Samstag, 30. Juli 2016

Frankensteins Braut

























Regie: James Whale

Eine Gefährtin für das Monster...


Noch mehr als in seinem ersten "Frankenstein" Film aus dem Jahr 1931 präsentiert James Whale in der brillianten Fortsetzung "Frankensteins Braut" das Monster nicht nur mit Grauen, sondern auch mit der Aura tiefster Traurigkeit. Eine Kreatur, die weder zu den Lebenden noch zu den Toten gehört. Schon alleine wegen seinem grässlichen Aussehen mit diesen riesigen Narben, die von Metallklammern zusammengehalten werden und der abstoßenden und hervorstehenden riesigen Stirn. Ein schauerliches Geschöpf - geschaffen von dem jungen Arzt Baron Henry von Frankenstein (Colin Clive), der die Schöpfung Gottes herausfordert. Denn dieser hat mit elektrischer Energie einen Körper zum Leben erweckt, der aus gestohlenen Leichenteilen zusammengesetzt wurde. Leben erschaffen, so sein Ziel. Er hat es vollbracht. Aber sein Geschöpf, gespielt von Boris Karloff, ist ein verstoßener Aussenseiter mit dem Gehirn eines toten Mörders ausgestattet. Er ist aber auch eine einsame und tragische Gestalt, die den Zuschauer in ein Gefühlsbad zwischen Abscheu und Mitleid stürzt. Und dies wird in der Fortsetzung aus dem Jahr 1935 noch viel ersichtlicher. Der Film zeigt in der ersten Szene die "Frankenstein" Autorin Mary Shelley (Elsa Lanchester) mit Ehemann Percy Shelley (Douglas Walton) und dem mit beiden befreundeten Lord Byron (Gavin Gordon). Noch ist Marys Roman nicht veröffentlicht, weil er von vielen Verlegern abgelehnt wurde - doch sowohl Ehemann als auch Byron schwärmen von der Geschichte, in der ein Monster durch Menschenhand zum Leben erweckt wurde. Eine moralische und traurigie Geschichte, wie Mary meint und sie hat Vergnügen daran ihren beiden Zuhörern diese Geschichte weiterzuerzählen. Denn die Kreatur, die vom wütenden Mob in eine alte Mühle getrieben wurde, die dann in Brand gesteckt wurde,  kam nicht in den Flammen um. Doch die Menschen glauben es. Nur Hans (Reginald Barlow) der Vater der toten kleinen Maria, will mit eigenen Augen den Leichnam des Monsters sehen. Seine Frau (Mary Gordon) bittet ihn nicht in die abgebrannte Mühle zu gehen. Doch es kommt wie es kommen muss. Die Kreatur ist am Leben und töten das Ehepaar. Das vorlaute Hausmädchen Minnie (Una O´Connor) kommt noch mit einem Schrecken davon und rennt ins Dorf. Doch keiner glaubt der hysterischen Frau. Man ist froh, dass Henry Frankenstein lebt und so gibt es doch noch ein HappyEnd und eine Hochzeit mit der jungen Elisabeth (Valerie Hobson). Das Monster findet Zuflucht bei einem blinden Eremiten (O.P. Heggie), der Geige spielen kann und der Kreatur mit Güte begegnet, ihm Essen und Trinken und eine Schlafgelegenheit anbietet. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Doch inzwischen wird auch wieder Jagd auf das Monster gemacht. Und ein fieser Wissenschaftler namens Dr. Prätorius (Ernest Thesiger) will sich mit Frankenstein zusammentun, um das Projekt "Leben erschaffen" doch noch mit einem weiteren Versuch erfolgreich zu wiederholen. Frankenstein sagt zwar, dass er seine Lektion gelernt hat und man nicht Gott über Leben und Tod spielen soll, aber als der egozentrische Dr. Prätorius seine von ihm erschaffenen Miniaturlebewesen in Glasbehältern zeigt (König, Königin, Papst etc) leckt der Wissenschaftler erneut Blut. Beide schaffen nun für die Kreatur eine Lebensgefährtin (Elsa Lanchester)...


Und diese Braut ist bis zum heutigen Tag sicherlich eine der berühmtesten Gestalten und Ikonen des Horrorgenres. Wieder erschaffen mit viel elektrischer Energie und dem obligatorischen Gewitter mit Blitzen am Nachthimmel...sie erwacht mit ihrem mumifizierten Körper und zischt dabei wie ein Schwan. Für die Rolle ging Elsa Lanchester auf Stelzen, damit sie über 2 Meter groß wirkte. Auffallend die seltsam schwarzweiß gestreifte ägyptische Haarpracht. Die Wissenschaftler denken an eine Hochzeitszeremonie, doch die riesige Monsterfrau ist vom Äußeren der Kreatur ebenfalls abgestoßen. Die Geschichte hat sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt - dennoch erscheint vieles radikal und absurd. Und damals empfand das Kinopublikum den Film als subversiven Hexenkessel mit viel Ironie, Witz, Phantasie und Horror. Whale selbst wollte das Monster auch als Christus ähnlichen Unschuldigen zeigen. Daher löschte er fast alle Szenen, die Karloffs Monster als besonders aggressiv zeigte. Natürlich bemängelte die offizielle Zensur diese potentielll blashemische Wirkung.


Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Der große Diktator

























Regie: Charlie Chaplin

Friseur und Führer...

