Sonntag, 22. Juli 2018

Fuhrmann des Todes

























Regie: Victor Sjöström

Geisterhafte Silvesternächte...

"Der Fuhrmann des Todes" (Original: Körkarlen) von Victor Sjöström entstand 1921 nach der gleichnamigen Novelle von Selma Lagerlöf. Ihr Buch entstand wiederum im Auftrag der "Schwedischen Vereinigung zur Bekämpfung von Tuberkulose" und sollte die Leser über die Krankheit aufklären. Die Schriftstellerin selbst war von diesem Thema sehr betroffen, da ihre Schwester an Tuberkulose gestorben war. Die Autorin, die bereits zur Entstehung des Films den Nobelpreis für Literatur, gewinnen konnte, thematisierte in "Kärlaken" auch die sozialen Mißstände Schwedens und verband diese mit den mystischen Jenseits-Vorstellungen eines geisterhaften Fuhrmanns, der zwischen dem Diesseits und dem Jenseits agiert.
Victor Sjöström war der Wunschregisseur der Autorin und der setzte die vielschichtige Handlung des Buches mit den Mitteln des Films um, dabei legte er vor allem großen Wert auf eine realistische Charakterzeichung, aber auch die geisterhafte Atmosphäre war ihm sehr wichtig. Dank seiner damals schon sehr ausgereiften Kameratechnik und Lichtsetzung, des Einsatzes von Mehrfachbeleuchtungen und einer ausgeklügelten Montage und Kameraführung wirkt "Der Fuhrmann des Todes" geradezu schwebend zwischen Traum und Wirklichkeit. Ingmar Bergman war ein großer Fan dieses schwedischen Stummfilms und die beiden waren durch eine tiefe künstlerische Beziehung verbunden. Mit seiner Rolle des Dr. Isak Bork in dem Bergman Meisterwerk "Wilde Erdbeeren" bleibt Sjöström auch als Schauspieler unvergessen.
Die Geschichte bezieht sich auf eine uralte schwedische Sage. Darin zieht in jeder Silvesternacht der Fuhrman des Todes (Olof As) durchs Land, um nach einem Sünder zu suchen, der in dieser Nacht stirbt. Es muss der letzte Tote des alten Jahres sein. Dieser Sünder muss ab dem neuen Jahr im nächsten Jahr der Fuhrmann sein.
Vielleicht trifft es diesmal die schwerkranke Heilsarmeeschwester Edit (Astrid Holm), die auf dem Sterbebett liegt. Die junge Frau hat Schwindsucht und wird nur noch wenige Stunden leben. Sie möchte auf jeden Fall noch den heruntergekommenen David Holm (Victor Sjöström) sprechen, doch der ist unauffindbar. Dennoch suchen Schwester Maria (Lisa Lundholm) und Gustaffson (Zot Wejden) weiter nach dem Trunkenbold. Edits Mutter (Concordia Selander) ist etwas schockiert, weil ihre Tochter gerade diesen noch einmal sehen will. Dieser hat aber keine Zeit für die fromme Frau, denn er treibt sich mit zwei anderen Zechern am Friedhof herum und nach zuviel Alkohol kommt es zum Streit und zu einer Schlägerei. David Holm bleibt liegen - da plötzlich der Fuhrmann des Todes erscheint, wird ihm schnell klar, dass er während des Glockenschlags ermordet wurde. In wüsten Träumen erlebt er noch einmal die Stationen seines verpfuschten Lebens und er denkt auch an seinen Bruder (Einar Axelsson) und vor allem an seine Frau Anna (Hilda Borgström), die ihn vor einiger Zeit verlassen hat...




Sjöström gelang mit seinem Film ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten. Die Zerissenheit des Geistes sowie die Darstellung unserer Welt als eine quälende Vorhölle zwischen Himmel und Erde haben den Film bekannt gemacht und ihm den unverwüstlichen Klassikerstatus eingebracht. Bereits in einem früher entstandenen Film - Ingeborg Holm aus dem Jahr 1913 - hat Sjöström das gleiche Thema verarbeitet. Eine kalte Gesellschaft, die an der Zerstörung der Würde des Einzelnen beteiligt ist und mit ihrer destruktiven Kraft den Einzelnen in den Wahnsinn treiben kein.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Ladykillers




















Regie: Alexander Mackendrick

Die musikalischen Untermieter der Mrs. Wimmerforce...

