Samstag, 23. Dezember 2017

Paisa

























Regie: Roberto Rossellini

Italien wird befreit...

Vom italienischen Wort "Paesano" (Landsmann) abgeleitet, nannte Roberto Rossellini seinen 1946 entstandenen Film "Paisa". Der gehört neben "Rom offene Stadt" (1945) und "Deutschland im Jahre Null" (1948) zu seiner Neorealistischen Trilogie. Alle drei Filme sind als Chronik der letzten Tage des 2. Weltkriegs und kurz danach zu sehen. Sie wurden von Rosellini kunstvoll und realistisch eingefangen, ein starker Hang zur Dokumentation wird sichtbar. Dabei ist "Paisa" auch ein Episodenfilm. Es sind 6 einzelne Geschichten, das Gesamtbild ergibt ein schlüssiges Bild zu der Befreiung Italiens, die keinen Triumph darstellt - sondern eher mit dem Leid der Menschen einhergeht, die für diese Befreiung im Kampf stecken.
Bild 1: Amerikanische Soldaten landen auf Sizilien. In einer Kirche entdecken sie verängstigte Bewohner, darunter die junge Carmela (Carmela Sazio). Da die Deutschen in der Nähe sind, brauchen sie jemand, der sie durchs Gelände führt. Das junge Mädchen bietet sich an und die GJs kommen an eine verfallene Burgruine. Dort bleibt Joe (Robert van Loon) alleine mit dem Mädchen zurück, während seine Kameraden weiter die Gegend erforschen. Die beiden kommen sich menschlich näher - ein Scharfschütze der Deutschen schießt auf Joe, der schwerverletzt im Sterben liegt. Carmela nimmt ein Gewehr, doch auch sie wird von den Deutschen erschossen. Als die US-Boys zurückkehren, sind die Deutschen schon wieder verschwunden. Sie entdecken ihren toten Kameraden und glauben, dass Carmela seine Mörderin war.
Bild 2: In den Straßen von Neapel hält sich der dunkelhäutige Militärpolizist Joe (John Kitzmiller) auf. Er ist völlig betrunken und so kann ihm der kleine Pasquale (Alfonsino Pasca) seine Schuhe stehlen. Am nächsten Tag erkennt Joe den Jungen wieder , er ist wieder auf Diebestour und er will natürlich die Stiefel zurück. Er nimmt den Jungen mit und will ihn zu dessen Eltern bringen, die sollen den kleinen Dieb bestrafen. Doch das Kind hat weder ein Zuhause noch Eltern. Er haust mit weiteren Obdachlosen in einer Höhle. Schockiert von dieser Armut der Menschen flüchtet Joe in seinen Jeep und fährt weiter
Bild 3: Nachts in Rom: Ein betrunkener GI (Gar Moore) wird von einer Prostituierten (Maria Michi) angesprochen. Die nimmt den Mann mit in ein Hotelzimmer. Dort erzählt der Soldat von dem Tag der Befreiung Roms, bei dem Einmarsch der Soldaten verliebte er sich in ein Mädchen namens Francesca, doch er hat sie seither nie mehr gesehen. Sofort wird der Frau klar, dass sie dieses Mädchen war. Sie hofft auf eine Rückkehr ins bürgerlicher Leben und erzählt dem betrunkenen Mann, dass sie diese Francesca kennen würde und auch deren Adresse. Sie verspricht ihm, dass sie ihm am anderen Tag ein Rendezvous mit seiner Francesca besorgen könne. Doch es kommt nicht dazu. Während sie hoffnungsvoll wartet, hat er die Nacht fast vollkommen vergessen und fährt an die Front zurück.
Bild 4: In Florenz arbeitet die amerikanische Krankenschwester Harriet (Harriet White). Sie liebt den Maler Guido, der nun als Partisanenführer Lupo für die Freiheit Italiens gegen die Deutschen kämpft. Sie will ihn unbedingt treffen und macht sich gemeinsam mit Massimo (Renzo avanzo) ins Kampfgebiet in der Stadt, wo scharf geschossen wird. Am Ende erfährt sie von einem sterbenden Partisanen vom Tod ihres Freundes
Bild 5: In Romagna suchen drei Geistliche der US-Army  (William Tubbs, Elmer Feldman, ) Unterschlupf in einem italienischen Kloster, abseits der Kriegshandlungen - in der Bergen der Romagna gelegen. Dort führen die Mönche ein äusserst einfaches Leben und vertrauen auf Gott. Als die Mönche erfahren, dass einer der Geistlichen protestantisch und ein anderer jüdisch ist, sind sie verzweifelt. Sie wollen unbedingt für die beiden Ungläubigen beten und fasten und für die Seelen der beiden Männer beten.
Bild 6: Die Po-Ebene wird hart umkämpft. Im Fluß schwimmt die Leiche eines Partisanen. Seine Kameraden versuchen den Leichnam zu bergen. Bevor es zu einem richtigen Gefecht kommt, werden die Partisanen aber von den Deutschen gefangen genommen. Auch US-Amerikaner werden gefangen genommen. Gemäß der Genfer Konventionen wird das Leben der gefangenen US-Soldaten von den Deutschen verschont, die Freischärler werden aber ertränkt. Einer der Amis (Dale Edmonds) ist total entsetzt und stürzt sich voller Wut auf die Deutschen, er wird dabei erschossen...




