Sonntag, 13. Juli 2014

Der dritte Mann

























Regie: Carol Reed

Harry Lime...

"Der dritte Mann" entstand 1949 unter der Regie von Carol Reed und gilt als einer der besten Filme aller Zeiten. Und dies zurecht: Nicht nur die geniale Zithermusik von Anton Karas, die den ganzen Film untermalt brannte sich auf ewig ins Gedächtnis ein. Es sind auch die großartigen expressionistischen Kamerafahrten von Robert Krasker, die unvergessen sind. Am Ende steht die berühmte Verfolgungsjagd von einem der fiesesten Film-Bösewichte aller Zeiten in den Wiener Katakomben. Harry Lime...der Totgeglaubte, der im Dunkel einer Türe von seiner Katze entdeckt und der  eindrucksvoll durch den Schein einer Straßenlaterne getroffen wird und so auch für seinen besten Freund sichtbar wird. "Der dritte Mann" erzählt eine morbide Geschichte über eine zerstörte und morbide Welt nach dem 2. Weltkrieg aus einer zerbombten Millionenstadt. Dort im Nachkriegs-Wien herrschen die vier Siegermächte und die Stadt ist in vier Sektoren aufgeteilt. Es herrschen aber auch rücksichtslose Schwarzmarktschieber und dunkle Geschäftemacher. In diese Welt tritt der nichtsahnende Amerikaner Holly Martin (Joseph Cotten), der von seinem besten Freund Harry Lime (Orson Welles) nach Wien eingeladen wurde. Holly ist Schriftsteller von Wildwestromanen. Doch er kommt leider zu spät an. Sein Freund soll bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sein. Der Portier (Paul Hörbiger) war Zeuge, dass drei Männer den Schwerverletzten auf die andere Straßenseite geschleppt haben. Er sei sofort gestorben. Holly kommt gerade noch rechtzeitig zu Harrys Beerdigung und lernt dort auf dem Friedhof Anna Schmidt (Alida Valli), die Freundin seines verstorbenen Freundes kennen, aber auch die zwei Augenzeugen Baron Kurtz (Ernst Deutsch) und Popescu (Siegfried Breuer). Der britische Major Calloway (Trevor Howard) informiert Holly, dass sein Freund der mieseste Schieber von Wien war und mit gestohlenem gestreckten Penicillin Geschäfte gemacht hat. Holly glaubt diese Anschuldigungen nicht, er recherchiert auf eigene Faust und nimmt Kontakt zu Dr. Winkel (Erich Ponto) auf, der den Tod bestätigte...


 Orson Welles Auftritt in "Der dritte Mann" dauert eigentlich nur 5 Minuten, aber es sind Momente für die Ewigkeit. Berühmt wurde auch sein "Kuckucksuhr" Dialog in einer Gondel des Riesenrads im Prater. Es ist auch einer dieser seltenen Glücksfälle des Films, dass ein Film so nahe und intensiv dran ist an seiner Zeit und seinem Ort. Für mich gibts da Ähnlichkeiten zu Fritz Langs düsterem Thriller "M - eine Stadt sucht einen Mörder", der auch das Kunststück schafft seine Zeit einzufangen. "Der dritte Mann" wurde Carol Reeds erfolgreichster Film, allerdings konnte er erst einige Jahre später - 1969 - für seine Regiearbeit im Musical "Oliver" einen Oscar-Triumph verbuchen. Unbedingt empfehlenswert sind auch Carol Reeds etwas weniger bekannte, aber qualitativ ebenbürtige Arbeiten "Ausgestoßen" und "Der Verdammte der Inseln".



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Faustrecht der Prärie



Regie: John Ford

Die Legende um Wyatt Earp...

