Sonntag, 10. Mai 2015

Wir Wunderkinder


























Regie: Kurt Hoffmann

Zwei deutsche Lebensläufe....

Kurt Hoffmann war mit Sicherheit einer der erfolgreichsten deutschen Filmregisseure. Bereits während der NS-Zeit drehte er Kassenschlager wie "Quax, der Bruchpilot" oder "Ich vertraue dir meine Frau an". In den 50er Jahren gelangen ihm eine Riesenerfolge wie "Hokuspokus", "Das fliegende Klassenzimmer", "Drei Männer im Schnee", "Ich denke oft an Piroschka", "Das Wirtshaus im Spessart", "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" oder "Das Spukschloß im Spessart".
Sein vielleicht kritischster Film ist aber "Wir Wunderkinder" aus dem Jahr 1959, der zwar von dem Regisseur gewohnt schwungvoll und unterhaltsam inszeniert wurde, aber mit seiner kabarettistischen Form die Lebensgeschichte zwier typischer Deutscher erzählt und somit auch einen weitestgehend gelungenen Kommentar zur Vergangenheitsbewältigung beinhaltet. Vor allem durch die Mitwirkung der beiden Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller, die bereits im "Wirtshaus im Spessart" mit Hoffmann zusammengearbeitet hatten, kommt der Gewinner des Golden Globe Awards als bester fremdsprachiger Film des Jahres 1960 als "Film im Film" daher. Die beiden Akteure begleiten das Geschehen von 1913 bis 1957 von einer Bühne aus, wo sie die Handlung mit sehr bissigen Kommentaren und Klaviermusik begleiten. Dabei gelingt es Ihnen eindrücklich sich von Konzessionen, zu denen man damals sicherlich noch genötigt war, zu lösen und diese sogar in perfekter Form zu unterlaufen. Wenn eine der Hauptfiguren - dieser Bruno Tiches - am Ende des Films in einen Fahrstuhlschacht fällt und stirkbt, dann führt der Filmemacher das HappyEnd ad absurdum, in dem er gleich die Bilder der Beerdigung zeigt, zu der alle einflüssreichen Persönlichkeiten aufmarschiert sind und dem "verdienten Deutschen" das letzte Geleit zu erweisen. Müller erwähnt dann noch, dass es so viele kaputte Fahrstühle leider nicht gibt um diesen Opportunisten, der immer die Gesinnung folgt, die gerade "in" ist.
Man kann vielleicht kritisieren, dass es in Sachen Vergangenheitsbewältigung dem "Mitläufer" relativ leicht gemacht wird, sich in diesem filmischen Spiegelbild nicht zu erkennen. Dennoch zähle ich diesen Nachkriegsfilm über die gewisse Machtlosigkeit der Anständigen, die dem Aufstieg der unmoralischen und dummen Nazis leider nichts entgegensetzen können, zu den besten deutschen Filmen der 50er Jahre. Auch wenn die Resignation gegenüber dieser starken Opportunisten schon ein bissel traurig macht.
Der Film beginnt im Jahr 1913 - in Neustadt, einem kleinen Ort in der Provinz steht ein großes Ereignis bevor. Ein Ballonfahrer soll anlässlich der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals den Flug nach Leipzig wagen, um dem geliebten Kaiser Wilhelm I die Ehre zu erweisen. Dort sind auch die beiden Jungen Hans Boeckler und Bruno Tiches zugegen, die beide Lausbubenstreiche im Kopf haben. Doch Hans wird erwischt und bestraft, seinem Klassenkameraden Bruno gelingt es aber ungesehen in den Korb des Ballons zu klettern. Als der Ballon nur wenige Meter entfernt notlanden muss, wird Bruno zum Helden seiner Mitschüler und seiner Lehrer.
Die Lebenswege der beiden kreuzen sich immer wieder. Hans Boeckler (Hansjörg Felmy) studiert in den 20er Jahren unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen Philosophie in München. Bruno Tiches (Robert Graf) schließt sich der NSDAP an und macht im Laufe der Jahre dort eine rasante Karriere. Hans bleibt sich in dieser Zeit selber treu, verliert zwar seine erste Freundin Vera von Lieven (Wera Frydtberg), die mit ihrem Vater emigriert, lernt aber die hübsche Dänin Kirsten (Johanna von Kosczian) kennen und heiratet sie in Dänemark. Als der Krieg ausbricht, muss er zurück ins Reich. Nach dem Krieg versucht Hans mühsam einen neuen Anfang zu machen. Dieser Neubeginn fällt Bruno Tiches umso leichter. Mit seinem Schwarzmarkgeschäft hat er sich schon wieder bestens angepasst...


