Montag, 2. März 2020

Die Gezeichneten


























Regie: Fred Zinnemann

Die Suche nach einem verschollenen Kind...

In den Jahren von 1935 bis 1965 wurde bei den Oscars immer mal wieder der "Special Juvenile Academy Award" vergeben. Mit diesem Preis wurden besonders gute Kinderdarsteller für ihre Leistung ausgezeichnet. Unter den Preisträgern finden sich Namen wie Shirley Temple, Deanna Durbin, Mickey Rooney, Judy Garland, Peggy Ann Garner, Claude Jarman Jr. oder Hayley Mills. Auch der kleine Ivan Jandl aus der Tschechoslowakei durfte diesen Preis entgegennehmen - er wurde für seine Rolle als Karel Malik in Fred Zinnemanns "Die Gezeichneten" ausgezeichnet. Zinnemanns Film gewann auch in der Kategorie "Beste Story" (Richard Schweizer und David Wechsle) und erhielt Nominierung in den Kategorien Regie, Bester Darsteller Montgomery Clift und bestes Drehbuch, dass ebenfalls von dem Gespann Schweizer und Wechsler verfasst wurde.
Bereits mit seinem Vorgänger Film "Das siebte Kreuz" erwies sich Regisseur Fred Zinnemann als Chronist seiner Zeit, denn beide Filme befassen sich mit dem "Dritten Reich" und seinen Folgen für die Menschen. Gemeinsam mit einem schweizer Filmteam drehte er seine Film "Die Gezeichneten" (Originaltitel: The Search) im Jahr 1947 im zerstörten Deutschland. Dies gibt dem Film neben seiner Dramatik eines Einzelschicksals auch die nötige Authentizität und Glaubwürdigkeit.
In Europa nach dem Krieg herrscht großes Chaos. Die Menschen wurden entwurzelt und viele Familien getrennt. Tausende von Kindern irren durch die Trümmer der Städte, sie haben ihre Eltern verloren oder können sie nicht mehr finden. Fred Zinnemann zeigt das Schicksal des kleines Karel Malik (Ivan Jandl) aus der Tschechoslowakei. Die Familie wurde aus der Harmonie gerissen und deportiert. Der Vater und Karels ältere Schwester wurden von der Mutter Hanna Malik (Jamila Novotna) und dem kleinen Jungen getrennt. In Ausschwitz werden auch Mutter und Sohn getrennt und es beginnt für den Jungen eine Odyssee. Während der allierten Besetzung Deutschland werden aber Anstrengungen unternommen, um das Land wieder aufzubauen und Familien, die sich verloren haben, wieder zusammenzuführen. Die Zahl der obdachlosen Kinder ist enorm, ganze Züge sind voll dieser traurigen Geschöpfe, die bereits so viel Leid ertragen mussten. Mrs. Murray (Aline MacMahon) ist die engagierte Leiterin der Hilfs- und Rehabilitationsbehörde der Vereinten Nationen. Täglich kommen neue Kinder an und dort werden sie versorgt und ihre Namen sowie Herkunfsländer registriert. Auch Karel kommt dort an, ist aber so traumatisiert, dass er nur die Worte "Ich weiß nicht" auf Deutsch herausbringt. Der Junge trägt allerdings eine Tätowierungsnummer A24328 - ein Indiz dafür, dass das Kind in Auschwitz war. Die Kinder haben alle Angst und als sie in einem Krankenwagen transportiert werden und plötzlich ein Abgasgeruch wahrnehmen, bekommen sie Panik und fliehen. Auch Karel mit seinem neuen Freund Raoul (Claude Gambier). Als die Helfen die Kinder wieder einfangen wollen, kommt es zum Unglück und der kleine Raoul ertrinkt. Nun ist Karel wieder auf sich alleine gestellt, doch der trifft auf den jungen GI Steve (Montgomery Clift). Der erkennt die Not des Jungen und nimmt ihm mit zu sich. Währenddessen sucht Karels Mutter, die Ausschwitz überlebt hat, nach ihrem verschollenen Kind...