Diese letzte Sequenz wurde damals in den deutschen Kinos ganz herausgeschnitten, man wollte dem Publikum keine brutalen Wehrmachtssoldaten zumuten. Ingesamt ist "Paisa" ein großartiges Zeugnis seiner Zeit und die Epsioden wirken vor allem als gesammelte Einheit dieser sechs total unterschiedlichen Impressionen. Keine von den Episoden sticht total hervor, es gibt aber auch keine schwache Sequenz. Der große italienische kameramann Otello Martelli hat hier mitgewirkt. Später arbeitete er noch einmal mit Rosselini in "Stromboli" zusammen. Er war auch Chefkameramann der Filme "Bitterer Reis", "Die Müßiggänger" und "La Strada".



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mr. Smith geht nach Washington

























Regie: Frank Capra

Die überzeugendste Dauerrede...

In vielen Filmen von Frank Capra sind ganz einfache Menschen die großen Helden. Der Regisseur stellte sich immer auf die Seite der ärmeren Bevölkerung, prangerte auch sehr oft das Establishment und seine Gier an. So hat auch "Mr. Smith geht nach Washington" fast kommunistische Tendenzen, aber Capra hat dies stets mit einer hohen Dosis von Patriotismus verkauft. So waren seine Filmfiguren, die sich gegen die Großen und Mächtigen durchsetzen mussten, immer auch gute Amerikaner. James Stewart passte da wie perfekt in diese Rolle. Wer ihn aber vieleicht schon zu oft als "George Bailey" in "Ist das Leben nicht schön ?" gesehen hat, der könnte gut auf den gutmütig vertrottelten Pfadfinder-Führer Jefferson Smith ausweichen. In dieser Rolle glänzt Stewart in dem 1939 entstandenen "Mr. Smith geht nach Washington" - in den USA wesentlich populärer als bei uns. Schon bei der Oscarverleihung 1940 gabs 11 Nominierungen (bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, Harry Carey und Claude Rains als beste Nebendarsteller, bester Schnitt, beste Filmmusik, bester Ton, bestes Szenenbild, bestes Originaldrehbuch). Der Triumph von "Vom Winde verweht" mit insgesamt 8 Auszeichnungen war aber so deutlich, dass Capras Film nur in der Drehbuch-Kategorie als Sieger vom Platz ging.
Beim Publikum war "Mr. Smith geht nach Washington" sofort erfolgreich, ein klasse Box Office Ergebnis von 9 Millionen Dollar war die Folge und heute ist der Film als ultimativer Hollywood-Klassiker anerkannt. Das American Film Institute führt den Film auf Platz 26 der größten Kinofilme aller Zeiten und die Filmfigur Jefferson Smith rangiert auf Platz 11 der größten Filmhelden aller Zeiten. Gar nicht so weit entfernt von Capras größtem Hit: George Bailey rangiert in dieser Heldenliste auf Platz 9.
Überraschend stirbt der bekannte Senator Samuel Foley. Gerade jetzt, wo viel Kohle in den Bau eines Staudamms gesteckt wird, der zwar nicht gebraucht wird aber Unsummen von Dollars verschlingt und Gouverneur Hopper (Guy Keebee), Senator Paine (Claude Rains) und vor allem den Medienmogul Jim Taylor (Edward Arnold) durch Korruption sehr reich macht.
Nun muss schnell ein Nachfolger gesucht und gefunden werden. Diese Aufgabe fällt Hopper zu. Nachdem ihm seine Kinder von dem beliebten Pfadfinderführer Smith vorgeschwärmt haben, wird der gutmütige Patriot in einer Blitzaktion auf den Senatoren-Sessel gehievt. Man denkt, dass der Idiot keinen blassen Schimmer von Politik hat (was stimmt) und keine Ambitionen für seine Heimat hat (da irren sie gewaltig). Die ersten Kontakte mit der Presse sind niederschmetternd, er wird in den Medien als der Vogelstimmen-Imitator mit wenig Verstand gezeigt und seine Sekretärin Saunders (Jean Arthur) soll ihm auf die Finger schauen und ihn bespitzeln. Zuerst in Jefferson von der Praxis im politischen Geschäft entmutigt, besinnt sich aber - angesichts des Lincoln Denkmals - für die Bevölkerung gute Politik zu machen. Er will ein nationales Jugendcamp errichten - genau an dem Platz, wo das korrupte Trio durch ihre gigantischen Bodenspekulationen viel Geld machen wollen. Ehe sich der gute Jefferson verieht, hat der mächtige Feind bereits den Angriff durchgeführt und Jefferson wird der Korruption beschuldigt und soll aus dem Senat ausgeschlossen werden. Nur eine Marathon Rede kann ihm einen Vorteil verschaffen und seine Unschuld beweisen...




