Samstag, 13. Juni 2026

Die Bösen schlafen gut













Regie: Akira Kurosawa

Der Racheplan...

Akira Kurosawa hat mehrere Ausflüge ins Noir Genre gewagt. Der erste dieser vier Filme war "Engel der Verlorenen", der 1948 vom Filmstudio Toho produziert wurde und ein großer Erfolg wurde. Es war auch die erste Zusammenarbeit zwischen Kurosawa und dem damals 28jährigen Toshiro Mifune. Bereits 1 Jahr später folgte "Ein streunender Hund" und in den 60er Jahren gelang dem Ausnahmeregisseur mit "Die Bösen schlafen gut" und "Zwischen Himmel und Hölle" zwei weitere Meisterwerke des Gernes. Der Grundton in "Die Bösen schlafen gut" ist äusserst pessimistisch - insgesamt  ein Thriller, der ein hohes Maß an Aufmerksamkeit verlangt. Seine Komplexität in den Verfahrensweisen der Unternehmen und in den Beziehungen seiner Rollencharaktere erlaubt kein rasantes Tempo, doch halten die Autoren und Regisseur Kurosawa die Spannung mühelos. Trotz der Lauflänge von beinahe 150 Minuten ist Spannung garantiert.  Dass dieses Meisterwerk weniger als seine historischen Epen bekannt wurde, verwundert nicht.  Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in einem korrupten japanischen Nachkriegsunternehmen eine einflussreiche Position erhält, um die Verantwortlichen für den Tod seines Vaters zu entlarven. Er greift auf Shakespeares Hamlet zurück und ist gleichzeitig eine Kritik an der Korruption in Unternehmen. Wie in Kurosawas nächsten beiden Filmen mit Mifune, „Yojimbo“ (1961) und „Sanjuro“ (1962), ist Mifunes Figur „ein einsamer Held, der gegen übermächtige Gegner und korrupte Autoritäten kämpftEine Gruppe von Reportern beobachtet und tuschelt auf dem aufwendigen Hochzeitsempfang des Vizepräsidenten der Public Development Corporation, Iwabuchi (Masayuki Mori) , der seine Tochter Yoshiko (Kioko Kagawa) mit seinem Sekretär Koichi Nishi (Toshiro Mifune) verheiratet. Die Polizei unterbricht die Feier, um den stellvertretenden Verwaltungsangestellten Wada (Kamatari Fujiwara), den Zeremonienmeister, wegen Bestechung im Zusammenhang mit einem Schmiergeldskandal zu verhaften. Die Reporter bemerken die Ähnlichkeit zu einem früheren Skandal um Iwabuchi, den Verwaltungsangestellten Moriyama (Takashi Shimura) und den Vertragsangestellten Shirai (Ko Misimura). Dieser Fall wurde vertuscht, nachdem sich der stellvertretende Leiter Furuya, der aus dem siebten Stock des Firmengebäudes gesprungen war, das Leben genommen hatte. Die Ermittlungen gerieten dadurch ins Stocken, bevor hochrangige Mitarbeiter des Unternehmens belangt werden konnten. Nach der Hochzeit befragt die Polizei Wada und den Buchhalter Miura zu Bestechungsgeldern zwischen der Dairyu Construction Company und der staatlich finanzierten Public Corporation.Im Anschluss an die Vernehmung begeht Miura Selbstmord, indem er sich vor einen LKW wirft, kurz bevor er verhaftet werden soll. Wada versucht, sich durch einen Sprung in einen aktiven Vulkan das Leben zu nehmen, wird aber von Nishi daran gehindert. Um Wada für ihren Racheplan und den seines besten Freundes Itakura (Takeshi Kato) zu gewinnen, fährt Nishi mit ihm zu einer (inszenierten) Beerdigung, wo sie Wada beobachten und ihm die Meinung seiner Auftraggeber offenbaren. Anschließend konzentriert sich Nishi auf den Vertragsagenten Shirai. Er inszeniert eine Falle, sodass Iwabuchi und Moriyama ihn des Diebstahls bezichtigen, und nutzt Wada, um ihn mit Schuldgefühlen in den Wahnsinn zu treiben. Nishi rettet Shirai vor einem von Iwabuchi angeheuerten Attentäter und bringt ihn zu dem Büro, in dem Furuya starb. Dort gibt er sich als Furuyas unehelicher Sohn zu erkennen, der mit Itakura die Identität getauscht hat, um den Tod seines Vaters zu rächen. Nishis Verhörmethoden zerstören Shirais letzten Rest an Verstand. Moriyama schlussfolgert, dass jemand aus Furuyas Umfeld hinter den Ereignissen steckt, als er die Wahrheit über Nishi erfährt und Iwabuchi informiert. Iwabuchis Sohn Tatsuo (Tatsuya Mihashi)  belauscht das Gespräch und jagt Nishi wütend fort, als dieser ins Haus zurückkehrt.Nishi zieht sich in die Ruinen einer Fabrik zurück, in der er während des Zweiten Weltkriegs gearbeitet hat. Dort gelingt es ihm, Moriyama zu entführen und ihn auszuhungern, bis er den Aufenthaltsort von Beweismaterial preisgibt, mit dem er die Korruption und alle Beteiligten der Presse präsentieren kann. Währenddessen entführt Wada Yoshiko in der Hoffnung, dass sich die Frischvermählten versöhnen. Denn inzwischen ist Nishi auch klar geworden, dass er die Frau liebt, die er zunächst nur aufgrund seines Racheplans geheiratet hat. Nishi gesteht seiner Frau, dass er sie aufrichtig liebt. Yoshiko akzeptiert die Wahrheit über die Gräueltaten ihres Vaters und willigt widerwillig ein, Nishi bei der Vollendung seines Plans zu unterstützen....








