Sonntag, 13. Juli 2014

An einem Tag wie jeder andere

























Regie: William Wyler

Die Eindringlinge...

"An einem Tag wie jeder andere" ist ein 1955 entstandener "Home Invasion" Thriller und hat gegenüber seinen Artverwandten jüngeren Datums ganz klar den Vorteil, dass er seine Spannung durch die starken Charaktere bezieht, die in der spannenden Kriminalgeschichte vorkommen. Vor allem das Aufeinanderprallen von Gangsterboss Glenn Griffin (Humphrey Bogart) mit dem Familienvater Dan Hillard (Frederic March) wird durch zwei hervorragende Darstellerleistungen geprägt. Es ist tatsächlich ein Tag wie jeder andere...auch bei den Hillards. Vater Dan geht zur Arbeit, Tochter Cindy (Mary Murphy) in die Highschool. Der kleine Ralphie (Richard Eyer) geht zur Schule und Mutter Eleanor (Martha Scott) macht sich an die täglich wiederkehrenden Hausarbeiten. In den Nachrichten kommt die Meldung, dass 3 Schwerverbrecher aus dem Gefängnis ausgebrochen sind. Was Mrs. Hillard nicht weiß ist, dass genau diese 3 Schurken bereits im ihrem Fluchtauto ganz in der Nähe sind und die Häuser dieses Viertels daraufhin begutachten, wo man unterkommen kann. Ralphies Fahrrad im Garten ist ausschlaggebend dafür, dass Glenn Griffin (Humphrey Bogart) an der Haustür klingelt und eh sich die Frau versieht ist sie bereits in der Gewalt des Trios, zu dem auch Glenns Ichschwacher jüngerer Bruder Hal (Dewey Martin) und der jähzornige Psychopath Kobish (Robert Middleton) gehören. Als Vater und Tochter nach Hause kommen, werden diese genauso gezwungen die Ausnahmesituation zu dulden und auf "Normalbetrieb" zu machen. Lediglich der kleine Ralphie kann nicht verstehen, warum der Papi die Gangster nicht aus dem Haus jagt. Glenn will mit Hilfe seiner Freundin, die ihn abholen soll, vor der Polizei erfolgreich fliehen. Doch es zeichnet sich bald ab, dass die Familie - auch wenn sie sich an die Vorgaben der Gangster hält - in höchster Gefahr schwebt. Die Möglichkeit, dass unerwünschte Zeugen aus dem Weg geräumt werden sollen, ist groß. Ebenso die Option, dass die Gangster bei ihrer Flucht aus dem Haus Hillard eine oder mehrere Geiseln mitnehmen...

 Der Film von Willam Wyler bietet sehr viele Nebenhandlungen an, die die gewaltsame Wohungsbelagerung extrem interessant machen. Zum einen ist die Beziehung der drei Gangster, vor allem aber die zwischen älterem und jüngerem Bruder psychologisch interessant dargestellt. Auch der Vater als Gegengewicht zum Gangster wird von den beiden Darstellern klug herausgearbeitet. Dabei steht Hillard für den rechtschaffenen, erfolgreichen Amerikaner, der es durch eigene Leistung zu etwas gebracht hat und nun eine glückliche Famiie in einem glücklichen Zuhause vorweisen kann. Dies alles blieb dem Gangster versagt, der die Oberklasse zutiefst hasst. Darüberhinaus kommt es auch noch zum Konflkt zwischen dem besonnen agierenden Vater Hillard, der die ganze Familie retten will und dem hitzköpfigen, emotionalen Ralphie. Der Vater versucht das Kind zu überzeugen, dass man als erwachsener Mann Verantwortung trägt und vorsichtig abzuwägen hat, was man tut. Gesamthaft hat  der Vater auch den Konflit zu lösen, da es einen Zwiespalt gibt zwischen Verantwortung seiner Familie gegenüber und derjenigen als Staatsbürger.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 9. Juli 2014

Dracula (1931)





















Regie: Tod Browning

Der amerikanische Nosferatu...