Tatsächlich ist dieser sogenannte "Filibuster" der Höhepunkt dieser perfekt gemachten Polit-Classics. Dabei setzt Capra auf einen unverwechselbaren naiven Charme, er ist aber in seinen Aussagen immer klar und alles wird gut. Am Ende siegt das Gute und es sind vor allem Kinder, die dem aufrechten Jefferson hingebungsvoll helfen. In den USA selbst war das politische Establishment nicht gerade amüsiert über den Capra Film, zeigt er doch die gängige Korruptionspraxis zwischen Kapital und Politikern und dies am Vorabend des zweiten Weltkriegs. Immerhin wurde Capra von den Producern dahingehend instruiert, dass dieses System sich selbst korrigieren kann...weil es viele gute Amerikaner wie Jefferson Smith gibt. Am Ende kriegt er auch sein Mädchen und Hollywood hatte für kurze Zeit ein neues Traumpaar. Weil er den Oscar als bester Darsteller nicht gewann und der Sieg an Robert Donat für "Auf Wiedersehen Mr. Chips" ging, musste man Stewart ein Jahr darauf für eine wesentlich schwächere Rolle in "Die Nacht vor der Hochzeit" auszeichnen. Der Wiedergutmachungs-Oscar wurde damit geboren.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Wizard of Oz - Das zauberhafte Land

























Regie: Victor Fleming

Irgendwo jenseits des Regenbogens...