"Ladykillers" aus derm Jahr 1955 entstand in den legendären britischen Ealing Studios und ist vielleicht inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Dennoch rangiert dieser Film-Evergreen immer noch ganz weit oben in den von dem Britischen Film Institut veröffentlichten Top 100 der besten britischen Filme aller Zeiten. Dort liegt "Ladykillers" auf einem formidablen 13. Rang - auch der Vorgängerfilm von "Ladykillers" Regisseur Alexander Mackendrick "Der Mann im weißen Anzug" schaffte es auf den 58. Rang - ein Grund für den Regisseur in Hollywood sein Glück zu suchen. Doch sein 1957 entstandener Film Noir "Dein Schicksal in meiner Hand" war zu seiner Zeit kein Erfolg beschieden - erst viel später erkannte man auch in dieser Arbeit ein Meisterwerk.
"Ladykillers" war MacKendricks letzter und schwärzester Film für die Ealing Studios. Und Otto Hellers Farbkamera und Jim Morahans Ausstattung sind sehr hilfreich dabei, eine Gefühl zu erzeugen für eine in der Vergangenheit verhaftete Gesellschaft, die Mühe hat moderne Wege zu gehen.
Die Geschichte spielt in einem eher beschaulichen Stadtteil von London. Dort in der Nähe des Bahnhofs steht das Häuschen der alten, alleinstehenden Mrs. Wimmerforce (Kathie Johnson), die dort mit ihren drei Papageien lebt und gelegentlich Kaffeekränzchen für ihre Freundinnen Constance (Phoebe Hogson), Appolonia (Helene Burls), Lenchen (Edie Martin) und Amelia (Evelyn Kerry) gibt.  Die gutmütige alte Dame ist etwas einsam und manchmal taucht sie bei der Polizei auf und erzählt etwas über die UFO-Erfahrungen ihrer Nachbarin und hat auch andere sonderbare Beobachtungen, die sie den Gesetzeshütern mitteilt. Sie ist ein lieber Mensch und hat nun entschieden die oberen Zimmer in ihrem Haus zu vermieten. Tatsächlich klingelt eines Abends ein gewisser Professor Marcus (Alec Guinness) bei ihr und bekundet Interesse die beiden Zimmer im ersten Stock zu mieten. Da er einen guten Eindruck macht, ist der Vertrag schnell geschlossen. Noch mehr freut die alte Dame, dass er immer mal wieder Besuch von seinen Kollegen bekommt - gemeinsam wären sie ein Hobbystreichquartett und machen Musik. Und sogar sehr gute - wie Mrs. Wimmerforce im Parterre hören kann. Doch sie ahnt ja nicht, dass die Musik von der Schallplatte kommt, die die Herren auflegen - und dass die Gentlemen währenddessen einen großen, raffinierten Überfall auf einen Geldtransport am Kings Cross planen. Zu der Band gehören ein gewisser Major Courtney (Cecil Parker), der noch jugenhafte Harry Robinson (Peter Sellers), der einfältige Pfannkuchen (Danny Greene) und der kaltschnäuzige Louis Harvey (Herbert Lom). Tatsächlich klappt der Coup - sogar mit Mrs. Wimmerforce als Joker, die unwissend zur Komplizin des Raubs gemacht wird - und alles wäre anders ausgegangen, wenn nicht das Band des Cellokastens von Pfannkuchen in Mrs. Wimmerforces Haustür geraten wäre...