Bram Stokers Horror-Roman "Dracula" erschien 1897 und wurde sehr schnell zum Welterfolg. Es war die Geschichte eines über 400 Jahre alten transylvanischen Vampirs, der auf die historische Gestalt des Vlad Tepes (Vlad, der Pfähler) zurückgeht, der von 1431 bis 1476 lebte. Graf Dracula lebt in Transilvanien und hat aber vor nach London, in die verwahrloste und leerstehende Carfax Abtei zu ziehen. Die ersten Szenen des 1931 entstandenen Universal Welterfolgs "Dracula" von Regisseur Tod Browning zeigt eine Kutsche, in der sich mehrere Reisende über Vampire unterhalten. Doch der englische Makler Renfield (Dwight Frye) glaubt nicht an diese Märchen der einfachen Leute. Am Gasthof angekommen soll die Reise weitergehen - denn um Mitternacht ist er dort oben am Borgo Pass mit einem Grafen Dracula verabredet. Der Wirt, die Kutscher und alle anderen Leute, die diese selbstmörderische Absicht mit anhören versuchen den Mann zur Übernachtung im Gasthaus zu überreden. Er könne doch morgen früh weiterreisen, denn es ist Walpurgisnacht und in der Dunkelheit steigen der Untote Graf Dracula (Bela Lugosi) und seine Frauen aus ihren Särgen und sind gezwungen sich vom Blut der Menschen zu nähren, damit sie überleben können. Diese ersten Szenen des Films sind auch mit die besten, sie erinnern an die expressionistischen deutschen Filme. Der Kameramann Karl Freund war sehr einflussreich, was die morbide Optik des Films angeht. Diese Szene, in dem die Frauen aus ihren Gräbern steigen und es vor Ratten und Gürteltieren wimmelt ist wahnsinnig gut gemacht und der Macher wurde sicherlich von Murnaus "Nosferatu" inspiriert, der ähnliche Bilder des Verfalls und Untergangs zeigte. Heute mag man sich vielleicht über die Qualität von Bela Lugosis Dracula Performance streiten - ich finde sie gut, trotz der etwas übertriebenen und theatralisch stilisierten Ausrichtung. Aber er hat Charisma und die Geschichte ist - obwohl schon so bekannt - immer noch gruselig und fasznierend. 


Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Edward von Sloan spielt den deutschen Professor Van Helsing und Dwight Fryes Darbietung als Renfield bleibt auch unvergessen. Das Ende kommt etwas abrupt - da hat sich Coppola viel mehr Zeit gelassen. Hier im Klassiker von 1931 wird er leicht besiegt, schnell gepfählt und man hört nur ein letztes Stöhnen aus dem Off. "Dracula" gehört zu den großen Produktionen des Studiochefs Carl Laemmle jr., es folgten "Frankenstein", "Die Mumie", "Die schwarze Katze", "Der Unsichtbare" und "Frankensteins Braut"


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 1. Juli 2014

Der unheimliche Gast

























Regie: Lewis Allen

Der Geist von Winword House...

