Sonntag, 8. Juli 2018

Die Kanonen von Navarone
























Regie: Lee J. Thompson

Himmelfahrtskommando in der Ägäis...

Der Kriegsfilm "Die Kanonen von Navarone" ist einer der besten Arbeiten des britischen Filmregisseurs J. Lee Thompson (Die Frau im Morgenrock, Brennendes Indien, Ein Köder für die Bestie) und wurde dementsprechend im Jahr 1962 für insgesamt 6 Oscars nominiert. Als bester Film unterlag er allerdings der "West Side Story" - ein Schicksal, dass in diesem Oscarjahr auch weitere Kinomeisterwerke wie "Haie der Großstadt", "Urteil von Nürnberg" und "Fanny" teilten. Immerhin wurden die Special Effekte von Bill Warrington und Chris Greenham ausgezeichnet. Aber in den Kategorien "Bester Original Score" von Dimitri Tiomki, Bester Ton John Cox, Bestes Drehbuch Carl Foreman und bester Schnitt Alan Osbiston wurden auch keine Siege erzielt.
Auch J. Lee Thompson, der immerhin als bester Regisseur ins Rennen ging, ging am Ende leer aus. Dennoch avancierte "Die Kanonen von Navarone" zu einem Klassiker im Kriegsfilm-Genre. Rein oberflächlich könnte man ihn als einen Vorläufer von späteren Klassikern wie "Agenten sterben einsam" von Brian G. Hutton oder "Das dreckige Dutzend" von Robert Aldrich ansehen, denn die Konstellation ist ähnlich: Das Himmelfahrtskommando eines AlliiertenTeams gegen die Übermacht der Nazis. Eine weitere Gemeinsamkeit gibts mit "Agenten sterben einsam" - in beiden Fällen handelt es sich um die Verfilmung eines Romans des schottischen Schriftstellers Alistair MacLean.
Ganz offensichtlich ist die ereignisreiche Handlung mit viel Action-Gehalt und Spannung - jedoch ist "Die Kanonen von Navarone" auch schwermütig und komplex.
Im Jahr 1943 planen die Achsenmächte einen Angriff auf die Insel Kheros - dort sind 2.000 britischen Soldaten von den Deutschen eingekesselt. Eine Rettung durch die Royal Navy wird durch zwei massive und gigantische Kanonen auf der nahegelegenen Insel Navarone fast unmöglich gemacht. Bombenangriffe sind bereits gescheitert. Somit muss der Geheimdienst ran. Ein Team soll auf das feindliche Gebiet in der Ägäis geschickt werden, um diese beiden gigantischen Waffen zu zerstören. Angeführt von Majon Roy Franklin (Anthony Quayle) besteht das kleine Team aus Captain Keith Mallory (Gregory Peck), der für die Spionage tätig ist und darüberhinaus ein exzellenter Bergsteiger ist. Sein Kompagnon Oberst Andrea Stavrou (Anthony Quinn), dessen Frau und Kinder von den Nazis ermordet wurden sowie Franklins Freund Corporal Miller (David Niven), ein Sprengstoffexperte, der mit Authoritäten so seine Probleme hat. Ausserdem der dort in Navarone gebürtige griechisch-amerikanische Spyros Pappadimos (James Darren) und "Butcher" Brown (Stanley Baker), ein Ingenieur und Messerheld. Doch der ist durch den Krieg inzwischen etwas traumatisiert. Als griechische Fischer verkleidet segeln sie mitten im Feindgebiet auf einem heruntergekommenen Fischerboot. Doch bereits diese Überfahrt wird zur tödlichen Gefahr, als plötzlich ein deutsches Patrouillenboot auftaucht.
Diese erste Hürde kann gemeistert werden, aber beim Klettern auf den Klippen verletzt sich Franklin schwer. Nun übernimmt Keith Mallory die Führung. Wie vereinbart treffen sie an einem vereinbarten Ort die beiden Widerstandskämpferinnen Maria (Irene Papas), die sich als Schwester von Spyros herausstellt und ihre Freundin Anna (Gia Scala), die bereits Folterungen durch die Nazis durchmachen musste und seither nicht mehr redet....