 Schon die erste Szene ist symptomatisch für die zukünftige Entwicklung der beiden unterschiedlichen Protagonisten. Während Hans Boecker bestraft wird, wird Bruno gefeiert und belohnt.
Im Wirtschaftswunderland steht am Ende dann der erfolgreiche Geschäftsmann Tichel unter geändertem Namen, der mit seinem Geld wieder die Macht hat und Hans Boeckel als Journalist, der die Taten der Vergangenheit in seiner Zeitung aufdecken will, schon wieder am kürzeren Hebel sitzt. Kann sich sein Chef die ehrliche und freie Meinungsäusserung erlauben, wenn der Mann mit Geld und Einfluß die Macht hat den Schreiber und seine Zeitung vernichtend zu schlagen ?
"Wir Wunderkinder" lebt von den beiden guten Hauptdarstellern Robert Graf und Hansjörg Felmy. Vor allem Graf hat seine Rolle so angelegt, dass nie der Fanatiker sichtbar wird, aber sehr schnell erkennbar sein Gespür sichtbar wird für den eigenen Vorteil. Sein Charakter strotzt vor Anpassungsfähigkeit und positiver Selbstdarstellung. Er sieht sich sogar als einer der den Karren für Deutschland "aus dem Dreck zieht" und Boeckels damalige Ablehnung der Nationalsozialissten deutet er als dessen Unfähigkeit sich klar zu positionieren. Somit doch eine nicht zu unterschätzende kritische Aussage über den Mitläufer und seine Struktur.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

























Regie: Fritz Lang

Der Superverbrecher kehrt zurück...

Dr. Mabuse ist eine um 1919 von dem Luxemburger Schriftsteller Norbert Jacques erfundene literarische Figur eines Superverbrechers. Seine Figur nahm auf einer Fähre über dem Bodensee Gestalt an. Der Autor bemerkte den belebten Umschlagplatz für den in hoher Blüte stehenden Schwarzhandel. Einer der Mitpassagiere, der sich als Schieber herausstellte, inspirierten ihn von der Statur und dem Gesicht so sehr, dass er gedanklich immer mehr zu dieser Phantasiefigur Mabuse wurde.  Der Roman erschien dann 1921. Dr. Mabuse war geboren, dieses Genie, das mit seiner Energie und Intelligenz Verbrechen begeht. Er wurde als Psychoanalytiker beschrieben, der zudem noch starke hypnotische Fähigkeiten besitzt. Ein Mann mit 1000 Gesichtern. Die Verfilmung ließ nicht lange auf sich warten: 1922 hatte Fritz Lang damit seinen großen Durchbruch und "Dr. Mabuse, der Spieler" wurde zum riesigen internationalen Erfolg. Einer der ganz großen Stummfilme der Weimarer Republik. 1932 schob Lang eine Fortsetzung nach, der Tonfilm "Das Testament des Dr. Mabuse" zeigt Mabuse als Wahnsinniger in einer Psychiatrischen Klinik, der an seinem Testament schreibt, eine Anweisung für Verbrechen und zur Errichtung einer unfassenden Herrschaft des Verbrechens.
Da nur allzu viele Parallelen auf Adolf Hitler gezogen werden konnten, der mein Kampf in Gefangenschaft schrieb, wurde der Film im Dritten Reich verboten. Diese Zensur verhinderte aber nicht das Prädikat des filmischen Meisterwerks. Nach dem Krieg sollte es noch 15 weitere Jahren dauern, bis dem Superverbrecher ein Kino-Comeback ermöglicht wurde. Wieder wurde für "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" Fritz Lang als Regisseur gewonnen, der 1960 in West-Berlin drehte.
Der Fernsehreporter Peter Barter recherchiert in einer extrem großen Sache. Er lässt seine Ergebnisse als Knüller des Jahres ankündigen. Doch soweit kommt es nicht. Die Fernsehansagerin teilt dem Zuschauer unter Tränen mit, dass der Reporter unterwegs zum Studio in seinem Auto verstorben ist. Zuerst sieht alles wie ein Unfall aus. Doch der blinde Hellseher Cornelius (Wolfgang Preiss) weiß mehr. Kurz bevor die Tat passierte, informierte er schon den überraschten Kommissar Jochen Kras (Gert Fröbe) und erzählt ihm von einem furchtbaren Verbrechen auf der Hansastraße. Also dort, wo Barter starb. Und tatsächlich entdeckt man im Hirn des Toten eine Stahlnadel. Die muss ihm direkt in den Kopf geschossen worden sein. BKA und Interpol nehmen die Ermittlungen auf.
Viele Hinweise führen die Ermittler ins Hotel Luxor. Dort sind eine Reihe von Verbrechen noch unaufgeklärt, auch Barter war in der Nacht vor seinem Tod dort. Derzeit hat sich der amerikanische Milliardär Travers (Peter van Eyck) einquartiert. Der muss auch gleich das Leben einer lebensmüden Frau (Dawn Adams) retten, die sich von der oberen Hoteletage in die Tiefe stürzen will. Diese Marion ist hübsch und Travers macht ihr den Hof. Doch sie gesteht ihm unglücklich mit einem klumpfüßigen Ehemann verheiratet zu sein, der sie ständig terrorisiert. Auch erinnern sich die Ermittler durch das Verbrechen an Barter an die Fälle des Dr. Mabuse aus den 20er und 30er Jahren, wo ähnlich gemordet wurde....





