Dienstag, 13. Januar 2015

Gehetzt

























Regie: Fritz Lang

Keine neue Chance für morgen...

"Gehetzt" aus dem Jahr 1937 war nach "Blinde Wut" der zweite Film von Fritz Lang nach seiner Emmigration nach Amerika. In beiden Filmen spielte Sylvia Sidney die weibliche Hauptrolle. In "Gehetzt" (Originaltitel: You only live once) spielt sie die Sekretärin Joan Graham (Sylvia Sidney), die für den Verteidiger bei Strafprozessen Stephen Whitney (Barton MacLane) arbeitet. Ihr Chef ist ein bisschen verliebt in sie, aber ihr Herz schlägt für Eddie Taylor (Henry Fonda).  Gegen Whitneys Rat und gegen den ihrer Schwester Bonnie (Jean Dixon) gibt sie den Kleinkriminellen, der wieder mal ein paar Monate im Gefängnis sitzt, nicht auf. Whitney gelingt es jedoch, Taylor auf Bewährung frei zu kriegen. Natürlich heiratet er Joan und nimmt mit viel bürgerlichen Ambitionen einen Job als Lastwagenfahrer an, den er aber durch eigenes Ungeschick sehr schnell wieder verliert. Zu gleichen Zeit findet ein schwerer Bankraub mit 7 Todesopfern statt, der im Laufe der Geschichte Eddie Taylor zur Last gelegt wird. Der Verdächtige flieht zuerst - was ihn noch verdächtiger macht , aber Joan bringt es fertig ihn überzeugen, sich der Polizei zu stellen. Aufgrund von Indizienbeweisen und der Voreingenommenheit der Jury wird Taylor dennoch zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Kurz vor seiner Hinrichtung werden die wahren Täter ermittelt, woraufhin Taylor in letzter Sekunde begnadigt wird. Doch vor der Mitteilung nimmt das Schicksal bereits seinen katastrophalen Verlauf. Eddie versucht mit Hilfe einer eingeschmuggelten Waffe aus der Haftanstalt auszubrechen. Dabei tötet er versehentlich den Gefängnispfarrer (William Gargan), der ihm die gute Nachricht der Begnadigung mitteilen wollte, aber dem er angesichts der Situation keinen Glauben schenkt. Er flieht und sucht seine hochschwangere Frau auf....


Fritz Lang setzte sich damit erneut mit dem Rechtssystem und den Lebensumständen in seiner Wahlheimat USA auseinander, wohin er nach Machtübernahme der Nationalsozialisten via Frankreich ausgewandert war. Nach der Flucht wandelt sich der Film in eine frühe Version des Bonnie-and-Clyde-Themas mit zwei Liebenden auf der Flucht - ähnliche Bilder wählte auch Raoul Walsh vier Jahre später in seinem brillianten "Entscheidung in der Sierra". Bei Fritz Lang bleibt jedoch das Sozialdrama bis zum Schluß gegenwärtig. Für die Bilderwelt seiner tragischen Geschichte um einen Verlierer, der von Flucht zu Flucht schliddert, greift Lang gekonnt auf die Mittel des Expressionismus’ zurück, bringt ein schattenreiches Schwarzweiß sowie markante Close-ups und bemerkenswerte Kameraeinstellungen. Ein gut gemachter Vorläufer des Film Noir Genre, das ab 1940 seinen Siegeszug antrat. Hatte der Meisterregisseur in seinem ersten US-Film "Fury" gezeigt, wie brave Bürger einen Unschuldigen lynchen wollen, so zeigt er in "Gehetzt" wie die Gesellschaft einem Gestrauchelten immer wieder die Resozialisierung verweigert.



Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Das Narrenschiff

























Regie: Stanley Kramer

Menschen auf hoher See...