So entdeckt die durch und durch anständige Dame, dass sie Gangster beherbergt hat und darüberhinaus auch noch "mitgehangen - mitgefangen" ist. Doch die Lady besteht darauf, dass man sich stellt und die Beute wieder zurückbringt. Alle Argumente der Diebesbande sind vergeblich - dies führt dazu, dass die Diebe nun auch einen Mordplan realsieren müssten. Aber keiner der Männer bringt es übers Herz, der alten "Mrs. Überkandidelt" etwas anzutun. So nimmt die Geschichte ihren rabenschwarzen und todbringenden Verlauf. Unvergessen bleibt natürlich die Darstellung von Katie Johnson. Für diese Rolle erhielt sie auch 1956 den Preis der British Film Academy als beste Schauspielerin. Ein Jahr später am 4. Mai 1957 starb die Theaterschauspielerin im Alter von 79 Jahren. Ihr Partner Peter Sellers wurde diesen Film berühmt und festigte seinen großartigen Ruf als führender Komödiant des britischen Kinos.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Die fünf Vogelfreien

























Regie: Vincent McEneety

Fire Creek - Westernnest des Grauens...

Regisseur Vincent McEneety arbeitete vor seinem Kinowestern "Die fünf Vogelfreien" zunächst beim Fernsehen, viele Folgen der bekannten Serien "Rauchende Colts", "Solo für O.N.C.E.L." oder "Raumschiff Enterprise" gingen auf sein Konto. Das Thema des Films heißt "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und zeigt Henry Fonda als Bösewicht des Wilden Westens - einige Monate später spielte er dann in einer ähnlichen Rolle den Schurken Frank in Sergio Leones unsterblichen Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod". Als Kontrahent wird ihm in "Die fünf Vogelfreien" der aufrechte James Stewart entgegen gestellt.
Die Handlung erinnert dabei sehr stark an den hervorragenden B-Film "Die Plünderer" von Joseph Pevney aus dem Jahr 1960. Auch dort terrorisieren fremde Banditen auf ihrer Durchreise die Bürger eines kleines Nestes - zuerst lässt man ihnen einiges durchgehen, doch dann muss sich ein phlegmatischer Held aufraffen und den Schurken die Stirn bieten. Diesen Part spielte in "Die Plünderer" Jeff Chandler, hier muss sich Jimmy Stewart aufraffen und allen Mut zusammen nehmen. "Die fünf Vogelfreien" kommt allerdings nicht als B-Picture daher, denn mit William H. Clothier als Kameramann wirkt alles so opulent, dass der Streifen für die große Leinwand wie gemacht erscheint.
In Sachen Optik also superb - doch insgesamt wirken einige Szenen doch ein bisschen drastisch zugespitzt und McEneety hat schon versucht der dramatischen Situation noch eins draufzusetzen, dies schadet ein bissel der ansonsten guten Atmosphäre.

Der berüchtigte Bob Larkin (Henry Fonda) und vier seiner Männer sind Revolverhelden und mussten sich fluchtartig aus den Missouri-Weidekriegen zurückziehen. Sie wollen in die Berge, doch Larkin wurde angeschossen und die Wunde müsste dringend versorgt werden. Sie wollen Rast machen und da erscheint der Bande die zerfallene Stadt Firecreek, an der sie vorbeikommen, gerade günstig für eine Rast.
Die junge Farmerstochter Leah (Brooke Bundy) wird auch gleich von zwei der Banditen am Fluß, etwas ausserhalb der Stadt, belästigt. Als sie im Ort angelangt sind, sucht Larkin gleich das Hotelzimmer auf, um sich auszuruhen. Seine Kumpane Earl (Gary Lockwood), Norman (Jack Elam) und Drew (James Best) fallen auch gleich wegen ihrer provozierenden Art auf. So stören die Männer den Gottesdienst von Prediger Proyales (Ed Begley), der im Krämerladen abgehalten wird und wo auch Teilzeitsheriff Johnny Cobb (James Stewart) mit seinen beiden Jungs (Christopher Shea, Kevin Tate) auf die Predigt wartet. Cobb ist hauptsächlich Farmer und seine Frau Henriette (Jacqueline Scott) ist hochschwanger zuhause geblieben. Die Wehen haben bereits begonnen und sie wird bei der Geburt von der Nachbarin (Louise Latham) unterstützt. Noch bleibt Cobb ruhig und lässt die Männer manche Rüpelei und Provokation durchgehen - doch sein Deputy, der junge Stallbursche Arthur (Robert Porter) ist da weniger cool und er spürt, dass in den nächsten Stunden etwas passieren könnte. Tatsächlich trinken Larkins Männer zusätzlich viel Alkohol und einer von ihnen versucht dann in der Nacht die Indianerin Meli (Barbara Luna), die das Restaurant leitet, zu vergewaltigen. Arthur kommt ihr zur Hilfe und aus Versehen erschießt der Junge den Banditen. Seine Kumpels wollen Gerechtigkeit, was soviel heißt wie Lynchjustiz - doch Cobb kommt ihm gerade noch in letzter Sekunde zur Hilfe und sperrt den Jungen ins Gefängnis, wo er so lange zum Eigenschutz bleiben soll, bis der Bezirksrichter kommt. In der Nacht wird Cobb aber zu seiner Frau gerufen. Als er am anderen Morgen die Stadt erreicht, hängt der arme Arthur bereits...




