Dienstag, 8. Mai 2018

Die Schwindler

























Regie: Federico Fellini

Betrüger auf Tour...

Zwischen seinen beiden großen Meisterwerken "La Strada" (1954) und "Die Nächte der Cabiria" (1957) drehte Federico Fellini mit "Die Schwindler" (Original: Il Bidone) einen weiteren Film über den tristen Alltag in Italien nach dem 2. Weltkrieg - dabei gab er aber den poetischen Realismus und die extravagante Vitalität der beiden anderen Filme auf - zugunsten einer etwas poliitischeren Aussage. "Die Schwindler" - selbst Verlierer der Gesellschaft ziehen vor allen den Armen das letzte Geld aus der Tasche. Ein echter Teufelskreis wird hier beschrieben, doch der 1955 entstandene Film wählt für diese Aussage das Krimigenre aus.
Natürlich ist "Die Schwindler" weit davon entfernt ein echtes Fellini Meisterwerk zu sein, aber einen großartigen Filmemacher gelingen natürlich dennoch einige großartige Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Für die Hauptrollen wählte der Regisseur populäre Hollywood-Schauspieler aus. Für die Rolle des Betrügers Augusto wollte er zuerst Humphrey Bogart, doch der war bereits an Krebs erkrankt und als Fellini das Filmplakat von "Der Mann, der herrschen wollte" sah, verpflichtete er den Hauptdarsteller Broderick Crawford. Für seine darstellerische Leistung in Robert Rossens Politfilm gewann der Schauspieler im Jahr 1950 sowohl den Oscar als auch den Golden Globe Award. Broderick war aber auch nicht einfach, denn er hatte ein Alkoholproblem. Richard Basehart spielte bereits in "La Strada" den Artisten Matto, der sich in Gelsomina verliebt und später im Streit mit Zampano sein Leben lässt. Auch er ist einer der Schwindler. Der italienische Darsteller Franco Fabrizi komplettiert das gerissene Betrügertrio.
Sie fahren durchs Land, um arme Bauern zu betrügen. Die Masche funktioniert meistens, weil sie gut durchdacht ist und mit der Gier der Leute spielt. Verkleidet sind Augusto (Broderick Crawford) und Carlo (Richard Basehart), der "Picasso" genannt wird als geistliche Würdenträger, der blonde Roberto (Franco Fabrizi) ist der Chauffeur, der den Wagen fährt. Dort bei den Bauern lesen die Gauner den letzten Willen eines verstorbenen Verbrechers vor. Eine Leiche soll dort auf dem Land der Bauern in ungeweihter Erde verscharrt worden sein und auch ein wertvoller Schatz. Der letzte Wille des Mörders: Grabt den Toten aus, die Kirche soll ihn richtig bestatten und einige Messen lesen. Dem Bauern, der das Land gehört, soll aber der wertvolle Schatz gehören. Um den zu bekommen, müssen sie aber den Geistlichen Geld für das lesen der Messen mitgeben. Das funktioniert meistens und die drei Ganoven kennen keine Skrupel, obwohl sie selbst zu dieser ärmeren Klasse gehören. Carlos Frau (Giulietta Masina) ahnt, dass ihr Mann in kriminelle Geschäfte verstrickt ist, doch sie haben ein Kind und wollen natürlich so gut es geht leben. Augusto trifft auf der Straße seine Tochter Patrizia (Lorella de Luka), die er lange Zeit nicht mehr gesehen hat. In dieser Szene bemerkt der Zuschauer auch das Schicksal des alternden, ausgebufften Gauner. Seine Ehe wohl zerrüttet. Er verabredet sich mit der Tochter im Kino, wird aber von einem seiner Opfer erkannt und wandert ins Gefängnis. Als er entlassen wird setzt er seine Betrügergeschäfte mit anderen Typen fort. Auf einem der Bauernhöfe trifft er auf ein gelähmtes Mädchen. Erstmals bekommt er Skrupel das Geld dieser Familie zu stehlen...



