Dienstag, 13. Januar 2015

Das alte, finstere Haus

























Regie: James Whale

Haus des Grauens...

James Whale gilt als Vater des klassischen Horrorfilms. Er drehte für die Universal in den frühen 30er Jahren die Meisterwerke "Frankenstein", "Frankensteins Braut" und "Der Unsichtbare".
Nach dem großen Erfolg von "Frankenstein"  beharrte das Filmstudio darauf, Whale mit weiteren Stoffen für Horrorfilme zu betrauen. So inszenierte Whale 1932 den Horrorfilm "Das Haus des Grauens" nach einem Roman von John Boynton Priestley. Hier spielt erneut Boris Karloff einer der tragenden Rollen - diesmal als bestialischer Diener, der eine Gruppe von Reisenden in einem walisischen Landhaus in Angst und Schrecken versetzt. Das Publikum, dass daher einen herkömmlichen Horrorfilm mit dem Star erwartete, wure aber mit einem Beitrag überrascht, der sich nirgends so recht einordnen liess.
Alles fängt in einer dunklen und regnerischen Nacht an. Margaret (Gloria Stuart) und Philip Waverton (Raymond Massey) sind mit ihrem Freund Roger Penderel (Melvyn Douglas) mit dem Auto unterwegs -  auf dem Weg nach Shrewsbury. In den Bergen von Wales werden sie aber von einem Sturm und einem schnell einsetzenden sintflutartigem Regen überrascht. Als die Straße weggespült wird, suchen sie Zuflucht in ein altes einsames Haus. Das Anwesen wird von der Familie Femm bewohnt. Während Horace Femm (Ernest Thesiger) die Gäste höflich begrüsst, wirkt seine Schwester Rebecca (Eva Moore) nicht nur fanatisch-religiös, sondern abweisend. Am liebsten würde sie die Eindringlinge hinauswerfen, doch der Sturm lässt dies nicht zu. Sie warnt aber die drei Besucher vor dem aggressiven Butler Morgan (Boris Karloff), der stumm ist und mit Alkohol recht gefährlich werden soll. Sie erfahren auch von einem 102 jährigen Vater (Elspeth Dudgeon), der im ersten Stock im Bett liegen soll und einem weiteren Familienmitglied namens Saul (Brember Wills), der aufgrund seiner Unberechenbarkeit eingeschlossen ist und ein wahres geisteskrankes Monster sein soll.
Im Verlauf des Abends kommen zwei weitere Zufluchtsuchende hinzu, der primitive Millionär Sir William Porterhouse (Charles Laughton) und die Bühnentänzerin Gladys DuCane (Lilian Bond). Bis zur Morgendämmerung müssen sie sich nun wohl oder übel mit ihren seltsamen Gastgebern auseinandersetzen, dies führt im Laufe der Nacht zu einigen Gesprächen, vielen Irritationen, einer beginnenden Beziehungskiste und vielen gruseligen Momenten...


 dabei ist der Film vollgepackt mit den üblichen Gruselrequisiten, die James Whale wirkungsvoll im Lauf der Handlung zur Geltung bringt. Präsentiert werden daher dunkle Korridore, huschende Schatten, vom Wind aufgestoßene Fenster oder dunkle Geheimnisse hinter verschlossenen Türen. Es ist ein Film über abnormale und geisteskranke Verhaltensweisen, die sich bei der Familie Femm im "Haus des Grauens" häufen. Es ist vielleicht sogar der erste Film über eine vollkommen dysfunktionalen Horrorfamlie - ab den 70er Jahren traten sie im Kinofilm ja vermehrt auf und erfreuen sich noch heute im Horrorgenre einer großen Beliebtheit.


Bewertung: 8 von 10 Punkten

Sonntag, 4. Januar 2015

Die Nächte der Cabiria

























Regie: Federico Fellini

Auf in den neuen Tag...