Dies führt zu einem ereignisreichen Showdown, bei dem es James Stewart mit vier Banditen aufnehmen muss, die alle gut mit der Waffe umgehen können. Zum Glück spielt aber auch Inger Stevens mit - die darf sich zuerst ein bisschen in Bandenchef Henry Fonda verlieben, der tatsächlich mit dem Gedanken spielt seßhaft zu werden, am Ende nimmt sie aber auch beherzt die Waffe in die Hand, um dem Sheriff beizustehen. Eine weitere interessante Nebenrolle darf Oscar-Preisträger Dean Jagger spielen - ansonsten gibts einige Kuriositäten in der Handlung. Zum beispiel die bereits erwähnte Predigt im Kaufladen. Es kommt aber auch noch eine Totenmesse in der mit Kerzen erleuchteten Straße zum Einsatz. Insgesamt manches zu reißerisch und einiges kennt man aus "12 Uhr Mittags", aber insgesamt bietet McEveetys Kinodebüt solide und spannende Genrekost.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Sonntag, 15. Juli 2018

Gott und Teufel im Land der Sonne

























Regie: Glauber Rocha

Gott, Teufel, Tod...

"Gott und Teufel im Land der Sonne" ist ein Film des brasilianischen Filmemachers Glauber Rocha, der bei den Dreharbeiten im Jahr 1964 erst 25 Jahre alt war. Dabei ist im ein sehr radikales Filmwerk, gefilmt in harten Schwarz-Weiß Aufnahmen, gelungen.
Der kraftvolle und auch spröde Film wurde ein Schlüsselwerk des "Cinema Novo" und zählt heute zu den besten Werken, die das brasilianische Kino hervorgebracht hat. Dabei setzt der Regisseur auf volkstümliche und barokce Traditionen sowie auf eine mystische, aber enorm gewalttätige Religiosität, von den die Menschen im "Sertao" geprägt sind.
Sertao, so werden die halbwüstenartigen Landschaften Brasiliens genannt. In diesen Trockensteppen mit einer Vegetation aus Kakteen und Dornensträuchern herrscht extreme Hitze und natürlich auch Wassermangel. Der ersehnte Regen kann manchmal Jahre auf sich warten lassen. Den Großgrundbesitzern, die hier Viehzucht betreiben, geht es sicherlich sehr gut - aber es steht ihnen bis heute eine verarmte Bevölkderung gegenüber. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte die Armut und Unterdrückung der Bevölkerung des Sertao zu der Entstehung gewalttätiger und berüchtigter Räuberbanden. Diese Outlaws werden "Cangacos" genannt und sie legten sich mit der Armee und der Kirche an, die auf der Seite der Reichen waren.
Um den "Cangaceiro" ranken sich viele volkstümliche Legenden.
1939: Nachdem er seinen brutalen Arbeitgeber getötet hat, flieht der Viehhirte Manoel (Geraldo del Rey) zusammen mit seiner jungen Frau Rosa (Yona Magalhaes) vor dem Gesetz. Beide suchen, wie viele andere Menschen, nach einem Ausweg oder der Erlösung aus ihrem armseligen Leben. Dort treffen sie auf den als "Schwarzer Gott" auftretende Prophet Sebastiano (Lidio Silva), der den Menschen einen Goldregen verheißt und einen baldigen Umsturz vorhersagt. Seine Visionen vom "Meer, das zu Land wird und vom Land, das zu Meer wird" ist Opium fürs geschundene Volk. Da er auch immer zahlreichere Anhänger gewinnt, ist er den Großgrundbesitzern und der Kirche nicht nur ein Dorn im Auge, sondern eine echte Gefahr. Man engagiert den Killer Antonio das Mortes (Mauricio do Valle), der ein Blutbad bei seinen Anhängern anrichten soll und den Propheten töten soll. Doch Maria kommt dem Schlächter zuvor, nachdem Sebastiano in einem blutigen Zeremoniell das Kind von Manoel und Maria opfert. Wieder sind die beiden auf der Flucht und die einzigen Überlebenden des Blutbads, dass Antonio das Mortes angerichtet hat. Auf ihrer Odyssee treffen sie auf den Rest einer Bande von Cangaceiros. Der Anführer der Bande heißt Corisco (Othon Bastos) ernennt Manoel zu seinem Krieger und gibt ihm den Namen "Satan". Gemeinsam mit Coriscos Frau Dada (Sonia Dos Humildes), einem blinden Bänkelsänger und zwei weiteren Banditen ziehen sie in einen neuen Krieg "St. Georg gegen den Drachen des Elends und der Ungerechtigkeit" und Manoel bemerkt verzweifelt, dass man sein Recht immer nur mit neuem Blut erkämpfen kann und so sind die Kinder der Revolution keine Robin Hoods, sondern genauso Schlächter und die Erlösung wird weder bei Gott noch beim Teufel gefunden, sondern nur im Tod liegt der Friede, der so sehnsüchtig erwartet wird...