"Der große Diktator" ist sicherlich Charlie Chaplins umstrittenster Film. Viele Fans preisen den zwischen 1938 und 1940 gedrehten Film als Meisterwerk und als ultimative Entlarvung des Faschismus. Kritischere Stimmen fanden aber, dass der Film seiner Thema nicht gerecht wurde. Chaplin selbst gab in seiner Autobiographie an, dass er beim Dreh des Films noch nichts wusste vom tatsächlichen Schrecken der Konzentrationslager und wenn er es gewusst hätte, dann hätte er seinen Film in dieser Form nie drehen können. Es wäre ihn nicht mehr gelungen, sich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis in dieser Form aus Wortspielen, optischen Gags und Slapstick lustig zu machen. Der Film kam in die Kinos als die USA noch nicht in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren. Deshalb wurde "Der große Diktator" schon bei seinem Erscheinen sehr kritisch aufgenommen und nicht besonders gefeiert. Allerdings lockte die groteske Übersteigerung des deutschen Reichskanzlers viele Menschen ins Kino.
 Der Film beginnt mit einem Prolog, der in der Endphase des Ersten Weltkriegs spielt. Ein kleiner jüdischer Friseur (Charlie Chaplin) kämpft tapfer als kleiner jüdischer Soldat auf tomanischer Seit auf dem Feld der Ehre. Dabei muss er nicht nur gegen den Feind, sondern auch gegen die Tücken der Technik kämpfen. Denn Tomanien attackiert ihren Feind mit der "dicken Berta" - doch statt der Kathedrale von Reims wird durch die mörderische Bombe ein Klohäuschen zerstört. Diese Art von Humor hat etwas befreiendes - und auch etwas Großartiges und Erhebendes. Kein resignierender Humor, sondern eher trotzig nach dem Lustprinzip konzipiert. Und so geht die Geschichte auch weiter. Der Friseur rettet den Piloten Schulz (Reginald Gardiner), der wichtige Dokumente dabei hat, wie man den Krieg gewinnt. Doch das Flugzeug, mit dem sie gegen die Feinde fliehen, stürzt ab. Beide Männer überleben, doch der Krieg ist verloren - wie Schulz von seinen Rettern erfährt. Der Friseur hat aber sein Gedächtnis verloren und verbringt die nächsten 20 Jahre in einem Krankenhaus. Die sich draußen veränderte Welt nimmt er nicht wahr. Deshalb weiß er auch nicht, dass in Tomania der Diktator Adenoid Hynkel (ebenfalls Chaplin in seiner genialen Doppelrolle) die Macht übernommen hat und mit Hilfe seiner beiden mächtigsten Minister Garbitsch (Henry Daniel als Dr. Goebbels) und Feldmarschall Hering (Billy Gilbert als Hermann Göring) die Welt erobern will und die Juden verfolgt. Dann plötzlich verschwindet der Friseur aus der Anstalt und kehrt unbewusst in sein altes Friseurgeschäft im Ghetto zurück und möchte seine Arbeit wieder aufnehmen, wie wenn nie etwas gewesen wäre. Er lernt dort in der Nachbarschaft das Mädchen Hannah (Paulette Goddard) kennen, auf die er mächtig Eindruck macht, weil er sich mit zwei brutalen Nazischergen anlegt. Man fürchtet, dass er bald gefangen genommen wird und ins KZ kommt. Von Herrn Jaeckel (Maurice Moscovich) wird er versteckt. Inzwischen hat er sich aber auch in Hannah verliebt. Plötzlich verbessert sich die Lage im Ghetto. Warum ? Hynkel braucht jüdisches Geld, damit er den Nachbarstaat Osterlitsch erobern kann, bevor ihm Benino Napoloni (Jack Oakie), der Diktator von Bakteria zuvor kommt. Somit werden die Juden vorläufig verschont. Und der Friseur steht sogar unter dem schutz von Kommandeur Schulz, der in ihm den Retter aus dem 1. Weltkrieg erkennt. Als dieser ihm dennoch den Kredit verweigert, erklärt der Diktator die Juden wieder zu seinen Feinden. Kommandeur Schultz tritt gegen diesen Entschluss ein und wird deshalb von Hynkel in ein KZ eingewiesen. Schultz kann jedoch fliehen und bei seinem Freund im Ghetto untertauchen. Am Ende wird der Diktator in alpiner Bergtracht mit Janker und Lederhose als KZ Flüchtling verhaftet und der flüchtige Friseur mit dem Diktator verwechselt. Statt dem Diktator muss der friedliche Friseur nun eine Rede vor der Menge auf dem Wiener Heldenplatz halten. Es wird ein Aufruf zur Menschenliebe, zur Freiheit und ein Aufruf den Hass zu überwinden...