Für mich ist die Darstellung des Bösewichts durch Masayuki Mori (1911 bis 1973) hervorragend, einer der besten Schurken der gesamten Filmgeschichte. Sein Spiel ist vergleichbar mit John Hustons eindringlicher Darstellung als Noah Cross in Polanskis Chinatown. Die Geschichte strotzt nur so voll sarkastischem Humor und das Ende ist bitter. 
Bei den 14. Mainichi Filmpreisen gewannen Masayuki Mori und Masaru Sato die Auszeichnungen für den besten Nebendarsteller bzw. die beste Filmmusik.
Der amerikanische Filmemacher Francis Ford Coppola zählt „Die Bösen schlafen gut“ zu seinen Lieblingsfilmen. Er bezeichnete die ersten dreißig Minuten des Films als „so perfekt wie kaum ein anderer Film, den ich je gesehen habe“ und nutzte ihn als Inspiration für die Hochzeitsszene in dem 1972 mit dem Oscar ausgezeichneten Gangsterdrama „Der Pate“














Bewertung: 10 von 10 Punkten

Mittwoch, 6. Mai 2026

Höchster Einsatz in Laredo















Regie: Fielder Cook

Das Pokerspiel des Jahres...

Der US-Regisseur Fielder Cook (1923 bis 2003) arbeitete mehr für das Fernsehen, er wurde auch mehrfach mit einem Emmy ausgezeichnet. Doch im Laufe seiner Karriere drehte er auch einige Kinofilme. Die bekanntesten davon sind "Zärtlich schnappt die Falle zu" und "Höchster Einsatz in Laredo".  "A Big Hand for the Little Lady“ ist der Originaltitel von "Höchster Einsatz in Laredo", der von der Eden Productions Inc. produziert und von Warner Brothers Picture vertrieben wurde.  Im Wilden Westen treffen sich die fünf reichsten Männer des Territoriums in Laredo zu ihrem alljährlichen Pokerturnier mit hohen Einsätzen. Die High Roller lassen sich von nichts von ihrem jährlichen Showdown abhalten. Als Bestatter Tropp (Charles Bickford) sie in seinem Pferdewagen abholt, zwingt Viehzüchter Henry Drummond (Jason Robards) die Verschiebung der Hochzeit seiner Tochter, während Anwalt Otto Habershaw (Kevin McCarthy) in einem Prozess, in dem das Leben seines Mandanten auf dem Spiel steht, seine Schlussplädoyers abbricht. Wilcox (Robert Middleton) und Buford (John Qualen) gesellen sich im Hinterzimmer von Sams (Sam Kenny) Saloon zu ihnen, während sich draußen Schaulustige versammeln, um gelegentlich Neuigkeiten zu erfahren. Der Siedler Meredith (Henry Fonda), seine Frau Mary (Joanne Woodward) und ihr kleiner Sohn Jackie (Gerald Michenaud) sind auf der Durchreise, auf dem Weg zum Kauf einer Farm in der Nähe von San Antonio, als ein Rad an ihrem Wagen bricht. Sie warten bei Sam, während der örtliche Schmied es repariert. Meredith, ein genesender Spieler, erfährt von dem großen Spiel und fragt Habershaw, ob er zusehen darf. Geblendet von Marys Aussehen lädt Habershaw Meredith an den Tisch ein, und Meredith steigt schließlich ins Spiel ein. Er setzt die gesamten Ersparnisse der Familie, die eigentlich für ein Haus gedacht waren. Das Spiel spitzt sich zu; die Spieler erhöhen und erhöhen, bis über 20.000 Dollar im Pot sind. Meredith, der kein Geld mehr hat, kann die letzte Erhöhung nicht mitgehen. Unter dem Druck bricht er zusammen. Der Stadtarzt Joseph „Doc“ Scully (Burgess Meredith) wird gerufen, um den Bewusstlosen zu versorgen. Kaum bei Bewusstsein, gibt Meredith seiner Frau ein Zeichen, die Runde zu Ende zu spielen. Mary setzt sich und fragt: „Wie spielt man dieses Spiel?“ Daraufhin protestieren die anderen Spieler lautstark, geben aber schließlich nach. Ihr wird die Situation erklärt: Wenn sie die letzte Erhöhung (und alle weiteren) nicht mitgehen kann, scheidet sie aus. Trotz der Proteste der Männer verlässt sie den Raum, um sich Geld zu leihen. Während Jackie und vier der Spieler hinterherlaufen, überquert Mary die Straße und spricht mit C. P. Ballinger (Paul Ford), dem Besitzer der Vieh- und Kaufmannsbank. Nachdem sie ihm ihre Karten gezeigt hat, unterstellt Ballinger ihr einen Scherz. Als er erkennt, dass es Ernst ist, leiht er ihr 5.500 Dollar (zu 6 % Zinsen) und erhöht ihren Einsatz um 5.000 Dollar. Die anderen Spieler, die Ballingers geizige und vorsichtige Art kennen, geben widerwillig auf. Mary kassiert ihren beträchtlichen Gewinn und zahlt Ballinger das Geld samt Zinsen zurück. Das Spiel löst sich daraufhin auf, ohne dass jemand die Gewinnerhand je gesehen hat. Die Entschlossenheit der Dame bringt ihr die Bewunderung der Männer ein. Drummond ist so gerührt, dass er, als er zur wartenden Hochzeitszeremonie nach Hause zurückkehrt, mit seinem willensschwachen, zukünftigen Schwiegersohn unter vier Augen spricht, ihm etwas Geld gibt und ihm befiehlt, wegzulaufen und sich eine bessere Frau zu suchen...









