Samstag, 23. Juni 2018

Unter falschem Verdacht

























Regie: Henri Georges Clouzot

Ein Fall für Inspektor Antoine

Während der Besatzung Frankreichs drehte Henri-Georges Clouzot sein frühes Meisterwerk "Der Rabe" - dies führte dazu, dass der Regisseur nach Ende des 2. Weltkriegs mit einem Berufsverbot belegt wurde. Ihm wurde zu enge Zusammenarbeit mit dem Feind unterstellt. Nach 2 Jahren wurde dieses lebenslang verhängte Verbot aufgelöst und so konnte Clouzot 1947 einen weiteren sehr interessanten französischen Film Noir realisieren. "Quai des Orfevres" bekam den deutschen Titel "Unter falschem Verdacht" und spielt im Theatermilieu. Er wurde 1947 ein riesiger kassenhit im Heimatland, der 5,5 Millionen Zuschauer in die Kinos zog.
Clouzot schrieb auch das Drehbuch, dass auf den Roman "Legitime defense" von Stanislas-Andre Steeman basierte. Die Atmosphäre kann man auch als etwas morbid bezeichnen, daher sind Ähnlichkeiten mit "Der Rabe" sehr schnell erkennbar.
Es gibt auch einen interessanten Einblick in die Polizeiarbeit dieser Jahre, die wird von Clouzot sehr ungeschminkt geschildert - die Männer vom Polizeipräsidium in Paris, das am Quai des Orfebres liegt, sind knallhart und ihre Methoden sind aus heutiger Sicht extrem gewalttätig. Auch Inspektor Antoine (Louis Jouvert), der im Laufe der Geschichte mit dem Mordfall Brignon betraut wird, agiert bei den Verdächtigen mit harten Bandagen. Doch privat ist der Kriminalbeamte viel weicher, er kümmert sich rührend um seinen dunkelhäutigen Adoptivsohn.
Doch bevor er die Szene betritt, beginnt Clouzots Film im Theatermilieu und der Zuschauer lernt die eher unfreiwillige Femme Fatale Jenny Lamour (Suzy Delair) kennen, die eigentlich Marguerite Martineau geborene Chauffunier heißt und mit dem eher stillen und sanftmütigen Pianisten Maurice (Bernard Blier) verheiratet ist. Maurice hat aber eine große Schwäche: Er ist irre eifersüchtig und spricht damit seiner treuen Frau oft das Misstrauen aus, weil er glaubt, dass sie ihn betrügen könnte. Die beiden leben aber ansonsten ganz glücklich in Paris. Ganz nah bei der Fotografin Dora Monnier (Simone Renant) , die Maurice seit ihrer Kindheit kennt und auch jetzt eine gute Freundin des Ehepaars ist. Ganz heimlich hat sie aber auch Gefühle für Maurice, doch lässt sich nichts anmerken. Oder vielleicht sogar eher für Maurices Frau Jenny. Aber wer weiß das schon. Die Dialoge mussten ja damals allesamt durch die strenge Zensur.
Immer wieder lässt sich auch der reiche bucklige Machtmensch Brignont (Charles Dullin) in Doras Atelier sehen. Und immer begleitet von ganz jungen Mädchen, die sich prostituieren. Er verlangt von den jungen Frauen, dass sie sich nackt ablichten lassen. Und sicherlich auch mehr...er hat einen zweifelhaften Ruf, aber er hat auch großen Einfluss im Filmgeschäft. Auch Jenny, die Karriere machen will, kennt Brignon und erhofft sich von ihm ein Engagement beim Film, weil man dort viel mehr verdienen kann als beim Theater. Da sie weiß wie eifersüchtig Maurice werden kann, verheimlicht sie das Rendezvous mit Brignon. Doch Maurice bekommt Wind davon und macht Brignon und seiner Frau im Restaurant eine wütende Szene und droht damit ihm beim nächsten Mal umzubringen. Jenny ist aber unverbesserlich und will sich ein weiteres Mal mit Brignon treffen. Wieder bekommt Maurice Wind davon und er fährt mit dem Auto zu Brignons Haus. Dort angekommen findet er dessen Leiche...