In dieser Konstellation soll das Unternehmen gelingen, doch es gibt immer wieder Rückschläge. So ist besonders der verletzte Franklin immer wieder Gegenstand der Diskussionen unter den Team-Mitgliedern. Soll man ihn zurücklassen ? Dann aber könnten die Nazis durch Folter oder Medikamente von ihm etwas über das Himmelfahrtskommando erfahren. Oder soll man ihn mitschleppen ? Was die Mission in die Länge zieht. Oder gar erschießen ? Vor eine ähnliche Frage wird die Gruppe auf dem Höhepunkt des Films noch einmal gestellt. Dabei erweist sich Gregory Pecks Figur Mallory als unheimlich kalt und brutal. Er will das Ziel mit allen Mitteln erreichen und ist auch in der Lage für dieses Ziel alles unterzuordnen, gegebenenfalls auch kaltblütig zu töten. Er schreckt nicht vor Lügen zurück und sein Kumpel Andrea hat noch eine offene Rechnung mit ihm zu begleichen. Gut fotografiert ist dieser spannende Genrebeitrag natürlich auch - der Brite Oswald Morris (Oliver, Moulin Rouge, Moby Dick, Unser Mann in Havanna) war der Chefkameramann und gewann 10 Jahre später für "Anatevka" den Oscar.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 5. Juli 2018

Goldrausch

























Regie: Charlie Chaplin

Charlie als Goldgräber....

"Goldrausch" entstand 1925 und zählt neben "The Kid", "Lichter der Großstadt", "Moderne Zeiten" und "Der große Diktator" zu den fünf bekanntesten Filmen von Charlie Chaplin. Er selbst hielt "Goldrausch" sogar für seinen besten Film, mit diesem Film wollte er seinem Publikum in Erinnerung bleiben.
Da der Film ein großer Kassenhit wurde, entschloss sich Chaplin im  Jahr 1942 zu einer Wiederaufführung - aus kommerziellen Erwägungen wurde der Stummfilm zusätzlich mit Erzähltexten und Musik unterlegt, die alten Zwischentitel wurden entfernt.
Viele Szenen und Sequenzen des Films sind in die Filmgeschichte eingegangen. Beispielsweise der sonderbare Brötchentanz oder die Szene, in der der kleine Tramp auf unnachahmliche Weise versucht seinen Schuh zu verzehren, den er vorher gekocht hatte. Nicht zu vergessen, dass er trotz dem kargen und wenig appetitlichen Mahl nicht die Ettikette vergisst und mit vornehm gespreiztem Finger die Nägel des Schuhs ableckt oder die Schuhbändel wie Spaghetti um seine Gabel wickelt. Größter Knaller ist vielleicht das visonäre Huhn, dass dem hungrigen Kumpel Big Jim MacKay (Mack Swain) erscheint. Dabei ist es unser einsamer Goldgräber Charlie, der in dieser Erscheinung natürlich ein gefundes Fressen für Big Jim darstellt. Der holt sich auch gleich mal die Axt und verfolgt seine Fata Morgana.
"Goldrausch" spielt am Yukon, irgendwann um 1890 über dem verschneiten Chilkoot-Paß in Alaska. Dort hat es den kleinen Tramp (Charlie Chaplin9 wie tausend andere Goldgräber hingezogen. Unter Lebensgefahr wagen sich die Mutigen und Gierigen ins ewige Eis des Nordens, um bei größten Goldrausch der Geschichte ihr Glück zu finden. Während eines Schneesturms sitzt unser Held bald gemeinsam mit dem Schurken Black Larsen (Tom Murray) und dem gutmütigen Big Jim fest, der bereits Gold gefunden hat. Doch die Schneestürme toben und die Männer hungern - das Los entscheidet, dass einer der drei losziehen soll, um den lebenswichtigen Proviant zu besorgen. Das Los fällt auf den Schurken. Charlie und Big Jim bleiben in der Hütte - es kommt zum Schuhverzehr und zur Vision eines fetten, saftigen Huhns. Um dieses Tier in die Bratpfanne zu stecken, ist dem von Halluzinationen geplagte Big Jim jedes Mittel Recht. Doch Charlie hat Glück und der Sturm lässt endlich nach - die beiden trennen sich. Big Jim trifft daraufhin Larsen, der bereits Jims Goldader gefunden hat und sie sich unter den Nagel reißen will. Bei der Schlägerei wird Big Jim schwer verwundet und verliert kurzzeitig sein Gedächtnis. In der Zwischenzeit ist Charlie in der Goldgräberstadt angekommen und dort begegnet er der schönen Georgia (Georgia Hale). Die Tänzerin wird vom Frauenschwarm Jack Cameron (Malcolm Waite) umworben. Doch Georgia gibt dem einen Korb und macht ihn eifersüchtig mit dem unscheinbaren Charlie, der sich aber daraufhin in die Tänzerin verliebt. Die macht sich zwar lustig über Charlies Verliebtheit, doch am Ende muss sie einsehen, dass sie sich zu ändern hat, weil sie Charlies Verlobte wird...




