Freitag, 14. November 2014

Wartezimmer zum Jenseits

























Regie: Alfred Vohrer

Die erpresserische Schildkröte...

Im Fahrwasser der extrem erfolgreichen Edgar Wallace Filmreihe der 60er Jahre, gab es einen ganzen Haufen ähnlich gestrickter Krimis aus deutschen Landen. Mit "Wartezimmer zum Jenseits" saß sogar Alfred Vohrer,  der beste Edgar Wallace Director, auf dem Regiesessel. Produzent Horst Wendlandt setzte hier auf den Roman von James Hadley Chase "Zahle oder stirb". Der sehr gelungene Krimi lockte damals 822.000 Zuschauer in die Kinos. 
Bereits das Intro mit einem vernebelten Blick auf Londons Straßen ist sehr gut gelungen. Erzählt wird die Geschichte von einem groß geplanten Gangstercoup. Die Bande hat vor vermögende Männer zu erpressen. Diese bekommen von "Der Schildkröte" einen Brief, indem sie aufgefordert werden eine bestimmte Summe zu bezahlen, wenn ihnen ihr Leben lieb ist. Als erstes Opfer wurde Sir Cyrus Bradley (Hans Paetsch) ausgewählt - eigentlich ein Mann, der bekannt dafür ist, dass ihn solche Drohungen nicht im Geringsten beindrucken. Immerhin hat seine Frau Lady Helen (Adelheid Seeck) den Neffen Donald Micklem (Götz George) von der Erpressung durch dieses ominöse Syndikat informiert - der junge Student soll ein Auge drauf haben, dass nichts passiert, wenn der Onkel nicht bezahlt. Er und sein Freund Harry Mason (Hans Clarin) sind bei der Geldübergabe dabei - die Gangster wissen nicht, dass der Bote nur Zeitungspapier erhalten hat. Ist denen auch ganz egal, denn die haben damit gerechnet, dass Bradley nicht zahlt und sein Ableben gehört zum Plan als Abschreckung für alle weiteren zu erpressenden Gentlemen mit dickem Geldbeutel. So wird Bradley von dem Messerwerfer Shapiro (Klaus Kinski) gemeuchelt. Auch die attraktive Laura Lorelli (Hildegard Knef) gehört zum den fiesen Schildkröten und ist die Freundin des Gangsterbosses Alconi (Richard Münch), der in Triest in  einer opulenten Villa wohnt. Dorthin führt natürlich auch die Spur der beiden Studenten, die den Tod von Donalds Onkel aufklären wollen und die Gangster schnappen wollen. Entgegen dem Rat von Inspektor Dikes (Heinz Drache) ermitteln sie im sonnigen Italien auf eigene Faust und geraten in große Gefahr...






Sehr nah bewegt der Film in dem typischen Wallace-Stil seiner Zeit, nähert sich aber ein bisschen dem Melodram, denn es gibt unter den Gangstern einige tragische Figuren. Die Handlung fängt dabei im nebenverhangenen London an, dass von Kameramann Bruno Mondi trist und trostlos eingefangen wurde. Das Italien erscheint dabei in hellem Licht und der unendlich schwermütige und traurige Blick von Hildegard Knef wird hier noch schneller enttarnt. Sie strebt nach Veränderung und hat genug von ihrem luxuriösen Gefängnis, dass ihr der von Macht besessene Gangster bisher bot. Ein gutaussehender Student, der hier rumschnüffelt, scheint die richtige Medizin für eine bessere Zukunft zu sein. Wer die Wallace Film liebt, der wird auch von "Wartezimmer zum Jenseits" angetan sein, der Film bietet 90 Minuten beste nostalgische Krimiunterhaltung und zeigt auch einmal mehr das Können von Alfred Vohrer, der vor allem mit dem großartigen "Die toten Augen von London" einen der ganz besten deutschen Kriminalfilme drehte.







Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 7. November 2014

Die Spur führt ins Nichts




















Regie: Joseph Losey

Großer Gangster, Großer Verlierer...