Diese Rede wurde oft kritisiert und man vertrat die Meinung, dass dieser Schlußappell nicht so recht in der Handlung integriert ist und etwas aufgesetzt wirkt. Das kann man so sehen - muss man aber nicht. Denn "Der große Diktator" hat soviele geniale Einzelszenen, dass ich ihn sogar für Chaplins größten Film halte - sogar noch größer als "Moderne zeiten" oder "Goldrausch".
Chaplin schickte sich an den Diktator der Lächerlichkeit preiszugeben und dies gelingt ihm perfekt. Grandios die Rede vom wahren Diktator, für die Chaplin eine eigenen Kunstsprache mit deutschen Schlagworten geschaffen hat, mit viel "Sauerkraut", "Wiener Schnitzel", "Tschuden" und "Schtonk" und dargeboten in hysterischem krächzenden Bellen in der Stimme. Oder die Szene, wie Hynkel sich in die Gardine wie ein Affe verhakt. Er beginnt dann zu Klängen von Lohnengrien mit einer ballonartigen Globus zu spielen und zu tanzen, einfach herrlich diese Szene, die zwischen dem hektischen Alltag des Despoten gezeigt wird. Immer wieder stellt ihm Hering die neuesten Kriegswaffen vor und alle sind untauglich. Dann Szenenwechsel ins Ghetto, wo der kleine Friseur zu Klängen von Brahms einem Kunden den Bart rasiert. Und es bleibt auf dieser genialen Linie. Denn der Besuch des machhaften Napaloni naht. Die beiden begrüßen sich am Bahnhof überschwenglich, der rote Teppich muss mehrmals ausgelegt werden. Hynkel muss mit der dicken Gattin (Grace Hayle) des Duce tanzen, dann gibts Schtonk zwischen den beiden, es folgt eine Sahnentortenschlacht und als Höhepunkt ein Contest, wer "höher" als der andere sitzt. Das passiert auf Friseurstühlen, die man hochkurbeln kann. Beide sind irgendwann beinahe in der Nähe der Decke. Für mich einer der witzigsten Filme aller Zeiten, der aber auch seinem ernsten Thema mehr als gerecht wird. "Der große Diktator" ist ein unvergessener Klassiker und steht mit dem Ansinnen den Faschismus aufs Korn zu nehmen und der Lächerlichkeit preiszugeben auf einer Stufe mit Ernst Lubtischs großem Geniestreich "Sein oder Nichtsein".


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Meine Cousine Rachel

























Regie: Henry Koster

Schrecklicher Mordverdacht...

Der US-Regisseur Henry Kosten stammt ursprünglich aus Deutschland und musste nach Hilters Machtübernahme nach einer Schlägerei mit einem SS-Offizier Nazideutschland verlassen. Er ging nach Wien und wurde dort von den Universal Studios umworben. Man bot ihm einen Vertrag in den USA für 3 Filme an und so begann seine Karriere mit einigen erfolgreichen Deanna Durbin Filmen. Seine bekannesten Filme sind "Jede Frau braucht einen Engel", "Mein Freund Harvey" und "Das Gewand".
