Montag, 23. Dezember 2019

Am Tod vorbei

























Regie: Allan Dwan

Frauen, die schießen, kämpfen und hängen...

Allan Dwans 1953 inzenierter Western "Am Tode vorbei" heißt im Original "The Woman they almost lynched". Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es um eher ungewöhnlichen Genrevertreter. Dabei sind es vor allem die Frauen, die extrem stark und empanzipiert auftreten. Allan Dwan war ein Meister des B-Pictures, obwohl er auch mit Kinderstar Shirley Temple erfolgreiche Filme realisierte. Die 20th Century Fox verpflichtete den guten Handwerker auch für den Monumentalschinken "Suez" mit Tyrone Power und Loretta Young. Mitte der 40er Jahre wurde er Vertragsregisseur bei den Republic Studios und drehte dort Filme wie "Du warst unser Kamerad" oder "Die Schönste von Montana" drehte. Der Western "Stadt der Verdammten" wird meistens als seine beste Arbeit genannt. Auch "Am Tode vorbei" hat viele Stärken. Wobei das Drehbuch aber doch recht seltsam ist und auch die Gesangseinlagen von Audrey Totter haben heute sicherlich nicht mehr diese todbringende Wirkung wie vom Macher damals dramaturgisch gewollt. Und Brian Donlevy ist einmal mehr als Rebellenführer Quantrill zu sehen. Sein Widersacher ist John Lund, der in dem Film leider etwas farblos bleibt. Vielleicht deshalb weil hier in Border City, die Frauen die Hose anhaben. Bürgermeisterin ist die resolute Delilah Courtney (Nina Varela), die in der Stadt das ultimative Sagen hat und wie ein Diktator über das Städtchen herrscht. Sie beruft sich dabei auf die Pflicht, dass die Stadt, in der die Staatsgrenze von Kansas und Missouri verläuft, immer neutral bleibt. Dies sichert den Frieden und wer sich hier als Streiter für den Süden oder für den Norden zu erkennen gibt, der wird von der Bürgermeisterin einfach gelyncht. Noch ist es in der Stadt friedlich, doch es Nordstaatengruppen in der Nähe, auch die Regimenter des Südens halten sich hier irgendwo auf und erschwerend kommt noch hinzu, dass der Rebellenführer Quantrill mit seiner Bande die Gegend unsicher macht. Mit Quantrill reiten auch der junge Jesse James (Ben Cooper), Frank James (Frank Brown), Cole Younger (Jim Davis) und Quantrills aggressive Ehefrau Kate (Audrey Totter), die mal die Barsängerin Kitty McCoy war und in der Bar von Bitterroot Bill Marris (Reed Hadley) war und auch dessen Geliebte. Doch Quantrill hat die Frau entführt und Marris wurde zum verbitterten Menschenfeind. Marris jüngere Schwester Sally (Joan Leslie) ist mit der Postkutsche unterwegs und will ihren Bruder in Border City besuchen, wo gerade mal wieder jemand aufgehängt wurde. Kurz vor der Stadt wird die Kutsche von Quantrill überfallen, so lernt die junge Dame auch die Guerilla Bande kennen. Mit der fiesen Kate wird sie im Laufe der Handlung auch noch eine wilde Schlägerei und einen Gunfight bestreiten...



Und damit sind Joan Leslie und Audrey Totter die heimlichen Hauptdarstellerinnen dieses temporeichen und völlig anderen Western. Die Männer sind nur Beiwerk in diesen Kämpfen aus den letzten Tagen des Bürgerkrieges. Am Ende versammelt sich die neugierige Stadtbevölkerung noch einmal vor dem Galgenbaum, um jemanden hängen zu sehen. Aber vielleicht kann diese Katastrophe doch noch abgewendet werden, weil man Lund und Leslie nicht den Kuss am Ende verwehren will.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

In blinder Wut

























Regie: Michael Curtiz

Die Geschichte des Grubenarbeiters Jo Radek...