Viele Szenen wurden inmitten der Ruinen deutscher Nachkriegsstädte gedreht - in Ingolstadt, München, Nürnberg und Würzburg. Die Drehbarbeiten fanden zwischen Juni und November 1947 statt.
Man ist sprachlos angesichts dieses Grauen, dass die Kinder erleben mussten. Der schweizer Kameramann Emil Berna präsentiert mit seinen düsteren Bildern eine Welt, die aus dem Fugen geraten war und wie man mühevoll wieder versucht Normalitäten zu schaffen. Es war eine Coproduktion der schweizer Praesens Film und der MGM. Montgomery Clifts Leistung beeindruckte den damals jungen Clint Eastwood so sehr, dass er sich entschied Schauspieler zu werden.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Schlüssel zum Himmelreich

























Regie: John M. Stahl

Mission in China...

Interessanterweise hatten auf den Höhepunkt des 2. Weltkrieges in den USA religiöse Filme eine hohe Beliebtheit. So wurde Henry Kings "Das Lied von Bernadette" ein riesiger Erfolg - im Jahre 1943 der drittgrößte Kassenhit. Auch in den beiden Folgejahren waren die Bing Crosby Filme "Der Weg zum Glück" und "Die Glocken von St. Marien" die erfolgreichsten Kinofilme des Jahres. Auch der 1944 gedrehte "Schlüssel zum Himmelreich" passt gut in diese Kategorie. Der Film wurde 1944 von John M. Stahl inszeniert, dessen heute bekanntester Film der Film Noir "Todsünde" ist. Die Vorlage für das Drehbuch ist der gleichnamige Roman von Archibald Joseph Cronin. Der Produzent Joseph L. Makciewicz schrieb es zusammen mit Nunally Johnson.
Gregory Peck wurde für seine Rolle als Father Francis Chisholm für einen Oscar nominiert. Weitere Nominierungen gab es in den Kategorien Beste Schwarzweiß-Kamera (Arthur Miller), beste Musik (Alfred Newman) sowie beste Art Direction Schwarz Weiß (James Basevi, William S. Darling, Thomas Little und Frank E. Hughes).
Für die Rolle des Paters waren Spencer Tracy, Orson Welles, Edward G. Robinson, Gene Kelly und Henry Fonda im Gespräch. Gregory Peck bekam den Zuschlag. Ursprünglich sollte Ingrid Bergman die Rolle der Mutter Maria-Veronica spielen, doch Mankiewicz entschied sich für seine damalige Ehefrau Rose Stradner, die eine sehr gute Leistung brachte. Leider blieb sie bei der Vergabe der Oscar-Nominierungen unberücksichtigt.
Die Geschichte erzählt von den Prüfungen und Schwierigkeiten eines katholischen Priesters, der zur Evangelisation nach China geht.
Seine Lebensgeschichte wird als Rückblende erzählt, nachdem der inzwischen betagte Pater Francis Chisholm (Gregory Peck) von Monsignore Sleeth (Cedric Hardwick) in seiner Gemeinde in Tweedside besucht wird. Der Monsignore hat die Pflicht Pater Francis zu informieren, dass der Bischof Angus Meeley (Vincent Price) der Meinung ist, dass für den Pater nun der Ruhestand das Beste wäre. Immer wieder fiel der Pater wegen seiner unorthodoxen Aussagen auf. Die Nacht bricht an und der Monsignore zieht sich in sein Zimmer im Pfarrhaus zurück und findet dort das Tagebuch des Paters, das seine Geschichte von 1878 erzählt. Francis Vater (Dennis Hoy) wird von einigen Männern zusammengeschlagen, die etwas gegen Katholiken haben. Die Mutter (Ruth Nelson) von Francis (Roddy McDowall) findet ihren Mann schließlich verletzt und versucht ihn nach Hause zu bringen. Doch beide ertrinken in dieser Nacht und so wird Francis von einem Tag zum Anderen zur Waise. Seine Tante (Edith Barrett) nimmt ihn auf und in deren Tochter Nora (Peggy Ann Garner, später Jane Ball) verliebt er sich als junger Erwachsener. Dadurch kommt er auch in den Zwiespalt mit seinem Wunsch Priester zu werden. Doch schließlich wird er durch die Förderung des Paters Amish McNabb (Edmund Gwenn) seine Entscheidung fällen können. Das Priesteramt führt in zur Mission nach China, doch die dortige Missionsstadt ist stark heruntergekommen. Mit Hilfe des gläubigen Chinesen Joseph (Benson Fong) gelingt es aber die Mission wieder aufzubauen. Er rettet dem örtlichen Mandarin das Leben und bekommt Unterstützung der drei Ordensfrauen Schwester Martha (Sara Allgood), Schwester Clothilde (Ruth Ford) und Schwester Maria Veronica (Rose Stradner). Letztere kommt aus einer österreichischen Adelsfamilie und begegnet dem Pater zuerst mit einer starken Abweisung...



