Montag, 28. Mai 2018

Ich war eine männliche Kriegsbraut

























Regie: Howard Hawks

Screwball in Nachkriegsdeutschland...

Howard Hawks teilte in seiner aktiven Zeit als Filmregisseur das gleiche Schicksal wie Alfred Hitchcock. Die Kritiker stempelten ihn als viel zu kommerziellen Regisseur ab und daher wurde er bei den Oscar-Nominierungen auch nur einmal in der Kategorie "Bester Regisseur" berücksichtigt, dies gelang ihm 1942 mit dem patriotischen Epos "Sergeant York". Erst nachdem ihm in den 60er Jahren wichtige Vertreter der Nouvelle Vague als großen amerikanischen Filmemacher den größten Respekt zollten, verschwand nach und nach der Vorwurf, dass er lediglich ein begnadeter Handwerker in seinem Metier sei. Jean Luc Godard bezeichnete Hawks sgoar als den größten amerikanischen Künstler. Ein Blick auf die abwechslungsreiche Filmographie von Hawks beweist dies auch eindrücklich: Er schuf in seiner aktiven Zeit von beinahe 50 Jahren großartige und unsterbliche kinoklassiker wie "Tote schlafen fest", "Haben und Nichthaben", "Red River", "Rio Bravo", "SOS - Feuer an Bord" oder "Das Ding aus der anderen Welt". Aber nicht nur im Action- und Westernfach schuf er Film-Evergreens, er verstand sich auch als exzellenter Macher von Komödie. Die bekanntesten sind sicherlich "Leoparden küßt man nicht", "Sein Mädchen für besondere Fälle" oder "Blondinen bevorzugt". Im Jahr 1949 arbeitete in diesem Genre einmal mehr mit Cary Grant zusammen und aus dem Tatsachenbericht eines gewissen Henri Rochard, einem Belgier, entstand der Film "Ich war eine männliche Kriegsbraut". Das Abenteuer des Belgiers erschien als Zeitungsbericht und war so sonderbar, dass eine Verfilmung zwingend logisch erschien. Und wer wenn nicht der exzellente Komödiant Cary Grant konnte es sich erlauben als eine Art Charleys Tante gegen Ende des Films in Frauenklamotten aufzutreten und als "Flora" für diverse Lacher zu sorgen.
Wie kam es aber zu dieser Verkleidung ? Alles nur wegen der Überdosis an Bürokratie, die es erfordert in die USA einzureisen und auch dort zu bleiben.
Aber der Reihe nach: Der Franzose Henri Clochard (für die Amis wurde aus dem Belgier eine Franzose, vermutlich deshalb, weil der Durchschnittsami auch nur 5 europäische Länder kennt) ist Armeehauptmann im besetzten Nachkriegsdeutschland.  Er kommt nach Heidelberg, denn er hat einen schwierigen Auftrag bekommen, bei dem ihm der amerikanische Leutnant Catherine Gates (Ann Sheridan) als Fahrer zugeteilt wird. Mit dieser Frau hatte er schon einmal einen Auftrag und das Miteinander lief irgendwie mächtig aus dem Ruder nach dem Motto "Was sich liebt, das neckt sich". Nun fahren die beiden - sie fährt das Motorrad und er muss im Seitenwagen sitzen mit dem Ziel Bad Nauheim. Unterwegs zanken sie sich wieder, aber es gibt ein Happyend, in dem beide ihre Liebe erkennen und so wird auch geheiratet. Doch das ist erst der Anfang der Geschichte.
Bevor die beiden in den USA ein gemeinsames Leben glücklich verbringen können, steht die Hürde "Einreise" im Weg. Obwohl verheiratet gibt es keine Möglichkeit, dass ein mit einer US-Bürgerin verheirateter ausländischer Mann so einfach in die Staaten reisen kann. Es gibt da allerdings ein Gesetz, dass es mit viel Formular immerhin erlaubt ausländischen Ehefrauen von amerikanischen Soldaten, "Kriegsbräute" genannt, die Einreise zu ermöglichen. Was bleibt da Henri anderes möglich, als sich als Frau zu verkleiden, damit er ohne Probleme aufs Schiff kommt...