Die Schießerei am O.K.Corral ist ein berühmtes Feuergefecht im damaligen Arizona-Territorium. Der Vorfall diente als Vorbild zahlreicher Western Filme und ist darüberhinaus auch sinnbildlich für den Kampf zwischen Gesetzeshüter und Bandit. Die Schießerei wurde am 26. Oktober 1881 in Tombstone, Arizona ausgetragen. Die Gegner hießen Marshall Wyatt Earp (Henry Fonda), sein Bruder Morgan (Ward Bond) und sein Freund Doc Holliday (Victor Mature) auf der Seite der Guten, die sich den Machenschaften von Newman Haynes Clanton (Walter Brennan) und dessen Söhnen in den Weg stellten. Dabei ist "Faustrecht der Prärie" (Original" My Darling Clementine") nicht unbedingt historisch genau. Allerdings hat John Ford immer behauptet, er hätte Wyatt Earp kurz vor dessen Tod in den 20er Jahren selbst kennengelernt und hätte sich inhaltlich an die Erzählung des berühmten US-Marshalls aus Dodge City und Tombstone gehalten. In der Anfangssequenz sieht man Wyatt Earp als friedlichen Viehzüchter, der mit seinen drei Brüdern Morgan, Virgil (Tim Holt) und James (Don Garner) eine Vieh-Herde nach Kalifornien bringen will. Sie machen Rast und erfahren von dem Rancher Clanton, dass in der Nähe die Stadt Tombstone liegt. Dort soll viel los sein. Die drei älteren Brüder reiten in die Stadt, der 18jährige James soll auf die Herde aufpassen. Tombstone selbst entpuppt sich als wilde Stadt. Wyatt kann einen schießwütigen, randalierenden Indianer stoppen und bekommt das Angebot Sheriff zu werden. Er lehnt ab. Als sie zur Herde zurückreiten, finden sie nur noch den toten James. Die Tiere sind verschwunden. So bleibt Wyatt doch in der Stadt und sorgt für Gesetz und Ordnung. Er lernt in dem TBC kranken Arzt, Spieler und Revolverhelden Doc Holliday einen guten Freund kennen. Dieser ist mit der Bardame Chihuahu (Linda Darnell) liiert. Er bekommt aber Besuch von seiner Exverlobten Clementine Carter (Cathy Downs), die ihn lange gesucht hat....


"Faustrecht der Prärie" ist ein hervorragend gestalteter 40er Jahre Western und zählt natürlich zu den ganz großen Klassikern des Genres. Eine der schönsten Szenen steht am Ende des Films, als Wyatt Earp sich von Clementine verabschiedet. Hier entfaltet sich einmal mehr John Fords poetische Stärke, auch wenn der Meisterregisseur gerne ein anderes Ende gehabt hätte. Er wollte nicht, dass Wyatt fortreiten muss. Schön und wehmütig ist es aber trotzdem und in den beiden Figuren Wyatt Earp und Doc Holliday sind nicht nur Freunde, sondern auch "Gegenspieler", wenn man deren mentale Ausrichtung vergleicht. Earp ist der Optimist. In einer der bekanntesten Szenen des Edelwesterns sitzt er auf der Veranda und scheint über alles erhaben zu sein. Anders Holliday, der dem Film einen gewissen Pessimismus verpasst. Er ist ein bitterer Held. Natürlich darf der großartige Walter Brennan nicht unerwähnt bleiben - er spielt den Vater der Clanton Familie einfach perfekt. 


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sein oder Nichtsein

















Regie: Ernst Lubitsch

 Adolf Hitler in Warschau...

