Freitag, 10. Januar 2020

Teufelskerle




















Regie: Norman Taurog

Stadt der Jungen...

"Boys Town" von Norman Taurog war 1938 einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Er spielte über 4 Millionen Dollar ein und zeigt dem Zuschauer das Lebenswerk des amerikanischen Pfarrers Edward Joseph Flanagan (geboren am 13. Juli 1886 in Irland, gestorben am 15. Mai 1948 in Berlin). "Father Flanagan" war der Gründer der Organisation "Boys Town", die zu einer der bekanntesten amerikanischen Jugendhilfeeinrichtung wurde und einen ganz anderen Kurs als die vielen Besserungsanstalten fuhr. Flanagan setzte sich schon sehr früh für obdachlose Jungen ein und gründete 1917 eine Einrichtung für in Omaha. Doch die Räumlichkeiten waren nicht besonders gut geeignet und konnte nicht viele Bedürftige aufnehmen. Daher setzte er 1921 seine Idee von einer Jungenstadt 16 km westlich vor den Stadtgrenzen in die Wirklichkeit um. Boys Town setzte stark auf die Selbständigkeit der Jungs, die einen der Jungs zum Bürgermeister wählten. Es gab Schulen, Kapellen, eine Post, Bauernhöfe, Werkstätten und einen Sport-Komplex.
Natürlich ist so ein Stoff gut geeignet von Hollywood verfilmt zu werden und mit der Rolle als Father Flanagan wurde Oscarpreisträger Spencer Tracy besetzt. Eine ausserordenlich gute Entscheidung, die im einen zweiten Oscar als bester Schauspieler einbrachte. Co-Star Mickey Rooney durfte sich über den Juvenile Award freuen und für die beste Original Story gabs auch einen Academy Award. Darüberhinaus war "Boys Town" (deutscher Titel: Teufelskerle) als bester Film, fürs beste Drehbuch und für die beste Regie nominiert.
Vielleicht ist "Boys Town" für heutige Sehgewohnheiten zu gefühlsbetont, aber noch heute fesselt die Geschichte und Taurogs Film ist zu Recht ein Klassiker des 30 Jahre Kinos. Man kann auch verstehen, dass Mickey Rooney mit seiner vorlauten Performance, die später in Richtung Tiefgang geht, die Kinozuschauer begeistern konnte.
Father Flanagan (Spencer Tracy) beginnt mit einer Bleibe für vier obdachlose Kids. Doch der Bedarf vergrößtert sich rasend schnell und wächst in der daraufhin gegründeten Jungenstadt auf 200 Bewohner an. Pater Flanagan glaubt, dass es keinen bösen Jungen gibt, und verbringt sein ganzes Leben damit, dies zu beweisen. Er kämpft gegen Gleichgültigkeit und gegen das geltende Rechtssystem. Mit der Aufnahme des sehr schwierigen und rebellischen Whitey Marsh (Mickey Rooney) erhöhen sich jedoch die Schwierigkeiten. Doch Flanagan hat Whiteys älterem Bruder Joe Marsh (Edward Norris) versprochen den Bruder von der Straße zu holen und ihn zu einem brauchbaren Mitglied der Gesellschaft zu machen. Leichter gesagt als getan. Alle 6 Monate wählen die Jungen einen neuen Bürgermeister aus ihren Reihen und noch ist der amtierende Freddie Fuller (Frankie Thomas) der große Favorit. Doch auch Whitey hat Ambitionen - er führt einen heftigen Budenzauber von Wahlkampf auf und glaubt zu gewinnen, doch am Ende wird der gehbehinderte Tony Ponessa (Gene Reynolds) gewählt. Die Niederlage ist zuviel für den frechen Youngster und er beschließt Boys Town zu verlassen. der kleine Pee Wee (Bobs Watson), der einen Narren an Whitey gefressen hat, versucht ihm nachzulaufen und wird von einem vorbeifahrenden Auto erfasst. Hier zeigt Whitey erstmalig auch seine andere bessere Seite, denn er ist sehr betroffen und fühlt sich schuldig. Er türmt und irrt durch die Straßen von Omaha. Dort wird gerade eine Bank überfallen....




Natürlich wird die Geschichte sehr filmgerecht aufbereitet und "Boys Town" hat viel Dramatik zu bieten. In weiteren wichtigen Rollen sind Henry Hull als Dave Morris zu sehen und Sidney Miller spielt den Mo Kahn. Durch den großen Erfolg wurde 3 Jahre später eine Fortsetzung nachgeschoben - "Das sind Kerle" wurde ebenfalls von Taurog inszeniert und Spencer Tracy war erneut in seiner Paraderolle zu sehen. Auch hier war das Box Office Ergebnis mit über 3 Millionen sehr erfreulich, doch qualitativ kam die Fortsetzung nicht mehr an das Original heran. 