Hawks hat natürlich das perfekte Gespür für das Timing einer solchen Geschichte und er erzählt sie als Screwball-Comedy, bei der die Frau den starken Part hat und ihren Henri sowohl beim Auftrag hilft und auch beim Kampf mit der Bürokratie die zündende Idee hat. Cary Grant und Ann Sheridan haben das Talent, dass der anfängliche Geschlechterkampf total zum Lachen ist und der Film richtig kurzweilig bleibt. Etwas besonderes ist auch der Schauplatz Nachkriegsdeutschland, gedreht wurde an Originalschauplätzen Heidelberg, Mannheim, Frankfurt und und und. Da Hawks nicht ganz so zufrieden war mit den Dialogen aus dem Drehbuch. ließ er Sheridan und Grant sehr oft improvisieren, das gibt dem Film tatsächlich sehr viel Esprit und Unterhaltung.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

In die Falle gelockt

























Regie: William Wyler

Der Westerner....

Roy Bean, der selbsternannte Richter, der seine Verhandlungen in seinem eigenen Saloon "The Jersey Lilly" abhielt und nahe vom Pecos in Texas lebte - er gehört zu den legendären Gestalten dieser Zeit. Zweimal wurde seine Geschichte verfilmt. 1972 spielte Paul Newman den umstrittenen Mann des Gesetzes in  John Hustons "Das war Roy Bean", aber bereits 1940 gab es ebenfalls eine sehr erfolgreiche Kinoversion durch den aus dem elsässischen Mülhausen stammenden Weltklasseregisseur William Wyler.  In Deutschland bekam der Film den Verleihtitel "In die Falle gelockt" - der Originalfilm heißt "The Westerner" und Wyler geht im Gegensatz zu Huston ein bisschen anders vor, der Roy Bean als Hauptfigur offeriert. In "The Westerner" wird der Richter von Walter Brennan gespielt - dieser legendäre Nebendarsteller, der dreimal den Oscar erhielt und damit gleichauf mit Jack Nicholson und Daniel Day Lewis an der Spitze der Schauspieler mit den meisten gewonnen Academy Awards steht.  Für "The Westerner" bekam er diese Auszeichnung - allerdings wie bereits angedeutet als bester Nebendarsteller. Siegreich war Brennan auch 1937 für Howard Hawks "Nimm was du kriegen kannst" und den Erfolg wiederholte er zwei Jahre später in "Die goldene Peitsche" von David Butler.
Schon in sehr frühen Jahren wurde Walter Brennan gerne als "kauziger Alter" - vor allem im Western - eingesetzt. Wyler stellte ihm aber den Superstar Gary Cooper zur Seite, der als herumziehender Cowboy Cole Hardin gleich am Anfang der Story sehr unschön die Bekanntschaft des Richters macht. Roy Bean lässt jeden Pferdedieb sofort aufhängen und genau das wirft man dem Fremden vor. Der bemerkt auch gleich während der Gerichtsverhandlung, dass das Urteil eigentlich schon gefällt scheint, aber die Farmerin Jane Ellen Matthews (Doris Davenport) verteidigt ihn. Die Farmer, die sich hier niederließen und Mais anbauen wollen, sind für die Viehrancher ein Dorn im Auge und die haben mit Roy Bean einen Gesetzesmann an ihrer Spitze, der es zulässt, dass die Farmer immer wieder mit Gewalt und Aggression konfrontiert werden - man will sie so zur Aufgabe zwingen. Obwohl der wahre Pferdedieb ermittelt wird, rettet Coles glühendes Statement für die Sängerin Lillie Langtry (Lilian Bond) das Leben. Ausserdem erwähnt Cole, dass er eine Haarsträhne von der Frau besitzt und dies stimmt den Richter, der von sich behauptet der größte Langtry Fan zu sein, milde. Es kommt vorübergehend sogar dazu, dass beide ziemlich beste Freunde werden. Doch der Richter spielt falsch und am Ende kommt es zur Konfrontation der beiden Männer...