Eigentlich ist der als Film Noir bei Koch Media erschiene "Der unheimliche Gast" eher ein Geisterfilm. Der romantische Grusler entstand 1944 unter der Regie von Lewis Allen. Dabei gibts öfters Erinnerungen an Hitchcocks Hollywood-Einstand und Oscarerfolg "Rebecca" von 1944.  Gut, der Film Noir ist nicht nur Genre, sondern definiert sich nicht durch die Konventionen des Schauplatzes oder des Konflikts (auch wenn der Großstadtdschungel sehr oft auftaucht) , sondern vor allem durch seine eher düstere Atmosphäre. Und wie so oft im Film Noir sind es hier die Personen, die mit der Last der Vergangenheit konfronitert werden. Die Geschichte führt den Zuschauer an die malerische Küste des westenglischen Cornwalls. Dort machen die Geschwister Roderick (Ray Milland) und Pamela Fitzgerald (Ruth Hussey) im Sommer 1973 Ferien. Doch die sind bald vorbei, noch einmal machen sie einen Spaziergang mit ihrem Hund Bobby. Dieser jagt dann ein Eichhörnchen, dass sich durch ein offenes Fenster eines Hauses flüchtet. Dieses schöne Haus scheint offenbar seit Jahren leer zu stehen, als Rick und Pamela es betreten, denn auf ihre Rufe antwortet keiner und es sind fast keine Möbel darin zu sehen. Doch die Stadtmenschen verlieben sich spontan in dieses Häuschen in ländlicher Idylle. Noch vor Ort überredet Pamela ihren Bruder zum Kauf es Anwesens. Und die beiden scheinen Glück zu haben. Denn der Besitzer Commander Beech (Donald Crisp) ist zum Verkauf bereit. Obwohl dessen Nichte Stella Meredith (Gail Russell) ganz und gar nicht darüber erfreut ist. Der Commander gibt aber an, dass er vor 5 Jahren schon einmal vermietet hätte und dieser sich über "Störungen" im Haus beklagt hätte. Störungen ? Also seltsame Geräusche in der Nacht. Diese Geistergeschichten sind für die Großstädter natürlich absurd. Doch Winwward House ist nicht ohne. Tatsächlich werden die neuen Besitzer in der Nacht, ein schreckliches Weinen oder Wimmern ist immer kurz vor Sonnenaufgang zu hören. Und Blumen, die in einem bestimmten Zimmer abgelegt werden, verwelken in Sekundenschnelle. Was für ein Geheimnis verbirgt das Haus ? Die Vorbesitzerin Mary Meredith, Tochter von Commander Beecham und Mutter von Stella, starb durch einen Sturz von den Klippen...


Im Hause spukt es immer mehr, es scheint ein verfluchtes Haus zu sein, im dem irgend jemand gewaltsam zu Tode kam. Es scheint so als würde der Geist der Toten keine Ruhe finden. Es gibt allerdings in der Geschichte Personen, die mehr wissen, aber die Vergangenheit ruhen lassen wollen - sie haben dafür Gründe. So müssen die Geschwister das Rätsel des Geisterhauses selbst lösen. Zur Seite steht ihnen eine furchtsame irische Haushälterin (Barbara Everest). Ganz nach Rebecca-Manier taucht eine Art Miss Danvers auf, die heißt hier Miss Holloway (Cornelia Ottis Skinner) und ist die Leiterin einer dubiosen Psychiatrieeinrichtung. In ihrem Büro das überlebensgroße Portrait ihrer besten, verstorbenen Freundin Mary Meredith. Der Film ist so eine Art Vorläufer der heute immer noch sehr beliebten Geisterfilme, Filme um Häuser, in denen es spukt - 1944 gabs also schon diese Seiten eines Buches, die sich von unsichtbarer Hand umblättern un die sich mit einem Knall öffenden Türen. Atmosphärisch dicht hat Lewis Allen die Geschichte inszeniert, Charles Lang (Reporter des Satans, Manche mögens heiß, Heißes Eisen) wurde mit der Kameraarbeit betraut, schon die ersten Bilder von der Küstenlandschaft und der unheimlichen See bereiten den Zuschauer bestens auf das Mysterium vor, dass von einem unheimlichen Gast im Haus beherrscht wird. Ein interessanter Klassiker, den ich bisher noch nicht kannte.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Frankenstein (1931)





















Regie: James Whale

Der Wissenschaftler, der Leben erschuf...