Michael Curtiz wurde am 24. Dezember 1886 in Ungarn geboren und machte später in Hollywood Karriere als Filmregisseur, nachdem er bereits zu Stummfilmzeiten in Ungarn und Österreich Filme drehte. 1926 debütierte er in der Traumfabrik mit "Sensation im Zirkus" und in der Folge entstanden Kinoerfolge wie "Chicago - Engel mit den schmutzigen Gesichtern", "Herr der sieben Meere", "Robin Hood" oder "Unter Piratenflagge". Bei seiner vierten Oscarnominierung als bester Regisseur gelang ihm mit dem Welterfolg "Casablanca" auch der Sieg.
Der 1935 entstandene Krimi mit sozialen Einschlag "In blinder Wut" ist heute etwas in Vergessenheit geraten. Doch es lohnt sich "Black Fury" - so der Originaltitel des Films - neu zu entdecken. Vor allem gibt es ein Wiedersehen mit Paul Muni. Der aus Lemberg stammende Muni, der in den 30er Jahren mehrfach als bester Schauspieler für den Oscar nominiert wurde, zeigt auch hier eine sehr gute Schauspielerleistung.
Der Film nimmt Bezug auf einen historischen Falldes Jahres 1929, der sich in Pennsylvania ereignete. Dort wurde der streikende Bergmann John Barkowski von der Polizei einer privaten Firma zu Tode geprügelt. Bei der 8. Oscar Verleihung 1936 wurde Paul Muni für die Rolle des Minenarbeiters Joe Radek nicht offiziell für den Oscar als bester Schauspieler nominiert, er belegte jedoch aufgrund der in diesem Jahr abgegebenen schriftlichen Stimmen den zweiten Platz hinter Victor McLaglen für "The Informer".
Der Grubenarbeiter Jo Radek stammt ursprünglich aus Osteuropa. Jo ist bei seinen Arbeitskollegen sehr beliebt, da er immer einen guten Spruch auf Lager hat und auch gut Streitigkeiten schlichten kann. Jo träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit seiner derzeitigen Freundin Anna Novak (Karen Morley), die allerdings auch ein heimliches Verhältnis mit dem Polizisten Slim Johnson (William Gargan) hat. Beide brennen durch und dies bricht dem robusten Arbeiten das Herz. An diesem besagen Abend trinkt er eine Menge Alkohol und nimmt später, sturzbetrunken, an einer wichtigen Gewerkschaftsversammlung teil. Zusätzlich wird er noch aufgestachelt von seinem Kumpel Steve Croner (J. Carrol Naish), der undercover für eine Sicherheitsfirma arbeitet, die darauf aus ist, dass sich die Gewerkschaft spaltet, radikalisiert und somit durch weniger Macht sich am Ende auflöst. Der Plan gelingt durch die Stimme von Joe. Doch damit beginnen erst die Probleme. Mike Shemanski (John Qualen), Joes bester Freund wendet sich von ihm ab, weil er ihm die Schuld gibt für die kommenden fatalen Ereignisse der Arbeitsniederlegung. Denn die Firma hat tatsächlich die Hilfe dieser Sicherheitsfirma in Anspruch genommen, die mit Privatpolizei auftaucht. Vor Brutalität schrecken diese Ordnungshüter natürlich nicht zurück...



Ein Film über einen Mann, der durch eine Enttäuschung einen fatalen Fehler begeht und sich unwissend von einem Betrüger einspannen lässt. Als er dies bemerkt, scheint schon alles zu spät zu sein. Ein Mord vor seinen Augen lässt ihn dann doch wieder in der richtigen Spur laufen. Er lehnt sich gegen ein menschenverachtendes System auf. "In blinder Wut" bietet zwar durch die Liebesgeschichte eine gewisse Dramatik, doch im Kern ist Michael Curtiz ein Werk mit sozialer Sprengkraft. Eine Art Vorläufer von großen Klassikern wie "Blinde Wut" von Fritz Lang oder "Früchte des Zorns" von John Ford.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 
 

Mein Mann Godfrey

























Regie: Gregory LaCava

Der Mann von der Müllhalde...