Und es wird nicht einfach sein, diesen verzwickten Mordfall zu klären. Denn es passieren einige unvorhergesehene Dinge. So wird beispielsweise in der gleichen Nacht auch noch Maurices Auto gestohlen. Der Inspektor lässt aber nicht locker, er will den Fall so schnell wie möglich aufklären. Sehr schnell macht er Maurice auch als Hauptverdächtigen aus. Clouzot führt darüberhinaus den Zuschauer ins nächtliche Paris der Varietes und der Nachtclubs. Es herrscht reges Leben in der Metropole und in der Nacht treffen sich im Mileu die Sänger, Artisten, Musiker und auch einige kriminelle Elemente. Leider ist "Auf falschem Verdacht" trotz seiner damaligen Popularität heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Das liegt sicherlich daran, dass er auch vom Fernsehen vernachlässigt wurde. Er ist zwar nicht ganz so stark wie "Der Rabe", aber erweist sich durch seine klasse Machart dennoch als ausgezeichneter Genrebeitrag, der es verdient hat heute wieder neu entdeckt zu werden.




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Der letzte Angriff

























Regie: Samuel Fuller

Die Angst des Soldaten vor dem Todesschuß...

Samuel Fullers 1951 entstandener Kriegsfilm "Der letzte Angriff" (Original: Fixed Bajonets!") ist auf den ersten Blick weniger kritisch als sein kurz zuvor enstandener "Die Hölle von Korea", der dem Regisseur einen Siebenjahresvertrag bei der 20th Century Fox einbrachte, aber auch vom US-Verteidigungsministerium misstrauisch beäugt wurde - das Schlußbild in "Die Hölle von Korea" zeigt einen Stahlhelm am Brabkreuz eines Soldaten, der in diesem Krieg gefallen ist. So ist dieses extrem spannende B-Picture mit der technischen Beratung des Militärs entstanden und bereits der Prolog soll den Krieg in der Fremde positiv aussehen lassen. "Dies ist eine Geschichte der amerikanischen Truppen im Korea des Frühjahrs 1951".  Sie ist der Königin der Feldschlachten - der US-Infanterie - gewidmet".
Dennoch fällt nach einem Intro mit einigen Parolen und Phrasen der Inhalt wesentlich authentischer und grimmiger aus. Die Kritik Fullers am unmenschlichen Kriegstreiben kommt eher im Deuten einiger Szenen des Films hervor. Etwa dann, wenn der versierte und charismatische Rock (Gene Evans) glaubt, dass sein Kamerad Denno (Richard Basehart) endlich "einen der Roten" erschossen hat. Dieser hat nämlich Mühe auf Menschen zu schießen und noch mehr Mühe ein Führer für seine Einheit zu sein. Rock lobt Denno, weil er glaubt, dass dieser endlich den tödlichen Schuß auf einen Feind geschafft hat. "Jetzt bist Du einer von Uns, jetzt kann ich Dir auch vertrauen". Mit weitestgehend unverbrauchten Schauspielergesichtern erzählt Fuller die tragische Geschichte, die sich während es Koreakrieges abspielt. Die Sowjetunsion und China sind auf der seite der Nordkoreaner, die USA hilft Südkorea. Da die Volksrepublik China immer stärker in diesen Krieg eingreift, sind stehen die Verbündeten vor einer Niederlage. Im Winter des Jahres 1951 heißt es leider Rückzug, doch die Übermacht ist sehr groß und dieser Rückzug könnte zur Katastrophe werden. Sobald der Feind bemerkt, dass sich die US-Armee zurückzieht, könnte er zuschlagen und seine Position ist so günstig, dass es dies ein Massengrab für die Amerikaner werden könnte. Aber die Amis haben eine Liste ersonnen, die funktionieren könnte. Mit einer kleinen Einheit von 48 Mann soll der Rückzug so gedeckt werden, dass die "Roten" glauben die kleine Einheit sei ein ganzes Regiment.
Befehlshaber der Einheit wird Lieutenant Gibbs (Craig Hill), im zur Seite stehen die beiden Sergeants Rock und Lonergan (Michael O´Shea). Sie beziehen dabei einen Pass in den Bergen, legen Minen und spähen den Feind aus. Denno macht sich jetzt schon Gedanken was sein könnte, wenn die drei Vorgesetzten im Kampf fallen - denn dann wäre er der ranghöchste Soldat und müsste die Männer anführen. Ein Gedanke, der ihm überhaupt nicht gefällt. Rock hält sehr viel von Denno, doch er kann nicht verstehen, warum dieser nur so zögerlich Verantwortung übernehmen kann. Er meint "Wenn ihr feindliche Soldaten seht, dann ist noch alles in Ordnung. Erst wenn ihr einen Panzer hört, dann seid gewiss, dass der Feind unsere List durchschaut hat". In einer Höhle in den Bergen hat die ganze Mannschaft Platz und die Männer warten oder hören sich die schlauen Ratschläge des intellektuellen Kameraden Whitey (Skip Homeier) an. Immer wieder durchstreifen Patrouillen der feindlichen Armee das Gebirge. Die kleine Einheit müss mit den Mörser Granaten, ihren Maschinengewehren und den aufgesteckten Bajonetten umso mehr Eindruck von unbesiegbarer Stärke vermitteln...