Doch zuvor gibts da noch die Szene mit der Hütte, die über dem Abgrund nur noch durch ein dünnes Seil gehalten wird. "Goldrausch" hat noch immer diese eigenartige und faszinierende Atmosphäre. Man hat tatsächlich immer wieder das Gefühl, man wäre direkt dabei - auch wenn die Dramatik sich natürlich in Grenzen hält. Aber historische Fotos aus den 1890er Jahren belegen, dass Chaplins Szenenbilder sehr authentisch sind, genauso wie die einfachen Hütten, die im Film zu sehen sind und die über Nacht aus dem Boden gestampft wurden oder auch die Goldgräberstadt. Wer genau aufpasst, dem entgehen auch nicht die zwei tanzenden Goldgräber während der Silvesterfeier - die beiden alten, bärtigen Männer mit langem Haar waren tatsächlich Goldsucher und waren aus reiner Neugier zu den Dreharbeiten gekommen. Chaplin engagierte die beiden sofort für ihen Volkstanz, den sie zur Aufführung bringen. Wie immer findet am Ende der etwas unbeholfene Tramp sein Glück - selbst in einer Welt, in der vor allem die materiellen Werte zählen.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Die Nacht des Leguan

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: John Huston
 
Der Prediger und seine Obsessionen...
 