Selbst Zuschauer, die "Frankenstein" zum ersten Mal sehen, dürften auf viele bekannte Szenen stoßen: Die Erschaffung des Monsters (Boris Karloff) unter dem tosenden Himmel in einem Turm, wo der junge Baron Dr. Henry Frankenstein (Colin Clive) mit seinem buckligen Diener Fritz (Dwight Frye) sein Labor hat und ein extremes Gewitter braucht, um seinen persönlichen (Alp)traum zu erfülen: Die Erschaffung eines Menschens. Das Monster auf dem Operationstisch liegend, wie es sich langsam bewegt und das berühmte Close up in sein Gesicht, die Kamera fängt ein Wesen ein, dass undurchsichtig wirkt, die Augen verraten nichts über die Gesinnung. Doch Fritz ist beim Klau in der Universität ein Mißgeschick passiert. Der Glasbehälter mit dem "normalen Gehirn" ging durch einen jähen Glockenschlag zu Boden und so musste alternativ auf "anormales Gehirn" zurückgegriffen werden, das einem Schwerverbrecher gehört. Die Frankensteins geben ein Fest, Henry ehelicht endlich seine große Liebe Elizabeth (Mae Clark), doch die hat üble Vorahnungen am Tag der Hochzeit. Während das ganze Dorf im Freudentaumel versinkt, meuchelt das Monster den Wissenschaftler Prof. Waldman (Edward VanSloane), während dieser das Monster, das man für tot hält, sezieren will. Dann eine weitere berühmte, oftmals kopierte Szene mit dem Kind am See. Die kleine Maria (Marilyn Harris) wird Opfer des Monsters. Aber nicht weil dieser so gewalttätig agiert wie bei Fritz oder Dr. Waldman, sondern aus reiner Unwissenheit. Das Mädchen machte den Fehler Blumen ins Wasser zu werfen, die dann auf der Wasseroberfläche liegen. Ein Schubs ins Wasser, doch Maria kann nicht schwimmen. Verstört wandert die flüchtige Bestie in Richtung Dorf. Dort wird gefeiert, aber der Vater des Kindes betritt die Szenerie mit dem toten, ertrunkenen Kind im Arm. Jäh finden die Feierlichkeiten ein Ende. Der Mob mit brennenden Fackeln sucht nach dem Mörder der Kleinen und es gibt keinen Zweifel an der Gesinnung der lynchfreudigen Menge...


Im Prolog von James Whales Klassiker "Frankenstein" wird der Zuschauer auf die faszinierende und äusserst verstörende Geschichte aufmerksam gemacht. Ist er mental stark genug für diesen Horror ? Zu gerne war es der Zuschauer, denn der Produktion von Carl Laemmle gelang 1931 ein Riesenhit und einer der einflussreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Dutzende Male kopiert, persifliert...man kennt die Abfolge der Geschichte genau. Boris Karloff schafft mit seinem Aussehen und seiner tragischen und beinahe sehnsüchtigen Performance einer der bekanntesten Figuren des Genres, er hat einen festen Platz in der Geschichte des Kinos. Seine Figur wirkt kindlich und rührend, auch wenn sie Schrecken verbreitet und so gar nicht zu Kontrollieren ist. Dies ist vielleicht das große Manko des Werks eines Wissenschaftlers, der wie Gott sein wollte. Das Ende hätte vielleicht merklich düsterer ausfallen sollen. Aber so war immerhin die genauso geniale Fortsetzung "Frankensteins Braut" machbar. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 14. April 2014

Viridiana

















Regie: Luis Bunuel

Die Novizin und ihr Oheim...