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Rivalen am reißenden Strom

Regie: George Sherman

Holzfäller in der Stadt...

Der versierte Westernregisseur George Sherman drehte im Jahr 1948 den farbenprächtigen Holzfällerwestern "Rivalen am reißenden Strom" (Originaltitel: River Lady).
Der Film basiert auf einem Roman von Houston Branch und Frank Waters. Für die Hauptrollen wurden Yvonne de Carlo und Rod Cameron verpflichtet, die kurz zuvor schon erfolgreich in dem Film "Die Herberge zum roten Pferd" überzeugten. Als Bösewicht ist Dan Duryea zu sehen, der in fast jeder Schurkenrolle überzeugen konnte. Mit Duryea hatte Hauptdarstellerin de Carlo auch schon erfolgreich zusammengearbeitet, sie spielten beide in Shermans "Die schwarze Maske". Die Dreharbeiten begannen im April 1947 und kam ein Jahr später in die US-Kinos. Das Budget betrug mehr als 1 Million Dollar - somit war der in Technicolor gedrehte Film im Jahr 1948 einer der teuersten Produktionen von Universal.
Die Geschichte zeigt die Arbeit der Holzfäller, die zwar den ganzen Tag extreme körperliche Arbeit leisten, aber dennoch mit ihrem Leben voll zufrieden sind. Einer dieser Männer ist Dan Carrigan (Rod Cameron). Er ist befreundet mit dem trinkfesten Mike (Lloyd Gough) und freut sich auf das Ende des Auftrags. Denn dann wird er seine Geliebte Sequin (Yvonne de Carlo) wieder sehen und auch die Stadt am Mississippi wieder unsicher machen. Sequin ist eine tüchtige Geschäftsfrau, die auf dem Dampfschiff "River Lady" das Sagen hat, für ihre meistens männlichen Gäste singt und die Männer bei Laune hält. Ihr Kompagnon ist der undrurchsichtige Beauvais (Dan Duryea), der für die Lady die Dreckarbeit macht. Das kleinere Holzunternehmen für das Dan und Mike bislang gearbeitet haben, gehört einem Mr. Morrisson (John McIntire), der höchstwahrscheinlich sein Geschäft an ein ominöses Syndikat verkaufen muss. Morrisson hat auch eine attraktive Tochter, die Stephanie (Helena Carter)  heißt und sich bald unglücklich in Dan verliebt. Der ist natürlich noch seiner Sequin treu, doch diese sorgt im Hintergrund dafür, dass ihr Dan den Posten eines Geschäftsführers bekommt. Der Mann hat natürlich keine Ahnung von den Machenschaften seiner ehrgeizigen Freudin. Erst die unglücklich verliebte Stephanie öffnet Dan die Augen...



Dies sorgt für Verwicklungen und Missverständnisse. Darüberhinaus setzt Sherman auf Szenen mit fallenden Bäumen und für Action ist nicht so viel Platz. Um dem Syndikat am Ende das Handwerk zu legen, kommt die Idee ins Spiel, dass isch die kleinen Holzfäller als Verbund zusammenschließen, um so das Monopol zu verhindern, dessen Sieg am Ende auch die Löhne für die Arbeiter drücken könnte. So ist in "River Lady" auch ein soziales Thema dominant. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz - Am Ende muss sich der begehrte kernige Holzfäller für eine der beiden schönen Frauen entscheiden. Aber erst am Ende, damit vergrößert Sherman die Spannung welche der Damen am Schluß Dan abbekommt.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 
 

Der Einsame


















Regie: Henry Levin

Vater und Sohn...