Ernst Lubitsch 1942 enstandene Antinazi-Screwball Komödie ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Dabei gelang dem Regisseur eine wilde Mischung aus romantischer Komödie, politischer Satire und grellem Theaterfilm. Wir befinden uns im Warschau des Jahres 1939. Es herrscht noch Frieden in Europa, aber die Menschen in Warschaus Straßen trauen ihren Augen kaum: Auf der Straße läuft seelenruhig der deutsche Diktator Adolf Hitler. Aber schnell gibt es Entwarnung, denn ein kleines Mädchen bittet den Hitler Darsteller Bronski (Tom Dugan) um ein Autogramm. Die Schauspieler des Theaters proben für eine antifaschistische Komödie, in der auch der Führer eine Rolle hat. Da aber am Vorabend des 2. Weltkriegs die polnische Regierung nicht in einen Konflikt mit Deutschland geraten möchte, wird das Stück per Gesetz vom Spielplan entfernt. Stattdessen gibts wieder einmal "Hamlet" mit Joseph Tura (Jack Benny) in der Titelrolle. Während seines Monologs kommt es aber erstmalig zu einer Störung. Ein junger Fliegerleutnant (Robert Stack) steht genau in diesem Moment aus dem Zuschauerraum auf und geht hinaus, was der große Mime natürlich als miese Respektlosigkeit seiner erhabenen Schauspielkunst wertet. Was er nicht weiß ist, dass Frau Maria Tura (Carole Lombard), ebenso berühmt wie ihr Mann - oder noch berühmter - den jungen Soldaten in ihrer Garderobe empfängt. Fliegerleutnant Stanislaw Sobinski schwärmt für die schöne Schauspielerin und bestürmt siemit seiner jungen, ungestümen Liebe. Doch für Maria ist das nur ein Flirt, der junge Mann will aber mehr..vor allem, dass sich seine Angebetete von ihrem Mann trennt. Dazu kommt es nicht, denn die Nachricht von Hitlers Überfall auf Polen kommt im selben Augenblick. Der junge Offizier fliegt nach London, von wo aus er asl Bomberpilot für die Befreiung Polens kämpfen will. Doch es gibt einen fiesen Nazispion, dieser Professor Siletsky (Stanley Ridges) sammelt die Adressen von Angehörigen und Freunden von allen in England stationierten polnischen Flieger auf, er gibt vor in geheimer Mission nach Polen zu reisen und dort Grüße auszurichten. In Wirklichkeit hat er mit diesem Adressmaterial auch wichtige Namen der polnischen Undergrundkampfes bekommen. Sobinski wird beauftragt nach Warschau zu fliegen und gegen Siletsky zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt wird auch das Theaterensemble in den Fall hineingezogen. Turas Gruppe ist bald gezwungen, eine verwegene Maskerade zu spielen. Denn das Leben einiger Menschen steht auf dem Spiel. Siletsky soll sich mit dem Gestapochef Ehrhardt (Sig Ruman) treffen, um die Liste mit den Namen weiterzugeben. Um dies zu verhindern, muss das Ensemble sich was einfallen lassen und sie steigen in die Rollen der deutschen Besatzer. In dem Moment, wenn die Verwechslungskomödie ihren Höhepunkt erreicht hat, wird auch das Spiel auf Leben und Tod eindringlich sichtbar...


Ernst Lubitsch hat 3 Jahre zuvor mit "Ninotschka" eine Persiflage auf den Kommunismus gemacht, hier gelang es ihm in überwältigender Weise die Nazis durch Lächerlichkeit zu töten. Entstehen konnte der Film wohl nur, weil man damals in den USA die ganze grausige Wirklichekit noch nicht kannte. Aber es spricht für diesen begnadeten Regisseur, dass sein Film auch in Kentniss dieser Wirklichkeit funktioniert und einmal mehr bleibt dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken. Damals war die bitterböse Komödie extrem brisant, in einem Brief an die New York Times schrieb Lubitsch verteidigend "Die Zuschauer lachen in dem Film nicht , weil sie die Bedrohung durch die Deutschen unterschätzen, sondern weil es ihnen gefällt, wie ich die Nazi Ideologie lächerlich mache". Ein zeitloser Klassiker und einer der besten Filme aller zeiten. Der Regisseur hat ein perfektes Timing zwischen Dramatik und Witz. Dieser verrückte Film ist wie seine Darsteller verkleidet. Er ist ein als Farce getarntes, aberwitziges Drama.