Der Film ist zwar nicht so genial wie seine Vorgänger, aber aufgrund der guten Spannung wurde er ein riesiger Publikumserfolg. Er war zeitgleich wie die Edgar Wallace Filme erfolgreich in den Kinos und brachte es auf 5 Fortsetzungen. Mit der düsteren und bedrohlichen Stimmung hatte Produzent Artur Brauner ein originelles Gegenstück und sogar verwandtschaftliche Ergänzung zu den ironisch-distanzierten Wallace Filmen gefunden. Im Kinojahr 1960 gingen mehr als 2,5 Millionen Menschen ins Kino, um die Wiederauferstehung des Dr. Mabuse zu sehen. 










Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Samstag, 25. April 2015

Kleider machen Leute

























Regie: Helmut Käutner

Schein und Sein...

Nach der Novelle "Kleider machen Leute" des Schweizer Dichters Gottfiried Keller entstand im Jahre 1940 Helmut Käutners gleichnamiger Film. Die Geschichte, die in der Schweiz des Biedermeiers (zwischen 1815 bis 1848) spielt, wurde erstmals 1874 im zweiten Band der Novellensammlung "Die Leute von Seldwyla" veröffentlicht und gehört immer noch zu den bekanntesten Erzählungen der deutsprachigen Literatur. Käutners Film sprüht vor Detailfreude und gleich von Anfang an wid der Zuschauer in eine märchenhafte Stimmung versetzt. Es ist Winter und im Ort wird das Dreikönigsfest mit einem Umzug durch den Schnee gefeiert. Fasnacht naht und der bei einem Schneidermeister beschäftigte Geselle Wenzel (Heinz Rühmann) träumt wieder einmal von einem besseren Leben als vornehmer Herr. Im Traum sieht er sich als dieser begehrte und gut gekleidete Herr von großem Ansehen. In der Realiät bleibt ihm aber nur sein armseliges Dasein und sein Können eben diese edlen Anzüge und Fräcke für die vornehme Gesellschaft zu schneidern. Am anderen Morgen soll der Frack für den beleibten Bürgermeister fertig werden, daher arbeitet Wenzel die Nacht durch. Doch beinahe traumwandlerisch passt er den Frack auf seine eigene Kröpergröße an. Am anderen Morgen ist die Katastrophe perfekt. Nach dem Zerwürfnis mit dem verärgerten Bürgermeister wirft der Meister seinen Gesellen hinaus. Anstelle des noch anstehenden Lohns behält Wenzel den Frack und trägt ihn auf seiner nunmehr beginnenden Wanderung zu einer anderen Arbeitsstelle. Er trifft auf dieser Wanderung auf den Puppenspieler Christoffel (Erich Ponto) und sitzt dann alsbald in einer vorbeikommenden Kutsche aus Basel, die ins nahegelegene Städtchen Goldach gebracht werden soll. Der Kutscher meint, dass sein einziger Fahrgast ein inkognito reisender Graf aus dem "Russischen" ist. Obwohl Wenzel dies immer wieder verleugnet, nimmt die Geschichte seinen Lauf und auch in Goldach wird er mit seiner scheinbar neuen Identität als Graf weiter hofiert. Er lernt dort das hübsche Fräulein Nettchen (Hertha Feiler) kennen, Tochter des wohlhabenden Tuchhändlers und Amtsrats von Goldach. Sie ist auch die Verlobte des Goldacher Schneidermeisters Melcher Böhni (Rudolf Schündler), der als einziger dem "Grafen" misstrauisch gesinnt ist. Widerstrebend, zugleich aber mangels eigener Geldmittel fügt Wenzel sich in die neue Rolle, die ihm aufgrund seiner Kleidung auch erlaubt, ohne Bargeld auszukommen.
Das stattliche Gefährt erregt schon bei der Ankunft in Goldach Aufsehen. Kaum hat es vor dem Gasthof "zur Waage"angehalten, ist es schon von staunendem Volk und dienstfertigem Personal umringt. Alle sind interessiert an diesem schwermütigen Adligen, der in der Stadt angekommen ist.  Der Wirt lässt prestigemässig vom Besten auftragen, was Küche und Keller bieten. Wenzel, in größter Verlegenheit, isst und trinkt nur zimperlich, was ihm sogleich als besondere Vornehmheit ausgelegt wird. Tatsächlich erwartet auch das im Hotel abgestiegene Fräulien von Serafin (Hilde Sessak) einen solchen Grafen. Währenddessen gewinnt Wenzel im Spiel mit den entzückten Ortshonorationen eine Menge Geld und verliert sein Herz alsbald an Nettchen. Noch komplizierter wird das Spiel als der echte Adlige aus Russland im Ort eintrifft. Dieser Graf Alexej Stroganoff (Fritz Odemar) erkennt sehr schnell das Verwechslungspiel und entscheidet sich weiter zu spielen...er macht sich zum Komplizen und gibt sich als Diener des Grafen aus. Im Goldacher Karneval wird die Wahrheit aber aufgedeckt...