Als Chisholms ungläubiger Jugendfreund ist Thomas Mitchell zu sehen. Der Film zeigt einen Gottesmann, der sowohl eindrucksvoll in seinem Glauben als auch in seiner Demut ist. Mit Gregory Peck ist die Hauptrolle sehr glaubwürdig besetzt. Der Film lief noch nie im deutschen Fernsehen, obwohl er damals im Jahr 1947 in den deutschen Kinos life. Daher ist der Ton des Films leider alles andere als optimal. Die DVD bietet eine ungefilterte und eine gefilterte Fassung an. Es gibt auch deutsche Untertitel als geeignetes Hilfsmittel bei schlechtem Ton. Aber die deutsche Übersetzung lässt hier sehr zu wünschen übrig, man hat das Gefühl, dass hier ein drittklassikes Übersetzungsprogramm verwendet wurde. Für Fans von alten Filmen, die noch auf eine Entdeckung warten, ist "Schlüssel zum Himmelreich" aber eine sehr gelungene DVD Erscheinung.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Im Geheimdienst

























Regie: Fritz Lang

Spion im zweiten Weltkrieg...

In den 40er Jahren realisierte Fritz Lang in seiner Wahlheimat USA mehrere Filme, die dem Genre des Anti-Nazi-Films zuzurechnen sind, wie beispielsweise "Menschenjagd" (1941), "Auch Henker sterben" (1943), "Ministerium der Angst" (1944) oder "Im Geheimdienst" (1946).
"Im Geheimdienst" heißt im Original "Cloak and Dagger" und konnte weltweit 4,4 Millionen Dollar einspielen, was bei einem Budget von 2 Millionen Dollar als großer Erfolg verzeichnet werden konnte.
Langs Film ist eine Hommage an die Operation des Office of Stratetic Services (OSS) im besetzten Europa während des Zweiten Weltkriegs, basierend auf dem 1946 erschienenen Sachbuch "Cloak and Dagger: The Secret Story of O.S.S." von Corey Ford und Alastair MacBain. Ein echter Agent fungierte als technischer Berater.
Hauptdarsteller Gary Cooper beeindruckte als Held schon in "Wem die Stunde schlägt" von Sam Wood und zog das Kinopublikum in seinen Bann. Natürlich macht er auch hier als Physiker Alvah Jesper eine besonders gute Figur und willigt sofort ein seinen Dienst als Spion für sein Land einzutreten. Er wird auch mit einer äusserst heiklen und lebensgefährlichen Mission beauftragt, denn er soll herausbekommen wie weit die Nazis bereits mit ihren Forschungen zum Bau einer Atombombe vorangeschritten sind. Dazu muss er in die neutrale Schweiz reisen, um die berühmte deutsche Wissenschaftlerin Katerin Loder (Helene Thimig) zu besuchen. Die hält sich zur Zeit in einem Sanatorium auf und ist eine entschiedene Gegnerin der Nazis. Doch die deutschen Spione haben bereits herausbekommen, dass Jesper Agent der Amerikaner ist. Sie setzen die verführerische Ann Dawson (Marjorie Hoshelle) auf ihn an. Am anderen Tag ist Mrs. Loder ist plötzlich verschwunden. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie von den Nazis entführt wurde. Bei dem Versuch die Frau zu befreien, wird sie erschossen. Somit war wohl alle Mühe umsonst, doch es gibt einen Plan B., der Jesper nach Italien führt. Auch der angesehene Professor Polda (Vladimir Sokoloff) arbeitet an der Bombe. Seine Dienste nehmen die Nazis in Anspruch und erpressen ihn mit seiner Tochter Maria, die an einem unbekannten Ort gefangen gehalten wird. Jesper arbeitet in Italien mit einer Widerstandsgruppe zusammen, zu der auch die hübsche Gina (Lili Palmer) gehört. Eine Romanze ist unausweichlich...