Bewertung: 10 von 10 Punkten

Die Mumie

























Regie: Karl Freund

Imhotep...

Lange bevor Stephen Sommers im Jahr 1999 eine originelle Neuverfilmung von "Die Mumie" drehte, glänzte bereits der große Boris Karloff in der Rolle des Hohepriesters Imhotep, der von Toten aufersteht. Für mich ist diese Uraltfassung aus dem Jahr 1932 immer noch der beste Mumienfilm. Auch wenn ich die vier Hammer Verfilmungen aus dem Jahren 1959 bis 1971 sehr mag, vor allem "Die Rache der Pharaonen", der mit tollen Farbfotografien und den Ikonen Peter Cushing und Christopher Lee begeistert. In der Universal Verfilmung von Produzent Carl Laemmle jr. dominiert vor allem der expressionistischen Stil des deutschen Regisseurs Karl Freund. Der Filmemacher war vor allem als Kameramann in der Stummfilmzeit populär, seine Arbeiten zu "Der Golem, wie er die Welt sah" und "Metropolis" zählen zu den besten Arbeiten des Stummfilms. In Hollywood konnte er schnell Fuß fassen und war vor allem ein geschätzter Kameramann in  Tod Brownings "Dracula". Es folgten "Das siebte Kreuz", "Die Kameliendame", "Maria Walewska", "Blüten im Staub", "Tote schlafen fest" und "Die gute Erde" für den er auch den Oscar erhielt. "Die Mumie" ist seine einzigste Regiearbeit, die zum Klassiker wurde.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1921 als eine Gruppe von Archäologen unter der Führung von Sir Joseph Whemple (David Manners) das Grab des Hohepriesters Imhotep freilegt. Dieser wurde 3700 Jahre zuvor für irgendein schweres Vergehen zu ewiger Verdamnis verurteilt, das Todesurteil über ihn verhängt, indem er lebendig mumifizerit wurde. Im Grab befindet sich auch die legendäre Schriftrolle des Lebens, mit dem Isis Osiris von den Toten erweckt haben soll. Dr. Muller (Edward van Sloan) mahnt den Archäologen die Schriftrolle nicht zu übersetzen, da dies mit einem Flucht belegt ist. Der junge Assistent von Sir Whemple hält sich aber nicht an diese Warnung. Als dieser sich heimlich an die Übersetzung der Rolle macht und dabei einige Passagen laut lies, erweckt er die Mumie zu neuem Leben. Als er sieht wie sich der Tote bewegt verliert er bei diesem Anblick sofort den Verstand. Zehn Jahre später ist eine neue Expedition von Archäologen bei Ausgrabungen. Die Männer waren nicht sehr erfolgreich, aber als der geheimnisvolle Ardath Bey (Boris Karloff) auftaucht, gibt dieser entscheidende Hinweise auf die Entdeckung der Grabkammer Anck-es-en Amon. Der Fund wird spektakulär gefeiert. Als Ardath Bey durch Zufall die junge Helen Grosvenor kennenlernt, glaubt er in ihr die Wiedergeburt seiner damals großen verbotenen Liebe Anck-es-en Amon entdeckt zu haben...


 Der Film dauert zwar nur 73 Minuten, ist aber aufgrund seines visuellen Stils und der eindrucksvollen Performance von Boris Karloff zum Klassiker geworden. Er gehört zu den größten Horrorfilmen der 30er Jahre. Wie bereits "Dracula" und "Frankenstein" erhielt auch "Die Mumie" die bekannte "Schwanensee" Untermalung am Anfang. 


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

King Kong und die weiße Frau























Regie: Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack

Die Schöne und die Bestie..