Henry Levins bekannteste Filme sind "Im Dutzend heiratsfähig", "Der schwarze Ritter", "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" und "Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm".
1957 war er mit "Der Einsame" auch im Westerngenre tätig. Der Film heißt im Original "The lonely man" und präsentiert dem Zuschauer eine Geschichte, die man bereits aus anderen Western kennt: Ein Outlaw versucht sein Banditenleben aufzugeben, er versucht seine Fehler der Vergangenheit wieder gutzumachen. Doch wahrscheinlich ist es für diese Umkehr bereits viel zu spät. In diesem Zusammenhang erinnert man sich natürlich sofort an "Der Scharfschütze" von Henry King, in dem Gregory Peck den Heimkehrer Jimmy Ringo spielt.
So ist auch der heimatlose Jacob Wade (Jack Palance) im Laufe der Jahre ein berühmter Revolverheld geworden. Er soll vor einigen Jahren beim Tränken seiner Viehherde einen Sheriff erschossen haben. Er flüchtete und ließ seine Frau und den gemeinsamen Jungen alleine zurück. Jahrelang hielt er sich in der wilden Einöde der Sierra Nevada auf. Nun taucht er plötzlich wieder auf. Doch er trifft hier auf seinen Sohn Riley, der ihn hasst (Anthony Perkins) und ihm vom Selbstmord der Mutter erzählt. Er gibt dem Vater die Schuld. Jacob hat den Wunsch gemeinsam mit Riley die Farm wieder zu bewirtschaften, doch dieser lehnt ab. Stattdessen reitet er aber gemeinsam mit dem Vater weg und bereits in der ersten Stadt, in der die beiden auftauchen, werden sie vom Sheriff und der Bürgerwehr aus dem Ort gejagt. Riley ist überrascht, dass sein Vater mit der jungen Ada (Elain Aiken) in einem Haus in der Prärie zusammenlebt. Auch Jacobs alter Weggefährte Ben (Robert Middleton) lebt hier. Als drei Banditen auftauchen und von Jacob dessen schnellstes Pferd für einen Bankraub fordern, kommt es zum Kampf. Zwei der Banditen werden getötet. Doch es gibt noch mehr Gegner für der Scharfschützen Jacob Wade - sein Widersacher King Fisher (Neville Brand) und dessen Kumpane (Lee van Cleef, Elisha Cook) haben noch eine Rechnung mit Jacob offen. In der Zwischenzeit flirtet Riley mit Ada, die in ihren Gefühlen zwischen Vater und Sohn hin- und hergerissen wird...


Aufgelockert wird die Handlung durch das Jagen von Wildfperden. Der Film ist in schwarz-weiß gedreht und Kameramann Lionel Lindon, der für "In 80 Tagen rund um die Welt" den Oscar erhielt, zeigt auch hier sein Können. Die Bilder werten den Film deutlich auf. Auch die Riege der bekannten Westerndarsteller ist enorm, neben den bereits genannten sind auch Claude Akins und Denver Pyle zu sehen. Anthony Perkins stand damals noch am Anfang seiner Karriere und drehte kurz zuvor mit "Der Stern des Gesetzes" einen weiteren Western, bei dem er bereits sein Können beweisen konnte.


 Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Ritt mit dem Teufel

























Regie: Jesse Hibbs

Der Rächer und der Schurke...

Regisseur Jesse Hibbs arbeitete sehr oft mit Westernstar Audie Murphy zusammen. Mit ihm in der Hauptrolle drehte er 1955 auch die Filmbiographie "Zur Hölle und zurück", worin sich Murphy selbst spielte. Die Western, die beide gemeinsam drehten wie "Ritt mit dem Teufel", "Der weiße Teufel von Arkansas" oder "Ritt mit dem Tod" waren ebenfalls überzeugend. In den späteren Jahren arbeitete der routinierte Filmemacher überwiegend fürs Fernsehen und ging 1967 in den Ruhestand. Er starb 1985 im Alter von 79 Jahren an der Alzheimer Krankheit in Kalifornien.
In "Ritt mit dem Teufel" spielt einmal mehr Susan Cabot als Laurie Canyon die Frau des Herzens für den beliebten Westernheld.
Der alte Pat O´Mara (Tim Graham) und sein jüngster Sohn Andrew (Hamilton Camp) werden in der Nacht wach. Auf der Ranch sind Banditen und wollen das Vieh stehlen. Da die Banditen keine Zeugen wollen, werden Vater und Sohn erschossen. Der ältere Sohn Clay (Audie Murphy) ist Eisenbahnvermesser in Denver und kehrt nach Hause zurück als er vom Verbrechen erfährt. Er will Rache nehmen, doch der Sheriff (Paul Birch) informiert ihn, dass man die Täter noch nicht ermitteln konnte. Dabei ist der Sheriff selbst einer der drei Banditen und auch der verschlagene Anwalt Tom (William Pullen), ein unbescholtener Bürger., gehört dazu. Gemeinsam mit dem undurchsichtigen Jed Ringer (Russell Johnson) machten sie gemeinsame Sache. Als Lockvogel diente ihnen die Barsängerin Kate (Abbe Lane), die die Aufgabe hatte die beiden Cowboys der O´Mara Ranch aufzuhalten, damit die Banditen leichtes Spiel mit Vater und Sohn hatten. Der Reverend (Denver Pyle) versucht Clay seine Rachegedanken auszureden, doch der lässt sich nicht beirren. Er wird aber vom Sheriff auf eine falsche Spur geschickt. Der behauptet nämlich, dass der berüchtigte Revolverheld Whitey Kinkaid (Dan Duryea) höchstwahrscheinlich der Mörder sein soll. Clay reitet nach Diablo, wo sich der Gangster aufhält und es gelingt ihm tatsächlich Kinkaid zu verhaften. Damit scheitert der Plan vom Sheriff und Anwalt Clay loszuwerden, denn sie waren sich sicher, dass er im Duell mit Kinkaid sein Leben verliert. Nun sollten sie gewarnt sein, denn Clay kann gut mit dem Revolver umgehen. So gewinnt der auch das Herz von Laurie (Susan Cabot), die mit dem bösen Anwalt verlobt ist und auch Kinkaid ist imponiert von der aufrechten Art des Eisenbahnvermessers...