Walter Brennan bekam zu Recht seinen Oscar und die Schlußszene des Films ist berühmt geworden. Der Richter hat das ganze Theater von Fort Davis für sich alleine gemietet, da er alle vorhandenen Karten selbst gekauft hat. Endlich ist die Möglichkeit gegeben, dass er sein Idol persönlich kennenlernen könnte. Doch als sich der Vorhang hebt, ist die Überraschung sehr groß.
Auch heute noch überzeugt Wylers Western. Während der Stummfilmzeit drehte der Regisseur viele Western, als der Tonfilm aufkam machte er sich vor allem als Filmemacher einen Namen, der in vielen Genres Meisterwerke abliefern konnte. Erst 1956 ging es wieder in die Richtung. "Lockende Versuchung" war zwar kein echter Western, aber er spielte immerhin schon zur Zeit des Sezessionskrieges und dessen Nachfolgefilm "Weites Land" war dann wieder Wilder Westen in Reinform. "The Westerner" besicht auch die wunderbare Kamera-Arbeit von Gregg Toland und wurde für zwei weitere Academy Awards nominiert: Bestes Szenenbild und beste Originalgeschichte.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 18. Mai 2018

Engel der Gejagten

























Regie: Fritz Lang

Die verrufene Ranch...

Fritz Lang hat in den USA drei Western gedreht. Nach "Rache für Jesse James" und "Überfall der Ogalalla", die er in den frühen 40er Jahren drehte, dauerte es mehr als 10 Jahre bis zum dritten Genrebeitrag, der durch die Hauptrolle von Marlene Dietrich deutlich aus dem Rahmen der üblichen Wild-West Storys fiel. Zuerst sollte der Film - angelehnt an das populäre Roulette Spiel in den amerikanischen Saloons - "Chuck-a-Luck" heißen, doch Howard Hughes, der Chef der RKO, entschied sich am Ende für die verrufene Ranch: Rancho Notorious, in Deutschland erhielt der 1952 entstandene Western den Titel "Engel der Gejagten". Für die Diva und Weltstar Marlene Dietrich war es auch nicht der erste Western, denn bereits 1939 arbeitete sie in "Destry rides again" (Der große Bluff) in einem Westernsaloon als Hure. Und auch 13 Jahre später ist sie immer noch die Frau, die die Männer nach ihrer Pfeife tanzen lässt. Eine Szene bleibt besonders in Erinnerung: Eine Art Pferderennen im Saloon ausgetragen, bei dem die Männer die Gäule sein müsen und die Frauen auf ihnen ins Ziel reiten müssen. Das Siegergespann bekommt einen Preis. Und Fritz Lang fand vor allem das Motiv interessant ein Pärchen zu zeigen, die sich gefunden haben und die in die Jahre gekommen sind. Ihren Lebensunterhalt verdienen die Barsängerin (Marlene Dietrich) und der Revolverheld an ihrer Seite (Mel Ferrer) damit, dass sie Outlaws Schutz vor dem Zugriff durch die Gesetzeshüter auf ihrer Ranch bieten. Natürlich nur gegen gute Bezahlung. 10 % von der Beute kassiert die Chefin.
Doch bevor der Zuschauer die verrufene Ranch zu Gesicht bekommt, geschieht ein grausames Verbrechen in einer Kleinstadt. Zwei Banditen rauben einen Krämerladen aus und vergewaltigen und ermorden Beth Forbes (Gloria Henry), das Mädchen, das im Laden arbeitet und mit dem Cowboy Vern Haskell (Arthur Kennedy) verlobt ist. Die Täter flüchten, Verns Verlobungsgeschenk - eine wertvolle Brosche - haben sie als Trophäe mitgenommen.
Der Cowboy nimmt die Verfolgung auf und sinnt auf Rache. Unterwegs entdeckt er einen der beiden Männer, der vom anderen niedergeschossen wurde. Seine letzten Worte sind "Chuck-a-luck", was Vern schließlich auf die Spur des Glücksspiels und damit auch auf die Ranch der Prostituierten Cora Kean führt. Er freundet sich voher mit Frenchy Fairmonts (Mel Ferrer) an, der im Knast sitzt, weil er für seine Cora ein Parfüm klauen wollte. Ausserdem lässt er sich in der gleichen Zelle einsperren und durch Zufall können die beiden Männer schnell entkommen. Der Weg führt natürlich auf die Ranch und zu Cora, die bald auch eine gewisse Sympathie für den jungen Vern empfindet...



