Samstag, 25. Januar 2020

Mit roher Gewalt



















Regie: Jesse Hibbs

Im hohen Norden...

Als "The Spoilers" im Jahr 1955 von Jesse Hibbs verfilmt wurde, konnte der Stoff schon auf vier Vorgänger zurückblicken. Die erste Filmversion entstand 1914, es folgte 9 Jahre später eine weitere Verfilmung mit Noah Beery sen. und auch Gary Cooper wurde 1930 verpflichtet. 1942 mit großer Starbesetzung durch Marlene Dietrich, Randolph Scott und dem noch jungen John Wayne. Durch die vielen Vergleiche und einer höheren Meßlatte urteilte die Kritik im Jahre 1955 auch verhalten auf dieses weitere Remake.
Aber immerhin setzten die Macher auf die Vorzüge des Technicolor-Verfahrens. Landschaftspanoramen, Kulissen und Kostüme kamen daher besonders gut zur Geltung und am Ende gabs harte Männer, die sich im Schlamm bekämpfen. Spektakulär und passend in der damaligen Zeit war auch der Faustkampf der beiden Kontrahenten Roy Glennister und Alexander McNamara.
Das sind zwei Kerle, die auf die Salon Besitzerin Cherry Malotte (Anne Baxter) stehen. Im Städtchen Nome in Alaska ist auch der Goldrausch ausgebrochen und viele Glücksritter hatten schon etwas gefunden. Doch immer wieder gabs unter den goldgierigen Menschen dort oben im hohen Norden Streitereien um die Besitzansprüche der Minen. Daher wird der Regierungskommissar Mc Namara (Rory Calhoun) nach None geschickt, er soll die ständigen Streitigkeiten endgültig regeln. Auch Richter Stillman (Carl Benton Right) wird erwartet, er soll dann vor Ort die Urteile dazu sprechen. Bis es soweit ist, hat die Regierung die vorläufige Enteignung der Inhaber festgelegt. Die Goldsucher sind aufgebracht. Aber immerhin kann Cherry sie beschwichtigen. Cherry wird auch von ihrem jungen Groupier Blackie (Ray Danton) begehrt. Doch ihr Herz schlägt nur für ihren Liebsten Roy Glennister (Jeff Chandler), der mit dem gleichen Schiff wie der Richter in None erwartet wird. Als Roy dort mit der hübschen Helen Chester (Barbara Britton) auftaucht, ist gleich reichlich Grund zur Eifersucht gegeben. Helen ist die Nichte des Richters und scheint an Roy interessiert zu sein. Der sagt zwar seiner Cherry, dass sie gar keinen Grund hat eifersüchtig zu sein, aber Cherry ist nun mal Cherry und sie zeigt ihm fortan erst mal die kalte Schulter - Flirten kann sie ja mit dem neuen gutaussehenden McNamara.
Und Roy, der gemeinsam mit seinem besten Freund Dextry (John McIntire) die beste Mine im Umkreis hat, wird vorerst mit der seriösen Helen vorlieb nehmen müssen. Diese Goldmine hat bisher schon 80.000 Dollar eingebracht, die die beiden im Safe angespart haben. Leider spielt der Kommissar ein falsches Spiel und er will mit einigen Komplizen Herr der Goldmine werden...


"The Spoilers" bekam in Deutschland den Titel "Mit roher Gewalt", wobei die unterhaltsame und spannende Geschichte um Gier und Korruption eigentlich eher temperamentvoll und cool inszeniert wurde. Anne Baxter ist die perfekte Besetzung für die liebende Frau, die alles für ihren "Mann" riskiert und gemeinsam mit ihrer seltsamen, aber putzigen Zofe Herzogin (Ruth Donelly) mit einem gelungenen Täuschungsmanöver den Gangster in die Irre führt. Anne Baxter spielt ihre Rolle lasziv, darf auch mal ordinär sein und vor allem immer temperamentvoll. Wer Alaska Western wie "Über den Todespass" oder "Gefährten des Grauens" mag, sitzt hier auch in der 1. Reihe.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 


Der stolze Rebell

























Regie: Michael Curtiz

Vater und Sohn...

