Regie: Arthur Robison
Das Spiel des Schaustellers...
In dem 1923 gedrehten deutschen Stummfilm "Schatten" das amerikanischen Regisseurs Arthur Robison gelingt es einem Taschenspieler, dass die Schatten an die Stelle der Lebenden treten, sie sind während eines Schauspiels zu leblos erstarten Zuschauern geworden und zu Zeugen ihres eigenen Geschicks in der nahen Zukunft. Die Schatten an den wänden und durch die als Leinwände fungierenden Vorhänge enthüllen die Obesessionen der Figuren in einem sehr eigenwilligen Setting, dass von Albin Grau entworfen wurde. Am Ende hat dieser Einblick auf die Zukunft bei den Protagonisten eine kathartische Wirkung. Regisseur Robison kam bei der Realisation dieses Stummfilms ohne Zwischentitel aus, was für den Zuschauer mit den heutigen Sehgewohnheiten manchmal zur echten Herausforderung werden kann. Sehr oft ist man am Rätseln was diese Schatten nun erzählen. Der Film spielt um 1800. Er zeigt ein Ehepaar (Fritz Kortner und Ruth Weyher) in der Krise, das eine Dinnerparty gibt: Der Ehemann ist eifersüchtig, die Ehefrau flirtet mit den Gästen – einem jungen Mann (Gustav von Wangenheim), der in sie verliebt ist, und drei lüsternen, aber feigen Rittern (Eugen Rex, Max Gülstorff, Ferdinand von Alten) . Ein Schattenspieler (Alexander Granach) schleicht sich ins Haus, um aufzutreten. Die Vorstellung beginnt mit einer kurzen Schattenspielszene, in der eine Chinesin, ihre Ehemann und ihr Liebhaber zu sehen sind.Doch schnell führt der Schattenspieler sein Publikum „auf die andere Seite des Vorhangs“ und zeigt ihnen, was geschehen könnte: Die Frau küsst den jungen Mann, und die Ritter verspotten den unglücklichen Ehemann. Er befiehlt seinen Dienern (Fritz Rasp und Karl Platen), seine Frau zu fesseln, und zwingt die Ritter, sie zu töten, bevor er den Verstand verliert. Dann werfen ihn die Ritter und der junge Mann aus dem Fenster. Als das Publikum aus seiner nächtlichen Halluzination erwacht , endet das Schattenspiel mit der Vertreibung der Liebenden. Nach dem Ende der Vorstellung fallen sich Mann und Frau in die Arme und beachten die Gäste, die sich diskret entfernen, nicht mehr. Ein Diener, der im Morgenlicht die Vorhänge öffnet, findet sie noch immer eng umschlungen vor. Die Schatten der Nacht sind verschwunden, und sie beobachten durchs Fenster, wie ihre Gäste und der Schattenspieler, hoch zu Ross auf einem Schwein, davonfahren und verschwinden...
Obwohl das Szenario nicht immer konsequent in der Handhabung der verschiedenen Ebenen Schein und Sein wirkt, hat er doch viele faszinierende Momente. Während viele Filme der Weimarer Republik in dieser Zeit Menschen zeigte, die rettungslos ihren Schicksal oder ihren Neigungen ausgeliefert sind, bietet "Schatten" immerhin eine rationale Bewältigung der Situation durch Einsicht. Es brauchte allerdings einen Spiegel, in dem sich die Figuren betrachten konnten.






















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