Der Amerikaner Joseph Losey hatte den Ruf ein sehr europäischer Filmregisseur zu sein. Er stammt aus einer alten Familie aus New England und war auch Opfer der McCarthy Ära, wo 1951 sein Name als Sympathisant der Kommunistischen Partei fiel und er in Ungnade fiel. Daraufhin verließ er seine Heimat und drehte in England einige seiner besten Filme. Es entstanden in der Zeit von 1960 bis 1970 Klassiker wie "Accident", "Der Mittler" oder "Der Diener". Lediglich sein Spätwerk "Monsieur Klein" aus dem Jahr 1976 erreichte diese Qualität und künstlerische Gechlossenheit. 
Losey gilt als Wegbereiter für die Karriereleiter der Schauspieler Tom Courtenay, Edward Fox und James Fox.
In dem 1960 realisierten "Die Spur führt ins Nichts" spielt allerdings Stanley Baker die Hauptrolle als Gangster, der eigentlich nur noch im Knast eine ganz große Nummer ist. Der Film ist eher unbekannt, aber darf als lupenreiner Film Noir der Extraklasse angesehen werden. Es wird die Geschichte des Johnny Bannon (Stanley Baker) erzählt, einem Gangster der alten Schule. Im Gefängnis wird er von den Mithäftlingen respektiert und als eine Art "Boss" angesehen. Er hat dort das Sagen und seine eigene Clique kann immer wieder vor den rivalisierenden Banden dort bestehen. Auch dem etwas sadistisch veranlagte Aufseher Barrows (Patrick Magee) kann er immer wieder erfolgreich die Stirn bieten. Verräter wie Kelly (Kenneth Cope) haben dort kein schönes Leben, wenn Johnny seine Handlanger instruiert. Am Tag seiner Entlassung trifft er seinen alten Kumpel Mike Carter (Sam Wanamaker) wieder, der in Johnnys alter Wohnung eine Willkommensparty steigen lässt. Die Exfreundin Maggie (Jill Bennett) wird aus der Wohnung geschmissen, doch mit der attraktiven Suzanne (Margit Saad) wartet schon eine neue Flamme. Carter, der einen anonymen Geldgeber vertritt, plant mit Johnny einen Überfall auf eine Pferderennbahn. Durch die gekränkte Maggie kommt die Polizei ziemlich schnell auf die Spur von Johnny, der wieder für ein paar Jahre in den Knast wandert. Immerhin hat er die gesamte Beute vorher noch in einem Acker vergraben können. Das Versteck kennt sonst keiner, aber die Hintermänner wollen natürlich an das viele Geld...


 Joseph Losey hat diese Mischung aus Gangster- und Gefängnisthriller in klasse schwarz-weiß Bilder getaucht und es ist schade, dass dieses grandiose Verliererepos heute in Vergessenheit geraten ist. Der Film "Die Spur führt ins Nichts" (Original: The Criminal) ist nämlich 60er Jahre Kino at its best.
Stanley Baker schafft es mit seiner Darstellung des Gauners Johnny Bannion, dass der Film seinen besonderen Reiz hat. Ein Verbrecher bei dem man durchaus den Eindruck gewinnen kann er macht es nicht des Geldes wegen sondern mehr um Einfluss und Macht.
Auch die Gefängnis Atmosphäre kann ist beeindruckend dicht. Daher gelingt es dem Film auch sehr gut den Hauptcharakter Bannion vorzustellen und sein Wesen näher zu bringen. Die Filmmusik ist etwas woran vor allem Jazz Fans ihre Freude haben werden. Richtig guter Sound vom englischen Jazz Saxophonisten Sir John Dankworth. Dazu reichlich britisches Flair, das der bemerkenswerte Thriller ausstrahlt.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Rebecca

























Regie: Alfred Hitchcock

Die dunklen Geheimnisse von Manderley...

