Freitag, 18. Mai 2018

Engel der Gejagten

























Regie: Fritz Lang

Die verrufene Ranch...

Fritz Lang hat in den USA drei Western gedreht. Nach "Rache für Jesse James" und "Überfall der Ogalalla", die er in den frühen 40er Jahren drehte, dauerte es mehr als 10 Jahre bis zum dritten Genrebeitrag, der durch die Hauptrolle von Marlene Dietrich deutlich aus dem Rahmen der üblichen Wild-West Storys fiel. Zuerst sollte der Film - angelehnt an das populäre Roulette Spiel in den amerikanischen Saloons - "Chuck-a-Luck" heißen, doch Howard Hughes, der Chef der RKO, entschied sich am Ende für die verrufene Ranch: Rancho Notorious, in Deutschland erhielt der 1952 entstandene Western den Titel "Engel der Gejagten". Für die Diva und Weltstar Marlene Dietrich war es auch nicht der erste Western, denn bereits 1939 arbeitete sie in "Destry rides again" (Der große Bluff) in einem Westernsaloon als Hure. Und auch 13 Jahre später ist sie immer noch die Frau, die die Männer nach ihrer Pfeife tanzen lässt. Eine Szene bleibt besonders in Erinnerung: Eine Art Pferderennen im Saloon ausgetragen, bei dem die Männer die Gäule sein müsen und die Frauen auf ihnen ins Ziel reiten müssen. Das Siegergespann bekommt einen Preis. Und Fritz Lang fand vor allem das Motiv interessant ein Pärchen zu zeigen, die sich gefunden haben und die in die Jahre gekommen sind. Ihren Lebensunterhalt verdienen die Barsängerin (Marlene Dietrich) und der Revolverheld an ihrer Seite (Mel Ferrer) damit, dass sie Outlaws Schutz vor dem Zugriff durch die Gesetzeshüter auf ihrer Ranch bieten. Natürlich nur gegen gute Bezahlung. 10 % von der Beute kassiert die Chefin.
Doch bevor der Zuschauer die verrufene Ranch zu Gesicht bekommt, geschieht ein grausames Verbrechen in einer Kleinstadt. Zwei Banditen rauben einen Krämerladen aus und vergewaltigen und ermorden Beth Forbes (Gloria Henry), das Mädchen, das im Laden arbeitet und mit dem Cowboy Vern Haskell (Arthur Kennedy) verlobt ist. Die Täter flüchten, Verns Verlobungsgeschenk - eine wertvolle Brosche - haben sie als Trophäe mitgenommen.
Der Cowboy nimmt die Verfolgung auf und sinnt auf Rache. Unterwegs entdeckt er einen der beiden Männer, der vom anderen niedergeschossen wurde. Seine letzten Worte sind "Chuck-a-luck", was Vern schließlich auf die Spur des Glücksspiels und damit auch auf die Ranch der Prostituierten Cora Kean führt. Er freundet sich voher mit Frenchy Fairmonts (Mel Ferrer) an, der im Knast sitzt, weil er für seine Cora ein Parfüm klauen wollte. Ausserdem lässt er sich in der gleichen Zelle einsperren und durch Zufall können die beiden Männer schnell entkommen. Der Weg führt natürlich auf die Ranch und zu Cora, die bald auch eine gewisse Sympathie für den jungen Vern empfindet...



"Engel der Gejagten" wurde im satten Technicolor gedreht, es ist aber auch ein Studiofilm der alten Garde und oftmals sind die Wildwestaufnahmen als Studiokulissen erkennbar. 
Marlene Dietrichs Rollentypus als starke Frau des Westens mit einer tragischen Vergangenheit hat ein paar Jahre später Nicholas Ray in seinem Klassiker "Johnny Guitar" mit der Figur von Joan Crawfords "Vienna" perfektioniert. Und er lässt dabei auch seine Heldin am Leben - dieses Glück hat Marlene bei Fritz Lang leider nicht. Denn sie wird tödlich verletzt, als sie sich schützend vor ihren alten Lover Frenchy stellt. Die Bande, die sich am Ende gegen ihre Wohltäter stellen, die ihnen Unterschlupf gaben, erinnert ein bisschen an die Mabuse Bande aus Fritz Langs Stummfilmen. Noch vor "Zwölf Uhr Mittags" gedreht, der einen Song "Do  not forsake me, oh my darling" als Leitmotiv anbot, nimmt das Lied "The Legend of Chuck-a-Luck" einen hohen Stellenwert in der Dramatugie des Films ein. Sänger des Songs war William Lee. Auch Marlene Dietrich durfte singen - "Gipysy" Davey" und "Get away, young man". Obwohl seine Stummfilme und seine Noirs bei den Cineasten viel höher geschätzt werden, schaffte es Lang alle drei Ausflüge in den Wilden Westen zu Klassikern zu machen.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Dienstag, 15. Mai 2018