Zu dem Actiongehalt kommt auch der Zwiespalt zu tragen, den die Figur des zögernden Corporal Denno mit seinem Innern hat. Richard Basehart spielt diesen Soldaten. Der Schauspieler hatte bereits einige gute Rollen in den Filmen "Schritte der Nacht" oder "Dämon von Paris" - den internationalen Durchbruch hatte er aber erst einige Jahre später mit "La Strada" von Fellini und John Hustons Literaturverfilmung "Moby Dick". Im zur Seite stand der etwas kauzige Gene Evans einen Soldaten, der ganz anders agiert und langsam immer mehr der sichere Halt für seine Kameraden bedeutet. In einer kurzen Einstellung am Ende des Films kann man sogar den ersten Filmauftritt von Hollywood Legende James Dean sehen.
Immer wieder setzt Fuller kleine Widerhaken in den Film, bei dem die Armee mit Rat und Tat zur Seite stand. Auf die Frage, warum man als Ami im fernen Korea kämpft, können die Männer keine Antwort geben. Sie wissen es selbst nicht - und am Ende gelingt es Denno auf den Feind zu schießen. Somit auch Verantwortung zu übernehmen - der Preis ist das Überleben, aber er ist auch sehr hoch: Als die Überlebenden zu ihrer Division aufschließen, sehen sie nicht wie die Helden aus, die das Militär gerne hätte. Abgekämpft und abgestumpft hat die Kamera von Lucien Ballard die Männer eingefangen. Die spuren des Krieges sichtbar - das sind Gezeichnete.
 



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Ein Platz an der Sonne

























Regie: George Stevens

Der amerikanische Alptraum..