Die Szene, in der die kleine Dorothy auf der Farm von Tante Emily und Onkel Henry den Song "Somewhere over the Rainbow" singt, neben ihr der geliebte Hund Toto, gehört zu den magic Moments des Cinema. Insgesamt gilt dies auch für "The Wizard of Oz", in dem diese Szene gezeigt wird. Victor Flemings Märchen-Musical ist in Amerika einer der populärsten Filme aller Zeiten.
In der Liste des American Film Institute der besten 100 Filme aller Zeiten rangiert "Wizard of Oz" unter den ersten Zehn. Die böse Hexe des Westens, eine Doppelgängerin der bösen Alira Gulsch belegt in der Liste der gemeinsten Filmschurken Rang 4 - nur Hannibal Lecter, Norman Bates und Darth Vader sind besser platziert. Das Zitat "Toto, ich habe das Gefühl, wir befinden uns nicht mehr in Kansas" belegt in der AFI Liste der populärsten Filmzitate ebenfalls auf Platz 4.
Der 1939 entstandene Farbfilm, der in Schwarz-Weiß beginnt und auch endet, wurde 1939 gedreht und wurde mit 2 Oscars prämiert. Natürlich ging ein Sieg an den Song "Over the Rainbow" - die zweite Trophäe wurde in der Sparte "Bester Filmscore" gewonnen und aus der damals 17jährigen Judy Garland wurde über Nacht eine Hollywood-Legende und sie wurde 1940 mit dem Juweline Oscar ausgezeichnet.
Schauplatz der Geschichte ist Kansas. Dort lebt Dorothy bei Tante Emily (Clara Blandick) und Onkel Henry (Charley Grapewin) und ihr bester Freund ist der kleine Hund Toto. Der hat die Katze der einflussreichen Almira Gulch (Margaret Hamilton, die später die böse Hexe des Westens spielt) gejagt und Dorothy fürchtet sich vor den Konsequenzen. Sie versucht sich den Farmarbeitern Hunk (Ray Bolger, der später die Vogelscheuche verkörpert), Hickory (Jack Haley, später als Zinnmann zu sehen) und Zeke (Bert Lahr, hat später als feiger Löwe einen weiteren Auftritt) anzuvertrauen, doch die sind mitten in der Arbeit, auch Tante und Onkel haben keine Zeit. So taucht die böse Miss Gulch überraschend mit einem Haftbefehl des Sheriffs auf der Farm auf - sie hat das Recht den kleinen Toto in Gewahrsam zu nehmen und ihn dem Sheriff auszuhändigen. Schlimmstenfalls droht die Einschläferung des bissigen Hundes, denn die Gulch behauptet gebissen worden zu sein. Während Dorothy weint und die Tante tatenlos mitansehen muss, wie der Hund in den Korb der bösen Frau landet, kann Toto aber den Korb öffnen und wieder zurück zur Farm laufen. Nun entschließt sich Dorothy zur Flucht mit ihrem geliebten Vierbeiner, sie trifft auf den Schausteller Professor Marvel (Frank Morgan, der später auch den Zauberer von Oz spielt). Der bringt sie dazu wieder den Weg nach Hause anzutreten, doch inzwischen tobt ein verheerender Wirbelsturm. Während die Farmer Schutz im Kellergewölebe suchen, bleibt Dorothy mit Toto im Haus. Dies wird hochgewirbelt und landet samt Haus im zauberhaften Land Oz. Anders als Kansas ist Oz in Farbe zu sehen im Dreistreifen-Color Verfahren und das Haus stürzte genau auf die böse Hexe des Ostens. Während Dorothy von der guten Hexe Glinda (Billie Burke) und den Zwergen-bewohnern von Oz als Heldin gefeiert wird, schwört die böse Hexe des Westens grausame Rache. Die fiese Hexe will auch an die magischen roten Halbschuhe kommen, die Dorothy nun trägt...









Im Original heißt das Volk der Zwerge Munchkins und sie singen im Film das ebenso bekannte Lied "Ding Dong The Witch is Dead". Dorothy singt auch mit ihren Weggefährten "We´re off to see the Wizard".
Beim ersten Kinoeinsatz 1939 kam der Film auf ein gutes Boxoffice Ergebnis von 3 Millionen, aber ein Gewinn war er für die Produzenten vorerst nicht, da die Kosten sehr hoch waren (2,8 Millionen Dollar) . Inzwischen hat er aber das Vielfache wieder eingespielt und wurde - genau wie Capras "ist das Leben nicht schön ?"  - durch das Fernsehen zum filmischen Dauerbrenner und Evergreen. Beide Filme wurden ab den 50ern alle Jahre wieder im Weihnachtsprogramm gezeigt und dies sorgte zusätzlich für diesen heutigen unverwüstlichen Klassikerstatus. Der Zuschauer wird genau wie Dorothy von einem Tornado in das knallig bunte Technicolor Land Oz gebeamt und hier wird tatsächlich alles aufgeboten, was ein Hollywood Musical bieten kann. Im Grunde kann der ganze Film als eine Art Fiebertraum gedeutet werden, denn am Ende ist man wieder in Kansas...nirgends ist es besser als Daheim. Regie führte "Vom Winde verweht" Director Victor Fleming, aber auch Produzent Mervyn Le Roy muss hier genannt werden. Wer war es, der






Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Montag, 11. Dezember 2017

Auf falscher Spur




















Regie: Ralph Thomas

Das Geheimnis des Schmetterlingsmädchen...