Schweigen ist Gold

























Regie: Rene Clair

Von den Anfängen des Films...

Der am 11. November 1898 geborene Rene Chomette war zunächst Journalist und träumte vom literarischen Ruhm. Das Kino interessierte ihn aber auch und so wählte er den Namen "Rene Clair" als Pseudonym, um seinen Manen für die zukünftige Schriftstellerkarriere nicht zu vermasseln. Als Schauspieler fing er dann beim neuen Medium an und drehte als ersten eigenen Film im Alter von 25 Jahren "Paris qui dort" (Paris schläft). Großen Erfolg feierte 1928 mit "Der Florentiner Hut" und fand damit auch seinen Stil einer beschwingten, tänzerisch-musikalischen Komödie. Sein erster Tonfilm "Unter den Dächern von Paris" wurde ein riesiger Erfolg und gilt auch heute noch als einer der großen Klassiker des frühen europäischen Tonfilms. Nach dem Mißerfolg seines sozialkritischen Film "Der letzte Milliardär" ging er aber verbittert nach England und drehte dort seine Filme. Während der Kriegsjahre war er Emmigrant und arbeitete in Hollywood. Dort entstanden Klassiker wie "Meine Frau, die Hexe", "Es geschah Morgen" und "Das letzte Wochende". Nach 1945 ging er zurück in die Heimat, wo ihm mit "Schweigen ist Gold" ein glänzendes Comeback gelang.
Die Geschichte in in Paris um die Jahrhundertwende angesiedelt und ist auch eine sehr schöne Hommage an die Pioniere des französischen Films.
Der alternde Frauenheld Emile (Maurice Chevalier) lebt in dieser Zeit der Belle Epoque. Der Film ist im Kommen und einige Wagemutige sind begeistert davon ihre kleinen Geschichten auf Zelluloid zu bannen. Emile ist einer dieser ersten Filmregisseure. Die Crew ist wie eine Familie, man ist mit Herzblut dabei. Sein Assistent ist sein Adoptivsohn Jacquet Francet (Francois Perier), der nicht so leicht wie Emile mit dem anderen Geschlecht flirten kann. Er ist irgendwie schüchtern und nimmt gerne die Ratschläge seines Adoptivvaters an, der einen Schlag bei den Frauen hat. Eines Tages wird Emile von dem Theaterschauspieler Celestin (Roland Armotel) gebeten, auf dessen Tochter Madeleine (Marcelle Derien) eine Zeit aufzupassen. Emile kann die Bitte nicht abschlagen, denn die Mutter von Madeleine war seine große Liebe, die er leider an Celestin verlor. So ist er nun der Aufpasser eines sehr attraktiven jungen Mädchens, die im sündigen Paris vor den großen Gefahren beschützt werden soll. Doch es kommt anders: Emile verguckt sich seinen Schützling und lebt extrem auf. Und auch Jacques gelingt es das Mädchen in der Straßenbahn anzusprechen. Die beiden jungen Leute verlieben sich. Er weiß natürlich noch nicht, dass es sich bei seinem Schwarm um den Schützling seines Adoptivvaters handelt und beide sind sogar die Hauptakteure in Emiles Film, der gedreht wird. Am Ende kommt Emile zur Erkenntnis, dass die beiden Liebenden ein HappyEnd verdient haben....