Der leider bereits im Alter von 38 Jahren verstorbene kleinwüchsige Darsteller Michael Dunn spielt in Stanley Kramers "Das Narrenschiff" den Passagier Karl Glocken, der die Geschichte als Erzähler zum Laufen bringt. Der Roman von Katherine Anne Porter war prädestiniert dafür in Hollywood als Ensemblefilm mit Starbesetzung ins Oscar-Rennen zu gehen. Der Film folgt daher der beliebten Erzählstruktur von früheren Filmen wie "Menschen im Hotel" oder "Getrennt von Tisch und Bett" - Regisseur Stanley Kramer hatte auch schon Vorerfahrung mit solchen Filmen, sein eigener Film "Das Urteil von Nürnberg" gilt sogar als einer der besten Filme dieser Art, in dem die Schicksale verschiedenster Charaktere auf einem begrenzten Raum erzählt werden. In dem vier Jahre später anlaufenden "Narrenschiff" verfolgt der Zuschauer diese Menschen auf einem Passagierschiff, das 1933 von Mexiko über Spanien nach Deutschland fährt. 
8 Oscarnominierungen waren der Lohn, zwei Siege waren zu verzeichnen: Bestes Szenebild Schwarz Weiß und beste Kamera. Nominiert war ausserdem Oscar Werner als bester Darsteller, Michael Dunn als bester Nebendarsteller, Simone Signoret als beste Darstellerin, ausserdem gabs Nominierungen in den Kategorien Bestes Kostümdesign, Bester Film und bestes adaptiertes Drehbuch. "Das Narrenschiff" war eine weitere erfolgreiche Arbeit des Gespanns Stanley Kramer und Abby Mann, der schon für "Das Urteil von Nürnberg" das Drehbuch schrieb. Ausserdem ist es meines Wissens der einzige Ausflug des großen deutschen Volksschauspielers Heinz Rühmann in einer US-Produktion.
Er spielt den jüdischen Kaufmann Julius Löwenthal, der bereits gewisse Schikanen an Bord in Kauf nehmen muss. Er muss am Einzeltisch essen und hat keinen Platz am begehrten Kapitänstisch. Den in der Heimat aufkeimenden Nationalsozialismus unterschätzt er, er nimmt ihn nicht so ganz ernst - auch nicht den Nazi Siegfried Rieber (Jose Ferrer), der nicht nur der blonden Lizzi (Christiane Schmidtmer) schöne Augen macht, sondern ganz unverhohlen übles Gedankengut zur Rassenfrage zum Besten gibt. Kapitän Thiele (Charles Corvin) macht dabei gute Miene zum bösen Spiel, aber auch er kann sich kaum vorstellen, dass diese kruden Ansichten bald politisch relevant sein könnten. Er macht sich aber Sorgen um den herzkranken Schiffsarzt Dr. Wilhelm Schumann (Oscar Werner), der auf dem Schiff eine tablettenabhängige Comtessa (Simone Signoret) kennenlernt. Ausserdem befindet sich unter den Reisenden eine alternde amerikanische Lady (Vivien Leigh), die ihre Einsamkeit wahrnimmt und auf der Suche nach Zärtlichkeit auf Männerfang geht. Allerdings ist ihr die rohe und brutale Art des Mitreisenden Bill Tenny (Lee Marvin) nicht besonders angenehm, sie sucht doch was romantischeres. Tenny selbst läuft einer Flamencotänzerin hinterher. Ein schweizer Ehepaar (Stanley Adams, Lilia Skala) haben ihren Hund, den reizenden Boxer Bebe (Bebe) dabei, der sogar im Laufe der Handlung von bösen Kindern von Bord geworfen wird, aber von einem Tierfreund gerettet wird. Dieser verliert aber bei der Rettungsaktion sein Leben. Tragisch, wie auch andere Begebenheiten und gestritten wird auch heftig (George Segal, Elisabeth Ashley). Am Ende kommt das Schiff an seinem Bestimmungsort Bremerhaven an, der Erzähler wagt ein sarkastisches Resümee...