"Die Nacht des Leguan" gehört zu den weniger bekannten Theaterstücken von Tennessee Williams, das am 28. Dezember 1961 an Royale Theamter am Broadway Premiere hatte und bereits zwei Jahre später von John Huston verfilmt wurde.
"Die Nacht des Leguan" wurde 1965 für insgesamt vier Oscars nominiert: Bestes Szenenbild von Stephen Grimes, beste Kamera von Gabriel Figueroa, Grayson Hall für ihre Rolle der Gouvernante Judith Fellowes und Dorothy Jeakins Kostüme, die am Ende auch siegreich war. Die vier Hauptdarsteller des Films Richard Burton, Ava Gardner, Deborah Kerr und Sue Lyon wurden bei der Vergabe der Nominierungen gnadenlos übergangen, obwohl alle vier in ihren Rollen sehr überzeugen. Optisch ist "Die Nacht des Leguan" ein bisschen mit Hustons "Misfits" verwandt, das Thema des Films sind Verantwortung und Lebensaufgaben. Wenn am Ende von "Misfits" die Pferde von den Jägern in Ruhe gelassen werden, ist es hier der in Gefangenschaft gehaltene Leguan, der von Richard Burton befreit wird und so seinem Schicksal im Kochtopf zu landen, entgeht.
Ort der Handlung ist ein heruntergekommenes Strandhotel an der mexikanischen Küste. Doch bevor es hier zu Konflikten kommt, wird der Zuschauer Zeuge eines Gottesdienstes, in dem der wütende Reverend T. Lawrence Shannon (Richard Burton) eine lautstarke Predigt gegen die Verlogenheit seiner Schäfchen hält und die entrüsteten Kirchengänger dann aus dem Hause Gottes jagt. Dies führt dazu, dass der Mann mit Alkoholproblem und einer Schwäche für noch sehr junge Mädchen aus dem Kirchendienst entlassen wurde. Er selbst will dies nicht so recht wahrhaben und könnte sich vorstellen in der Zukunft wieder als Prediger zu dienen. Nun ist er als Reiseleiter und Fremdenführer angestellt, der vornehmlich gläubige Reisegruppen auf Busreisen durch Mexiko begleitet. Die junge, frühreife Charlotte Goodall (Sue Lyon) hat sofort ein Auge auf den Mann geworfen, der ihr Vater sein könnte. Und die Gesellschaft der älteren Lehrerinnen, die zur Reisegruppe gehören, sehen die Schwärmerei des Mädchens mit Argwohn...noch misstrauischer sind sie dem Reverend gegenüber, der sich nicht so klar distanziert, wie es die Frauen - vor allem die Leiterin Judith Fellowes (Grayson Hall) gerne hätte. Jedenfalls ist es schwer für Shannon sich abzugrenzen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese Mrs. Fellowes ihren Schützling in der Nacht aus dem Schlafzimmer des Expriesters holen muss. Passiert ist zwar nichts, aber der Verdacht reicht und nun sieht es so aus, als würde die Frau eine Anzeige machen wollen, was letztendlich den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten würde. Sie erstattet Meldung an den Arbeitgeber und bei dem nächsten Halt in einem luxuriösen Hotel in der Stadt erwartet sie auch eine Antwort. Doch Shannon will dieser drohenden Kündigung unbedingt aus dem Weg gehen und setzt sich statt des jungen Fahrers Hank (James Ward) ans Steuer des Busses und fährt mit der verdutzten Reisegesellschaft an einen abgelegenen Ort ausserhalb. Dort existiert eine Absteige, die von der resoluten Maxine Faulk (Ava Gardner) geführt wird, der Witwe eines Freundes von Shannon. Die soll ihm aus der Patsche helfen, indem sie die Gesellschaft bei sich aufnimmt. Obwohl sie im August geschlossen hat, hilft sie Shannon. Gezwungenermassen bezieht die Reisegruppe ihr Quartier, doch Miss Judith Fellowes bleibt bei ihrer unversöhnlichen Haltung. Am gleichen Tag trifft auch die jungfräuliche Hannah Jelkes (Deborah Kerr) mit ihrem 98jährigen Großvater (Cyril Delevanti) dort ein. Beide mittellos und sie suchen ebenfalls eine Bleibe für die Nacht. Der alte Mann schrieb früher Gedichte und hat sich entschlossen nach langen Jahren wieder zu dichten. Hannah Jelkes ist eine begabte Portraitzeichnerin und könnte sich damit bei der Reisegesellschaft ein bisschen Geld verdienen. In dieser bedrückenden Atmosphäre von Hitze und Ungewissheit, bei dieser merkwürdigen Ansammlung unterschiedlichster Charaktere kommt es zu zahlreichen Konflikten....




So ist der abtrünnige Mann Gottes auf einmal mit vier unterschiedlichen Frauen konfrontiert und hier zeigt sich dann auch die Stärke von Tennesse Williams. Die Dialoge sind großartig und es ist sehr spannend dies alles zu verfolgen. Was gibt dem Mann, der den Glauben verlor einen neuen Halt ? Die Figuren bei Tennessee Williams sind meistens auf der Suche. Immer nach etwas, was die Leere im Innern ausfüllen könnte. Richard Burtons Shannon ist ein sensibler Charakter, der immer wieder in Richtung Selbstzerstörung unterwegs ist und seinen eigenen Trieben unterworfen bleibt. Trotz seines Alters ist der Film keineswegs altmodisch, denn er ist in Sachen Sexualität recht offen und verharmlost auch die untereinander bestehenden Abhängigkeiten der Figuren nicht. Am Ende steht zwar ein gewisser Hoffnungsschimmer, doch es wird keine leicht zu begehende Zukunft für Shannon werden.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Tatis Schützenfest

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Jacques Tati
 
Briefträger Francois und die amerikanische Idee...
 