Dieses Mädchen bittet den vermeintlichen Bischof um den Segen. Er lässt ihr das Geld und wird am Ende der Geschichte von seinen Kumpanen brutal zusammengeschlagen. Er stirbt den einsamen, qualvollen Tod, dem seine erste gute Tat seit langem zum Verhängnis wird. Eine sehr tragische und effektive Schlußszene. Sehr gut ist auch die Partyszene gelungen, in der Roberto einem weiblichen Partygast das goldene Feuerzeug entwendet und beim Aufbruch nach Hause vom Gastgeber gehindert wird. Er solle zuerst das aus Versehen eingesteckte Feuerzeug rausrücken.
In Italien startete "Die Schwindler" bereits 1955 in den Kinos, in Deutschland allerdings erst zwei Jahre später. Die damaligen Kritiken waren aber nicht gut, auch der Erfolg an der Kasse war für die Geschichte von einem Mann, der vom Saulus zum Paulus wird,  nur gering.
Stilistisch ist der Film ein Vertreter des Neorealismus mit sozialchristischen und christlichen Verweisen und die Schauspielerleistungen sind allesamt sehr gut. Durch einige starke Szenen, die sehr Fellini-Typisch sind, ist "Die Schwindler" dennoch ein überdurchschnittlich guter Film. 






Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 2. Mai 2018

Die Stunde des Wolfs
























Regie: Ingmar Bergman

Dämonen...


Filmfreunde werden in Ingmar Bergmans 1968 gedrehten Horrorfilm "Die Stunde des Wolfs" Parallelen zu Roman Polanskis "Der Mieter" finden und auch mit Alain Resnais kryptischen "Letztes Jahr in Marienbad" gibt es Ähnlichkeiten. Genau wie "Der Mieter" wird ein pychisch angeschlagener Mann mit einer Gruppe von anderen Menschen konfrontiert, von denen er glaubt, dass die ihm Böses wollen. Die rätselhaften Schwarz-Weiß Bilder von Sven Nykist, der Kamerachef in "Die Stunde des Wolfs" war, verfängt sich ebenfalls wie Sacha Viernys Bildkompositionen in stimmungsvollen Details. Besonders die Sequenz auf dem Anwesen von Baron von Merkens erinnert an dessen kamerafahrten durch die Räume im barocken Dekor.
Thematisch gehört "Die stunde des Wolfs" neben den etwas später gedrehten "Schande" und "Passion" zu der sogenannten Fårö-Trilogie, die beiden Schauspieler Max von Sydow und Liv Ullmann sind die Gesichter dieses düsteren Films.
Eingerahmt durch den Bericht von Alma (Liv Ullmann) wird der Zuschauer auf die Geschichte eingestimmt. Sie spricht dabei das Publikum an und erzählt von dem sonderbaren Verschwinden ihres Mannes, des Malers Johan Borg (Max von Sydow) und eröffnet so auch einen Rückblick auf die Ereignisse. Alma schildert ihre Erlebnisse und wird dann später auch noch einen Einblick in die Tagebücher ihres Mannes geben. Der besucht gemeinsam mit seiner Frau Alma immer wieder die Ruhe und Abgeschiedenheit auf der kleinen Insel Baltrum. Dort hat er bisher immer die Ruhe gefunden, die er zum malen braucht.
Doch wie ist sein seelischer Zustand ? Alma ist ratlos, denn ihr Mann ist tagsüber alleine auf der Insel unterwegs und am Abend, wenn er nach Hause kommt, erzählt er ihr sonderbare Dinge über Menschen, die er kennengelernt hat. Einen Homosexuellen, der ihm nachstellt - eine alte Frau mit Hut - und der gefährlichste von allen, dem Vogelmenschen. Johan glaubt, dass diese Menschen in Wirklichkeit Dämonen sind und ihm nach dem Leben trachten. Und tatsächlich macht auch Alma eines Tages Bekanntschaft mit dieser alten Frau mit Hut, die ihm anrät, dass sie doch die unter dem Bett versteckten Tagebücher des Mannes lesen soll. Immer mehr dieser ominösen Gestalten nehmen Kontakt mit Johan auf, auch seine frühere Geliebte Veronica Vogler (Ingrid Thulin) erscheint Johan. Ist das Traum ? Ist es Einbildung ? Oder erlebt er es tatsächlich ? Jedenfalls wird er eines Tages von Baron von Merkens (Erland Josephson) eingeladen, der am anderen Ende der Insel auf seinem Schloß lebt. Er soll auch Alma mitbringen. Dort finden sie eine surreale Gesellschaft vor, auch die Frau des Barons (Gertrud Fridh) und dessen Mutter (Gudrun Brost) wirken äusserst seltsam. Nachdem Johan und Alma die Burg verlassen, gesteht sie ihm ihre Angst ihn an Dämonen zu verlieren, aber auch ihren Willen nicht so schnell aufzugeben.
Doch diese Unterstützung für ihren Ehemann ist alles andere als leicht, denn der leidet zunehmend unter Schlaflosigkeit und hofft, dass die Frau mit ihm wach bleiben kann. Er erinnert dabei an die "Stunde des Wolfs" - die Zeit ab 4 Uhr Morgens, wo die meisten Menschen sterben und auch geboren werden. Die Visionen werden auch immer stärker und gewalttätiger - so wird Johan am Strand mit einem Jungen konfrontiert, der ihn versucht zu beißen und zu peinigen. Aus Notwehr tötet er das Kind. Alma ist immer mehr schockiert von Johans Geständnissen.  Dann werden sie erneut ins Schloß eingeladen. Der Bote überbringt diese Einladung persönlich und legt eine Pistole auf den Tisch. Dann gerät das Ehepaar in Streit, ein Schuß fällt...