Genau wie "Riff-Piraten", seinem letzten Englandfilm, bevor er nach Hollywood ging, ist auch "Rebecca" nach einer Romanvorlage von Daphne du Maurier entstanden und interessanterweise spielen beide Filme in der englischen Grafschaft Cornwall - allerdings in verschiedenen Epochen. "Riff-Piraten" ist Anfang des 19. Jahrhunderts angesiedelt und "Rebecca" spielt in den 30er Jahren. Doch durch das imposante Anwesen "Manderley" und der düsteren Haushälterin Mrs. Danvers strahlt die Geschichte ein seltsames Flair aus - man hat das Gefühl als wäre die Zeit irgendwann in einer entfernten Vergangenheit stecken geblieben und so eignen sich beide Filme vortrefflich im "Gothic Novel" Stil. "Riff Piraten" wurde stark kritisiert und gilt als misslungen. "Rebecca", die ein Jahr später entstandene Produktion von David O. Selznick wurde für 11 Oscars nominiert, gewann dann auch zwei Trophäen (bester Film, beste Kamera) und wurde ein großer Welterfolg und darüberhinaus einer der unsterblichen Filmklassiker. Das Erstaunliche dabei ist, dass nur im Mittelteil die Suspence des Meisters zum Tragen kommt - am Anfang regiert eine ungleiche Liebesgeschichte.
Unvergessen bleibt der Film vor allem durch die bewegende Darstellung der jungen Joan Fontaine (Schwester der berühmten Olivia de Havilland), die die neue Mrs. de Winter spielt. Ihren Namen erfährt man aber nie - es ist immer nur der Name ihrer überlebensgroßen Vorgängerin "Rebecca", die erste Mrs. de Winter präsent. Unvergessen auch durch die brilliante Performance der Judith Anderson als geheimnisvolle und strenge Haushälterin Mrs. Danvers, die für erlesene und echte Gruselmomente sorgt.
Erzählt wird die Geschichte des britischen Adligen Maxim de Winter (Laurence Olivier), der unter den allgegenwärtigen Erinnerungen an seine verstorbene Frau Rebecca leidet. Um zu vergessen hält sich der wohlhabende Witwer an der Cote D´Azur auf.  Dort in Monte Carlo lernt er die noch sehr junge und naive Gesellschafterin (Joan Fontaine) von Edythe van Hopper (Florence Bates) kennen. Er beginnt sich immer mehr für die junge Frau zu interessieren und bald bahnt sich eine Romanze an, die überraschend auch zur Vermählung führt.  Nach den Flitterwochen entscheidet sich das junge Paar auf dem riesigen Schloß Manderley zu leben, dem Besitz von Maxim. Doch das Einleben will der jungen Frau gar nicht so gut gelingen- einerseits führt hier die eigenartige Haushälterin Mrs. Danvers Regie, die sie bei jeder Gelegenheit mit der verstorbenen früheren Herrin Rebecca vergleicht. Und auch Maxim leidet an der Umgebung. Vom Maxims Verwalter Frank Crawley (Reginald Denny) erfährt die junge Frau mehr über den Tod ihrer Vorgängerin, die an einem stürmischen Abend mit ihrem Segelboot aufs Meer hinausfuhrt und nicht wieder kam. Eine Wasserleiche die einige Zeit später an Land gespült wurde, konnte aber von Maxim als seine Frau identifiziert werden. Höhepunkt soll ein Maskenball werden, doch aufgrund der perfiden Bosheit von Mrs. Danvers wird das von ihr empfohlene Kostüm und die passende Perücke für unsere junge Heldin zum Desaster. Es war das Kleid, dass auch ihre Vorgängerin trug. Währenddessen wird in der Bucht von Manderley ein Wrack geborgen und Mrs. Danvers Wahnsinn schreitet fort....


Am Ende des Films brennt dann das prachtvolle Manderley durch eine dämonische Brandstifterin völlig aus und der Zuschauer erfährt, ob die ungleiche Liebe zwischen dem etwas älteren Aristokraten und seiner jungen Frau ein Happyend findet. Sehr kitschig, aber auch sehr schön und großartig vom Meister des Suspence in Szene gesetzt. Die sehr guten Darsteller verstärken natürlich noch die dichte Atmosphäre des romantischen und märchenhaften Thrillers. Joan Fontaine bekam dann auch ein Jahr später den Oscar - sozusagen als Wiedergutmachung, weil sie mit "Rebecca" gegen Ginger Rogers in "Kitty Foyle" verloren hatte -  für eine etwas schwächere Darstellung in "Verdacht" (ebenfalls von Hitchock) zugesprochen.
"Rebecca" gehört für mich zwar nicht zu den 10 besten Arbeiten von Hitchcock, ist aber dennoch ein großer Klassiker und ist neben "Das Haus der Lady Alquist" sicherlich der beste Gothic-Thriller der 40er Jahre.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Vier Frauen und ein Mord

























Regie: George Pollock

Miss Marple macht Theater...