Als Michael Curtiz 1958 den Western "Der stolze Rebell" drehte, war er bereits 72 Jahre alt und gehört wie "Der Henker" (1959) und "Die Comancheros" (1962) zu seinen letzten Filmen. Er ist auf alle Fälle sehr gut gelungen - denn er hat es durch sein Können vermieden aus dem Stoff eine Schnulze zu machen. Dies gelang durch die Vermeidung von Sentimentalität, so ist dem aus Budapest stammenden Hollywoodregisseur ein Werk gelungen, dass sehr sensibel und behutsam von der Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn und von einem Jungen zu seinem Hund erzählt. Somit ist "Der stolze Rebell" ein Film, der einerseits viel über die amerikanische Kultur und Geschichte erzählt, aber andererseits auch übergeordnet als Film über die unerschütterliche Freundschaft von Mensch und Tier erzählt. Hauptdarsteller Alan Ladd als John Chandler,  Veteran der Südstaaten wurde sehr gelobt - sein Sohn David, damals 11 Jahre alt, durfte den stummen Sohn David spielen. Vater und Sohn sind geprägt vom Krieg. Während John Chandler in der Armee gegen den Norden kämpfte, kam seine Frau ums Leben. Der Feind hatte die Farm abgebrannt, die Flammen rissen Davids Mutter in den Tod. Seither ist der Junge stumm und bekommt kein Wort mehr heraus. Nun ist der Krieg zu Ende und der Bürgerkriegsveteran zieht mit dem Sohn durch Illinois. Ständiger Begleiter der beiden ist der treue Hund Lance, Davids bester Freund. Sie besuchen einen Arzt (Cecil Kallaway), der dem Vater Hoffnung bei der Krankheit seines Sohnes macht. Ein Spezialist in Minesota würde eine Operation unentgeltlich durchführen. In der Stadt fällt dem Schafzüchter Burleigh (Dean Jagger) und seinen beiden Söhnen (Harry Dean Stanton und Tom Pittman) das Können des Vierbeiners auf, wie er die Schafsherde im Griff hat. Sie wollen den Hund und bekommen Streit mit John, der sich plötzlich im Gericht wiederfindet und nur durch die Hilfe der alleinstehenden Farmersfrau Linnett Moore (Olivia de Havilland) einer Gefängnisstrafe von 30 Tagen entgeht. Dafür arbeitet er bei ihr auf der Farm, fest entschlossen mit David nach Minesota zu kommen. Dafür braucht er aber viel Geld (300 Dollar kostet die Reise) und da sich inwzischen auch Dorfbewohner Bimm Bates (James Westerfield) für den Hund interessiert, verkauft ihn John heimlich an ihn. Obwohl ihn Linnett ausdrücklich davon abgeraten hatte...




Viele Kritiker bezeichnen "Proud Rebel" sogar auf Augenhöhe mit dem Alan Ladd Klassiker "Mein großer Freund Shane" und dies ist auch mein Empfinden. Es ist ein sehr schöner Genrevertreter, bei dem sich der Zuschauer auch Gedanken darüber macht, was wirklich wichtig ist im Leben. Ja...natürlich ist ein Leben ohne Hund möglich, aber doch völlig sinnlos. Nur gut, dass Alan Ladd am Ende seinen Fehler einsieht und ihn wieder gut machen will. Der Film basiert auf einer Geschcihte von James Edward Grant. Diese Short Story wurde 1947 veröffentlicht und kurze Zeit später kaufte Filmmogul Samuel Goldwyn auf Drängen seines Sohnes die Filmrechte. Bis zur Realisierung feilte Goldwyn Jr. an kleinen Details, er wollte unbedingt den Film mit riesigen Budget realisieren, aber so einfach war die Finanzierung nicht. Goldwyn Jr. war aber so vernarrt in das Projekt, dass er das Viertel des Budget aus der eigenen Tasche zahlte. Der Mann muss ein Tierfreund gewesen sein. Neben Alan Ladd, seinem talentierten Sohn, der immer großartigen Olivia de Havilland ist natürlich Lance der Star des Films.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 18. Januar 2020

Shanghai Express

























Regie: Josef von Sternberg

Marlene im Zug...