"Engel der Gejagten" wurde im satten Technicolor gedreht, es ist aber auch ein Studiofilm der alten Garde und oftmals sind die Wildwestaufnahmen als Studiokulissen erkennbar. 
Marlene Dietrichs Rollentypus als starke Frau des Westens mit einer tragischen Vergangenheit hat ein paar Jahre später Nicholas Ray in seinem Klassiker "Johnny Guitar" mit der Figur von Joan Crawfords "Vienna" perfektioniert. Und er lässt dabei auch seine Heldin am Leben - dieses Glück hat Marlene bei Fritz Lang leider nicht. Denn sie wird tödlich verletzt, als sie sich schützend vor ihren alten Lover Frenchy stellt. Die Bande, die sich am Ende gegen ihre Wohltäter stellen, die ihnen Unterschlupf gaben, erinnert ein bisschen an die Mabuse Bande aus Fritz Langs Stummfilmen. Noch vor "Zwölf Uhr Mittags" gedreht, der einen Song "Do  not forsake me, oh my darling" als Leitmotiv anbot, nimmt das Lied "The Legend of Chuck-a-Luck" einen hohen Stellenwert in der Dramatugie des Films ein. Sänger des Songs war William Lee. Auch Marlene Dietrich durfte singen - "Gipysy" Davey" und "Get away, young man". Obwohl seine Stummfilme und seine Noirs bei den Cineasten viel höher geschätzt werden, schaffte es Lang alle drei Ausflüge in den Wilden Westen zu Klassikern zu machen.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Dienstag, 15. Mai 2018

Schweigen ist Gold

























Regie: Rene Clair

Von den Anfängen des Films...

Der am 11. November 1898 geborene Rene Chomette war zunächst Journalist und träumte vom literarischen Ruhm. Das Kino interessierte ihn aber auch und so wählte er den Namen "Rene Clair" als Pseudonym, um seinen Manen für die zukünftige Schriftstellerkarriere nicht zu vermasseln. Als Schauspieler fing er dann beim neuen Medium an und drehte als ersten eigenen Film im Alter von 25 Jahren "Paris qui dort" (Paris schläft). Großen Erfolg feierte 1928 mit "Der Florentiner Hut" und fand damit auch seinen Stil einer beschwingten, tänzerisch-musikalischen Komödie. Sein erster Tonfilm "Unter den Dächern von Paris" wurde ein riesiger Erfolg und gilt auch heute noch als einer der großen Klassiker des frühen europäischen Tonfilms. Nach dem Mißerfolg seines sozialkritischen Film "Der letzte Milliardär" ging er aber verbittert nach England und drehte dort seine Filme. Während der Kriegsjahre war er Emmigrant und arbeitete in Hollywood. Dort entstanden Klassiker wie "Meine Frau, die Hexe", "Es geschah Morgen" und "Das letzte Wochende". Nach 1945 ging er zurück in die Heimat, wo ihm mit "Schweigen ist Gold" ein glänzendes Comeback gelang.
Die Geschichte in in Paris um die Jahrhundertwende angesiedelt und ist auch eine sehr schöne Hommage an die Pioniere des französischen Films.
Der alternde Frauenheld Emile (Maurice Chevalier) lebt in dieser Zeit der Belle Epoque. Der Film ist im Kommen und einige Wagemutige sind begeistert davon ihre kleinen Geschichten auf Zelluloid zu bannen. Emile ist einer dieser ersten Filmregisseure. Die Crew ist wie eine Familie, man ist mit Herzblut dabei. Sein Assistent ist sein Adoptivsohn Jacquet Francet (Francois Perier), der nicht so leicht wie Emile mit dem anderen Geschlecht flirten kann. Er ist irgendwie schüchtern und nimmt gerne die Ratschläge seines Adoptivvaters an, der einen Schlag bei den Frauen hat. Eines Tages wird Emile von dem Theaterschauspieler Celestin (Roland Armotel) gebeten, auf dessen Tochter Madeleine (Marcelle Derien) eine Zeit aufzupassen. Emile kann die Bitte nicht abschlagen, denn die Mutter von Madeleine war seine große Liebe, die er leider an Celestin verlor. So ist er nun der Aufpasser eines sehr attraktiven jungen Mädchens, die im sündigen Paris vor den großen Gefahren beschützt werden soll. Doch es kommt anders: Emile verguckt sich seinen Schützling und lebt extrem auf. Und auch Jacques gelingt es das Mädchen in der Straßenbahn anzusprechen. Die beiden jungen Leute verlieben sich. Er weiß natürlich noch nicht, dass es sich bei seinem Schwarm um den Schützling seines Adoptivvaters handelt und beide sind sogar die Hauptakteure in Emiles Film, der gedreht wird. Am Ende kommt Emile zur Erkenntnis, dass die beiden Liebenden ein HappyEnd verdient haben....