George Stevens sozialkritisches Drama "Ein Platz an der Sonne" war in der Oscarnacht 1952 neben "Enstation Sehnsucht" und "Ein Amerikaner in Paris" der große Favorit und am Ende sprangen 6 Academy Awards für den auf Meisterwerk getrimmten Film heraus. George Stevens wurde zum besten Regisseur gewählt, ausserdem konnte man Siege in den Kategorien Bester Schnitt, Beste Filmmusik, bestes Kostümdesign, bestes adaptiertes Drehbuch und beste Kamera (William C. Mellor) verbuchen. In der Kategorie "Bester Film" gewann allerdings "Ein Amerikaner in Paris" und die nominierten Hauptdarsteller Montgomery Clift und Shelley Winters mussten sich von Humphrey Bogart für "African Queen" und Vivien Leigh für "Endstation Sehnsucht" geschlagen geben. Die junge Elizabeth Taylor wurde nicht berücksichtigt - sie musste noch 6 Jahre auf ihre erste Oscarnominierung für "Land des Regenbaums" warten.
"Ein Platz an der Sonne" entstand nach dem Roman "Eine amerikanische Tragödie" von Theodore Dreiser und beschreibt ein bisschen den Mythos "Vom Tellerwäscher zum Millionär" und lässt einen jungen Mann der unteren Schichten gesellschaftlich aufsteigen.
Dieser junge Mann heißt George Eastman (Montgomery Clift) und ist der verarmte Neffe des reichen Industriellen Charles Eastman (Herbert Heyes). Den hat der junge Mann rein zufällig getroffen als er noch als Hotelpage in einem Hotel in Chicago arbeitete. Die reichen Eastmans betrachteten schon immer Georges Eltern (die Mutter wird von Oscarpreisträgerin Anne Revere gespielt) als religiöse Aussenseiter, nun ist vor kurzem der Vater gestorben. Eastman will dem ehrgeizigen jungen Mann mit guten Manieren aber eine Chance geben und er lädt ihn ein zum Besuch, er könne vielleicht beruflich etwas für ihn arrangieren. Tatsächlich nimmt George die Chance wahr und in der ersten Szene des Films sehen wir George auf dem Highway trampen. Bei den Eastmans angekommen ist die Freude eher verhalten, aber der Onkel steht zu seinem Wort und George bekommt Arbeit in der Verpackungsabteilung der Firma. Dort lernt George die Fabrikarbeiterin Alice Tripp (Shelley Winters) kennen und obwohl ein strenges Verbot herrscht, dass die Angestellten untereinander Beziehungen beginnen, beginnt George eine leidenschaftliche Affäre mit Alice. George hat aber auch Augen für das attraktive Society Girl Angela Vickers (Elizabeth Taylor), die ihn zuerst gar nicht beachtet. Er beneidet insgeheim den opulenten Lebensstil seiner reichen Verwandten und fühlt sich in den oberen Kreisen sehr wohl. Bei einem weiteren Treffen kommt er mit der hübschen Angela ins Gespräch und tatsächlich verliebt er sich in sie und auch Angela ist an dem stillen Aussenseiter interessiert. Bald sind die beiden ein Paar und er sondert sich mehr und mehr von seiner Alice ab, die zudem auch noch schwanger wird. Wenn dies bekannt würde, wäre es das Karriereende von George und so kommt der Gedanke auf das ungewollte Kind abzutreiben. Doch der Arzt weigert sich. Nun drängt Alice auf eine Heirat, doch George hat sich innerlich schon für Angela entschieden. Die Situation eskaliert völlig als Alice droht das Verhältnis und die Schwangerschaft öffentlich zu machen. Um den Aufstieg und seine Angela nicht zu verlieren, kommt in George der düstere Gedanke auf Alice aus dem Weg zu schaffen. Während einer gemeinsamen Bootsfahrt entscheidet sich das weitere Schicksal...




George Stevens hat seine tragische Geschichte über den Aufsteiger, der am Ende alles verlieren wird, sehr straff und spannend inszeniert. Dabei sind die drei Hauptdarsteller perfekt besetzt: Montgomery Clift erweist sich auch hier als sehr guter Charakterdarsteller, er gibt der Figur die nötige Ambivalenz und gewährt einen Einblick in eine fraglie Gefühlswelt. Die schöne Liz Taylor beeindruckt ebenfalls, immer mehr an Tiefe kann der Zuschauer aus der zuerst sehr oberflächlich wirkenden Angela herauslesen. Natürlich belibt auch Shelley Winters als abgehängte Exgeliebte im Gedächtnis, ihre beste Szene bekommt sie während der schicksalhaften Bootsfahrt, als sie aus Georges Augen schreckliche Wahrheiten herauslesen wird. Kameramann William C. Mellor agierte ebenfalls meisterhaft - seine Kamera bewirkt, dass der Zuschauer das Gefühl bekommt nicht nur Beobachter des Szenarios zu sein, sondern gelegentlich empfindet er sich mittendrin im Geschehen.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Montag, 18. Juni 2018

Es geschah morgen

























Regie: Rene Clair

Ein Geist verteilt die Zeitung von morgen...