In einem erläuternden Satz meint Alma "Wenn Paare lange genug zusammen sind, dann werden sie sich immer ähnlicher. Kann es auch sein, dass die Gedankenwelt immer mehr Eins wird ?" - damit spielt sie darauf an, dass sie selbst auch diese Erscheinung der alten Frau hatte. "Die Stunde des Wolfs" ist ein echter Alptraumfilm - ähnlich wie Polanskis "Der Mieter" und wie dieser lässt er auch vieles offen. Der Zuschauer nimmt aber großen Anteil an der Schlaflosigkeit des Künstlers auf dieser einsamen Insel. Die Bilder drücken zusätzlich eine enorme Schwere aus. Jedesmal wenn er auf einer Felsenklippe seine Staffelei auspackt, wird er schon mit diesen dämonischen Gestalten konfrontiert - sie lassen ihn nicht mehr los. Bergman inszenierte in nüchternen Bildern, es herrscht ein gewisser Neo-Realismus vor. Es ist ein Film über die Macht der Suggestion und vieles bleibt vage. Aber die Phantasie wird angeregt, denn die Schloßbewohner haben Ähnlichkeiten mit untoten Nachtgestalten inkl. vampiristischen Gelüsten. In einer Schlüsselszene wird der Künstler dadurch gedemütigt, dass er wie eine Frau geschminkt, von seiner Exgeliebten, die sich dann ebenfalls im Schloß aufhält, verspottet wird. In solchen Szenen hat man das Gefühl, dass es doch die zerstörerischen Kräfte in Johans Inneren sind, die diesen Horror hervorrufen. Aber man darf sich auch da nicht zu sicher sein.






Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 16. April 2018

Die rote Tapferkeitsmedaille





















Regie: John Huston

Die erste Schlacht....