Nach seiner Rückkehr aus dem Exil kommt Clair dort anknüpfen, wo er Anfang der 30er aufgehört hatte. Seine Stärke war die liebenswürdige und leichte, komödienhafte Schilderung aus dem Alltag einfacher Menschen. Für den berühmten Maurice Chevalier wurde die Hauptrolle ebenfalls zum Erfolg. Er wurde nach dem Krieg von vielen Franzosen als "Kollaborateur" angesehen und bekam keine Filmrollen mehr. Chevalier wurde vorgeworfen, dass er während der deutschen Besatzungszeit auch bei deutschen Soldaten aufgetreten ist. Ganz böse Zungen nannten ihn zu dieser Zeit "Herr Moritz Reiter" - die deutsche Übersetzung seines französischen Namens. Clairs Faible für die Burleske ist auch hier in "Schweigen ist Gold" deutlich sichtbar. Trotz der Zeit in Hollywood gelang ihm hier in seinem Comeback ein typisch französischer Film mit großer Liebe zum Detail. Zu seiner Zeit waren die Produktionskosten mit 100 Millionen Francs sehr hoch. Vor allem Romantiker und auch Nostalgiker kommen hier total auf ihre Kosten


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Der eiserne Kragen

























Regie: R.G. Springsteen

Gemeinsam in Ketten...

"Der eiserne Kragen" ist ein eher untypischer Audie Murphy Western, wurde jedoch interessanterweise von R.G. Springsteen, einen ausgesprochenen B-Western Routinier inszeniert. Der Mann begann bereits in den 20er Jahren in Hollywood zu arbeiten und stieg im Jahr 1936 als Regieassistent auf. Nach Ende des 2. Weltkriegs erschienen seine ersten Regiearbeiten und er konnte sich im Bereich des B-Pictures etablieren. Bis zu seinem Karriereende Ende der 60er Jahre blieb er dem Westerngenre treu. Er konzentrierte sich aber im Laufe seiner aktiven Zeit auf TV-Serien und wurde sehr oft als Regisseur für die populären Serien "Bonanza" und "Rauchende Colts" verpflichtet. Mit der DVD-Veröffentlichung von "Der eiserne Kragen" wird zwar kein verschollenes Meisterwerk präsentiert, aber in weiten Teilen ist der Film richtig gut und interessant. Leider vermasseln es die Macher im Schlußdrittel ein bisschen, indem Estelle, die Femme Fatale des Films, eine eher unglaubwürdige Wandlung vom Biest zur herzensguten, vom Schicksal gebeutelten jungen Frau durchmacht, die nur auf den richtigen Kerl wartet,. Und das kann natürlich nur Audie Murphy sein.
Auch Murphy ist in diesem Film etwas unterschiedlich gezeichnet als sonst. Er ist nicht der schießwütige Revolverheld, sondern eher der besonnene Mann und der treue Freund seines sehr unzuverlässigen Partners.
Die Geschichte erzählt von der Freundschaft zweier Cowboys, die schon eine lange Zeit zusammen unterwegs sind. Sie erleben einerseits Abenteuer im Wilden Westen, aber wenn sie Geld brauchen, dann arbeiten sie eine Zeitlang auf einer Ranch und ziehen wieder weiter. Chris Foster (Audie Murphy) ist unbebunden, doch sein Freund Bert Pickett (Charles Drake) hat irgendwann seine Freundin Estelle (Kathleen Crowley) im Stich gelassen und sich für das Wanderleben entschieden. Er trägt aber sein schlechtes Gewissen mit sich und will seiner Verflossenen immer mal wieder etwas Geld nach Hause schicken, doch seine Spielsucht macht ihm jedes Mal einen Strich durch die Rechnung. Die beiden kommen in eine kleine Westernstadt. Schon bei ihrer Ankunft bemerken sie eine Besonderheit des Kaffs: Es gibt dort kein Gefängnis. Die Verbrecher werden in der Mitte eines Platzes an einen Pfahl gekettet, und zwar mit einer Metallschlinge um den Hals, einem eisernen Kragen also. Als Bert im betrunkenen Zustand beim Pokerspiel eine Schlägerei anzettelt und Chris ihm zur Hilfe kommt, werden sie vom Sheriff ebenfalls an den ominösen Pfahl gekettet. Dort ist auch der gefürchtete Bandit LaValle (Harold J. Stone) mitsamt seinen Kumpanen in Ketten gelegt. Doch dieser denkt nicht daran sich aufhängen zu lassen. Er zwingt die beiden Freunde, dass sie in der Nacht den Pfahl mit ausgraben. Nun müssen Chris und Bert ebenfalls fliehen, doch Bert hat bei der Schießerei zwischen Gesetzeshütern und Gangstern, noch die Möglichkeit, Wertpapiere der Bank in Höhe von 12.000 Dollar mitgehen zu lassen. Um nicht von den Banditen erschossen zu werden, bietet Bert LaValle die Papiere an und verpflichtet sich alleine in eine Stadt zu reiten und mit dem Geld wiederzukommen. Doch Bert hat einen schwachen Charakter...