Schauplatz der Orgie, die im Film "Viridiana" von Luis Bunuel stattfindet, ist der Speisesaal eines spanischen herrensitzes: An der festlich gedeckten Tafel hocken Kranke, Diebe, Bettler, Blinde, Zwerge und Aussätzige. Alle sind volltrunken. Das Paar schickt sich an, den Freuden der Liebe zu huldigen, als jemand vorschlägt ein Foto zu machen. Das Gruppenbild, das sie bieten, wirkt wie eine parodistische Version von Leonardo da Vincis "Das Abendmahl". Die Stelle Jesu nimmt ein Blinder ein. Dann kehrt Stille ein. Draußen kräht ein Hahn. Eine berühmte Filmszene aus Bunuels 1961 entstandenen spanisch-mexikanischen Welterfolg. Die Handlung des Films ist blasphemisch und provokatorisch, denn in seiner Grundaussage ist er der Meinung, dass Barmherzigkeit eher ein Laster sei und mehr Schlechtes als Gutes bringe.
Die junge Novizin Viridiana (Silvia Pinal) ist gerade im Begriff ihr Gelübde abzulegen, als sie von ihrem Onkel Don Jaime (Fernando Rey) eine Einladung zum Besuch erhält. Er ist ihr einziger lebender Verwandten und hat ihre Ausbildung bezahlt.  Sie kennt ihn aber nicht gut, hat ihn nur einmal bisher getroffen und ist nicht besonders glücklich über diese Einladung. Die Mutter Oberin empfiehlt ihr aber den Besuch. Auf diesem Herrensitz angekommen zieht die junge Frau das Interesse des alternden Adligen auf sich, da sie eine starke Ähnlichkeit mit dessen Frau hat, die während der Hochzeitsnacht starb. Das Anwesen samt Bauernhof ist etwas heruntergekommen. Kein Wunder, denn Don Jaime hat nur einen treuen Hausmeister, eine ergebene Dienerin namens Ramona (Margarita Lozana), die dort mit ihrer kleinen Tochter Rita lebt. Viridiana, die manchmal Nachts schlafwandelt, soll dem Onkel einen merkwürdigen Wunsch erfüllen, indem sie das Hochzeitskleid seiner Frau anziehen soll. Ramona gesteht der Novizin dann noch, dass Don Jaime vorhat um ihre Hand anzuhalten. Diese Information nimmt sie mit einem gewissen Entsetzen auf. Doch im Getränk ist bereits ein Schlafmittel, dass dazu benutzt wurde die ahnungslose Frau bewusstlos zu machen. Don Jaime hegte die Absicht die Frau im Schlaf zu vergewaltigen, doch im letzten Moment lässt er von ihr ab.
Am nächsten Morgen lügt er Viridiana an: Um sie bei sich zu halten, erfinde t er die volllzogene Vergewaltigung. Dieses Geständnis schockt, die Frau reist ab. Kommt aber nur bis zum Bahnhof, denn dort erfährt sie von der Polizei, dass der Onkel sich erhängt hat. Geplagt von Schuldgefühlen bleibt sie im Haus des Onkels und möchte armen Menschen ein Obdach gewähren. Dies passt aber Don Jaimes unehelichem Sohn Jorge (Francisco Rabal) nicht, der nach dem Tod seines Onkels mit der Geliebten (Victoria Zinny) ebenfalls einzieht..


 .Der Film selbst begeistert durch Charakterstudien von eindringlicher Tiefe und vielschichtigen Rätsel. Vor allem das Bettlerbankett bleibt in einprägsamer Erinerung. Es beginnt mit Freude und Neugier, steigert sich aber ins anarchistische Exzess. Die Ärmsten der Armen schmatzen, tanzen, saufen, verwüsten, verprügeln einander und steigern zunehmend ihre Aggression. Silvia Pinal und Fernando Rey spielen ihre Rollen großartig. Aufgrund der Tatsache, dass die christliche Lehre nicht sehr gut wegkommt, war der Film zu seiner Entstehung ein echter Skandal. Allerdings gewann er 1961 die Goldene Palma von Cannes.
Der Film stellt die Moral des Katholizismus einer brutalen Realität gegenüber. So reicht beispielsweise Viridianas religiöser Eifer so weit, dass sie im Gepäck eine Dornenkrone mit sich führt und zur Buße auf dem Fußboden schläft. Der Schluß deutet sehr auffällig an, dass die Sünde siegen wird. 

Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Sonntag, 13. April 2014

Wilde Erdbeeren

























Regie: Ingmar Bergman

Das Leben des Isak Borg...