Unter der Regie von George Pollock enstanden zwischen 1961 und 1964 insgesamt 4 Miss Marple Filme, in denen die berühmte Margaret Rutherford die Rolle der schrulligen Amateurdetektivin übernahm. Nur der erste Film "Murder she said" (deutsch: 16 Uhr 50 ab Paddington) basierte dabei tatsächlich auf einem Miss Marple Roman von Agatha Christie. Die beiden Nachfolger "Morder at the Gallop" (deutsch: Der Wachsblumenstrauß) und "Murder most foul" (deutsch: Vier Frauen und ein Mord) sind eigentlich Hercule Poirot Geschichten der großen Krimiautorin. Die Handlung des letzten Films "Murder ahoy" (deutsch: Mörder ahoi) basierte nur noch auf Motiven von Agatha Christie. In den vier Verfilmungen wohnt Miss Marple in der Old Pasture Lane im fiktiven Dorf Michester und ist befreundet mit Mr. Stinger - gespielt von Stringer Davis.
Im 1964 entstandenen und von Metro Goldwyn Mayer produzierten "Vier Frauen und ein Mord" muss die neugierige Hobbyermittlerin Miss Jane Marple (Margaret Rutherford) im Theatermilieu den Mörder suchen. Die ehemalige Schauspielerin und Bardame Margaret McGinty wird vom Dorfpolizisten erhängt aufgefunden - der Untermieter Harold Taylor wird dabei am Tatort festgenommen, da er sich am Seil zu schaffen machen. Er behauptet nun, dass er der Frau noch zur Hilfe kommen wollte, doch er steht als Mörder vor dem ehrwüridgen Gericht. Die Geschworenen würden ihn ja gern des Mordes für schuldig sprechen, aber die Geschworene Nr. 12 eine gewisse Jane Marple, die dem Richter wegen Strickens während der Verhandlung schon negativ aufgefallen war, hält den Schurken für Unschuldig. Das Verfahren wird vertagt und entgegen dem Rat von Inspektor Craddock (Charles Tingwell) beginnt Miss Marple zügig mit den Ermittlungen. Die Spur führt recht zügig zu der kleinen Theatergruppe von Driffold Cosgood (Ron Moodey), die durch die Provinz tingelt. Kurzerhand tritt Miss Marple der Gruppe bei, um im Umfeld ermitteln zu können. Miss Marple erweist sich als so talentiert, dass siel in einem von Cosgood geschriebenen Theaterstück eine Amateurdetektivin spielen soll.  Einer aus dem Ensemble ist der Mörder und auch wenn sich vor allem die hellsichtige Stella (Francesca Annis) am verdächtigsten macht - es kommen noch andere als Täter in Frage. Die ersten Morde passieren und Miss Marple ist in größter Gefahr...


 und das Publikum wie in allen vier Filmen wird sehr gut unterhalten. Der Film bietet eine gute Mischung aus Entertainment, Spass und Spannung. Auch wenn Agatha Christie ganz andere Vorstellungen von Miss Marple hatte....Miss Marple ist in den Romanen eine kultivierte, hochgewachsene, etwas blasshäutig und zerbrechlich wirkende ältere Dame mit blauen Augen aus der oberen Mittelschicht...so schaffte es die robuste Margaret Rutherford mit diesen 4 Filmen die bekannteste Darstellerin der schrulligen Heldin zu werden. Keine kam annähernd an sie heran...nicht einmal Angela Lansbury, die im erfolgeichen Kinofilm "Mord im Spiegel" auftrat. Eine entpannende und vergnügliche Mördersuche, in dem auch der Theaterdarsteller Ron Moody (oscarnominiert für "Oliver") gute Momente und Szenen hat.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Montag, 20. Oktober 2014

Doktor Schiwago



















Regie:  David Lean

Leben und Sterben in Russland...