Zu den Bewunderern von Jacques Tatis Erstling "Jour de fete" (deutscher Titel: Tatis Schützenfest) gehörte auch der Stummfilmkomiker Buster Keaton, der meinte "Tati knüpft an dem Punkt an, wo wir vor einigen Jahrzehnten stehengeblieben sind".
Tatsächlich knüpft Tati an die großen Vorbilder der Stummfilmzeit an. Trotz vorhandener Tonspur - in den späteren Filmen von Jacques Tati wird noch viel weniger geredet als hier - dominiert wie im Stummfilm das pantomimische Element. Vor dem Dialogwitz sthet immer zuerst die Situationskomik und der Slapstick. Das zentrale Thema in "Tatis Schützenfest" aus dem Jahr 1947 ist die Schwierigkeit des Einzelnen im Umgang mit der modernen Welt und von den Tücken des Alltags. Jacques Tati spielt den schlaksigen und eher unbeholfenen Briefträger des kleinen französischen Provinznests Sainte-Severe.
Der Briefträger macht seinen Job mit einer großen Hingabe, aber er ist auch immer wieder sehr schnell abgelenkt.  Vor allem heute, denn es steht der alljährliche Jahrmarkt an, auf den sich alle freuen. Die Kinder sehen schon von weitem die Schausteller mit ihren Wägen, darauf sind auch schon die Pferde des Karussels zu sehen. Kein Wunder, dass die Kleinen den Wägen hinterherlaufen, bis diese auf dem Dorfplatz angekommen sind. Eine alte bucklige Frau mit ihrer Ziege beobachtet das Treiben ihrer Mitmenschen. Der Wirt hat seine Kneipe auf Vordermann gebracht und im letzten Augenblick die Stühle frisch gestrichen. Der Bürgermeister begrüßt die Schausteller Roger (Guy Decomble) und Marcel (Paul Frankeur), die gleich mit dem Aufbau beginnen. Nebenbei macht Roger dem Mädchen, dass aus dem Fenster schaut (Maine Vallee) schöne Augen, was seiner Frau nicht verborgen bleibt. So sind sie halt, die fahrenden Leute...locker und einem Seitensprung nicht immer abgeneigt. Neben dem Jahrmarkt und dem Karussell gibts sogar noch ein Kinozelt. Dort soll ein Western gezeigt werden und ein Kurzfilm über die Leistungen der Post in den USA. Dieses besonders schnelle und effektiv arbeitende Postverteilungssystem zeigt Briefträger mit Pilotenschein und als waghalsige Helden, die sich von der Luft aus auf den höchsten Wolkenkratzer herunter transportieren lassen. Auch Francois, schon etwas betrunken, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das ist doch was anderes als den Aufbau der Fahnenstange zu koordinieren wie heute morgen oder das erfolglose Dosenwerfen von vorhin. Die Schausteller überreden ihn auch noch zusätzlich, sich ab sofort an diesem US-Vorbild zu orientieren. Und tatsächlich: Am anderen Tag versucht Francois, der Briefträger, mit seinem klapprigen Fahrrad das amerikanische Tempo aus dem Kurzfilm zu übernehmen....



Dies gelingt teilweise grandios, wenn er zum Beispiel seine Briefe auf der Ladeklappe eines Lastwagens stempelt, um zeit zu sparen oder auch wenn er so aufgedreht hat, dass er mühelos die Radsportler der Tour de France hinter sich lässt. Die Tücken sind aber genauso präsent, denn irgendwann landet er im Fluß oder sein Rad wird von einer Bahnschranke in die Höhe gehievt. Alles an "Tatis Schützenfest" ist total orginell und mit wenig anderen Filmen vergleichbar. Es entsteht nach einer gewissen Eingewöhnungszeit eine Faszination bei der Betrachtung dieser Dorfchronik, wo das Leben noch in Ordnung ist/war. Das Szenario ist immer etwas skurril, es hat aber auch einiges an Poesie zu bieten. So bleibt das Bild der Kinder, die den Wagen der Schausteller ins Dorf begleiten und am Ende wieder hinaus begleiten, in Erinnerung - stellvertretend für eine Zeit, die nicht wieder kommt. Tati hat aber ein kleines Denkmal diesem Dorf und seiner sonderbaren Bewohner gesetzt.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Spion in Spitzenhöschen

























Regie: Frank Tashlin

Der Weltraumforscher und die Meerjungfrau....