In Ingmar Bergmans 1957 entstandenen Klassiker "Wilde Erdbeeren geht es um Erinnerungen, wobei die Handlung des Films aber auf einen einzigen Tag komprimiert ist. Der 76jährige Professor Isak Borg (Victor Sjöström) feiert an diesem Tag sein goldenes Doktorjubiläum. Am 50. Jahrestag seiner Promotion soll er von seiner Universität in Lund geehrt werden. So unternimmt er eine Autofahrt vom heimischen Stockholm nach Lund. Der Tag beginnt aber mit einem Grübeln, denn der alte Mann hat im Traum seinen eigenen Tod erlebt und sich als Leiche gesehen. Er sieht sich auf einer menschenleeren, ausgestorbenen Gasse. Die Uhr, die vor einem der Häuser hängt, hat keine Zeiger mehr. Er erblickt einen weiteren Mann, der ihm den Rücken zugedreht hat. Als er diesen anstupst, fällt diese Gestalt zu Boden und zerspringt wie ein Gefäß, aus dem gebrochenen Kopf kommt Blut. Er hört ein Herzpochen und dann kommt eine Kutsche mit Pferden immer näher. Es ist ein Leichenwagen, der eine Laterne streift, weil sie wohl keinen Kutscher hat. Der Wagen birst, das Rad löst sich und rollt auf den staunenden und entsetzen Professor zu, der Sarg rutscht heraus und landet vor den Füßen des Träumenden. Er öffent sich und die Hand der Leiche bewegt sich. Als der Professor über den Sarg beugt, erkennt er sich selbst.
Dieser Traum macht Angst und so wird der Tag auch ein Tag voller Erinnerungen. Seine Haushälterin Agda (Julian Kindahl) richtet ihm das Frühstück und macht die Koffer reisefertig. Professor Borg entschließt sich für die Reise mit dem Auto, begleitet wird er von seiner Schwiegertochter Marianne (Ingrid Thulin), die sich erst kürzlich von ihrem Mann Evald (Gunnar Björnstrand) getrennt hat, weil dieser immer mehr verhärterter und todessüchtiger wird. Auf dem Weg dorthin fährt er bei seiner 96jahre alten Mutter (Naima Wilfstrand) vorbei. Sie nehmen auf der Fahrt auch drei Anhalter mit. Die junge Sara (Bibi Andersson), die seiner Jugendliebe Sara gleicht, reist mit den beiden jungen Männern Anders (Folke Sundquist) und Viktor (Björn Bjelvenstam) mit. Die beiden Männer streiten ständig über die Existenz Gottes und Isak selbst hat an diesem Tag weitere Träume und immer wieder kommen Erinnerungen in ihm hoch. Vor allem an seine Jugendliebe Sara, die sich für seinen Bruder entschied - aber auch an seine Frau Karin (Gertrud Fridth), die ihn betrog, aber ihm auch vorwarf ein grenzenloser Egoist zu sein....

 Bergmans Film zeigt einen Mann an der letzten Schwelle seines Lebens. Die guten Taten und die bösen Werke geben sich die Hane und spüren ihn auf in Gestalt von düsteren Träumen. Er wird dabei nicht umhin kommen eine Bilanz seines Lebens zu ziehen. So wird es nicht nur zu einer Reise zu einer Feier, sondern eine Reise gnadenloser Abrechnungen und schmerzhaften Erinnerungen. Sie stehen im scharfen Kontrast zu der Promotionsfeier am Ende. Die Idylle besitzt einen Schrecken, grandios auch die Gegenüberstellung des alten Isak Borg mit einem kleinen Kind, so wird die Reise auch eine elementare Erinnerung bis zur Geburt.
Jeder Dialog sitzt perfekt und die Schauspielerleistungen, allen voran Victor Sjörström, Ingrid Thulin und Bibi Andersson sind hervorragend und machen "Wilde Erdbeeren" zu einem herausragenden Filmwerk. Einerseits hat der Film auch eine gewisse Leichtigkeit, aber Hauptmerkmal ist die ständige Melancholie - eine Folge aus den Kontrasten des Lebens, einerseits die Unkompliziertheit der Jugend, andererseits die Traurigkeit im Alter.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Mittwoch, 9. April 2014

Einen Sommer lang

























Regie: Ingmar Bergman

Erinnerungen an die erste Liebe...