Cabiria (Giulietta Masina) ist eine junge Prostituierte aus Rom. Sie lebt in der Vorstadt Acilia, an der Straße nach Ostia und hat immerhin von angeschafften Geld etwas ansparen können und besitzt nun ein heruntergekommenes Haus. Dies liegt in der Nähe der Tankstelle und zum Archäologischen Park, wo sich die Protstituierten, ihre Zuhälter und die Freier treffen ist es nicht weit. Dabei träumt die junge Frau immer noch von der großen Liebe, aber ihr neuer Lover Giorgio (Franco Fabrici) hat sie rücksichtslos in den Tiber geworfen, um an das Geld in ihrer Handtasche zu kommen. Beinahe wäre sie ertrunken, wird aber in letzter Sekunde von ein paar Bewohnern, die dort in den Hochhäusern leben, gerettet. Es dauert eine Zeit, bis sie erkennt, dass ihr Giorgio sie um die Ecke bringen wollte. Mit Nachbarin Wanda (Franca Marzi), die ebenfalls auf den Strich geht, hat sie eine gute Freundin. Eines Abends als Amleto (Ennio Girolami), ein Zuhälter in die Stadt zur belebten Via Veneto bringt, trifft sie dort nicht nur die exklusiveren Prostituierten von der Villa Borghese, die dort arbeiten, sondern auch den Filmstar Alberto Lazzari (Amedeo Nazzari). Dieser hat Trouble mit seiner launischen Freundin Jessy (Dorian Gray) und verbringt den weiteren Abend mit der auf der Straße stehenden Cabiria. In einem Club tanzen die beiden Mambo, dann gehts in Albertos schicke Villa, wo der Star Hummer und Kaviar anbietet. Damit ihre Berufskolleginnen ihr glauben, muss der Star ein persönliches Autogramm schreiben - es ist eine der wenigen Nächte, die von einem besseren Leben träumen lassen. Aber Cabiria ist eine Frohnatur und hat sich auch noch eine gewisse Unschuld bewahrt. Sie unternimmt daraufhin eine Wallfahrt zu einer Madonna und erwähnt gegenüber einem Franziskanerbruder voller Trauer, dass sie sich nicht der Gnade Gottes teilhaftig fühle. In einem Vorstadt-Varieté wird sie einige Zeit später von einem Hypnotiseur (Aldo Silvani) vor dem johlenden Publikum in Hypnose versetzt und teilt in diesem tranceartigen Zustand dem ganzen Publikum ihre persönliche Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit und Vertrauen mit. Dadurch macht sie die Bekanntschaft mit Oscar D’Onofrio (Francois Perrier), der zufällig im Publikum saß. Wird womöglich aus dieser Begegnung die große Liebe, an die Cabiria immer noch glaubt...



Federico Fellini wurde mit "La Strada" auf einen Schlag weltberühmt, der Film brachte ihm den Oscar als bester fremdsprachiger Film ein. Ein Jahr später konnte er den gleichen Erfolg mit dem ähnlich gelagerten "Die Nächte der Cabiria" wiederholen. Trotz der vielen Ähnlichkeiten ist aber "Die Nächte der Cabiria" ein positiverer Film, der mit einer wunderschönen Szene zu Ende geht. Nach dem Schock und mit dem Gefühl noch einmal überlebt zu haben, irrt Cabiria durch den Wald und trifft dort auf eine Gruppe singender und musizierender Jugendlicher. Das Mädchen auf dem Moped erkennt "Wir können den Weg nach Hause nicht mehr finden"...was auch auf unsere Heldin zutrifft, denn sie hat - das Glück sicher in der Tasche - doch kurz vorher ihr Häuschen verkauft und steht nun wieder mittellos da. Aber in ihrem Gesicht ist zu erkennen, dass sie wieder das Stehaufmännchen sein wird und wie immer versucht das Leben zu meistern. Giulietta Masina passt dabei perfekt in diese Rolle, man nimmt ihr das flatterhafte Mädchen mit unmoralischen Lebenswandel genauso ab wie das unschuldige und fast engelhafte Wesen mit dem sie ihren Alltag meistert. Für mich ist dieser meisterhafte Film einer der besten Arbeiten von Fellini und ich finde dieses atmosphärisch dichte und poetische Meisterwerk steht zu Unrecht etwas im Schatten des populäreren "La Strada". Die Magie, die der Film ausstrahlt, ist aber in beiden Fällen ebenbürtig und schon zu Beginn mit der Szene am Tiber ist der große Klassiker erkennbar. Dabei ist es auch immer wieder faszinierend wie nahe und dicht Fellini das unmoralische Dolce Vita an die Religion und den Glauben koppelt. In diesem Film mit einer bewegenden Massen Wallfahrt, die kommerzieller nicht sein könnte und dennoch eine extreme Hysterie unter den Gläubigen auszulösen vermag. Sehr klasse auch wie Fellini seine Hauptfigur mit einer tiefer reichenden Wirklichkeit ausstattet - sie ist stark, stolz und immer wieder in der Lage sich nach jedem Rückschlag aufzuraffen und beinahe schon mambotanzend den hoffentlich besseren neuen Tag begrüßt. Einer meiner Lieblingsfillme. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Gefahr aus dem Weltall








