  "Das Narrenschiff" ist sicherlich eines der Meisterwerke von Stanley Kramer (Flucht in Ketten, Rat mal wer zum Essen kommt, ..und nicht als ein Fremder). Der Filmemacher hat in seinem besten Arbeiten (Das Urteil von Nürnberg, Wer den Wind sät, Das letzte Ufer) immer wieder kontroverse Themen mit aufgenommen und hatte vor allem durch eine publikumswirksame Machart damit an der Kasse großen Erfolg. Die besten Parts im Film haben sicherlich Signoret und Werner (Romanze) und Leigh und Marvin (handgreiflicher Schlagabtausch).


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Abenteuer in Panama






















Regie: John Huston, Vincent Sherman

Der Vorabend von Pearl Harbour...

Pirma, nun  ist "Abenteuer in Panama" doch noch als deutschsprachige DVD erschienen. Aber Vorsicht: Das Menü ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn die verschiedenen Optionen erscheinen, dann fängt der Film schon automatisch an zu laufen und beim Drücken auf "Filmstart" war ich auch schon bei Minute 12 angelangt. Aber keine Angst: Mit ein bisschen Naviation auf der Fernbedienung kann man den Film mit gutem Film genießen. Es gibt allerdings keine englischen und deutschen Untertitel. Letzteres ist deshalb auch erwähnenswert, weil im Film selbst zwei kleine Szenen in englischer Originalsprache laufen, die man aber nicht untertiteln kann. Aber es handelt sich dabei lediglich insgesamt um ca. 1 Minuten Filmmaterial. Auf den Film selbst hab ich schon lange gewartet - wenn ich eine Top 20 erstellt hätte mit den meistvermissten Klassiker, die noch nicht auf DVD erschienen sind, dann wäre dieser Film von John Huston aus dem Jahr 1942 dabei gewesen. Da Huston in den Krieg musste, beendete sein Regiekollege Vincent Sherman (Im Solde des Satans, Das Leben der Mrs. Skeffington) den Spionagethriller mit seinem großartigen Hauptdarsteller Humphrey Bogart. Natürlich ist der Film lange nicht so gut wie Hustons große Meisterwerke der 40er "Die Spur des Falken", "Key Largo" oder "Der Schatz der Sierra Madre". Aber dennoch ist "Abenteuer in Panama" vor allem durch den Schlagabtausch zwischen Bogart und Mary Astor sehr unterhaltsam, sehr amüsant und bleibt auch trotz gewisser Absurditäten in der Story bis zum Ende spannend. Bogart und Astor veredeln den Krimi mit einer ganzen Menge grossartigen Screwball-Szenen, die auch heute noch zum Schmunzeln einladen. Captain Rick Leland (Humphrey Bogart) von der Küstenartillerie, eigentlich ein angesehener tapferer Soldat, scheint völlig aus der Bahn geworfen zu sein, als er sich kurz vor Kriegsausbruch zwischen den USA und Japan auf einem japanischen Frachter einschifft. Er wurde kurz zuvor wegen Diebstahls unehrenhaft aus der Armee geworfen. Er findet in der Folge dieses Vergehens auch bei der kanadischen Armee, die sonst gerne freiwillige Soldaten aufnimmt, Um gegen die Japaner kämpfen zu können, will er sich den Chinesen unter Chiang Kai-Shek anschließen. Der Weg des Frachters Genoa Maru führt in Richtung Panamakanal und soll die Passagiere nach China bringen. Am Bord befindet sich auch die hübsche Kanadierin Alberta Marlow (Mary Astor), die ihm auf Anhieb gut gefällt. Imponierend ist auch der Soziologe Dr. Lorenz (Sydney Greenstreet), der ein ausgeprägtes Faible für Japan und die Japaner zu haben scheint. Nach einem Zwischenstopp in New York kann Leland Lorenz das Leben retten, der beinahe einem Attentat zum Opfer gefallen wäre. Neu an Bord ist der japanisch-stämmige Amerikaner Joe Totsuiko (Victor sen Yung), der ebenfalls reichlich undurchsichtig ist. Bald wird immer klarer, dass am Vorabend des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor Sabotage angesagt ist. Es gibt einen perfiden Plan, dem Schleusen des lebenswichtigen Panamakanals zu bombadieren...