Langs Film gefällt als Mischung aus Agententhriller und Film Noir und zeigt den Hauptdarsteller in Höchstform. Die deutsche Schauspielerin Lili Palmer überzeugt als unerschrockene Kämpferin im Untergrund. Kameramann war Sol Polito (Chicago, Sergeant York, Die lange Nacht, Dodge City, Der Seewolf). Ein spannender Genrebeitrag, der allerdings nicht zu den großen Meisterwerken des Regisseurs gehört.
 


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 


Die lange Nacht

























Regie: Anatole Litvak

Die Ermordung des Zauberkünstlers...

Kurz nach dem Film Noir "Die lange Nacht" drehte Regisseur Anatole Litvak mit "Du lebst noch 105 Minuten", "Die Schlangengrube" und "Entscheidung vor dem Morgengrauen" seine drei besten Filme. Durch das hohe Budget und einem Einspielergebnis von 1 Million Dollar machte Litvaks Film an der Kasse einen höheren Verlust für die RKO. Der Film ist ein US-Remake von Marcel Carnes Klassiker des Poetischen Realismus "Der Tag bricht an" aus dem Jahr 1939.
Immerhin schafft es Litvak zumindest optisch aus "Die lange Nacht" sehr viel Atmosphäre herauszuholen. Kameramann Sol Polito liefert eine bemerkenswerte Leistung mit seinem düsteren Bildern einer Kleinstadt, in der sich ein Mörder in seiner kleinen Wohnung eines Mehrfamilienhauses verschanzt hat. Im Original spielen Jean Gabin, Arletty, Jules Berry und Jacqueline Laurent die vier wichtigen Personen der Geschichte. Für das Remake wurde Henry Fonda als Hauptdarsteller gewonnen, Vincent Price spielt seinen Gegenspieler und Ann Dvorak und Barbara Bel Geddes (die spätere Miss Ellie in der TV-Serie "Dallas) komplettieren das Quartett. Leider sorgte der Hays Code für eine Entschärfung gegenüber dem französischen Original und die sexuelle Konstellation unter den vier Figuren kommt leider viel zu kurz. So ist beispielsweise die Rolle von Barbara BelGeddes viel zu brav und naiv dargestellt, wobei das Remake in weiten Teilen sich exakt an das Original hält.
In der ersten Szene sieht man dieses Treppenhaus und man hört einen Schuß, der wohl aus der Wohnung des obersten Stocks kommen muss. Ein Mann (Vincent Price) öffnet die Tür und torkelt benommen auf die Treppe zu. Dann stürzt er schon die Stufen hinunter. Der erblindete Hausbewohner Frank Dunplap (Elisha Cook Jr.) stolpert beinahe über den Mann, der inzwischen tot auf dem Boden liegt. Die kleine Peggy (Patty King) schaut zur Tür, aus dem der Schuß kam und wo ihr großer Freund Joe Adams (Henry Fonda). Der öffnet kurz und meint, dass alles gut sei. Doch inzwischen ist auch schon die Polizei eingetroffen und man will so schnell wie möglich, dass der Todesschütze sich ergibt. Der denkt nicht daran. Rasend vor Wut und Hass eröffnet er das Feuer in Richtung Tür, wo die Polizisten stehen. Der Sheriff ruft nach Verstärkung und stellt Scharfschützen auf den nahe gelegenen Dächern auf. Es ist dunkel in diesem Zimmer und Joe, der eigentlich bei allen Leuten richtig beliebt war, erinnert sich an die Ereignisse. An seine Begegnung mit der jungen Jo Ann (Barbara Bel Geddes), an den manipulativen Zauberer Maximilian (Price) und an dessen Partnerin und Geliebten Charlene (Ann Dvorak)...