Marlene Dietrichs erster Hollywoodfilm hieß "Marocco", den Regisseur Josef von Sternberg 1930 einige Monate nach dem gemeinsamen Welterfolg "Der blaue Engel" drehte. Insgesamt realisierte das Duo 7 Spielfilme, der erfolgreichste an der US-Kinokasse war zweifelsohne "Shanghai Express" der mit einem Einspielergebnis von 3,7 Millionen Dollar zum erfolgreichsten Blockbuster des Jahres 1932 wurde. Und tatsächlich ist "Shanghai Express" ein echter Kultfilm geworden und einer der besten Movies, die im Zug spielen und durchaus dem besten des Genres wie "Mord im Orient Express" von Sidney Lumet oder "Eine Dame verschwindet" von Alfred Hitchcock durchaus ebenbürtig.
Zur damaligen Zeit waren China und Südasien sehr beliebte Regionen für romantischen Hollywood Abenteuerfilme oder orientalische, etwas morbide Liebesgeachichten. So spielte Greta Garbos 1928er Film "Wilde Orchideen" auf Bali, Olga Baclanova war ein Jahr später "A Dangerous Woman" in Burma und das Duo Harlow und Gable verliebten sich auf einer Plantage - irgendwo in Südostasien in "Dschungel im Sturm". Auch die Filmdiven Carole Lombard, Joan Crawford, Hedy Lamarr oder Barbara Stanwyk konnten Filme in dieser Region nachweisen.
Schauplatz des Geschehens ist natürlich der Schnellzug "Shanghai Express", der die Metropolen Peking und Shanghai miteinander verbindet und in China ist Bürgerkrieg. Unter den Reisenden sind auch viele Ausländer. Der britische Kapitän Donald "Doc" Harvey (Clive Brook) trifft dort auf seine frühere Geliebte Madeline (Marlene Dietrich), die sich inzwischen unter Shanghai Lilly  einen Namen als Kurtisane und Abenteurerin gemacht hat. In ihrer Begleitung reist auch die attraktive Chinesin Hu Fei (Anna May Wong) mit. Die beiden Frauen werden von den anderen Reisenden nicht nur misstrauisch beäugt, sondern auch man begegnet den Damen feindselig - solche lastenhaften Frauen sind nichts für die feine Gesellschaft. Vor allem Mrs. Haggerty (Louise Glosser Hale), die mit ihrem Hund reist und der Reverend (Lawrence Grant) sind empört. Unter den anderen Reisenden befindet sich der französische Major Lenard (Emile Chautard), der lungenkranke Eric Baum aus Deutschland (Gustav von Seyfertitz), der US-Geschäftsmann Sam Salt (Eugene Pallette) und der undurchsichtige Mr. Chang (Warner Oland). Die Reise im Zug dauert 5 Tage und wird irgendwann von Regierungstruppen angehalten. Einer der Reisenden wird verhaftet, da er mit den Rebellen paktiert. Wenig später halten die Rebellen den Zug an und einer der Fahrgäste lässt seine Maske fallen...