Gregory LaCavas Screwball-Komödie "Mein Mann Godfrey" erhielt bei der Oscar-Verleihung des Jahres 1937 insgesamt 6 Nominierungen. Regisseur Gregory LaCava bekam eine davon. Auch das Drehbuch von Erich Hatch und Morris Ryskind wurde vorgeschlagen. Und weil das gesamte Schauspieler Ensemble vorzügliche Arbeit leistete, wurden auch die Hauptdarsteller William Powell und Carole Lombard nominiert. Ausserdem die Nebendarstwller Mischa Auer und Alice Brady. Doch am Abend der Preisverleihung am 4. März 1937 ging der Film komplett leer aus.
Die Geschichte spielt in New York City, während der großen Weltwirtschaftskrise. Diese Depression hat viele reiche Leute arm gemacht und die armen Menschen noch ärmer. Einigen wenigen geht es aber gut und so lassen es sich die beiden reichen Bullock Schwestern Irene (Carole Lombard) und Cornelia (Gail Patrick) entsprechend gut gehen. Deren alberne Mom (Alice Brady) gibt das Geld ihres vermögenden Mannes (Eugene Pallette) rasend schnell aus und hat ihre Töchter auch dementsprechend verwöhnt und arrogant erzogen. Vor allem Cornelia ist purer Egoismus in Person. Bei einer Wohltätigkeitveranstaltung im noblen Waldorf Ritz Hotel wird eine Schnitzeljagd für wohltätige Zwecke eröffnet. Die Reichen müssen irgendwelche Dinge finden, die dann später versteigert werden. Unter anderem wird nach einem vergessenen Mann gesucht. Der könnte vielleicht auf den Müllkippen der Stadt am East River in der Nähe der 59th Street Bridge zu finden sein, dort wo die Armen und Obdachlosen hausen. Tatsächlich finden sie dort einen Mann (William Powell) mit auffallend guten Umgangsformen, der sicherlich schon mal bessere Zeiten erlebt haben dürfte. Mit 5 Dollar will Cornelia den Obdachlosen zur Veranstaltung locken. Doch die Art der arroganten Lady missfällt dem Mann und er gibt ihr einen Korb. Die freundliche Irene (Carole Lombard) kann ihn jedoch überreden mitzukommen. Am Ende des Abends hat Godfrey - so heißt der höfliche Obdachlose - einen Job bei den Bullocks als Butler. Haushälterin Molly (Jean Dixon) warnt ihn aber vor der dysfunktionalen Familie. Noch nie hat es ein Butler lange ausgehalten. Entweder ist er gegangen oder er wurde gegangen. So schnell lässt sich Godfrey aber nicht abschrecken...



Natürlich stammt Godfrey aus einer guten Familie und so steht am Ende einem HappyEnd nichts mehr im Wege. Vorher hat Godfrey aber noch allerhand Ärger mit dieser sehr speziellen Familie, in der die Mutter sich auch noch einen Hausfreund und Protege (gespielt von Mischa Auer) hält. Trotz dem Comedy Faktor kommt auch die etwas bittere Erkenntnis gut rüber, dass der Reichtum nicht nur heute, sondern schon damals sehr ungerecht verteilt ist und es Menschen gibt, die der Verschwendungssucht frönen. Die Kassen der Kinos klingelten und so gab es auch 1957 ein Remake mit David Niven und June Allyson, das von Henry Koster gedreht wurde.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 14. Dezember 2019

Nachts unterwegs




















Regie: Raoul Walsh

Auf den Straßen....