"Doktor Schiwago" von David Lean war eines der letzten großen Filmepen von Metro-Goldwyn-Mayer und zählt zu den größten Kinoerfolgen der 60er Jahre. In der inflationsbereinigten Liste der größten Kassenschlager aller Zeiten in den USA steht er nach "Gone with the Wind", "Star Wars", "Sound of Music", "ET", "Titanic", "Die zehn Gebote" und "Jaws auf Platz 8.  Auch in Deutschland gingen damals 12,75 Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser und damit dürfte dem Revolutionsepos auch hierzulande ein fantastischer All Time Top 10 Rang gesichert sein. Mehr Zuschauer verzeichneten lediglich "Das Dschungelbuch" (27 Millionen), Titanic (18 Millionen) und "Spiel mir das Lied vom Tod" (13 Millionen). Der beinahe 200 Minuten lange Film beginnt mit der Rahmenhandlung, in der General Jewgraf Schiwago (Alec Guinness) in einer großen Fabrik nach der schon seit langem vermissten Tochter seines Halbbruders Jurij (Omar Sharif) und dessen Geliebten Lara (Julie Christie) sucht. Er glaubt in einer jungen Arbeiterin (Rita Tushingham) die Frau gefunden zu haben und zeigt ihr ein Buch mit Gedichten seines Bruders, doch der Anblick der Fotos darin lösen bei ihr keine Erinnerungen aus. In einer Rückblende erzählt er der Waisen von ihren möglichen Eltern. Diese Geschichte beginnt im Jahr 1903, wo im tiefsten Ural die Beerdigung von Jurijs (Tarek Sharif) Mutter stattfindet. Da er auch keinen Vater mehr hat, wird er von Alexander (Ralph Richardson) und Anna Gromeko (Siobhan McKenna) nach Moskau mitgenommen und dort großgezogen. Er studiert als junger Mann Medizin, schreibt Gedichte und plant Tonia (Geraldine Chaplin), die Tochter der Gromekos, zu heiraten. Während dieser Zeit lernt er zum ersten Mal die 17jährige Larissa Antipowa kennen, die heimlich ein Verhältnis mit Viktor Komarovskij (Rod Steiger) hat, dem Liebhaber ihrer Mutter. Der ältere Mann hat Lara verführt und von sich abhängig gemacht. Als die Mutter deswegen einen Selbstmordversuch unternimmt, wird Schiwago als Assistenzarzt zum Retter. Lara unternimmt einen Versuch den vermögenden Viktor zu erschießen, doch der Versuch misslingt und stattdessen heiratet sie ihren Jugendfreund Pawel Antipow (Tom Courtenay), den sie aus der Schulzeit kennt und der für die Revolution schwärmt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Jurij an der Front gebraucht, wo er Lara wiedertrifft, die sich freiwillig als Krankenschwester gemeldet hat, um ihren Mann zu suchen. Während dieser Zeit erkennen die beiden ihre Liebe zueinander, doch ihre Wege trennen sich. Jurij kehrt zu seiner Frau und seinen kleinen Jungen zurück. Nach einem notwendigen Umzug der Familie von Moskau auf ein ländliches Anwesen in Warykino trifft Schiwago in einer Bibliothek der benachbarten Stadt Jurjatino wieder auf seine geliebte Lara. Diesmal sind die beiden nicht so stark, denn sie beginnen ein heimliches Verhältnis miteinander. Eines Tages - auf dem Weg von seiner Geliebten heim zu seiner Familie - wird der Mediziner von einigen Rotgardisten entführt, die einen Feldarzt brauchen. Der russische Bürgerkrieg tobt und die Revolution fordert sehr viele Opfer...