Zwischen drei Mächtigen sücht ein einfacher Viehhirte seinen Weg - er muss aber erkennen, dass weder Sebastiano (der vermutlich für Gott steht), noch der Teufel (Corisco) Freiheit und Empanzipation bringen und der Tod (Antonio des Mortes) allgegenwärtig ist. In der Schlußszene steht die Flucht in eine bessere Zukunft, die aber auch ein Gefühl hinterlässt, dass die Sertao gewaltsam auseinanderbrechen könnte, auch wenn am Ende das Bild von erlösendem Meer erscheint.
Rocha hat seinen Film als eine Art allogorisches Spiel erzählt, dabei fungiert die felsige Ebene fast als ein "Welttheater", was den volkstümlichen Kern der sonderbaren Räuberballade noch zusätzlich unterstreicht. Gott und Teufel sind überlebensgroß in den Köpfen der Protagonisten und einen gemäßigten Weg gibt es gar nicht. Er existiert nicht. Die kraftvolle Musik stammt von Heitor Villa-Lobos und Sergio Richardo, der Regisseur hatte auch entscheidenden Einfluss auf diese archaischen Klänge.




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Wenig Chancen für morgen

























Regie: Robert Wise

Ein todsicherer Coup...

Filmhistorisch wird Robert Wises Noir-Film "Wenig Chancen für morgen" entweder als letzter Film der klassichen Film Noir Ära bezeichnet oder als erster Neo-Noir.  Dabei ist ihm auch ein grimmiger Beitrag zum Rassismus in den USA gelungen, ganz besonders deutlich wird dies in der Schlußszene des Films, wenn zwei verkohlte Leichen identifiziert werden sollen und einer der Polizisten fragt "Welcher von denen war denn nun der Weiße ?" - Robert Wise schuf damit ein Verliererepos, das sicherlich auch einen gewissen Einfluss auf die Nachfolgefilme des Noir hatte - ich denke da auch an Alan Barons "Explosion des Schweigens", der einige Monate später entstand und und die Anonymität und Verlorenheit der Hauptfigur noch etwas stärker in den Focus stellt. Auch die Heist Anteile, wie sie in den 60er Jahren für Jean Pierre Melville berühmt waren, sind hier in "Odds against tomorrow" (so der Originaltitel) nicht wegzudenken.
Ein todsicherer Coup soll gelandet werden - zumindest wenn es nach dem verbitterten Ex-Polizisten David Burke (Ed Begley) geht - der wurde von seinen Kollegen hängengelassen und schiebt immer noch einen Frust auf den gesamten Polizeiapparat, weil die sein Leben ruiniert hätten. Er hat aber einen Plan, wie man 50.000 Dollar machen kann - dazu braucht er aber zwei Komplizen. Von seiner aktiven Zeit kennt er noch den Ex-Knacki Earl Slater (Robert Ryan), der es nun im Alter etwas langsamer angehen lässt, keinen Job hat und bei der Freundin Lorry (Shelley Winters) wohnt. Die hat einen Job als Tänzerin und hält ihren Freund aus. Früher war er ne große Nummer und es gefällt ihm immer noch, wenn Frauen auf ihn fliegen. So bekundet auch die laszive Nachbarin helen (Gloria Grahame) in Abwesenheit von Lorry sexuelles Interesse. Earl Slater ist ein Rassist und dies wird beim geplanten Coup noch zum Hauptproblem werden, denn der zweite Komplize des alten Burke ist der junge schwarze Nachtclubsänger und Jazzmusiker Johnny Ingram (Harry Belafonte). Der hat eine ausgeprägte Spielschuld, will eigentlich keine kriminelle Laufbahn einschlagen, doch die Unterhaltszahlungen für seine getrennte Frau Ruth (Kim Hamilton) und für die kleine Tochter Edie (Lois Thorn) müssen auch bezahlt werden. Zudem rücken ihm seine wenig zimperlichen Gläubiger auf die Pelle. Da sie auch in Richtung Familie drohen, macht Johnny schließlich mit. Er merkt auch sofort, dass Earl ihn abweisend behandelt, lässt sich aber vom Hass des Anderen nicht so schnell einschüchtern. Dann geht es auch schon los. Doch der Bankraub, der so leicht von Burke beschrieben wurde, ist alles andere als Kinderspiel. Es kommt zu einige nicht berechneten Hindernissen und auch der Konflikt zwischen Earl und Johnny spitzt sich zu...



Dabei kann der alte Mann nur bedingt eingreifen, er ist machtlos und die Dynamik verändert sich zunehmend in eine Katastrophe. Der Titel "Wenig Chancen für morgen" ist Programm und die Geschichte ist ein echtes Verliererepos. Dabei konnte Robert Wise auf drei Top-Hauptdarsteller zurückgreifen. Ed Begley ist eh immer ein Gewinn und Robert Ryan beweist einmal mehr seine Klasse. Auch Harry Belafonte ist in einer seiner stärksten Performances zu sehen. In Nebenrollen brillieren mit Gloria Grahame und Shelley Winters zwei große weibliche Ikonen des Noir.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 8. Juli 2018

The Man between - Gefährlicher Urlaub

























Regie: Carol Reed

Susanne in Berlin....