Rene Clair, einer der großen französischen Filmregisseure der 30er Jahre, drehte in Hollywood in den Jahrn 1940 bis 1945 insgesamt vier Filme: "Die Abenteurerin" (1940), "Meine Frau, die Hexe" (1942), "Es geschah morgen" (1944) und zuletzt die Agatha Christie Verfilmung "Das letzte Wochenende" (1945).
Mit "Es geschah morgen" lieferte er einen Beitrag im Genre des Film-Märchens ab, das in den 40er Jahren auch eine große Beliebtheit hatte. Man erinnert sich an "Jede Frau braucht einen Engel" (Henry Koster, 1947), "Ist das Leben nicht schön ? " (Frank Capra, 1946), "Ein himmlischer Sünder" (Ernst Lubitsch, 1943), "Der Geist und Mrs. Muir" (Joseph L. Mankiewicz oder "Urlaub vom Himmel" (Alexander Hall, 1941).
"Es geschah morgen" wird auch alternativ "Was morgen geschah" genannt und ist sowohl sehr romantisch geprägt als auch federleicht. Kritiker bescheinigten dem Film beim Kinostart eine Perfektion wie ein rhythmisches Ballett, alle Zahnräder der Geschichten würden wie von alleine perfekt ineinandergreifen und alles würde mit Klarheit und Einfachheit bestens funktionieren. Tatsächlich ist das die Stärke, die Geschichte selbst hätte man auch durchaus düster und ernst gestalten können, doch Clair als Spezialist der leichten Komödie hat sich auf seine Stärke besonnen. Bei der Oscarverleihung gabs zwei Nominierungen zum Verzeichnen: Bester von Jack Whitney und beste Musik von Robert Stolz.
Wenn man beim Vergleich mit Capras "Ist das Leben nicht schön ?" bleibt und an den Engel Clarence denkt, der dort seine Flügel verdienen muss, dann ist der alte Pop Benson, gespielt von John Phliliber, sein filmischer Verwandter. Der ist zwar kein Engel, aber ein Verstorbener - nur weiß dies unser Held des Films nicht, er denkt er redet mit dem lebenden Pop, doch in Wirklichkeit ist es dessen Geist und der steckt unserem Newspaper man Lawrence Stevens (Dick Powell) die morgige Ausgabe der Evening Post, sozusagen als geheimnisvoller Gruß aus der Zukunft - dort in dieser morgigen Ausgabe stehen Ereignisse, die erst noch passieren. Denn heute ist heute und nicht morgen.
Diese wundersame Geschichte ist eingebettet in die goldene Hochzeit von Laurence und Sylvia (Linda Darnell). Endlich will Laurence "seine Geschichte" auch den Gästen erzählen, doch Sylvia gibt ihm den guten Rat es bleiben zu lassen. "Es wird Dir sowieso niemand glauben", doch dem neugierig gewordenen Zuschauer werden die Ereignisse vor 50 Jahren in einer Rückblende seriviert.
Damals, kurz bevor das 20. Jahrhundert begann, äussert Laurence, den alle nur Larry nennen, den Wunsch, dass er 10 Jahre seines lebens geben würde, wenn er heute schon die Nachrichten von Morgen kennen würde. Auch wäre er neugierig zu wissen, wie lange er lebt. Dieser Wunsch wird dann tatsächich erfüllt - in der Gestalt des alten Zeitungsmenschen Pop, der das Archiv der Evening Post verwaltet. Der steckt Larry jeden Tag die Zeitung von Morgen zu. Dies führt zu ganz verschiedenen Dynamiken. Larry kann über die besten Storys berichten, denn er weiß, wann am folgenden Tag die Kassen des Theaters geraubt werden sollen und natürlich kennt er auch die Ergebnisse vom Pferderennen des folgenden Tages. Zufällig gastiert auch der Wahrsager Oscar Gigolini (Jack Oakie) in der Stadt, der hat eine sehr schöne Tochter Sylvia (Linda Darnell). Eine Frau, die 50 Jahre später mit Larry ihre goldene Hochzeit feiert...



Wie jeder Clair Film hat auch seine märchenhafte Hollywood Stippvisite sehr viel Charme und es sind 85 kurzweilige Minuten, die der Zuschauer mit diesem Klassiker aus den 40er Jahren präsentiert bekommt. Kameramann war der legendäre deutsche Eugen Schüfftan, der in den 20er Jahren viel mit Fritz Lang zusammenarbeitete.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 14. Juni 2018

Abend der Gaukler

























Regie: Ingmar Bergman

Ohne Hoffnungsschimmer...