Regie: Jack Arnold

Hässliche Invasoren in Sand Rock...


Jack Arnold ist ein Meister des B-Pictures und hat nicht nur für das Westerngenre mit "Des Teufels Lohn" und "Auf der Kugel stand kein Name" zwei tolle Filme beigesteuert, bekannt wurde er vor allem durch seine von 1953 bis 1958 inszenierten Science Fiction und Monsterfilme. Diese Filme spiegeln noch heute den Zeitgeist der fünfziger Jahre wieder und offfenbarten Neurose und Trauma einer Gesellschaft.
Wenn der Kalte Krieg für etwas gut war, dann auf jeden Fall für die Filmindustrie. Ohne ihn wären wahrscheinlich etliche Invasionsfilme nie entstanden oder nicht so zahlreich in ihrer Art gewesen. Dies gilt auch für "Gefahr aus dem Weltall" (Original: It came from outer space"), den Jack Arnold 1953 als reine Auftragsarbeit bekam.
Dabei tauchten Vergleiche zum etwa zeitgleich entstandenen "Kampf der Welten" von Byron Haskin auf, denn die Filme beschreiben die Invasion völlig gegensätzlich. Hier bei Jack Arnold geht es alles etwas subtiler zu - aber die Handlung und das Verhalten der Ausserirdischen könnte man gut auch direkt auf den Kommunismus ableiten. Natürlich mitsamt der hysterischen Angst vor einer möglichen Unterwanderung, die sich im Kopf abspielt und aus guten Amerikanern willenlose Arbeiter eines fremden Systems macht. Oberflächlich gesehen als sogar etwas fieser als in "Kampf der Welten", aber die Amis - vertreten durch einen dummen Sheriff - kommen nicht so gut weg in "Gefahr aus dem Weltall". Im Grunde haben sich die Aliens mit ihrem Raumschiff ja nur verirrt auf unserer schönen Erde. Sie wollen nur eins: Schnell wieder auschecken vom blauen Planeten. Aber dazu brauchen sie ein bisschen menschliche Hilfe und ein paar Elektrokabel um das Raumschiff wieder flott zu machen. Die Species ist aber so abgrundtief hässlich, dass sie es nicht wagen direkten Kontakt mit den Menschen aufzunehmen. Dies würde nämlich nur Angst und Furcht bei uns auslösen und folglich vielleicht auch zum Ergebnis führen, dass man die hässlichen Kreaturen vernichten muss. So wählen die klugen Aliens das Schlüpfen in menschliche Körper, zu was sie aufgrund ihrer hohen Entwicklung fähig sind. Somit stellt "Gefahr aus dem Weltall" zusätzlich noch ein Vorläufer von Don Siegels großartigen Body Snatchern (1956) dar.
Diese Außerirdischen können nämlich die Menschen duplizieren und wären in der Lage mit diesen willenlosen Klonen die Menschenheit unterjochen. Aber sie sind grundgütig und tun dies nicht. Aber dies wird erst sehr spät klar.
In der Wüste von Arizona lebt in dem beschaulichen Örtchen Sand Rock der Astronom und Schreiberling John Putnam (Richard Carlson). Sein Haus steht etwas abseits vom Dorf, dort geniesst er zurückgezogen den Ausblick auf die Sterne mit seinem Teleskop und natürlich auch seine hübsche Braut Ellen (Barbara Rush), auf die auch der hiesige Sheriff Warren (Charles Drake) ein Auge geworfen hat.
Dann fliegt ein riesiger, heller Feuerball  am Horizont entlang und ballert irgendwo mitten in der Wüste runter. Die Explosion ist spektakulär und mit dem Hubschrauber eines Freundes macht sich das neugierige Paar auf den Weg zur Einschlagstelle. Ein riesiger Krater ist dort entstanden und John wird zum einzigen Zeugen, dass dort bei diesem vermeintlichen Meteoriteneinschlag ein Raumschiff stand, dass jetzt vor seinen Augen von den Erdmassen begraben wurde. Keiner will ihm Glauben schenken und man betrachtet ihn als Spinner.
Ellen wird dann überzeugt, weil sie mit dem Straßenkreuzer beinahe einen dieser Aliens überfahren - immer wenn das Monster auftaucht gbits natürlich einen hochfrequent wabernden Gesang wie bei Star Trek und wie es sich für einen alten Science Fiction Film gehört - doch er verschwindet. Bald kommen auch die Elektriker Frank (Joe Sawyer) und George (Russell Johnson) ins Spiel...