Nach seiner Rückkehr aus dem Exil kommt Clair dort anknüpfen, wo er Anfang der 30er aufgehört hatte. Seine Stärke war die liebenswürdige und leichte, komödienhafte Schilderung aus dem Alltag einfacher Menschen. Für den berühmten Maurice Chevalier wurde die Hauptrolle ebenfalls zum Erfolg. Er wurde nach dem Krieg von vielen Franzosen als "Kollaborateur" angesehen und bekam keine Filmrollen mehr. Chevalier wurde vorgeworfen, dass er während der deutschen Besatzungszeit auch bei deutschen Soldaten aufgetreten ist. Ganz böse Zungen nannten ihn zu dieser Zeit "Herr Moritz Reiter" - die deutsche Übersetzung seines französischen Namens. Clairs Faible für die Burleske ist auch hier in "Schweigen ist Gold" deutlich sichtbar. Trotz der Zeit in Hollywood gelang ihm hier in seinem Comeback ein typisch französischer Film mit großer Liebe zum Detail. Zu seiner Zeit waren die Produktionskosten mit 100 Millionen Francs sehr hoch. Vor allem Romantiker und auch Nostalgiker kommen hier total auf ihre Kosten


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Der eiserne Kragen

























Regie: R.G. Springsteen

Gemeinsam in Ketten...