1952 realisierte er mit "Meine Cousine Rachel" mit Olivia de Havilland, die vor einigen Tagen ihren 100. Geburtstag feiern konnte, einen der schönsten Gothic-Thriller der 40er und 50er Dekade. Der Film ist zwar nicht ganz so bekannt wie "Rebecca", "Das Haus der Lady Alquist" oder "Weißer Oleander" - aber er kann sehr gut mit diesen Meisterwerken mithalten. Wie "Rebecca" basiert der Film auf einem Roman von Daphne duMaurier. Der damals 27 jährige Richard Burton gab in diesem Film sein Filmdebüt und brachte es gleich auf eine Oscar-Nominierung. In den Kategorien Kamera (Joseph LaShelle), Szenenbild (Lyle Wheeler, Walter Scott und John deCuir) und Kostüme (Dorothy Jeakins und Charles Le Maire) gabs weitere Nominierungen. Das Drehbuch wurde von Nunnally Johnson geschrieben, der im Laufe seiner Karriere die Drehbücher vieler Filmklassiker, darunter "Früchte des Zorns", "Wie angelt man sich einen Millionär", "Gefährliche Begegnung" oder "Das dreckige Dutzend", schrieb.
Gedreht wurde in Cornwell, wo die Geschichte auch spielt.
England, irgendwann im 19. Jahrhundert: Der kleine Philipp Ashley (Nicholas Koster) verliert schon sehr jung seine Eltern und wächst daher bei seinem Cousin Ambrose (John Sutton) auf, der ihn wie seinen eigenen Sohn liebt. In der ersten Szene sieht man den Jungen mit Ambrose einen Spaziergang machen. Dort sehen sie an einem Baum einen Mann, der frisch gehängt wurde. Das Bild schreckt den kleinen Jungen sehr ab. Die Jahre vergehen. Philipp ist inzwischen bald 25 Jahre alt und macht sich Sorgen um den kranken Ambrose, dem die Luft in Cornwall nicht bekommt und der deshalb aus gesundheitlichen Gründen eine Reise ins sonnige Italien macht. Obwohl Philip seinen Vetter begleiten will, lehnt dieser ab, weil sich jemand um das Haus und Anwesen kümmern muss. Viel Zeit verbringt Philipp mit der hübschen Louise Kendall (Audrey Dalton). Nach einigen spärlichen Briefen wird Philipp von der Nachricht überrascht, dass Ambrose - obwohl eingefleischter Junggeselle - in Florenz spontan geheiratet hat. Die Auserwählte ist die geheinmisvolle Rachel Sangaletti (Olivia de Havilland), eine entfernte Verwandte. Dann werden die Briefe sonderbarer. Zwei Briefe, mit zittriger Schrift geschrieben, geben sogar extremen Anlass zur Sorge. Dort bittet Ambrose, dass Philipp ihn dringend aus den Fängen seiner Gattin befreien solle. Er schreibt, dass er krank und sicher sei, dass seine Frau ihm nach dem Leben trachte. Nachbar Nick (Ronald Squire), der Vater von Louise, gibt zu bedenken, dass Ambroses Vater einst an einem Hirntumor erkrankte und auch dieser Brief den Eindruck mache, dass Ambrose nicht mehr bei Verstand sei. Philip glaubt ihm nicht und reist umgehend nach Florenz ab. Doch er kommt zu spät. Inzwischen ist Ambrose verstorben und seine Witwe bereits abgereist. Von Rechtsanwalt Guido Rainaldi (George Dolenz) erfährt er, dass Ambrose an einem Hirntumor verstorben ist. Die Todesursache wurde auch von zwei Ärzten bestätigt. Zudem eröffnet ihm der Anwalt, dass Ambrose seiner Frau testamentarisch nichts hinterlassen habe. Das Anwesen in England und sämtliche sonstigen Besitztümer sollen am 25. Geburtstag in Philips Besitz übergehen. Dennoch kreisen immer wieder seine Gedanken an diese geheimnisvolle Frau und die vielleicht den Tod von Ambrose verursacht hat. Dann bekommt er überraschend Besuch von seiner Cousine Rachel. Überwältigt von ihrer Anmut und Schönheit verfällt er dieser Frau...