"Shanghai Express" ist vor allem ein Film von Marlene Dietrich, die wunderbar eingefangen wird und die Kameramänner Lee Garmes und James Wong Howe (der ungenannt blieb) lassen die Diva im strahlenden Licht glänzen. Sie zeigen auch ihr Können durch ungewöhnliche Kameraeinstellungen, dafür kassierte Garmes zu Recht den Oscar. Auch die Montagearbeiten sind äusserst effektvoll, sie erinnern an den Stil deutscher Stummfilmklassiker. Nicht nur Marlene wird geheimnisumwittert inszeniert....auch viele andere Mitreissende nehmen in von Sternbergs grandioser Zugfahrt eine bedeutende Schlüsselrolle ein. Ein Meisterwerk mit perfekter Auslotung von Licht und Schatten. Dazu eine wunderschöne Marlene Dietrich im Pelz oder mit Federn beschmückt - mal verschleiert, mal verschattet, dann wieder rauchumnebelt. Nie wurde eine Filmgöttin obsessiver gezeigt.





Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Duell in den Wolken

























Regie: Douglas Sirk

Maschinenöl in den Adern...

"Duell in den Wolken" (Originaltitel: The Tarnished Angels) basiert auf dem Roman "Wendemarke" von William Faulkner aus dem Jahr 1935. Regisseur des Films war der Exildeutsche Douglas Sirk, der 1937 aus Deutschland fliehen musste, weil er von den Nazis verfolgt wurde. Berühmt wurde Sirk in Hollywood durch seine in den 50er Jahren opulent in CinemaScope gedrehten Film-Melodramen wie "Die wunderbare Macht", "Was der Himmel erlaubt", "In den Wind geschrieben" und "Solange es Menschen gibt". Zwischen diesen heute noch sehr beliebten und bekannten Werken drehte er "Duell in den Wolken" in ungewohntem Schwarz-Weiß.  Der sehr besondere Fliegerfilm, der in der Depressionszeit der USA spielt, ist heute immer noch ein Geheimtipp und eher wenig bekannt. Es ist jedoch der Film, bei dem Sirk die meisten Freiheiten hatte und daraus hat er einen ungeheuer traurigen und pessimistischen Film gemacht.
Ein Film über die Fliegerei und vor allem auch über die Einsamkeit der Menschen und wie sie dieses Manko mit einer Illusion im Kopf um einiges besser ertragen können. Menschen machen sich oft was vor, davon handelt die Geschichte und natürlich von Liebe. Die allerdings kann auch wieder eine reine Illusion sein.
Der Film handelt vom packenden und spektakulären Leben eines professionellen Kunstfliegers. Dieser Mann heißt Roger Shuman (Robert Stack) und tingelt nun Anfang der 30er Jahre als Barnstorming Pilot durch die Lande. Mit dabei ist seine äusserst attraktive Frau La Verne (Dorothy Malone), Sohn Jack (Chris Olsen) und Mechaniker Jiggs (Jack Carson), Roberts rechte Hand. Denn nur Jiggs versteht was den Maschinen, der einstige Kriegsheld Robert fliegt nur todesmutig durch die Luft. Möglicherweise hat der 1. Weltkrieg bei Robert Spuren hinterlassen, er ist jedenfalls besessen vom Fliegen und vernachlässigt seine Frau und seinen Jungen, die ihn lieben. Jiggs liebt LaVerne auch und akzeptiert seit Jahren, dass sie mit seinem besten Freund zusammen ist. Bei einer dieser Flugshows kreuzt auch der alkoholabhängige Journalist Burke Devlin (Rock Hudson) auf, der unbedingt eine Riesenstory braucht und sich das Fliegerass auserkoren hat. Er will was ganz tolles schreiben über diese Flugbegeisterten, die von Ort zu Ort ziehen und die statt Blut Maschinenöl in den Adern haben. Er trifft zuerst auf den kleinen Jack, der von einigen Männern auf dem Jahrmarkt gehänselt wird "Wer ist denn dein Vater ? Der Flieger oder der Mechaniker ?". Die Shumans haben natürlich keine Unterkunft und keine Kohle. Der Journalist bietet den Vier an, in seiner Wohnung übernachten zu dürfen. Auch der Industriemagnat Matt Ord (Robert Middleton) ist vor Ort mit seinem eingen Flieger, dem jungen Frank Burnham (Troy Donahue), der für ihn den Flugwettbewerb gewinnen soll. Ord macht kein Hehl daraus, dass er mehr als vernarrt in LaVerne ist, die in der Show einen Fallschirmabsturz in Etappen präsentiert. Immer wieder macht der Millionär LaVerne deutliche Avancen. Auch Burke verguckt sich in LaVerne.  Mit ihr kann er reden und auch sie genießt die Gespräche. Am anderen Tag gehts auch in die Luft und einer der Flieger stürzt beim Rennen ab...