und als Bonus in Blond zusätzlich Georges Braut, gespielt von Kathleen Hughes, die zwar auf dem Filmplakat zu sehen ist, in Wahrheit aber nur einen 3-Minuten Auftirtt im Büro des Sheriffs hat. Aber dies nur am Rande. Ansonsten gibts reichlich gute Atmosphäre. Die Wüstenlandschaft wirkt toll, vor allem dann, wenn unser Paar - einmal sogar die attraktive Ellen allein - mit ihrem Wagen auf dieser menschenleeren Straße fährt. Dazu Bilder der Steppe mit den verschreckten Tieren oder den vielen Wüstenplanzen.
Jack Arnold war ein extrem interessanter Regisseur, einerseits verstand er sich immer als Angestellter seines Studios. Eigentlich nicht dieser innovative Visionär, aber durch seine enormen kreativen handwerklichen Fähigkeiten holte er oft das beste aus den angebotenen Stoffen heraus. Heute kann man eine eigene Handschrift erkennen, denn eine Vielzahl von typischen Motiven, Themen und Einstellungen, prägen seine Filme, daraus resultierend ein hoher Wiedererkennungswert und ein sehr schnell erkennbares typisches Jack Arnold Feeling
Sein Meisterwerk ist sicherlich "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C", aber "Gefahr aus dem Weltall" folgt als meine Nr. 2, noch vor "Tarantula" oder "Der Schrecken schleicht durch die Nacht". Ein toller Film, mit dem Barbara Rush sogar einen Golden Globe als beste Nachwuchsdarstellerin gewann. 


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Die Bibel

























Regie: John Huston

Genesis, das erste Buch Moses...