Und mit dieser ausufernden Sequenz um die Demaskierung Wenzels mit Hilfe des Maskentanzes der Deldwyler Narren, die einen eigenartigen Toten- und Gespenstertanz aufführen, wird aus dem märchenhaften Charakter der Erzählung eine bitterböse Parabel über die "gute" Gesellschaft und ihre Strukturen mit zunächste hochgejubelten und hofierten Schwindelexistenzen. Der Protagonist wird aber auch sehr schnell wie eine heiße Kartoffel fallen gelasen und auf die Entlarvung folgt die Strafe. Auch wenn Käutner ein HappyEnd für seinen Schneider vorgesehen hat, die Geschichte hat Potential, dass es einem stellenweise eiskalt den Rücken runterläuft.
Der Inszenierungstil Käutners ist eindeutig inspiriert von dem Poetischen Realismus des französischen Films der 30er Jahre. Leider hat "Kleider machen Leute" nie ganz die Wertschätzung wie "Große Freiheit Nr. 7", "Unter den Brücken", "Der Hauptmann von Köpenick", "Des Teufels General" oder "Romanze in Moll" erringen können. Dabei ist die tragische Geschichte sehr geschickt in einer Mischung aus Komik und Romantik verpackt und wer sich auf den Film einlässt wird durchaus die versteckten boshaften Subtexte entdecken können. Darüberhinaus sind die Bildkompositionen von "Kleider machen Leute" atmosphärisch brillant und für mich sogar ein filmsicher Verwandter von Cocteaus "La Belle et la bete" aus dem Jahr 1946. Wie in diesem weltberühmten Meisterwerk des poetischen Films gelingt auch Helmut Käutner eine großartige märchenhafte Aura.
 





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 20. April 2015

Menschen am Sonntag

























Regie: Edgar G. Ulmer / Robert Siodmak

Wochenende in Berlin...