Regisseur Ralph Thomas hatte in den 50er Jahren mit Komödien wie "Aber Herr Doktor" oder "Doktor Ahoi" echte Kinohits gedreht. Er inszenierte aber auch Spannungsfilme, darunter auch ein Remake von Hitchcocks "Die 39 Stufen" aus dem Jahr 1959. 9 Jahre vorher war er der Regisseur des britischen Geheimdienst-Thrillers "Auf falscher Spur" - im Original heißt der Film "The Clouded Yellow" und war einer der vier 1950er Filme, in denen die reizende Jean Simmons eine Hauptrolle spielte.
Durch die Rolle der jungen Estella in David Leans Verfilmung von Charles Dickens bekanntem Roman "Große Erwartungen" wurde sie weltbekannt und wurde für "Hamlet" als beste Nebendarstellerin nominiert. Die britische Schauspielerin war damals ein Publikumsliebling. 1950 wurde ihr aus Deutschland ein "Bambi" verliehen.
"Auf falscher Spur" ist leider heute weitestgehend unbekannt, dennoch lohnt es sich den Film mit gewissen Hitchcock Anleihen wieder zu entdecken.
Die Geschichte beginnt mit dem Rauswurf von Major David Somers (Trevor Howard) durch seinen Boss (Andre Morell). Sein Arbeitgeber der britische Geheimdienst hat diesen Schritt vollzogen, obwohl Somers ein guter Agent war und seine Aufträge bislang immer bestens gemeistert hatte. Doch sein letzter Einsatz auf dem Londoner Flughafen war so schlecht, dass er sich nun nach was Neuem umsehen muss. Immerhin war Somers vor dem Agentenleben ein guter Journalist. Aber so auf die schnelle findet er lediglich eine auf einige Monate befristete Tätigkeit für das Katalogisieren der Schmetterlingssammlung bei dem rennomierten Schmetterlingsforscher Nicholas Fenton (Barry Jones). Der lebt gemeinsam mit seiner Frau Jess (Sonja Dresdel) und deren Nichte Sophie Malraux (Jean Simmons) in einem Haus auf dem Land, abseits der Stadt. Gelegentlich taucht dort der ruppige Wildhüter Hicks (Maxwell Reed) auf und stellt der hübschen Sophie nach. Er unterhält auch eine heimliche Affäre mit der Frau des Schmetterlingsforschers. 
Gleich bei seiner Arbeitsantritt wird Somers aber von Jess informiert, dass Sophie psychisch angeschlagen ist. Sie musste als Kind miterleben, wie ihre Eltern getötet wurden. Dieses Erlebnis löste ein Trauma aus, dass bis heute nicht erfolgreich behandelt werden konnte. Sie kann sich an nichts mehr erinnern. Als plötzlich die Leiche des Wildhüters vor dem Haus liegt, gerät natürlich die Frau mit der psychiatrischen Vorgeschichte ins Visier der Ermittlungen...



Im Film "Auf falscher Spur" wird sehr viel gerannt und geflüchtet. Denn nach dem Mord muss der Ex-Agent mit der Frau, in die er sich verliebt hat, fliehen. Denn die Polizei schließt andere Verdächtige aus. Der Originaltitel "Cloud Yellow" bezieht sich auf einen seltenen Schmetterlinge der Familie der Colias und passt viel besser als der nichtssagende deutsche Verleihtitel. Im Film werden dann auch die Schlagzeilen der Zeitung gezeigt, nachdem die Verdächtige Sophie geflüchtet ist - die zeitungsmenschen machen aus ihr "das Schmetterlingsmädchen".
Die Macher des Films setzten bei soviel Flucht vor den Gesetzeshütern natürlich folgerichtig auf sehr attraktive Schauplätze. Präsentiert werden das Hafenbecken von London, das Gebirge, Liverpool mit seiner Hochbahn, Bahnhöfe und vieles mehr. Der Inszenierungsstil ist düster und der Fans dürfte viele Film Noir Elemente wiederfinden. Das Paar Trevor Howard und Jean Simmons funktioniert auch bestens und am Ende sorgt der Film noch für eine kleine Überraschung.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 5. Dezember 2017

Ich erschoß Jesse James


Regie: Samuel Fuller

Feigling Robert Ford...

