Samstag, 22. August 2026

Jerry Cotton - Todesschüsse am Broadway
















Regie: Harald Reinl

Goldbarren im Hafen..

Obwohl am Ende des 8. Jerry Cotton Films "Todesschüsse am Broadway" bereits ein weiteres Abenteuer fürs Kino angekündigt wurde, war dies doch die letzte Folge der beliebten Kinoserie. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Produzenten nicht mehr so ganz mit den Umsatzzahlen im Kino zufrieden waren. Während der erste Jerry Cotton Film "Schüsse aus dem Geigenkasten" von Regisseur Fritz Umgelter im Kinojahr 1965 auf Platz 10 mit mehr als 3,7 Millionen Zuschauern im Jahresranking landete, war bereits der 7. Film "Der Tod im roten Jaguar" unter der Millionengrenze (717.000) und "Todesschüsse am Broadway" mit 797.000 Zuschauern konnte sich nur leicht verbessern. Ein Grund war sicherlich, dass die Macher die Beliebtheit des FBI Mannes arg ausreizten, jedes Jahr kam bereits ein weiterer Film in die Kinos. Schade eigentlich, denn die Filmreihe war durchaus sympathisch. Trotz der durchschaubaren Technik, Second-Unit- und Archivaufnahmen von Schauplätzen wie New York oder Las Vegas zu verwenden, obwohl der Dreh nie in den USA stattfand. Kein einziger der Darsteller setzte für den Film den Fuß auf amerikanischen Boden. Wie sich die dunkelhaarige Schöne Heidy Bohlen da in prächtigen Farben und gestochener Schärfe von dem leicht milchigen Empire-State-Building-Footage abhebt, möchte man sich fast einen überlebensgroßen Druck davon an die Wand hängen. Hier findet das "Make Believe",  die Freude am Pulp, das Unzureichende des Stils, das mit der Intensität des Traums und der Sehnsucht nach der fremden Welt hinter dem Ozean, einer Welt voller Aufregung und Abenteuer, Hand in Hand geht, seinen idealen Ausdruck. Alles andere ist dann eigentlich egal. Jerry Cotton (George Nader) wird hinzugezogen, um ein Verbrechen am Broadway zu untersuchen, da der FBI-Agent Johnny Peters (Hans Heyde) bei einem Undercover-Einsatz ums Leben gekommen ist. Vor seinem Tod hatte er die Beute eines kürzlich verübten Großraubs an einem unbekannten Ort im New Yorker Hafengebiet versteckt. Alle Täter werden vom FBI verhaftet, doch der Haupttäter, Costello (Miha Balch), wird bald von einer rivalisierenden Gang befreit. Seine neuen Komplizen vermuten, dass er den Aufenthaltsort der Beute kennt, und er versucht, ihre Erwartungen zu erfüllen. Die Freundin des verstorbenen Agenten, Cindy (Heidi Bohlen) ist damit auch in Gefahr, denn auch sie könnte wissen, wo sich der Goldraub befindet. Und was tut ein so wendiger Gangster, wenn seine Visage inzwischen alle Steckbriefe ziert? Er geht zu Nasen-Charly (Rudolf Fernau), der ihm ein attraktiveres Gesicht verpasst.  Dieser ehemalige Chirurg operiert nun im Untergrund ganz speziellen Patienten die Gesichter so zurecht, dass sie niemand mehr erkennt. Logisch, dass vorsichtshalber auch der Arzt und seine Assistentin unmittelbar nach dem gelungenen Eingriff erschossen werden müssen. Nur die Zuschauer erkennen Costello weiterhin – und das sogar von Weitem: Hut, Trenchcoat, Bart und Maschinenpistole sind ikonografische Merkmale des einsamen Verbrechers...








Michaela May spielt in der Geschichte die Nichte des Konkurrenten von Costello. Auf dieser  eheer schwachen Story-Basis lässt sich jede Menge Action präsentieren, ohne dass sie durch allzu viel exploitativen Firlefanz gestört würde. Statt des altväterlichen Mr. High sehen wir nun Konrad Georg als nüchternen Vorgesetzten Mr. Ross – so hieß Konrad Georg übrigens bereits in einer ähnlichen Rolle in den Durbridge-Mehrteilern um Tim Frazer. Diese Nüchternheit passt deutlich besser zur harten Welt des Verbrechens. Überhaupt ist klamaukiger Humor nahezu vollständig eliminiert und beschränkt sich auf einige zotige Sprüche von Jerry Cotton und Phil Decker, die für das Jahr 1969 vergleichsweise mild ausfallen. "Todesschüsse am Broadway" wirkt vielleicht sogar moderner und zeitgemäßer als seine Vorgänger, aber trotz der erhöhten Professionalität ist die Story eher schwach. Unter diesem Gesichtspunkt ist "Todesschüsse am Broadway" vielleicht sogar der schwächste aller Jerry Cotton Filme.







Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

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