Rock Hudsons einzige Oscarnominierung bekam er für die Rolle als Bick Bendict in George Stevens "Giganten". Dies gelang ihm sicherlich auch mit der Hilfe von Douglas Sirk, der an das Können seines Stars glaubte, ihm Selbstvertrauen und gute Rollen gab. So erbrachte er in den Sirk Filmen seine besten Darstellungen, in "Duell in den Wolken" überzeugt er als Journalist, der auf der Jagd nach einer Story ist. Gemeinsam mit Robert Stack und Dorothy Malone war er bereits in "In den Wind geschrieben" zu sehen. Die Leistung aller Darsteller ist hervorragend und auch die Optik (Kameramann Irving Glassberg) passt perfekt. Das "Duell in den Wolken" in Verbindung mit der Depressionszeit und den depressiven Gefühlen der Protagonisten wird so immer mehr zur echten Beklemmung. Die zeitgenössische Kritik meinte es nicht gut mit dem Fliegerfilm mit Tiefgang. Faulkner war allerdings sehr zufrieden mit der filmischen Aufarbeitung seines Romans.  Insgesamt wirkt der Film zwar etwas spröde, aber er hat auch eine gewisse Tiefenwirkung, wenn man sich auf die einsamen Figuren einlassen kann. Ich würde sogar "Duell in den Wolken" neben "Solange es Menschen gibt", der wieder als großes Melodram ganz anders ist, als besten Film von Sirk bezeichnen.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Die Marx Brothers im Krieg




















Regie: Leo McCarey

Anarchie in Freedonia...

Leo McCarey gewann 1937 für "Die schreckliche Wahrheit" und 1944 für "Der Weg zum Glück" den Regie-Oscar. Sein 1957 gedrehtes Liebesdrama "Die große Liebe meines Lebens" wurde zu einem großen Kultfilm und er war auch die treibende Kraft, dass ich die Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy in den 20er Jahren zu einem Duo formierten. Den Marx Brothers verhalf er mit seiner Regiearbeit zu "Duck Soap" (Deutscher Titel: Die Marx Brothers im Krieg) zur Krönung ihrer Karriere - zwar wurde die irrwitzige Komödie kein rieisger Kinohit, aber er entwickelte sich im Laufe der Zeit immer mehr zum Meisterwerk der anarchistischen Brüder Groucho, Harpo, Chico und Zeppo. In jedem ihrer Filme nehmen die Brüder hier eine stets gleichbleibende Rolle ein. So ist Groucho immer der Chef mit seiner Brille ohne Gläser und seinem riesigen aufgemalten Schnurrbart. Harpo ist ständig in Aktion, er ist zwar stumm, aber sprengt jede Szene mit seinen irren Handlungen - er nimmt alles an sich was ihm gefällt, schneidet mit seiner Schere hinein in die Kleidung anderer Leute und kommuniziert mit seinen Brüdern durch eine enervierende Autohupe, die er am Gürtel trägt. Chico spielt den Typus des ausländischen Emmigranten, er ist derjenige, der niedrigere Arbeiten verrichtet, darf aber durch böse Einfälle glänzen. Lediglich Zeppo, der jüngste des Brüderquartetts blieb eher blass. Er verließ auch später die Gruppe. 
"Duck Soap" war zwar alles andere als Flop, aber er führte letztendlich dazu, dass die Marx Brothers sich letztendlich vom Paramount Studio trennten.  Heute besitzt "Duk Soap" einen herausragenden Klassikerstatus und landete in der Liste des AFI über die 100 besten US-Filme aller Zeiten auf dem 60. Rang.
Die Geschichte spielt im fiktiven Staat Freedonia, der vor dem totalen Bankrott steht. Die Regierungsmitglieder sind auf das Geld der reichen Amerikanerin Mrs. Teasdale (Margaret Dumont) angewiesen, nur sie kann dem bankrotten Staat einen so großzügigen Kredit gewähren. Doch die Lady knüpft eine einzige Bedingung: Ein Präsident muss her, der die Fähigkeiten Können und Skrupellosigkeit miteinander verbindet und dieser Mann - so bestimmt sie - kann nur Rufus T. Firely (Groucho Marx) sein. Der nimmt den Posten auch an und bringt seinen Chauffeur Pinkie (Harpo Marx) und einen Mann namens Chicolini (Chico Marx) mit. Lezterer wird sogar Kriegsminister und beide Kumpane von Rufus sind auch als Spione im Nachbarstaat Sylvania tätig. Tatsächlich spielt Sylvania mit falschen Karten, obwohl deren Botschafter Trentino (Louis Calhern) den Friedensengel spielt und seine attraktive Sekretärin Vera Marcal (Raquel Torres) auf den chaotischen Rufus ansetzt. Der bringt eigentlich nur Anarchie zustande,  es kommt zum Krieg zwischen Freedonia und Sylvania, am Ende hat Freedonia mit den absurden Brüdern den Krieg gewonnen, die arme Mrs. Teasdale wird am Ende von Rufus, Pinkie und Chicolini mit Äpfeln beworfen...