1939 inszenierte Raoul Walsh mit "Die Wilden Zwanziger" einer der großen Gangsterfilme der 30er Jahre, der Nachfolger "Nachts unterwegs" markiert aber schon den Übergang zum Film Noir der 40er Jahre. Walshs Film wirkt zweigeteilt, was dadurch versucht wurde, dass der zweite Teil des Films von dem Warner Bros Film "Bordertown" ausgeliehen wurde. Darin ermordet eine Femme Fatale ihren Ehemann durch eine Kohlenmonoxidvergiftung, was gleichzeitig auch eine der markantesten Szenen in "Nachts unterwegs" ist. Die Mörderin wird von Ida Lupino perfekt gespielt. Sie wurde im gleichen Jahr noch einmal in einem Walsh-Film eingesetzt. Neben Humphrey Bogart spielte sie im Klassiker "Entscheidung in der Sierra".
Der erste Teil von "Nachts unterwegs" schildert ein Brüderpaar, die als LKW Fahrer ihre Brötchen verdienen. In einem heiß umkämpften Gewerbe, dass für die Fahrer ganz miese Bedinungen bei schlechter Bezahlung bietet. Denn wer am schnellsten von A nach B fährt, der bekommt meistens den Zuschlag. Die Konsequenz dieses geschäftlichen Vorteils ist Übermüdung und dadurch verursachte Unfälle, die auch tödlich ausgehen könnten.
"Nachts unterwegs" sind jedenfalls die Brüder Joe (George Raft und Paul Fabrini (Humphrey Bogart). Die beiden sind unabhängige LKW Fahrer, tragen aber auch das volle Risiko und der alte Lastwagen wurde auf Pump gekauft und daher sind sie gezwungen Termin-Fahrten zu machen, die auch ein bisschen was einbringen. Schlaf ist ein Fremdwort für die beiden Brüer. In einer Kneipe lernt Joe die Kellnerin Cassie Hartley (Ann Sheridan) kennen, die sie später per Anhalter wieder trefffen. Paul ist glücklich mit Pearl (Gale Page) verheiratet, die aber in ständiger Angst lebt, dass ihr Mann einen Unfall haben könnte. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit auch recht hoch...Berufskollege Harry McNamara (John Litel) schläft während der Fahrt ein und die beiden Brüder sehen nur noch den Wagen in den Abgrund stürzen, dann fängt der Laster zu brennen an. Wenig später trifft es auch Joe und Paul. Während Joe mit einem Schrecken davon kommt, muss man bei Paul den Arm amputieren. Zum Glück finden beide eine Anstellung bei Ed Carlsen (Alan Hale sr.), der früher selbst Fahrer war und nun ein Lastwagen-Unternehmen hat. Eds Frau Lana (Ida Lupino) hat die Anstellung forciert, weil sie schon seit Jahren ein Auge auf Joe geworfen hat. Doch der lässt die Frau seines Freundes immer wieder abblitzen und intensiviert statdessen seine Beziehung zur hübschen Cassie...




Tatsächlich bräuchte man den zweiten Teil gar nicht, denn nach dem Unfall von Paul, der von Humphrey Bogart gespielt wurde, gäbs reichlich andere Möglchkeiten für den Drehbuchautor. Aber die Macher setzten schließlich auf Ida Lupino, auf ihre Fähigkeit als Drachenlady, die dann auch im Laufe der Ereignisse noch wahnsinnig wird. Auch wenn natürlich die Klassiker "Die wilden Zwanziger" oder "Entscheidung in der Sierra" noch besser sind, ist "They drive by night" auch nicht zu verachten. Immerhin ist die Inszenierung sehr actionreich und an der Kasse lief der Film mit 1,6 Millionen Dollar Einspielergebnis alles andere als schlecht.
 



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Landru - Der Frauenmörder von Paris

























Regie: Claude Chabrol

Der Mann, der die Frauen ermordete...