"Ritt mit dem Teufel" enstand im Jahr 1954 und Audie Murphys Co-Star war Dan Duryea. Deren gemeinsame Filme waren meistens sehr stark, vor allem gab es dem Charakterdarsteller Duryea auch immer die beste Gelegenheit sein Können als Schurke mit eigentlich gutem Kern zu beweisen. Murphy war der Gegenpart - der Held ohne Fehl und Tadel.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Abrechnung in Shanghai

























Regie: Josef von Sternberg

Sündenpfuhl Casino...

Der 1941 gedrehte "Abrechung in Shanghai" (Originaltitel: Shanghai Gesture) war einer von Josef von Sternbergs letzten Hollywood-Filmen, denn seine Nachfolgerfilme "Macao" (1951) und "Jet Pilot" endeten damit, dass Howard Hughes sich mit ihm überwarf, ihn entließ und durch andere Regisseure ersetzte.
Der Film wirkt eher seltsam, aber er hat auch ein gewisses faszinierendes Potential. Die Geschichte spielt fast ausschließlich in einer Spielhölle in Shanghai und viele Statisten beherrschen dort die Szenerie im gut besuchten Casino, wo verschiedene Menschen das große Geld gewinnen wollen.
Das Casino strahlt Dekadenz und eine gewisse sexuelle Verderbheit aus - Glücksritter aus dem Abendland treffen auf Seelenverwandte aus dem Orient. Der Film basiert auf einem Stück von John Colton aus dem Jahr 1925. Fürs Kino wurde aber aus einem Bordell das Casino einer geheimnisvollen Herrscherin der Unterwelt. Ihr Name ist Mother Gin Sling (Ona Munson), die alle Zügel fest im Griff zu haben scheint. Ihr Angestellter Doctor Omar (Victor Mature) ist ein Gigolo und hat die Polizei in Shanghai bestochen, dass das amerikanische Showgirl Dixie Pomeroy (Phyllis Brooks) nicht in den Knast wandern muss. So ein Girl sollte doch eher im Casino einen Job bekommen. Im Casino selbst kann er aber seine Augen kaum von einer neuen Besucherin (Gene Tierney) lassen. Sie stellt sich als Poppy Smith vor und es knistert gewaltig zwischen ihr und Omar. Mutter Gin Sling hat etwa zeitgleich erfahren, dass sie ihre Niederlassung in den weniger wünschenswerten chinesischen Sektor verlagern muss, denn scheinbar hat ein reicher Unternehmer das Gebiet gekauft. Dabei handelt sich um den reichen Engländer Sir Guy Charteris (Walter Huston), der eine gemeinsame Vergangenheit mit Gin Sling hat. Poppy verliebt sich in Omar und wird in der Folge spiel- und alkoholsüchtig. Sie verspielt ein Vermögen beim Roulette und Gin Sling gewährt der jungen Frau eine Kredit, der ständig wächst...



Manchmal wirkt der Film Noir von Josef von Sternberg etwas prätentiös, aber die gigantische Spielhölle wirkt schon sehr gut. Hier ist alles in Bewegung wie in einem Ameisenhaufen. Schade, dass dieser recht unbekannte Film nicht besser restauriert wurde, das Bild ist nicht optimal und viele Effekte gehen verloren. Ona Munson ist etwas zu übertrieben als Drachenlady, aber der Schluß ist böse und zynisch. Gene Tierney spielt am Anfang ihrer Karriere eine eher labile Frau mit diversen Schwächen. Tatsächlich gabs für den Szenenbildner Boris Leven eine verdiente Oscar-Nominierung und auch Komponist Richard Hageman durfte sich über eine Nominierung freuen. In der Oscar-Nacht gingen aber beide leer aus.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

David Copperfield

























Regie: George Cukor

Als Hollywood Charles Dickens verfilmte...