Am besten gelungen ist die Spiegelszene, die einen Grouche mit Morgenmantel, Nachtmütze, Schnauzbart und Zigarre zeigt. Vor dem Spiegel sieht er sich selbst - dabei ist es der als Rufus verkleidete Harpo und beiden gelingt es mehrere Minuten die gleichen Bewegungen zu machen, so dass das Spiegelbild nicht Harpo enttarnt wird. Erst als das Spiegelbild einen schwarzen Zylinder statt dem hellen Hut zum Vorschein bringt, ist die Enttarnung nicht mehr weit. Aber auch sonst jagen sich in den nur 70 Minuten des Films Gags, akrobatische Sketche, Seitenhiebe auf Patriotismus und Kriegshelden und höhnische Kommentare auf beliebte Musicals. Man merkt den Brüdern an, dass die Marx Brothers ihre Karriere Anfang des Jahrhunderts in den Vaudeville Shows von New York begannen. Ihre Werke sind üppig angereichert mit herrlich chaotischem Slapstick, aber immer mit sehr viel Provokation angereichert, so dass man auch "Duck Soap" spielend leicht zur Kategorie der surrealistischen Satire zählen kann. Benito Mussolini verbot den anarchistischen Klamauk in Italien.



 Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Lebenskünstler

Regie: Frank Capra

Glücklich ohne Kohle...