Die Geschichte des französischen Serienkillers Henri Desire Landru wurde mehrmals verfilmt. Allerdings haben die beiden berühmtesten Verfilmungen eher weniger mit dem Originalfall zu tun. 1947 spielte Charlie Chaplin die Hauptrolle in "Monsieur Verdoux", einer Komödie über einen Bankangestellten, der seinen Job verliert und in Folge 14 wohlhabende Frauen ermordet, damit er seine Familie ernähren kann. Chaplin adaptierte dabei ein Originaldrehbuch von Orson Welles über Landru, das Chaplin ihm abkaufte. Claude Chabrols Version "Der Frauenmörder von Paris" aus dem Jahr 1983 ist da näher an der Wirklichkeit, allerdings ignoriert er die ersten vier Morde in Vernouillet und nahm sich weitere Freiheiten heraus, die so nie stattfanden. Dabei schrieb Francoise Sagan das Drehbuch und der Film erhöht durch die Einblendung von Szenen aus dem 1. Weltkrieg sein Zeitkolorit. Dabei wählte Chabrol sehr oft einen satirischen Einschlag. "Landru" entstand nach seinen ersten Kritikererfolgen wie "Schrei, wenn du kannst", "Die Enttäuschten", "Schritte ohne Spur" und "Die Unbefriedigten" und das Serienkillerportrait markierte auch den Beginn von Chabrols eher kommerziellerer Phase, erst 1968 gelang ihm ein Comeback mit anspruchsvollen Kriminalfilmen.
Der echte Landru - ein Antiquitätenhändler, der reihenweise gut betuchte Frauen umbringt, die er auch beerben kann wird 1919 verhaftet und drei Jahre später hingerichtet. Im Grunde ist Monsieur Landru ein ganz normaler Ehemann. Seine Frau (Francoise Lugagne) ist zwar genervt, dass der Gatte so viel Zeit mit seinen Geschäften verbringt. Aber Landru sorgt dafür, dass auch in den schwierigen Kriegsjahren immer Geld in die Haushaltskasse fließt und seine vielen Kinder müssen daher auch nicht hungern. Der Mann, der mit seiner Halbglatze und seinen Bart nicht gerade extrem attraktiv wirkt, hat aber gute Umgangsformen und daher gelingt es ihm auch, dass Frauen sich für ihn interessieren. Er gibt Zeitungsannoncen auf und gibt vor ein einsamer Unternehmer zu sein, der seine Einsamkeit durch die Suche nach einer treuen Frau beenden will. Diese Annoncen sind ein voller Erfolg und Landru hat eine hohe Quote an Zuspruch beim ersten Treffen. Die Frauen (u.a. Danielle Darrieux, Michele Morgan, Hildegard Knef, Stephane Audran, Catherine Rouvel, Juliette Mayniel, Mary Marquet, Denise Provence) sind von Landrus Charme, seinen guten Manieren und seiner Zärtlichkeit äusserst angetan. Es ist daher ein Leichtes seine Verehrerin in ein Landhaus einzuladen. Dort gibts Liebe und Träume von einer gemeinsamen Zukunft. Die Frauen überschreiben dem Charmeur ihr Geld. Dann werden sie ermordet, zersägt und die einzelnen Leichenteile im Ofen verbrannt. Die Nachbarn sehen nur den aufsteigenden Rauch aus dem Kamin und einen damit verbundenen seltsamen Gestank. Nur durch Zufall gerät Landru in den Fokus der Kriminalpolizei..




Charles Denner als Landru ist kaum wiederzuerkennen und interessant ist auch die Tatsache, dass der Schauspieler 14 Jahre später von Francois Truffaut als "Der Mann, der die Frauen liebte" eingesetzt wurde. Die Titelfigur Bertrand Morane in Truffauts melancholischem Film ist ebenfalls ein Mann, der stets auf der Suche nach Frauen ist. In Truffaut ist es die Sexsucht, in Chabrols freiem Biopic ist es der finanzielle Vorteil, der den Mann zum Mörder werden lässt. "Landru" - so der Originaltitel -  ist kein Meisterwerk von Chabrol, dazu ist der Film zu wenig spannender Serienkillerfilm, da die Überzeichnungen dies schon gar nicht zulassen.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Sonntag, 1. Dezember 2019

Der Reigen

























Regie: Max Ophüls

Das älteste Karussell der Welt...