Der 1923 in Rom geborene Giuseppe Rotunno ist einer der besten Kameramänner der Filmgeschichte. Überwältigend war seine Arbeit in Luchino Viscontis "Der Leopard". Auch mit Fellini arbeitete er oft: "Satyricon", "Casanova", "Amarcord" oder "Roma" wurden von ihm optisch veredelt. Für "Hinter dem Rampenlicht" wurde er mit dem Oscar nominiert. John Hustons Monumentalfilm "Die Bibel" profitiert natürlich von seinem großen Können - auffallend sind seine düsteren und archaischen Bilderkompositionen, mit denen er die Verfilmung des Buches Genesis veredelt. Der 1966 entstandene Bibelfilmklassiker erzählt von der Erschaffung der Welt, der Pflanzen, der Tiere und des ersten Menschen Adam (Michael Parks), der von Gott im Garten Eden eine Gefährtin Eva (Ulla Bergryd) bekommt. Die Schlange verursacht durch ihre Überredungskünste den Sündenfall, denn beide essen von der Frucht des Baumes der Erkenntnis. Sie werden von Gott aus dem Paradies gejagt. Eva bringt die Söhne Kain (Richard Harris) und Abel (Franco Nero) zur Welt, die Eifersucht des größeren Bruder führt zum ersten Mord. Er flieht ins Land Nod. Ein Nachfahre von Evas drittem Sohn Set ist der rechtschaffene Noah (John Huston), der von Gott beauftragt wird in einer extrem gottlosen Zeit ein Schiff zu bauen. Diese Arche soll Schutz vor der kommenden Sintflut sein und Schutz für Noah, für seine Frau (Pupella Magio, für die Söhne und deren Frauen sowie jeweils für ein Paar der Tiere der Welt. Er wird verlacht, doch bald erfüllt sich die grausame Offenbarung und löscht sämtliches Leben auf der Erde aus. Noah begründet den neuen Bund. Doch das Böse stirbt nicht. Nimrod (Stephen Boyd), der erste Gewaltherrscher baut einen Turm zu Babel, der bis in den Himmel ragen soll. Gott beantwortet diese Anmaßung mit dem Sprachengewirr und den vielen verschiedenen Sprachen. Abram (George C. Scott) aus dem Lande Ur zieht mit seinem Stamm, seiner Frau Sarai (Ava Gardner) und seinem Neffen Lot (Gabrielle Ferzetti) fort, um das von Gott verheißene gelobte Land zu finden. Ein aufkommender Streit über Weidegründe sorgt dafür, dass sich Abram und Lot trennen. Lot gerät zwischen die Fronten als die Stadt Sodom von den drei gesandten Engeln Gottes (Peter O´Toole) zerstört wird. Abram nennt sich später auf Weisung Gottes Abraham und soll in einer letzten Prüfung seinen geliebten Sohn Isaak als Brandopfer darzubringen...




Produzent Dino de Laurentiis plante "Die Bibel" ursprünglich als Episodenfilm. Er wollte für jede Episode einen anderen Topregisseur verpfllichten, Namen wie Orson Welles oder Luchino Visconti waren im Gespräch. Doch John Huston konnte den Produzenten davon überzeugen den Film alleine drehen zu können. Sichtlich Spass bereitete dem Tierfreund die Rolle des Noah selbst und damit auch die Herausforderung mit echten Tieren gemeinsam vor der Kamera zu agieren. Keiner wollte die Szene tricktechnisch umsetzen, was sich heute als großer Vorteil zeigt: Diese Sequenzen sind sehr echt und wirken extrem authentisch. Auch an der Kinokasse lief der Bibelfilm extrem erfolgreich. Mit fast 35 Millionen Dollar Einspielergebnis landete er im Ranking der erfolgreichsten Filme des Jahres 1966 auf Platz 1 - noch vor "Hawaii", "Wer hat Angst vor Virginia Wolf", "Kanonenboot am Yanktsee-Kiang". "Ein Mann zu jeder Jahreszeit" und "Zwei glorreiche Halunken". Insgesamt gelang John Huston einer der faszinierendsten Monumentalfilme, der zu einer Zeit entstand, wo das Genre schon langsam im Sterben lag. Dies liegt wie bereits erwähnt an der hervorragenden Bildsprache, mit denen eine ganz fremde, längst vergangene Epoche voller Mythen und Geheimnisse ihren Vorhang öffnet. Für die ersten Minuten des Films wurde der Fotograf Ernst Haas beauftragt. Er sollte möglichst beeindruckende Naturaufnahmen zusammenstellen und so reiste er eineinhalb Jahre rund um die Welt und brachte Bilder mit die rotglühende Lavaeruptionen, bizarre Wolkenformationen, tosende Wassermassen, imposante Sonnenaufgänge und fazinierende Unterwasseraufnahmen zeigen. Mit diesen Impressionen wird die Schöpfung eingestimmt. Es folgt eine archaische Welt, die fremdartig erscheint und die Menschen zeigt, die sich ehrfürchtig dem Werk Gottes unterordnen. 




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 22. Dezember 2014

Einmal Millionär sein (The Lavender Hill Mob)




Regie: Charles Crichton

Das Glück kam über Nacht...