Leider liegt John Hustons 1951 gedrehter Kriegsfilm "Die rote Tapferkeitsmedaille" nur noch in einer verstümmelten Version von 69 Minuten vor. Damit teilt er das gleiche Schicksal wie die Meisterwerke "Der Glanz des Hauses Amberson" von Orson Welles oder "Sierra Charriba" von Sam Peckinpah, die aber auch trotz starker Kürzungen dennoch anerkannte Meisterwerke der Filmgeschichte wurden. Dies trifft auf "Die rote Tapferkeitsmedaille" leider nur bedingt zu, denn man musste Kommentare aus dem Off zuhilfe nehmen, um nach den vielen Schnittänderungen den Zusammenhang wieder herzustellen. Dennoch lohnt sich ein Blick auf Hustons Nachfolgefilm von "Asphalt Dschungel".
Der Romanklassiker von Stephen Crane "The Red Badge of Courage" erzählt die Geschichte des jungen Henry Fleming, der in den Sezessionskrieg zeiht und als tapferer Mann zurückkehrte.
Die Hauptrolle erhielt der 25jährige Audie Murphy, der höchstdekorierte US-Soldat im 2. Weltkrieg - trotz seines extrem jungen Alters. Er wollte bereits als 16jähriger nach dem Angriff auf Pearl Harbor in die Armee, doch er wurde wegen seines Alters abgelehnt. Er ließ sich jedoch nicht entmutigen, fälsche seinen Pass und seine Heldentaten im Krieg begannen. Murphy erhielt jede militärischen Auszeichnung, die die USA vergeben kann und war Träger von insgesamt 33 Auszeichnungen und Medaillen, darunter natürlich befand sich auch die "Medal of Honor".
Somit war der spätere B-Westernheld Audie Murphy die Idealbesetzung für John Huston. "Dir rote Tapferkeitsmedaille" spielt aber im Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten und beginnt am Vorabend der Schlacht von Chancellorsville, die am 1. bis 4. Mai unweit der Kleinstadt Fredericksburg in Virginia stattfand.
Das Potomac Regiment steht kurz vor der entscheidenden Schlacht. Der junge Soldat Henry Fleming (Audie Murphy) spielt zwar äusserlich den Coolen, bleibt aber ruhig und  spielt nicht so sehr wie seine anderen Kameraden den unerschrockenen Helden -  innerlich hat der junge Mann Angst vor seinen ersten echten Einsatz. Nur nicht türmen, obwohl ihm auch dieser Gedanke kommt. Noch herrscht Ruhe im Lager, er unterhält sich mit dem etwa gleichaltrigen Tom (Bill Mauldin), der etwas ältere Soldat (Andy Devine) sieht die Sache schon eher realistischer. Während der Nachtwache nimmt ein Südstaatler mit ihm Kontakt auf, indem er Henry zuruft und und ihm empfielt in Deckung zu gehen, denn er könnte ihn in jeder Sekunde abschießen. Er bedankt sich und kommt ins Grübeln. Bei den ersten Kampfhandlungen setzen Explosionen ein, der Feindbeschuß ist groß und die kommen immer näher. In Panik läuft er orientierungslos davon - sieht seine Kameraden, die verwundet wurden und schämt sich als Deserteur. Doch er bekommt eine zweite Chance. Er reiht sich unter einer Reihe von verwundeten Soldaten ein, dort ist auch sein Kamerad Jim Conklin (John Dierkes), der vor seinen Augen stirbt. Ein anderer Soldat (Royal Dano) fragt ihn, wo er verwundet wurde. Im Chaos dieser Momente trägt Henry tatsächlich an diesem Tag noch eine Verletzung davon, damit kann er wieder zurück zu seiner Einheit laufen, ohne als Feigling und Deserteur dazustehen. Am anderen Tag reißt er allen Mut zusammen und es gelingt ihm sogar mit der Flagge in der Hand seine Kameraden in einen siegreichen Angriff zu führen. Später wird er vom General ausgezeichnet...



Die MGM wollte keine kritischen Kriegsfilm, sondern einen Kassenhit, der den Mut der Soldaten unterstreicht. Deshalb wurden viele kritische Töne einfach entschärft. Da Huston bereits zu sehr mit den Vorbereitungen zu "African Queen" beschäftigt war, hielt er sich nicht lange mit seinem Protest auf wegen der gekürzten 20 Minuten. Immerhin blieb "Die rote Tapferkeitsmedaille" ein kleiner Klassiker und vielleicht hätten 20 Minuten mehr den Kriegsfilm zu einem Meisterwerk seines Genres gemacht. Vor allem Audie Murphy überzeugt in diesem Film mit einer sehr einfühlsamen Darstellung des Helden im Zwiespalt - am Vortag desertiert, einen Tag später zu einer Heldentat fähig. Die bildäästhetik von Kameramann Robert Rossson (Wizard of Oz, Duell in der Sonne, El Dorado, Singin in the Rain) orientierte sich dabei an Mathew Bradys Photos aus dem Bürgerkrieg.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Sonntag, 8. April 2018

Die Verdammten der Meere

























Regie: Peter Ustinov

Billy Budd....