Für Regisseur George Cukor war "David Copperfield" aus dem Jahr 1935 ein riesiger Erfolg. Die Verfilmung des bekannten Romans von Charles Dickens spielte über 3,5 Millionen Dollar ein und erhielt überragende Kritiken. Manche sprachen damals sogar von der besten Literaturverfilmung überhaupt. Tatsächlich wirkt seine Verfilmung auch heute noch sehr authentisch und man fühlt sich tatsächlich in die viktorianische Epoche hineinversetzt. Die Besetzung sämtlicher Romanfiguren ist im jedenfalls prächtig gelungen und auch Auge fürs Detail war sicherlich vom Vorteil. Erst im folgenden Jahrzehnt gelang es dem Briten David Lean mit "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" diese Leistung zu übertrumpfen. Seine Dickens Filme sind noch ein bisschen düsterer und sind bis heute unübertroffen.
"David Copperfield" entführt seine Zuschauer ins England des 19ten Jahrhunderts und auch für Produzent David O. Selznick wurde in seinem Vorhaben bestärkt große Weltliteratur als Kinofilm zum Erfolg zu bringen.
Bei der nachfolgenden Oscarverleihung wurde Cukors Film in den Kategorien "Bester Film", "Bester Schnitt" und "Beste Regieassistenz" (Joseph M. Newman) nominiert. Kinderdarsteller Freddie Bartholomew schaffte damit seinen Durchbruch zu einem der größten Kinderstars der Dekade. 
Die junge Clara Copperfield (Elizabeth Allan) ist Witwe und 6 Monate nach dem Tod ihres Mannes wird der kleine David (Freddie Bartholomew) geboren. Der wächst zwar ohne Papa, aber in liebevoller Umgebung bei seiner Mutter und der Dienerin Peggotty (Jessie Ralph) auf. Die Idylle bröckelt allerdings, als der charmante Mr. Murdstone (Basil Rathbone) auftaucht, der um Clara wirbt. Es kommt zur Vermählung, dann zeigt der Mann aber sein wahres Gesicht, das sehr hartherzig und brutal ist. Mit ihm zieht auch seine strenge Schwester Jane (Violet Kemble Cooper) ins Haus und gibt den Ton an. Der Junge bekommt von seinem Stiefvater Prügel, weil der bemerkt, dass er von David nicht akzeptiert wird. Dann wird Clara schwanger und bei der Geburt stirbt sie und das Neugeborene. Ab diesem Zeitpunkt wird es für den kleinen David immer schlimmer. Er wird von Murdstone nach London zum Arbeiten geschickt. Immerhin findet er bei dem gutherzigen Wilkins Micawber (W. C. Fields) nicht nur Kost und Logis, sondern einen väterlichen Freund. Doch Micawber hat immer mal wieder Probleme mit seinen Gläubigern und wird verhaftet. David flüchtet von London nach Dover zu seiner Großtante Betsey (Edna May Oliver), die es verhindert, dass der Junge wieder zum sadistischen Stiefvater leben muss. David wird für seine Schulzeit von der gut betuchten Familie Wickfield (Lewis Stone) aufgenommen. Mr. Wickfields Tochter Agnes (Marilyn Knowlden, als Erwachsene Madge Evans) ist schon als Kind in David verliebt und das ändert sich auch nicht als sie bereits erwachsen ist. David (Frank Lawton) ist nun ein junger Mann, der sein Studium in Canterbury beginnt und sich mit seinem Studienkollegen James Steerforth (Hugh Williams) anfreundet. Beim Besuch einer Ballettaufführung sieht er Dora Spenlow (Maureen O´Sullivan) zum ersten Mal und verliebt sich in sie...



Lionel Barrymore ist als Dan Pegoddy zu sehen und mit Elsa Lanchester und Una 0`Connor sind weitere bekannte Nebendarsteller mit von der Partie. Nicht unerwähnt darf auch Roland Young bleiben, der den verschlagenen Uriah Heep spielt. Cedric Gibbons entwarf eine Nachbildung des London des 19. Jahrhundert auf dem MGM-Gelände. Die Szenen vor Tante Beseys Haus auf den weißen Klippen von Dover wurden in Malibu gedreht.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.