Die Ealing Studios in London wird seit mehr als 100 Jahren betrieben und wurde vor allem in den 30er bis 50er Jahren durch zahlreiche Filme bekannt, von denen heute viele als echte Klassiker des britischen Kinos zählen. Vor allem die Ealing Komödien "Adel verpflichtet", "Ladykillers" oder "Der Mann im Weißen Anzug" wurden zu einem Inbgriff des britischen Humors und zeigten ihren Hauptdarsteller Alec Guinness in Höchstform.
Unvergessen bleibt auch das turbulente Heist Movie "The Lavender Hill Mob". Ein Film, der in Deutschland unter den Namen "Einmal Millionär sein" oder "Das Glück kam über Nacht" bekannt wurde.
Unter der Regie von Charles Crichton (Traum ohne Ende, Ein Fisch namens Wanda) entstand die Gaunerkomödie im Jahr 1951. Der Titel des Films verweist auch auf Lavender Hill, eine Straße in Battersea - einem Ortsteil in Süd-London.
Die Geschichte wird in einer Rückblende von dem Briten Henry Holland (Alec Guinness) erzählt, der mit einem Landsmann in einem noblen Restaurant in Rio de Janeiro sitzt und auch bei den anderen Gästen äusserst beliebt zu sein scheint. Sogar eine hübsche junge Frau (Audrey Hepburn in einer Minirolle) zählt zu den Bewunderern des lebenslustigen Zeitgenossen. Dann erzählt er seinem Gegenüber seine Geschichte: Als er noch in London lebte, war er ein scheinbar anspruchsloser Bankkaufmann. Seine größte Tugend war seine Ehrlichkeit - zumindest wurde er genau so von seinen Vorgesetzen nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit eingeschätzt - und dies machte ihn zum optimalen Mitarbeiter für die Lieferung und Sicherung der Goldbarren seiner Bank. Doch heimlich hegt der scheue Mann schon lange einen kriminellen Plan, er hat den perfekten Plan in der Tasche, wie man das wertvolle Gold raubt. Nach außen hin penibel und urängstlich - so kennen ihn die Fahrer des Transporters, diese Polizisten vertrauen dem Bankangestellten blind.
Einzig und allein die Lösung für den Verkauf des Goldes fehlt ihm noch. Doch die kommt in der Gestalt des neuen Untermieters, einem Künstler namens Alfred Pendlebury (Stanley Holloway) , der auch in die gleiche Pension in Lavender Hill einzieht. Dass Pendlebury eine eigene Gießerei für billige Geschenke und Souveniers besitzt, ist der reinste Glücksfall.  Noch besser ist es, weil Pendlebury seinen Ramsch auch ins Ausland verkauft. Dies bringt die ehrlichen und bürgerlichen Gauner auf die Idee von den Goldbarren kleine Eiffeltürme herzustellen, die man als Briefbeschwerer tarnt, sie nach Paris verschickt - weil sie ja dort verkauft werden sollen.
Als Holland von seinem Chef informiert wird, dass er in eine andere Abteilung versetzt werden soll (besseres Gehalt und Aufstieg) muss alles flott gehen. Sie heuern zwei Kleinganoven an (Sidney James und Alfie Bass) und los geht es. Der Plan gelingt, aber dennoch gibts zuerst eine Komplikation, dann noch weitere...