Mit "King Kong" schufen die Regiesseure Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack die ultimative Horrorversion des Märchens "Die Schöne und das Biest". Der übergroße, sentimentale Affe, der 1933 in die Kinos kam, wurde sehr schnell zum unumstrittenen König aller Monsterfilme und trat sehr schnell seinen Siegeszug als eines der beliebtesten und legendärsten Meisterwerke des Kinos an. Die dramatische Szene auf dem Empire State Building ist unvergessen, auch die Spezialeffekte waren damals eine Sensation. Nie zuvor gabs solche tollen Kreaturen zum Fürchten. Dabei lauert im Dschungel dieser Insel nicht nur Gefahr durch den großen King Kong, es tummelten sich auch unzählige Saurier herum, die der Suchmannschaft das leben schwer machte. Angefangen hat alles mit der Schiffreise, die der große Regisseur Carl Denham (Robert Armstrong) organisiert hat. Mit dem Frachter "Venture" und einer zahlenmässig üppigen Mannschaft sucht der Filmemacher für sein neues Werk nach der entlegenen "Skull Island", dass allerdings auf keiner Karte eingezeichnet ist. Es soll aber dort das legendäre Monster Kong leben, weder Affe noch Mensch - aber riesengroß. Captain Engelhorn (Frank Reicher) ist skeptisch, vor allem deshalb, weil in letzter Sekunde auch noch die weibliche Hauptdarstellerin von Denhams Film mit an Bord kommt. Anne Darrow (Fay Wray) verliebt sich während der Fahrt in den Seemann John Driscoll (Bruce Cabot), der aber ebenfalls wenig erfreulich ist, weil er für eine junge Frau bei dieser Abenteuerreise eine große Gefahr sieht. Die stellt sich auch in dem Moment ein, als die Crew tatsächlich das Eiland entdeckt und von Bord geht. Dort findet eine unheimliche Zeremonie der Eingeborenen statt. Eine junge Frau soll geopfert werden. Als die Crew entdeckt wird, zeigt der Häuptling (Noble Johnson) vor allem Interesse an der weißen Frau...


 Der Rest ist Filmgeschichte und präsentiert eine Achterbahnfahrt im Dschungel. Ann wird entführt, wird von Kong in den Dschungel mitgenommen. Der Affe verliebt sich in die schöne Blondine. Die Mannschaft versucht die Schöne aus den Klauen der Bestie zu bekommen, doch die Saurier haben Hunger. Am Ende steht dann die Befreiung, aber auch die katastrophale Idee des Filmemachers mit dem 8. Weltwunder in New York das große Geld zu machen, indem er das Monster - gefangen in Stahlketten - dem Publikum präsentiert. Es sind dies alles klassische Szenen, die immer wieder in der Kinogeschichte auftauchten. Am besten dem Original nachgeeifert hat wohl Steven Spielberg mit seinem "Vergessene Welt", dem 2. Teil seiner Jurassic Park Filme, Dort greift er sowohl die vergessene Welt - eine Insel mit Urzeitechsen - auf, aber auch die Profitgier der Jäger, die einen T. Rex nach Amerika verschiffen, damit dieser Attraktion eines Freizeitparks wird. Diese Szene, wenn der T. Rex das Hafengebiet verlässt, erinnert mich sehr stark an diesen ersten King Kong Film. Klasse gelungen ist auch das anrührende Schlußmotiv. Das Monster meint es gut mit Ann. Er will sie sogar retten, doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es keine Zukunft für frei herumlaufende Riesenaffen. Stop Motion Pionier Willis O´Brian erweckte dieses großartige Monster zum Leben. Trotz zwei gelungener Remakes in 1976 und 2005 ist das Original immer noch unerreicht.



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Marnie

























Regie: Alfred Hitchcock

Kindheitstrauma...