"Abend der Gaukler" (Original: Gycklarnas afton) aus dem Jahr 1953 ist für mich einer der düstersten Bergman Filme überhaupt. Er schildert den mühevollen Weg des Lebens der Menschen, dessen Rückschläge und Verzweiflung. Das Alte zerbricht, ein neuer Anfang muss gemacht werden, wenn man weiterleben möchte.
Am Anfang sieht der Zuschauer die Wagen des heruntergekommenen Zirkus Alberti. Der Kutscher erzählt dem Direktor Albert Johannson (Ake Grönberg) die tragische Begebenheit, die sich vor einigen Jahren ereignet hat. Clown Frost (Anders Ek) erfährt, dass seine Frau (Gudrun Brost) von einem Trupp Soldaten überreden ließ im Meer nackt zu Baden. Er eilt sofort von der Manege an den Strand, bedeckt mühsam ihre Blöße und trägt seine Alma kilometerweit über den steinigen Strand nach Hause. Bergman zeigt in Großaufnahme das verzweifelte kämpferische Gesicht des Clowns und auch der Frau, deren Gesichtsausdruck sich immer mehr ihrem Mann angleicht.
"Abend der Gaukler" steuert auf ein destruktives Ende hin, denn weil der Zirkusdirektor am Ende seinen geplanten Selbstmord aufgibt, muss er eine Ersatzhandlung vollbringen und erschießt den Bären, weil er jemandem wehtun will. Dieser hat kurz vorher in der Vorstellung zum ersten Mal nicht getanzt und Alma, die mit dem Tier diese Nummer präsentiert, ahnte dadurch, dass das Tier irgend etwas spürte.
Hier bringt Bergman etwas spirituelles mit in die Handlung, dass man einfach fühlen muss - erklärbar ist der "Dialog" bzw. Gedanke von Alma zu ihrem Bären nicht.
In der Stadt, in der Johannson mit seinem schäbigen Zirkus vorbeikommt, lebt auch Alberts Frau Agda (Annika Tretow). Er hat sie vor einigen Jahren für den Zirkus verlassen, weil er nicht seßhaft werden wollte und das Wanderleben ihm viel besser gefiel. Dabei musste Agda die zwei Jungs alleine großziehen. Alberts Geliebte, die Kunstreiterin Anne (Harriet Andersson) plagen Ängste - sie hat die Befürchtung, dass Albert wieder zu seiner Frau zurückkehren könnte und den Zirkus aufgibt. Tatsächlich sind die Kassen leer und die Leute haben schon lange keinen Lohn mehr bekommen. Albert kommt aud die Idee dem Theaterdirektor (Gunnar Björnstradnd) einen Besuch abzustatten in der Hoffnung, dass dieser dem Zirkus für den Premierenabend Kostüme ausleiht. Hinter den Kulisse trifft Anne auf den eitlen und arrroganten Schauspieler Frans (Hasse Ekman), der versucht die attraktive Frau zu verführen. Anfangs bleibt sie standhaft, obwohl ihr der fremde Mann gefällt. Doch als Albert sich aufmacht seine Frau zu besuchen, gefällt auch Anne das Spiel mit dem Feuer und sie heimlich ein weiteres Mal das Theater auf. Während der recht deprimierte Albert seine Frau bittet, bei ihr bleiben zu dürfen und einen liebevollen aber bestimmten Korb bekommt, schläft Anne mit Frans. Als Albert dies herausbekommt, rast er vor Wut und Verzweiflung. Es kommt bei der Galavorstellung im Zirkus zur offenen Schlägerei. Albert geht als Verlierer vom Platz, sein spontaner Suizidversuch misslingt. In einer Art Ersatzhandlung erschießt er den Bären und wie nach einem entladenen Gewitter kehrt Ruhe ein und noch in der Nacht zieht der Zirkus weiter. Anne gesellt sich zu ihrem Albert und schweigend laufen sie nebeneinander und gemeinsam...




Kameramann Hilding Blath konnte den Film nicht komplett fotografieren, da er andere Verpflichtungen hatte - so kam Sven Nykvist erstmalig zum Zug, der sich in der Folge als ein langjähriger Begleiter in Bergmans Filmschaffen erwies. Als Inspiration seines Films sah Bergman vor allem den deutschen Stummfilm "Variete" von Andre Dupont aus dem Jahr 1925. Die Kritik war damals gespalten - für die einen war "Abend der Gaukler" ein Meisterwerk und andere urteilten vernichtend über Bergmans hoffnungslose Studie über das menschliche Dasein. Ein Wohlfühlfilm ist "Abend der Gaukler" auf keinen Fall, denn die Geschichte, die Bergman erzählt, wandelt sich öfters innerhalb von Sekunden von der Komödie zur Tragödie. Entsetzte und erstarrte Gesichter sind präsent und stehen expemplarisch für den gesamten Inhalt. Der Zuschauer wird Zeuge vom Treiben und Leiden der Gaukler und mag sich irgendann selbst darin sehen. Die Sehnsucht nach einem anderen Leben, dass sich die Gaukler erhoffen, ist sofort als Spiegelbild der Gesellschaft erkennbar. Und sowohl Theater und Zirkus bedeuten Applaus auf der einen Seite, aber auch das Gegenteil. Am Ende steht Ohnmacht und der Bär wird erschossen, ja beinahe schon erlöst vom traurigen Dasein, weil es ihm als Gefangener, der seinen Tanz einzustudieren hat, noch schlechter geht als dem Mensch.
Ein sehr trauriger Film.




Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Das Verbrechen des Herrn Lange

























Regie: Jean Renoir

Mord oder gar Notwehr ?

1926 errang der französiche Filmregisseur Jean Renoir mit seiner Verfilmung von Zolas "Nana" seinen ersten großen Erfolg. In den dreißiger Jahren gehörte er zu den führenden Vertretern der französischen Filmkunst, er drehte Meisterwerke wie "Die Spielregel", "Bestie Mensch" und "Die große Illusion", den Joseph Goebbels als französische Propaganda verbieten ließ. Alle drei Film gelten als Klassiker des Poetischen Realismus und hatten daher auch großen Einfluss auf den italienischen Neorealismus der Nachkriegsjahre. "Das Verbrechen des Herrn Lange" ist nicht ganz so bekannt und entstand 1936 als Zeugnis für das soziale Engagement seines Machers.
Der Mann (Rene Lefevre), der mit seiner Geliebten Valentine (Florelle) nach Belgien flüchten will, heißt Lange und wird verdächtigt ein Mörder zu sein. Beide kommen in einem Gasthaus unter und nehmen sich ein Zimmer, weil sie zu erschöpft sind. Sehr bald wollen sie die rettende Grenze erreichen, doch unter den Gästen im Wirtshaus wird sehr schnell darüber diskutiert, ob man die Polizei verständigen soll, denn Lange wurde erkannt und man weiß, dass mach Ihm gefahndet wird. Während Lange schläft, hört Valentine, dass am Stammtisch darüber gesprochen wird. Sie setzt sich zu den Männern und erzählt in einer Rücklbende vom "Verbrechen des Herrn Lange" und dann sollen die Zuhörer selbst entscheiden, ob sie die Polizei rufen oder nicht.
Im Grund ist Amedee Lange ein sehr gütiger Mensch, der im Verlag des skrupellosen und zynischen Verlegers Batala (Jules Berry) arbeitet. Der beutet seine Mitarbeiter schon seit langem aus, verprasst die Gelder seiner Gläubiger und lebt damit auf großem Fuß - vor allem auch, weil er den Frauen imponieren will. Und wenn die nicht wollen, dann wird er auch etwas zudringlicher. Dieser charakterlose Schuft hatte mal ein Verhältnis mit Valentine und hat auch die junge Estelle (Nadia Sibirskaja) zum Sex genötigt, dabei ist die in den jungen Charles (Maurice Baquet) verliebt, den Sohn des kauzigen Concierge (Marcel Levesque). Nun erwartet sie ein Kind von dem Verleger. Doch der macht sich aus dem Staub vor seinen Gläubigern und der drohenden Verhaftung durch die Polizei. Als sich ein Eisenbahnunglück ereignet soll Batala unter den Toten sein. Statt aufzugeben wandeln die Angestellten den Verlag in eine Kooperative um und haben bald überraschend auch Erfolg. Doch dann taucht der Totgeglaubte im Priestergewand auf....


Renoirs Film rechnet in seinem Filmbeitrag schonungslos mit den kapitalistischen Unternehmen ab, daher ist seine Geschichte auch zeitlos und vor allem in unserer heutigen Zeit sehr aktuell. Dabei wandelt er den Mord in eine Art Notwehr um, es blieb den rechtschaffenen Lange gar kein anderes Mittel mehr als den Ausbeuter ausser Gefecht zu setzen. Die improvisierte Jury, die einfachen Leute in der Kneipe fällen dann auch am Ende ein Urteil, dass durch Mehrheitsbeschluß ermittelt wurde. Renoir wollte auch ein Stück realistisches Leben aus einem typischen Pariser Hinterhof einfangen. Diese Milieuschilderungen sind sehr treffend gelungen und die Optik durch die Kameraarbeit von Jean Bachelet hervorragend.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.