Fans von Humphrey Bogart wird sicherlich sehr schnell klar sein, dass der Held nur zum Schein unehrenhaft aus der US-Armee entlassen wurde. Natürlich ist es eine Geheime Mission, die er hier absolvieren muss - denn er kennt sich mit der Küstenverteidigung sehr gut aus. Sydney Greenstreet hat wieder eine markante Rolle, wie bereits in "Spur des Falken" - so sind die drei Hauptdarsteller die gleichen wie im Megaklassiker "Die Spur des Falken". Lediglich Peter Lorre fehlt, dafür gibts aber Kam Tong als netten Diener auf dem Schiff und Viktor Sen Yung als undurchsichtigen Fahrgast. "Abenteuer in Panama“ gehört zur ersten Welle der Propagandafilme, die einer geschockten Nation den Rücken stärken und den Feind klar vor Augen führen sollten.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Ein Alibi zerbricht

























Regie: Alfred Vohrer

Der unbekannte Mann...

Das waren noch Zeiten, damals 1963 - mehr als 14.000 Verkehrstote zählte man auf Deutschlands Straßen . Kein Wunder: Es war damals noch erlaubt vor oder während der Fahrt einige Einheiten Bier, Wein oder Schnaps zu sich zu nehmen.  Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs war ein Autolenker erst fahruntauglich, wenn er 1,5 Promille Blutalkohol hatte. Aber in Alfred Vohrers stilvollem Krimi "Ein Alibi zerbricht" hat Trucker Martin Siebeck (Michael Janisch) das Pech, dass er nachts auf der Autobahn im Nebel einen Mann überrollt und tötet. Er behauptet, dass zwei Männer den Toten auf die Fahrbahn warfen, aber keiner will ihm diese Geschichte abkaufen. Sein Begleiter kann sich nicht dazu äussern, weil er sich kurz vorher schlafen legte. Siebeck wandert erst mal in den Knast und die Existenz seiner Familie steht nun auf der Kippe - als Pflichtverteidigerin muss die engagierte Dr. Maria Rohn (Ruth Leuwerik) mit dem Fall beauftraft. Nach dem Gespräch mit dem Mandanten hat sie aber das Gefühl, dass Siebeck die Wahrheit sagt. An der Stelle, wo sich der Unfall ereignete, ist auch eine Autobahnbrücke - es könnte also durchaus sein, dass da diese ominösen zwei Männer mit einer Leiche nur darauf warteten, bis ein Auto dort vorbeifuhr und die Täter alles so aussehen lassen konnten, als wäre ein Unfall passiert. Da der Tote extrem entstellt ist und niemand vermisst wird, stellt die Identität der Leiche ein weiteres Problem dar. Marias dominanter Gatte Günther (Peter van Eyck) wird auch immer mehr verärgert wegen dem extremen Ehrgeiz seiner Ehefrau, die noch dazu auch über ein bisschen kriminalistisches Gespür verfügt. Schon bald gelingt es ihr die Mordvariante zu beweisen, ihr Mandant kommt frei. Nur kann Maria nicht mehr vom Fall lassen und sie ermittelt auf eigene Faust. Sehr zum Leidwesen ihres Ehemanns und auch dessen Geschäftspartner Dr. Hartleben (Charles Regnier) und Leopold Wasneck (Sieghard Rupp) sowie Frau Wasneck (Hannelore Elsner) können nicht verstehen, dass Maria weiter nach dem Mörder sucht, was ja eigentlich die Aufgabe von Kriminalkommissar Seifert (Fritz Schmiedel) wäre...