Aus diesen Rückblenden wird die tragische Verbindung dieser vier Menschen sichtbar. Eine junge unschuldige Liebe, die gerade am Wachsen ist - diese Romanze steht im krassen Gegensatz zu der Verbindung des Mädchens mit dem älteren Verehrer Maximilian, der sehr wortgewandt und weltoffen die junge Frau für sich einnimmt. In Joe keimt die Eifersucht, wobei ihn dies nicht davon abhält mit der viel reiferen und abgebrühteren Assistentin des Magiers ein sexuelles Verhältnis einzugehen. Dieses Duett ist auch das einzige, dass offen in der Geschichte ausgelebt wird. Eine Liason, die nur dazu dient die körperliche Lust zu befriedigen. Die Beziehung zwischen der jungen Frau und dem reifen Herrn bleibt im Dunkel. Wobei in einer Szene dann auch doch angedeutet wird, dass hier mehr lief als nur ein harmloser Flirt. Natürlich kommt Anatole Litvaks Version lange nicht an die französische Vorlage heran. Denn Marcel Carne brachte meistens auch recht viel Sozialkritik in seinem Filmen unter. Diese fehlt bei Litvak, dennoch unterhält "Die lange Nacht" ganz gut.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Sehnsucht der Frauen

























Regie: Ingmar Bergman

Das Warten auf die Männer...

Mit "Sehnsucht der Frauen" aus dem Jahr 1952 zeigt Regisseur Ingmar Bergman starke Frauen und eitle, selbstverliebte Männer. Der Film ist angelegt wie eine Art Liebesreigen, allerdings zeigt er Beziehungen zwischen Mann und Frau, die schon ein paar Jahre existieren.
Fünf Frauen unterschiedlichen Alters warten in einem Sommerhaus auf ihre Männer. Vier dieser Frauen sind jeweils mit einem Mann der wohlhabenden Industriellenfamilie Lobelius verheiratet.
Anette (Aino Taube) ist schon lange mit Paul Lobelius (Hakan Westergren) verheiratet. Sie gesteht aber den anderen Frauen, dass ihre Ehe nur noch auf dem Papier besteht. Dies animiert die anderen Ehefrauen dazu, ebenfalls aus dem Nähkästchen zu plaudern. So überrascht Rakel (Anita Björk) ihre Schwägerinnen damit, dass sie ihrem Mann Eugen (Karl-Arne Holmsten) untreu war. Sie hat ihn mit ihrem Jugendfreund Kaj (Jarl Kulle) betrogen. Es war ihr jedoch nicht möglich, diesen Seitensprung geheim zu halten und hat ihrem Mann den Fehltritt im Beisein von Jan gebeichtet. Eugen reagiert sehr heftig und will sich sogar das Leben nehmen. Seit dieser Zeit weiß Rakel, dass sie nicht nur einen Mann an ihrer Seite hat...er ist auch noch ihr Kind.
Marta (Maj Britt Nilsson) erzählt von ihrer Zeit in Paris. In einem Nachtlokal flirtet sie mit einem amerikansichen Piloten (Kjell Norderskjöld), der dann immer zudringlicher wird. Die Nacht verbringt sie allerdings mit dem Maler Martin (Birger Malmsten). Diese Nacht bleibt nicht ohne Folgen - sie erwartet ein Kind. Allerdings verheimlicht sie die Schwangerschaft vor Martin, denn der wird von seinem Brüdern aufgesucht. Vater Lobelius ist verstorben und Martin soll zur Beerdigung. Zuerst weigert er sich, da er mit dem Vater nie ein gutes Verhältnis hatte. Doch der mögliche Verlust des Erbes lässt ihn anders entscheiden. Erst viel später willigt Marta doch noch in die Ehe ein.
Auch Karin (Eva Dahlberg) hat etwas aus ihrem Eheleben beizusteuern. Sie ist mit Fredrik Lobelius (Gunnar Bjrönstrand) verheiratet und kennt die Schwächen ihres Mannes, der sich für den Größten, Schönsten und Stärksten hält, sehr genau. Nach einem Galaabend bleiben beide im Fahrstuhl stecken. Während Karin ruhig bleibt, wird Fredrik immer nervöser. Eine gute Gelegenheit für Karin mit weiblicher List ihrem Göttergatten einige Geständnisse herauszulocken.
Während die Frauen erzählen hat Martas Schwester Maj (Gerd Andersson) sich entschieden mit ihrem Lover Henrik (Björn Bjelvenstam), dem Jüngsten der Lobelius Brüder, heimlich abzuhauen und ihre Liebe auszukosten....