"Der eiserne Kragen" ist ein eher untypischer Audie Murphy Western, wurde jedoch interessanterweise von R.G. Springsteen, einen ausgesprochenen B-Western Routinier inszeniert. Der Mann begann bereits in den 20er Jahren in Hollywood zu arbeiten und stieg im Jahr 1936 als Regieassistent auf. Nach Ende des 2. Weltkriegs erschienen seine ersten Regiearbeiten und er konnte sich im Bereich des B-Pictures etablieren. Bis zu seinem Karriereende Ende der 60er Jahre blieb er dem Westerngenre treu. Er konzentrierte sich aber im Laufe seiner aktiven Zeit auf TV-Serien und wurde sehr oft als Regisseur für die populären Serien "Bonanza" und "Rauchende Colts" verpflichtet. Mit der DVD-Veröffentlichung von "Der eiserne Kragen" wird zwar kein verschollenes Meisterwerk präsentiert, aber in weiten Teilen ist der Film richtig gut und interessant. Leider vermasseln es die Macher im Schlußdrittel ein bisschen, indem Estelle, die Femme Fatale des Films, eine eher unglaubwürdige Wandlung vom Biest zur herzensguten, vom Schicksal gebeutelten jungen Frau durchmacht, die nur auf den richtigen Kerl wartet,. Und das kann natürlich nur Audie Murphy sein.
Auch Murphy ist in diesem Film etwas unterschiedlich gezeichnet als sonst. Er ist nicht der schießwütige Revolverheld, sondern eher der besonnene Mann und der treue Freund seines sehr unzuverlässigen Partners.
Die Geschichte erzählt von der Freundschaft zweier Cowboys, die schon eine lange Zeit zusammen unterwegs sind. Sie erleben einerseits Abenteuer im Wilden Westen, aber wenn sie Geld brauchen, dann arbeiten sie eine Zeitlang auf einer Ranch und ziehen wieder weiter. Chris Foster (Audie Murphy) ist unbebunden, doch sein Freund Bert Pickett (Charles Drake) hat irgendwann seine Freundin Estelle (Kathleen Crowley) im Stich gelassen und sich für das Wanderleben entschieden. Er trägt aber sein schlechtes Gewissen mit sich und will seiner Verflossenen immer mal wieder etwas Geld nach Hause schicken, doch seine Spielsucht macht ihm jedes Mal einen Strich durch die Rechnung. Die beiden kommen in eine kleine Westernstadt. Schon bei ihrer Ankunft bemerken sie eine Besonderheit des Kaffs: Es gibt dort kein Gefängnis. Die Verbrecher werden in der Mitte eines Platzes an einen Pfahl gekettet, und zwar mit einer Metallschlinge um den Hals, einem eisernen Kragen also. Als Bert im betrunkenen Zustand beim Pokerspiel eine Schlägerei anzettelt und Chris ihm zur Hilfe kommt, werden sie vom Sheriff ebenfalls an den ominösen Pfahl gekettet. Dort ist auch der gefürchtete Bandit LaValle (Harold J. Stone) mitsamt seinen Kumpanen in Ketten gelegt. Doch dieser denkt nicht daran sich aufhängen zu lassen. Er zwingt die beiden Freunde, dass sie in der Nacht den Pfahl mit ausgraben. Nun müssen Chris und Bert ebenfalls fliehen, doch Bert hat bei der Schießerei zwischen Gesetzeshütern und Gangstern, noch die Möglichkeit, Wertpapiere der Bank in Höhe von 12.000 Dollar mitgehen zu lassen. Um nicht von den Banditen erschossen zu werden, bietet Bert LaValle die Papiere an und verpflichtet sich alleine in eine Stadt zu reiten und mit dem Geld wiederzukommen. Doch Bert hat einen schwachen Charakter...



Dadurch macht Chris irgendwann im Lauf der Geschichte die Bekanntschaft mit Berts Ex-Verlobten Estelle. "Der eiserne Kragen" aus dem Jahr 1963 ist interessanterweise in Schwarz-Weiß gedreht, was dem Film eine gute Atmosphäre verleiht und in der Laufzeit von knapp 76 Minuten passiert auch sehr viel. Der Westernfan kann sich auf einen unbekannten B-Film freuen, der wendungsreich von Freundschaft, von Treue und von der Macht des Geldes erzählt. Tatsächlich ist der Film in der ersten Hälfte sehr stark und lässt dann durch einige Unglaubwürdigkeiten etwas nach. Dennoch kann man diesen durch viele gute Einfälle genießen. Vor allem die Idee mit den Angeketteten am Pfahl im ersten Akt des Films hat viel Potential. Denn hier so dicht beieinander entsteht die Konstellation, die Cowboys mit Banditen auf engem Raum zusammenbringt und sie schicksalhaft aneinander binden wird.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 8. Mai 2018

Die Schwindler

























Regie: Federico Fellini

Betrüger auf Tour...