"Ein Alibi zerbricht" ist ein Film von Alfred Vohrer, der von Quentin Tarantino, einem seiner Bewunderer, als Deutschlands Hitchcock gesehen wurde. Seine erfolgreichsten Arbeiten hatte der 1914 in Stuttgart geborene und 1986 in München verstorbene Regisseur mit seinen Edgar Wallace Filmen. Sein 1961 entstandener"Die toten Augen von London" gilt sowieso als die beste Edgar Wallace Verfilmung überhaupt. Aber auch "Der Hexer", "Gasthaus an der Themse" oder "Das indische Tuch" sind Highlights der Serie. Später war dann noch mit einigen Simmel-Verfilmungen erfolgreich. Einer davon - "Alle Menschen werden Brüder" erhielt sogar 1973 das begehrte Filmband in Gold. Mit "Ein Alibi zerbricht" gelang ihm ein straff inszenierter kleiner Suspence Krimi, der seinen Reiz vor allem in der Konstellation zwischen der Anwältin und ihrem Ehemann ausübt. Der Mann wird zunehmend suspekt und die Heldin selbst könnte dabei immer mehr in Gefahr geraten. So erinnert das Szenario ein bisschen an die "Mitternachtsspitzen", wo Doris Day möglicherweise ihrem Ehemann Rex Harrisson viel zu sehr vertraut. Der Film wurde in schwarz-weiß gedreht und punktet auch mit seiner guten Atmosphäre. Die beste Rolle hat vielleicht Peter van Eyck erwischt, der den dominanten und nicht sehr sympathischen Ehemann von Maria spielen durfte. Ruth Leuwerik dagegen hat den dramatischen Part und einen zusätzlichen Reiz vermittelt die Frage, was höher wiegt: Ewige Liebe und Treue, die man geschworen hat oder aber Recht und Gerechtigkeit.
Alfred Vohrer inszenierte nach Herbert Reineckers Stoff ein düsteres Kammerspiel, das zunehmend enger, unangenehmer und dunkler wird. Geht die Frau am Anfang enthusiastisch und voller Tatendrang ihrer Arbeit nach, fürchtet sie sehr bald das Ergebnis ihrer Ermittlungen umso mehr, je näher sie ihrem Ziel kommt. Dennoch kann sie nicht anders, sie ist an einem Punkt angelangt, wo sie die Wahrheit finden will. Und dies ist der Weg zu einem bitteren Ende.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Der Tag, an dem die Erde stillstand

 


























Regie: Robert Wise

Klaatus Mission...


Einer der einflussreichsten und besten Science Fiction Filme der 50er Jahre ist zweifelsohne Robert Wises "Der Tag, an den die Erde stillstand". Robert Wise fing als Cutter bei Orson Welles und dessen Meistewerken "Citizen Kane" und "Der Glanz des Hauses Amberson" an - 1945 drehte er als Regisseur den einflussreichen Horrorfilm "Der Leichendieb". Wise war aber vielseitig und in vielen Genres tätig. Im Horrorfach brillierte er vor allem mit "Bis das Blut gefriert", mit "Andromeda, tödlicher Staub aus dem All" folgte  1971 ein weiterer Science Fiction. Der erste Star