Dadurch macht Chris irgendwann im Lauf der Geschichte die Bekanntschaft mit Berts Ex-Verlobten Estelle. "Der eiserne Kragen" aus dem Jahr 1963 ist interessanterweise in Schwarz-Weiß gedreht, was dem Film eine gute Atmosphäre verleiht und in der Laufzeit von knapp 76 Minuten passiert auch sehr viel. Der Westernfan kann sich auf einen unbekannten B-Film freuen, der wendungsreich von Freundschaft, von Treue und von der Macht des Geldes erzählt. Tatsächlich ist der Film in der ersten Hälfte sehr stark und lässt dann durch einige Unglaubwürdigkeiten etwas nach. Dennoch kann man diesen durch viele gute Einfälle genießen. Vor allem die Idee mit den Angeketteten am Pfahl im ersten Akt des Films hat viel Potential. Denn hier so dicht beieinander entsteht die Konstellation, die Cowboys mit Banditen auf engem Raum zusammenbringt und sie schicksalhaft aneinander binden wird.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 8. Mai 2018

Die Schwindler

























Regie: Federico Fellini

Betrüger auf Tour...

Zwischen seinen beiden großen Meisterwerken "La Strada" (1954) und "Die Nächte der Cabiria" (1957) drehte Federico Fellini mit "Die Schwindler" (Original: Il Bidone) einen weiteren Film über den tristen Alltag in Italien nach dem 2. Weltkrieg - dabei gab er aber den poetischen Realismus und die extravagante Vitalität der beiden anderen Filme auf - zugunsten einer etwas poliitischeren Aussage. "Die Schwindler" - selbst Verlierer der Gesellschaft ziehen vor allen den Armen das letzte Geld aus der Tasche. Ein echter Teufelskreis wird hier beschrieben, doch der 1955 entstandene Film wählt für diese Aussage das Krimigenre aus.
Natürlich ist "Die Schwindler" weit davon entfernt ein echtes Fellini Meisterwerk zu sein, aber einen großartigen Filmemacher gelingen natürlich dennoch einige großartige Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Für die Hauptrollen wählte der Regisseur populäre Hollywood-Schauspieler aus. Für die Rolle des Betrügers Augusto wollte er zuerst Humphrey Bogart, doch der war bereits an Krebs erkrankt und als Fellini das Filmplakat von "Der Mann, der herrschen wollte" sah, verpflichtete er den Hauptdarsteller Broderick Crawford. Für seine darstellerische Leistung in Robert Rossens Politfilm gewann der Schauspieler im Jahr 1950 sowohl den Oscar als auch den Golden Globe Award. Broderick war aber auch nicht einfach, denn er hatte ein Alkoholproblem. Richard Basehart spielte bereits in "La Strada" den Artisten Matto, der sich in Gelsomina verliebt und später im Streit mit Zampano sein Leben lässt. Auch er ist einer der Schwindler. Der italienische Darsteller Franco Fabrizi komplettiert das gerissene Betrügertrio.
Sie fahren durchs Land, um arme Bauern zu betrügen. Die Masche funktioniert meistens, weil sie gut durchdacht ist und mit der Gier der Leute spielt. Verkleidet sind Augusto (Broderick Crawford) und Carlo (Richard Basehart), der "Picasso" genannt wird als geistliche Würdenträger, der blonde Roberto (Franco Fabrizi) ist der Chauffeur, der den Wagen fährt. Dort bei den Bauern lesen die Gauner den letzten Willen eines verstorbenen Verbrechers vor. Eine Leiche soll dort auf dem Land der Bauern in ungeweihter Erde verscharrt worden sein und auch ein wertvoller Schatz. Der letzte Wille des Mörders: Grabt den Toten aus, die Kirche soll ihn richtig bestatten und einige Messen lesen. Dem Bauern, der das Land gehört, soll aber der wertvolle Schatz gehören. Um den zu bekommen, müssen sie aber den Geistlichen Geld für das lesen der Messen mitgeben. Das funktioniert meistens und die drei Ganoven kennen keine Skrupel, obwohl sie selbst zu dieser ärmeren Klasse gehören. Carlos Frau (Giulietta Masina) ahnt, dass ihr Mann in kriminelle Geschäfte verstrickt ist, doch sie haben ein Kind und wollen natürlich so gut es geht leben. Augusto trifft auf der Straße seine Tochter Patrizia (Lorella de Luka), die er lange Zeit nicht mehr gesehen hat. In dieser Szene bemerkt der Zuschauer auch das Schicksal des alternden, ausgebufften Gauner. Seine Ehe wohl zerrüttet. Er verabredet sich mit der Tochter im Kino, wird aber von einem seiner Opfer erkannt und wandert ins Gefängnis. Als er entlassen wird setzt er seine Betrügergeschäfte mit anderen Typen fort. Auf einem der Bauernhöfe trifft er auf ein gelähmtes Mädchen. Erstmals bekommt er Skrupel das Geld dieser Familie zu stehlen...