So zeigt Bergman in seinem Film auch das frühe Verlangen nach dem Glück und als Gegensatz was aus diesen großen Leidenschaften durch den Alltag und die Zeit übrig geblieben ist. Die Sequenz im Fahrstuhl ist sehr köstlich und hat einen burlesken Charakter. Die Ehepsychologie ließ Bergman nie wieder los. Immer wieder thematisierte er dies auch in vielen folgenden Filmen. 



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Fünf Perlen

























Regie: Jean Negulesco, Howard Hawks, Henry King, Henry Koster, Henry Hathaway

Full House...

"Fünf Perlen" heißt im Original "O. Henrys Full House" und ist ein Episodenfilm aus dem Jahr 1952. Mit den fünf Perlen sind fünf Kurzgeschichten des Schriftstellers O. Henry gemeint, der 1862 als William Sydney Porter in North Carolina geboren wurde und 1910 in New York City verstarb. Viele von O. Henrys Geschichten wurden verfilmt und auch seine Bücher sind nach wie vor sehr beliebt. Er gilt als Meister der Kurzgeschichte und meistens spielen sie im düsteren Milieu. Die Helden leben am Rand des Existenzminimums und werden dann auch noch mit verflixten Situationen konfrontiert. In der Schlußpointe präsentierte der Schriftsteller meistens ein harmonisches Happy-End. Außerdem hatten die Geschichten meistens eine überraschende Wende, so wurde auch sein Ruf als Meister des literarischen Twists begründet.
Man entschied sich 1952 fünf dieser Short Storys zu verfilmen. Jede Geschichte wurde von einem anderen Autor bearbeitet und jeder Kurzfilm hatte einen anderen Regisseur. Die Musik wurde von Alfred Newman komponiert und der berühmte John Steinbeck tritt als Erzähler auf, der jede Geschichte einzeln vorstellte.
Aus den "Fünf Perlen" wurden aber schon vor der Premiere "Vier Perlen", da Howard Hawks Kurzfilm "The Ransom of Red Chief" beim Testpublikum total durchfiel. Vielleicht mochten diese Zuschauer es nicht, dass man so ein ernstes Thema wie Kindesentführung auf solch eine witzige Art darbot. Die Hawks Sequenz verwand vorerst und so kam es, dass der Film mit den verbliebenen, harmonischen Perlen (drei dieser Geschichten spielten auch im Winter) einen festen Platz im US-TV Angebot zu Weihnachten bekam. Erst viel später wurde Hawks Episode wieder dazu genommen - kein Wunder, denn es ist die beste und frechste Geschichte dieser zusammenstellung.
Part 1 heißt "Der Vagabund und die Gerechtigkeit" (Regie: Henry Koster) ist Charles Laughtons Part als Vagabund, der die kommenden kalten drei Wintermonate unbedingt im örtlichen Gefängnis verbringen will. Dort gibt es auf Staatskosten Vollpension und ein warmes Bett. Draußen in der Kälte hat er das nicht. Aber er muss natürlich eine Straftat begehen, damit man ihn einsperrt. So einfach wie er sich das vorgestellt hat, ist es aber nicht. In einer Nebenrolle erscheint Marilyn Monroe.