Trek Kinofilm von 1979 wurde von ihm inszeniert, sein größten Erfolge dürften aber vermutlich die Musicals "West Side Story" und "Meine Lieder, meine Träume" sein. Das Drehbuch von "Der Tag, an dem die Erde stillstand" basierte auf der Erzählung "Farewell to the Master" von Harry Bates, die ursprünglich in dem Magazin "Astounding Science Fiction" erschienen war und zu einer Zeit ins Kino kam, als das Wettrüsten und der kalte Krieg langsam aber sicher gegenwärtig war. Die Worte "Klaatu barada nikto" wurde irgendwann sogar zum festen Bestandteil der Populärkultur des 20. Jahrhundert. Alles beginnt mit Landung einer sibrigen fliegenden Untertasse, die mitten in Washington landet und dort auf dem Rasen eines Stadions gleich von der Armee eingekreist wird. Alle Rundfunkanstalten und Fernsehsender der Welt berichten über das Ereignis, aber die Menschen kennen die Absichten der Ausserirdischen nicht. Daher sind alle Soldaten bewaffnet und jederzeit bereit zu schießen. Aus dem Raumschiff entsteigt ein Alien in Menschengestalt. Der Mann nennt sich einfach Klaatu (Michael Rennie) und hat einen Roboter namens Gort dabei, mit dem nicht zu Spaßen ist. Zumindest nehmen es die Menschen so wahr, denn es wird auf Klaatu geschossen, bei dem man eine Waffe vermutet - dabei war es nur ein Geschenk für den amerikanischen Präsidenten. Gort eliminiert mit seinen Strahlen sofort alle Waffen der Soldaten und erst auf Zuruf des auf dem Boden liegenden verletzten Klaatu lässt er davon ab und bleibt regungslos stehen. Klaatus Mission ist in friedlicher Absicht, aber er hat eine Botschaft an die ganze Menschheit. Er bittet die Führer aller Nationen herbeizurufen, da er eine wichtige Botschaft zu überbringen hat. Dies scheitert allerdings daran, dass die Völker auf der Erde natürlich heillos zerstritten sind und daher ein gemeinsames Treffen nicht realisierbar ist. Ausserdem lässt man Klaatu im Krankenhaus bewachen und schließt ihn im Krankenzimmer ein. Was dem Ausserirdischen aber nur ein müdes Lächeln entlockt, als er bemerkt, dass man ihn als Gefangenen sieht. Für ihn sich Schlösser kein Hindernis und er verlässt inkognito als "Mr. Carpenter" das Krankenhaus. Er hat vor den Charakter der Menschen zu studieren. Zu diesem Zweck mietet er ein Zimmer n einer Pension in Washington. Nähere Bekanntschaft schließt er mit der Mitbewohnerin Helen Benson (Patricia Neal) und deren Sohn Bobby (Billy Gray). Als Helen mit ihrem Freund Tom (Hugh Marlowe) einen Ausflug macht, gehen Klaatu und Bobby durch die Stadt. Der Junge schließt schnell Freundschaft mit dem klugen Mr. Carpenter, weiß aber natürlich nicht, dass sein Begleiter der Ausserirdische ist, der mit Hochdruck gesucht wird...


