicht, die Kamera fängt ein Wesen ein, dass undurchsichtig wirkt, die Augen verraten nichts über die Gesinnung. Doch Fritz ist beim Klau in der Universität ein Mißgeschick passiert. Der Glasbehälter mit dem "normalen Gehirn" ging durch einen jähen Glockenschlag zu Boden und so musste alternativ auf "anormales Gehirn" zurückgegriffen werden, das einem Schwerverbrecher gehört. Die Frankensteins geben ein Fest, Henry ehelicht endlich seine große Liebe Elizabeth (Mae Clark), doch die hat üble Vorahnungen am Tag der Hochzeit. Während das ganze Dorf im Freudentaumel versinkt, meuchelt das Monster den Wissenschaftler Prof. Waldman (Edward VanSloane), während dieser das Monster, das man für tot hält, sezieren will. Dann eine weitere berühmte, oftmals kopierte Szene mit dem Kind am See. Die kleine Maria (Marilyn Harris) wird Opfer des Monsters. Aber nicht weil dieser so gewalttätig agiert wie bei Fritz oder Dr. Waldman, sondern aus reiner Unwissenheit. Das Mädchen machte den Fehler Blumen ins Wasser zu werfen, die dann auf der Wasseroberfläche liegen. Ein Schubs ins Wasser, doch Maria kann nicht schwimmen. Verstört wandert die flüchtige Bestie in Richtung Dorf. Dort wird gefeiert, aber der Vater des Kindes betritt die Szenerie mit dem toten, ertrunkenen Kind im Arm. Jäh finden die Feierlichkeiten ein Ende. Der Mob mit brennenden Fackeln sucht nach dem Mörder der Kleinen und es gibt keinen Zweifel an der Gesinnung der lynchfreudigen Menge...


Im Prolog von James Whales Klassiker "Frankenstein" wird der Zuschauer auf die faszinierende und äusserst verstörende Geschichte aufmerksam gemacht. Ist er mental stark genug für diesen Horror ? Zu gerne war es der Zuschauer, denn der Produktion von Carl Laemmle gelang 1931 ein Riesenhit und einer der einflussreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Dutzende Male kopiert, persifliert...man kennt die Abfolge der Geschichte genau. Boris Karloff schafft mit seinem Aussehen und seiner tragischen und beinahe sehnsüchtigen Performance einer der bekanntesten Figuren des Genres, er hat einen festen Platz in der Geschichte des Kinos. Seine Figur wirkt kindlich und rührend, auch wenn sie Schrecken verbreitet und so gar nicht zu Kontrollieren ist. Dies ist vielleicht das große Manko des Werks eines Wissenschaftlers, der wie Gott sein wollte. Das Ende hätte vielleicht merklich düsterer ausfallen sollen. Aber so war immerhin die genauso geniale Fortsetzung "Frankensteins Braut" machbar. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.