Dieses Mädchen bittet den vermeintlichen Bischof um den Segen. Er lässt ihr das Geld und wird am Ende der Geschichte von seinen Kumpanen brutal zusammengeschlagen. Er stirbt den einsamen, qualvollen Tod, dem seine erste gute Tat seit langem zum Verhängnis wird. Eine sehr tragische und effektive Schlußszene. Sehr gut ist auch die Partyszene gelungen, in der Roberto einem weiblichen Partygast das goldene Feuerzeug entwendet und beim Aufbruch nach Hause vom Gastgeber gehindert wird. Er solle zuerst das aus Versehen eingesteckte Feuerzeug rausrücken.
In Italien startete "Die Schwindler" bereits 1955 in den Kinos, in Deutschland allerdings erst zwei Jahre später. Die damaligen Kritiken waren aber nicht gut, auch der Erfolg an der Kasse war für die Geschichte von einem Mann, der vom Saulus zum Paulus wird,  nur gering.
Stilistisch ist der Film ein Vertreter des Neorealismus mit sozialchristischen und christlichen Verweisen und die Schauspielerleistungen sind allesamt sehr gut. Durch einige starke Szenen, die sehr Fellini-Typisch sind, ist "Die Schwindler" dennoch ein überdurchschnittlich guter Film. 






Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 2. Mai 2018

Die Stunde des Wolfs
























Regie: Ingmar Bergman

Dämonen...