Peter Ustinov (1921-2004) war Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller und bekam zweimal den Oscar als bester Nebendarsteller. Seine berühmteste Rolle war die des Nero in Mervyn Le Roys Monumentalfilm "Quo Vadis" - auch dort wurde er nominiert. Gewinnen konnte er aber erst durch die Filme "Spartacus" und "Topkapi". Als Regisseur war auch immer wieder tätig, seine bekanntesten Arbeiten waren "Lady L" mit Sophia Loren, "Hammersmith is out" mit dem Duo Burton und Taylor und der 1961 in schwarz-weiß inszenierte "Billy Budd" (deutscher Verleihtitel: Die Verdammten der Meere) . In diesem Film hatte Terence Stamp sein vielbeachtetes Debüt als Matrose Billy Budd - er wurde mit dem Golden Globe als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und konnte auch eine Oscar-Nominierung in der gleichen Sparte erringen.
Das Drehbuch schrieb Ustinov gemeinsam mit Robert Rossen und DeWitt Bodeen nach dem Roman "Billy Budd Fortopman" von Herman Melville. Dieses Buch ist zwar weniger bekannt als Melvilles Hauptwerk "Moby Dick" - aber diente ebenfalls hervorragend als dramatische Geschichte auf hoher See.
Die markanteste Figur dieser Geschichte spielte aber der hervorragende Robert Ryan als verbitterter und hasserfüller Offizier Claggart.
Der junge unbedarfte und etwas naibve Billy Budd (Terence Stamp) ist Mitglied der Besatzung des britischen Handelsschiff The Rights of Man. Nach geltendem Recht darf in Kriegszeiten wie diesen (Das Empire ist mit Frankreich im Krieg) darf ein britisches Marineschiff Leute von Handelsschiffen als Matrosen rekrutieren und von diesem Recht macht im Jahr 1797 die HMS Avenger Gebrauch. Der junge Billy ist nunmehr Crewmitglied eines Kriegsschiffes. Sehr schnell erkennt die Mannschaft, dass Billy hoffnungslos naiv und optimistisch mit seinem Schicksal umgeht, dies bringt ihm auch Sympathien bei seinen zynischen Kameraden. Der alte Segelmacher Dansker (Mervyn LeRoy) hat es sich zur Aufgabe gemacht dem jungen Mann etwas zur seite zu stehen. Captain Vere (Peter Ustinov) weiß, dass in Kriegszeiten die Mannschaft eine strenge Hand braucht. Daher lässt er den unerbittlichen Offizier Claggart auch sehr viele Freiheiten in der Bestrafung der Schiffsbesatzungen. Wer auf dessen Liste steht, der hat spätestens am nächsten Tag nichts mehr zu lachen, denn die Bestrafung ist fast schon umenschlich. Die Schläge so hart, dass die Männer nach der Bestrafung ohnmächtig auf dem Schiffsdeck liegen. Der 1. Offizier Seymour (Paul Rogers),  der 2. Offizier Ratcliffe (John Neville) und Fähnrich Wyatt (David McCallum) gehen etwas menschlicher mit der Besatzung um und verabscheuen im Grunde die Methoden von Claggart, dem man eine unrühmliche Vergangenheit nachsagt. Aber es ist schwer Beweise für dessen Sadismus zu haben, da die Leute aus Angst schweigen. Sehr schnell gewinnt der junge Billy auch die Sympathien seiner Vorgesetzten und der Kapitän zieht sogar eine ..... in Erwägung.
Billy versucht auch mit dem unbeliebten Claggart ins Gespräch zu kommen, doch der Versuch schlägt fehl und Claggart baut noch mehr Hass gegen den jungen Mann auf. Bald darauf beschuldigt er Billy der Anstiftung zur Meuterei. Bei der Gegenüberstellung durch den Captain kommt es zu einem tragischen Schlagabtausch. Die Konsequenz daraus ist ein sofort anberaumtes Schiffgericht...



Robert Krasker als Kameramann überzeugt einmal mehr mit sehr atmosphärischen Aufnahmen auf hoher See. Der Brite erhielt für "Der dritte Mann" einen Oscar und war Chefkameramann weiterer unsterblicher Klassiker wie "Ausgestoßen", "Begegnung" oder "Geheimnisvolle Erbschaft".
Das Gericht auf dem Schiff bleibt in Erinnerung, denn es zeigt eindrücklich wie sehr sich geltendes Recht von Gerechtigkeit unterscheidet - vor allem in Kriegszeiten. So sind sich alle vier Richter einig, dass Billy eigentlich einen Freispruch für den ungewollten Totschlag an seinem Vorgesetzten verdient hätte, aber es gilt keine Schwäche zu zeigen und so stimmt der Kapitän seine drei Beisitzer am Ende doch noch um nichts anderes als die Todesstrafe auszusprechen. In dem Genre der Filme, die auf dem Meer spielen, kann "Die Verdammten der Meere" nicht ganz mit den ultimativen Klassikern wie "Meuterei auf der Bounty" oder "Moby Dick" mithalten. Interessant ist die Geschichte des optimistischen Billy, dessen Leben tragisch endet, der aber dennoch Kraft aus dem Glauben schöpft,  aber allemal.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 6. April 2018

Paris gehört uns

























Regie: Jacques Rivette

Verschwörung und Entwurzelung...