David Lean galt zu seiner Zeit als der erfolgreichste Regisseur überhaupt. Diesen Ruf hat er seinen erfolgreichen Großproduktionen wie "Die Brücke am Kwai", "Lawrence von Arabien" und auch "Doktor Schiwago" zu verdanken. Diese Filme waren wie gemacht für die große Kinoleinwand und erlebten zahlreiche Wiederaufführungen - es war die Zeit als das Blockbusterkino noch nicht geboren war. Bereits die Anfangssequenz der Beerdigung ist grandios gestaltet - David Lean war ein Meister im Zusammenwirken von Bild und Ton. Man sieht in einer Totalen die herrliche imposante Landschaft, ganz klein zu sehen der Trauerzug, die den Sarg zur letzten Ruhestätte tragen. Inmitten der Trauergäste ein kleiner Junge, der Wind wirbelt die Blätter von den Bäumen. Dann setzt die unvergessliche Musik von Maurice Jarre ein - ein ganz großer Kinomoment. Und solche gibt es im Verlauf der 197 Minuten reichlich. Kein Wunder, dass bei der Oscarverleihung das herrliche Szenebild (John Box, Terence Marsh, Dario Simoni), die beste Kamera (Freddie Young) , die besten Kostüme (Phillys Dalton) und auch die Musik (Maurice Jarre) ausgezeichnet wurden. Sie tragen in extremer Weise für die edle Gestaltung des Monumentalfilms bei. Darüberhinaus gabs auch eine Trophäe für Robert Bolt, der den vielschichtigen Roman von Boris Pasternak für die Leinwand bearbeitete. Dabei legt er den Schwerpunkt auf die Liebesgeschichte, die sich vor dem Hintergrund größter gesellschaftlicher Umwälzungen abspielt. Omar Sharif wurde mit dieser Rolle weltbekannt, auch Julie Christie wurde zum Big Star. Sie gewann im selben Jahr den Oscar als beste Darstellerin - allerdings nicht für ihre unvergessene Rolle als Lara, sondern als Model Diana Scott in Schlesingers "Darling". "Doktor Schiwago" ist und bleibt einer dieser ganz großen, über allen Zweifeln erhabenen Film-Klassiker aus einer längst vergangenen Zeit und ein Triumph seines Machers David Lean, dessen große Zeit mit diesem Film auch zu Ende ging. Auch wenn er mit "Ryans Tochter" im Jahr 1970 und "Reise nach Indien" aus dem Jahr 1984 noch einmal Erinnerungen an das monumentale Kino weckte.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Samstag, 18. Oktober 2014

Die Maske runter


















Regie: Richard Brooks

Die letzten Tage der Zeitung...

Humphrey Bogart wurde vom American Film Institute zum größten Filmstar aller Zeiten gewählt. Seine Filme "Casablanca", "Der Schatz der Sierra Madre", "Die Spur des Falken", "African Queen", "Tote schlafen fest", "Gangster in Key Largo", "Entscheidung in der Sierra", "Die Caine war ihr Schicksal", "Das unbekannte Gesicht" oder "Haben und Nichthaben" sind legendäre AllTime Klassiker. Vielleicht liegt es an der großen Anzahl von Highlights in seiner Filmographie, dass die schwächeren Arbeiten etwas untergegangen sind. Dabei sind Filme wie "Konflikt", "späte Sühne", "Vor verschlossenen Türen" oder "Der Tiger" alles andere als schlechte Filme - sie kommen lediglich im Vergleich zu seinen besten Arbeiten schlechter weg. "Die Maske runter" von Richard Brooks ist auch einer dieser sehr unbekannten Bogart-Filmen, vielleicht sogar einer der im TV am seltesten gezeigten Werke.
Der Film gehört auch nicht zu den Hauptarbeiten seines Regisseurs Richard Brooks, der sich sowohl als Autor (Rächer der Unterwelt, Crossfire, Zelle R 17) als auch als Regisseur (Kaltblütig, Die Brüder Karamasow, Mädchen ohne Mitgift, Katze auf dem heißen Blechdach, Saat der Gewalt, Die letzte Jagd, Elmer Gantry, Die gefürchteten Vier, 700 Meilen westwärts, Auf der Suche nach Mr. Goodbar) einen Namen machte.
Der Film zerfällt formal in zwei Hälften oder besser gesagt Teile, denn sie vermischen sich im Lauf der Geschichte zu einer Einheit. Da wäre zum einen das Drama, denn "Deadline U.S.A. (so der Originaltitel) aus dem Jahr 1952 hat auch zum Thema, dass die Zeitung "The Day" nach dem Tod ihres Herausgebers Garrison verkauft werden soll. So wollen es jedenfalls die Erben: Seine Frau Margaret (Ethel Barrymore) und deren Töchter Alice (Fay Baker) und Katherine (Joyce McKenzie), die je 1/3 vom Erbe besitzen. Der Verkauf - womöglich an den Herausgeber des Konkurrenzblattes - hätte den Tod der Zeitung zur Folge. Als Chefredakteur bekäme Ed Hutcheson (Humphrey Bogart) zwar eine üppige Abfindung ausgesprochen, das restliche Personal würde allerdings mit einem noch gewährten 2-Wochen Gehalt als Trost nach dieser Zeit auf der Straße sitzen. Damit stehen Existenzen auf dem Spiel, die Jahrelang für die Zeitung arbeiteten und sich mächtig ins Zeug legten (u.a. Ed Begley, Audrey Christie). Dabei war der junge und engagierte Journalist George Burrows (Warren Stevens) gerade dabei in Sachen Tomas Rienzi (Martin Gabel) zu recherchieren. Der mutmaßliche Gangsterbos hat einmal mehr - gerade erst kürzlich - kalt lächelnd eine Senatsanhörung überstanden. Hutcheson ist zunächst nicht so angetan von der Idee dem Gangster das Handwerk zu legen - er fürchtet, dass die Entwicklung der anspruchsvollen Zeitung mit dieser Art von Sensationspresse aus inhaltlicher Sicht ins Negative abgleitet. Doch der drohende Verkauf ändert seine Meinung. Mit dieser Story könnte die Zeitung durch das gesteigerte öffentliche Interesse vielleicht am Leben erhalten werden. Ganz nebenbei muss der vielbeschäftige Mann auch noch um seine Frau Nora (Kim Hunter) kämpfen, die sich schon seit vielen Monaten scheiden lassen will. Einen neuen Partner für eine erneute Vermählung hätte sie auch schon.
Dann wird sein Reporter von Rienzis Schergen zusammengeschlagen, und es taucht die Leiche einer Frau aus dem Umfeld des Gangsters auf. Nun versucht Hutcheson den gesamten Rechercheapparat der Zeitung noch mehr anzuziehen...