Der Stummfilm "Menschen am Sonntag" wurde im Februar 1930 in Berlin aufgeführt. Die damals gezeigte Filmfassung war 2014 m lang, leider sind einige Teile des Films verschollen. Eine existierende Filmversion aus dem Nederlands Filmmuseum wurde mit erhaltenden Sequenzen aus ser Cinematheque Suisse, der Cinematheque Royale de Belgique und der Fondazione Cineteca Italiana ergänzt. So kann man heute auf eine Filmversion mit einer Länge von 1856 Metern zurückgreifen.
Der Film wirkt fast wie ein Dokumentarfilm, dessen einzelne Teile aber durch eine angedeutete Spielfilmhandlung zusammengehalten wird. Die Handlung selbst plätschert so vor sich hin wie ein schöner unbeschwerter Sommertag und eigentlicher Mittelpunkt des Films ist die Stadt Berlin, sind die Menschen, die dem Zwang des Alltags zu entfliehen suchen. So steht am Ende der Ausklang des Sonntags und die Hektik des Alltag, die am Montagmorgen beginnt, wird in den letzten Sekunden des Films gezeigt.
Es ist die Geschichte von fünf Leuten, die zu ersten Mal hinter der Kamera standen. Nach der Beendigung der Dreharbeiten gingen sie alle wieder ihren normalen Berufen nach.
Ein Autokennzeichen ist zu erkennen. Diesen Wagen mit der Nummer IA-10088 fährt der Taxifahrer Erwin Splettstößer (spielt sich wie alle anderen selbst). Seine Freundin Annie Schreyer ist Mannequin. Auch Brigitte Borchert ist ein Kind dieser Stadt. Die junge Frau arbeitet im Schallplattengeschäft Electrola und hat in diesem Monat schon 150 Mal die Platte "In einer kleinen Konditorei" verkauft.
Christl Ehlers ist Filmkomparsin und hat anscheinend ein Rendezvous, sie wird aber versetzt. Allerdings hat der Weinverkäufer Wolfgang von Waltershausen sie schon eine Zeitlang an der Straße beobachtet. Der junge Mann hat eine vielseitige Berufskarriere hinter sich: Offizier, Landwirt, Antiquar, Eintänzer und zur Zeit eben Reisender in Sachen edler Tropfen. Er spricht die junge Frau an und lädt sie in ein Cafe ein. Dort kommt es zu einer weiteren Verabredung für den nächsten Tag. Um 10 Uhr morgens will man sich am Nikolassee treffen, es ist perfektes Ausflugswetter. Wolfgang überredet am Samstag Abend bei einem Skatspiel seinen Freund Erwin zum Mitkommen. Auch Annie willigt ein. Am anderen Morgen ist Annie nicht wachzukriegen, deshalb bricht Erwin schon auf und hinterlässt seiner Freundin eine Nachricht, dass sie unbedingt nachkommen soll. Christl hat ihre Freundin Brigitte mitgebracht. Im Verlauf des fröhlichen Sonntags mit Spaziergängen im Wald, mit Schwimmen, Sonnennbad und kleiner Dampferfahrt im Wannsee verliebt sich Wolf in Brigitte. Dies führt zu Eifersüchteleien unter den Mädels, obwohl Christl Wolf vorher einen Korb gegeben hat. Als die vier am Abend in die Stadt zurückkehren, findet Erwin Annie immer noch im Bett vor. Sie hat den ganzen schönen Sonntag verschlafen. Wolf hat sich mit Brigitte für den nächsten Sonntag verabredet, doch "Am nächsten Sonntag wollten wir doch zusammen zum Fußball gehen" erinnert Erwin den Wolfgang, als sie schon alleine auf dem Heimweg sind. Sie lachen sich verständnisvoll an und teilen die letzte Zigarette miteinander...


 Trotz des Dokustils ist der Film von Edgar G. Ulmer und Robert Siodmak sehr poetisch angehaucht. Die Kamera-Arbeit machte Eugen Schüfftan und schuf grandiose Bilder mit atmosphärischem Kolorit. Die Bilder sind aus heutiger Sicht nicht nur nostalgisch interessant - immer noch haften an diesen landschaftlich reizvollen Bildkompositionen eine überraschende Lebendigkeit. So sehr sich die Protagonisten auch bemühen aus dem Alltagstrott hinauszukommen - sie finden ihre Freiheiten nur begrenzt.
Das Drehbuch des Films schrieb der junge Billly Wilder gemeinsam mit Curt Siodmak.
Die DVD von Zyx ist interessanterweise mit zwei Audiospuren versehen. Die eine ist die klassische Version, die zweite beinhaltet eine musikalische Untermalung von 2005 durch den Schlagwerker Steven Garling aus Berlin. Er ist nunmehr seit zwölf Jahren hauptsächlich mit Stummfilmen unterwegs und sein Repertoire zählt mehr als 500 Filme, die er bereits begleitet hat. Für viele scheint es unvorstellbar, dass ein Schlagzeug das gute alte Stummfilmklavier, dass man erwartet, ersetzen kann. Aber das Experiment ist auf ganzer Linie geglückt. Der virtuose Musiker ordnet sich sensibel, zurückhaltend und temperamtvoll dem Film unter.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Rosen für den Staatsanwalt

























Regie: Wolfgang Staudte

Ein zum Tode Verurteilter kommt zurück...