"Marnie" ist Hitchcocks Beitrag zum Thema "Kleptomanie" und leitete nach seinen Riesenerfolgen mit "Psycho" und "Die Vögel" eine Dreier-Riege von Filmen ein, die weder beim Publikum noch bei der Kritik sehr gut wegkamen. Nach dem psychologischen "Marnie" kamen die Spionagefilme "Der zerissene Vorhang" und "Topas". Erst mit "Frenzy" verbuchte der Meister wieder einen Welterfolg. Heute ist aber vor allem "Marnie" wieder als damals unerkanntes Meisterwerk rehabilitiert, damals bemängelte die Kritik die überholte Psychologie des Thrillers und ärgerte sich über die veraltete und unfreiwillig komische Tricktechnik - das Haus in der Hafenstraße, wo Marnies Mutter wohnt, hat als Hintergrund ein großes Schiff, das man sofort als gemaltes 2D-Bild erkennt. Heute sorgen vielleicht gerade diese schrägen Eigenheiten für einen sehr eigenständigen Charakter des Films. Es geht dabei um das Trauma der geheimnisvollen Marnie Edgar (Tippi Hedren). Die Frau arbeitete unter falschem Namen bei dem Steuerberater Sidney Strutt (Martin Gabel) in Philadelphia und raubt schon nach 4 Monaten den Tresor aus. Sie verschwindet mit dem Geld. In einem Hotelzimmer wäscht sie sich die dunkle Farbe aus den blonden Haaren und zieht sich anders an. Hitchcock gewährt dabei dem Zuschauer einen Blick auf Marnies Visitenkarten - jedesmal ist ein anderer Name darauf zu lesen. Keine Frage: Diese Frau macht dies nicht zum ersten Mal. Nach jedem Coup reist sie aber zu ihrer Mutter Bernice (Louise Latham) nach Baltimore. Sie wil der Mutter gefallen und bringt ihr als Geschenk eine Nerzstola mit. Doch da ist etwas zwischen Mutter und Tochter, was sich durch die Präsenz des Nachbarkindes Jessie Cotton (Kimberley Beck) noch verstärkt. Nach dem Austausch diverser Höflichkeiten fragt Marnie "Was hast Du gegen mich, Mama ?" Ihren Vater hat Marnie nie kennengelernt. Die Mutter selbst hat sich in die Religion geflüchtet. Wirklich glücklich ist Marnie nur, wenn sie ihr Pferd ausreiten kann, dass auf einem nahegelegenen Gestüt untergebracht ist. Marnie plant danach wieder einen Raub. Dazu bewirbt sie sich beim Rutland Verlag in Philadelphia. Als Mary Taylor wird sie als Sekretärin eingestellt. Der Verleger Mark Rutland (Sean Connery) ahnt sehr bald, dass es sich bei der neuen Arbeitskraft um die selbe Frau handelt, die seinen Steuerberater Strutt um viel Geld erleichtert hat. Dabei erweist sich Mark als raffinierter Beobachter, der gerne herausfindet, warum die attraktive Frau zur Diebin wird.  Er lässt es sogar zu, dass Marnie 10.000 Dollar aus dem Tresor entwendet und trotz der Eifersucht seiner Schwägerin Lil (Diane Baker) zwingt er Marnie dazu seine Frau zu werden...



Natürlich wird irgendwann am Ende der Fall gelöst und der Zuschauer erfährt alles über das Trauma eines Kindes, dass sich nie lösen liess und sie als Erwachsene zur kriminellen Kranken werden liess. Auch wenn sie immer mal wieder für ihre Darstellerleistung kritisiert wurde, aber Tippi Hedren ist für mich die perfekte Besetzung für diese Rolle und sie spielt die Figur Marnie einfach fesselnd. Ihr zur Seite ein nicht weniger überzeugender Sean Connery, der als Mark ebenfalls seine dunklen Seiten hat. Er will Macht und Gewalt ausüben und zwingt sie erpresserisch in den Hafen der Ehe. Dies führt dann auch beinahe zur Katastrophe, kein Wunder bei dieser Holzhammer-methode. Ansonsten lebt der Film von einer Atmosphäre, die wie ein Fiebertraum wirkt und am Ende eine Erlösung aufzeigt. Man fragt sich aber, ob die emotionalen Qualen damit dann wirklich gelöst sind, ein Stück weit endet der Film im Ungewissen. Für mich ein weiteres Hitchock Juwel.


Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mitternachtsspitzen





















Regie: David Miller

Eine Frau dreht durch...

David Millers bekanntester Film dürfte die sehr gelungene Hitchock-Kopie "Mitternachtsspitzen" sein. Dabei konnte der Regisseur sogar auf eine Hitchcock-Hauptdarstellerin zurückgreifen. Alles in dem London-Thriller ist daher auf Doris Day zugeschnitten. Sie spielt in dem 1960 gedrehten Film die reiche Kit Preston, die noch gar nicht so lange mit dem Londoner Geschäftsmann Tony Preston (Rex Harrisson) verheiratet ist. In der recht gruseligen Eröffnungssequenz läuft Kit mitten durch den Londoner Nebel. Um nach Hause zu kommen, muss sie durch den Park. Eigentlich ziemlich gespenstisch...aber es ist kein weiter Weg. Dann hört sie im Nebel - ohne überhaupt etwas zu sehen - eine Stimme, die ihr mitteilt, dass er sie bald umbringen will. Als sie nach Hause kommt, klärt Tony sie über die schwarzhumorigen Sitten seiner Landsleute auf...vor allem bei Nebel werden makabre Scherze gemacht. Er selbst habe an diesem Tag im Nebel seinen Hut an einen unbekannten Dieb verloren. Einigermassen beruhigt kehrt Kit zum Alltag zurück. Für eine reiche Frau heißt das "schön aussehen", "schicke Kleider kaufen", "dem Ehemann gefallen" und während Tony arbeitet hofft sie, dass er sie endlich nach Venedig entführt oder hält ein Schwätzchen mit Nachbarin Peggy (Natasha Perry) oder mit Tante Bea (Myrna Loy) aus Amerika, die sie besucht. Es häufen sich aber seltsame Zwischenfälle. Kit glaubt gar, dass ein Unbekannter sie vor den Bus stoßen wollte und dann meldet sich die Stimme aus dem Park wieder...diesmal per Telefon, wo dieser anonyme Anrufer seine Morddrohungen los wird. Kit steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da ihr auch der Mann von Scotland Yard (John Williams) etwas misstraut. Inszeniert Kid diese Anrufe selbst, weil sie sich vernachlässigt fühlt. Oder aber ist unter den Menschen im näheren Umfeld ein mörderischer Psychopath...etwa Brian Younger (John Gavin), der Sohn von Kits Haushälterin (Roddy McDowall) oder Tonys spielsüchtiger Geschäftspartner Charles Manning (Herbert Marshall). Ohne es zu bemerken wird sie auch von einem Unbekannten (Anthony Dawson) beobachtet...

 Miller gelingt es einen perfekten Spannungsaufbau zu gestalten. Mit einfachen Mitteln und vor allem sehr gut aufgelegten Akteuren gelingt ihm ein famoser London-Thriller, der überaus gut fotografiert ist (Russell Metty) und an einigen Stellen wie ein Geschwisterfilm von Hitchcocks London Film "Dial M for Murder" wirkt. Auch dort geht es um eine reiche Blondine, die mit einem "Tony" verheiratet ist und auch dort taucht der grandiose John Williams als Ermittler auf. Unterschiedlich sind sie Filme aber in ihren Locations. Während sich bei Hitchcock eigentlich alles in der Wohnung von Margot und Tony abspielt, darf Doris Day auf dem Höhepunkt des Films auf einem Baugerüst um ihr Leben kämpfen. Der Ausflug von Doris Day ins ernste Fach wurde dann auch 1960 mit einer Golden Globe Nominierung belohnt, nachdem sie ein Jahr vorher mit "Pillow Talk" eine Oscarnorminierung schaffte.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.