Ein sehr ungewöhnlicher Western, der von einem erfahrenen Ensemble getragen wird. Man merkt diesen Vollblutschauspielern an, dass Sie mit Freude dabei waren. Joanne Woodward als "Idealfrau" ist in dieser Rolle genial und am Ende überrascht der Film mit einem unerwarteten "Plot". Kameramann war Lee Garmes, der für "Shanghai Express" in den 30er Jahren einen Oscar bekam und später als Kameramann in Klassikern wie "Duell in der Sonne", "Land der Pharaonen", "Scarface", "Der Fall Paradin", "Jenny", "An einem Tag wie jeder andere", "Polizeirevier 21" oder "Nightmare Alley" beteiligt war. 









Bewertung: 7,5  von 10 Punkten. 

Montag, 13. April 2026

Grand Prix















Regie: John Frankenheimer

Im Rausch...

Die Geschichte des Films "Grand Prix" aus dem Jahr 1966 von John Frankenheimer erzählt vom Schicksal vierer Formel-1-Fahrer in einer fiktionalisierten Version der Formel-1-Saison 1966. Dabei hat Frankenheimer und sein Kameramann Lionel Lindon sicherlich ein gutes Auge für atmosphärische Bilder - vor allem die Schlußeinstellung in der James Garner als Grand Prix Sieger Aron nach dem Ende des Autorennens ganz alleine auf der Rennstrecke läuft und sehr nachdenklich wirkt - trotz seines Sieges. Der Film wurde von Lionel Lindon in Super Panavision 70 gedreht und in 70-mm-Cinerama-Format uraufgeführt. Seine einzigartige Rennszenen-Kameraführung ist einer der Hauptanziehungspunkte des Films. Der Film enthält Originalaufnahmen von Rennen und Gastauftritte von Fahrern wie den Formel-1-Weltmeistern Phil Hill, Graham Hill, Juan Manuel Fangio, Jim Clark, Jochen Rindt und Jack Brabham. Weitere Fahrer, die im Film zu sehen sind, sind Dan Gurney, Lorenzo Bandini, Bob Bondurant, Ludovico Scarfiotti, Richie Ginther, Joakim Bonnier, Bruce McLaren und Jo Siffert. "Grand Prix" wurde als „eine mitreißende und donnernde Zusammenstellung von Rennaufnahmen, die hervorragend an den Austragungsorten der großen Rennen rund um die Rennstrecke gedreht und mit einigen großartigen fotografischen Tricks aufgepeppt wurden. Der Zuschauer wird geradezu überschüttet mit einer solchen Flut grandioser Aufnahmen der Rennwagen aus jedem Winkel und jeder erdenklichen Nahaufnahme, dass man sich fühlt, als wäre man selbst dabei gewesen. Der rasante Schnitt, durchsetzt mit präzisen Hochgeschwindigkeits-Kameraeinstellungen zwischen den Wagen, langen Fahrerperspektiven und einem revolutionären Split-Screen-Motiv, das Rennszenen präsentiert, die man im modernen Film noch nie gesehen hat. Darüber hinaus füllen Regisseur und Saul Bass die riesige Leinwand immer wieder mit diesen Split-Screens und Montagen, die die Rennsequenzen mit purer Energie erfüllen. Dreifache und vierfache Panels und sogar bildschirmfüllende Schachbrettmuster überfluten den Zuschauer mit Reizen, die optisch eine Art Rausch erzeugen. Für seine hervorragende technische Qualität wurde "Grand Prix" bei der Oscarverleihung 1967 mit drei Preisen bedacht: Bester Schnitt, bester Ton und bester Tonschnitt.  