"Rosen für den Staatsanwalt" von Wolfgang Staudte gehört sicherlich zu den besten deutschen Spielfilmen der Wirtschaftswunderzeit. Auch wenn man die bissige Satire vielleicht dafür kritisieren kann, dass der Staatsanwalt Dr. Schramm von Martin Held gelegentlich sehr überzogen dargestellt wird und seine Figur karikaturistische und parodistische Züge annimmt. Dies mag die Brisanz des Stoffes etwas weniger markant ausfallen lassen - gelungen ist Vergangenheitsverdrängung aber allemal.
Erzählt wird am Anfang eine kleine Randnotiz aus dem letzten Tagen des 2. Weltkriegs. Dort wird gegen den Soldaten Rudi Kleinschmidt (Walter Giller) wegen des Diebstahls von zwei Tafeln Fliegerschokolade das Todesurteil ausgesprochen. Kriegsgerichtsrat Dr. Schramm (Martin Held) ist da unerbittlich, denn die Handlung war ja schließlich "Wehrkraftzersetzung". Ein Fliegerangriff der Alliierten verhindert die Ausführung dieses Urteils und so entkommt Kleinschmidt. Jahre später erzählt Rudi Kleinschmidt, inzwischen Straßenhändler von Trickspielkarten oder Krawatten, immer noch von seinem großen damaligen Glück, das unterschriebene Todesurteil durch Schramm hat er als Erinnerungsstück behalten. Jahre später kommt es aber zu einem erneuten Treffen der Männer, da Kleinschmidt in die Heimatstadt von Schramm reist. Er kennt dort die inzwischen zur Pensionsbesitzerin aufgestiegene Lissy Flemming (Ingrid van Bergen), mit der er damals eine Liason hatte und die ihn wieder bei sich aufnimmt. Als Rudi eines Tages seine Spielkarten auf der Straße anpreist, kommt es zum Wiedersehen der beiden Männer. Schramm ist in der jungen Bundesrepublik Oberstaatsanwalt geworden. Er hat sich erfolgreich in den Justizdienst katapultiert, nachdem er bei der Entnazifizierung seine Rolle als Militärjurist des NS-Regimes verschwiegen hat.
Zuhause bei seiner Frau Hildegard (Camilla Spira) und seinem Stiefsohn Werner (Roland Kaiser) herrscht er immer noch autoritär und schwärmt von der guten alten Zeit. Verstohlen kauft er am Zeitungstand auch seine geliebte "Deutsche Soldatenzeitung" - Schramm ist ein unbelehrbarer gefährlicher Schreibtischtäter. Dies wird auch bald klar als eines Morgens ein Strauß weißer Rosen zugestellt wird. Diese Blumen stammen von der Frau des Studienrates Zirngiebel, der wegen antisemitischer Äusserungen angeklagt werden sollte, aber Schramm der Meinung war, dass Deutsche zusammenhalten müssen, da wegen "sowas" gar keine Anklage erhoben werden dürfte. So hielt er den Haftbefehl eine Zeit zurück, die dem Zirngiebel die Flucht ermöglichte.
Zuerst studiert Schramm wer dieser Straßenkäufer ist, der ihm so bekannt vorkommt. Dann erinnert er sich an seine unrühmliche Schandtat, die er eifrig verdrängt hat. So versucht Schramm nun auf dem Dienstweg - ganz heimlich - den Mann aus seiner Vergangenheit durch Schikanen aus der Stadt zu vertreiben. Doch dieser schlägt irgendwann aus Verzweiflung zurück...


 Sehr gut gezeichnet ist das Verhalten des braven deutsches Bürgers - im Film wird dies am Beispiel von drei Menschen dieser Stadt gezeigt, die die Geschichte von Kleinschmidt hören und darüber zuerst richtig empört sind. Man könnte jetzt glauben, dass mit Hilfe dieser Männer es gelingen könnte den Staatsanwalt Dr. Schramm zu entlarven...doch so einfach ist es nicht. Am Tag danach suchen diese Männer ihren eigenen Vorteil aus der Sache zu schlagen, in einem anderen Fall entscheiden sie sich für das Schweigen.
Im Kleid der unterhaltsamen Komödie ist es Wolfgang Staudte vortrefflich geglückt bittere Wahrheiten zu platzieren. Auch das Spiel der Hauptdarsteller Martin Held und Walter Giller ist bemerkenswert. In Nebenrollen wirken bekannte Mimen wie Ralf Wolter, Werner Peters, Wolfgang Neuss, Wolfgang Müller und Inge Meysel.

Bewertung. 9 von 10 Punkten.