Part 2 heißt "Die alte Schuld" (Regie: Henry Hathaway) und zeigt Richard Widmark, wie man ihn damals am liebsten sah. Als fiesen Gangster und Mörder. Sein früherer Kumpel Barney Woods (Dale Robertson) ist ihm auf der Spur und hat den Beweis, dass der böse Johnny der gesuchte Killer ist. Doch eine alte Schuld macht es ihm vorerst unmöglich seinen Kumpel festzunehmen.
Part 3 heißt "Das letzte Blatt" (Regie: Jean Negulesco) ist eine schöne Wintergeschichte, die in Greewich Village spielt. Dort ist eine Lungenepidemie ausgebrochen und auch die hübsche Joana (Anne Baxter) wird krank. Zudem will sie durch enttäuschte Liebe nicht mehr leben, so sehr sich ihre Schwester Susan (Jean Peters) auch bemüht, dass sie wieder zu Kräften kommt. Joana bildet sich ein, dass wenn das letzte Blatt eines Baumes am Nachbarsfenster fällt, sie ebenfalls sterben wird. Der Maler (Gregory Ratoff) hat aber eine Idee...
Part 4 heißt "The Ransom of Red Chief" (Regie: Howard Hawks) ist eine anarchistische kleine Perle, die zwei Gauner (Fred Allen/Oscar Levant) zeigt, die das große Geld mit einer Kindesentführung machen wollen. Dazu fahren sie in den Süden der USA und fragen die Landbevölkerung aus wer hier in der Gegend ziemlich reich ist und wer dazu noch einen Sprößling hat. Die unbedarften, aber auch neugierigen Leute verweisen ihn auf die Dorsets, die viel Land besitzen und einen Jungen namens J.B (Lee Aker) haben. Vor dem Augen der Eltern, die alles durchs Fenster beobachten, wird dem jungen ein Sack übers Gesicht gestülpt und ab gehts zum Versteck. Nun heißt es nur noch warten und 2.000 Dollar sollte der Bengel den Eltern schon wert sein. Doch so einfach ist Kindesentführung nicht, weil der Junge sich als echter Satansbraten entpuppt...





Part 5 heißt "Das Geschenk der Liebe" (Regie: Henry King) mit Farley Granger und Jeanne Crain als nach wie vor sehr verliebtes Ehepaar, die aber so arm sind, dass sie dem anderen nicht sehr viel zu Weihnachten schenken können. Der Mann verkauft heimlich seine Uhr, um seiner großen Liebe ein paar Zierkämme für ihr wunderschönes, langes Haar zu kaufen, doch die hat sich entschieden dieses lange Haar an einen Friseur zu verkaufen. Für 20 Dollar kauft sie ihrem Mann dafür eine Uhrkette für die Uhr.
Ein sehr netter Wohlfühlfilm, der sehr kurzweilig verfilmt wurde und wo auch der feinsinnige Humor der Vorlagen von O. Henry zum Tragen kommt. Die Schauspieler hatten dabei sicherlich viel Spass, denn man fühlt, dass sie mit Engagement dabei sind. Vor allem ist es aber auch die Menschlichkeit, die in diesen Geschichten berührt.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.