Filmfreunde werden in Ingmar Bergmans 1968 gedrehten Horrorfilm "Die Stunde des Wolfs" Parallelen zu Roman Polanskis "Der Mieter" finden und auch mit Alain Resnais kryptischen "Letztes Jahr in Marienbad" gibt es Ähnlichkeiten. Genau wie "Der Mieter" wird ein pychisch angeschlagener Mann mit einer Gruppe von anderen Menschen konfrontiert, von denen er glaubt, dass die ihm Böses wollen. Die rätselhaften Schwarz-Weiß Bilder von Sven Nykist, der Kamerachef in "Die Stunde des Wolfs" war, verfängt sich ebenfalls wie Sacha Viernys Bildkompositionen in stimmungsvollen Details. Besonders die Sequenz auf dem Anwesen von Baron von Merkens erinnert an dessen kamerafahrten durch die Räume im barocken Dekor.
Thematisch gehört "Die stunde des Wolfs" neben den etwas später gedrehten "Schande" und "Passion" zu der sogenannten Fårö-Trilogie, die beiden Schauspieler Max von Sydow und Liv Ullmann sind die Gesichter dieses düsteren Films.
Eingerahmt durch den Bericht von Alma (Liv Ullmann) wird der Zuschauer auf die Geschichte eingestimmt. Sie spricht dabei das Publikum an und erzählt von dem sonderbaren Verschwinden ihres Mannes, des Malers Johan Borg (Max von Sydow) und eröffnet so auch einen Rückblick auf die Ereignisse. Alma schildert ihre Erlebnisse und wird dann später auch noch einen Einblick in die Tagebücher ihres Mannes geben. Der besucht gemeinsam mit seiner Frau Alma immer wieder die Ruhe und Abgeschiedenheit auf der kleinen Insel Baltrum. Dort hat er bisher immer die Ruhe gefunden, die er zum malen braucht.
Doch wie ist sein seelischer Zustand ? Alma ist ratlos, denn ihr Mann ist tagsüber alleine auf der Insel unterwegs und am Abend, wenn er nach Hause kommt, erzählt er ihr sonderbare Dinge über Menschen, die er kennengelernt hat. Einen Homosexuellen, der ihm nachstellt - eine alte Frau mit Hut - und der gefährlichste von allen, dem Vogelmenschen. Johan glaubt, dass diese Menschen in Wirklichkeit Dämonen sind und ihm nach dem Leben trachten. Und tatsächlich macht auch Alma eines Tages Bekanntschaft mit dieser alten Frau mit Hut, die ihm anrät, dass sie doch die unter dem Bett versteckten Tagebücher des Mannes lesen soll. Immer mehr dieser ominösen Gestalten nehmen Kontakt mit Johan auf, auch seine frühere Geliebte Veronica Vogler (Ingrid Thulin) erscheint Johan. Ist das Traum ? Ist es Einbildung ? Oder erlebt er es tatsächlich ? Jedenfalls wird er eines Tages von Baron von Merkens (Erland Josephson) eingeladen, der am anderen Ende der Insel auf seinem Schloß lebt. Er soll auch Alma mitbringen. Dort finden sie eine surreale Gesellschaft vor, auch die Frau des Barons (Gertrud Fridh) und dessen Mutter (Gudrun Brost) wirken äusserst seltsam. Nachdem Johan und Alma die Burg verlassen, gesteht sie ihm ihre Angst ihn an Dämonen zu verlieren, aber auch ihren Willen nicht so schnell aufzugeben.
Doch diese Unterstützung für ihren Ehemann ist alles andere als leicht, denn der leidet zunehmend unter Schlaflosigkeit und hofft, dass die Frau mit ihm wach bleiben kann. Er erinnert dabei an die "Stunde des Wolfs" - die Zeit ab 4 Uhr Morgens, wo die meisten Menschen sterben und auch geboren werden. Die Visionen werden auch immer stärker und gewalttätiger - so wird Johan am Strand mit einem Jungen konfrontiert, der ihn versucht zu beißen und zu peinigen. Aus Notwehr tötet er das Kind. Alma ist immer mehr schockiert von Johans Geständnissen.  Dann werden sie erneut ins Schloß eingeladen. Der Bote überbringt diese Einladung persönlich und legt eine Pistole auf den Tisch. Dann gerät das Ehepaar in Streit, ein Schuß fällt...





In einem erläuternden Satz meint Alma "Wenn Paare lange genug zusammen sind, dann werden sie sich immer ähnlicher. Kann es auch sein, dass die Gedankenwelt immer mehr Eins wird ?" - damit spielt sie darauf an, dass sie selbst auch diese Erscheinung der alten Frau hatte. "Die Stunde des Wolfs" ist ein echter Alptraumfilm - ähnlich wie Polanskis "Der Mieter" und wie dieser lässt er auch vieles offen. Der Zuschauer nimmt aber großen Anteil an der Schlaflosigkeit des Künstlers auf dieser einsamen Insel. Die Bilder drücken zusätzlich eine enorme Schwere aus. Jedesmal wenn er auf einer Felsenklippe seine Staffelei auspackt, wird er schon mit diesen dämonischen Gestalten konfrontiert - sie lassen ihn nicht mehr los. Bergman inszenierte in nüchternen Bildern, es herrscht ein gewisser Neo-Realismus vor. Es ist ein Film über die Macht der Suggestion und vieles bleibt vage. Aber die Phantasie wird angeregt, denn die Schloßbewohner haben Ähnlichkeiten mit untoten Nachtgestalten inkl. vampiristischen Gelüsten. In einer Schlüsselszene wird der Künstler dadurch gedemütigt, dass er wie eine Frau geschminkt, von seiner Exgeliebten, die sich dann ebenfalls im Schloß aufhält, verspottet wird. In solchen Szenen hat man das Gefühl, dass es doch die zerstörerischen Kräfte in Johans Inneren sind, die diesen Horror hervorrufen. Aber man darf sich auch da nicht zu sicher sein.






Bewertung: 9 von 10 Punkten.