und mit dieser Wendung sind wir auch schon bei den "Film Noir" Anteilen, die aber nicht dominierend für das Gesamtwerk sind. Der Film wirkt etwas "semi-dokumentarisch" und ist aber in erster Linie ein Plädoyer für freie Presse und für unabhängige Zeitungen.
Diese haben es aber in einer neuen Zeit immer schwieriger - die Leute wollen Schlagzeilen und eben nicht die glänzend recherchierte Geschichte. "The Day" hat Journalisten, die Konkurrenz aber "Reporter"
Pidax präsentiert das Werk nun zum ersten Mal auf DVD. Die starken semi-dokumentarischen Elemente des Zeitungs-Plots ergänzen sich mit den deutlichen Film-noir- Referenzen der Thriller-Handlung zu einem so spannenden wie realistischen Gesamtwerk. Filmkritiker Leonard Maltin lobte damals die Darstellung Bogeys als Redakteur mit Mission. Natürlich stammt das  atmosphärische und kenntnisreiche Drehbuch von Richard Brooks selbst. Der 1992 im Alter von 80 Jahren verstorbene Regisseur war ein Autorenfilmer, denn die meisten Drehbücher zu seinen Regiearbeiten verfasste er auch.
Ein Blick in "Die Maske runter" lohnt sich auf jeden Fall - es ist zwar kein Meisterwerk, aber ein solider, gut ausbalancierter Bogey-Streifen. Für Freunde alter 50er Jahre Filme auf jeden Fall empfehlenswert.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die große Illusion


















Regie: Jean Renoir

Die Überwindung der Grenze...

Erster Weltkrieg an der Westfront: Bei einem Aufklärungsflug werden der französische Jagdflieger Maréchal (Jean Gabin) und der hohe Stabsoffizier de Boeldieu (Pierre Fresnay) von dem deutschen Jagdflieger Major von Rauffenstein (Erich von Strohheim)  abgeschossen und geraten in Kriegsgefangenschaft. Trotz allem herrscht gegenseitiger Respekt unter den "Feinden" und bevor die Franzosen ins Kriegsgefangenenlager abtransportiert werden, wird noch gemeinsam gegessen. De Boeldieu und auch Rauffenstein entstammen dem Adel und aufgrund der Klassenzugehörigkeit ist zu erkennen, dass sie sich wünschen, sie hätten sich unter anderen, friedlichen Umständen kennengelernt. Im Lager selbst machen die Gefangenen das Beste aus ihrer Lage - unter den wachsamen Augen der teilweise höflichen Wärter, beginnen die Franzosen einen Tunnel zu graben, der sie in die Freiheit bringen soll.  Unter den Gefangenen ist auch der vermögende Jude Rosenthal (Marcel Dalio), der die Gruppe mit köstlichen Konserven seiner Verwandten versorgt, die Pakete werden auch zugestellt, da die Deutschen so auch die teure Verpflegung für Gefangene sparen. Die Männer üben mit dem Schauspieler Cartier (Julien Carette) auch eine Gesangsstil im Boulevard- und Burleskestil ein. Während dieser Aufführung trifft die Nachricht eintrifft, dass das hart umkämpfte Fort Douaumont wieder in französischer Hand ist. Vor lauter Begeisterung stimmt Marechal die Marseillaise an und landet dafür im Bunker.  Derweil graben seine Kameraden weiter und in der Nacht soll es losgehen. Marcheal kommt sogar an diesem besagten Tag aus der Einzelhaft. Doch dann werden die Männer überraschend verlegt. Damit gibts auch ein Wiedersehen mit von Rauffenstein, der nach vielen schweren Verwundungen nun der Kommandant eines sicher geltenden Gefangenenlagers geworden ist. Die Gemeinschaft der beiden aus dem Adel stammenden Männer intensiviert sich. Um die Flucht von Marcheal und Rosenthal zu ermöglichen, fingiert Boeldieu selbst einen Ausbruchsversuch und ermöglicht den beiden Kameraden einen Vorsprung. Bei einer deutschen Bäuerin (Dita Parlo) finden die beiden vorübergehend Unterschlupf...