Von keinem Geringerem als Jean Luc Godard bekam Samuel Fullers erster Western "Ich erschoß Jesse James" den Ritterschlag. "Solch bedrückende Intensität hat es im Kino seit Dreyers Jeanne D`Arc nicht mehr gegeben" schrieb er als junger französischer Filmkritiker für die "Cahiers du Cinema". Tatsächlich bietet der Film sehr neurotisch und glänzt auch durch die klaustrophobische Kameraführung. Füllers Debüt wurde damals ein Publikums- und Kritikererfolg, vielleicht auch deshalb weil es Samuel Fuller - der das Genre gar nicht so mochte - viele Westernregeln einfach über Bord warf und stattdessen einen psychotischen und tragischen Antihelden präsentiert. Im Grunde hat Andrew Dominik in seinem gelungenen "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" diese Variante 2007 wieder neu aufgelegt. Alle anderen Jesse James Filme präsentieren eher die Taten des berühmten Banditen und nicht seinen hinterhältigen Mörder, der ehemals sein Freund war.
Samuel Fullers Verdienst ist es dem tragischen Robert Ford ein psychologisches Profil zu geben und dies in äusserst vielschichtiger Art und Weise. Die Geschichte beginnt beim Überfall auf die Bank von Topeka. Da der Bankangestellte den Alarm auslösen kann, läuft der Raub nicht mehr reibungslos. Robert Ford (John Ireland) wird schwer verletzt und Jesse James (Reed Hadley) kann seinen Kumpanen vom Tatort wegschaffen. Lange braucht der Verletzte, um sich im Haus von Jesse in St. Joseph, Missouri zu erholen. Jesse lebt dort als Tom Howard ein fast bürgerliches Leben. Doch Jesse Frau Zee (Barbara Woodell) misstraut dem Freund ihres Mannes. Robert Ford selbst ist verliebt in das Showgirl Cynthy Waters (Barbara Britton). Die will aber keinen Banditen heiraten, sondern ein wohlhabendes, bürgerliches Leben an der Seite eines angesehen Gatten führen. Dies bringt Robert Ford auf einen Plan, denn für die Ergreifung von Jesse James winken 10.000 Dollar - tot oder lebendig. Auch eine Amnestie soll es für den Mann geben, der Jesse ans Messer liefert. Es kommt zur berühmten Szene aus dem Hinterhalt. Während Jesse ein Gemälde zurechtrückt, wird er von seinem Freund aus dem Hinterhalt erschossen. Dies bringt ihm eine große Bekanntheit ein, aber es gibt für ihn keine 10.000 Dollar, mit 500 Dollar wird der Verräter abgespeist. Er ist aber ein freier Mann - allerdings scheint die Liebe von Cynthy durch den Mord erloschen. Denn auch der angesehene John Kelley (Preston Foster) wirbt um die attraktive Frau und der scheint eine bessere Partie zu sein, als der geächtete Lover. So bringt der Mord am Freund Robert Ford kein Glück. Ein Troubadour (Robin Short) singt im Saloon das Lied vom Feigling. Bob Ford ist der meistverachtete Mann im Wilden Westen. Gejagt wird er von Franks Bruder Frank (Tom Tyler) und er fungiert auch als Zielscheibe für schießwütige Jungs, die mit seinem Tod im Revolverhelden-Ranking weit nach oben aufsteigen wollen....



Auch die Geschichte von Bob Ford ist inzwischen Legende. Fuller hat sogar einige homoerotische Untertöne eingeflochten, denn auf den Zuschauer wirkt die Freundschaft zwischen Robert und Jesse extrem innig. Wenn beispielsweise Jesse seinem Freund einen Verband anlegt oder Bob Jesse den Rücken wäscht, während der nackt im Waschzuber sitzt. Hier in dieser Szene deutet sich auch schon der Plan Fords an. Vielleicht auch wegen diesen verbotenen Gefühlen. Sein letzten Worte gelten auch nicht seiner Cynthy, sondern dem Mann, den er erschossen hat "ich habe Jesse James geliebt". So oder so..."Ich erschoß Jesse James" ist bewusst provokativ angelegt und schräg. Eine der eindrücklichsten Szenen des Films ist die Show, in die Robert Ford als Schauspieler einsteigt. Dort wird der feige Mord als Theatervorführung nachgestellt mit dem echten Mörder, der als es zum entscheidenden Schuß kommen soll, nicht mehr abdrücken kann.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.