Die Charaktere, die im Film auftauchen sind natürlich Stereotypen und Klischeefiguren. Jean-Pierre Sarti (Ferrari), gespielt von Ives Montand – Ein zweifacher Weltmeister aus Frankreich, der sich dem Ende seiner Karriere nähert und zunehmend zynisch gegenüber dem Rennsport selbst wird. Er ist mit Monique (Genevieve Page) unglücklich verheiratet, lernt aber während der Rennsaison die Journalistin Louise Frederickson (Eva Marie Saint) kennen und lieben.. Pete Aron (zuerst Jordan BRM, dann Yamura) , gespielt von James Garner– Ein Amerikaner, der versucht, an frühere Erfolge anzuknüpfen und seinen Ruf als rücksichtsloser Zweitfahrer abzulegen; er unterschreibt beim Newcomer Yamura Motors. Yamura wird von Toshiro Mifune verkörpert.  Scott Stoddard (Jordan BRM), gespielt von Brian Bedford – Ein britischer Fahrer, der sich von einem schweren Unfall erholt, der ihn ins Krankenhaus brachte; er leidet unter wiederkehrenden Schmerzen und muss gleichzeitig mit den emotionalen Turbulenzen seiner kriselnden Ehe zurechtkommen. Seine Frau Pat (Jessica Walter) liebt ihn zwar, trennt sich jedoch wegen ihrer ständigen Angst von ihm und beginnt eine Affäre mit AronNino Barlini (Ferrari), gespielt von Antonio Sabato – Ein charismatischer, aber arroganter junger italienischer Rennfahrer, Ferraris Nummer-2-Fahrer, ein vielversprechender Rookie und ehemaliger Motorradweltmeister. Er beginnt eine Beziehung mit der äusserst attraktiven Lisa, gespielt von der 60er Jahre Chanson Ikone Francoise Hardy. Somit drehen sich die Nebenhandlungen des Films auch um die Frauen, die versuchen, mit den Rennfahrern und ihrem riskanten Lebensstil zusammenzuleben oder sie zu lieben. Die Geschichte endet beim Großen Preis von Italien, dessen Sieger voraussichtlich Weltmeister wird. Sartis Frau Monique taucht kurz vor dem Start auf; sie trifft auf Louise und erklärt Sarti, dass sie ihm niemals die Scheidung gewähren wird, obwohl Sarti die unglückliche Ehe beenden möchte. Sartis Wagen hat beim Start technische Probleme, und die anderen Fahrer liefern sich ein enges Rennen um den ersten Platz. Sarti stirbt bei einem spektakulären Unfall. Als Anerkennung wird sein Ferrari-Teamkollege Barlini von Teamchef Manetta von der Strecke genommen, was zu einem spannenden Rennen zwischen Aron und Stoddard bis zur Ziellinie führt, das Aron schließlich für sich entscheidet. Während der überglückliche Aron Stoddard großmütig auf das Siegerpodest einlädt, trübt der Schock über Sartis Tod die Feierlichkeiten....









Die Fahrer und ihr Privatleben wurden wie bereits angedeutet kaum über das Niveau von Groschenromanen hinausgehoben. Aber es ist interessant diesen Gladiatoren der Neuzeit bei ihrem Spiel auf Leben und Tod zuzusehen. Daher ist Grand Prix als Spektakel insgesamt ein solcher Erfolg, der sich auch an der Kinokasse auszahlte. Er landete auf Platz 7 der Kinojahrescharts. 










Bewertung: 8 von 10 Punkten.