Es lohnt sich sehr, sich mit dem Frühwerk des schwedischen Filmregisseurs Ingmar Bergman auseinanderzusetzen, der beste Beweis liefert dafür sein 1951 entstandener Liebesfilm "Einen Sommer lang" (Orignal "Sommarlek), den Bergman als einen seiner wichtigsten Werke bezeichnete, denn in diesem Film - so seine Aussage - fand er zum ersten Mal zu seinem eigenen Stil "„Ich wußte plötzlich, daß ich die Kamera an die richtige Stelle stellte, daß ich die richtigen Ergebnisse bekam, daß die Dinge stimmten". Der Film beginnt inmitten der Proben zu "Schwanensee". Die 29jährige Marie (Maj-Britt Nilsson) ist die Primaballerina. Die Frau ist inzwischen zu einem Star geworden, doch sie ist für ihre Mitmenschen eher der introvertierte und verschlossen Typ. Sie wirkt emotional distanziert. Jemand hat der Frau unerwartet das Tagebuch ihrer ersten Liebe geschickt, der Junge hieß Henrik (Birger Malmsten) und kam in den letzten Tagen ihres gemeinsamen Sommers vor 13 Jahren unter tragischen Umständen ums Leben. Sie lernte damals den verliebten Studenten, der immer mit seinem Hund unterwegs war, bei einem Besuch ihrer Tante Elisabeth (Renee Björling) und Onkel Erland (Georg Funkquist) kennen. Da die Generalprobe an diesem Tag wegen eines technischen Problems auf den Abend verschoben wird, hat die junge Frau Zeit das Boot auf die Insel zu nehmen, wo sich alles einen Sommer lang abspielte. Sie erinnert sich dabei an die spielerische und unbeschwerte Zeit dieser ersten Liebe, die die schönste zeit ihres Lebens war. In der Folgezeit erlag sie zuerst der Trauer und sie lernte es sich abzuschotten und so dem eigentlichen leben aus dem Weg zu gehen. Im Tanz findet sie Zuflucht und entzieht sich den anderen Menschen. Vor allem auch der Liebe, denn die macht Angst, weil auch Verlust möglich ist.  Ein Hoffungsschimmer am Ende für ihren neuen Freund David (Alf Kjellin), der die Barriere vielleicht durchbrechen kann...



 Ich kannte den Film bisher nicht und bin von diesem eher unbekannten Klassiker restlos begeistert, der Film ist jedenfalls qualitativ vom selben Kaliber wie meine Lieblingfilme von Bergman "Die Jungfrauenquelle", "Das siebente Siegel" oder "Wilde Erdbeeren". Diese kommen übrigens in "Einen Sommer lang" auch wieder vor und stehen für Veliebtheit, Zweisamkeit und Verführung. So leicht der Film manchmal daherkommt, hat er auch sehr melancholische und in der Quintessenz auch traurige Momente des Abschieds und des Schmerzes. Bergman hält dem allerdings das momentane Glück dagegen, ohne diese Erfüllung wäre der Gegensatz dazu gar nicht möglich. Es ist eine Aufforderung sich ganz auf eine Beziehung einzulassen, auch wenn nichts von Dauer ist. Und am Ende vielleicht noch nicht mal die Erinnerung bleibt. Ein extrem schöner Film. Mimi Pollack, die Henriks totkranke tante spielt ist eine Art Vorläufer zum Tod (Bengt Ekerot), der in "Das siebente Siegel" mit Ritter Block (Max von Sydow) ein Schachspiel beginnt. 




Bewertung: 10 von 10 Punkten.