"Der Tag, an dem die Erde stillstand" hat dann tatsächlich im Laufe der Geschichte einen halbstündigen Stromausfall auf der ganzen Welt und zeigt sich erstaunlich unamerikanisch in dieser heißen Phase des Kalten Krieges. Denn die friedliche Mission des Ausserirdischen wird auch durch die Amerikaner verhindert, die natürlich genauso stur sind wie ihre Feinde in Moskau, die einem Treffen nur dann zustimmen, wenn es in Moskau stattfindet. Lediglich der Wissenschaftler (Sam Jaffe) und der Junge zeigen einen weniger verbohrten Typus von Mensch im Jahr 1951. "Rüstet ab oder ihr werdet vernichtet" mit diesen Worten verabschiedet sich Klaatu von den Menschen, die wahrscheinlich mal wieder nichts dazu gelernt haben. Er warnt die kriegerischen Menschen ihre Kämpfe nicht auch noch auf der Erkundung des Weltalls mitzunehmen. Die Message wurde geschickt in mythischer Schlichtheit verpackt, sie ist aber heute nicht eine Spur veraltet.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Das alte, finstere Haus

























Regie: James Whale

Haus des Grauens...

James Whale gilt als Vater des klassischen Horrorfilms. Er drehte für die Universal in den frühen 30er Jahren die Meisterwerke "Frankenstein", "Frankensteins Braut" und "Der Unsichtbare".
Nach dem großen Erfolg von "Frankenstein"  beharrte das Filmstudio darauf, Whale mit weiteren Stoffen für Horrorfilme zu betrauen. So inszenierte Whale 1932 den Horrorfilm "Das Haus des Grauens" nach einem Roman von John Boynton Priestley. Hier spielt erneut Boris Karloff einer der tragenden Rollen - diesmal als bestialischer Diener, der eine Gruppe von Reisenden in einem walisischen Landhaus in Angst und Schrecken versetzt. Das Publikum, dass daher einen herkömmlichen Horrorfilm mit dem Star erwartete, wure aber mit einem Beitrag überrascht, der sich nirgends so recht einordnen liess.
Alles fängt in einer dunklen und regnerischen Nacht an. Margaret (Gloria Stuart) und Philip Waverton (Raymond Massey) sind mit ihrem Freund Roger Penderel (Melvyn Douglas) mit dem Auto unterwegs -  auf dem Weg nach Shrewsbury. In den Bergen von Wales werden sie aber von einem Sturm und einem schnell einsetzenden sintflutartigem Regen überrascht. Als die Straße weggespült wird, suchen sie Zuflucht in ein altes einsames Haus. Das Anwesen wird von der Familie Femm bewohnt. Während Horace Femm (Ernest Thesiger) die Gäste höflich begrüsst, wirkt seine Schwester Rebecca (Eva Moore) nicht nur fanatisch-religiös, sondern abweisend. Am liebsten würde sie die Eindringlinge hinauswerfen, doch der Sturm lässt dies nicht zu. Sie warnt aber die drei Besucher vor dem aggressiven Butler Morgan (Boris Karloff), der stumm ist und mit Alkohol recht gefährlich werden soll. Sie erfahren auch von einem 102 jährigen Vater (Elspeth Dudgeon), der im ersten Stock im Bett liegen soll und einem weiteren Familienmitglied namens Saul (Brember Wills), der aufgrund seiner Unberechenbarkeit eingeschlossen ist und ein wahres geisteskrankes Monster sein soll.
Im Verlauf des Abends kommen zwei weitere Zufluchtsuchende hinzu, der primitive Millionär Sir William Porterhouse (Charles Laughton) und die Bühnentänzerin Gladys DuCane (Lilian Bond). Bis zur Morgendämmerung müssen sie sich nun wohl oder übel mit ihren seltsamen Gastgebern auseinandersetzen, dies führt im Laufe der Nacht zu einigen Gesprächen, vielen Irritationen, einer beginnenden Beziehungskiste und vielen gruseligen Momenten...


 dabei ist der Film vollgepackt mit den üblichen Gruselrequisiten, die James Whale wirkungsvoll im Lauf der Handlung zur Geltung bringt. Präsentiert werden daher dunkle Korridore, huschende Schatten, vom Wind aufgestoßene Fenster oder dunkle Geheimnisse hinter verschlossenen Türen. Es ist ein Film über abnormale und geisteskranke Verhaltensweisen, die sich bei der Familie Femm im "Haus des Grauens" häufen. Es ist vielleicht sogar der erste Film über eine vollkommen dysfunktionalen Horrorfamlie - ab den 70er Jahren traten sie im Kinofilm ja vermehrt auf und erfreuen sich noch heute im Horrorgenre einer großen Beliebtheit.


Bewertung: 8 von 10 Punkten

Sonntag, 4. Januar 2015

Die Nächte der Cabiria

























Regie: Federico Fellini

Auf in den neuen Tag...