 Höhepunkt dieses hervorragend inszenierten Klassikers ist einmal die Jagd der beiden Männer vom Eiffelturm, wo aus Versehen sechs dieser wertvollen Souveniers an britische Schulmädchen verkauft wurden, bis hin zur Fähre nach Dover. Dann weiter ins Internat, wo eines der Mädchen - bockig ohne Ende - ihr Exemplar nicht gegen ein anderes, bereits geprüftes, eintauschen möchte. Dies führt wiederum zu einer temperamentvolen Verfolgungsjagd mit einem Polizeiauto. Schauplatz sind die Straßen von London.
Der Film ist voll von trockenem Humor und setzt vor allem auf seine zwei sympathischen Gauner, die irgendwie wie biedere Kleinbürger wirken - aber dennoch einmal ihren ganz großen Traum vom reichen Millionär ausleben wollen. Dabei inszenierte Charles Crichton sehr charmant und liebevoll, spart aber dennoch nicht mit hintergründigen Einlagen. Der große britische Kameramann Douglas Slocombe lieferte wie immer eine hervorragende Arbeit ab. Schön herausgearbeitet ist diese extreme Dynamik und Energie, die die beiden Männer aufwenden, um einmal das große Abenteuer zu erleben. Einmal weg vom Alltagstrott - dies hat aber auch seinen Preis, dann am Ende werden dem Kleinbürger und seinem großen Traum einmal mehr die Fesseln wieder angelegt. Beste Szene ist die Verfolgungsjagd des Fahrstuhls auf dem Eiffelturm - die Verfolger müssen aber die Wendeltreppe nehmen, die nie mehr aufzuhören scheint und Slocombes Kamera dreht sich wortwörtlich um die beiden Protagonisten, zieht den Zuschauer gleich mit in diesen Wirbel.

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Die Nibelungen

























Regie: Harald Reinl

Siegfried und Krimhild...

Das Nibelungenlied ist ein mittelalterliches Heldenepos und entstand vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts, wurde in Mittelhochdeutsch aufgeschrieben, doch der Stoff selbst ist bedeutend älter. Im 19. Jahrhundert erlangten die Verse den Status eines Nationalepos, Siegfried als Bezwinger des Drachen wurde zum Nationalheld. Aufgrund der riesigen Erfolge mit Karl May Filmen seines früheren Mitarbeiters Horst Wendland wagte sich Artur Brauner, der auf den Zug aufsprang und mit "Der Schut", "Old Shatterhand" oder "Durchs wilde Kurdistan" selbst einige davon produzierte, an ein überaus ambitioniertes Projekt heran: Der Verfilmung des Nibelungenliedes als romantisches Liebesdrama.  
Im Königshof in Worms lebt die schöne Krimhild (Maria Marlow) mit ihren drei Brüdern Gunther (Rolf Henniger), Gernot (Fred Williams) und Giselher (Mario Girotti alias Terence Hill), die ihre Vormunde sind. Gunther ist der König von Worms und kann dabei auf seinen treuesten Gefolgsmann Hagen von Tronje (Siegfried Wischnewski) immer zählen. Der mächtige Ritter ist ein Verwandter des Königs und darüberhinaus sein wichtigsten Ratgeber.
Zur gleichen Zeit erzählt man sich am Hof die Heldentaten des jungen Siegfrieds von Xanten (Uwe Beyer), der den Drachen Fafnir besiegen konnte und anschließend in dessen Blut badete, was ihn unverwundbar werden ließ. Ein herabfallendes Blatt, dass sich vor dem Blutbad auf seinem Rücken festgesetzt hatte, sorgte aber für eine Schwachstelle in der Unverwundbarkeit seines athletischen Körpers. Der Held eroberte anschließend vom Zwergenkönig Alberich (Skip Martin) den Nibelungenhort und stiehlt ihm seine kostbare Tarnkappe, mit der sich der Besitzer unsichtbar machen kann.
Und da dies noch nicht Heldentaten genug sind, erweckt er noch im fernen Island die schöne Königin Brunhild (Karin Dor) mit einem Ring aus ihrem tiefen, tausendjährigen Schlaf und gewinnt so ihre Liebe für sich, was schließlich der Ausgangspunkt für die folgende Tragödie ist. Denn die Liebe bleibt einseitig - Siegfried verliebt sich am Königshof in Worms - nachdem er dort erorbern wollte, aber sich mit König Gunther angefreundet hat - in dessen Schwester Krimhild, um die auch der Hunnenkönig Etzel (Herbert Lom) durch einen Boten wirbt. Gunther willigt in eine baldige Vermählung der beiden Liebenden ein, doch zuvor muss der starke Siegfried ihm helfen bei seinem Werben um Brunhild. Die kann nur einen Mann heiraten, der sie in drei kämpferischen Disziplinen schlägt. Denn ein Gürtel, ein Geschenk der alten Götter, hat ihr Superkräfte verliehen. Mittels Tarnkappe hilft Siegfried bei den drei Kämpfen seinem Freund Gunther und so wird durch geschickte Manipulation die Heirat mit der schönen Island Königin forciert. Diese vermutet zwar eine Hexerei, kann es aber nicht beweisen. So wird sie zwar Gunthers Frau, aber nicht sein Weib. Am Wormser Hof gibts natürlich Eifersüchteleien der beiden Frauen. Als sie erkennt, dass sie von Siegfried und Gunther betrogen wurde, schwört sie Rache. Und Hagen von Tronje bekommt damit die Rolle des Mörders, der Siegfried mit einem Speer töten kann - treffgenau in die eine Stelle, die nicht durch das Blut von Fafnir geschützt war. Nun bleibt Krimhild nur noch die Rache...