Von 1947 bis 1953 hatte der britische Filmregisseur Carol Reed sicherlich seine stärkste Phase und das lag nicht alleine an seinem riesigen Welterfolg "Der dritte Mann", in dem Orson Welles als Chef einer Schieberbande von gestrecktem Penicilin von der Wiener Kripo gejagt wird - unvergessen seine Flucht in den Katakomben und natürlich das von Anton Karas gespielte Musikstück auf der Zither. Alle Filme, die Reed in diesen 6 Jahren drehte sind auf Augenhöhe mit dem dritten Mann, aber lediglich "Ausgestoßen" gelang es, sich richtig aus dessen Schatten zu befreien. Die drei weiteren Filme "The Fallen Idol - Kleines Herz in Not" (1948), "Der Verdammte der Inseln" (1951) und "The Man between" (1953) sind leider weniger bekannt. Gerade Letzterer hat eine starke Ähnlichkeit zu "Der dritte Mann" - die Geschichte spielt im Europa der Nachkriegszeit, doch nicht in Wien sondern im Berlin, dass in vier verschiedene Sektoren unterteilt ist, die Stadt ist in weiten Teilen immer noch eine Trümmerlandschaft. Zunehmende Interessengegensätze der Siegermächte zur Nachkriegsordnung Europas und insbesondere Deutschlands führen zum Scheitern der gemeinsamen Verwaltung der Stadt durch die Alliierten. Berlin entwickelt sich zum Brennpunkt des Kalten Krieges. Am 23. Mai 1949 erfolgt in den Westzonen Deutschlands die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Mit der Staatsgründung der DDR in der Ostzone am 7. Oktober 1949 wird Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR. In der Folge werden die beiden Stadthälften eng in die jeweiligen Gesellschaftssysteme ihrer Führungsmächte eingebunden und da sind wir dann schon wieder beim kalten Krieg und der Geschichte, die Carol Reed in "Man in Between" erzählt.
Die junge Britin Susanne Mallison (Claire Bloom) aus London freut sich, dass sie nach längerer Zeit endlich wieder ihren Bruder Martin (Geoffrey Tune) trifft, der als in Berlin lebt und bei der britischen Armee beschäftigt ist. Martin hat in der Zeit in Deutschland auch seine jetzige Frau Bettina (Hildegard Knef) kennengelernt und geheiratet. Bettina holt ihre Schwägerin am Flughafen ab, doch die sensible Susanne merkt sofort, dass Bettina irgendwie bedrückt erscheint. Könnte es sein, dass Bettina von ihrem Mann etwas vernachlässigt wird, da dieser beim Militär stark eingebunden ist ? Bei einem gemeinsamen Abend