Der Film bezieht seinen großen Reiz darin, dass auch der Zuschauer - ähnlich wie Philipp - im Unklaren bleibt, was für ein Spiel Rachel tatsächlich spielt. Ist sie völlig unschuldig oder aber hat sie mit dem Ableben ihres Gattes doch etwas zu tun. Der Film ist darüberhinaus wunderbar und edel bebildert und wie so oft gelingt der großen wandlungsfähigen Olivia de Havilland eine großartige Darstellung. Vielleicht nach "Die Erbin" von William Wyler ihre beste Darstellung überhaupt. Denn hier in dieser Rolle als Rachel kann sie beide Facetten, die sie völlig beherrscht, in einer Person zeigen. So erinnert ihre Darstellung auch an ihre Doppelrolle in "Der schwarze Spiegel" von Robert Siodmak. In diesem Thriller spielt sie ein Zwillingspaar, eine edel und gut - die andere böse und niederträchtig. In "Rachel" finden sich irgendwie beide Anteile oder besser gesagt es könnten beide Charakterisierungen passen. Bis zuletzt und sogar noch nach Filmende bleibt eine Filmfigur in Erinnerung, die ihre Geheimnisse hat und die nicht so leicht greifbar ist.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Endstation Sehnsucht


Regie: Elia Kazan

Der Besuch von Blanche...

Die Theaterstücke und Romane von Tennessee Williams waren in Hollywood sehr beliebt und viele seiner Werke wurden auch mit einem starken Schauspieler-Ensemble erfolgreich verfilmt.  Es gab den Akteuren die Gelegenheit schauspielerisch alles herauszuholen und zur Höchstform aufzulaufen, auch wenn Willams brisante Themen in den 40er und 50er Jahren Verfilmungen stets etwas verfälscht und verharmlost wurden. Dennoch war das sexuelle Motiv ständig präsent und wurde in eine neurotische Umgebung eingebettet. Der Stoff, aus dem diese Melodramen sind. Willams wurde von den Lehren Sigmund Freud inspiriert und war interessiert an dem Übergang von der aristokratischen Kultur der alten Südstaaten hin zu einem neuen Amerika, der Freiheit. Eine freiheitliche Gesellschaft, in der das Gesetz des Stärkeren zählt und auch sehr oft das Gesetz des Urwalds. Tennessee Williams Theaterstücke wurden von den Kritkern auch als "Southern Gothic" bezeichnet. Es fing alles an mit "Die Glasmenagerie" und es folgten noch erfolgreichere Stücke wie "Die Katze auf dem heißen Blechdach" oder "Plötzlich im letzten Sommer". Sein größter Erfolg dürfte allerdings "Endstation Sehnsucht" sein, die Verfilmung wurde mit dem Regisseur Elia Kazan im Jahr 1951 realisiert. Der Regisseur hatte bereits die Uraufführung am Broadway inszeniert und Marlon Brando, Kim Hunter und Karl Malden spielten auch schon auf der Bühne ihre Rollen. Als Blanche Du Bois wurde die Hollywood-Diva Vivien Leigh (Vom Winde verweht) engagiert. Die Rolle war Leigh auch nicht fremd, denn auch sie hatte Bühnenerfahrung als "Blanche". Dennoch wollte Elia Kazan seine Broadwaybesetzung Jessica Tandy für die Verflilmung durchsetzen. Doch die Produzenten bestanden auf den Big Star. Der Rest ist Oscar-History. Für Vivien Leigh wurde die Rolle ein riesiger Triumph. Sie erhielt zum zweiten Mal den Oscar und auch Karl Malden und Kim Hunter durften sich über die begehrte Trophäe freuen. Lediglich der junge Marlon Brando hatte gegen Humphrey Bogart in "African Queen" das Nachsehen - aber dennoch beherrscht sein Stanley Kowalski die Szenerie des dialogreichen Films. Er strahlte eine jugendliche, unterschwellig aggressive Sexappeal aus, mit der sich eine junge Generation von Kinogängern sehr gut identifizerien konnte.
Die Geschichte spielt in New Orleans. Eines Abend kommt dort am Bahnhof ein Zug an, in dem eine Lehrerin, die alternde Schönheit Blanche Dubois (Vivien Leigh) aussteigt. Sie will hier in der Stadt ihre jüngere Schwester Stella (Kim Hunter) besuchen. Stella verließ vor Jahren schon den stolzen Familienbesitz Belle Reve, um in der Großstadt ihr Leben zu leben und nun ist sie mit dem Arbeiter Stanley Kowalski (Marlon Brando) verheiratet. Stanley ist der Sohn polnischer Einwanderer und beide führen eine leidenschaftliche Ehe in einer kleinen Wohnung im Arbeiterviertel, wo es laut zugeht. Es gibt auch trotz der Leidenschaft - durch die aggressiven Durchbrüche von Stanley, meistens durch zuviel Alkohol - manchmal auch Schläge. Schläge, die er nüchtern wieder bereut. Er ist ein roher Charakter - ehrlich, manchmal kränkend, oft brutal und geradeaus. Durch den Besuch der älteren Schwester Blanche sind die Probleme bereits durch die unterschiedlichen Charaktere vorprogrammiert. Blanche wirkt verschroben, weltfremd, fragil, affektiert, teilweise unnahbar und gibt sich betont kultiviert. Das Verhalten ihres Schwagers findet sie unangemessen und brutal. Bald werden die Spannungen verstärkt. Kowalski ist für klare Worte, Blanche schwelgt in Erinnerungen an frühere Zeiten und lebt in einer Illusion. Sie lügt auch Stanleys Arbeitskollegen Mitch (Karl Malden)an, der sich für sie zu interessieren scheint und gibt sich viel jünger aus als sie in Wirklichkeit ist. Stanley erfährt, dass Blanche auch den Familienbesitz verloren hat. Er findet auch heraus, dass Stella die Stellung aus Lehrerin verloren hat, weil sie sich auf eine Affäre mit einem 17jährigen Schüler einließ. Sie soll auch in einem verrufenen Hotel namens "Flamingo" viele Herren empfangen haben. Es folgen Zusammenbrüche und am Ende steht zwar die Geburt von Stellas Kind, aber auch zur gleichen Zeit die Zerstörung von Blanches Persönlichkeit durch Stanley, der mit Gewalt und einer Vergewaltigung Blanches Illusion ein für allemal zerstört. Sie wird von zwei Mitarbeitern einer Nervenheilanstalt abgeholt und sagt die berühmten Worte "We auch immer sie sind, ich habe mich immer auf die Freundlichkeit von Fremden verlassen“...