Durch sein erfolgreiches Drehbuch für die Westernkomödie "Sein Engel mit den zwei Pistolen" gelang es Frank Tashlin einige Monate später selbst Regie zu führen. Seine Zusammenarbeit mit Bob Hope in "Bleichgesicht Junior" wurde ein Erfolg und nach "Eine Nacht mit Susanne" bekam er einen Vertrag mit der Paramount. Dort gelang ihm mit "Der Agentenschreck" ein weiterer Hit mit dem Komikerduo Dean Martin und Jerry Lewis. Es folgten "Alles um Anita", " oder "Aschenblödel". Auch mit Sexbombe Jayne Mansfield drehte er mit "Sirene in Blond" und "The Girl can´t help it" (Schlagerpiraten) erfolgreiche Kinohits. In den 60er Jahren drehte er mit "Caprice" und "Spion in Spitzenhöschen" zwei Komödien mit Doris Day und auch sein Krimi "Die Morde des Herrn ABC" war sehr beliebt. 
Von einigen Kritikern von Cahiers du Cinema wurde er als hervorragender Genrespezialist gefeiert, vor allem Jean-Luc Godard sah ihn als verkannten Autorenfilmer.
Natürlich ist die Handlung von "Spion in Spitzenhöschen" auch ein bisschen naiv und der Humor wirkt im Heute und Hier etwas veraltet, aber als Sommerfilm strahlt so ein 60s Feel Good Movie doch einiges an gutem Flair aus und Doris Day hat ja die Sympathien immer auf ihrer Seite. So auch hier als Meerjungfrau in der Anfangsszene des Films. Seebär Axel Nordstrom (Arthur Godfrey) präsentiert Touristen in seinem Glasbodenboot nicht nur Fische, sondern eben auch als Gag seine Tochter Jennifer Nelson (Doris Day), die den Spaß unter Wasser in einer Plastikmeerjungfrauflosse mitmacht. Zufällig hält sich an der kalifornischen Küste auch der bekannte Weltraumforscher Bruce Tempelton (Rod Taylor) auf, der gerne in der Freizeit angelt. Plötzlich hat der nicht den Fisch, sondern eine Meerjungfrau an der Leine. Was er und sie nicht wissen: Beide arbeiten bei der NASA, er ist sozusagen ihr Boss und sie macht auf Öffentlichkeitsarbeit. Tempelton arbeitet zur Zeit an einem geheimen Projekt, dass sich "GISMO" nennt und die Schwerkraft überwinden könnte. Daher ist auch der Feind (die Russen natürlich) scharf auf die Formel. Jedenfalls findet Tempelton Gefallen an der Meerjungfrau und will sie unbedingt wiedersehen. Daher gibt er ihr einfach den etwas besser bezahlten Job als seine eigene private Biografin. Klar, dass man sich da näherkommt - doch die verantwortungsvollen Menschen (Edward Andrews, Eric Fleming) in Tempeltons Nähe sind misstrauisch. Denn Jennifer telefoniert oft mit einem gewissen "Vladimir" und sehr schnell gibts Spekulationen in Richtung Spionin. Wenn die wüssten, dass der gefährliche Vladimir am anderen Ende der Leitung Jennifers lauffauler Wauzi ist, den sie öfters am Tag durch das Klingeln zu mehr Bewegung animiert. Es gibt aber einen Spion, ein gewisser Mr. Prittle (Dom DeLuise) und der sucht auch schon - getarnt als Handwerker - in Tempeltons Villa nach der Formel. Natürlich ist er nur der Handlanger, denn der Mann vom FBI (Eric Fleming) ist ein "Roter"....



Als Höhepunkt hat Tashlin eine Party im Haus des Weltraumforschers vorgesehen, da darf dann auch ein Cop (Paul Lynde) in eine Frauenrolle schlüpfen. Als weiblicher Gast getarnt, wird versucht die böse Spionin zu überführen. Die muss einiges über sich ergehen lassen: Die maßlose Arroganz der Männer, Könige der Schöpfung und auch Tempeltons futuristischen Erfindungen für den Haushalt. So wird im Jahr 1966 durch Frank Tashlin auch schon der unschlagbare Staubsauger-Roboter für die Küche präsentiert. Eine der besten Szenen des Films, hier erinnert man sich genüsslich an die großartigen Sequenzen aus Chaplins "Moderne Zeiten" zu den Tücken beim Thema "Mensch und Maschine". Nicht jeder Gag sitzt, aber dennoch ist "Spion in Spitzenhöschen" nett gemachte Unterhaltung ohne Tiefgang. Muss auch nicht immer sein.




Bewertung: 6 von 10 Punkten.