Das Filmdebüt von Jean Renoir, dem Meister des poetischen Realismus, entstand 1937 zu einer Zeit extremer wirtschaftlicher und politischer Turbulenzen in Europa. Noch lange nicht waren die Wunden des 1. Weltkriegs verheilt und das Drohen neuer Konflikte war spürbar. Rein oberflächlich gesehen ist sein Kriegsfilm, der im eigenen Genre sehr stark aus dem Rahmen fällt, ein pazifizistisches Plädoyer gegen die Flut nationalistischen Eifers und faschistischer Politik dieser Zeit. Vielmehr kritisiert der Film auch die Konstrukte, mit denen vorhandene Unterschiede zementiert werden können und die allesamt vom Menschen selbst gebaut werden. Renoir gelingt es die Menschen vernünftig zu zeichnen - es gibt keinen Hass. Aber allen ist klar, dass sie verschiedenen Herren dienen, die den Kampf befehlen. Also inmitten des Wahnsinns eines mörderischen Krieges sind die Menschen tagtäglich zu friedlichen Handlungen bereit. Auch wenn sie einen Tunnel graben. Renoir sieht in seinem Film weniger eine Schranke wegen der Rasse, dem Volk oder ethnischen Zugehörigkeiten. Vielmehr sieht er ein Problem darin, dass die Klassen untereinander vielmehr getrennt sind. So verstehen sich die Aristokraten untereinander gut (Rauffenstein und Boeldieu). Auch zwischen Marcheal und der deutschen Bäuerin existiert sehr schnell keine Fremdheit mehr. Der historisch wertvolle Film ist brilliant in seiner Objektivität. Er wurde zu seiner Zeit sowohl in Frankreich selbst als auch im benachbarten Ausland (Deutschland, Italien) geschnitten oder gar verboten. Seltsam das Gegenspiel von Militärismus und Pazifismus. Das Miteinander der beiden Aristokraten basiert beispielsweise auf Tugenden wie Ehre, Ordnung und gegenseitigem Respekt, die aus der Mode kommen - wie sie es in einem Gespräch untereinander formulieren und erkennen, dass ihre Zeit wohl abgelaufen ist.  Somit sind die Deutungen, was eine große Illusion ist, vielschichtiger. Renoir könnte zwar die Illusion als eine Art Wunsch oder Zukunftsvision gemeint haben, dass nicht nur die Nationen, sondern auch die gesellschaftlichen Klassen sich irgendwann miteinander versöhnen. Im Bezug auf seine Entstehungszeit war es aber wohl eher auch schon ein resignierendes Element, dass man nicht aufhalten konnte. Der Weltfrieden war bald wieder in Gefahr. Das Darstellertrio Jean Gabin, Pierre Fresnay und der deutsche Erich von Strohheim spielen ihre Figuren grandios und mit viel Würde. Man empfindet Trauer darüber, warum es gelingt den Menschen immer wieder für den Krieg zu konditionieren. "Die große Illusion" zeigt eindrücksvoll, dass das Miteinander nicht verloren ist. Ein sehr schöner und wichtiger Klassiker der europäischen Filmgeschicht und einer der besten Filme der 30er Jahre. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.