 Regisseur Harald Reinl inszenierte das Liebesdrama und Schlachtenepos sehr farbenprächtig und auch etwas naiv - genauso wie die Karl May Filme. Natürlich fällt aus heutiger Sicht die Nähe zu J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" deutlich auf. Der englische Schriftsteller und Philologe, der mit seinen Werken die moderne Fantasy Literatur begründete, bediente sich eifrig bei der nordischen Mythologie und damit auch beim "Nibelungenlied" - es floß vieles davon in das mythologische Konzept seiner erdachten Welt Mittelerde. Und somit sind wir schon bei der Überlegung, wie eine Verfilmung des Stoffes heute - mit den modernen Techniken - aussehen würde. Beispielsweise der Drache oder die Choreografie der Schlacht im zweiten Teil des Films "Krimhilds Rache" - der 1967 separat in die Kinos kam, also einige Monate später als "Siegfried von Xanten". Für Artur Brauner wars ein riesiger kommerzieller Erfolg - der Film lockte über 3 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos, was dem Monumentalfilm eine goldene Leinwand einbrachte. Die zeitgenössische Kritik war da eher verhalten - man meckerte über das Spiel des Darstellers Uwe Beyer, Hammerwerfer und Bronze-Medaillen Gewinner bei der Olympiade 1964, dem man wenig mimisches Talent bescheinigte. Aber er war immerhin stark, blond und blauäugig. Also so ganz fehlbesetzt war er nun doch nicht. Ansonsten fand ich den gesamten Film ganz gut, aber zu einem Meisterwerk fehlt ihm die düstere Note. Die kommt nur sehr selten zum Tragen - am besten finde ich die Szenen in Island mit einer toll aussehenden Karin Dor, die ein bisschen an die junge Elizabeth Taylor erinnert und dem Film eine gewisse melancholische Poesie beschert. Dazu ist die nordische Landschaft perfekt für den Film - viele andere Teile sind - genau wie die Winnetou Filme dann in Yugoslawien realisiert worden. Sehr markant sind auch die Szenen des Bösewichts Hagen von Tronje - von Siegfried Wischnewski charismatisch performt. In den besten Szenen des Films gelingt es sogar die weltlich-machtpolitischen Handlungsstränge (Macht der Könige, Hunnensturm) mit den fantastisch-mythologischen (Drachenkampf, Rheingold, der Ring, die Tarnkappe, die Zwerge) miteinander in Einklang zu bringen. Es wird Bezug genommen auf das frühe Christentum, dass sich langsam etabliert und das Aussterben der alten Mächte. Die Rache, die dann folgt, hätte man m.E. sogar noch viel archaischer gestalten sollen, sie geht beinahe aufgrund der Massenszenen im 2. Teil des Films etwas unter. Was bleibt ist auch ein letztes Aufbäumen des guten alten Monumentalschinkens - soviele dieser Art sollten nicht mehr im Kino laufen. Vor allem dem italienischen Monumentalschinken wurde hier auch die Referenz erwiesen. Am Ende darf man feststellen, dass es Reinl doch gelang den Stoff nicht ein buntes Märchen abgleiten zu lassen - er bewahrte durch eine gewisse Distanz zu den Figuren die seltsame Fremdheit der Vorlage.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.