Noch immer ist der Film sehr faszinierend. Eine Reise in das subversive Old Hollywood. Ganz große Schauspielleistungen aller Akteure - ansonsten könnte der Film gar nicht funktionieren. Die Charaktere sind sehr interessant und die Geschichte fesselt durch ihre Kraft und die Gegensätze der menschlichen Verhaltensweisen. Wie im Theater spielt sich das Ganze auf sehr begrenztem Raum ab, meistens in der kleinen Wohnung. Der Film ist auch geprägt von der großartigen Filmmusik des Jazzmusikers Alex North und auch die Bilder von Harry Stradling Sr. (Guys and Dolls, My Fair Lady, Hello Dolly) unterstützt die beengte, schwüle und bedrückende Atmosphäre. Ein Film mit sehr viel markanten Szenen. In einer Szene versucht Blanche einen Zeitungsjungen (Wright King) zu verführen, in einer anderen Szene schreit Marlon Brando mit zerrissenem T-Shirt nach seiner Stella, die sich aus Furcht vor schlägen in der Wohnung ihrer Nachbarin  versteckt hat.



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Sein Mädchen für besondere Fälle

























Regie: Howard Hawks

Die beste Story für die Titelseite...

Bereits 1931 wurde das Theaterstück "The Front Page" von Ben Hecht und Charles MacArthur verfilmt. Die geniale Geschichte aus dem Zeitungsmilieu erzählt die Geschichte des Starreporters Hildy Johnson, der die Redaktion der "Post" verlassen will, um seine Peggy zu heiraten. Herausgeber Walter Burns gibt sich aber im Kampf, seinen besten Mann zu halten, keineswegs geschlagen. Der Film von Lewis Milestone mit den Darstellern Adolphe Menjou und Pat O´Brien wurde ein großer Erfolg und sogar dreimal für den Oscar nominiert. Die Geschichte gefiel Howard Hawks so gut, dass er beschloß 1940 ein Remake des Stoffes zu machen. Allerdings nahm er eine kleine Veränderung vor, die sich als sehr genial und gewinnbringend erwies. Aus dem Starreporter Hildy Johnson machte er eine Hildegard Johnson und aus dem klassischen Zeitungsdrama eine der besten Screwball-Comedys aller Zeiten. Dies gelang ihm vor allem auch deshalb, weil er diesen Kampf der Geschlechter ausserordentlich rasant inszenierte. Der Zuschauer hat nie Pause, denn ständig gibts neue Erkenntnisse. Aus "Front Page" wurde so "His Girl Friday" (deutscher Titel: Sein Mädchen für besondere Fälle, der Begriff "Sein Mädchen Freitag" spielt auf die Robinson Geschichte an, in Daniel Defoes klassischem Roman heißt Robinsons Gefährte und Diener Freitag) und die Hauptdarsteller Cary Grant und Rosalind Russell liefern sich 90 Minuten die tollsten Wortgefechte - allesamt im Maschinengewehrtempo serviert. Hinzu kam Howard Hawks Stilmittel dazu überlappende Dialoge einzusetzen, damit es noch mehr wie eine Temposteigerung wirkt. So hält "His Girl Friday" seine enorme Dynamik, die Spannung lässt nie nach. Und auch der absurde Humor nicht. Denn eine Geschichte aus dem hektischen Zeitungsmilieu, wo jederzeit eine gute Story gemacht werden muss, braucht auch einen äusserst zynischen Unterton. Howard Hawks ist einer der größten amerikansichen Regisseure aller Zeiten, auf sein Konto gehen unvergessliche Klassiker wie "Scarface", "Tote schlafen fest", "Red River", "Haben und Nichthaben" oder "Rio Bravo". Nur einmal - für "Sergeant York - wurde er für den Oscar nominiert. Allerdings erhielt er dann im Ruhestand einen Ehrenoscar.
Die Geschichte beginnt in der betriebsamen Redaktion der "Morning Post". Walter Burns, der Herausgeber, ist völlig aus dem Häuschen. Denn am folgenden Tag soll der Todeskandidat Earl Williams (John Qualen) hingerichtet werden. Der arme Tropf ist psychisch krank und hat einen Polizisten erschossen. Eigentlich sollte er in eine Psychiatrie, aber da Wahlen bevorstehen, haben Sheriff Peter B. Hartwell (Gene Lockhard) und der Bürgermeister (Clarence Colb) ein reges Interesse, dass der Deliquent auch gehängt wird. Das sichert meistens die Wiederwahl. Walter Burns dagegen hat in seiner Zeitung aber stets die schwere geistige krankheit von Earl aufmerksam gemacht. Burns drückt aber noch ein weiterer Schuh: Seine beste Reporterin Hildegard Johnson (Rosalind Russell), mit der er sich vor kurzem noch vermählt und dann schnell wieder geschieden hatte, will die Zeitung verlassen. Sie hat sogar mit Bruce Baldwin (Ralph Bellamy), einem braven und ruhigen Versicherungsvertreter einen neuen Verlobten und will diesen am nächsten Tag in Albany heiraten. Doch sie kennt die fiesen Schliche ihres Ex-Mannes und Ex-Chefs Walter. Und tatsächlich hat dieser schon längst einen Plan gefasst, wie er seine Hildy, die mit Leib und Seele Reporterin ist, wieder in allen Belangen für sich gewinnen kann. Dazu braucht er nur das Pressezimmer vom Gerichtsgebäude und ein paar pokerspielende, zynische und wenig empathische Journalistenkollegen und natürlich eine Story, die man nur einmal im Leben bekommt....


Am Ende gewinnt natürlich die "Morning Post" und mit ihr der eifersüchtige Walter, der seine Hildy wieder in die Arme schließen kann. Howard Hawks gelang mit dieser wunderbaren Komödie auch eine glänzende Journalistenfarce. Schlagzeilen für die Zeitung liefert an diesem absurden Nachmittag im Gerichtsgebäude, der bis in die Nacht hinein dauert, eine Ausbruchsgeschichte und eine Korruptionsaffäre obendrauf. Zwischendrin immer wieder die intriganten Spielchen des Herausgebers und seine Hildy springt natürlich an. Um die beste Story zu schreiben, vergisst sie doch irgendwann glatt ihren Verlobten und auch ihre Schwiegermama (Alma Kruger), die zu allem Überfluss auch noch auftauchen muss. Obwohl das Journalisten Metier gar nicht mal so gut wegkommt - man empfindet es doch als sehr faszinierend, diese kaltschnäuzigen und besessenen Irren, die selbstverliebt und eitel die beste Story des Tages zu bekommen. In den frühen 70er Jahren drehte der große Billy Wilder noch einmal ein Remake dieses unverwüstlichen Stoffes. Und auch diese Neuverfilmung mit dem Gespann Jack Lemmon und Walter Matthau, der eher zu den schwächeren Filmen Wilders gezähtl wird, hat mich ebenso begeistert wie der schwarz-weiß Klassiker von Howard Hawks. Beide Filme sind brilliant und gehören für mich zu den witzigsten Filmen aller Zeiten.


Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

In Fesseln von Shangri La

























Regie: Frank Capra

In Fesseln von Shangri La

"In den Fesseln von Shangri La" aus dem Jahr 1937 ist sicherlich der ungewöhnlichste Film von Regisseur Frank Capra, der zu dieser Zeit der bestbezahlteste Regisseur Hollywoods war. Der Filmemacher skizzierte sehr oft den kleinen Mann, der zu sozialen, politischen und gesellschaftlichen Themen seiner Zeit durch sein Handeln Stellung bezog. Doch der anfänglich 210 Minuten lange Phantasiefilm war irgendwie anders. Der Film basierte auf dem utopischen Roman "Der verlorene Horizont" von James Hilton und verschlang vor allem aufgrund der aufwändigen Kulissen die damals hohe Summe von 1,5 Millionen Dollar" und spielt in einem wunderschönen exotisch wie utopischen Tal im Himalaya. Dort lässt Capra seine Protagonisten mit einem Flugzeug verunglücken. Der Film wurde aufgrund der heftigen Kritik des Publikums bei der Vorpremiere auf 132 Minuten verkürzt. Um die pazifistische Botschaft des Films abzuschwächen, wurden für eine Neuauflage im Zweiten Weltkrieg weitere 24 Minuten herausgeschnitten. Der Filmrestaurator Robert Gitt hat über einen Zeitraum von 25 Jahren eine Anzahl von fehlenden Filmszenen wieder einfügen können, indem er sich Filmmaterial auf der ganzen Welt zusammensuchte. In der nun vorliegenden restaurierten Fassung des Films dauert der Film wieder 132 Minuten. Allerdings sind 7 Minuten davon mit Standbildern und Frames des Films versehen, was leider auch ein bisschen die Dynamik der Geschichte schwächt.
Im Original heißt der Film "Lost Horizon" - und kommt dem Szenario schon sehr nahe. Denn die Figuren verlieren sich in der Grenzlinie zwischen der sichtbaren Erde und dem Himmel. In diesem begrenzenden Kreis herrscht tiefer Frieden unter den Menschen. Es gibt weder Krieg noch Hass. Beinahe eine perfekte Welt. Doch auch diese Welt hat Tücken, denn was manchen Menschen begeistert, ist für den Anderen eine Art Gefangenschaft, eine Fessel von der er sich befreien will.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1935. Es ist eine Zeit des aufkommenden Säbelrasseln. In Europa kommt der Faschismus an die Macht. Auch in Fernost brodelt es. Robert Conway (Ronald Conway), der Schriftsteller, Soldat und Diplomat, der als kommender Außenminister des Vereinigten Königreichs gehandelt wird, hat die schwierige Aufgabe 90 Menschen aus Europa aus der chinesischen Stadt Baskul zu retten. Flugzeuge holen die Menschen von diesen Krisenherd ab. Er selbst fliegt dann mit der letzten Maschine aus - mit an Bord sind sein Bruder (John Howard), der Geschäftsmann Henry Barnard (Thomas Mitchell), der Paläontologe Alexander Lovett (Edward Everett Logan) und der schwer kranken Blondine Gloria Stone (Isabel Jewell). Unbemerkt von den Passagieren hat sich ein neuer Pilot der Maschine bemächtigt und fliegt nach einem Stopp mit Auftanken weit in das Gebiet des Himalaya. Als der Treibstoff ausgeht, stürzt die Maschine ab. Der fremde Pilot stirbt dabei, die Passagiere kommen mit dem Schrecken davon. Sie müssen sich aber damit abfinden, dass sie in diesem entlegenen Teil der Welt, mitten im unwegsamen Gebirge, nicht gefunden werden können und damit ebenfalls sterben werden. Doch wie durch ein Wunder werden die fünf von einer Gruppe Sherpas gefunden. Darunter ist auch ein Chinese namens Chang (H.B.Warner -oscar nominiert als bester Nebendarsteller), der englisch spricht. Die Gruppe führt sie nach Shangri La, einem idyllischen Tal, das von der bitteren Kälte geschützt liegt und wo nur zufriedene Bewohner leben. Dieses seltsame Paradies, das irgendwie unwirklich wirkt, wird von einem mysteriösen alten Mann, dem Hohen Lama (Sam jaffe) geführt. Diese neue schöne Welt wirkt faszinierend, aber vor allem Robert Conways jüngerer Bruder George empfindet den Aufenthalt wie ein Gefängnis, zumal Chang ihnen sagte, dass diese Welt so abgeschnitten von der normalen Welt sei, dass es auch keine Expedition gibt, die die Notgelandeten in die Zivilisation zurückbringt. Robert verliebt sich in die Einheimische Sondra (Jane Wyatt) und lernt den Hohen Lama persönlich kennen. Er findet heraus, dass der Lama der seit 1713 verschollene Missionar Perrault und damit 250 Jahre alt sein muss. Mit der Einheimischen Maria (Margo) plant George die Flucht, in letzter Sekunde kann er auch seinen schankenden Bruder überreden den Weg zurück antreten. Doch dieser ist voller Gefahren und fordert Opfer....



Der Film hat einen großartigen Anfang und erweist sich als furiosen Phantasiespektakel auf dem Höhepunkt. Dabei ist der Aufenthalt in dieser Welt, die auch als Jungbrunnen fungiert vielleicht etwas zu lang geraten. Auch die Dialoge sind hier teilweise sehr sentimental und auch mich als zuschauer beschleicht ein sonderbares Gefühl, ganz schnell wieder in die böse Zivilistation zu gelangen, bei soviel steriler und aufgesetzter Güte. Einige Regeln des Zusammenlebens werden in den Dialogen erörtert und machen etwas Sorge, wie das überhaupt funktionieren kann. Doch wir wohnen ja auch einem Märchen bei, dass den zeichen der Zeit (1936) geschuldet ist. Immerhin sind in dieser Zeit schon Vorboten da, die den kommenden Weltkrieg ankündigen. Somit ist dieser Teil des Films etwas veraltet. Die verschwenderisch teuren Kulissen inmitten der Bergwelt sind aber heute noch echte Hingucker. Das imposante Kloster wurde von 150 Arbeitern innert von 2 Monaten auf der Columbia Burbank Ranch erbaut. Die Szenen in den eingeschneiten tibetischen Bergen drehte Capra im Kühlhaus. Beim Kinostart wurde Capras Film dann doch zum Erfolg. Das zeitgenössische Publikum liebte die Geschichte, die die Figuren in eine bessere Welt führt und auch die Academy ließ sich mit 7 Nominierungen nicht lumpen. Zwei davon konnte der Film gewinnen: Beste Ausstattung und bester Schnitt.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Die besten Jahre unseres Lebens

























Regie: William Wyler

Heimkehr aus dem Krieg...