Zwischen seinen beiden großen Meisterwerken "La Strada" (1954) und "Die Nächte der Cabiria" (1957) drehte Federico Fellini mit "Die Schwindler" (Original: Il Bidone) einen weiteren Film über den tristen Alltag in Italien nach dem 2. Weltkrieg - dabei gab er aber den poetischen Realismus und die extravagante Vitalität der beiden anderen Filme auf - zugunsten einer etwas poliitischeren Aussage. "Die Schwindler" - selbst Verlierer der Gesellschaft ziehen vor allen den Armen das letzte Geld aus der Tasche. Ein echter Teufelskreis wird hier beschrieben, doch der 1955 entstandene Film wählt für diese Aussage das Krimigenre aus.
Natürlich ist "Die Schwindler" weit davon entfernt ein echtes Fellini Meisterwerk zu sein, aber einen großartigen Filmemacher gelingen natürlich dennoch einige großartige Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Für die Hauptrollen wählte der Regisseur populäre Hollywood-Schauspieler aus. Für die Rolle des Betrügers Augusto wollte er zuerst Humphrey Bogart, doch der war bereits an Krebs erkrankt und als Fellini das Filmplakat von "Der Mann, der herrschen wollte" sah, verpflichtete er den Hauptdarsteller Broderick Crawford. Für seine darstellerische Leistung in Robert Rossens Politfilm gewann der Schauspieler im Jahr 1950 sowohl den Oscar als auch den Golden Globe Award. Broderick war aber auch nicht einfach, denn er hatte ein Alkoholproblem. Richard Basehart spielte bereits in "La Strada" den Artisten Matto, der sich in Gelsomina verliebt und später im Streit mit Zampano sein Leben lässt. Auch er ist einer der Schwindler. Der italienische Darsteller Franco Fabrizi komplettiert das gerissene Betrügertrio.
Sie fahren durchs Land, um arme Bauern zu betrügen. Die Masche funktioniert meistens, weil sie gut durchdacht ist und mit der Gier der Leute spielt. Verkleidet sind Augusto (Broderick Crawford) und Carlo (Richard Basehart), der "Picasso" genannt wird als geistliche Würdenträger, der blonde Roberto (Franco Fabrizi) ist der Chauffeur, der den Wagen fährt. Dort bei den Bauern lesen die Gauner den letzten Willen eines verstorbenen Verbrechers vor. Eine Leiche soll dort auf dem Land der Bauern in ungeweihter Erde verscharrt worden sein und auch ein wertvoller Schatz. Der letzte Wille des Mörders: Grabt den Toten aus, die Kirche soll ihn richtig bestatten und einige Messen lesen. Dem Bauern, der das Land gehört, soll aber der wertvolle Schatz gehören. Um den zu bekommen, müssen sie aber den Geistlichen Geld für das lesen der Messen mitgeben. Das funktioniert meistens und die drei Ganoven kennen keine Skrupel, obwohl sie selbst zu dieser ärmeren Klasse gehören. Carlos Frau (Giulietta Masina) ahnt, dass ihr Mann in kriminelle Geschäfte verstrickt ist, doch sie haben ein Kind und wollen natürlich so gut es geht leben. Augusto trifft auf der Straße seine Tochter Patrizia (Lorella de Luka), die er lange Zeit nicht mehr gesehen hat. In dieser Szene bemerkt der Zuschauer auch das Schicksal des alternden, ausgebufften Gauner. Seine Ehe wohl zerrüttet. Er verabredet sich mit der Tochter im Kino, wird aber von einem seiner Opfer erkannt und wandert ins Gefängnis. Als er entlassen wird setzt er seine Betrügergeschäfte mit anderen Typen fort. Auf einem der Bauernhöfe trifft er auf ein gelähmtes Mädchen. Erstmals bekommt er Skrupel das Geld dieser Familie zu stehlen...



Dieses Mädchen bittet den vermeintlichen Bischof um den Segen. Er lässt ihr das Geld und wird am Ende der Geschichte von seinen Kumpanen brutal zusammengeschlagen. Er stirbt den einsamen, qualvollen Tod, dem seine erste gute Tat seit langem zum Verhängnis wird. Eine sehr tragische und effektive Schlußszene. Sehr gut ist auch die Partyszene gelungen, in der Roberto einem weiblichen Partygast das goldene Feuerzeug entwendet und beim Aufbruch nach Hause vom Gastgeber gehindert wird. Er solle zuerst das aus Versehen eingesteckte Feuerzeug rausrücken.
In Italien startete "Die Schwindler" bereits 1955 in den Kinos, in Deutschland allerdings erst zwei Jahre später. Die damaligen Kritiken waren aber nicht gut, auch der Erfolg an der Kasse war für die Geschichte von einem Mann, der vom Saulus zum Paulus wird,  nur gering.
Stilistisch ist der Film ein Vertreter des Neorealismus mit sozialchristischen und christlichen Verweisen und die Schauspielerleistungen sind allesamt sehr gut. Durch einige starke Szenen, die sehr Fellini-Typisch sind, ist "Die Schwindler" dennoch ein überdurchschnittlich guter Film. 






Bewertung: 7 von 10 Punkten.