verhält sich Bettina auch merkwürdig, sie kippt sich absichtlich den Drink aufs Kleid, damit sie kurz auf die Toilette verschwinden kann. Susanne bemerkt dies natürlich und am anderen Tag machen die beiden Frauen einen Abstecher in den Ostteil der Stadt. Dort lernt Susanne einen gewissen Ivo Kern (James Mason) kennen, der vorgibt rein zufällig in das kleine Restaurant gekommen zu sein, wo die beiden Frauen sitzen. In Wirklichkeit hatte der Mann mit dem Jungen Horst (Dieter Krause) mit seinem Fahrrad, der für den dubiosen kern auf Wunsch etwas ausspioniert. Ivo Kern ist ein ehemaliger Anwalt, der im Krieg an vielen Nazi-Gräueltaten beteiligt war und nun im Nachkriegsdeutschland sich nie mehr bürgerlich etablieren konnte. Er hat sein Fachwissen an Ostdeutschland verkauft, um bestimmte wichtige Westdeutsche in den Ostblock zu entführen und zu transportieren. Leider ist Ivo Kern zu sehr in diese kriminellen Machenschaften verstrickt, er ist gebunden an den Kommunisten Halender (Aribert Wäscher), der Kern mit Material erpressen kann, dass er den westlichen Dienststellen jederzeit aushändigen könnte. So bleibt Kern vorerst verwehrt in den Westen überzusiedeln, denn eine hohe Gefängnisstrafe würde ihn erwarten. So arbeiten Kern und Halender daran einen Olaf Kestner (Ernst Schröder) zu entführen, der derzeit Personen aus Ostberlin in den Westen schmuggelt...



Der Film entstand nach dem Zeitungsroman "Susanne in Berlin" von Walter Ebert. Es fehlt zwar ein markanter Bösewicht wie Harry Lime aus dem dritten Mann, aber ansonsten hat der Film alle Zutaten auch heute noch zu begeistern. Zumal er die Atmosphäre der geteilten Stadt in ihren Anfängen sehr authentisch zeigt - Desmond Dickinson, der Kameramann von Oliviers "Hamlet" - hat die  Spionage-Geschichte hervorragend mit schwarz-weiß Bildern veredelt. Und Carol Reed erweist sich einmal mehr für sein Faible an gefallenen oder verkorksten Figuren, die zwar gerne von ihrem falschen Weg umkehren würden, aber es nicht mehr können. Wie gewohnt düster hat er "The Man between" (deutscher Titel: Gefährlicher Urlaub) inszeniert, man findet auch hier die expressionistischen Kameraperspektiven für die "Der dritte Mann" so berühmt wurde. Für die junge Claire Bloom war es nach Chaplins "Rampenlicht" der zweite Filmerfolg.




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.