Das Bühnenstück "Der Reigen" von Arthur Schnitzler hatte am 23. Dezember 1920 am Kleinen Schauspielhaus in Berlin seine Uraufführung und wurde in Folge einer der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts. Bereits 2 Monate nach der Premiere kam es in der Hauptstadt zu Ausschreitungen, nachdem ein hoher Beamter der Berliner Polizei eine systematische Hetze gegen die Aufführungen auf den Weg gebracht hatte. Theaterleiter und Darsteller wurden daraufhin wegen unzüchtigen Handlungen im s.g. "Reigen Prozess" vor Gericht gestellt. Das Stück zeigt 10 erotische Episoden, die alle mit dem Geschlechtsverkehr enden, allerdings wird der Akt nie gezeigt, sondern nur angedeutet.
Von dem skandalreichen Stück gab es mehrere Verfilmungen. Die bekannteste stammt aus dem Jahr 1950 und wurde von Max Ophüls gedreht. Der ergänzte die Handlung durch die Figur eines Conferenciers, der auf einem Karussell erscheint und den Zuschauer durch das Wien um das Jahr 1900 führt. Verkörpert wird dieser Spielleiter von Adolf Wohlbrück, der diesen endlosen Walzer singend und manchmal auch mit einem Kommentar begleitet.
Die erste Episode heißt "Die Dirne und der Soldat" und zeigt eine Prostituierte (Simone Signoret), die sich dem Soldaten Franz (Serge Reggiani) angelt und mit diesem unter der Brücke eine sehr schnelle Nummer absolviert. Der Soldat verschwindet weil Zapfenstreich ist und ist auch mit einem Stubenmädchen Marie (Simone Simon) liiert. Die ist verliebt in ihn, doch er sieht dies eher als Flirt und beide machen Liebe in den Auen, die in der Nähe des Praters sind. Das Mädchen verliert ihre Stellung, weil sie zu spät heimkommt, doch in der neuen Stellung geht es ihr ganz gut. Vor allem Alfred, der Sohn des Hauses (Daniel Gelin) ist an ihr interessiert. An einem Nachmittag, als seine Eltern ausgegangen sind, passiert das Unvermeidliche. Stille Wasser sind tief, denn der Sohn hat auch eine Affäre mit einer verheirateten Frau namens Emma (Danielle Darrieux), die sich mit dem jungen Kerl heimlich trifft. Ihr Ehemann Charles (Fernand Gravey) ist fest von der Treue seiner Ehefrau überzeugt, er selbst hat nichts gegen einen Seitensprung und so lädt er Anna, das süße Mädel (Odette Joyeux) ins Extrazimmer eines Gasthauses ein. Die trifft sich auch mit einem Dichter (Jean Louis Barrault), der sich auch zur der Schauspielerin Charlotte (Isa Miranda) hingezogen fühlt und sich mit ihr trifft. Die lädt einen Grafen (Gerard Philippe) ein, sie im Bett zu besuchen. Der betrinkt sich an diesem Abend und landet im Bett der Prostituierten, die wir am Anfang des Reigens kennenlernten und mit der sich auch dieser Reigen wieder schließt...



Aus heutiger Sicht fragt man sich natürlich was die Menschen damals in diesem "Reigen" sahen. Auch in der Entstehungszeit des Films, im Jahr 1950, war die Gesellschaft eher prüde. Heute ist dieser Reigen fest im Alltag integriert und er braucht auch keine Heimlichkeiten mehr. Ein Indiz dafür, dass sich der Mensch und seine Bedürfnisse nicht geändert hat, wohl aber die gesellschaftliche Akzeptanz von Lust und Sexualität. Zum Glück. Darüberhinaus gelang Ophüls einmal mehr ein treffendes Bild der Moral in der Gesellschaft des Fin de siécle. Sein Reigen umfasst auch sämtliche Gesellschaftsschichten, von ganz unten bis ganz oben. Alles ist atmosphärisch dicht und hat eine schöne Leichtigkeit zu bieten, die den Moment zelebriert und dennoch auf die Vergänglichkeit des Menschen hinweist. Die Musik von Oscar Straus verstärkt diese Dramaturgie.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.