Regie: Ingmar Bergman
Zugfahrt durch Deutschland nach dem Krieg...
1999 berichtete der schwedische Regisseur ingmar Bergman, dass er in seiner Jugend, nicht zuleztt beeinflusst durch ein rechtes, antikommunistisches Elternhaus, ein Bewunderer von Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus gewesen sein. „Unser Geschichtslehrer verehrte ‚das alte Deutschland‘, unser Gymnastiklehrer besuchte jeden Sommer Offizierstreffen, einige der Pastoren in der Gemeinde waren heimliche Nazis und die engsten Freunde der Familie drückten starke Sympathien für das ‚neue Deutschland‘ aus. Erst als die Tore der Konzentrationslager geöffnet wurden, habe ich zuerst meinen Augen nicht getraut … Als die Wahrheit ans Tageslicht kam, war das ein furchtbarer Schock für mich. Auf brutale und gewalttätige Weise wurde ich plötzlich meiner Unschuld beraubt.“ In seiner Autobiografie schreibt er dazu: „Der Glanz an der Oberfläche hat mich geblendet und ich habe das Dunkle nicht gesehen.“ Seine Schlussfolgerung: „Nie mehr Politik!“ Ein Versuch der Bewältigung fand mit dem 1977 gedrehten Film "Das Schlangenei" statt. Im Jahr 1949 war er noch nicht der international rennomierte Regisseur. Ein gemeinsames Thema seiner frühen Filme waren Paare, die sich gegen den feindlichen Zugriff der Umwelt wehren müssen und deren Liebe zwischen äusseren Widerständen und dem Unvermögen der Liebenden selbst aufgerieben wird. Einen eigenen Stil hatte er damals noch nicht, er lehnte sich aber an den geschätzten schwedischen Stummfilm und an den Poetischen Realismus bzw. den italienischen Neorealismus an. Rut (Eva Henning) und ihr Mann Bertil (Birger Malmsteen) reisen nach einem Italienurlaub mit dem Zug nach Hause. Einer der Aufenthalte findet in Basel statt, dort übernachten sie in einem Gasthaus. Ihre Ehe ist unglücklich, da Rut unter Stimmungsschwankungen und starkem Alkoholkonsum leidet. Während der Fahrt durch die Trümmer des Nachkriegsdeutschlands erinnert sich Rut an eine frühere Affäre mit dem verheirateten Offizier Raoul (Bengt Eklund). Dessen Frau Astrid (Gaby Stenberg) entdeckt die Liason und stellt Rut zur Rede. Kurz danach wird Rut auch noch schwanger. Raoul zwang sie zur Abtreibung, was zu Komplikationen führte, vor allem zu Ruts Unfruchtbarkeit und dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin. Ihre Freundin und Tanzpartnerin Valborg (Mimi Nelson), angewidert von Männern, wandte sich anderen Frauen zu. Auch Bertil wird von einer früheren Affäre mit der Witwe Viola (Birgit Tenrod) gequält. Während Rut und Bertil nach Hause reisen, macht der Film einen krassen Szenenwechsel und zeigt Violas Flucht vor einem sadistischen Psychiater (Hasse Ekman) ihre Begegnung mit Valborg, der sie unverhohlen zu verführen versucht, und ihren späteren Selbstmord. Unterdessen spitzt sich die Spannung zwischen Rut und Bertil zu, und Bertil tötet Rut scheinbar nach einem Streit. Als Bertil erwacht, erkennt er, dass er sich Ruts Tod nur eingebildet hat. Das Paar beschließt, ihrer Ehe eine weitere Chance zu geben...


















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