Mit 5,2 Millionen Dollar Einspielergebnis wurde Frank Capras Komödie "You can´t take it with you" (Deutscher Titel: Lebenskünstler) zu einem der erfolgreichsten Kinoblockbuster des Filmjahres 1938. Ausserdem gewann der Film noch zwei Oscars - er wurde von der Academy zum besten Film des Jahres gewählt und auch Capra siegte in der Regie-Kategorie. Der Film selbst basiert auf einem mit dem Pullizer Preis ausgezeichneten Bühnenstück von George Simon Kaufman und Moss Hart. Der Filmtitel wird von der Filmfigur Martin Vanderhof im Gespräch mit Anthony Kirby zitiert, als sie gemeinsam in der Gefängniszelle festgehalten werden. Vanderhof vermittelt dem reichen Kirby, dass man den Reichtum nach dem Tod nicht "mitnehmen" könne und es für ein glückliches Leben völlig unerheblich ist wieviel Geld man hat. James Stewart war noch ganz am Anfang seiner großen Karriere und Capra setzte ihn zum ersten Mal ein. Bekannt wurde Stewart vor allem durch seine Rolle in "Dünner Mann 2" ´, aber er war noch weit davon entfernt ein Big Star zu sein. Der Durchbruch kam dann ein Jahr später nach "Lebenskünstler" - in "Mr. Smith geht nach Washington" bekam er von Capra die Hauptrolle. Ein weiteres Jahr später hielt er für "Die Nacht vor der Hochzeit" schon den Oscar als bester Schauspieler in den Händen.
In "Lebenskünstler" spielt James Stewart den den Sohn des stinkreichen Geschäftsmann Anthony P. Kirby (Edward Arnold) und seiner Frau (Mary Forbes). Beide sind ausgesprochene Snobs. Eine Eigenschaft, die dem Sohnemann völlig fehlt. Dafür ist Tony Kirby von der Sekretärin Alice Sycamore (Jean Arthur) total begeistert, flirtet mit ihr und sie empfindet genauso. Er hat sogar vor sich mit dem Mädchen zu verloben, aber was würden seine Eltern zu solch einer unstandesgemäßen Liason sagen ? Vater Kirby hat indes ganz andere Sorgen, denn der Bankier ist im Begriff ein Monopol auf bestimmte Munitionsarten zu bekommen. Dadurch würde er noch reicher als reich und er hat auch keine Skrupel sämtliche Wohnblöcke, die seinem größten Konkurrenten gehören, aufzukaufen, um die Grundstücke neu zu bebauen. So hätte der Konkurrent keine Möglichkeit mehr für den Transport seiner Produkte. Doch einer der Hauseigentümer will patout nicht verkaufen...es ist ausgerechnet Martin Vanderhof (Lionel Barrymore), der Großvater von Alice. Der fühlt sich in seinem Haus mit seiner Familie Tochter Penny und Ehemann Paul (Spring Byington, Samuel S. Hinds), den Enkelinnen Alice und Essie samt Ehemann Ed (Ann Miller, Dub Taylor) richtig wohl und beherbergt darüberhinaus noch einige skurrile Mitbewohner (Mischa Auer, Donald Meek, Halliwell Hobbes), die keiner geregelten Arbeit nach gehen, sondern sich erfinderisch betätigen und ihre Hobbys pflegen. Dies ist auch das Motto der ganzen Familie, einschliesslich des weisen Großvaters, der schon seit Jahrzehnten keine Einkommenssteuer mehr zahlt - eine Tatsache, die ihn noch glücklicher macht, als er es eh schon ist. Somit ist die Beziehung von Alice und Tony reiner Sprengstoff - stärker als die Explosionen im Keller des Hauses vom Großvater. Die Einladung der Familie Kirby ins Haus von Vanderhof wird somit zum riesigen Desaster, das damit endet, dass alle in der Ausnüchterungszelle des Gefängnisses landen und am Ende vor dem Richter (Harry Davenport) stehen...



Ein skurriler Film mit einer klaren Botschaft. Allerdings hat Capra die verrückte Familie fast schon ein bisschen übertrieben dargestellt, um sofort eine Identifitaktion zu erreichen. Denn die Famile ist natürlich auch auf einem unerschütterlichen Verweigerungskurs gesellschaftlicher Normen und vielleicht mit ihren Glücksgefühlen viel zu schön gefärbt und vielleicht zu sehr Heile Welt Kommune. Lionel Barrymore, der Jahre später in Capras "Ist das Leben nicht schön ?" den habgierigen Mr. Potter spielen durfte und Edward Arnold sind aber grandios und allmählich kommt  auch der reiche Bankier dahinter, dass es noch was anderes geben muss als materiellen Reichtum und Macht. Capra wurde immer mehr zum Anwalt der einfachen und armen Leute in Amerika. Seine Filme mögen zwar manchmal naiv anmuten, sie beinhalten aber doch auch eine hohe Brisanz mit ihrer gesellschaftspolitischen Kritik.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.