Viele Antikriegsfilme haben sich mit den Veteranen des Vietnam Krieges beschäftigt: Michael Ciminos "Die durch die Hölle gehen", "Coming home" von Hal Ashby oder "Geboren am 4. Juli" von Oliver Stone. Sie zeigten eindrücklich die massiven Schwierigkeiten der Kriegsheimkehrer in der Heimat, verletzt in Körper und Seele durch den Krieg. Diese Filme enstanden in den progressiven 70er Jahren oder in den 80ern. Einige Jahrzehnte früher drehte der dreifache Oscarsieger ebenfalls ein eindrückliches Film Meisterwerk über heimkehrer aus dem Krieg. "Die besten Jahre unseres Lebens" entstand 1946 und ist mit einer Laufzeit von 172 Minuten ein echtes Epos geworden. Der Film war an der Kinokasse ausserordentlich erfolgreich und spielte fantastische 23,6 Millionen Dollar ein. Zu seiner Zeit war dies das sechst beste Einspielergebnis aller Zeiten in den USA. Nur "Vom Winde verweht", "Bambi", "Schneewittchen und die 7 Zwerge", "Pinocchio" und "Fantasia" waren noch erfolgreicher.
Da der Film auch von der Kritik hochgelobt wurde, kams auch zu einem Oscarregen bei der Verleihung 1947. Zwei davon gingen an Nebendarsteller Harold Russell, der im Film den kriegsversehrten Marine-Maat Homer Parrish spielt. Ein Soldat, der als Maschinist in einem explodierenden Schiff beide Arme verlor. Nun trägt er eigens für ihn angefertigen Prothesen und kann sehr gut mit diesen stählernen Greifzangen umgehen. Diese Rolle ist identisch mit seinem privaten Schicksal, denn Russell hat wie die Filmfigur seine Arme verloren. Er gewann den Nebendarstellerpreis und es wurde ihm noch ein Ehren-Oscar zugesprochen.
Der Film beginnt auf einem Flughafen. Es ist Kriegsende und viele Soldaten warten dort um eine Maschine in ihre Heimatstadt zu bekommen. Es herrscht aber reger Betrieb und so ist Warten angesagt. Der Infaterie-Sergeant Al Stephenson (Frederic March) freut sich unheimlich auf seine Frau Milly (Myrna Loy) und auf seine Kinder Peggy (Teresa Wright) und Rob (Michael Hall). Aber er hat auch ein mulmiges Gefühl, weil er seine Familie schon so lange nicht mehr gesehen hat. Er hat aber immerhin gute Aussichten als ehemaliger leitender Angestellter einer Bank in seiner Heimatstadt Boone City sich schnell wieder ins bürgerliche Leben zu integrieren. Auch Fred Perry (Dana Andrews) will schnellstens heim. Der Airforce Captain mit vielen Streifen und diversen Tapferkeitsmedaillen hat es aber sicherlich schwerer. Denn vor dem Krieg war er lediglich ein Soda- und Eiscremeverkäufer in einem Drugstore. Auch seine Ehe, die er vor dem Krieg schloß, hat er nur 20 Tage genießen können. Doch daheim wartet Marie (Virginia Mayo)  die aussieht wie ein PinupGirl - gutaussehend, blond und vergnügungssüchtig. Homer , der bei seinen Eltern lebte, hat am meisten Angst vor dem Wiedersehen mit seinen Eltern (Walter Baldwin, Minna Gombell) und seiner Freundin Wilma (Cathy O´Donnell), die er seit den Sandkastentagen kennt und liebt. Der schwer kriegsversehrte Mann kann sich eine Hochzeit mit Wilma gar nicht mehr vorstellen. Er will nicht aus Mitleid geheiratet werden. Alle drei wohnen in Boone City und alle drei haben ein äusserst mulmiges Gefühl vor der Wiederbegegnung mit ihrer Heimat. In einer Militärmaschine verlassen sie den Flughafen Richtung Heimat. Irgendwann sehen sie in der Luft ihre Heimatstadt und nun kommt auch Freude auf...



Der Film zeigt an diesen drei Beispielen die immensen Schwierigkeiten auf, mit denen die drei unterschiedlichen Männer nach der Rückkehr konfrontiert werden. Es gibt viele Enttäuschungen und alle drei merken wie schwierig es doch ist, beruflich und privat wieder dort anzukommen und weiterzumachen, wo man vor dem Krieg war. Es zeigt auch die Entfremdung der Menschen. Eine Kluft zwischen denen, die "die besten Jahre des Lebens" fürs Vaterland opferten und denen, die zurück blieben. Der Film begeistert mit vielen tollen Szenen, die manchmal sehr unprätentiös geschildert werden (z.B. Derry am Arbeitsplatz) und manchmal sehr emotional (wenn Homer und Wilma versuchen sich in ihrer Beziehung unten den veränderten Bedinungen zurechtzufinden) - insgesamt inszenierte Wyler aber immer aufrichtig und zart. Auch der Klassenunterschied ist ein Thema dieses Filmklassikers amerikanischer Geschichtsschreibung. Während im Krieg diese Unterschiede (Ober-, Mittel- und Unterschicht) keine Rolle spielten, sind sie im Leben nach dem Krieg wieder einer kurzen Zeit wieder vorhanden. Wie viele gute alte Klassiker ist "Die besten Jahre unseres Lebens" auch ein Zeugnis seiner Zeit und ein Zeugnis der Menschen dieser Zeit. Trotz sentimentaler Anteile und einem Happy-End bleibt das bedrückende Schicksal der Veteranen auch nach dem Ende präsent und eine dokumentarische Wahrheit bleibt bestehen.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.