Gedreht wurde "Paris gehört uns" schon im Jahr 1958, doch erst drei Jahre später kam der Erstling von "Nouvelle Vague" Regisseur Jacques Rivette in die französischen Kinos. Der Film entpuppte sich als kommerzieller Reinfall - möglicherweise hing dies mit dem Bild der französischen Hauptstadt zusammen, wie der Regisseur es zeichnet: Trostlos und bedrückend als eine anonyme Metropole der Einsamkeit, die "niemandem gehört" wie der Dichter Charlees Peguy am Anfang zitiert wird. Es ist ein Ort der Entwurzelten und optisch ein dunkles Niemandsland. Rivette, der am 1. März 1928 in Rouen geboren wurde, kam über die Literatur zum Film - dies merkt man seinem Debüt auch an, die Theaterwelt spielt eine wichtige Rolle. So studieren die Protagonisten des Films Shakespeares "Perikles" ein, sozusagen als Ausgleich eines Lebens in gewisser Lethargie und lähmender Spannung.
Die Hauptfigur ist die junge, noch naive Studentin Anne (Betty Schneider), die neu in der Stadt ist und zum Glück ein kleines Zimmer gefunden hat. Ihr Bruder Pierre (Francois Maistre) hat Beziehungen und führt die junge Frau auch in seine Clique von gelangweilten Intellektuellen ein. Die meisten der jungen Leute leben im Exil oder sind Immigranten und wirken entfremdet - man hat nicht das Gefühl, dass sie überhaupt irgendwo dazugehören. Eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft, die darüber schockiert ist, dass der Musiker Juan aus Spanien tot ist.  Der Exilanarchist hat die Musik zum Shakespeare Stück geschrieben, dass Gerard (Gianni Esposito) inszenieren will. Der Amerikaner Philipp (Daniel Grochem) glaubt jedenfalls felsenfest daran, dass e Mord war und Juan das Opfer einer weltumspannenden faschistischen Verschwörung wurde. Andere in der Gruppe deuten den Suizid anders. Ein Maler glaubt, dass Nihilismus und Verbitterung Juan in den Tod getrieben hat. Jedenfalls ist Anne von der neuen Clique manchmal gelangweilt, aber irgendwo doch fasziniert - zumal Gerard sie für sein Stück spontan verpflichtet und ein gewisses Interesse an ihr zeigt. Sie hat auch Gefallend daran der Verschwörungstheorie des Amerikaners nachzugehen, so wird Anne ganz langsam auch Ermittlerin in der wüsten Verschwörung. Diese hat auch eine gewisse mystische Komponente, denn in der ersten Szene in ihrem kleinen Zimmer hört Anne im Nebenraum Geräusche. Sie findet dort eine Spanierin, die sagt, dass ihr Bruder Juan gerade von dunklen Mächten getötet wurde.
Es wird auch orakelt, dass Gerard ebenfalls bald sterben wird. Sehr geheimnisvoll ist die Femme Fatale Terry (Francoise Prevost), die mit jedem der Männer schon ein Verhältnis hatte und die vermutlich mehr weiß als sie sagt. Gerard glaubt jedenfalls, dass Terry das Tonband mit Juans Bühnenmusik hat verschwinden lassen. Anne will Gerard retten, denn inzwischen hat sie sich auch in ihm verliebt. Sie hat das Gefühl, dass auch ihr Bruder mit dieser Sache zu tun hat, so hat sie nur den Schauspieler Jean-Marc (Jean Claude Brialy), der ihr helfen könnte Licht ins Dunkel zu bringen...



Auch wenn gegen Ende die Ereignisse dramatisch werden, ist es doch sichtbar, dass alle geheimnisvollen Ereignisse Folgen von banalen privaten Intrigen sein könnten. Oder doch nicht ? Jedenfalls hat es Rivette geschafft die Realtiät irgendwie ins Zwielicht zu rücken. Der Zuschauer ist ratlos wie Anne und ist gespannt was hinter allem steckt. Interessanterweise hat der Regisseur durch die Einflechtung eines ominösen Diktatorensyndikat, dass die Weltherrschaft anstrebt und alle freiheitlichen Elemente in ein Konzentrationslager stecken will, sehr viel Zeitgeist in seinem Film aus den Endfünfzigern wie etwa das Trauma Faschismus oder auch die spürbare Paranoia einer Endzeit, bedingt durch Wettrüsten und Atombomben. Daneben der hilflose Mensch, der sich irgendwie treiben lässt. Das Gesicht des Films ist die pausbäckige Betty Schneider, die zwischen Verspieltheit und Geheimnis der Handlung, eine Art Anker für den Zuschauer bedeutet.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.