Cabiria (Giulietta Masina) ist eine junge Prostituierte aus Rom. Sie lebt in der Vorstadt Acilia, an der Straße nach Ostia und hat immerhin von angeschafften Geld etwas ansparen können und besitzt nun ein heruntergekommenes Haus. Dies liegt in der Nähe der Tankstelle und zum Archäologischen Park, wo sich die Protstituierten, ihre Zuhälter und die Freier treffen ist es nicht weit. Dabei träumt die junge Frau immer noch von der großen Liebe, aber ihr neuer Lover Giorgio (Franco Fabrici) hat sie rücksichtslos in den Tiber geworfen, um an das Geld in ihrer Handtasche zu kommen. Beinahe wäre sie ertrunken, wird aber in letzter Sekunde von ein paar Bewohnern, die dort in den Hochhäusern leben, gerettet. Es dauert eine Zeit, bis sie erkennt, dass ihr Giorgio sie um die Ecke bringen wollte. Mit Nachbarin Wanda (Franca Marzi), die ebenfalls auf den Strich geht, hat sie eine gute Freundin. Eines Abends als Amleto (Ennio Girolami), ein Zuhälter in die Stadt zur belebten Via Veneto bringt, trifft sie dort nicht nur die exklusiveren Prostituierten von der Villa Borghese, die dort arbeiten, sondern auch den Filmstar Alberto Lazzari (Amedeo Nazzari). Dieser hat Trouble mit seiner launischen Freundin Jessy (Dorian Gray) und verbringt den weiteren Abend mit der auf der Straße stehenden Cabiria. In einem Club tanzen die beiden Mambo, dann gehts in Albertos schicke Villa, wo der Star Hummer und Kaviar anbietet. Damit ihre Berufskolleginnen ihr glauben, muss der Star ein persönliches Autogramm schreiben - es ist eine der wenigen Nächte, die von einem besseren Leben träumen lassen. Aber Cabiria ist eine Frohnatur und hat sich auch noch eine gewisse Unschuld bewahrt. Sie unternimmt daraufhin eine Wallfahrt zu einer Madonna und erwähnt gegenüber einem Franziskanerbruder voller Trauer, dass sie sich nicht der Gnade Gottes teilhaftig fühle. In einem Vorstadt-Varieté wird sie einige Zeit später von einem Hypnotiseur (Aldo Silvani) vor dem johlenden Publikum in Hypnose versetzt und teilt in diesem tranceartigen Zustand dem ganzen Publikum ihre persönliche Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Vertrauen mit. Dadurch macht sie die Bekanntschaft mit Oscar D’Onofrio (Francois Perrier), der zufällig im Publikum saß. Wird womöglich aus dieser Begegnung die große Liebe, an die Cabiria immer noch glaubt...



Federico Fellini wurde mit "La Strada" auf einen Schlag weltberühmt, der Film brachte ihm den Oscar als bester fremdsprachiger Film ein. Ein Jahr später konnte er den gleichen Erfolg mit dem ähnlich gelagerten "Die Nächte der Cabiria" wiederholen. Trotz der vielen Ähnlichkeiten ist aber "Die Nächte der Cabiria" ein positiverer Film, der mit einer wunderschönen Szene zu Ende geht. Nach dem Schock und mit dem Gefühl noch einmal überlebt zu haben, irrt Cabiria durch den Wald und trifft dort auf eine Gruppe singender und musizierender Jugendlicher. Das Mädchen auf dem Moped erkennt "Wir können den Weg nach Hause nicht mehr finden"...was auch auf unsere Heldin zutrifft, denn sie hat - das Glück sicher in der Tasche - doch kurz vorher ihr Häuschen verkauft und steht nun wieder mittellos da. Aber in ihrem Gesicht ist zu erkennen, dass sie wieder das Stehaufmännchen sein wird und wie immer versucht das Leben zu meistern. Giulietta Masina passt dabei perfekt in diese Rolle, man nimmt ihr das flatterhafte Mädchen mit unmoralischen Lebenswandel genauso ab wie das unschuldige und fast engelhafte Wesen mit dem sie ihren Alltag meistert. Für mich ist dieser meisterhafte Film einer der besten Arbeiten von Fellini und ich finde dieses atmosphärisch dichte und poetische Meisterwerk steht zu Unrecht etwas im Schatten des populäreren "La Strada". Die Magie, die der Film ausstrahlt, ist aber in beiden Fällen ebenbürtig und schon zu Beginn mit der Szene am Tiber ist der große Klassiker erkennbar. Dabei ist es auch immer wieder faszinierend wie nahe und dicht Fellini das unmoralische Dolce Vita an die Religion und den Glauben koppelt. In diesem Film mit einer bewegenden Massen Wallfahrt, die kommerzieller nicht sein könnte und dennoch eine extreme Hysterie unter den Gläubigen auszulösen vermag. Sehr klasse auch wie Fellini seine Hauptfigur mit einer tiefer reichenden Wirklichkeit ausstattet - sie ist stark, stolz und immer wieder in der Lage sich nach jedem Rückschlag aufzuraffen und beinahe schon mambotanzend den hoffentlich besseren neuen Tag begrüßt. Einer meiner Lieblingsfillme. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.